Flamingos und Dada – Ein Abend mit Hermann Heisig

Warum schlafen Flamingos auf einem Bein? Diese und andere absurde Gedanken brachte Hermann Heisig am 6. Dezember 2024 mit seiner Gruppe im Theater im Depot dem Publikum in der außergewöhnlichen Performance „Late Night Dada“ näher.

Dada, diese vermeintlich längst vergangene Kunstrichtung, wurde hier mit einem frechen Augenzwinkern wiederbelebt. In Dortmund, der Ruhestätte des Dadaisten Richard Huelsenbeck, wird die Erinnerung an diese Bewegung ohnehin lebendig gehalten – mit jährlichen Festivals und künstlerischen Aktionen. Trotzdem hätte das zweistündige Spektakel von Heisig und seinen Leipziger Performerinnen deutlich mehr Zuschauerinnen verdient.

Zwischen Bar, Bühne und Straßen-Dada

„Late Night Dada“ begann stilecht an der Bar – die den gesamten Abend über geöffnet blieb – und nahm das Publikum mit auf eine Reise durch den gesamten Theatersaal. Was folgte, war ein wilder Mix aus Tanz, Performance, Kostümspiel und Bühnenkunst, irgendwo zwischen Late-Night-Show, Konzert und ritueller Jam-Session. Besonders surreal wurde es, als alle Beteiligten mit einer Flamingo-Fahne das Theater verließen, um ein Stück Dada direkt auf die Straße zu bringen.

hermann heisig und seine Crew bei "Late Night Dada". (Foto: (c) Rolf Arnold)
Hermann Heisig und seine Crew bei „Late Night Dada“. (Foto: (c) Rolf Arnold)

Ein Highlight für Musikliebhaber war die ironische Schlagzeug-Performance, die typische Musik-Acts charmant auf die Schippe nahm. Die Ästhetik, die Hermann Heisig und seine Truppe an den verschiedenen Stationen präsentierten, begeisterte durch ihre Vielschichtigkeit und den Mut, Kitsch mit schriller Eleganz zu verbinden.

Am Ende bleibt die Frage: Haben Flamingos, die hier als Symbol für Trash und grelle Ästhetik dienten, ihre Würde zurückerhalten? Das mag jede*r für sich selbst entscheiden. Sicher ist jedoch: In den zwei Stunden tobte der Dada-Geist quer durch das Theater im Depot – absurd, witzig, provokativ und garantiert unvergesslich. Ein Hoch auf die Flamingos und Hermann Heisigs einzigartigen Abend voller Dada-Wahnsinn!




„Pinocchios Träume“ im Fletch Bizzel

Im Theater Fletch Bizzel dreht sich seit dem 1. Dezember alles um „Pinocchios Träume“. Im Mittelpunkt stehen die Ergebnisse eines spannenden Workshops, in dem der Künstler Klaus Pfeiffer gemeinsam mit Jugendlichen eine Brücke zwischen Theater und Smartphone-Fotografie geschlagen hat. Die jungen Schauspieler*innen, die zuvor unter der Leitung von Rada Radojčić das Theaterstück „Pinocchio“ auf die Bühne brachten, wurden in kreative Ausdrucksformen und künstlerische Fototechniken eingeführt.

Von der Bühne zur Leinwand – Pinocchios Träume neu interpretiert

Ein Beispielbild aus der Ausstellung. (Foto: (c) Klaus Pfeiffer)
Ein Beispielbild aus der Ausstellung „Pinocchios Träume“. (Foto: (c) Klaus Pfeiffer)

Das Ergebnis dieses Workshops sind beeindruckend persönliche Kunstwerke, die die individuellen Erfahrungen der Jugendlichen widerspiegeln. Sie setzen sich darin kreativ mit der Figur Pinocchio auseinander und verarbeiten die Veränderungen, die sie während des Theaterprojekts durchlebt haben. Klaus Pfeiffer zeigte sich begeistert darüber, wie viel Eigenes die Teilnehmer*innen in ihre Arbeiten eingebracht haben – von mutigen Bildkompositionen bis hin zu intensiven Farbbearbeitungen mit der App Snapseed.

In nur zwei Workshops lernten die Jugendlichen nicht nur die Grundlagen der Fotografie und Bildgestaltung, sondern auch den bewussten Einsatz digitaler Bearbeitungstools. Die entstandenen Werke sind nicht nur eine visuelle Erweiterung des Theaterstücks, sondern auch ein Beweis für die kreative Entwicklung der jungen Künstler*innen.

Wer eines der Bilder erwerben möchte, kann dies für 50 Euro tun. Der Erlös fließt direkt in ein neues Theaterprojekt, wie Theaterleiterin Rada Radojčić betonte. Die Ausstellung „Pinocchios Träume“ ist noch bis Mitte Februar im Fletch Bizzel zu sehen – ein inspirierender Blick auf die Träume und Talente junger Menschen, die mit Pinocchios Abenteuer nicht nur eine Geschichte, sondern auch ihre eigene kreative Reise erzählt haben.




„Die Fledermaus“ geht nicht baden

Ist es wirklich schon sieben Jahre her, dass „Die Fledermaus“ zuletzt auf dem Spielplan der Oper Dortmund stand? Die Besetzung hat sich teilweise geändert, doch eines blieb gleich: Motonori Kobayashi dirigierte erneut die Dortmunder Philharmoniker bei der Premiere am 23. November 2024.

Baden bei Wien – Wannen-Symbolik und Champagner-Laune

„Die Wanne ist voll“ – dieser Satz könnte auch als Leitmotiv für das Bühnenbild von Martin Dolnik stehen. Gemeinsam mit Regisseur Hinrich Horstkotte verlegt er die Handlung in eine Badeszenerie: Von Baden bei Wien bis ins Finale im Gefängnis begleitet die Zuschauer immer wieder eine augenzwinkernde Badesymbolik – selbst der Frosch sitzt in der Wanne.

Johann Strauss‘ Operette „Die Fledermaus“, entstanden im Krisenjahr 1873, spiegelt eine Gesellschaft im Wandel wider. Während die Arbeiterklasse nach mehr Einfluss strebt, versucht das Bürgertum, wie Gabriel von Eisenstein, den Lebensstil des Adels nachzuahmen. Auch das Stubenmädchen Adele träumt von einem sozialen Aufstieg. Hinzu kommen die Themen Erotik und natürlich Alkohol – in Form von Champagner, dem in der Inszenierung ausgiebig gehuldigt wird. Schließlich ist er, wie es humorvoll heißt, „an allem Schuld“.

Tanja Christine Kuhn, Daegyun Jeong, Fritz SteinbacherFoto: (c) Björn Hickmann
Tanja Christine Kuhn, Daegyun Jeong, Fritz Steinbacher. Foto: (c) Björn Hickmann

Nicht ohne Grund wird „Die Fledermaus“ als die „Königin der Operette“ gefeiert. Ohrwürmer wie „Im Feuerstrom der Reben“ oder „Brüderlein und Schwesterlein“ gehören zu den bekanntesten Melodien des Genres und haben sich tief in die musikalische DNA Deutschlands und Österreichs eingeprägt.

Starke Stimmen und ein Frosch mit Humor

Die Sängerinnen und Sänger der Dortmunder Inszenierung überzeugten mit Leidenschaft und stimmlicher Brillanz. So meisterte Sooyeon Lee trotz Erkältung ihre Partie als Adele tadellos, während Fritz Steinbacher als Gabriel von Eisenstein und Tanja Christine Kuhn als Rosalinde mit Spielfreude und Gesang beeindruckten. David DQ Lee verlieh dem Prinzen Orlofsky nicht nur seine Stimme, sondern auch eine humorvolle Präsenz – verstärkt durch das Kostüm in Form eines Fatsuits.

Besonderes Augenmerk galt der Rolle des Froschs, die in dieser Inszenierung Steffen „Shortie“ Scheumann übernahm. Er arbeitete stark mit Wortverdrehungen, aber die Qualität von Vorgänger Fritz Eckenga war schwer zu übertreffen war. Doch auch das ist Kritik auf hohem Niveau.

Wer Operette liebt, kommt an „Die Fledermaus“ nicht vorbei. Und wer Operette bisher gemieden hat, sollte dieser Inszenierung eine Chance geben – das Lächeln beim Verlassen des Theaters ist garantiert. Am Silvesterabend 2024 um 20 Uhr lädt „Die Fledermaus“ erneut zum festlichen Vergnügen ein, unterstützt von prominenten Gästen wie Angelika Milster. Ob es Champagner gibt? Das bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Jede Menge Spaß ist garantiert.

Mehr Infos und Termine unter www.theaterdo.de




Stadtbilder und abstrakte Werke von Martina Bracke und Lea Piermaier

„Von Urban Art bis Abstraktion – ein kreativer Mix auf Papier und Leinwand“ – so lautet die sinngemäße deutsche Übersetzung des Ausstellungstitels „From Urban Art to Abstraction – A Creative Mix on Paper and Canvas“. Im „Wohnzimmer im Piepenstock“ in der Schildstraße 1 in Dortmund-Hörde präsentieren Martina Bracke und Lea Piermaier ihre Werke, die mindestens noch bis zum Jahresende zu sehen sind.

Während Martina Bracke erst kürzlich ihre Ausstellung im Fletch Bizzel abgeschlossen hat, ist diese Schau für die junge Künstlerin Lea Piermaier eine Premiere. Beide Künstlerinnen kommen aus unterschiedlichen Generationen, doch der Kontakt entstand durch Leas Mutter. Die Ausstellung zeigt, wie vielseitig Kunst sein kann, wenn zwei so unterschiedliche Stile nebeneinander präsentiert werden.

Kontraste in Technik und Inspiration

Martina Bracke zeigt in der Ausstellung ihre charakteristischen bunten Stadtbilder, die durch leuchtende Farben und lebendige Details bestechen. Daneben präsentiert sie zahlreiche Tuschearbeiten, die im Rahmen von „Inktober“-Challenges entstanden sind. Bei diesem internationalen Zeichenprojekt erstellen die Teilnehmer jeden Tag im Oktober eine Zeichnung zu einem vorgegebenen Thema. Diese Arbeiten geben einen spannenden Einblick in Brackes kreativen Prozess und ihre Experimentierfreude.

Martina bracke (links) und Lea Piermaier bei der Vernissage ihrer gemeinsamen Ausstellung.
Martina bracke (links) und Lea Piermaier bei der Vernissage ihrer gemeinsamen Ausstellung.

Lea Piermaier hingegen bringt einen wissenschaftlichen Hintergrund in ihre Kunst ein. Obwohl sie ein Semester Kunst auf Lehramt studiert hat, arbeitet sie mittlerweile in einem pathologischen Institut. Ihre Kunst dient ihr als kreativer Ausgleich zum Berufsalltag. Während ihre frühen Werke noch gegenständliche Motive wie Gitarren zeigten, dominieren heute abstrakte Kompositionen ihre Arbeiten. Die ausgestellten Bilder sind meist farbenfroh, wobei Rot- und Türkistöne in unterschiedlichen Abstufungen den Schwerpunkt bilden.

Die Ausstellung vereint zwei völlig unterschiedliche künstlerische Handschriften und zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig und bereichernd die Begegnung verschiedener Kunststile sein kann. Besucher können sich sowohl von den urbanen Motiven Martina Brackes als auch von den expressiven Abstraktionen Lea Piermaiers inspirieren lassen.




Die Ursachen der Fremdheit – Fremd/Yabancı

Wie fühlt es sich an, fremd zu sein? In einem fremden Land zu leben, in einem fremden Körper? Das künstlerische Team Ayşe Kalmaz, Kemal Dinç, Sinem Süle, Shari Streich und Elena Tilli hat sich in ihrem Stück Fremd/Yabancı auf die Suche nach Antworten gemacht. Das Werk wurde am 22. November 2024 im Theater im Depot aufgeführt.

Im Zentrum der Inszenierung stehen die Schauspielerinnen Sinem Süle und Shari Streich. Sie setzen sich intensiv mit den Themen Fremdheit und Identität auseinander und finden in absurden, humorvollen und oft berührenden Momenten zueinander.

Beeindruckende Inszenierung und tiefere Botschaften

Die Inszenierung beeindruckt nicht nur visuell: Alles ist in Schwarz-Weiß gehalten, ein Gazevorhang schränkt die Sicht auf die Bühne ein, dient jedoch als vielseitige Projektionsfläche. Die Arbeit mit Kameras auf der Bühne eröffnet ungewohnte Perspektiven. Zunächst könnte man annehmen, es handele sich um eine klassische Familiengeschichte – schließlich lauten die Kapitelüberschriften zu Beginn „Vater“ und „Mutter“. Doch die Handlung greift viel tiefer.

Sinem Süle (links) und Shari Streich spielen die beiden Protagonistinnen auf der Bühne (Foto: (c) Theater im Depot)
Sinem Süle (links) und Shari Streich spielen die beiden Protagonistinnen auf der Bühne (Foto: (c) Theater im Depot)

Im Kern steht die Schwierigkeit, einander wirklich zu verstehen oder zu erkennen. Das Stück beleuchtet, wie komplexe Informationen vereinfacht und dabei oft verzerrt werden. Dies führt zu Missverständnissen und falschen Wahrnehmungen, die auch mit digitalen Mitteln für das Publikum sichtbar gemacht werden.

Im zweiten Teil des Stücks schlägt die Inszenierung eine wissenschaftlich fundierte Richtung ein. Sie basiert auf den Studien von Dr. Gabor Maté und Dr. Liya Yu, die sich mit den epigenetischen Folgen traumatischer Erfahrungen beschäftigen. Diese zeigen, wie solche Erfahrungen über Generationen hinweg weitergegeben werden können.

Sinem Süle und Shari Streich präsentieren eine herausragende Bühnenperformance, die an Intensität kaum zu überbieten ist. Am Ende wird die vierte Wand durchbrochen, was die Zuschauer*innen unmittelbar einbindet. Zusammen mit der kraftvollen Musik von Kemal Dinç wird Fremd/Yabancı zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.




Finissage der Ausstellung von Martina Bracke

Am Sonntag, den 17. November, fand um 18 Uhr die Finissage der Ausstellung „Mit offenen Augen und Ohren“ im Theater Fletch Bizzel in Dortmund statt.

Die zahlreichen Werke von Martina Bracke, die im Café des Theaters präsentiert wurden, standen im Mittelpunkt dieser besonderen Veranstaltung. Die Arbeiten der Künstlerin beeindruckten mit kräftigen Farben und konkreten Motiven, während andere mit zarten Pastelltönen und abstrakten Darstellungen die Fantasie der Besucher anregten.

Martina Bracke im Vordergrund, auf dem Sofa sitzen Bernd Kleber und Clara Sinn.
Martina Bracke im Vordergrund, auf dem Sofa sitzen Bernd Kleber und Clara Sinn.

Die Finissage bot die letzte Gelegenheit, diese faszinierende Ausstellung in entspannter Atmosphäre zu erleben. Begleitet wurde die Finissage durch eine Lesung: Martina Bracke, Marika Bergmann, Bernd Kleber und Clara Sinn präsentierten spannende und bewegende Texte. Viel Gelächter rief die Berliner Geschichte von Bernd Kleber hervor, und auch die Erzählungen von Martina Bracke fanden viel Anklang. Mit der Finissage fand die Ausstellung einen gelungenen und würdigen Abschluss.




„Grafik aus Dortmund“: Zwischen Vielfalt und Verwässerung

Die Ausstellung „Grafik aus Dortmund“ im Kulturort Depot zeigt Arbeiten von 30 Künstler*innen und bietet einen breit gefächerten Einblick in die lokale Kunstszene. Von realistischen Zeichnungen bis hin zu abstrakten digitalen Arbeiten spiegelt sie die kreative Vielfalt der Dortmunder Kunstszene wider. Dennoch wirft die Veranstaltung auch Fragen auf – insbesondere in Bezug auf die Definition und den Schwerpunkt des Begriffs „Grafik“.

Verwässerung des Begriffs „Grafik“

Die Ausstellung integriert Arbeiten aus verschiedenen Techniken und Stilen, darunter Collagen, Installationen und digitale Werke. Dieser Ansatz betont zwar die Vielseitigkeit der teilnehmenden Künstler*innen, führt jedoch dazu, dass der Fokus auf die ursprüngliche Disziplin der Grafik verloren geht. Grafik als eigenständige Kunstform umfasst traditionell Techniken wie Zeichnung, Radierung, Lithografie oder Druckgrafik. Indem die Ausstellung eine breitere Palette an Medien zulässt, wird dieser spezifische Kernbegriff aufgelöst.

Die Künstler*innen der ersten Grußkarten-Edition "Grafik aus Dortmund 2024" mit Oberbürgermeister Thomas Westphal und Sebastian Junker vom Vorstand der Sparkasse Dortmund.Foto; (c) Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Die Künstler*innen der ersten Grußkarten-Edition „Grafik aus Dortmund 2024“ mit Oberbürgermeister Thomas Westphal und Sebastian Junker vom Vorstand der Sparkasse Dortmund. Foto; (c) Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Kein gleichwertiger Ersatz: Die Grußkarten-Edition

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Einführung der Grußkarten-Edition, die den Kalender „Grafik aus Dortmund“ ablöst. Der Kalender, fast fünf Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Dortmunder Kunstszene, war eine beliebte Plattform zur Förderung von Künstlerinnen und ein gefragtes Sammlerstück. Ob die Grußkarten, wenngleich hochwertig produziert, die gleiche Strahlkraft, die der Kalender haben wird, bleibt abzuwarten

Vielfalt und Individualität der Präsentation

Positiv hervorzuheben ist das neue Konzept der Präsentation. Jeder Künstlerin erhielt eine individuell gestaltbare Fläche von zwei mal zwei Metern, was Raum für persönliche Handschriften und kreative Freiheiten bot. Werke wie Teelke Limbecks „Papierfelsen“ oder die collageartigen Arbeiten von Anett Frontzek zeigen die Vielschichtigkeit der ausgestellten Werke

Fazit: Zwischen Fortschritt und Traditionsverlust

Die Ausstellung „Grafik aus Dortmund“ zeigt die lebendige Kunstszene der Stadt und bietet ein vielseitiges Erlebnis. Dennoch verwässert die Integration anderer Techniken den grafischen Fokus. Eine stärkere Rückbesinnung auf den Kern der Grafik als Kunstform könnte die Ausstellung inhaltlich und konzeptionell schärfen.

Besuchszeiten: Die Ausstellung läuft bis zum 8. Dezember 2024 und ist donnerstags bis sonntags kostenlos im Depot Dortmund zu sehen. Die Grußkarten-Edition kann während der Finissage erworben werden.

grafik-aus-dortmund.de




Der temporäre Kunstladen im Hansa C

Unter dem Titel „Oh ja, wie ist das schön“ eröffnete die Dortmunder Gruppe am 10. November 2024 ihren temporären Kunstladen im Hansa C, Hansastraße 6–10. Die Ausstellung bietet bis zum 30. November 2024 eine spannende Gelegenheit, Kunstwerke zu erwerben. Geöffnet ist der Kunstladen von Dienstag bis Samstag, jeweils von 16 bis 20 Uhr.

Bereits beim Betreten des ehemaligen Ladenlokals wird man von einer Fülle an Kunstwerken empfangen: Die Wände sind dicht behängt, meist mit kleinformatigen Gemälden, ergänzt durch Skulpturen und weitere Werke. Ein Blick auf die Preisliste zeigt, dass hier ideale Weihnachtsgeschenke entdeckt werden können.

Vielfalt der Kunstwerke im temporären Dortmunder Kunstladen

Zu den ausgestellten Künstlern gehören Alexander Pohl, der Postkartenformate präsentiert, und Marlies Blauth, deren Werke neben den typischen langbeinigen Figuren von Wolfgang Schmitt zu sehen sind. Claudia Terlunen zeigt detailreiche Collagen, während Dina Nur mit einer Kombination aus Skulpturen und Malerei überzeugt. Raul Schneider überrascht mit einer Sammlung von Frisierspiegeln, und Mariana González Alberti stellt zahlreiche kleinere Werke vor.

In ihrem Kunstladen zeigt die Dortmunder Gruppe bis zum 30. 11.2024 ihre Arbeiten. Einige Mitglieder waren beim Besuch von ars tremonia vor Ort: (v.l.n.r.) Gudrun Kattke, Claudia Terlunen, Lutz Kemper, Rosa Fehr-von Ilten und Alexander Pohl.
In ihrem Kunstladen zeigt die Dortmunder Gruppe bis zum 30. 11.2024 ihre Arbeiten. Einige Mitglieder waren beim Besuch von ars tremonia vor Ort: (v.l.n.r.) Gudrun Kattke, Claudia Terlunen, Lutz Kemper, Rosa Fehr-von Ilten und Alexander Pohl.

Jan Bormanns charakteristische Holzarbeiten aus finnischen Hölzern ergänzen die Ausstellung, ebenso wie die Siebdrucke von Lutz Kemper. Von Birgit Feike gibt es neben einer eindrucksvollen Kopfskulptur aus Absperrband auch Papierarbeiten zu entdecken. Martin Becker, bekannt für seine informelle Malerei, und Gudrun Kattke mit einer Vielzahl von Porträts bereichern die Ausstellung ebenfalls.

Rosa Fehr-von Ilten setzt sich in ihren Werken mit Dortmunds berühmtestem Gebäude auseinander, während Christoph Psyk Moebiusbänder in Dioramen präsentiert. Erika Schäfer zeigt faszinierende Fotocollagen und Objekte, und Monika Pfeiffer zieht mit ihren besonders farbenfrohen Arbeiten die Aufmerksamkeit auf sich.

Die temporäre Ausstellung des Dortmunder Gruppe bietet ein breites Spektrum an Stilen und Techniken. Von Malerei über Skulpturen bis hin zu experimentellen Formaten gibt es für Kunstliebhaber*innen und Geschenkjäger*innen gleichermaßen etwas zu entdecken.

Weitere Informationen zur Ausstellung und den Künstlern finden sich direkt vor Ort im Hansa C.




Jeeps: Erbschaftslos oder die Erbschaft los

Die Komödie „Jeeps“ behandelt ein heikles Thema: Jedes Jahr werden Vermögenswerte im Umfang von rund 400 Milliarden Euro vererbt, vor allem in Form von Immobilien und Finanzanlagen. Gleichzeitig leben etwa 20 Prozent aller Kinder in Deutschland in Armut. Kritische Stimmen sehen in der Vererbung von Vermögen eine Untergrabung des Prinzips der Leistungsgerechtigkeit. Weil „Geburtsglück“ einen maßgeblichen Einfluss auf sozialen und wirtschaftlichen Erfolg nimmt. Die Premiere von „Jeeps“ fand am 9. November 2024 im Schauspiel Dortmund statt und widmete sich dieser Problematik auf humorvolle Weise.

Erbschaftslose beim Jobcenter: Die Handlung von Jeeps

In ihrer Komödie „Jeeps“ lässt die Autorin Nora Abdel-Maksoud das Jobcenter als Verteiler von „Erbschaftslosen“ auftreten – das Chaos ist vorprogrammiert. Arbeitssuchende sowie Menschen, die plötzlich auf ihr Erbe verzichten müssen, stürmen das Jobcenter und sorgen für erhebliche Verwirrung. Die Hauptrollen übernehmen vier Figuren: Silke (Marlena Keil), eine Start-up-Gründerin, die ihr Erbe zurückwill; Maude (Nika Mišković), eine Hartz-IV-Empfängerin; und die beiden Jobcenter-Mitarbeiter Gabor (Alexander Darkow) und Armin (Viet Anh Alexander Tran). Gabor fungiert als „Losverwalter“, der die Kontrolle über die Erbschaftslose ausübt.

Silke und Maude schließen sich zusammen, um gegen das System zu kämpfen. Silke möchte ihr Erbe für den Erhalt ihres Start-ups „Laptops in Stollenschuhen“ zurück, während Maude empört ist, weil ihr Flaschenpfand von der Grundsicherung abgezogen wurde. Gemeinsam stürmen sie das Büro von Sachbearbeiter Gabor, was zu chaotischen Verwicklungen führt, in die sich auch Armin, der sich für Gabors Vorgesetzten hält, einmischt.

Viet Anh Alexander Tran, Marlena Keil, Nika Mišković, Alexander DarkowFoto: (c) Birgit Hupfeld
Viet Anh Alexander Tran, Marlena Keil, Nika Mišković, Alexander Darkow
Foto: (c) Birgit Hupfeld

Humor und Kritik im „Jeeps“

Als absurde Komödie zieht „Jeeps“ zahlreiche gesellschaftliche Klischees durch den Kakao. Gabor ist ein pedantischer Beamter, der sich strikt an Vorschriften hält und damit seine „Kunden“ wie auch sich selbst vor Willkür schützen will. Gabors Liebe zu seinem Auto, einem Mercedes G 400-D – einem Geländewagen, der im Stück als „Jeep“ tituliert wird – verleiht der Komödie ihren Titel.

In der Wartehalle des Jobcenters tauchen zudem typische Elemente aus der Start-up-Welt auf, wie eine Boulderwand und Foodtrucks. Doch die Partnerschaft zwischen Silke und Maude zerbricht schnell, als Maude sich mit Armin verbündet, um an Erbschaftslose zu gelangen. Doch Gabor hat das letzte Wort und überrascht alle mit einer unerwarteten Wendung.

„Jeeps“ wechselt zwischen abgedrehtem Humor und Gesellschaftskritik und spielt mit Klischees rund um penible Beamte, SUV-Liebhaber und Start-up-Gründer. Die Darsteller*innen des Schauspiel Dortmunds wurden für ihre humorvollen Darbietungen vom Publikum gefeiert. Auch wenn die Komödie gelegentlich überdreht wirkt, hätte ihr etwas mehr politische Schärfe sicherlich gutgetan. Insgesamt bot „Jeeps“ jedoch eine gelungene Mischung aus Slapstick und Wortwitz, die zum Lachen einlud.

Weitere Informationen und Termine für „Jeeps“ gibt es auf der Webseite des Theaters unter www.theaterdo.de.




Die Geschöpfe – Der Dortmunder Sprechchor verwandelt Ovids Metamorphosen

Premiere für mich: Zum ersten Mal besuche ich den Kubus, ein kleines Musiktheater in der Saarlandstraße. Der Dortmunder Sprechchor feierte dort am 8. November 2024 mit „Die Geschöpfe“ eine gelungene Premiere unter der Regie von Ludwig Juhrich. Ovids Metamorphosen sind ein episches Werk in 15 Büchern, das etwa im Jahr 8 n. Chr. fertiggestellt wurde und mythologische Verwandlungsgeschichten erzählt. Der Sprechchor hat drei dieser Geschichten für die Aufführung ausgewählt.

Die Bühne war geschmückt wie ein Tempel des Apollon, voller Kunstwerke und Symbolen. Schließlich erschien Apollon in der Person des Sprechchormitglieds Roman D. Metzner selbst auf der Bühne, der zugleich die instrumentale Begleitung übernahm. Der Sprechchor verkörperte einerseits einen Priesterchor (in weiß und beige gekleidet), wobei einzelne Mitglieder solistische Rollen übernahmen.

Moderne Themen in klassischen Geschichten

Die erste Metamorphose handelt vom Künstler Pygmalion, der eine Abneigung gegen Frauen hat und sich stattdessen auf seine Kunst konzentriert. Eines Tages erschafft er eine Statue aus Elfenbein, die so schön und lebendig wirkt, dass er sich in sie verliebt. Die Göttin Venus erhört seine Bitte und lässt die Statue lebendig werden. Die Geschichte von Pygmalion ist nach wie vor aktuell: Heutige Erzählungen über künstliche Intelligenz, Roboter oder virtuelle Figuren, die menschliche Eigenschaften entwickeln und Beziehungen eingehen, werfen ähnliche Fragen auf – über die Natur der Liebe, Kontrolle und die Beziehung zwischen Mensch und Kreation.

In der Geschichte von Philemon und Baucis aus den Metamorphosen wird ein altes Ehepaar, das für seine aufrichtige Liebe und tiefes Vertrauen belohnt wird, in zwei miteinander verflochtene Bäume verwandelt. Diese Verwandlung symbolisiert ihre unzertrennliche Bindung, die selbst über den Tod hinaus besteht. Auch dieses Motiv findet sich in modernen Stücken wieder; das bekannteste dürfte Bertolt Brechts Der gute Mensch von Sezuan sein, da beide Werke zentrale Themen wie Menschlichkeit, Gastfreundschaft und die Frage nach gutem Handeln in einer herausfordernden Gesellschaft behandeln.

Die Geschöpfe - Das Ensemble des Dortmunder Sprechchors. Foto: © Guntram Walter 2024
Die Geschöpfe – Das Ensemble des Dortmunder Sprechchors. Foto: © Guntram Walter 2024

Apollon und die Frage nach der Macht der Götter

Die tragische Liebesgeschichte von Hyazinthos und Apollon behandelt die Themen Liebe, Verlust und Transformation. Selbst Apollons göttliche Macht kann nicht verhindern, dass Hyazinthos stirbt, und der Gott muss lernen, den Verlust zu akzeptieren. Hier konfrontiert der Priesterchor Apollon und lässt ihn schließlich Ludwig Feuerbach zitieren: „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.“ Auch die sogenannten göttlichen Gaben, wie die Musik, besaßen die Menschen schon vorher. Es ist der Atem der Menschen, der die Götter zu dem macht, was sie sind. Ein ähnliches Thema behandelt Terry Pratchett in seinem Buch Small Gods (Einfach göttlich): In der Scheibenwelt hat ein Gott nur dann Macht, wenn Menschen an ihn glauben. So muss der Gott Om versuchen, seinen Jünger Brutha von seiner Existenz und seiner Mission zu überzeugen.

Mit dieser gelungenen Religionskritik ging der Abend zu Ende. Der Dortmunder Sprechchor zog die Zuschauer mühelos in seinen Bann, und die musikalische Begleitung passte hervorragend zur Inszenierung. Das atmosphärische Stück passt perfekt in das kleine Musiktheater. Es gibt noch eine letzte Gelegenheit, Die Geschöpfe zu sehen.

Aufführungsinformationen Sonntag, 17. November, 18:30 Uhr
Musiktheater Kubus
Saarlandstraße 124a
44139 Dortmund

Tickets und Reservierung:
E-Mail: ovid.sprechchor@gmail.com
Telefon: 0176/8422 6375
Eintrittspreis: 12 €