Zwei Enden der Seidenstraße

Die Musiker von Sedaa hatten keine Berührungsängste, die ganz Kleinen konnten das Konzert von ganz nah erleben. (Foto: © Bülent Kirschbaum).
Die Musiker von Sedaa hatten keine Berührungsängste, die ganz Kleinen konnten das Konzert von ganz nah erleben. (Foto: © Bülent Kirschbaum).

Zwei Iraner und zwei Mongolen bilden die Musikgruppe „Sedaa“ und ihre Mischung aus iranischen und mongolischen Instrumenten bildet das Fundament einer interessanten Fusion. Zu hören alles am 14. Juni 2015 um 11 Uhr im domicil im Rahmen des soundzz Familienkonzertes und des Festivals Klangvokal.

Die ersten Lieder, die die vier Musiker auf ihren Instrumenten spielten, klangen sehr rhythmisch, fast westlich. Sie erinnerten ganz leicht an eine mongolische Folk-Metal-Band, die auf akustischen Instrumenten spielte. Dazu passte der typische Oberton- und Untertongesang, der an das typische „Growling“ erinnerte, den es ebenfalls in manchen Spielarten des Metal gibt.

Aber der Rezensent war nicht in Wacken und Sedaa spielten ja auch eher eine Mischung aus den beiden Kulturen Iran und Mongolei. Mit Gitarre und Hackbrett kam ein starker iranischer Einschlag in die Musik.

Besonders spannend, besonders für die kleinen Besucher waren die mongolischen Instrumente. Die beiden mongolischen Musiker Nasaa Nasanjargal und Naraa Naranbaatar spielten die Pferdekopfgeige, wobei Naranbaatar eine mit der Kontrabaßgeige eine besondere Form spielte. Hinzu kam die Bischgur, die mongolische Oboe. Omid Bahadori spielte Gitarre und Percussion, während der iranische Gastmusiker am Hackbrett musizierte. Natürlich waren auch die monglischen Gesangstechniken, mit der ein Mensch zwei Töne gleichzeitig singen kann, faszinierend.

Insgesamt kam die Mischung aus iranischen und mongolischen Liedern bei den Besuchern sehr gut an. Die Musiker konnten die Zuhörer sogar begeistern, bei zwei Liedern mitzusingen. Ein sehr gutes Konzert, sogar für Menschen, die vielleicht Weltmusik aus ganz fernen Ländern eher abschreckend finden. Sedaa ist ein hervorragender Botschafter für Weltmusik.




21. Ballettgala wieder auf hohem Niveau

'Little Monsters': Stephanine Ricciardi und Francesco Nigro. (Foto:  ©Bettina Stöß)
‚Little Monsters‘: Stephanine Ricciardi und Francesco Nigro. (Foto:
©Bettina Stöß)

Die Mischung macht’s: Internationale Gäste, das neue NRW Juniorballett und Mitglieder des Dortmunder Ensembles zeigten am 13. Juni 2015 über drei Stunden hochklassiges Ballett. Natürlich wurde die Veranstaltung in gewohnter Weise moderiert von Kammersänger Hannes Brock. Am 14. Juni 2015 gibt es noch einmal die Gelegenheit, die Ballettgala zu sehen.

Die Dortmunder Ballettfreunde haben einen neuen Liebling: Der Kubaner Osiel Gouneo, Mitglied beim Norwegischen National Ballet, zeigte zusammen mit seiner Tanzpartnerin Whitney Jensen vom Boston Ballet in den beiden klassischen Pas de deux „Le Corsiare“ und „Flamme de Paris“ höchste Kombination von Technik und Sprungkraft. Anhand des Applauses merkte man, dass der klassische Tanz in Dortmund sich sehr großer Beliebtheit erfreut. Von daher waren in dem umfangreichen Programm mehrere Pas de deux enthalten wie „Don Quichotte“ oder das von George Balachine choreographierte „Pas de deux“ aus „Schwanensee“ von Tschaikowski.

Auch Freunde des modernen Tanzes kamen natürlich auf ihre Kosten. Hier begeisterte vor allem der Australier James O’Hara. Seine schier unglaubliche Körperbeherrschung zeigte er in zwei Choreografien „Exhausting space“ sowie „Ondos do mar“. Ein sehr atmosphärisches Stück mit Licht und Schatten zeigten Jurgita Dronina und Fabien Voranger vom „Nationale Ballet Amsterdam“ in „A sweet spell of oblivion“ mit der Musik von Johann Sebastian Bach.

Etwas Besonderes boten Robert Tewsley und Thomas Gallus von „Ballet de l’Opéra de Lyon“. Sie tanzten das Pas de deux aus dem „Feuervogel“ von Strawinsky. Während der Feuervogel normalerweise von einer Frau getanzt wird, sind in der Choreografie von Marco Goecke sowohl der Feuervogel als auch der Prinz beides Männer. Der Tanz von Tewsley und Gallus erinnerte an die beiden tschechischen Tänzer Jiří und Otto Bubeníček

Für regelmäßige Besucher des Dortmunder Balletts gab es ein Wiedersehen mit vielen Stücken, die in den letzten Spielzeiten zu sehen waren. Das leidenschaftliche „Closer“, getanzt von Clara Hernandez und Andrei Moriariu vom Ballett Dortmund war ebenso dabei wie das großartig getanzte „With a little help from my friends“. Hier zeigte Giacomo Altovino vom Dortmunder NRW Juniorballett eine beeindruckende Leistung. Auch „Little Monsters“ mit der Musik von Elvis Presley und getanzt von Stephanine Ricciardi und Francesco Nigro (Ballett Dortmudn) verzauberte die Zuschauer. Szenen aus „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Der Traum der roten Kammer“, „Zauberberg“ und „Schwanensee“ rundeten das hochkarätige Programm ab.




Orient trifft Korsika

A Filetta mit  Fadia Tomb El-Hage vermischten Orient und Okzident. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
A Filetta mit Fadia Tomb El-Hage vermischten Orient und Okzident. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Das korsische Vokalensemble „A filetta“ bot zusammen mit der libanesischen Sängerin Fadia Tomb El-Hage einen besonderen musikalischen Brückenschlag: Korsika trifft den Orient und verbindet sich zu einer interessanten musikalischen Melange. Gesungen am 12. Juni 2015 in der Marienkirche im Rahmen des Festivals Klangvokal wurden sakrale und weltliche Lieder auf korsisch, arabisch und syrisch.

„A filetta“ ist ein Phänomen. Sechs Sänger erzeugen ein fast schon archaisch anmutendes Gefühl, wenn ihre Stimmen zu einer verschmelzen. So muss es schon vor tausenden von Jahren auf der Geburtsinsel Napoleons bei Festlichkeiten geklungen haben. Die ersten drei Lieder sang „A filetta“ alleine. Es war ein großes Erlebnis, den Stimmführer Jean-Claude Acquaviva zu erleben, der mit seiner ausdrucksstarken Mimik ein wenig an den verstorbenen Joe Cocker erinnerte.

Zusammen mit Fadia Tomb El-Hage, die lange Zeit in Deutschland gelebt hat, wurde der Klang noch reicher. Typische arabische Verzierungen ergänzten den tiefen Klang des Chores und bildeten eine eigenen Klangkosmos, in dem man sich verlieren konnte. Beeindruckend war auch das Schlaflied „Nani“, das El-Hage alleine sang. Sie benutzte das Lied, um ihre kleine Tochter in den Schlaf zu singen, als die beide im Keller vor den Bomben in dem Bürgerkriegsland geflüchtet waren.

Es gab also nicht nur sakrale Musik zu hören, auch weltliche Musik wurde intoniert. Mit „Treblinka“ erinnerten die Sänger auch an das Schicksal der vielen Menschen, die an diesem Ort umgebracht wurden.

Vor begeisternden Zuhören konnten „A filetta“ und El-Hage ihr Konzert nach zwei Zugaben beenden.




Kunstgenossen im Saarlandstraßenviertel

Reste von Fußbodenbelag auf Holzdielen. Der Alptraum eines jeden Renovierers in einem Bild von Rosa Fehr von Ilten.
Reste von Fußbodenbelag auf Holzdielen. Der Alptraum eines jeden Renovierers in einem Bild von Rosa Fehr von Ilten.

Seit 2010 öffnen Künstlerinnen und Künstler aus dem Saarlandstraßenviertel und Umgebung regelmäßig ihre Ateliers, um ihre Kunst zu präsentieren. Noch bis zum Sonntag, den 14. Juni 2015, können Besucherinen und Besucher einen Blick die die Arbeit von Künstlern werfen. Zur Belohnung gibt es Wandermarken oder -stempel. Ars tremonia hat ein paar gesammelt.

Rosa Fehr von Ilten und Petra Eick zeigen ihre Kunst an einem besonderen Ort, dem Hinterhof des Raum- und Innenausstatters Torlop. Für die ausgestellte Kunst von Rosa Fehr durchaus passend, denn ihre kleine Ausstellung trägt den Titel „Von Stragula nach Balatum“. Beides waren Bodenbeläge, die aber durch das billigere PVC im Laufe der 70er Jahre verdrängt wurde. Fehrs ausgestellte Bilder zeigen ein klein wenig die Geschichte der Bodenbeläge, Reste von Klebebändern, die einen Teppichboden gehalten haben oder den verzweifelten Kampf gegen die Reste dieser alten Böden, die immer noch auf den Holzboden kleben bleiben. Zudem hat der Titel auch etwas exotisches, man könnte sich einen (Vampir)Film dazu ausdenken: Graf Stragula am Balatum.

Petra Eick hingegen ist vom Tanz fasziniert. Ihre Bilder zeigen Tänzerinnen, deren verzerrte Körper mit dem organischen Hintergrund eine Einheit bilden. Sie arbeitet zwar körperlich, aber nicht naturalistisch.

Claudia Terlunen, Sabine Held und Silvia Liebig zeigen keine Ausstellung, sondern „art in progress“. Sie arbeiten nämlich an einer neuen Ausstellung mit dem Titel „Auf nach Bilderbü“, die am 05. Juli 2015 im Torhaus Rombergpark eröffnet wird. Nach Bilderbü kommt man nur mit ganz besonderen Fahrzeugen, die die drei Künstlerinnen zunächst im Miniaturformat hauptsächlich aus Pappe formen, um sie dann in Groß zu fertigen.

Pia Bohr zeigt in ihrem Atelier ihre Skulpturen aus Holz. Ihre Werke sind haptisch und anfassbar und sind meist figurativ. Zu ihren Lieblingshölzern gehört Olivenholz, aber sie würde gerne einmal mit Rosenholz arbeiten.

Mehr Infos unter www.facebook.com/artgenossen.dortmund




Auf den Weg zur eigenen Identität und inneren Heimat

Neben Eimern spielten Koffer eine große Rolle im Stück. Hier das Seniorentanztheater bei der Probe. (Foto: © Anja Cord)
Neben Eimern spielten Koffer eine große Rolle im Stück. Hier das Seniorentanztheater bei der Probe. (Foto: © Anja Cord)

Mit ihrer diesjährigen Aufführung „blick zurück nach vorn“ setze sich das Seniorentanztheater Ballett Dortmund unter der Choreographie von Marcus Grolle mit dem Begriff „innere Heimat“ auseinander. Premiere hatte die Aufführung am 11.Juni 2015 im Schauspielhaus Dortmund.

Zum Stück: Die agilen und sehr rüstigen zweiundzwanzig Akteure, darunter vier Männer, nehmen den Geburtstag von Karin zum Ausgangspunkt für eine Lebensbilanz. Die Gelegenheit wurde genutzt, um Sehnsüchte sowie Wünsche für die verbleibende Zukunft zu formulieren. Karin ist die einzige Person, die jugendlich dynamisch mit ihrem Koffer in der Hand auf Inline-Skates durch die Gegend fährt. Die Männer sind in weißen Sakkos gekleidet, die restlichen Frauen haben schwarz-weiße Sachen an. Alle haben am Anfang einen Koffer bei sich und gehen auf ihre Lebensreise. Die Wege der Darsteller kreuzen sich oder gehen konträr zueinander, streben aber immer ihrem individuellem „Ort der inneren Heimat“ entgegen.

Als Bühnenrequisiten spielten viele weiße und schwarze Eimer eine tragende Rolle als helle und dunkle Elemente des Lebens. Ziemlich schnell wird die Wand aus diesen Eimern von den Tänzern durchbrochen und auf der Bühne verteilt, später aber auch wieder als eine Art Schutzmauer aufgebaut. Dahinter ziehen sich die Akteure öfter blitzschnell festlich um und tanzen euphorisch zu Samba-Klängen und anderer Musik. Das Leben und der Augenblick werden gefeiert. Per Band hören die Zuschauer philosophische Abhandlungen zum Thema. So heißt es zum Beispiel: „Ich Blicke in meine Vergangenheit, um daraus etwas positives für die Zukunft zu entwickeln“. Andere wollen nicht zu sehr zurückblicken, sondern mutig nach vorne blicken. Wichtig ist, was mache ich angesichts der Endlichkeit meines Daseins mit meinem Leben?

Karin wird gleich drei Mal zu ihrem Geburtstag gratuliert. Sie wünscht sich, das ihre männlichen Gäste für sie zaubern und ihr den Wunsch vom Fliegen auf der Bühne ermöglichen. Außerdem will sie mit allen ausgelassen feiern und ausgiebig tanzen.

Die Musikauswahl war mit „Far L’amore Club Mix (Bob Sinclair & Raffaela Carra), „Happyness“ (Jónsi und Alex) oder etwa „Kaffee und Karin“ (Element of Crime) dementsprechend passend ausgewählt worden.

Der Tod und die vielen Ängste im Leben, vor Krankheit, Krieg. korrupten Politikern u.s.w. wurden nicht ausgespart, sondern begleiteten die Akteure per Aufnahmegerät während einer Tanz-und Bewegungs-Performance. Dem gegenüber gestellt wurde, was den Menschen Glücksmomente vermittelt. Es wurden beispielsweise Schokolade, ein Sonnenuntergang oder Liebe genannt.

Der ist für alle Menschen unterschiedlich, und am Ende öffnen alle Darsteller ihre Koffer, und setzen sich mit den ganz persönlichen Dingen, die ihnen wichtig sind auf eine kleine Decke.. Egal, ob ein BVB-Schal, Strickzeug oder sonst etwas.

Eine beachtliche Leistung aller jung gebliebenen Akteure.




Drama beim Liederabend

Ein Energiebündel auch bei einem Liederabend. (Foto: © B. Kirschbaum).
Ein Energiebündel auch bei einem Liederabend. (Foto: © B. Kirschbaum).

Still auf der Bühne stehen und Lieder singen ist nicht ihre Sache: Simone Kermes überzeugte beim Liederabend am 11. Juni 2015 im Orchesterzentrum NRW an der Brückstraße nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch durch Mimik und Bewegung. Das Publikum spürte sofort: Simone Kermes ist pure Energie.

Auch wenn die Symbiose von Raum , Publikum und Sängerin in den ersten Liedern noch nicht da war, spätestens ab dem „Erlkönig“ wurde Kermes richtig warm. Die Koloratursporanistin brachte viel Dramatik und Zauber in das Lied. Man spürte förmlich wie sie die Handlung mitlitt.

Kermes bot in ihrem Programm so etwas wie eine kurze Geschichte des Kunstliedes, ihre Auswahl umfasste Purcell (Frühbarock) bis hin zu Richard Strauss. Ein Schwerpunkt ihres Konzertes waren die italienischen Komponisten wie Bellini, Rossini oder Donizetti.

Der Höhepunkt des zweiten Teil war meiner Meinung nach das Lied von John Eccles (1672-1735) „Restless in thoughts“ , Kermes sang es sehr emotional. Das ganze Konzert wurde sie kongenial begleitet durch Riccardo Rocca am Klavier.

Simone Kermes gab insgesamt vier Zugaben. Neben zwei Opernarien von Donizetti sang sie zur Überraschung etwas „modernes“, nämlich „Lili Marleen“. Der Rausschmeisser war „Lascia ch’io pianga“, Händels berühmte Arie aus „Rinaldo“.

Kermes gab ein abwechslungsreiches Konzert und war mit ihrer extrovertierten Art für den einen oder anderen vielleicht Zuhörer ungewohnt. Doch der begeisterte Applaus für diese außergewöhnliche Sängerin am Ende zeigte, dass Kermes auch die Dortmunder mit ihrer Art begeistert hatte.




Wie wirkt Sprache?

Der Dortmunder Sprechchor mit dem neuen Kindersprechchor in Aktion. (Foto: © Edi Szekey)
Der Dortmunder Sprechchor mit dem neuen Kindersprechchor in Aktion. (Foto: © Edi Szekey)

Die letzte Premiere des Schauspiels in der Spielzeit 14/15 ist eine ganz besondere: Zum ersten Mal wird neben dem Sprechchor ein Kindersprechchor auftreten. In „Kasper Hauser und die Sprachlosen von Devil County“ geht es nicht nur um die berühmt gewordene Person des Kasper Hauser, sondern auch die Frage wie wirkt Sprache auf uns und wie formt uns Sprache. Die Premiere ist am 13. Juni 2015 um 18 Uhr im Studio des Schauspielhauses.

Kasper Hauser (1812-1833) bliebt ein Rätsel. Betrüger oder verstoßener Erbprinz, die Meinungen gehen weit auseinander. Auch sein Tod ist ein Mysterium. Hat er sich die tödlichen Stichwunden selber zugefügt oder wurde er ermordet?

Doch das Stück versucht weniger die Rätsel zu entschlüsseln, sondern fragt sich zum einen, was Sprache mit uns macht und zum anderen, wie reagiert jemand, der in der Gesellschaft fremd ist. Wie zwängt man ihn in die Gesellschaft? Diese Fragen werden durch Texte von verschiedenen Autoren wie Peter Handke oder Fritz Zorn versucht zu beantworten.

Musikalisch wird der kommende neue musikalische Leiter des Schauspielhauses Tommy Finke das Stück unter seine Fittiche nehmen. Er hat nicht nur einige Lieder komponiert, sondern wird mit Harmonium und Klavier eine Live-Begleitung spielen.

Der neue Kindersprechchor wird bei seiner Premiere mit schönen Kostümen ausgestattet. Alle Mitglieder des Kindersprechchor werden so aussehen wie Kinder im 19. Jahrhundert zu Zeiten Kasper Hausers.

Die Premiere ist schon ausverkauft, ebenso wie die Termine am 20. und 24. Juni 2015. Ab dem 16. Juni 2015 startet der Vorverkauf für die Termine in der kommenden Spielzeit.




Über Kunst ins Gespräch kommen

Sabine Schönefeld beim zeichnen von Portraits, die zwar sehr schemenhaft sind, aber dennoch einen Wiedererkennungseffekt haben.
Sabine Schönefeld beim Zeichnen von Portraits, die zwar sehr schemenhaft sind, aber dennoch einen Wiedererkennungseffekt haben.

Am Freitag, den 12. Juni 2015 lädt das Museum Ostwall mit der UZWEI_Kulturelle Bildung zur vierten Ausgabe der „Schnittstelle“ ein. Von 18 Uhr bis 24 Uhr dreht sich auf der zweiten und vierten Etage alles um das Thema „Luxus“. Die Aktion bietet jungen Kreativen aus Dortmund und Umgebung Raum die Schnittstelle zwischen Kunst, Design, Musik und Literatur.

Auch das ist Luxus: Die zweite Etage UZWEI im Dortmunder U lädt zur Entspannung ein: Die Besucherinnen und Besucher können in der Wellness-Lounge „Just be“ Klang- und Lichtinstallationen von „THE LATE GREAT WEDDING CAKE“ hin zu Klangmassagen und weiteren Angeboten der körperlichen und mentalen Fitness genießen. Hier gilt vor allem der Luxus der Entschleunigung. Das Bochumer Waffelwerk sorgt mit frischen süßen und herzhaften Waffeln für das leibliche Wohl wie die Crew der Tyde Studios aus dem Dortmunder Hafen auf dem Vorplatz des U.
Kulturschaffende aus Dortmund hinterfragen und definieren Luxus neu. Sie eröffnen im Museum Ostwall eine „Lichtschutzzone“ und fragen nach dem Luxus totaler Dunkelheit im Kontext von Lichtkunst. Unter dem Motto „Gib dir mehr Zeit für dich und Kunst“ wird den Besucherinnen und Besuchern zehn Minuten vor einem Kunstwerk ihrer Wahl geschenkt, um mit ihren über Kunst zu sprechen. Vor Andy Warhols Portraits von Marilyn Monroe zeichnet Sabine Schönefeld Portraits von Besuchern. Das ist der „Luxus des Handgezeichneten“ im Zeitalter der digitalen Selfies.
Platz für Literatur und Musik ist auch: Rainer Holl slamt im Museum, The Beat stellt an diesem Abend das musikalische Kompetenzteam und wird zur Schnittstelle zwischen zeitgenössischer, Indie-Musik zahlreicher Genres und dem Publikum. Neben den Turntables gibt sich Singer-Songwriter Ben Hermanski die Ehre. „Für Hier“ betonen den Luxus der Interdisziplinarität: Bildende Kunst, Fotografie, Grafikdesign und Literatur verankert das Projekt in Dortmund.
Der HMKV öffnet an diesem Abend ebenfalls seine Türen. Ein Besuch der Ausstellung „Das mechanische Corps“ ist im Eintrittspreis inbegriffen. Der Eintritt zur „Schnittstelle“ am Freitag, 12.06.2015, beträgt vier Euro.




Einszweidrei, im Sauseschritt…

"Time is on my side" sangen die Rolling Stones. Ob es auch für "Und immer wieder die Zeit" gilt? (Foto: © Mathias Schubert)
„Time is on my side“ sangen die Rolling Stones. Ob es auch für „Und immer wieder die Zeit“ gilt? (Foto: © Mathias Schubert)

…läuft die Zeit, wir laufen mit. So der Dichter Wilhelm Busch. Mit dem Thema „Zeit“ beschäftigt sich die Produktion der Theaterwerkstatt am Theater im Depot unter dem Titel „Und immer wieder die Zeit“ unter der Regie von Barbara Müller, die am 13. Juni um 20 Uhr Premiere hat.

Das Stück spielt auf einem fiktiven Zeitforschungskongress. Hier diskutieren die Wissenschaftler über Fragen wie „Was ist Zeit?“, „Wie erlebe ich Zeit?“ Die 13 Akteure haben sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und viel recherchiert und Material gesammelt. Daraus sind Sprechszenen entstanden, die oft witzig sind, aber auch zum Nachdenken anregen sollen. „Die Texte sind selbst geschrieben, es gibt keine Fremdtexte“, betonte Regisseurin Müller. Daneben können die Zuschauer drei Bewegungschoreografien erleben.

Die Zuschauer bekommen bei „Und immer wieder die Zeit“ Zeitspartipps, eine Zeittypberatung und unter dem Motto „Zeit in der Musik“ wird versucht herauszufinden, wie lang eine Minute empfunden wird. Denn jeder kennt das Phänomen, manchmal vergeht eine Minute extrem schnell, manchmal zieht sie sich wie Kaugummi.

Seit September vergangenen Jahres wird an dem Stück gearbeitet. Von den 13 Akteuren, im Alter von Anfang 20 bis Anfang 60, sind etwa die Hälfte neu hinzugekommen, der Rest war bei den vergangen Produktionen wie „Draußen nur Kännchen“ schon dabei.

Neben der Premiere am 13. Juni wird „Und immer wieder die Zeit“ auch noch am 14. Juni 2015 um 18 Uhr im Theater im Depot aufgeführt. Es sind die beiden einzigen Termine. Die Karten kosten 10 Euro (ermäßigt 5 Euro) und sind unter 0231 9822336 oder ticket@theaterimdepot.de erhältlich. Apropos Zeit: Das Stück dauert 90 Minuten.




Musikalische Zeitreise ins Elisabethanische Zeitalter

Pb renaissancemusik oder Pärt: The Tallis Scholars beeindruckten mit ihren wunderbaren Stimmen. (Foto: © B. Kirschbaum)
Ob Renaissancemusik oder Pärt: The Tallis Scholars beeindruckten mit ihren wunderbaren Stimmen. (Foto: © B. Kirschbaum)

Am 07. Juni zeigten „The Tallis Scholars“ in der Propsteikirche ihr gesangliches Können mit Werken von Renaissance Komponisten wie Taverner, Tallis oder Allegri, aber präsentierten auch Werke des zeitgenössischen Komponisten Arvo Pärt, der einige Stücke im im Stile der Renaissance komponiert hatte.

„The Tallis Scholars“ unter der Leitung des Gründers Peter Philipps widmen sich seit 1973 der geistlichen Renaissance-Musik. Diese Erfahrung konnten die Zuhörer bei ihrem Konzert spüren. Glasklarer mehrstimmiger Gesang, der ohne Hilfe jeglicher Instrumente dargeboten wurde. Die zehn Sängerinnen und Sänger boten eine eindrucksvolle Leistung.

Die Musik der englischen Komponisten Tallis, Taverner und Sheppard entstand in einer wirren Zeit, als England zwischen Katholizismus und der englischen Kirche hin- und hergerissen wurde, bis sich die Waagschale nach Elisabeth I. den Anglikanern zuneigte. Doch der Höhepunkt des Konzertes war das berühmte „Misere“ von Grigorio Allegri. In zwei Chören aufgeteilt mit einem Solisten weiter hinten im Kirchenschiff entfaltete die Musik eine besondere Magie. Vollkommener Gesang veredelte das Meisterwerk des italienischen Komponisten.

Aber das Programm bestand nicht nur aus Werken von Renaissance-Künstlern. Der estnische Komponist Arvo Pärt hatte 1997/98 mit „Tribute to Caesar“, Sancte deus“ und „Triodion“ drei Werke in der Tradition der Renaissance-Künstler geschaffen. Doch Pärts Kompositionen fingen nicht wirklich die Seele der Renaisssance ein. Sie wirkten fremd, zumal der Kompositionsstil von Pärt ein sehr stark reduzierter ist. Nur im vierten Stück dem 2000 entstandenen „…which was the Son of…“ wirkt das Stück rhythmisch interessant und die Gesangslinien wirken im positiven Sinne frisch und modern. Das soll keine Kritik an der Musik von Pärt sein, nur es passte meiner Meinung nach nicht so gut in den Rahmen des Konzertes.

Was von dem Abend bleibt, ist die hohe Qualität der „Tallis Scholars“, die ihre Erfahrung und Liebe zur geistlichen Musik der Renaissance unter Beweis gestellt haben.