Schönheit des Augenblicks und die Vergänglichkeit

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Stück. Zu sehen sind v.l.n.r. Marcel Schaar (Fotograf), Bettina Lieder und Marlena Keil. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Stückentwicklung „hell / ein Augenblick“ von Schauspielintendant Kay Voges und seinem Team ist ein weiteres Theater-Abenteuer nach „Das Goldene Zeitalter“ und „Die Borderline Prozession“. Es schließt sich künstlerisch als Fortsetzung an.

Während bei der „Borderline Prozession“ die Gleichzeitigkeit von Ereignissen und deren sinnliche Darstellung im Theater mit einer Bilderflut verdeutlicht wurde, geht es bei „hell / ein Augenblick“ um Reduktion und Entschleunigung.

Der berühmte Satz „Werd‘ ich zum Augenblicke sagen, verweile doch du bist so schön…“ von Goethes Faust war Inspiration für das neue Stück unter Voges Regie.

Können wir den Augenblick , den Moment für die Ewigkeit festhalten?

Die Fotografie versucht das seit 200 Jahren.

Der Regisseur und das gesamte Ensemble versuchen mit einer neuen Theaterform, sich mit der Fotografie zu verbünden. Ein Grenzgang des Theaters zur Kunst der Fotografie. Vier Dramaturgen sind an der Aufgabe beteiligt. Für den musikalischen Soundtrack ist wieder Tommy Finke verantwortlich.

Der Hauptakteur an diesem Abend ist aber der Kunstfotograf Marcel Schaar. An diesem Abend tauschen Helligkeit und Dunkelheit die Plätze. Er wird als Live-Fotograf auf der dunklen Bühne als Meister des Augenblicks mit dem Blitzlicht seiner Kamera ein Motiv ablichten, das dann direkt auf eine große Leinwand in den Zuschauerraum projiziert wird. Für 1/50 Sekunde Licht lässt dann vor den Augen der Zuschauer als Abbild auf der Netzhaut Bilder entstehen und wieder vergehen. Es entstehen Fragen dem Verhältnis von Bild, Abbild, Raum und Zeit und der Flüchtigkeit des Moments. Insgesamt werden bei der Vorstellung 100 Momente aufgefangen. Mit dieser Reduktion umzugehen, verlangt ein mutiges Ensemble.

„Das ist eine Reflexion über die Vergänglichkeit und die Schönheit des Augenblicks. Es wird ein sinnlicher und vielleicht archaischer Abend,“ so Voges.

Inhaltlich passend werden die Schauspieler Textzitate aus verschiedenen Jahrhunderten von der jüdischen Kabbala bis Charles Bukowski , Goethe, Nietzsche oder Baudelaire u.a. verwenden. Dabei spielen die Themen Vergänglichkeit,, Erinnerung, Vergessen und der Zauber des Augenblicks natürlich die wesentliche Rolle.

Auf der Bühne werden zwei große Leinwände an den Seiten als Projektionsfläche dienen. Ein weißer Kasten für bietet ganz spezielle Beleuchtungsmöglichkeiten.

Die Vorstellung wird zirka zwei Stunden ohne Pause dauern.

Die Premiere von „Hell /ein Augenblick“ im Megastore um 19.30 Uhr am 11.02.2017 ist schon ausverkauft. Nachfragen lohnt sich aber immer! Manchmal werden auch Karten kurzfristig zurückgegeben.

Weitere Informationen erhalten sie unter www.theaterdo.de

Das Schauspielhaus rät: Menschen mit Dunkelangst, akuten Herzproblemen, einer Neigung zu Migräneanfällen und/oder Epilepsie wird dringend von einem Besuch der Vorstellung abgeraten.




Die Farbe als Klammer

Statische geometrische Formen unterstützen die Wirkung der Farben in den Arbeiten von Monika Pfeiffer wie in diesem Beispiel zu sehen ist. (Foto: © Monika Pfeiffer)

Im Torhaus Rombergpark ist vom 12.02.2017 bis zum 05.03.2017 die Ausstellung „Ohne Klammer“ der Künstlerin Monika Pfeiffer zu sehen. Pfeiffer zeigt dort diverse Leinwandbilder, Stein-Glas-Skulpturen und Arbeiten aus Holz. Der Titel entstand, als die Künstlerin anfangs noch keine Gemeinsamkeiten bei ihren Bildern erkennen konnte. Im Laufe der Zeit hat sich das geändert. Die Farbe ist die Klammer und steht unterstützt von Strukturen im Mittelpunkt.

Bevorzugte Pfeiffer in der Vergangenheit helle Farben und viel Weiß, stehen nun kräftige Farben im Mittelpunkt, die auf ganz ungewöhnliche Weise kombiniert werden. Das führt zu besonderen Farberlebnissen. Die Farbe wird Bildgegenstand und in klare Ordnungen.

Statische geometrische Formen unterstützen die Wirkung der Farben. Der Prozess des Entstehens ist durch das Auftragen vieler Schicht sichtbar gemacht. Ob das Bild sich im Auf-oder Abbau befindet nicht eindeutig erkennbar. Der Moment der Wende ist visuell festgehalten.

Ab dem Jahr 2007 sind die Skulpturen aus Travertin und Rohrglas mit dem Titel „Wenn das Wasser zu Stein wird“ entstanden. Die Skulpturen sind schlicht und die Form von Stein und Glas vorgegeben.

Die Farbe spielt hier wieder eine besondere Rolle. Das weiche Beige des Travertins und das eher kalte Türkis des Glases bilden einen interessanten Kontrast.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonntag, den 12.02.2017 um 11.00 Uhr im Torhaus Rombergpark statt. Die Kunsthistorikerin Dr. Sabine Weicherding führt in die Ausstellung ein. Die Künstlerin ist selbstverständlich anwesend.




Die Schönheit des Unperfekten

Eine kleine Zusammenstellung von Werken von Virginia Novarin. (Foto: © Kunstbonbon)

Das Kunstbonbon in der Chemnitzer Str. 11 zeigt vom 18.02.2017 bis zum 25.03.2017 unter dem Titel „Einmal Universum bitte!“ eine Auswahl großformatige Bilder, Grafiken und Köpfe aus Papiermaché sowie Schmuckstücken der gebürtigen Argentinierin Virginia Novarin.

Ihre Werke sind gekennzeichnet von südamerikanischer Farbfreude und sie entsprechen nicht den Konventionen. Sie wenden sich ab von genormten Ideal für Schönheit und richteen den Blick auf die selbstbewusste Darstellung der individuellen Fähigkeiten und Vorzüge. In ihren Werken spielen Frauen eine Hauptrolle. Sie sind selbstbewusst und ruhen zumeist in ihrem „eigenen Universum“. Die Plastiken sind allesamt „Charakterköpfe“, die trotz vermeintlicher Makel wie eine große Nase oder seltsame Augen Stolz und Zufriedenheit ausdrücken. Der Schmuck der Künstlerin ist ebenfalls nicht „perfekt“ sonder eher rau und uneben. Die Schönheit des „Unperfekten“ wird zudem durch eine Komposition mehrerer unterschiedlicher Metallsorten wieder gespiegelt.

Die Vernissage findet am 18.02.2017 ab 15.00 Uhr im Kunstbonbon statt.




Die Scheußlichkeit der schönen Momente!

Die Kreuzfahrt kann beginnen. (Foto: © Theater im Depot)

Das ist der Titel des neuen Tanztheaterprojekts der Tanzwerkstatt KOBIseminare in einer Kooperation mit dem Theater im Depot in Dortmund.

Das am Tanz interessierte Ensemble sind Erwachsene , die sich unter Leitung und Choreografie von Birgit Götz gemeinsam das Projektthema entwickeln und es auf humorvoll sinnliche Weise mit Tanz, Sprache und Performance umsetzen. Jeder wird nach seinen tänzerischen Fähigkeiten eingesetzt.

Die Grundsituation stellt sich so dar: 14 Freunde, die sich lange nicht mehr gesehen haben, planen eine gemeinsame Kreuzfahrt. Die Vorfreude und die Erwartungen sind riesig groß. Alles soll schön werden. Die unterschiedlichen Vorstellungen werden auf dem Schiff im engen Miteinander schnell klar. Die Enge auf dem Schiff bringt alle einander näher. Oder eben nicht…

Die 14 Akteure zeigen mit ihrem Tanz, Sprach und Humor, was für scheußlich-schöne Momente sich zwischen Menschen ergeben, die nichts anderes zu tun haben, als sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Es wird der Frage der zu hohen Erwartungen nachgegangen und hinterfragt, was eigentlich einen schönen und glücklichen Moment ausmacht.

Die Premiere ist am SA 11.02.2017 um 20:00 Uhr.

Weitere Termine: SO 12.02.2017 um 18:00 Uhr

sowie am Mi 15.02.2017 und am DO 16.02.2017 um 20:00 Uhr.

Kartenreservierung (AK): Theater im Depot: 0231 / 98 22 336 (AB) oder ticket@theaterimdepot.de

Kartenvorverkauf (VVK): DORTMUNDticket,  Max-von-der-Grün-Platz 5-6, 0231 / 18999-444, ticket@dortmund-tourismus.de




Wenn Politik das Private durchdringt

Auf dem Amt: SA-Mann (Frank Genser, 2.v.l.) will den arbeitslosen Bruder (Carlos Lobo 1.v.l.) der Köchin (Uwe Schmider, 4.v.l.) reinlegen. Noch im Bild sind: Bettina Lieder und Alexander Xell Dafov. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Nach dem großen Ensemblestück „Eine Familie (August: Osage County)“ hat Regisseur Sascha Hawemann in dieser Spielzeit Bertholt Brechts Szenencollage „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ (Zeitraum 1933 – 1938) im Megastore auf die Bühne gebracht. Hawemann sind dabei aktuelle Bezüge zu unserer Problemen mit zunehmen den Einfluss rechtspopulistischer und fundamental islamistischen Gruppierungen im In-und Ausland von großer Bedeutung. Das zeigt sich nicht nur die Beteiligung des 2015 aus Syrien geflohenen Schauspielers Raafat Daboul. Er steht für die vielen, vor der Gewalt in Syrien geflohenen Menschen. Ars Tremonia war am 05.012.2017 bei einer Aufführung anwesend.

Das Publikum wurde durch einen Graben voll Koffer und losen Textblättern von den Schauspielern räumlich weit getrennt. Dieser Graben stand symbolisch für alle Menschen, die als Juden und aus politischen oder anderen Gründen auf „gepackten Koffern“ saßen und und versuchten (so sie konnten) rechtzeitig zu fliehen.

Friederike Tiefenbacher spielt als jüdische Gattin eines deutschen Arztes (Andreas Beck) ein berührendes Beispiel für diese Flüchtlinge. Sie und ihr Mann versuchen verzweifelt, ihren Fluchtversuch als „kurze Reise nach Amsterdam“ zu erklären. Dem Paar und seine Freunden ist die bittere Wahrheit jedoch schon längst klar.

Durch die elf ausgewählten Szenen führte Uwe Schmieder als Bertolt Brecht engagiert. Neben Videobildern von im Hintergrund erfuhr das Publikums von Brechts „Epischen Theater“ und dem V-Effekt (Verfremdung). Er ist der Überzeugung, dass die Menschen sich aktiv für eine gerechtere, angst freie Gesellschaft einsetzen und kämpfen müssen und können. Brecht hat seine Szenen kaleidoskopisch angelegt, Hawemann versucht ein Band zwischen den Szenen zu finden, indem er Figuren öfter auftreten lässt wie beispielsweise das Dienstmädchen Marie. Dazu lässt er Figuren auftreten wie einen an Gustav Gründgens erinnernden „Mesphisto“ auftreten.

Die Auswirkung des Politischen auf das Privatleben sind allen Szenen gemeinsam. Nur ein paar Beispiele dafür: Frank Genser als brutal-zynischer SA-Mann Theo, der seine Lebensgefährtin Marie, gespielt von Bettina Lieder, jeden kleinsten Widerspruch austreibt. Er provoziert zudem seinen seinen arbeitslosen Nachbarn, gespielt von Carlos Lobo, im Spiel um ihn aufs Glatteis zu führen und zu denunzieren. Das Elternpaar (Merle Wasmuth und Carlos Lobo), das sich ausmalt, wie ihr für kurze Zeit verschwundener Sohn (Raafat Daboul) etwas System kritisches gehört haben könnte und sie eventuell denunziert. Andreas Beck spielt einen Amtsrichter, der zu jeder Rechtsbeugung bereit ist, um sich vor unliebsamen Konsequenzen für sich selber zu schützen. Das stellt sich als gar nicht so einfach da.

Die Szenen wurden zwischendurch musikalisch sensibel live und mit verschiedenen Instrumenten von Alexander Xell Dafov untermalt.

Sprachlos und nachdenklich machten gegen Ende das Paar Marie (Bettina Lieder) die Dienstmädchen und Theo (Frank Genser) der SA-Mann. Während ihrer in festlicher Kleidung zelebrierten Hochzeit erzählen die Beiden ohne jegliche Spur von Empathie in allen Einzelheiten von den grausamen Massenexekutionen in der Ukraine durch die deutsche Wehrmacht und ihren ukrainischen. Einen krasseren Gegensatz kann es nicht geben.

Ein Klima der Angst wird von interessierten Kreisen auch in der Gegenwart wieder geschürt. Wird gehen wir damit um?

Weitere Infos und Termine unter www.theaterdo.de




Say it loud – Die Fortsetzung folgt

Nach dem ersten Theaterprojekt mit Flüchtlingen „Say it loud- Storys from the brave new world“ unter der Leitung von Andreas Wrosch im Kinder- und Jugendtheater in Dortmund gibt es nun mit „Say it loud II“ eine Fortsetzung.

Im letzten Jahr ging es um die Beweggründe, Erlebnisse, Ängste,Träume, Hoffnungen und Enttäuschungen der Jugendlichen und Erwachsenen aus verschiedenen Fluchtländern. Die Spielfreude und die Dankbarkeit darüber, in Deutschland Schutz gefunden zu haben. Wer beim ersten Teil dabei war, wird einige bekannte Gesichter wieder erkennen.

In der Stückentwicklung zu „Say it loud II“ erzählen die elf jungen Frauen und Männer auf der Bühne nichts mehr über ihr persönliches Leben, sondern arbeiteten in einem Workshop zusammen mit Regisseur Wrosch die Geschichte von „Hänsel und Gretel“ als eine allgemeine Flüchtlingsgeschichte mit komischen und ironischen Elementen um. Aufgelockert wird die Erzählung durch Gesang, Musik und Tanzchoreografie.

Wie das Publikum am 03.02.2017 im Café des KJT schon einmal sehen und hören konnte, wurde das Stück durch den Beitrag eines jugendlichen Stand-up-Comedian mit albanischen Wurzeln mit viel Selbstironie bereichert. Vorurteile und Schubladendenken werden von ihm aufs Korn genommen. Unterstützt wurde das Team zusätzlich tatkräftig durch den kleinen Paul, ein Kind aus dem Umfeld der hiesigen Theaterszene.

Bei den Flüchtlingen blickt Dankbarkeit gegenüber Deutschland und der der Wunsch nach etwas Geduld (zum Beispiel etwa Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache) bei der Bevölkerung durch. Das durch internationale Gäste aus Frankreich, Portugal und Schweden bereicherte Publikum war von der Vorab-Darbietung angetan und spendeten viel Beifall. Die Premiere des Stücks findet am 11.06.2017 um 18:00 Uhr im KJT statt. Weitere Informationen unter : www.theaterdo.de




Vielfältige Klangfarben im Konzerthaus

Beim 2. Konzert Wiener Klassik am 30.01. 2017 im Konzerthaus verdeutlichte die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz das vielseitige Können des großen Komponisten Ludwig van Beethoven (1770-1827) anhand von drei Werken. Diese sind in ihrer Gegensätzlichkeit beispielhaft für die Vielschichtigkeit seines Gesamtwerkes. Die Ouvertüre für ein Ballett, Kammermusik und große Sinfonik standen auf dem Programm.

Die Ouvertüre für das Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ (1801) war Beethovens erste Bühnenmusik Basis für das allegorische Ballett war der Mythos von Prometheus. Ein erhabener Geist, der die ignoranten Menschen neu durch Kunst und Wissenschaft definierte und ihnen moralische Gesetze gab.

Der kraftvolle C-Dur Beginn wird bald durch Dissonanzen von Fagotten und Streichern gestört. Im weiteren Verlauf der fünf minütigen Ouvertüre steigert sich die Musik immer wieder wellenartig bis hin zu rasanten Höhepunkten. Stürmisch rasant eilen sowohl die Ouvertüre als auch Prometheus dem Finale entgegen.

Mit einer ganz anderen Klangfarbe erfreuten als zweiter Teil des Abends Generalmusikdirektor Gabriel Feltz höchstpersönlich am Klavier, Shinkyung Kim (Violine) und Franziska Batzdorf (Violoncello) mit Kammermusik von Ludwig van Beethoven das Publikum.

Das Klaviertrio D-Dur op. 70,1 ist auch mit dem populären Beinamen „Geistertrio“ bekannt. Das bezieht sich vor allem auf den düsteren und bizarren zweiten Satz. Ist der erste Satz von heiterer Gemütlichkeit geprägt, ändert sich das im folgenden Satz . Er ist von Kontrasten und gegensätzlichen Klangfarben gekennzeichnet.. Mal lyrisch-ernst und getragen, folgen schnell harsche Passagen als dynamischer Gegensatz. Interessant dabei ist der Tremolo-Effekt mit den zitternden Klängen der Instrumente. Das abschließenden Presto kommt als Sturmwind virtuos daher. Gesteigerte musikalische Dramatik wechselt mit lyrischen Passagen „nach dem Sturm“.

Nach der Pause stand die 2. Sinfonie D-Dur op.36 auf dem Programm. Sie entstand im Spätsommer 1802, als Beethoven langsam sein schwächer werdendes Hörvermögen bewusst wurde. Seine 2. Sinfonie ist von Gegensätzen geprägt. Nach einer feierlichen Einleitung kippt die Musik immer wieder mysteriös nach Moll. Die Themen wechseln vom spielerischen hin zum rhythmischen. Das Musik steigert sich mit schnellen Streicher-Tremoli . Der zweite Satz im 3/8 Takt wird vor allem von den Streichern getragen. Im dritten Satz überrascht Beethoven mit einem rasanten Scherzo anstelle eines üblichen gemächlichen Menuetts. Mit mächtigen Schlägen beginnt der rasante vierte Satz „Allegro molto“. Themen aus der gesamten Sinfonie werden wieder aufgegriffen und in ihrer Wirkung intensiviert und gesteigert. Das Finale bildet dann den absoluten Höhepunkt.

Der Wiener Klassik-Abend war nicht nur ein musikalischer Genuss, sondern zeigte auch klar die Vielschichtigkeit dieses großen Komponisten.




Benedikt Stampa folgt dem Ruf von Baden-Baden

Der Geschäftsführer und Intendant des Konzerthauses Dortmund, Benedikt Stampa, verlässt ab der Spielzeit 2019/20 (1. Juni) seine erfolgreiche Wirkungsstätte in Richtung Baden-Baden. Er geht dann in gleicher Position an das dortige große Festspielhaus.

Kulturdezernent Jörg Stüdemann erklärte bei der Pressekonferenz am 30.01.2017: „Benedikt Stampa hat in bis jetzt über zwölf Jahren ein großartiges Programm konzipiert und ein wunderbares Team auf die Beine gestellt.“ Ein würdiger Nachfolger soll den nächsten zwei Monaten gefunden werden. „Das wird schwer werden,“ so Stüdemann. „Der für unsere Stadt traurige Verlust ist jedoch gleichzeitig eine Auszeichnung für die herausragende Arbeit von Stampa und seinem Team. Er hat viel für den guten Ruf des Dortmunder Konzerthauses getan.“

Der Ruf wurde nach schwierigem Anfang im Jahr 2005 hart erarbeitet. Der erreichte Qualitätsstandart und die gute Akustik im Konzerthaus habe sich herum gesprochen und die Anziehungskraft für Künstler sei gewachsen, führte der Kulturdezernent weiter aus.

Benedikt Stampa blickt zufrieden auf seine bisherige Zeit in Dortmund zurück.„Baden-Baden ist nun der nächste logische Schritt für mich,“ so Stampa. Ihn reizt zudem, dass die Oper im Festspielhaus Baden-Baden eine große Rolle spielt. Sein Ziel für das Konzerthaus Dortmund sei, das Haus Generationen fest für die Zukunft zu machen.

Jetzt schon müssen die Dortmunder beginnen, sich über den geeigneten Kandidaten oder die geeignete Kandidatin Gedanken zu machen.




Im Unterwegs zu Hause sein

Das Eis scheint zu schmelzen, findet Irmtraud Büttner und fragt „Wohin“?

Das ist der Titel der neuen Ausstellung in der Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund. Dort werden vom Freitag, den 3. Februar 2017 (Beginn der Vernissage bis zur Finissage am Sonntag den 26. Februar 2017 zwei Skulpturen und zahlreiche Gemälde der Dortmunder Künstlerin Irmtraud Büttner zu sehen sein.

Schon im letzten Jahr konnte das Publikum Werke von ihr und anderen Künstlern im Torhaus Rombergpark unter dem Motto „Irrlichter“ (24.07.2016) bewundern. Irmtraud Büttner ist erst 1995, nach langen Arbeitsjahren beim Finanzamt dazu gekommen, ihre künstlerische Ader voll auszuleben. Im Unterwegs zu Hause sein bedeutet für sie, immer in Bewegung zu bleiben und die besonderen Momente auf der Leinwand aufzufangen.

Als Materialien für ihre Skulpturen benutzt sie gerne Styropor und Gips. Nicht der Gegenständliche ist von Bedeutung, sondern die mit den jeweiligen Momenten verbundenen Vorstellungen und Empfindungen. Ihre besondere Liebe gilt der Weite und Ursprünglichkeit Islands. Der Klimawandel und die globale Erwärmung mit ihren Folgen stimmen sie nachdenklich. Neue Wege, Brüche und Vierschachtelungen gehören zu ihrer Kunst.

Im Bild „Kaleidoskop“ ( 150 cm x 80 cm) verdeutlicht sie ihr Verständnis, dass jeder Tag neu zusammengewürfelt wird. Es ist ein Wechsel von besonderen, guten und schlechten Momenten.

Vernissage   Freitag    3. Februar 2017  19 – 21 Uhr
Musik:    Dr. Maik Hester, Konzertakkordeon

Finissage     Sonntag  26. Februar 2017  17 – 19 Uhr

Öffnungszeiten: Donnerstag – 17 – 20 Uhr und gerne nach Vereinbarung mit Kurator Hartmut Gloger
Weitere Informationen unter kunst@galerei-dieter-fischer.de




Schwerer Weg zu sich selbst

„Bitches“ (v.l.n.r. Fatima Talalini und Lioba Sombetzki) stehen anscheinend nicht so auf E-Books. (Foto: © Christine Köck)

Am Freitag, den 27.01.2017 war im Dortmunder Theater im Depot Premiere für „B.A.-Bitches“des Off-Theater „KomplottLegal“ unter der Regie von Isabel Stahl.

Die Protagonistinnen von KomplottLegal, Lioba Sombetzki und die Poetry-Slammerin Fatima Talalini stellen sich als Lio und Fatima als zwei junge Frauen auf dem Weg zum Bachelor of Arts und ihr Leben und die Schwierigkeiten als freies Theaterkollektiv.

Sie stehen stellvertretend für die junge Generation zwischen Studium und Beruf. In Collagen stellen sie ihre und deren Fragen wie: Wie soll mein Leben verlaufen, wie wichtig ist Erfolg und wie gehe ich mit Enttäuschungen um. Was mache ich, wenn beispielsweise mein Traum, an einer renommierten Schauspielschule angenommen zu werden, erst mal platzt? Wie wichtig ist mir Erfolg? Wie werde ich meinen politischen und feministischen Ansprüchen in einer immer härter werdenden Welt voller Zerstörung, Hass, zunehmenden Konkurrenzdruck und kriegerischen Auseinandersetzungen gerecht. Was macht eine B.A.-Bitch im feministischen Sinne heutzutage aus? Dabei befolgen sie zehn Regeln. Eine davon lautet: „Folge deiner Leidenschaft“.

Leidenschaftlich gehen sie den Fragen fantasievoll mit bunten Kostümen, Perücken, Poetry-Slam und frischen Tanzchoreografien auf den Grund. Die Anstrengungen werden bildhaft deutlich durch das schwere Aufblasen eines giftgrünen Sofas.

Die eingespielte Musik und Geräusche verstärken die Aussagen der Bühnenhandlung.. Eindrucksvoll war da zum Beispiel das eingespielte pochen eines rasenden Herzschlag während die beiden Frauen von ihren Ängsten in unserer Zeit sprechen

Das streng regulierende und rigide Bachelor-System wird zwischen als gehetzter Lauf zwischen Marathon und Sprint plastisch dargestellt.Eine wichtige Rolle spielen die Nadja Tolokonnikowas „Anleitung für eine Revolution. von den „Pussy Riots“. Ein Kernsatz daraus : „Ein Wort wie „Bitch“ oder „Miststück“ handelt von Macht. Die roten gehäkelten Sturmmützen der Pussy Riots kommen auch auf der Bühne zur Geltung. Es geht darum, sich den negativ besetzten Begriff „Bitch“ wieder positiv feministisch zu erobern. Es ist immer noch wichtig, dass Frauen weiter für ihre Gleichberechtigung kämpfen.

Alle politisch aktuelle Themen wie Fremdenhass, Pegida, Trump u.a. wurden angesprochen. Fatima hielt ein brennendes Plädoyer dafür, die Menschen nicht nach dem zu beurteilen wie sie aussehen, sondern danach wer sie sind und für was sie einstehen.

Humor und Selbstironie kamen bei der Aufführung nicht zu kurz. So wurde am Ende noch eine lustige elfte Regel hinzu gefügt.

Weitere Vorstellung im Depot gibt es am Fr. 24.02., Do 9.3. jeweils 20 Uhr und weitere im April und Mai.

Karten unter ticket@theaterimdepot.de