Marathon der jungen Talente: Ein Sternstunden-Abend im Konzerthaus Dortmund

Am Samstagabend lud das Konzerthaus Dortmund zu einem musikalischen Kraftakt der besonderen Art ein. Unter dem Titel „Junge Wilde – Rising Stars“ präsentierten sich die von den europäischen Konzerthäusern nominierten Nachwuchstalente in einem mehrstündigen Konzertmarathon. Dass das Publikumsinteresse enorm war und sich der Saal selbst nach der zweiten Pause kaum leerte, spricht Bände über die Qualität dieses abwechslungsreichen Abends. Durch das Programm führte charmant und sachkundig Marlis Schaum.

Von Mendelssohn zu einer spontanen Meisterleistung

Den Auftakt machte das italienische Trio Concept. Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio Nr. 1 in d-moll op. 49 zeigten Edoardo Grieco (Violine), Francesco Massimino (Violoncello) und Lorenzo Nguyen (Klavier) leidenschaftliches Zusammenspiel und romantisches Pathos.

Die Rising Stars 2026. (Foto: (c) Jörg Neumann)
Die Rising Stars 2026. (Foto: (c) Jörg Neumann)

Im direkten Anschluss bewies der Pianist Lorenzo Nguyen eiserne Nerven: Er sprang spontan für den eigentlichen Begleiter ein und führte gemeinsam mit der isländischen Sopranistin Álfheiður Erla Guðmundsdóttir durch ein komplett umgestelltes Programm. Das neue Set spannte einen beeindruckenden Bogen von Henry Purcells hypnotischem „Music for a while“ über romantische Klassiker von Schubert und Grieg bis hin zur rauen Intensität von Samuel Barbers „The Crucifixion“. Die nordische Heimat der Sängerin blitzte in Liedern von Jean Sibelius auf. Auch das für sie komponierte ECHO-Auftragswerk „Náðarstef“ (Lieder der Barmherzigkeit) von María Huld Markan Sigfúsdóttir fand in Auszügen seinen verdienten Platz.

Zwei Instrumente, ein Präludium: Der faszinierende Bach-Vergleich

Der Mittelteil des Abends bot einen der spannendsten Hörmomente des Konzerts. Die österreichische Cellistin Valerie Fritz schlug eine Brücke von der klassischen Tradition in die experimentelle Moderne. Nach ihrem eindringlichen Spiel des Präludiums aus Johann Sebastian Bachs 2. Cellosuite in d-moll zeigte sie im Auftragswerk „The sheer task of being alive“ von Jennifer Walshe ihre theatralischen und performativen Qualitäten.

Besonders reizvoll war der direkte Übergang zu Áron Horváth am ungarischen Cymbal. Er begann sein Set exakt mit demselben Bach-Präludium – eine seltene Gelegenheit, dieses ikonische Werk im unmittelbaren Kontrast auf einem geschlagenen statt auf einem gestrichenen Instrument zu erleben. Horváths Programm war im weiteren Verlauf von einer überwiegend meditativen, schwebenden Atmosphäre geprägt, bevor er zum krönenden Abschluss seines Blocks noch einmal richtig wild wurde und eine feurige Energie entfesselte.

Ein furioses Finale voller Energie

Den Schlusspunkt setzte das portugiesische Maat Saxophone Quartet. Mit dem ECHO-Auftragswerk „Four faces, four wings“ von Aleksandra Vrebalov brachten sie einen kraftvollen musikalischen Ruf nach Frieden auf die Bühne. Für wahre Begeisterungsstürme und lautstarken Applaus sorgte schließlich ihre mitreißende Quartett-Fassung von George Gershwins „Rhapsody in Blue“.

Als Zugabe bescherte das Ensemble dem Publikum einen echten Gänsehaut-Moment: Mit einer rein instrumentalen Interpretation der Stadionhymne „You’ll never walk alone“ bewiesen sie nicht nur musikalisches Feingefühl, sondern auch eine wunderbare Nähe zu ihrer Dortmunder Gastgeberstadt. Ein absolut gelungener Abschluss für einen langen, aber zu keinem Zeitpunkt ermüdenden Konzertabend.




Wer verdient den roten Teppich? „ALL THAT FAME“ bringt moderne Klytaimnestras ins Theater im Depot

Tanzwerkstatt KOBI Seminare ALL THE FAME (c) Anne Kleff
Tanzwerkstatt KOBI Seminare ALL THE FAME (c) Anne Kleff

Der rote Teppich – einst ein heiliger Pfad, der laut der antiken Sage um Klytaimnestra und Agamemnon allein den Göttern vorbehalten war – ist heute zur ultimativen Bühne der Eitelkeiten geworden. Das Tanztheater-Projekt „ALL THAT FAME“ der Tanzwerkstatt KOBI Seminare nahm sich am vergangenen Wochenende im Theater im Depot genau dieses altehrwürdigen Rituals an, um eine hochaktuelle Frage zu stellen: Wer verdient es heute wirklich, auf diesem Symbol des Ruhms zu stehen?
Unter der konzeptionellen und choreografischen Leitung von Birgit Götz bildete der leuchtend rote Teppich das unbestrittene Zentrum des Bühnenbildes. Ergänzt wurde die clevere Inszenierung durch den Einsatz moderner, kabelloser Touch-Tischlampen. Durch das gezielte Ein- und Ausschalten schufen die Akteurinnen selbst fokussierte Lichtinseln und lenkten den Blick des Publikums gezielt auf die großen und kleinen Momente der Präsentation.
Das große Ensemble der Tänzerinnen überzeugte vor allem durch seine starke Präsenz als geschlossene Einheit – eine kollektive, moderne Klytaimnestra. Aus dieser Einheit traten jedoch immer wieder gezielt Individuen hervor. Besonders einprägsam war der satirische Seitenhieb auf unsere heutige Promi-Kultur, als sich einige Tänzerinnen in „Heidi Klum“ verwandelten. Dieser Kontrast zwischen der Suche nach echter weiblicher Sichtbarkeit und der kommerzialisierten Casting-Show-Welt brachte das Thema treffend auf den Punkt.
Der dazugehörige Flyer versprach eine „mitreißende und provokante“ Suche nach Antworten. Man muss fairerweise anmerken: In Zeiten von Social Media, ständiger Selbstdarstellung und medialer Dauerempörung ist es schwer, auf einer Bühne noch echte Provokation zu erzeugen. Was dem Stück vielleicht an schockierendem Skandalpotenzial fehlen mag, macht es jedoch durch eine ungemein mitreißende Energie mehr als wett.
Das zeigte sich eindrucksvoll im großen Finale: Als am Schluss alle Tänzerinnen gemeinsam über den roten Teppich schritten, sprang der Funke endgültig über. Das gesamte Publikum ging enthusiastisch mit und feierte einen Moment, in dem aus dem elitären Symbol des Ruhms plötzlich ein Teppich für alle Frauen wurde.




Job Safari – Freundschaft auf dem Prüfstand der sozialen Klasse

Das Setting in der Inszenierung von Regisseur Benedikt Grubel ist klar: Unterschiedlicher können Ranja, gespielt von Annika Hauffe, und Leonore, verkörpert von Sar Adina Scheer, die beiden Schulfreundinnen in der siebten Klasse, nicht sein. Ranja stammt aus einem reichen Elternhaus, ihre Eltern haben gute Berufe. Leonore hingegen kommt aus einem ärmlichen Haushalt. Ihre alleinerziehende Mutter ist depressiv, das wenige Geld bringt ihr großer Bruder Ferdi, dargestellt von Thomas Ehrlichmann, nach Hause, der als Paketbote arbeitet. Dieser krasse Kontrast zeigt sich im Stück an eindrücklichen Alltagsbildern. Während Ranja sich sorgenlos alles leisten kann, sei es Tennis spielen oder Eis essen gehen, gibt es bei Leonore nur das, was Ferdi gekauft hat, weil es gerade im Angebot war. Dann stehen eben ein Kilo Möhren oder pures Tomatenmark auf dem Speiseplan.

Die Geschichte von der ungleichen Freundschaft ist fast so alt wie das Erzählen selbst, weil sie der einfachste Weg ist, gesellschaftliche Ungerechtigkeit auf einer persönlichen, emotionalen Ebene zu zeigen. Das reicht vom Klassiker wie Erich Kästners Pünktchen und Anton über Elena Ferrantes Meine geniale Freundin bis hin zu modernen Jugendbüchern wie Tigermilch oder Wolfgang Herrndorfs Tschick. Immer wieder ist der Kernkonflikt zwischen Geld und Charakter oder die Diskrepanz der Aufstiegschancen das treibende Element.

Aber es gibt einen Twist, den die Autorin Elisabeth Pape in ihrem Stück Job Safari neu erzählt. Dieser liegt in der spezifischen Zuspitzung auf die Berufswelt der Zukunft und den sogenannten Purpose-Druck. Früher ging es in solchen Geschichten oft nur um Statussymbole wie Kleidung oder Urlaub. In Job Safari geht es aber um die moderne Lebenslüge: Tu, was du liebst, und du musst nie wieder arbeiten. Das Stück zeigt, dass dieser Satz ein Privileg ist. Ranja kann sich diese Haltung leisten, während Leonore schlichtweg Geld verdienen will. Das Stück kritisiert also weniger die Freundschaft an sich, sondern das gesellschaftliche Versprechen der Meritokratie, dass jeder alles werden kann, wenn er sich nur genug anstrengt.

v.l.n.r.: Annika Hauffe und Sar Adina Scheer©Birgit Hupfeld
v.l.n.r.: Annika Hauffe und Sar Adina Scheer
©Birgit Hupfeld

Ein Realitäts-Check erfolgt durch die Lehrerin Lydia Fischer, gespielt von Johanna Weißer, die trotz sicherem Job einen Burnout hat. Sie dient als Dämpfer für beide Mädchen und zeigt auf: Weder nur Geld als Leonores Ziel noch die reine Suche nach Sinn als Ranjas Ziel schützen vor dem Zusammenbruch. Hinzu kommt eine anarchistische oder nihilistische Komponente, die in Gestalt einer maskierten Bande auftritt. Das Bemühen der Lehrerin, in der Rolle einer Journalistin Licht in die Sache zu bringen, bleibt jedoch vage. Dass sie in dieser Funktion das rein Zerstörerische zu interviewen gedenkt, ist ein klassisch absurder und komödiantischer Kniff. Er offenbart die intellektuelle Hilflosigkeit der Gesellschaftsmitte: Wenn das System zusammenbricht oder die Wut überkocht, reagiert das Bildungsbürgertum reflexartig damit, einen Podcast aufzunehmen oder ein Feuilleton-Interview zu führen.

Das Bühnenbild von Marie-Liis Tigasson fängt diese inhaltliche Endzeitstimmung visuell treffend ein. Es zeigt ein Schulgebäude, das an antike Ruinen erinnert, zerstört und halb in den Boden eingesunken. Dass diese Trümmer überhaupt noch als Bildungsanstalt erkennbar sind, liegt lediglich an den abnehmbaren Buchstaben, die das Wort Schule formen. Daneben wirft eine Straßenlaterne ihr flackerndes Licht auf die Szenerie. Diese Kulisse ist ein starkes Sinnbild: Die Institution Schule, die eigentlich den Weg in eine chancengleiche Zukunft ebnen soll, liegt hier bereits in Trümmern, noch bevor das Erwachsenenleben der beiden Mädchen überhaupt richtig begonnen hat.

Am Ende bleibt Leonore in dieser bröckelnden Welt nichts anderes übrig, als auch ihr eigenes, sorgsam aufgebautes Lügengerüst einzureißen und Farbe zu bekennen. Damit stehen die beiden Mädchen vor ihrer ultimativen Bewährungsprobe. Die drängende Frage, die am Schluss unweigerlich im Raum stehen bleibt, ist die nach der echten Belastbarkeit dieser Verbindung. Kann die Freundschaft Bestand haben, wenn sich ihre schulischen und damit gesellschaftlichen Wege trennen, weil Ranja möglicherweise auf das Gymnasium geht und Leonore nicht? Es ist genau diese Ungewissheit, mit der das Stück sein Publikum in die Realität entlässt.

Mehr Informationen https://www.theaterdo.de/produktionen/detail/job-safari/

 

 




Dortmunder Jugendorchester trifft heimische Philharmoniker

Am 09.02.2026 bot sich beim 2. Konzert für junge Leute unter dem Titel „DOJO meets Dortmund Philharmonic: America!“ wieder die Gelegenheit, die Dortmunder Philharmoniker unter der temperamentvollen Leitung von Olivia Lee-Gundermann gemeinsam mit dem DOJO (Dortmunder Jugendorchester) zu erleben. Thematisch drehte sich im Konzerthaus alles um die sich aus vielen Quellen speisende Musik der USA des 20. Jahrhunderts.

Zu Beginn stand die durch europäische Immigranten beeinflusste Musik von Leonard Bernstein (1918–1990) sowie George Gershwin (1898–1937) auf dem Programm. Engagiert geleitet von der Dirigentin, erweckten die Dortmunder Philharmoniker die dramatischen Klänge und Geschichten aus der „West Side Story“ (Bernstein) sowie „Porgy and Bess“ (Gershwin) instrumental und sinnlich zum Leben.

Anschließend ergänzte das Jugendorchester unserer Stadt mit musikalisch frischer Kraft die Philharmoniker auf der Bühne bei den folgenden Programmpunkten. Der afroamerikanische Einfluss wurde eindrucksvoll durch den 3. Satz „Juba Allegro“ aus der Sinfonie Nr. 4 d-Moll der Komponistin Florence Price (1887–1953) vermittelt. Der Titel bezieht sich auf den „Juba Dance“; Price gelang es hier erstmals, originäre afroamerikanische Musikelemente in eine Sinfonie einzubringen.

Das Jugendorchter und die Dortmunder Philharmoniker zusammen in einem Konzert. (Foto-Credit: Sophia Hegewald)
Das Jugendorchester und die Dortmunder Philharmoniker zusammen in einem Konzert. (Foto-Credit: Sophia Hegewald)

Europäisch geprägt war wieder der ruhige, etwas melancholisch klingende Satz „Molto Adagio“ aus dem „Adagio for Strings“ von Samuel Barber (1910–1981). In moderne Filmwelten führten dann bekannte, dramatische Melodien aus „Der weiße Hai“ und „Star Wars“ von John Williams (*1932).

Zum Abschluss gab es noch eine Zugabe aus „Indiana Jones“. Es ist erfreulich, dass auch dem Orchesternachwuchs die Möglichkeit geboten wird, sich einem großen Publikum zu präsentieren.




Wenn der Kaffee nach Träumen schmeckt – Eine Rezension von Superspecial

Früher gab es „nur“ Filterkaffee, heute stehen wir vor der Wahl: Muss es ein Java Chocolate Chip Frappuccino sein oder doch der klassische Schwarze? Die Bestellung an der Kaffeebar ist längst zu einem kleinen Akt der Selbstdarstellung geworden. Wer heute bestellt, kommuniziert weit mehr als nur seinen Durst. Er signalisiert eine Zugehörigkeit, einen Lifestyle. „Normal“ ist fast schon ein Schimpfwort und Durchschnitt ein absolutes No-Go. Am Ende bleibt jedoch die Frage: Schmeckt uns die Individualität wirklich besser, oder genießen wir einfach nur das Gefühl, nicht „wie alle anderen“ zu sein?

Genau in dieses Spannungsfeld entführte uns das Tanztheaterstück „Superspecial“, das am 31. Januar 2026 im Fritz-Henßler-Haus Premiere feierte.

Zwischen Frappuccino und Transformation

Das Stück startete in einem „Café am Rande des Wahnsinns“. Hier stellten sich nicht nur Fragen nach der richtigen Milchvariante, sondern auch die ganz großen Fragen des Lebens: Wann kommt eigentlich die Band? Und ist JETZT die richtige Zeit für eine allumfassende Transformation?

Das Publikum begegnete Figuren, die wir alle kennen – oder in denen wir uns selbst ertappt fühlen. Da war zum Beispiel Gerd, der nervige Kunde, der dem Personal ungefragt die Welt des Kaffees erklärt. Er steht exemplarisch für den modernen Drang, sich durch Wissen und Kennerschaft von der Masse abzuheben. Doch hinter der Fassade des „Bescheidwissers“ und den coolen Bestellungen schlummerten bei den Figuren tiefe Wunden: das Gefühl, übersehen zu werden, oder der Schmerz, wegen der Hautfarbe diskriminiert zu werden.

Die Karte von "Superspecial".
Die Karte von „Superspecial“.

Eine Goldcard für das Publikum

Unter dem Coaching von Birgit Götz und Cordula Hein präsentierte das Kollektiv „wichtigemenschen“ eine humorvolle, schräg-sinnliche Tour durch diese Megatrends der Individualisierung. Besonders eindrucksvoll war, dass die Transformation nicht nur auf der Bühne behauptet, sondern physisch erlebbar gemacht wurde.

Ausgestattet mit einer „Goldcard“ musste das Publikum das Café verlassen und den Spielort wechseln – von der Cafeteria hinüber in den Kinosaal. Ein kluger Schachzug: Der Weg vom Alltäglichen ins „große Kino“ der Träume wurde so zur gemeinsamen Bewegung. Mit viel Musik, Witz und Tanz erkundeten die Darstellenden, ob sich Einzigartigkeit und Gemeinschaft überhaupt vereinen lassen.

Es war ein Abend, der bewegte – räumlich wie emotional. Weitere Termine gibt es aktuell leider nicht, was die Premiere im Rückblick genau zu dem macht, was der Titel versprach: „Superspecial“.

Es spielten (Kollektiv wichtigemenschen): Carla Brockmann, Greta Heimbach, Marcia Kemper, Anneli Koch, Maya Krämer, Bhavdeep Kumar, Mathis Pollmann, Henna Schmaler, Lotta Severin & Sam Meier.




Echo der Abwesenheit: Wenn Klänge ohne Lautsprecher den Raum erobern

In der aktuellen Ausstellung „8 Ω LESS“ im Künstler*innenhaus Dortmund wird eine radikale Grenze gezogen: Die Abwesenheit von Lautsprechern. Was zunächst wie ein technisches Defizit klingt, entpuppt sich als eine tiefgreifende Untersuchung des Klangs als physisches, skulpturales Medium. Unter der Leitung von Kurator Ach Kuhzunft präsentieren Künstler:innen der Kunsthochschule für Medien Köln Werke, die Klänge durch mechanische Prozesse wie Streichen, Schlagen oder Blasen direkt im Raum erzeugen.

Die Mechanik der Unruhe und industrielle Nachklänge

Ein zentrales Motiv der Schau ist die Spannung zwischen sichtbaren und unsichtbaren Klangquellen. Yue Cao verarbeitet in „Übernächtigung“ traumatische Erinnerungen an scharrende Stühle während seiner Studienzeit in China. Zwei mechanische Vorrichtungen schieben Stühle über eine konstruierte Decke und erzeugen ein schrilles Kratzgeräusch, das für das Publikum unsichtbar bleibt und eine Atmosphäre existenzieller Angst heraufbeschwört.

Ähnlich industriell, aber mit Fokus auf den Verfall, agiert dennis aycicek mit seinem Werk „ZONE“. Unter Verwendung von Spundwänden und Moniereisen reflektiert er das Verstummen einer Industrieregion und die Anziehungskraft von Gefahrenzonen. Den technoiden Gegenpol bildet Justus Kaufmann, dessen Installation „Bellwech“ Stahlbleche durch Motoren in Schwingung versetzt und so Klänge erzeugt, die zwischen „Gewitter- und UFO-Geräuschen“ changieren.

Poesie der Fragilität und des Widerstands

Die Ausstellung bietet jedoch auch Raum für zarte, fast sphärische Momente, die mechanische Präzision mit inhaltlicher Tiefe verweben. So erzeugt Tina Tonagel in ihrer Arbeit „Gedicht“ eine meditative Atmosphäre, indem sie hinter Schlitzen verborgene Gitarrensaiten mittels E-Bows in dauerhafte Schwingung versetzt. Eine ähnliche Fragilität, jedoch getrieben von Unberechenbarkeit, zeigt Farah Wind in „NETZ_TEILE“: Hier werden kleine Motoren und Luftströmungen zu Akteuren, die fragile Rhythmen entstehen und wieder zerfallen lassen. Politisch aufgeladen wird diese Ästhetik schließlich bei Bella Comsom, deren Klangskulptur „Sie dachten, sie würden verschwinden“ Keramik und Mini-Ventilatoren nutzt, um symbolisch den „Atem“ von Schlangen zu erzeugen – ein akustischer Widerstand gegen die jahrhundertelange Unterdrückung weiblichen Wissens.

Der Staub saugende Chor und tanzende Tüten

Besonders kurios wirkt der Beitrag von Karen Fritz. Ihr „blow connector“ lässt einen handelsüblichen Nass-/Trockensauger durch den Raum rollen. Das Dröhnen des Motors vermischt sich mit dem Singen metallischer Gestänge zu einer unerwarteten klanglichen Performance. Kontrastiert wird diese rohe Energie durch die „Papiergeister“ von Esther Rosiny-Wieland, deren leises Knistern beim Drehen der Papiertüten eine fast geisterhafte Präsenz im Raum schafft.

„Papiergeister“ von Esther Rosiny-Wieland,
„Papiergeister“ von Esther Rosiny-Wieland,

Zwischen Ritual und Vergänglichkeit

Die Partizipation bleibt ein Herzstück der Schau. Während Samuels Ozoliņš mit seinen „stillen Altären“ lettische Zaubersprüche durch das laute Aussprechen der Besucher:innen zum Leben erweckt, lädt Jeongan Choi in „Tearable Sound“ dazu ein, Papierstapel nach bestimmten Linien zu zerreißen. Hier wird der Klang des Reißens selbst zur Partitur.

Fazit

„8 Ω LESS“ ist weit mehr als eine formale Fingerübung. Die Ausstellung zwingt uns, genau hinzusehen, woher ein Geräusch kommt, und die Materialität unserer akustischen Umwelt neu zu bewerten. Sie zeigt, dass die Abwesenheit von Technik (hier: Lautsprechern) den Weg ebnet für eine unmittelbare, körperliche Erfahrung von Kunst.

 

Besuchshinweise:

  • Ort: Künstler*innenhaus Dortmund, Sunderweg 1.
  • Öffnungszeiten: Do – So 16 – 19 Uhr.
  • Eintritt: Frei.
  • Hinweis: Die Ausstellungsräume sind derzeit nicht barrierefrei.



Gipfeltreffen der Siebten: Marek Janowskis triumphale Rückkehr zu den Dortmunder Philharmonikern

Es war mehr als nur das 4. Philharmonische Konzert am 27. Januar 2026 im Konzerthaus. Es war eine historische Rückkehr und ein musikalisches Statement. Als Marek Janowski, der die Dortmunder Philharmoniker bereits von 1975 bis 1979 als Generalmusikdirektor prägte, das Podium betrat, schloss sich ein Kreis. Auf dem Programm standen keine solistischen Kabinettstückchen, sondern zwei gigantische Monolithen der Romantik: Schuberts Siebte und Bruckners Siebte.

Man könnte diese mutige Zusammenstellung als eine Reise von der „Keimzelle“ zur „Kathedrale“ bezeichnen. Die Dramaturgie des Abends schlug eine historische Brücke: Schubert, der Urvater der romantischen Sinfonik, der mit seinem Mut zu langen, singenden Themen und atmosphärischen Wanderungen den Weg bereitete – und Bruckner, der diesen Stil später in gigantische Dimensionen führte. Ohne Schuberts Vorarbeit wäre Bruckners Klangkosmos kaum denkbar gewesen.

Von der himmlischen Länge zur architektonischen Tiefe

Beide Werke eint das Spiel mit der Zeit, doch auf völlig unterschiedliche Weise. Was Robert Schumann einst bei Schubert als „himmlische Länge“ bezeichnete, nutzt dieser für einen unaufhaltsamen, rhythmischen Puls. Es ist ein musikalisches „Ja“ zum Leben, strahlend, tänzerisch und voller Vorwärtsdrang trotz aller innewohnenden Melancholie.

Nach der Pause dann der Kontrast in der Energie: Bruckners Siebte in E-Dur. Hier wird die Zeit genutzt für einen monumentalen, fast sakralen Aufbau. Vom ersten, endlos strömenden Thema bis zum berühmten Adagio – der Totenklage für Richard Wagner – füllt die Musik Raum und Zeit auf eine Weise, die eher dem Besteigen eines Berggipfels gleicht als einer Wanderung im Tal.

Das Programmheft zum 4. Philharmonischen Konzert.
Das Programmheft zum 4. Philharmonischen Konzert.

Der Architekt am Pult

Dass dieses „schwere“ Programm nicht unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrach, ist dem Rückkehrer am Pult zu verdanken. Marek Janowski erwies sich einmal mehr als der „Architekt“ unter den Dirigenten. Er ist kein Mann des bloßen Pathos, sondern ein Analytiker, der Strukturen offenlegt.

Bei Schubert verhinderte Janowskis Zugriff konsequent, dass die „Große C-Dur“ im rein „Gemütlichen“ stecken blieb; stattdessen verlieh er ihr den nötigen Drive und rhythmische Schärfe. Bei Bruckner wiederum sorgte er mit struktureller Klarheit dafür, dass die riesigen Steigerungswellen nicht zerflossen, sondern sich logisch und zwingend aufbauten.

Ein Wiedersehen mit der „Janowski-Schule“

Für das Orchester war der Abend wie ein Wiedersehen mit einem strengen, aber hochgeschätzten Lehrmeister. Der spezifische, transparente Orchesterklang, den Janowski fordert, war deutlich zu hören. Es wirkte wie eine Rückbesinnung auf die eigene Identität und das Kernrepertoire der deutschen Romantik.

Dabei blieb Janowski seinem Ruf als „Anti-Star“ treu. Dass er zwei so massive Sinfonien ohne Solisten und ohne Beiwerk nebeneinanderstellte, passt perfekt zu seinem Ethos: Keine Mätzchen, die Musik soll für sich selbst sprechen. Es war ein puristisches Programm, das volles Vertrauen in die Substanz der Kompositionen setzte.

Eine Brücke in die Vergangenheit

Der langanhaltende Applaus am Ende galt nicht nur der künstlerischen, sondern auch der physischen Leistung. Für den 1939 geborenen Dirigenten ist ein solches Programm ein Kraftakt, der höchste Konzentration und Ausdauer verlangt. Dass er diese Energie mit weit über 80 Jahren noch aufbringt, rang dem Saal tiefen Respekt ab.

Besonders für jene Besucher, die Janowski noch aus den 70er Jahren kannten, war dieser Abend eine emotionale Brücke in die eigene Vergangenheit. In einer sich schnell verändernden Welt wirkte Janowskis Beständigkeit – als sachdienlicher, strenger Diener der Partitur – beruhigend und erdend. Ein großer Abend für Dortmund.




Märchen im Grand-Hotel – Eine Hommage an die 30er Jahre

Das luxuriöse Grand-Hotel in Cannes bildet die glamouröse Kulisse für einen rasanten Zusammenprall zweier Epochen: Hier versucht das „alte Europa“ verzweifelt, die Fassade zu wahren, während das „neue Amerika“ bereits mit der Scheckbuch-Mentalität an die Tür klopft.

Regisseur Jörg-Felix Alt beweist bei dieser Inszenierung ein glückliches Händchen. Er präsentiert das Stück als wunderbare Hommage an die 30er Jahre, ohne den modernen Witz zu vergessen. So streut er gekonnt Bonmots und sogar popkulturelle Referenzen ein – etwa das legendäre „Nein! – Doch! – Oh!“ von Louis de Funès –, was dem Abend eine frische, humorvolle Dynamik verleiht.

Getragen wird diese Inszenierung von einem bestens aufgelegten Ensemble. Im Zentrum des Geschehens steht Tanja Christine Kuhn als herrlich indignierte Infantin Isabella. Sie rümpft über das „normale Volk“ standesgemäß die Nase, muss sich jedoch mit der energischen Marylou auseinandersetzen. Diese Rolle der modernen Powerfrau und Produzententochter wird von Nina Weiß adäquat und kraftvoll verkörpert. Sie ist es, die eine Intrige spinnt, um das echte Leben des Adels für Hollywood zu filmen.

Ob er sie bekommt? Albert (matthias Störmer) ist jedenfalls stark in Isabella (Tanja Christine Kuhn) verliebt. (Foto: (c) Björn Hickmann)
Ob er sie bekommt? Albert (matthias Störmer) ist jedenfalls stark in Isabella (Tanja Christine Kuhn) verliebt. (Foto: (c) Björn Hickmann)

Dabei gerät Matthias Störmer als Zimmerkellner Albert zwischen die Fronten. Störmer spielt den jungen Mann, der eigentlich der Sohn des Hotelbesitzers Chamoix ist, mit viel Charme und hält sein Geheimnis lange verborgen. Während Albert sein Herz an die Prinzessin verliert, sorgt Rob Pelzer als Prinz Andreas Stephan für weitere Verwicklungen: Er wäre nämlich viel lieber ein gefeierter Filmstar als der Verlobte der Infantin.

Für die nötige Prise Humor und musikalische Farbtupfer sorgen Johanna Schoppa als schlagfertige Gräfin Inez sowie ein harmonisches Männerquartett. Musikalisch untermalt wird das turbulente Geschehen von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Dirigent Koji Ishizaka, die das Publikum klanglich perfekt in die Ära der Jazz-Operette und der 30er Jahre versetzen.

Doch wie endet dieses Spiel um Sein und Schein? Bekommt Albert seine Isabella wie in einem echten Märchen, oder zerbricht die Illusion im Blitzlichtgewitter der Presse? Gespoilert wird hier nicht – zur Auflösung und um zu sehen, ob das „Happy End“ wirklich happy ist, müssen Sie sich das Stück schon selbst ansehen.




Ein familiäres Fest der Liebe

Wer beim Titel des Konzertabends, „Meine Freundin, du bist schön“, ausschließlich an weltliche Liebeslyrik dachte, wurde überrascht – und doch bestätigt. Das Programmgerüst war zwar geistlicher Natur, doch die Frage, ob die Werke „zu sakral“ für diesen Titel seien, ließ sich an diesem Abend mit einem klaren Nein beantworten. Vielmehr gelang hier der kunstvolle Spagat, der für die Barockzeit so typisch war: Die Verschmelzung von irdischer Leidenschaft und göttlicher Verehrung.

Ein Programm zwischen Himmel und Erde

Das titelgebende Werk von Johann Christoph Bach fungierte dabei als emotionales Herzstück. Basierend auf dem Hohelied Salomos, dem wohl sinnlichsten Text der Bibel, wurde die Grenze zwischen der Liebe zu Gott und der zwischenmenschlichen Erotik bewusst verwischt. Es war kein strenges Kirchstück, sondern ein Dialog voller Zärtlichkeit, der den Ton für den gesamten Abend setzte: Es ging nicht um Buße oder Trauer, sondern um Hochzeit, Festlichkeit und Gemeinschaft.

Unterstrichen wurde dieser festliche Charakter durch die kluge Auswahl der begleitenden Werke. Johann Sebastian Bachs Kantate „Der Herr denket an uns“ (BWV 196) erklang als sprühende Hochzeitsmusik, Heinrich Schütz besang in seinem Psalm die Lieblichkeit des brüderlichen Beisammenseins, und die Ouverture von Johann Bernhard Bach brachte mit ihren französischen Tanzformen sogar höfischen Glanz und weltliche Eleganz in den Konzertsaal.

Das Prgrammheft des Abends. (C) Klangvokal
Das Prgrammheft des Abends. (C) Klangvokal

Musikalisch entpuppte sich der Abend dabei als ein faszinierendes „Familientreffen“ der Dynastie Bach. Das Programm las sich wie ein Stammbaum: Vom „Stammvater“ der Arnstädter Linie, Heinrich Bach, über dessen Söhne Johann Christoph und Johann Michael (dem späteren Schwiegervater Johann Sebastians) bis hin zum Cousin Johann Bernhard. Heinrich Schütz thronte über allem als der geistige Großvater, der den musikalischen Nährboden für diese Generationen bereitet hatte.

Kongeniale Partnerschaft

Dass für dieses Programm mit dem belgischen Vokalensemble Vox Luminis und dem Freiburger BarockConsort zwei der führenden Spezialisten für die Musik des 17. Jahrhunderts gemeinsam auf der Bühne standen, erwies sich als Glücksfall. Die Kombination dieser beiden Klangkörper hob den Abend weit über eine historische Werkschau hinaus.

Vox Luminis, unter der Leitung von Lionel Meunier, machte seinem Namen („Stimme des Lichts“) alle Ehre. Das Ensemble ist berühmt für seinen unnachahmlich warmen, homogenen Klang und die Fähigkeit, Text nicht nur zu deklamieren, sondern emotional aufzuladen. Gerade für das Titelwerk „Meine Freundin, du bist schön“ war dies essenziell: Statt akademischer Kühle brachten die Sängerinnen und Sänger jene menschliche Wärme und Sinnlichkeit mit, die dem Text aus dem Hohelied innewohnt. Sie verwandelten die theologische Symbolik zurück in spürbare Emotion.

Das Freiburger BarockConsort bildete dazu das perfekte instrumentale Gegenüber. Als Kammermusikformation des renommierten Freiburger Barockorchesters sind sie Experten für die „sprechende“ Musizierweise des Frühbarocks. Ihr Spiel zeichnete sich durch rhetorische Klarheit und einen energetischen Zugriff aus, der den Tanzsätzen den nötigen Schwung verlieh, ohne die vokale Zartheit zu überdecken.

Fazit

Das Zusammenspiel wirkte organisch und tief vertraut. Hier trafen die instrumentale Brillanz der deutschen Stadtpfeifer-Tradition auf europäische Vokalkunst höchster Güte. Gemeinsam gelang es den beiden Ensembles, die „sakralen“ Werke von ihrer Strenge zu befreien. Es entstand ein intimer Einblick in das thüringische Musikleben des 17. und 18. Jahrhunderts – eine Feier der Familie, der Verbundenheit und der Liebe in all ihren Facetten.




Kanonenmütter, Tradwives und ein großer Abschied: So startete der Geierabend 2026

Er ist ein fester Bestandteil des Dortmunder Kulturlebens: der Geierabend. Mit einer ebenso politischen wie pointierten Premiere ist die alternative Karnevalssitzung am 2. Januar 2026 auf Zeche Zollern in die neue Session gestartet. Vor vollem Haus präsentiert das Ensemble noch bis Veilchendienstag ein Programm, das aktuelle Debatten, Ruhrgebietsrealität und bewusst albernen Klamauk gekonnt miteinander verknüpft.

An Themen mangelt es dem Geierabend keinesfalls. Denn alles scheint wiederzukommen, wie Steiger Martin Kaysh zurecht anmerkte – beispielsweise der Wehrdienst. Mit der Szene „Kanonenmütter“ nimmt das Ensemble die Debatte um Wehrpflicht und Aufrüstung ins Visier: Zwei Mütter rücken kurzerhand selbst ein, inklusive olivgrünem Wellness-Programm und militärischem Gebrüll. Auch die 50er-Jahre feiern ein Wiedersehen in Form von „Tradwives“, die ihre Bestimmung im traditionellen Rollenverständnis suchen. Natürlich versucht auch die alleinerziehende Mutter Jessica Schmottke (Sandra Schmitz), davon zu profitieren. Dass auch Trends zu Ende gehen können, erlebten zwei Labubus, die auf dem „Friedhof der Kuscheltiere“ auf Relikte vergangener Tage schauten.

Auch die Situation der Dortmunder SPD wird aufs Korn genommen. Politisch-historisch wird es in „SPD – Der Geist von Godesberg“, wenn die letzten Dortmunder Sozialdemokraten in ihrer Verzweiflung den legendären Parteitag von 1959 heraufbeschwören. Denn früher war die Stadt die „Herzkammer der Sozialdemokratie“, heute regiert ein CDU-Bürgermeister. Der neue OB, Alexander Kalouti, war dabei immer wieder Zielscheibe des Spotts.

Premiere Geierabend auf Zeche Zollern. (Foto: (c) Anja Cord)
Premiere Geierabend auf Zeche Zollern. (Foto: (c) Anja Cord)

Der Ruhrpott-Blick auf gesellschaftliche Trends kommt ebenfalls nicht zu kurz. In „Bottrop statt Botox“ persiflieren „Dr. Dick und Dr. Fick“ die Schönheitschirurgie auf radikal ehrliche Art, während die Nummer „Hobby Horsing und Köttbullar“ den Trendsport aus der IKEA-Betriebssportgruppe Kamen mitten ins Revier holt. Was für spannende Geschichte mag wohl die WAPO Phoenixsee erzählen?

Musikalisch spannen Pele Götzer und seine Band einen weiten Bogen von viralen Popsongs wie „Gangnam Style“ über „Walking on Sunshine“ bis zu aktuellen Chart-Hits wie „APT“. Für den roten Faden sorgt einmal mehr Steiger Martin Kaysh, der mit bissigen Moderationen und Kommentaren zum politischen Tagesgeschehen durch den Abend führt.

Ein besonderer Moment ist in diesem Jahr der Abschied von Geierabend-Präsident Roman Henri Marczewski. Der Mitgründer und langjährige Kopf der Veranstaltung verabschiedet sich nach mehr als drei Jahrzehnten mit einer musikalischen Verneigung vor dem Publikum – ein emotionaler Höhepunkt für eine prägende Figur der Ruhrgebietskultur.

Traditionell gehört zum Geierabend auch die Vergabe des Pannekopp-Ordens, und hier gab es direkt bei der Premiere eine Entscheidung: Den Tagessieg holte sich Bettina Hartmann. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Marl, die sich mit Stimmen der AfD hatte wählen lassen, setzte sich damit gegen NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst durch. Wüst war mit seiner Idee der „Leading Losing City Köln“ nominiert worden.

Das Ensemble musste in dieser Session zwei neue Mitglieder integrieren, was über weite Strecken sehr gut gelang. Es liefert eine Bandbreite von Ruhrpottsatire über Medienkritik bis hin zu politischer Satire – Gesangs- und Tanzeinlagen inklusive. Lediglich die Szene mit den beiden „Facharbeitern“, die zuvor von zwei ausgeschiedenen Mitgliedern verkörpert wurde, wirkte etwas routiniert – das Gabelstapler-Thema hat sich inzwischen ein wenig abgenutzt. Dennoch spielte, sang und tanzte das Ensemble insgesamt wie aus einem Guss.

Auch das Publikum war an diesem Abend bestens aufgelegt. Alle Szenen wurden ausgiebig bejubelt, und die Hymne „Dortmund“ durfte als Zugabe nicht fehlen.

Alle Infos zum Geierabend 2026

  • Spielort: Zeche Zollern, Dortmund
  • Termine: Die Session läuft noch bis zum 17. Februar 2026 (Veilchendienstag).
  • Tickets: Karten sind unter geierabend.de erhältlich.
  • Das Ensemble: Roman Marczewski, Sandra Schmitz, Martin Kaysh, Benjamin Werner, Silvia Holzhäuser und Stefan Peters.