Zwei Tage Juicy Beats

Die Veranstalter hoffen antürlich auf eine riesen Stimmung wie in den vergangenen Jahren. (Foto: © H&H_Photographics)
Die Veranstalter hoffen natürlich auf eine riesen Stimmung wie in den vergangenen Jahren. (Foto: © H&H_Photographics)

Das 20-jährige Jubiläum feiert das Festival „Juicy Beats“ ganz groß. Statt an einem Tag, wird es am Freitag (24.07) und am Samstag (25.07.) in Westfalenpark stattfinden. Über 170 Bands und Djs werden auf 20 Bühnen einheizen. To den Highlights des Programms gehören unter anderem Fettes Brot, Fritz Kalkbrenner oder LaBrassBanda. Erwartet werden insgesamt bis zu 45.000 Besucher. Erstmalig wird für die Besucher auch ein eigener Campingplatz eingerichtet.

Der Festival-Freitag: Von 15 bis 22 Uhr werden auf und oberhalb der Festwiese zwei große Open-Air-Bühnen und drei Dance-Floors bespielt. Mit Fettes Brot als Headliner bestreitet eine der erfolgreichsten deutschen Hip-Hop-Bands ihre exklusive NRW-Show in diesem Festivalsommer. Top-Act auf der neuen Electronic-DJ-Bühne ist der Berliner Star-DJ Alle Farben. „Musikalische Früherziehung“ betreibt das Projekt Deine Freunde um den Hamburger Rapper Jim Pansen. Im Anschluss an das Live-Programm gibt es an unterschiedlichen Orten verschiedene Aftershow-Partys unter anderem mit dem Kopenhagener Global-Bass-Trio Alo Wala. Die Karten für den Freitag sind auf 15.000 begrenzt.

Der Festival-Samstag bietet von 12 Uhr mittags bis 4 Uhr nachts die musikalische Fülle, für die Juicy Beats bekannt ist: Ein Programm aus Pop, Rap, Electro, Indie, Alternative, Reggae und Weltmusik mit mehr als 100 Bands und DJs auf 20 Bühnen und Floors. Der Berliner DJ Fritz Kalkbrenner wird auf der Mainstage die Festwiese sein Set spielen.

LaBrassBanda verbinden bayrische Musiktradition mit Hip Hop- und Electro-Beats. Ein facettenreiches Line-Up bietet die zweite Hauptbühne: die internationalen Durchstarter Mighty Oaks, der Norweger Sänger Erlend Øye (Whitest Boy Alive, Kings of Convenience) und die Dänen WhoMadeWho . Die Hip-Hop-Acts Chakuza, Olson und Swiss + die Andern stehen für frischen deutschen Rap-Sound mit Tiefgang. Erneut präsentiert WDR Funkhaus Europa eine eigene World- und Urban-Beat Bühne, von der den ganzen Tag lang live gesendet wird: Hier treten die US-Sängerin Akua Naru, die Spanier Electro Rumbaiao, die deutsch-koeranischen Produzenten-Brüder Symbiz und die Kölner Gipsy-Jazzer Bukahara auf. Als Top-Act auf der Electronic Stage begeistert Marteria-Tour-DJ Kid Simius mit seinem abgedrehten Electro-Surf-Punk.

So wird die Festwiese am Samstag nach dem Live-Programm zur größten Silent Disco NRWs mit über 3.000 Kopfhörern. Ein Forum für Hip-Hop- Newcomer bieten die Summersounds DJ Picknicks gemeinsam mit der Plattform „Bring your own Beats“ und auf der Sounds and Poetry Bühne stellt das Kulturbüro Dortmund die junge Literatur- und Poetry-Szene der Region vor. Spannende Produkte und Projekte von Kreativen aus Dortmund kann man auf der Kreativ.Meile entdecken. Im Open-Air-Kino an der Seebühne gibt es in der Nacht Video-Games auf Großleinwand und eine Video-Auswahl des MuVi-Award der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Außerdem wird ein zum DJ-Pult ausgebautes Tuk Tuk zur rollenden Disco, die an wechselnden Orten im Park halt macht.

Erstmalig richten die Veranstalter auch einen Campingplatz ein. Das Campingareal ist nur drei Minuten Fußweg vom Westfalenpark entfernt und bietet von Freitag bis Sonntag Platz für bis zu 1.200 Zelte. In Zusammenarbeit mit dem TSC Eintracht gibt es in den Räumen des Sportvereins eine Frühstücks-Lounge und eine Aftershowparty. Zudem können die Umkleiden, Duschen und Bäder des Vereins genutzt werden. Im Zentrum des Campingplatzes lädt eine 700 Quadratmeter große Beach-Area mit Kiosk und Imbiss zum Entspannen ein.

Das Campen kostet 25 ,- € zzgl. Gebühren für ein Zelt (Camping-Parzelle) und bis zu zwei Personen. Als besonderes Highlight können die Camper für nur 2,50 € zusätzlich das ganze Wochenende lang das nahegelegene Freibad besuchen, das am Freitag und Samstag auch von DJs beschallt wird.

Zur 20. Auflage des Festivals werden bis zu 45.000 Besucher erwartet. Kombi- und Einzeltickets sind auf der Festival-Homepage sowie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen und Systemen erhältlich. Der Vorverkaufspreis für die Kombitickets beträgt 57,- € zzgl. Gebühren. Einzeltickets kosten für den Freitag 29,- € zzgl. Gebühren und für den Samstag 32,- € zzgl. Gebühren. Auch die ermäßigten Teen-Tickets für Gäste zwischen 12 und 14 Jahren sind wieder im Vorverkauf erhältlich. Hier kosten die Kombitickets 32,- € zzgl. Gebühren und die Tagestickets 16,- € zzgl. Gebühren. Die Teen-Tickets sind nur als print@home-Tickets erhältlich.

Die kostenlose An- und Abreise mit Bus und Bahn aus dem gesamten VRR-Gebiet

ist bei allen VVK-Karten enthalten.

Wer noch überlegt, ob er zum Juicy Beats möchte, sollte sich beeilen, denn der Andrang ist ungebrochen. „Wir haben zu diesem Zeitpunkt 50% mehr Karten verkauft als im vergangenem Jahr“, erklärte Martin Juhl, Pressesprecher des Festivals.




Ausschreibung für den Petra Meurer Preis 2016 beginnt

Der Petra Meurer Preis ist einer der wenigen, die sich speziell an die freie Theaterszene richtet. Theaterprojekte und literarische Inszenierungen aus dem Ruhrgebiet können sich bis zum 06. November 2015 bewerben. Gesucht werden junge Ensembles, ungewöhnliche Theaterprojekte, genreübergreifende Inszenierungen und kreative Bühnenperformances.

Der Petra Meurer Preis wird in folgenden Kategorien vergeben: Einen Hauptpreis (1000 €), zwei Sonderpreisen (jeweils 500 €) und drei Förderpreisen (jeweils 300 €). Die Jury besteht aus Lehrenden und Studierenden der Kulturwissenschaften der TU Dortmund. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Petra Meurer Theatertage am 20. Februar 2016 im Theater im Depot statt.

Für die nächsten Theatertage wird es etwas neues geben: Studierende werden unter der Leitung der Theaterpädagogin Clara Nielebock ein Theaterstück erarbeiten und inszenieren. „Sie werden den gesamten Prozess des Theatermachens erleben“, so Nielebock. „Vom Sprechtraining bis zur Textarbeit.“ Zusätzlich übernehmen sie auch die anderen Arbeiten, die im Theaterbetrieb dazugehören wie Kostüme und Bühnenbild, Ton und Licht.

Dieses TU Projekt soll dazu dienen die Universität wieder stärker in die Petra Meurer Theatertage einzubinden, denn der im Mai 2010 verstorbenen Dozentin und Namensgeberin war es wichtig, dass die TU sich stärker in die Stadtgesellschaft einbringt. Sie initiierte mehrere Theater- und Literaturprojekte.

Die Bewerbungsunterlagen (Kurzdarstellung und exemplarisches audiovisuelles Material) gehen an:

Technische Universität Dortmund

Dekanat der Fakultät Kulturwissenschaften

z.H. Rainer Holl

Kennwort: Petra Meurer Preis

Emil-Figge-Str. 50

44227 Dortmund




Rhythmische amerikanische Nacht

Alle Beteiligten zeigen eine hervorragende Leistung. (Foto: © Sandra Spitzner)
Alle Beteiligten zeigen eine hervorragende Leistung. (v.l.n.r.) Kenneth Overton, Indira Mahajan, Wayne Marshall, Angela Renée Simpson und Roland Samm. (Foto: © Sandra Spitzner)

Ein Abend zum Mitwippen. Die „American Night“ im Rahmen des Festival Klangvokal hatte Rhythmus. Vor allem Gershwins „Porgy and Bess“ versetzte mit den ersten Takten der Ouvertüre das Dortmunder Konzerthaus am 31. Mai 2015 die Beine in Bewegung. Wenn dann noch exzellente Musiker, Sänger und ein herausragender Chor hinzukommen, hat man alle Zutaten für einen gelungenen Abend zusammen.

Leonard Bernstein und George Gershwin. Zwei Meister der amerikanischen klassischen Moderne. Zu Bernsteins bekanntesten Werken gehört das Musical „West Side Story“, das die „Romeo und Julia“ Geschichte in die 50er Jahre der USA bringt, Gershwin hat in seiner Musik oft mit Jazzelementen gearbeitet wie beispielsweise in seiner „Rhapsody in Blue“.

Den Beginn des Abend spielte das WDR Funkhausorchester unter dem Dirigenten Wayne Marshall vier der bekanntesten Lieder der „West Side Story“ wie beispielsweise „Maria“ oder „Somewhere“. Tenor Lucian Krasznec und Indira Mahajan (Sopran) zeigten in den Duetten, dass sie stimmlich gut zusammenpassen. Krasznec, der als Sänger zum Ensemble des Opernhauses Dortmund gehört, kam das stärker klassisch gehaltene Stück mit seiner „italienischen“ Tenorstimme entgegen.

Danach wurde „Porgy and Bess“ in einer Konzertsuite von Wayne Marshall aufgeführt. Die „Folk-Oper“ behandelt die Situation der Afroamerikaner in den 30er Jahren in einer heruntergekommenen Straße in Charleston in South Carolina. Der verkrüppelte Porgy verliebt sich in Bess, die aber eine schlechte Hand bei ihren Männern hat. Ihr ursprünglicher Freund Crown ermordet einen Menschen und muss fliehen. Zu allem Übel lässt sich Bess zum Schluss lieber mit dem Drogendealer Sporting Life ein und geht mit ihm nach New York, obwohl Porgy Bess vor Crown beschützt hat. Zum Schluss geht Porgy ebenfalls nach New York, um Bess zu finden.

Die Oper enthält viele Arien, die als Jazzlieder weltberühmt geworden sind. „Summertime“, „It Ain’t Necessarily So“, oder „I Got Plenty o‘ Nuttin'“. Für die Konzertsuite sangen die Solisten Kenneth Overton, Indira Mahajan, Angela Renée Simpson und Roland Samm. Unterstützt wurden sie vom Philharmonischen Chor des Dortmunder Musikvereins unter der Leitung von Granville Walker.

Bariton Overton sang den Porgy. Seine Stimme vereinte Fröhlichkeit „I Got Plenty o‘ Nuttin'“ mit Verzweiflung in „Bess, O Where’s My Bess?“ bis hin Entschlossenheit im Schlusslied „O Lawd, I’m on My Way“. Samm sang überwiegend den Drogendealer Sporting Life und hatte viel Freude an dem windigen Charakter. Besonders seine Duette mit Bess, die er verführen versucht, waren ein Höhepunkt des Abends. Mahajan sang nicht nur die Bess, sondern auch die Fischersfrau Clara, die mit „Summertime“ natürlich einen Evergreen im Repertoire hatte. Simpson hatte mehrere Rollen, unter anderem Serena, deren Mann von Crown ermordet wurde. „My Man’s Gone Now“ sang sie auf eine sehr berührende Art.

Eine gewichtige Rolle in „Porgy and Bess“ spielt der Chor, der die unzähligen Bewohner der Catfish Row, wie die Straße heißt, singt. Der Chor war hervorragend eingestellt von Walker und stahl mit seinem Gesang hin und wieder den Solisten die Show.

Man kann allen Beteiligten für diesen überaus gelungenen Abend nur gratulieren und die begeisterte Reaktion des Publikums sprach für sich.




Vom Ende der Trauer

Warum trägt Klarissa zur Beerdigung ihres Mannes rote Schuhe und ein buntes Kleid? Und warum schmückt sie das frische Grab mit einem stachligen kleinen Kaktus?

Das beantwortete die Lesung „Ich geh’ tanzen – Eine Hommage an die Lebensfreude“ im Theater im Depot. Autorin Jule Vollmer liest selbst mit schauspielerischer Verve das Hörspiel, hinter ihr illustriert eine Projektion im Comic-Stil den Vortrag.

Klarissa Schubert, 89 Jahre, sitzt auf einer Friedhofsbank am Kaktus-geschmückten Grab ihres Gatten. Im Zwiegespräch mit ihrem verstorbenen Mann Goldemar beleuchtet sie ihre Ehe. Es entwickelt sich ein Dialog, in dem Vieles zur Sprache kommt, das zu Lebzeiten ungesagt blieb.

Mit trockenem Witz und Ironie erzählt Klarissa in ausgeprägtem norddeutschen Dialekt ihre Sicht der Dinge. Geschäftsmann Goldemar reiste durch die Welt, hatte Affären, machte sich ein schönes Leben und vertraute auf die Treue seiner Frau. Die wartete brav zu Hause.

Die Stimme des Ehemannes spricht Claus Dieter Clausnitzer aus dem Off, während alle anderen Rollen wunderbar überzeugend von Autorin Jule Vollmer interpretiert werden. Die musikalische Brücke zwischen einzelnen Szenen gestaltet Elmar Dissinger am Keyboard.

Verschiedene Personen gesellen sich zu Klarissa auf die rustikale Bank. Eine Nachbarin, ein älterer Verehrer, der Pfarrer, eine andere Witwe. Mit allen führt sie intensive, kurze Gespräche und skizziert dadurch ihr Leben. Dazwischen erscheint immer wieder Goldemar und nahtlos geht der Dialog der Eheleute weiter.

Kraftvoll vertritt Klarissa ihren Standpunkt: Jetzt, nach dem Tod ihres Mannes werde es Zeit, die eigenen Wünsche in den Vordergrund zu stellen. Die kann sie auch genau benennen: Sie möchte Fallschirm springen, mit Delfinen schwimmen, durch den Grand Canyon fahren und nach Australien reisen. Dort will sie auch verbrannt werden – und ihre Asche vom Ayers Rock verstreuen lassen.

Australien ist ihr wichtigstes Ziel: Vor über 40 Jahren hat ihr Mann Goldemar dort auf einer Dienstreise unwissentlich ein Kind gezeugt. Durch Zufall entdeckt, schloss Klarissa diese kleine Familie in ihr Herz und hielt über die Jahre Kontakt zu ihr.

Zum Ende des Stücks stellt sich die Beziehung des Ehepaares viel klarer dar. Vielleicht kann Klarissa ihrem Goldemar sogar irgendwann verzeihen. Jetzt nimmt sie sich erst mal Zeit für sich und geht mit ihrem neuen Verehrer Herbert tanzen.

Durch die humorvolle und berührende Erzählung gelingt es dem Kleinkunst-Ensemble LiteraMusico, mit dieser Uraufführung, Gefühl und Verstand des Publikums zu erreichen und Sprachlosigkeit und Entfremdung eines Paares zu thematisieren.




Armenische Seele in der Marienkirche

Tigran (am Klavier) mit dem Yerevan State Chamber Choir und dem Kammerchor der TU Dortmund. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Tigran (am Klavier) mit dem Yerevan State Chamber Choir und dem Kammerchor der TU Dortmund. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Das diesjährige Musikfestival Klangvokal präsentierte gleich zu Beginn am 29. Mai 2015 mit „The soul of Armenia“ gefühlvolle, meditative Sakralmusik aus Armenien. Die jahrtausendealten Melodien, gesungen vom Yerevan State Chamber Choir wurden kongenial begleitet durch den Jazzpianisten Tigran.
Sein Gesicht ganz nah über den Tasten seines Klaviers und in den Gesang des Chores versunken. So erlebten die Besucher des Eröffnungskonzertes den Künstler. Tigran gab durch seine Improvisationen dieser alten Musik einen zusätzlichen Reiz, ohne aufdringlich zu wirken. Die besonderen armenischen Skalen wurden durch ohne weitergesponnen und verstärkten den meditativ wirkenden Gesang des Chores. Die Basis der armenischen Kirchenmusik sind die sogenannten Sharakane. Sie enthalten Geschichten aus dem Leben Jesu oder der Heiligen. Jedes dieser Sharakane kann in allen Kirchentonarten gesungen werden.
Armenien war der erste christliche Staat Europas. So ist es nicht verwunderlich, dass das erste Lied an diesem Abend über 1.500 Jahre alt ist. Tigran und sein achtstimmiger Yerevan State Chamber Choir (vier Männer und vier Frauen) präsentierten antike und mittelalterliche Komponisten, die gleichzeitig auch Kirchenlehrer waren. Auch wenn die wenigsten Besucher etwas von den gesungenen Texten verstanden haben, es wehte ein Zauber dieser alten Musik durch die Marienkirche.
Es ist kein Zufall, dass diese armenische Musik im Rahmen von Klangvokal erklang. Denn vor 100 Jahren geschah der Völkermord an den Armenien durch das Osmanische Reich. Daran erinnerte Kulturdezernent Jörg Stüdemann bei seiner Eröffnungsrede im Beisein des armenischen Botschafters.
Doch der Abend begann mit dem Kammerchor der TU Dortmund unter der Leitung von Ulrich Lindtner. Sie schlugen eine Brücke nach Armenien. Zunächst sangen sie das „Lamentatio Prima Primi Diei“ von Orlando di Lasso, danach wurde es etwas moderner, denn sie präsentierten das Stück „Villarosa Sarialdi“ des schwedischen Komponisten Thomas Jennefelt. Jennefelt ist der minimal music zuzuordnen und sein Chorwerk setzte mehr auf die Wirkung der Laute als auf den Sinn der Worte. Eine besondere Ehre für den Chor: Er durfte bei einer armenischem Hymne mitsingen.
Der Eröffnungsabend war eine Entdeckungsreise in eine alte, aber irgendwie auch vertraut klingende Welt. Tigran zeigte sein außergewöhnliches Können am Klavier. Erst nach mehreren Zugaben konnten die Künstler die Bühne verlassen. Ein gelungener Start ins Klangvokal-Festival.




Niederländische Meister für das MKK

Eines der sieben Gemälde ist von Frans de Hulst "Wasserlandschaft mit mächtuigem Stadttor zwischen Rundturm udn Windmühle am Wasser, Fischer mit Körben am Ufer", Öl/Holz, oval 30x41 cm
Eines der sieben Gemälde ist von Frans de Hulst „Wasserlandschaft mit mächtigem Stadttor zwischen Rundturm und Windmühle am Wasser, Fischer mit Körben am Ufer“, Öl/Holz, oval 30×41 cm

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte erhält sieben Werke alter niederländischer Künstler. Die Bilder hat der Dortmunder Publizist und Pressehistoriker Prof. Dr. Kurt Koszyk nach seinem Tod dem Museum vermacht.

Kurt Koszyk ist 1929 in Dortmund geboren und hat am Stadtgymnaisum sein Abitur gemacht. Nach seinem Studium in Münster und München arbeitete er bis 1957 als Journalist bei der Westfälischen Rundschau. Danach leitete er bis 1977 das Institut für Zeitungsforschung, um dann Gründungsprofessor des Modellstudienganges Journalistik an der Universität Dortmund. Nach seiner Emeritierung verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach München. Er starb am 01. Januar 2015.

Warum Koszyk ausgerechnet alte niederländische Meister wie Frans de Hulst oder Jacob Toorenvliet sammelte, bliebt im Dunkeln. Vielleicht bestand eine Geistesverwandtschaft mit dem 17. Jahrhundert, schließlich sammelte Koszyk aus beruflichem Interesse auch fliegende Blätter aus dieser Zeit.

Auf alle Fälle sind die sieben Gemälde eine Bereicherung für die Sammlung des MKK, sind sich Brigitte Buberl und Gisela Framke vom MKK sicher.




Reduzierung auf die Form

Constantin Jaxy zeigt technische Dinge in ungewohnten Perspektiven.
Constantin Jaxy zeigt technische Dinge in ungewohnten Perspektiven.

Die Galerie ART-isotope von Axel Schöber präsentiert vom 29. Mai bis zum 26. Juni 2015 Zeichnungen und Objekte von Constantin Jaxy. Seine in Schwarz-Weiß gehaltenen Werke spielen mit dem Kontrast, der Perspektive und dem Licht.

Das Bild hängt über zwei Wände. Anders hätte es Galerist Axel Schöber und Künstler Constantin Jaxy nicht an die Wände der Galerie bekommen. Denn das Werk „Double Drive“ ist über fünf Meter lang. Für den Betrachter wirkt das Bild auf den ersten Blick wie ein fremdartiges riesiges Raumschiff, das durch das All schwebt. Doch in Wirklichkeit hat Jaxy zwei Werksfotos von Schiffsschrauben genommen und sie perspektivisch miteinander verwoben. Die Werke entstehen dann in einem schnellen Duktus. „Die Vorbereitungen dauern länger als die Durchführung“, so Jaxy.

Jaxy hat eine Vorliebe für technoide Motive, die oft wirken, als seien sie aus einem Science-Fiction-Film oder aus einem Comic entsprungen. Doch sie haben reale Vorbilder, sei es ein Glasdach eines russsichen Bahnhofes, ein Windkanal oder aber chinesische Kräne. „Ich suche gerne von Menschen energetisch aufgeladene Punkte auf“, erzählt Jaxy, der in Bremen geboren ist und dort schon als Kind gerne am Hafen dem Bau von Schiffen zugeschaut hat.

Für den Künstler ist die Form wichtiger als Farbe, daher arbeitet er konsequent in Schwarz und Weiß. Zudem beschäftigt ihn sehr stark die Umkehrung von Perspektiven und Größenverhältnissen. In seinem Objekten arbeitet Jaxy sehr stark mit dem Licht und Schatten. Seine Objekte erhalten durch den Schatten, den sie werfen eine weitere Dimension, sie lösen sich scheinbar vom Kunstwerk, bleiben aber mit ihm verbunden. So entsteht aus einer Form wieder eine andere Form.

Mit Licht und Schatten spielt auch seine Werkreihe CLOUD Kran, dessen Schwarz lackierte Oberfläche zunächst nicht darauf schließen lassen, aus welchem Material sie sind. So wirken die Kräne ein wenig wie düstere Vorbilder für Modellbahnanlagen.

ART-isotope • Galerie Schöber
Wilhelmstr. 38 (Ecke Friedrichstr.), 44137 Dortmund

Öffnungszeiten Sonntag, Montag, Dienstag, Freitag von 14:30-19:30 Uhr

mail@art-isotope.de
www.art-isotope.de




Der ganz normale Wahnsinn in einem Radiosender

Diskussionsbedarf bei der Redaktionssitzung? (v.l.n.r.) Annalena Lipinski, Michael Zabudkin, Lea Degner. Foto: ©Christine Köck
Diskussionsbedarf bei der Redaktionssitzung? (v.l.n.r.) Annalena Lipinski, Michael Zabudkin, Lea Degner.
Foto: ©Christine Köck

Beim Radiosender „Auf die Ohren“ ist mächtig was los. Moderatoren, eine Putzfrau, Reporter und Studiogäste sorgen für Chaos. Nicht genug, ein sprechender Wischmop und singende Putzhandschuhe sind ebenfalls dabei. Die Jugendclubproduktion des Kinder- und Jugendtheaters präsentiert am 03. Juni 2015 „Jetzt gibt’s was auf die Ohren“, eine 60-minütige Reise in ein Hörfunkstudio und die Hierarchien eines Senders.

„Das Stück handelt von einem Radiosender, der politisch arbeitet“, erklärt Theaterpädagogin und Regisseurin Christine Köck. „Es dreht sich um die Themen Anschlag in Paris, Pegida oder AfD. Dabei werden verschiedene Radioformate eingesetzt wie Interviews, Reportage, Musiksendungen.“

Da wir ja beim Theater sind, wird dies kein Hörspiel, sondern die Besucher erleben, was sonst noch im Studio passiert. „Es wird Choreografien geben, die Mitarbeiter tanzen“, so Dramaturgin und Regisseurin Isabel Stahl. Dazu gibt es mit dem sprechenden Wischmop und den singenden Putzhandschuhen Elemente, die an die Fraggles oder die Muppet-Show erinnern.

Dabei geht es auch um Kritik an den Medien. So wird aus der ukrainischen Putzfrau eine Verfolgte. Zudem wird auch einiges durch den satirischen Kakao gezogen. So wird über eine „Messe für Fanatiker“ berichtet oder ein Schädlingsbekämpfer muss zu einem Einsatz nach Dorstfeld, weil eine Bewohnern mit Nazis zu kämpfen hat. Daneben gibt es Musik, nicht nur aus der Konserve, sondern auch live gespielt.

Der Jugendclub besteht aus neun Spielerinnen und Spielern im Alter von 15 bis 23 Jahre. Von von neun sind sieben neu dabei. „Jetzt gibt’s was auf die Ohren“ gibt nicht nur den Startschuss für das Festival Onruhr 2015 vom 03. bis 06. Juni 2015, sondern wird auch im Rahmen des pottfiction-Camps am 28. Juni 2016 vor der Jahrhunderthalle in Bochum gezeigt. Daneben gibt es eine weitere Aufführung am 07. Juni um 18 Uhr im KJT. Die Premiere am 03. Juni ist bereits ausverkauft, für den Termin am 07. Juni gibt es noch Restkarten.

Wer Lust hat, am pottfiction-Camp teilzunehmen, kann sich bis zum 10. Juni 2015 bei Christine Köck unter ckoeck@theaterdo.de melden.




Das Dortmunder U wird Fünf!

Das Dortmunder U feiert Jubiläum und das gleich mehrere Tage lang.Von Donnerstag bis Samstag gibt es viele Führungen und Sonderveranstaltungen rund ums U. Für alle Altersgruppen bieten die einzelnen Etagen etwas zu entdecken.

 

Der Start ist am Donnerstag, 28. Mai, um 19 Uhr auf der Ebene 6, wo die Freundes U die vergangenen Jahre Revue passieren lassen und sich die Frage stellen: „5 Jahre nach RUHR. 2010: Wandel durch Kultur – Wandel durch das U?“ Zu diesem Zweck konnte Prof. Dr. Oliver Scheytt (ehem. Geschäftsführer Ruhr.2010), Marion Edelhoff (Kunstverein Dortmund), den ehemaligen Dortmunder OB Dr. Gerhard Langemeyer sowie den bildenden Künstler Dr. Günter Rückert gewonnen, sich in einer Diskussionsrunde dem oben genannten Thema zu widmen. Moderiert wird das Ganze vom Leiter der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, Ulrich Breulmann. Der Eintritt ist frei.

Am Freitag, dem 29. Mai haben die Besucher ab 18 Uhr im Rahmen der Veranstaltung „Meet the Maker“ beim HMKV die Gelegenheit, die Personen, die hinter dem U stecken, einmal persönlich kennenzulernen. Zu erleben gibt es Geschichten aus dem Nähkästchen, den Anfängen im Dortmunder U und einen Ausblick in zukünftige Pläne. Im Anschluss daran können die Besucher in Kurzführungen auf jeder Etage Insider-Informationen über die Arbeit der einzelnen Institute des Hauses bekommen. Mit von der Partie sind: Kurt Eichler & Jasmin Vogel (Dortmunder U), Barbara Fischer-Rittmeyer (RWE Forum I Kino im U), Jens Krammenschneider-Hunscha (Fachhochschule Dortmund), Candan Bayram (TU Dortmund), Mechthild Eickhoff (U2 Kulturelle Bildung), Inke Arns (HMKV Hartware MedienKunstVerein), Regina Selter und Nicole Grothe (Museum Ostwall), Thomas Pieper (Panurama).

Und getreu dem Motto: „Fragen kostet nix!“ ist diese Veranstaltung kostenlos. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist auf 50 bis 60 Menschen, wird um Anmeldung unter presse@hmkv.de gebeten.

Die Jubiläumsparty findet dann am 30. Mai von 11 Uhr bis 18 Uhr statt. Zum Sommerfest, welches auch gleichzeitig den Auftakt für das Festival „Sommer am U“ bildet, gibt es elektronische Musik vom Kunst- und Musikkollektiv MASCHINERIE sowie ein Konzert der Silverettes, jede Menge Workshops, wie z.B. eine Upcycling-Werkstatt, und stündliche Führungen durch unser Haus. Alles komplett kostenfrei und die perfekte Gelegenheit, sich mal die Dortmunder Meisterwerke auf der Ebene 6 oder „Das Mechanische Corps. Auf den Spuren von Jules Verne“ auf der Ebene 3 im Rahmen von stündlichen Kurzführungen genauer anzusehen. Ab 18 Uhr lädt dann die TU zur großen Finissage der Jubiläumsausstellung „TU Dortmund im U“ mit einer Buchpräsentation.

Zusätzlich zu alledem finden am 30. Mai und 31. Mai in Kooperation mit Wissenschaft im Dialog und der Open Knowledge Foundation jeweils von 11 Uhr bis 18 Uhr die Science Hack Days statt. Hier werden in interdisziplinären Workshops Antworten auf die gesellschaftlichen Fragen von Morgen gesucht. Ziel dieser Kickoffdays ist es, erste Ideen und Prototypen auf die Beine zu stellen, welche im Laufe des Jahres weiter verfeinert werden. Mit vielen Mitmachaktionen wie Lötworkshops etc.




Gibt es eine Zukunft für die Chancen?

Mit diesem geld wurden die Künstlerinnen und Künstler während es Projekts von den Anwohnern bezahlt. (Foto: © Borsig11)
Mit diesem geld wurden die Künstlerinnen und Künstler während es Projekts von den Anwohnern bezahlt. (Foto: © Borsig11)

Vom 01.06.2014 bis 31.05.2015 entwickelte das Projekt „Public Residence: Die Chance“ künstlerische Aktionen rund um den Borsigplatz. Dazu wurde eine neu kulturelle Währung eingeführt, die Chance. Wer in der Gegend wohnt, hatte Anspruch auf 100 Chancen oder konnte durch aktive Teilnahme an Aktionen weitere Chancen bekommen. Die Anwohner konnten die Chancen an Künstlerinnen und Künstler weiterreichen, damit diese davon kulturelle Projekte durchführen konnten. Nach diesem Jahr werden die meisten Künstler nun den Borsigplatz verlassen, aber die Bewohner haben die Chance, die angestoßenen Projekte in Eigenregie weiterzuführen. Daneben gibt es noch eine große Finissage am 30. Mai ab 10 Uhr im Borsigplatz-Quartier.

Insgesamt sieben Künstlerinnen und Künstler haben im Laufe des Jahres am Borsigplatz gewohnt und kreative Projekte entwickelt. Es wurden Gärten angelegt, Bier gebraut, Theater gespielt, es gab Stadtführungen zu unbekannten Berühmtheiten, es wurde eine freie Republik gegründet und diskutiert.

Was waren die Erfahrungen der beteiligten Künstler? Frank Bölter, Dorothea Eitel und Rolf Dennemann waren beim Pressegespräch zugegen. „Es war ein Lernprozess“, erkärte Bölter, der aus Köln kommt. „Bestimmte Dinge funktionieren hier nicht, ich habe zu groß gedacht. Man muss mit kleinen Chancen anfangen.“ Bölter hat das Projekt „Dortmunder Schwarzbräu – Selber Brauen“ organisiert und auch die Idee zum „Echt Nordstadt-Honig“ entwickelt. „Die Lunte ist gelegt“, hofft Bölter, dass seine Aktionen keine einmalige bleiben, sondern von den Anwohnern weitergeführt werden.

Dorothea Eitel hatte es etwas schwerer, denn ihre Tanzperformances waren etwas Flüchtiges. „Das Elend der Darsteller“, wie es Rolf Dennemann beschrieb. „Es wird alles mit mir verschwinden“, befürchtet Eitel, hofft aber, dass sie mit ihren Aktionen doch Impulse gesetzt hat. Zumal doch viele Sachen auf Video gebannt wurden.

Für die Vermittlung von „was passiert hier eigentlich“ hat sich Rolf Dennemann eingesetzt. Zu seinen Gesprächsnachmittagen kamen recht viele Leute, aus denen das Projekt „Borsig-VIPs“ wurde.

Insgesamt kann das Projekt darauf verweisen, dass es viele Impulse gesetzt hat. Auch wenn es durchaus passierte, dass jemand, der über viele Chancen verfügte, versuchte, seinen Einfluss geltend zu machen. „Jedes Detail, was es im Großen gibt, gab es mit den Chancen im Kleinen“, erzählte Eitel über „Sponsoren“, die plötzlich künstlerischen Einfluss geltend machen wollten. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler waren: Frank Bölter, Susanne Bosch, Rolf Dennemann, Dorothea Eitel, Angela Ljiljanic, Henrik Mayer und Olek Witt,

Zu den positiven Impulsen gehört auch, dass manche Anwohner die angestoßenen Projekte weiterführen wollen: Jacek Wąsik (Holzworkshop und einiges mehr), Irene Gakopoulos (Geschmacksarchiv, Kunstvermittlung für Kinder), Joseph Toth (Theater), Jürgen Elkers+Jürgen Sarstedt (Honig) Valeska Schmidt (kreative Angebote für die Nachbarschaft, eigene Kunstprojekte, Fortführung Freie Republik Borsigplatz) und Gerhard Neumann (Musik).

Auf jeden Fall findet noch die große Finissage am 30. Mai 2015 ab 10 Uhr im Borsigplatz-Quartier statt. Dann zeigen die Künstler noch einmal ihre Projekte. Das genaue Programm: http://www.borsig11.de/wordpress/2015/05/public-residence-finissage/

Organisiert wurde die Aktion durch den Verein „Machbarschaft Borsig11“ und der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft. Insgesamt gab es die Möglichkeit 100.000 Chancen für die Künstler zu verteilen, davon waren rund 65.000 Chancen im Umlauf. Die Künstler konnten die Chancen, die sie