Die Faszination des Kimonos

Petra Eckardt, "Frauen aus Vechta", Acryl, Zwirn auf Leinwand, 100x80 cm
Petra Eckardt, „Frauen aus Vechta“, Acryl, Zwirn auf Leinwand, 100×80 cm

Die Ausstellung „wider die verderbliche Gleichförmigkeit“ von Petra Eckardt in der Galerie Torhaus Rombergpark vom 10. bis 31. Mai 2015 zeigt ungewöhnliche Arbeiten der Künstlerin. Hat sie überwiegend abstrakt gemalt, besteht der Großteil der ausgestellten Werke aus figurativen Motiven und einer Begeisterung für textile Stoffe.

Das traditionelle japanische Kleidungsstück, der Kimono, hat es der Künstlerin besonders angetan. Die unterschiedliche Farbigkeit, der klassische Schnitt, steht in mehreren Werken im Mittelpunkt. Auch in der japanischen Kultur ist Kimono nicht gleich Kimono, denn es gibt für verschiedene Anlässe unterschiedlichen Kimonos. Der Kimono wird nicht nur von Frauen getragen, es gibt aus Männer-Kimonos. Darüber hinaus beschäftigt sie sich auch mit weiteren Details der traditionellen japanischen Mode wie Gürtel oder Schuhe. Textil und Malerei verbinden sich zu einem Bildobjekt.

Aus Keramik sind die weiblichen Torsi, die die Weiblichkeit der Kimonos unterstreichen sollen.

Das Thema „Textil“ geht in der Reihe „Erbstücke“ weiter. Hier verarbeitet Eckardt den Rapport  alter Leinwandstoffe durch Übermalen. In der Arbeit „Frauen aus Vechta“ geht sie in den Raum, hier hat die Künstlerin nicht nur die Farbe weggenommen, sondern die Pinselstriche durch Fäden ersetzt.

Mit dem abstrakten Bild „explosiv“ ist ein Beispiel ihres künstlerischen Schwerpunkts zu sehen. Dominierend ist dabei ihre Lieblingsfarbe Rot.

Öffnungszeiten der Galerie Torhaus: dienstags bis samstags 14 – 18 Uhr, sonntags und feiertags 10 – 18 Uhr.




Rhythmus ist ein Tänzer

Das Tanzensemble in Aktion. Es wurde auf Live Musik gespielt! (Foto: © Ralf Maserski)
Das Tanzensemble in Aktion. Es wurde auf Live Musik gespielt! (Foto: © Ralf Maserski)

Tanz ist ein Ritual, etwas Archaisches, kann in eine Kunstform gepresst oder sogar missbraucht werden und ist einfach nur ein Ausdruck von Freude. Nach „Kein Stück über Liebe“ hat sich die Junge Tanztheaterwerkstatt den Tanz als Thema ausgesucht. „Give me a vibe, Mr. King“ nahm die Zuschauer am 09. Mai 2015 im Theater im Depot auf eine rhythmische Reise durch die Geschichte des Tanzes mit. Als besonderer Gast: König Ludwig, der XIV., der Sonnenkönig.

Dass Tanz etwas ursprünglich, archaisches ist, erlebten die Zuschauer gleich zu Beginn. Die 24 Tänzerinnen und Tänzer zeigten am Anfang, wie Rhythmus und Körper zueinander fanden. Die einfachste Form, das Klatschen oder Stampfen auf dem Boden, das rhythmische Atmen, der eigene Körper als Resonanzfläche: Die Zuschauer erlebten, dass Tanz etwas natürliches ist und die motorische Kontrolle über den Körper fördert.

Doch Tanz ist nicht gleich Tanz. Ludwig, der XIV. (1638-1712) war ein Förderer des Tanzes, vor allem des Balletts und des höfischen Tanzes. Tanz wurde aus einem freien Spiel in ein Korsett von Notationen gezwängt. Die Rolle des Königs wechselte in dem Stück und wurde von verschiedenen Akteuren übernommen. Natürlich traf der Sonnenkönig im Laufe des Stückes auch auf einen anderen König: Elvis, der King of Rock’n’Roll.

Doch auch die dunklen Seiten des Rhythmus wurde gezeigt, als die Tänzerinnen und Tänzer zu monoton stampfenden Rhythmen marschierten. Techno und Marschmusik ähneln sich auf verblüffende Weise.

Die Choreografien von Birigt Götz und Alexeider Gonzales wurden von den Tänzerinnen und Tänzern bravorös umgesetzt, oftmals gab es spontanen Applaus aus dem Publikum. Großes Lob gehört auch auch Cordula Hein, die zusammen mit Götz die künstlerische Leitung innehatte.

Wer Lust auf 90 Minuten mitreißender Musik, engagierte Tänzerinnen und Tänzer und schöne Choreografien hat, der sollte im Depot um eine Audienz beim König bitten. Er/Sie wird es nicht bereuen. Absolut empfehlenswert.

Weitere Termine:

22.05.15 um 20 Uhr

23.05.15 um 20 Uhr

27.06.15 um 20 Uhr

alle im Theater im Depot




Chipstütenmassaker als surreales Bildungsstück

Marie-Ann (Désirée von Delft) will unbedingt in den "Club der Söhne" ( Götz Vogel von Vogelstein, Thorsten Schmidt und Steffen Happel). Foto:©Birgit Hupfeld
Marie-Ann (Désirée von Delft) will unbedingt in den „Club der Söhne“ ( Götz Vogel von Vogelstein, Thorsten Schmidt und Steffen Happel). Foto:©Birgit Hupfeld

Eigentlich gibt es ja zwei Dortmunder Beiträge für das Projekt „Industriegebietskinder“ neben „Asche unter meinen Docs“ (wir berichteten) inszenierte KJT-Leiter Andreas Gruhn das Stück „Ach je die Welt“, mit der die Dortmunder am 30. Mai nach Halle fahren. In Dortmund hatte das Stück von Anne Lepper am 08. Mai im KJT Premiere.

Gibt es morgen noch Arbeit? Werde ich geliebt? Habe ich als Frau eine Chance in einer Männerwelt? Allein die Beschäftigung mit einer dieser Fragen hätte für ein Theaterstück locker ausgereicht, aber Lepper hat versucht, alle Themen in diesem Stück zu behandeln. Angesichts der anvisierten Zielgruppe (ab 14 Jahren) kann ich nicht sagen, dass ihr das geglückt ist.

Steffen Happel, Götz Vogel von Vogelstein und Thorsten Schmidt spielen die Jugendlichen Marc, Tobias und Christopher. Christopher ist der „Checker“, der sagt, wo es lang geht und Marc ist eher schwerfällig von Begriff. Zusammen sorgen sie sich, dass es keine Arbeit mehr gibt, wenn sie von der Schule kommen. Früher sorgte „Alfred Krupp und seinesgleichen“ dafür, dass es Arbeit gab. Doch heute? Kompliziert wird das ganze dadurch, dass mit Marie-Ann (Desirée von Delft) ein Mädchen in die Jungenwelt eindringt, dessen Wunsch es ist, „geliebt“ zu werden. Besonders gelungen und ein Highlight war der „Schülerchor der Sechstklässler“: Lucas Franken, Oliver Seifert und Sven Voss gaben im Sumoringer-Look den „Chor der dicken Kinder aus Dortmund“. Wenn sie nicht das Stück kommentieren, dann saßen sie am Rand der Bühne und aßen Chips und tranken Cola.

„Alles Rückwärts ab jetzt“ sagt einer der drei Jugendlichen, in der Hoffnung auf Reindustrialisierung. Leppers „Coming of Age“ Stück (früher sagte man Bildungsroman) wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen. Manchmal hat man das Gefühl die Sprache und die Figuren von „Ach je die Welt“ stammen aus dem Zeitalter der Industrialisierung. Bei den Gesprächen zwischen den drei Jungen und Marie-Ann wird man an Wedekinds „Frühlings Erwachen“ erinnert, aber auch sonst benutzt Lepper viele Elemente der Popkultur in ihrem Werk. Mal geschieht das sehr witzig, wenn Marc, Tobias und Christopher als die „Drei ???“ unterwegs sind, manchmal etwas surreal, wenn die drei durch eine Riesenlinse in den „Club der Söhne“ verschwinden.

Ob jemand in Deutschland Arbeit findet und ob er in den „Club der Söhne“ gelangt, hängt in Deutschland ganz besonders von der sozialen Herkunft ab. Diese Chancenungleichheit per Geburt wäre ein schönes Thema gewesen, denn nicht jeder Jugendliche kommt automatisch in den „Club der Söhne“ wie bei Lepper, sondern höchstwahrscheinlich in die Unterstadt, wo die Arbeitermassen ihr tristes Dasein fristen müssen, um im Bild von „Metropolis“ zu bleiben.

So bleibt ein Stück, das versucht den Geist des Industriezeitalters wieder zum Leben zu erwecken, aber vergeblich. Das lag nicht an den Schauspielern. Von Delft spielte eine „Pretty in Pink“ Marie-Ann, die an der Liebe und der Tatsache, dass sie ein Mädchen ist, verzweifelt. Happel, Vogel von Vogelstein und Schmidt als Gruppe von drei Freunden, die lernen müssen, mit den Dingen, die auf sie einstürzen (u.a. auch Homosexualität) umzugehen.

Das Bühnenbild zeigt das ehemalige Klärbecken von Phoenix-West, das mit Bambus überwuchert ist und heute ein inoffizieller Treffpunkt von Jugendlichen ist. Während er „Rebellionsphase“ wird der Treffpunkt von den drei Protagonisten gestürmt und der Chipsvorrat des Schülerchores kommen unter den Baseballschläger.

Je mehr popkulturelle Zusammenhänge der Zuschauer begreift, desto eher erschließt sich ihm „Ach je die Welt“, unvorbereitet wird es mühsam. Die Leistung der Schauspieler ist in Ordnung, sehr berührend war die Selbstmordszene von Marie-Ann zu „Asleep“ von The Smiths.

Es gibt noch Termine am: So, 10. Mai 2015, Mo, 11. Mai 2015, Mi, 13. Mai 2015, So, 17. Mai 2015, Di, 19. Mai 2015, Do, 18. Juni 2015, Fr, 19. Juni 2015, Sa, 20. Juni 2015, So, 21. Juni 2015, Do, 25. Juni 2015 und Fr, 26. Juni 2015.

Weitere Informationen unter http://www.theaterdo.de oder 0231 5027222.




Freiraum in der Industriebrache

Glücklich über die Spende des Vereins "Bürger für ihr Schauspiel": (v.l.n.r.)  stellv. Vorsitzende Annegret Niedermeier, Vorsitzender Heinz Dingerdissen, die Schüler Laura Färber und Philip Effenberger, Leiter des KJT Andreas Gruhn. Im Hintergrund noch die Regisseure Melanie Nagler und Manuel Schmitt
Glücklich über die Spende des Vereins „Bürger für ihr Schauspiel“: (v.l.n.r.) stellv. Vorsitzende Annegret Niedermeier, Vorsitzender Heinz Dingerdissen, die Schüler Laura Färber und Philip Effenberger, Leiter des KJT Andreas Gruhn. Im Hintergrund noch die Regisseure Melanie Nagler und Manuel Schmitt

Die Dortmunder Premiere des theaterpädagogischen Projekts „Asche unter meinen Docs“ ist am 15. Mai 2015 im KJT. Regie und Choreografie Manuel Schmitt, Regie und Textentwicklung Melanie Nagler. Die Inszenierung ist eine 50-minütige Theater-/Textperformance zum Strukturwandel am Phönixgelände Dortmund.

Die beteiligten Jugendlichen haben während der Produktion des Stückes viel gelernt: Sie haben Freundschaften geschlossen, Selbstvertrauen entwickelt, freies Sprechen auf der Bühne trainiert und sich selbst und die Mitspieler sehr genau kennen gelernt. In den letzten Monaten ist das Vertrauen in sich und die Anderen gewachsen.

Auf dem Hörder Phönixgelände treffen sich die Jugendlichen in einem Klärbecken das mit Bambus überwuchert ist. Dies ist ihr Ort, den sie selbst gewählt haben, der ihren Freiraum darstellt. Dieser Ort spielt auch im Stück eine große Rolle. Er steht im Kontrast zu dem durchstrukturierten Stadtumfeld, das kaum Möglichkeiten zur Entwicklung bietet. Von zwanzig Jugendlichen zu Beginn sind fünf bis zum Ende dabei geblieben.

Besucher des Stückes „Ach je die Welt“ werden ein De-ja-vu-Erlebnis haben: Denn das Bühnenbild ist das gleiche.

Zum Projekt Industriegebietskinder: Jugendliche aus Halle an der Saale (Thalia Theater), Berlin (Theater Strahl) und Dortmund (KJT, Marie-Reinders-Realschule und Fachhochschule Dortmund) setzten sich mit dem Wandel ehemals eindeutiger Industriestandorte in neue Lebenswelten auseinander. Die Produktion ist Bestandteil des überregionalen Projekts, für das der Förderverein „Dortmunder für ihr Schauspiel“ 4000 Euro gespendet hat.

Jede Gruppe entwickelte anhand eines vorab ausgearbeiteten Fragenkatalogs je ein Theaterstück für eine Aufführung. Mit Unterstützung von Theaterpädagogen, Künstlern und Sozialarbeitern entwickelten die Jugendlichen Themenwelten zu Fragen die mit dem Strukturwandel aufgekommen sind. Ehemals hochproduktive Betriebe verschwanden und hinterließen große Brachen, Arbeitslose die heute Rentner sind. Wie empfinden die Jugendlichen diesen Wandel, wie finden sie ihren Platz in der heutigen Welt? Können sie mit den Erzählungen ihrer Eltern oder Großeltern etwas abfangen? Beeinflusst dies ihre heutiges Leben? Wie finden sie ihren Platz? Welche Träume, Hoffnungen und Frustrationen sind mit diesen Orten verbunden?

Ende Mai treffen sich alle in Halle zu einem Minifestival, bei dem alle Stücke aufgeführt werden sollen.




Sieger der Mauergalerie gekürt

Fabian Schubert bekam vom Oberbürgermeister Ullrich Sierau die Urkunde für den 1. Platz überreicht.
Fabian Schubert bekam vom Oberbürgermeister Ullrich Sierau die Urkunde für den 1. Platz überreicht.

Die weiße Mauer entlang des RWE Kraftwerks an der Weißenburger Straße ist bunt. Viele Künstler, Kinder und Jugendliche haben sich auf dieser Mauer verewigt (wir berichteten). Eine Jury, bestehend aus Dieter Ritter (Leiter des RWE Kraftwerks), Andreas Koch (Stiftung Soziale Stadt), Iris Kosumi (Sparkasse Dortmund), Marco Rühmann (BVB Stiftung Leuchte auf), Lydia Albers (Quartiersmanagement Nordstadt) und Annette Kritzler, haben nun die Preisträger des Streetartwettbewerbes gekürt. Es gab drei Preise und zwei Sonderpreise, die vom Oberbürgermeister Ullrich Sierau übergeben wurden.

Die beiden Sonderpreise gingen an das Leibnitz-Gymnasium für das Werk „Arche Dortmund“, in der die Wahrzeichen von Dortmund in einer Arche vor den Fluten gerettet werden. Die Kielhornschule bekam ihren Sonderpreis für ihr Bild „Mittendrin und echt dabei“. Die Schülerinnen und Schüler verarbeiteten in kreativer Weise das Logo der Nordstadt.

Platz 3 ging an Dalibor Babic für „Concrete Jungle“, der in seiner Ausführung das Stadtbild Dortmunds in Schwarz-Weiß verewigte.

Das zweitplatzierte Bild  „Urban Jungle“ von Hannes Schlachter, Christoph Wockelmann und Michael Flamme bekam von der Jury folgendes Lob: „Regt die Fantasie des Betrachters an und versetzt ihn in die Zukunft.“

Fabian Schubert gewann den ersten Platz, da er laut Jury mit dem Bild „Nature Supersession“ die Themenvorgaben Energie, Umwelt, Verkehr und Großstadtdschungel optimal umgesetzt hatte.




Intensives Kammerspiel

Der Ort war wie für „Sechs Gramm Caratillo“ gemacht. Der kleine, enge Keller des „Sissikingkong“ im Dortmunder Norden verströmte ein Gefühl des Eingesperrtseins. Hinzu kam das intensive Spiel von Nora Bauckhorn, die aus dem Hörspiel von Horst Bienek ein fesselndes Theaterstück machte. Schließlich hatte Bauckhorn auch ein großes Vorbild: „Sechs Gramm Caratillo“ wurde ursprünglich 1960 von keinem geringeren als Klaus Kinski gesprochen. Ein Premierenbericht vom 08. Mai 2015.

Die Idee „Sechs Gramm Caratillo“ auf die Bühne zu bringen, hatte Nora Bauckhorn schon lange. Zusammen mit dem Regisseur Jens Dornheim wurde das Stück die zehnte Produktion der Theatergruppe glassbooth realisiert (wir berichteten). Aufgepeppt mit einigen Multimediaelementen wie Film und Projektion – „Projektionen sind ja jetzt in“, machte sich die Hauptfigur zu Beginn über den neuesten Theatertrend lustig – verwandelte sich der Keller in einen Performanceraum.

Die Geschichte ist im Grunde die gleiche geblieben: Die namenlose Hauptfigur nimmt zu Beginn ihrer „Performance“ eine tödliche Dosis Gift und erlebt/erleidet mit den Zuschauern ihre letzte Stunde bis zum bitteren Ende. Dabei berichtet sie aus einigen Phasen aus ihrem Leben, die ihr Handeln erklären.

Handelte das Stück in der Originalfassung von einem medizinischen Experiment, so ging es diesmal um eine künstlerische Performance. Die Hauptdarstellerin ist Künstlerin und Schauspielerin, aber es scheint, als ob sie aus dem Leben gefallen ist. „Bin ich denn wirklich so anders“, fragt sie zu Beginn. Mit diesem Anders-sein hat sie ihr ganzes Leben zu kämpfen. Es scheint, dass sie an einem Vaterkomplex leidet: Ihre Träume von ihrem Vater, die Liebe zum Vater ihres Freundes, das alles quält sie. Bis sie sich letztlich zur tödlichen Performance entscheidet. Wie sich zeigt, eine Kurzschlussreaktion. Denn am Ende bekennt sie: „Die Träume sollten doch nur sterben“. Doch die Erkenntnis kommt zu spät.

Bauckhorn und Dornheim haben es geschafft, dieses Hörspiel auf die Theaterbühne zu bekommen. Neben der Protagonistin konnten die Zuschauer auf der Leinwand kurze Filmsequenzen sehen, die von Sascha Bisley und Thaisen Stärke gedreht wurden. Dabei spielten Tobias Schulz den Freund und Robert Adamek den Vater des Freundes. Während der Aufführung filmte Timo Knop das Geschehen. Ein ganz besonderes Gimmick waren die Einspielungen des Originalhörspiels, deren Stimme allen bekannt vor kam, doch es war in Wirklichkeit Jörg Schulze-Neuhoff, der den Kinski mit verblüffender Exaktheit sprach. Gelungen war auch die Auswahl der Musik und Geräusche im Hintergrund. So verbreitete zum Beispiel eine auf der Leinwand projizierte Uhr eine beängstigende Stimmung. Auch die „Störungen“ wurden modernisiert: Klingelte bei Kinski noch das Telefon im abgeschlossenen Raum, musste die Protagonistin in der heutigen Zeit Handy- und Smartphonebesitzer mit Waffengewalt drohen.

„Sechs Gramm Caratillo“ ist kein Stück für große Bühnen. Es kann seine besondere Faszination nur dann richtig zur Geltung bringen, wenn die Zuschauer eng beieinander sitzen und die Wände bedrohlich nahe sind. Ein ideales Stück für kleine Theater. Ansonsten lebt das Stück von seiner großartigen Darstellerin Nora Bauckhorn, die die Zuschauer auf einem emotionalen Parforceritt nimmt. Unbedingt ansehen!




Augenblicke zum innehalten

Laura Velasco vor ihrem Bild "Wie lange bleibst du hier?".
Laura Velasco vor ihrem Bild „Wie lange bleibst du hier?“.

Mit der Ausstellung „Adagio – irgendwo anders“ präsentiert die Galerie „der kunstbetrieb“ vom 09. Mai bis zum 14. Juni 2015 Bilder der spanischen Künstlerin Laura Velasco. Die Künstlerin lebt seit zwei Jahren in Deutschland und dies ist ihre erste Einzelausstellung.

„Irgendwo anders“. Die Menschen, die Velasco auf die Leinwand bannt, scheinen mit ihren Gedanken irgendwo anders zu sein oder irgendwo anders hinzugehören. Thematisch beschäftigt sie sich mit zwei Themen: dem Touristen und dem Menschen im Allgemeinen. Die Figuren sind durch die Aktionen (z.B. fotografieren) in eine bestimmte Rolle gedrängt. Sie versuchen Erinnerungen zu archivieren. Später hat Velasco ihre Motive ausgeweitet auf die Beziehung zwischen Menschen und ihrer Rolle in der Gesellschaft.

Velasco, die in Bilbao und Florenz Kunst studiert hat, benutzt in ihren Ölbildern eine figurative Kunstsprache, die an Künstler wie Paulo Rego oder Antonio Garcia Lopéz erinnert, die auch zu ihren Vorbildern gehören. Während die Personen in der Regel figurativ gemalt sind, sind die Hintergründe teilweise sehr abstrakt gehalten. Manchmal sind Passagen auch nur skizziert oder ganz freigelassen. So kann der Betrachter das Bild in seinem Kopf „weiterdenken“. Ganz klassisch ist ihr Umgang mit Licht. Die Künstlerin achtet dabei sehr stark auf die Wirkung des Lichtes, um ihre Formen zu gestalten.

Den musikalischen Begriff des „adagio“, also langsam, hat Velasco bewusst gewählt, da sie in ihren Bildern den schnellen Rhythmus des Alltags in einem Moment erfasst, in dem die Personen innehalten. Diese Augenblicke spielen eine große Rolle in ihren Werken. Daneben sind auch vier Illustrationen der Künstlerin zu sehen.

Die Öffnungszeiten des „kunstbetrieb“: montags bis freitags 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 13 Uhr

Adresse: Gneisenaustraße 30, 44147 Dortmund




Das Dortmunder U als Sendestation

Eine kleine Auswahl von Hüttners Acrylbildern im Museum Ostwall.
Eine kleine Auswahl von Hüttners Acrylbildern im Museum Ostwall.

Vom 08. Mai bis 30. August 2015 zeigt das Museum ostwall die 13. Augebae des Schaufensters. Der Künstler Florian Hüttner fand in der Umgebung des Dortmunder U rund 30 „Reviere“. Für ihn sind das Orte, die von bestimmten Gruppen geprägt werden. Neben Bildern präsentiert das Museum Ostwall auch Geräusche, die Hüttner aus diesen Revieren gesammelt hat.

Das Hüttner sich mit der Umgebung des Dortmunder U beschäftigt, ist kein Zufall. „Wir ahben immer wieder Künstler bewegt, sich mit diesem Viertel zu beschäftigen“, erklärte Kurt Wettengl, der Direktor des Museum Ostwalls. Doch diese Ausstellung ist etwas ganz besonderes, denn zum ersten Mal wird das Museum auch ein Sender. Die Geräuschfetzen, die Hüttner aufgenommen hat, werden in einem Internetradiosender versendet, der unter der Adresse http://www.sendermuseumostwall.de zu erreichen ist. Daneben können die Besucher auch über einen Sender im Ausstellungsraum die Atmo hören. Ein besonderer Service kommt von Radio 91,2: Sie werden ab dem 08. Mai 30 Tage lang ein anderes Geräusch aus einem der Reviere spielen. Jedes Geräusch läuft zweimal, einmal morgens und einmal am Nachmittag.

Hüttner machte bei seinen Besuchen rund ums Dortmunder U Fotos als eine Art Gedächtnisstütze, die er dann in seinen Acrylbildern verwendete. Hüttner fiel bei seinen Touren durch das Viertel auf, das „die linke und die rechte Seite der Rheinischen Straße sich ziemlich unterschieden. Die linke Seite ist mehr multikulti, während die rechte etwas kühler ist.“

Eintrittspreise
Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro
Schulklassen 30 Euro

Öffnungszeiten
Di, Mi 11 Uhr – 18 Uhr
Do, Fr 11 Uhr – 20 Uhr
Sa, So 11 Uhr – 18 Uhr
Sonderöffnung für angemeldete Schulklassen Di – Fr ab 10 Uhr




Ode auf unbesungene Berühmtheiten

Rolf Dennemann hat anscheinend eine spannende Geschichte entdeckt, Annette Kritzler (rechts) ist skeptisch, während Nora Reul erfreuter ist.
Rolf Dennemann hat anscheinend eine spannende Geschichte entdeckt, Annette Kritzler (rechts) ist noch skeptisch, während Nora Reul erfreuter ausschaut.

Am 10. Mai 2015 um 15:30 Uhr geht die erste Führung der „Borsig Vips“ los. Entlang der Oesterholzstraße werden an 18 Stationen Personen und Typen präsentiert, die bisher in den Geschichtsbüchern keine Erwähnung fanden.

Entstanden ist diese Idee während den sonntäglichen Sprechstunden bei den „Borsig-Blinks“ mit Schauspieler, Regisseur und Autor Rolf Dennemann im ehemaligen Ladenlokal in der Oesterholzstraße 103. Hier erzählten die Besucher Geschichten, die Dennemann künstlerisch „hochbearbeitet“ hat. „Wenn aus den Geschichten ein Mythos wird, dann haben wir einen Meilenstein geschafft“, so Dennemann. Denn die Gegend bestehe fast nur aus „Normalbürgern“. Wenn hier Tourismus stattfinde, dann nur wegen Fußball, dem Hoeschmuseum oder um sich Elend anzugucken.

Die „Borsig-Vips“ sollen diesem Umstand abhelfen. Ähnlich wie in Wien oder anderen Städten werden an den Stationen Informationstafeln an den Häuserwänden angebracht. So beginnt die Tour in der Oesterholzstraße beim Imbiss „Kohldampf“ (Nummer 51) und endet an der Hausnummer 103. Die Geschichten der neuen Berühmtheiten „werden nicht humorfrei sein“, erklärte Dennemann. Bei der Tour wird Dr. h.c. Wilfurt Loose ein wenig antropologische Informationen geben. Die Studentin Nora Reul, die durch die „Borsig-Blinks“ hinzugestossen ist, wird assistieren und hat zwei Geschichten zur Tour beigesteuert.

Organisiert wird die Tour von Annette Kritzler, die bekannt ist durch ihre Borsigplatz-VerFührungen. „Für mich ist das eine Herausforderung“, so Kritzler, „die Borsig-Vips sind jenseits der standardisierten Tourismusführungen der Städte“. Das Ziel der Aktion formuliert Dennmann so: „Die Bewohner sollen zu ihrem Wohnort eine andere Identität bekommen.“

Neben dem 10. Mai gibt es weitere Termine: 14.05. (11 Uhr), 15.05. (18 Uhr), 22.05. (18 Uhr), 23.05. (14 Uhr), 24.05. (18 Uhr), 30. Mai (14 Uhr und 18 Uhr).

Die Teilnahme ist kostenlos, nur Anmeldungen werden erbeten an rolf@borsig11.de, denn es können maximal 15 bis 20 Personen pro Tour mit.




Zukunftsängste und Liebessehnsucht

Steffen Happel Désirée von Delft Thorsten Schmidt Götz Vogel von Vogelstein
Steffen Happel
Désirée von Delft
Thorsten Schmidt
Götz Vogel von Vogelstein

Mit der Uraufführung von „Ach je die Welt“ am 08. Mai 2015 um 19 Uhr präsentiert das Kinder- und Jugendtheater eines ihrer Beitrag zum Projekt „Industriegebietskinder“. Beim Stück, das Anne Lepper extra für das KJT geschrieben hat, dreht sich alles um zwei Fragen: Werde ich Arbeit haben? Werde ich geliebt?

Kohle ist weg. Bier ist auch nicht mehr der große Arbeitgeber und beim Stahl sieht es ähnlich aus: Arbeitssuchende können schon lange nicht mehr bei Karl Hoesch Arbeit finden. Was passiert also, wenn man die Schule verlässt? Gibt es überhaupt noch Arbeit? Wie finde ich mich in diesem Meer von Möglichkeiten zurecht?

Anne Leppers Stück dreht sich um die drei Jugendlichen Christopher, Tobias und Marc, die Angst haben, zu versagen. Zudem werden sie von der Gesellschaft geprägt: Was musst du haben, um dabei zu sein? Wie musst du aussehen, um Erfolg zu haben? Diese Konditionierung durch die Medien und das Umfeld haben ihre Spuren hinterlassen. Ebenso geht es Marie-Ann, der einzigen weiblichen Rolle im Stück. Sie sehnt sich nach Liebe und bietet den Jungen, als sie 15 Jahre alt wird, ihren Körper an.

Wo sind die Utopien geblieben, fragt das Stück. Stagnation, Ratlosigkeit allerorten. Symbolisiert wird dies durch den „Chor der Sechstklässler“, die quasi eine Kommentarfunktion innehaben.

Auf der Bühne wird der Bambus sehr präsent sein, als Symbol für den gleichnamigen Ort auf dem Phoenix-West-Gelände, der gleichzeitig auch ein Jugendtreff ist.

„Ach je die Welt“ wird viele Bezüge zur Popkultur und Filmgeschichte aufweisen wie beispielsweise „Vertigo“ oder „Metropolis“. Die Musik von Oliver Kostecka unterstützt die Szenerie.

Das Projekt „Industriegebietskinder“ ist ein gemeinsamen Projekt des KJT Dortmund, des Thalia Theaters Halle und des Theaters Strahl in Berlin. Dortmund wird neben „Ach je die Welt“ noch das Stück „Asche unter meinen Docs“, das mit Jugendlichen der Marie-Reinders-Realschule entstanden ist, präsentieren. Am 30. Mai werden in Halle an der Saale alle Stücke präsentiert.

Während die Premiere am 08. Mai bereits ausverkauft ist, gibt es noch Termine am: So, 10. Mai 2015, Mo, 11. Mai 2015, Mi, 13. Mai 2015, So, 17. Mai 2015, Di, 19. Mai 2015, Do, 18. Juni 2015, Fr, 19. Juni 2015, Sa, 20. Juni 2015, So, 21. Juni 2015, Do, 25. Juni 2015 und Fr, 26. Juni 2015.

Weitere Informationen unter http://www.theaterdo.de oder 0231 5027222.