Spiel mit der Uneindeutigkeit

Im Künstlerhaus Dortmund ist vom 4. März bis 9. April 2017 die Ausstellung „Ohne Netz und doppelten Boden“ (Über die Uneindeutigkeit von Bildern) zu sehen. Es wurden Werke und korrespondierende Werkgruppen von verschiedenen KünstlerInnen zusammengeführt. Kuratorin der Ausstellung ist Elly Valk-Verheijen.

Auf unterschiedliche Weise setzen sich die vier Künstler Sebastian Bartel, Christof John, Katharina Maderthaner und Christoph Westermeier mit dem Verhältnis von Bild und vermittelter scheinbarer Wirklichkeit auseinander. Bilder entstehen immer im Stil der Zeit sowie der jeweiligen Präsentation und lassen Spielraum für Interpretationen. Ein Mittel der Künstler ist die Überspiegelung von realen Strukturen und Täuschungen. So wird zum Beispiel bei Christoph Westermeiers „Ringberger Marmor“ „vorgetäuscht“, dass eine im 18. Jahrhundert als chic geltende Ottomane, ein kombiniertes Sitz-und Liegegelegenheit, ein orientalisches Möbelstück sei.

Bezogen ist die Arbeit aber nur mit fotografischen Abbildungen gemalten Marmors. Auf den Komfort einer bequemen Sitzgelegenheit wird dabei verzichtet. Seine Fotografien zeigen zum Beispiel Spiegelungen kleinen Stadtausschnitten durch Autofenster und als formale Verlängerung den nackten Torso eines Tänzers mit seinem Astralkörper.

Bartels und die gebrochenen Strukturen

Sebastian Bartels ist nach eigener Aussage begeistert von gebrochenen Strukturen wie wir sie etwa von Bildern ferner Planeten kennen. Seine Bilder in der Installation „Observations are restricted to the Surface“ zeigen neben unterschiedlichen geologischen Erscheinungsformen der Erdoberfläche zudem die Spur menschlicher Eingriffe auf seine Umwelt. Die Perspektive aus Vorder-, Mittel und Hintergrund wird durch die Abbildung von Oberflächenstrukturen aufgebrochen. Die Perspektive von oben ermöglicht eine Wahrnehmung der Strukturen in einer abstrakten Form. Es gibt dem Betrachter die Gelegenheit, die Oberfläche zu durchdringen. Die individuelle Fantasie und persönliche Auseinandersetzung mit dem Werk wird angeregt. Zu der Installation gehören auch zylindrische, unebene und mit gebrochene Strukturen überzogene Kunstwerken auf dem Boden.

Christof John bekommt den Startimpuls für seine Kunst aus seinen alltäglichen Beobachtungen. Zwischen geometrischen Strukturen und informellen Abstraktionen im Hintergrund z.B. In Regenbogenfarben lotet er sensibel nonverbale Gedanken- und Stimmungsräume aus.

Maderthaner spielt mit visuellem Zierrat

Die Künstlerin Katharina Maderthaner konnte bei dem Pressrundgang nicht anwesend sein. In ihren Werken, zum Beispiel „ZickZack, 2910“ Acryl auf Holz arbeitet sie mit dem Mittel der Sublimierung. Formen, Texturen, Mustern und Oberflächen aus der Umwelt werden erst reduziert, verdichtet und eingekocht bis zum Mark. Maderthaner war bereits vor zwei Jahren im Künstlerhaus bei der Ausstellung „Artist Sweethearts“ mit Arbeiten zu sehen.

Die Vernissage ist am Freitag, den 3. März 2017 um 20 Uhr im Künstlerhaus, Sunderweg 1 in 44147 Dortmund.

Weitere Informationen erhalten sie unter www.kh-do.de




Phänomen Trump – Versuch einer Annäherung

[fruitful_alert type=“alert-success“]Bildunterschrift: Andreas Beck und Bettina Lieder laden zur Stehparty. (Foto: © Birgit Hupfeld) [/fruitful_alert]

Die Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staat am 9. November 2016 hat viele Menschen irritiert und fassungslos gemacht. Wer ist dieser Mensch? Seine Unberechenbarkeit, die rassistischen und frauenfeindlichen Bemerkungen sowie kritische Einstellung zu den freien Medien waren klar und deutlich. Wie konnte er von so vielen Menschen gewählt werden, und was hat das eigentlich mit Europa zu tun?

Der amerikanische Performer und Autor Mike Daisey hatte sich schon längere Zeit mit Donald Trump beschäftigt. Im Sommer 2016 entwickelte er den Monolog-Text „The Trump Card“. Daisey ist auch hier bekannt geworden durch seinen Monolog „Die Agonie und Ekstase des Steve Jobs“, der im Schauspiel Dortmund 2012 in der Regie von Jennifer Wigham mit Schauspieler Andreas Beck als genialen Erzähler seine erste deutschsprachige Aufführung erlebte und inzwischen über 40 mal gespielt wurde.

„Der Kontakt zu Mike Daisey war nie wirklich abgebrochen und so kam es, dass wir uns kurzfristig unter der Regie von Marcus Lobbes diesem aktuellen Stoff annahmen,“ erklärte Dramaturgin Anne-KathrinSchulz. Zusammen mit Matthias Seier hat sie den Text ins Deutsche übersetzt. „Mike Daisey ist ein offener Typ, und hat uns freie Hand zu Aktualisierungen und Anpassungen an das hiesige Publikum gelassen,“ so Schulz.

Dinnerparty mit dem Publikum

Lobbes konzipiert den Abend als eine Art Dinner-Party für über 80 Gästen, nämlich das Publikum. Es wird auch keinen Monolog-Text geben, sonder die Schauspieler Bettina Lieder und Andreas Beck werden als „Gastgeber“ auftreten und sich geschickt die Text-Bälle zuwerfen. Das Publikum ist mitten drin statt nur dabei.

„Es wird aber kein Mitmachttheater werden. Da wird niemand offensiv angesprochen,“ erläuterte der Regisseur. Beim Probepublikum konnten aber wohl einige der Anwesenden mit Reaktionen nicht an sich halten.

Wie es sich gehört, werden geschmückte Party-Tische im Aufführungsraum stehen. Es wird eine ca. 88-minütige Stehparty werden. Die Video-Einspielungen werden nicht die beherrschende Rolle spielen.

Inhaltlich wird auch versucht, die Persönlichkeitsentwicklung von Donald Trump durch seine Familiengeschichte zu erklären. Nicht als Entschuldigung, sondern eben als ein Faktor.

Wie sieht es in Europa aus?

Es geht aber um viel mehr als nur um Trump und die USA. Auch in Europa versuchen rechtspopulistische Parteien gezielt, durch Grenzüberschreitungen, ihre politischen Machtpläne durchzusetzen. Sie loten sie immer weiter aus. Sei es in Polit-Shows, auf Veranstaltungen oder im Internet. Wie weit sind wir bereit zu gehen? Wann wird es gefährlich?

Neben den humorvollen Momenten wird es am Ende wohl auch ein nachdenklicher Theaterabend werden.

Nähere Infos und Termine unter www.theaterdo.de

Es lohnt sich immer nachzufragen, ob man noch Karten für eine Vorstellung bekommen kann!




Schweres biegt ab

[fruitful_alert type=“alert-success“]Thomas Schweres mit seinem neuesten Krimi vor „seinem“ Regal bei grafit.[/fruitful_alert]

Letzte Anstoss für den vierten und neuesten Krimi von dem in Dortmund lebenden Journalisten und Krimi-Autor Thomas Schweres war der starke Frust seiner Lebensgefährtin über die vielen Baustellen auf der A 40. Das erklärte der Autor beim Pressegespräch im Grafit Verlag. Er schöpft nur seinen eigenen Erfahrungen.

So entstand ein komisch-skurriler Krimi Autobahnstaus und Unzulänglichkeiten der zuständigen Behörde Straßen.NRW, die immer so nett um Verständnis bei den Autofahrern bittet.

Lippermann hat Staus satt

Zum Krimi: Der biedere Sonderling Klaus-Werner Lippermann, ein Buchhalter bei Thyssen-Krupp in Duisburg, wohnhaft bei seiner Mutter in Dortmund-Dorstfeld, führt ein zurückgezogenes Leben mit seinen beiden geliebten Deutschen Riesenschecken (Kaninchen). Als diese grausam getötet werden, denkt er nicht an die schöne Zeit mit ihnen, sondern an die Zeit, die er wegen der vielen Staus nicht bei ihnen verbracht hat. Er hat es satt.

Mit seinem Kumpel und ebenfalls Kaninchenfreund Alfred entführt er den Chef der nach ihrer Meinung unfähigen Straßen.NRW-Behörde. Er soll am eigenen Leib erfahren, wie das ist, täglich über die A 40 fahren zu müssen.

Skurrilerweise benutzt Klausi eine harmlos aussehende Wasserpistole, die er aber mit Schwefelsäure befüllt. In einem Bekennerschreiben fordern sie als eine Organisation, die sich TuS-V! Nennt neben 55.000 Euro Lösegeld Maßnahmen zur Verkehrsflussverbesserung und die Aufklärung der Kaninchenmorde.

Trotz intensiver Suche unter Beteiligung von den bekannten Kommissar Georg Schüppe und Reporter Tom Balzack bleibt der Entführte verschwunden. In der Bildzeitung wird derweil verlautbart, das die Straßen.NRW Staus abschaffen will. Da stimmt doch irgend etwas nicht! Beim Versuch, der Geschichte auf den Grund zu gehen, führt Balzack erst mal zu einer ganz anderen Leiche…

Lesungen im März

„Im Fokus stehen diesmal nicht der Kommissar und der Reporter, sondern die Entführer,“ so Schweres. Eine Rezension zu dem Krimi von Thomas Schweres wird demnächst in Ars tremonia erscheinen…

Terminhinweise:

Donnerstag, 2. März, 19:30 Uhr: Premierenlesung in der Stadt-und Landesbibliothek Dortmund – Eintritt: 3,00 Euro

Dienstag, 7. März, 19:00 Uhr: Lesung im Kulturzentrum Schloß Borbeck, Essen, Schloßstraße 101

Donnerstag, 23. März, 19:30 Uhr: Lesung im Landgasthof Genussvoll by Selter, Dortmund, Wulfkamp 194, Eintritt 6,00 Euro, Kartenreservierung unter Telefon: 0231 – 88 24 17 31

Thomas Schweres: Die Abbieger
285 Seiten; 11,00 €
ISBN: 978-3-89425-485-8; auch als E-Book erhältlich




Pannekopp-Orden 2016 für Frauke Petry

In 39 Veranstaltungen des alternativen Ruhrpott-Karneval „Geierabend – Planet Pott“ hatten über 17.000 Zuschauer und zusätzlich auch noch Internet-User die Wahl zwischen AfD-Frontfrau Frauke Petry für die Erfindung der „Mobilen No-Go-Area“ und NRW-Verkehrsminister Michael Groschek mit dem überfälligen Ruhrpott-Schnellzug RRX (klebende Zukunft) für den Anti-Orden „Pannekopp des Jahres“,

Die Gewinner/in bekommt einen 28,5 kg schwerer Stahlschrott-Orden um den Hals gehängt, den sie oder er bis zum Ende der Fastenzeit tragen muss. Der für „besondere“ Verdienste um das Ruhrgebiet verliehene Orden hat noch eine weitere harte Bedingung. Die Geehrten verpflichten sich, keine weitere Verdienste um das Ruhrgebiet anzustreben.

Das Ergebnis ist eindeutig! Frauke Petry gewann mit 36 zu 3 Abenden gegen den Verkehrsminister des Landes NRW. Die AfD-Politikerin wird für eine Behauptung über ihre Jugendzeit in Bergkamen ausgezeichnet. Es habe dort schon in den 90ger Jahren rechtsfreie Räume gegeben. Für diese realitätsferne Wahrnehmung gibt es laut dem Geierabend nur eine Erklärung. Moderator Martin Kaysh: „Schon damals galt überall, wo sie hinkam: Petry geht gar nicht! Wo sie erscheint, breitet sich schlagartig eine mobile No-Go-Area aus.“

Die Ordensverleihung erfolgt im Rahmen der letzten Vorstellung des Geierabend am 28.02.2017 am Spielort Zeche Zollern II/IV.

Nun gibt es eine Schwierigkeit. „Steiger“ Martin Kaysh dazu: „Wenn Frauke Petry tatsächlich erscheint, erkennt sie damit die Begründung an. Sie wird also automatisch diese No-Go-Area um sich herum ausbreiten.“ Um das Publikum nicht zu gefährden, kann die Preisträgerin nicht im Saal empfangen werden. Der Orden steht deshalb ab 19.30 Uhr auf dem menschenleeren Zechenplatz im hinteren Bereich LWL-Museums zur Abholung bereit. Notwendig ist dann auch eine persönliche Unterschrift und die Anerkennung des Reglement.

Der alternative Ruhrpott-Karneval „Geierabend“ auf Zeche Zollern hat sich auch in diesem Jahr ihrem Ruf als erfolgreichste Comedy-Show des Reviers würdig erwiesen und die Veranstalter sind zufrieden. Regisseur Günter Rückert erklärte: „Es gab in diesem Jahr bei jeder Vorstellung zwei Zugaben. Das gab es bisher noch nie.“

Übrigen: Frauke Petry ist erst die zweite Frau nach Veronica Ferres, die diesen Anti-Orden verliehen bekommt. Der Orden wurde allerdings auch erst ein einziges Mal in all den Jahren vom Preisträger abgeholt.




Hommage an die Dada-Bewegung

Die vier Dadainen gaben eine wunderbare Lektion in Dada-Geschichte. (Foto: © Joe Kramer)

Mit der Gründung des Cabaret Voltaire in Zürich am 5. Februar 1916 mitten in den Wirren und Grausamkeiten des Ersten Weltkrieges durch Hugo Ball und Emmy Hennings hatte der Dadaismus ein Zuhause gefunden. Das war kein Zufall. Viele Künstler waren während des Krieges in die Schweiz geflohen. Der Dadaismus stand für Anti-Kunst gegen gefestigte Ideale und Normen, totales Zweifeln und extremen Individualismus. Dada lässt sich nicht klassifizieren und hat sich nach seiner Festigung auch wieder aufgelöst. Mit einfachen, willkürlich anmutenden Aktionen und einer gehörigen Portion Sarkasmus drückten sie ihre Haltung künstlerisch aus. Zu ihren Protagonisten gehörte auch der in Dortmund aufgewachsene Richard Huelsenbeck oder etwa Raoul Hausmann und Hans Arp.

Im Jahr 2016 entwickelten vier weibliche Dadainen unter der Regie von Thorsten Bihegue zum 100-jährigen Jubiläum der künstlerisch-literarischen Bewegung Dada mit „Letzte Lockerung“ (Ein Abend vor über von nach Dada).

Am 26. Februar 2017 traten die vier Dadainen im Megastore auf. Die Chronisten-Dada, die Propaganda-Dada, die Maschinen-Dada und die Monteur-Dada.

Die vier Damen, die allesamt Mitglieder des Dortmunder Sprechchores sind, hatten alle die gleiche grauen Filzkleider über ihrer schwarzen Unterkleidung. Nur die schwarze Kopfbedeckung unterschied sie voneinander.

Die Frage „Was ist DADA“ ließ sich natürlich nicht endgültig klären. Die Dadainen, an einem Tisch mit Telefon und vielen kleinen Lampen sitzend, fanden bei ihrer assoziativen Lesung Tagesbucheinträge, Manifeste, Lautgedichte, Dialoge und Lieder. Dabei wurden zum Beispiel Texte von Kurt Schwitters, Hans Richter, Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp, Anastasyia, Raoul Hausmann Erich Mühsam, Kurt Tucholsky und Christian Morgenstern gelesen. Von großer Bedeutung war die starke Körpersprache, künstlerische Einbeziehung verschiedenen Gegenständen sowie die Musik von Kallabris, Paul Godwin und Erik Satie. Die parodistische Begleitung von zwei Dadainen-Paaren zu „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ (Zarah Leander) war einer der Höhepunkte an diesem „unvernünftigen“ Abend. Musikalisch waren die vier Damen des öfteren unterwegs. So gaben sie Hugo Balls „Todestanz 1916“ (So sterben wir“) zum besten.

Darüber hinaus wurde das Publikum mit in das Programm einbezogen, denn es wurden wahllose Sätze aus einem Werk von Martin Walser vorgelesen. Auch hier gab es dadaistische Vorgänger, dennoch ist es immer wieder herrlich verrückt. Man könnte auch mit Fug und Recht sagen: Völlig aus dem Zusammenhang gerissen.

Was gibt es zu DADA zu sagen? Dada will mit Nichts die Welt verändern.

Eine schöne Hommage an die Dada-Bewegung.




Kontrastreiches Ballett Programm

Mit der Konzeption „Kontraste“ lud Ballettdirektor Xin Peng Wang zur Premiere am 25.02.2017 drei wegweisende Choreografen unserer Zeit mit ihren Stücken in das Dortmunder Opernhaus.

Den Anfang machte der William Forsythe verpflichtete kanadische Choreograf Richard Siegal und das Dortmunder Corps de Ballet mit der formalistischen Performance „Unitxt“. Mit seiner Plattform „The Bakery“ schuf er schon vor zwölf Jahren in Berlin und Paris die Grundlage für eine innovatives Zusammenwirken von Tänzern, Musikern, bildenden Künstlern, Architekten und Entwicklern von Software.

Bei „Rain Dogs“ von Johan Inger werden zur Musik von Tom Waits Grenzen ausgelotet. (Foto: © Bettina Stoess)

Es werden hier ganz neue Tanzsphären und Tanzräume geschaffen. Er stellt in der Performance die drei Begriffe NOISE/SIGNAL/SILENCE gegenüber und stellt sie provokativ zum Diskurs. Kann es in unsere hektischen Gesellschaft zum Beispiel Räume der Ruhe geben? Als Allegorie darauf ist die elektronische Musik von Carsten Nicolai mit seinen Techno-Klängen gleichmäßig laut und zieht das Publikum in das Geschehen auf der Bühne hinein. Nicolai lässt mit den Klängen an analoge Geräusche denken wie die von Nadeldrucker oder Einwahlmodems. Die Augen wissen nicht, wo sie zuerst hinsehen sollen. Mal sieht man Gruppen-Choreografien, daneben Pas de deux oder Solotänzer/innen.

Die Choreografie „Rain Dogs“ vom Schwedischen Choreografen Johan Inger im Anschluss nach einer Pause ist mehr inhaltlich ausgerichtet. Grundlage der Performance ist die Parabel vom Hund, der an einem regnerischen Tag die Grenzen seines gewohnten Lebensraumes überschreitet und nicht mehr zurück findet. Der Regen hat die Spuren hinweg gespült. Diese Metapher ist Ausgangspunkt für das Corps de ballet, um Beziehungen, Identitäten und Geschlechter auszuloten. Da tragen dann zum Beispiel die Männer auch schon mal Kleider und die Frauen Anzüge. Im Hintergrund erscheinen auf der Leinwand beeindruckende Wolkenkonstellationen zur passenden Musik mit der prägnanten Stimme von Tom Waits.

Nach einer weiteren kleinen Pause kam das extra für das Dortmunder Ballett konzipierte Kreation „Hora“ von dem aus Rumänien stammenden Choreografen Edward Clug zur Uraufführung. Hora ist ein im ländlichen Balkan bekannter traditioneller Rundtanz, der die Tänzer in einem geschlossenen Kreis vereint. Clug geht sozusagen zurück zu seinen Wurzeln. Die Tänzer/innen halten sich an den Händen und machen diagonale Schritte vorwärts und rückwärts.

Ein drehbarer, wellenartiger Rundbogen aus Holz wird später in die Performance integriert. Zunächst sind die Tänzer/innen einheitlich in beige gekleidet und tanzen in verschieden Rundtanzformationen zur ursprünglichen und archaischen Musik vom Balanescu Ensemle. Später löste sich die Gruppenformation auf und in bunterer Kleidung ging es im weiteren Verlauf auch wieder um Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Da sitzt etwa eine Frau auf dem wellenartigen Rundbogen und steht zwischen zwei männlichen Konkurrenten.

Mit den drei Beispielen wurde deutlich, welche vielfältigen Möglichkeiten das moderne Ballett bereit hält.

Weitere Informationen und Termine erhalten sie unter www.theaterdo.de




Die neuen Alten im Blickpunkt

Dem Lebensalltag und der Lebenszufriedenheit älterer Menschen in Europa hat sich die neue foto-ethnografische Ausstellung „Europas neue Alte“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte vom 25.2 – 16.7.2017 gewidmet. Die Ausstellung kommt vom Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin im Rahmen des Föderalen Programms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Fotografin Gabriele Kostas und Kulturanthropologin Dr. Irene Ziehe haben über anderthalb Jahre hinweg Menschen im Rentenalter ab 65+ unterschiedlichster Gesellschaftsschichten und unterschiedlichen Lebensräumen aus 13 europäischen Ländern nach ihren Lebensumständen sowie ihrer Lebenszufriedenheit befragt und sie fotografisch festgehalten. Es wurde eigens ein Fragebogen konzipiert, wo die Befragten ihre Lebenszufriedenheit in einer Zufriedenheits-Kurve eingeben konnten. Sie sollte die jeweilige Zufriedenheit im Alter von 10 bis über 90 Jahren in zehn Jahresabschnitten eintragen, um Aufschluss über die Veränderungen ihres Empfindens der Zufriedenheit im Laufe ihres Lebens zu erhalten.Die insgesamt 27 Foto-Essays und Interviews dokumentieren in 147 Fotografien von Gabriele Kostas zeugen Eindrucksvoll und Ausdrucksstark von der Vitalität und Lebensfreude der unterschiedlichen Personen. Ihre individuellen Wünsch, Hoffnungen und Visionen stehen im Mittelpunkt. Sie sind so verschieden wie die Menschen. So arbeitet die 84-jährige Leila aus Georgien beispielsweise immer noch als Archäologin, und der Schwede Ingemar erfüllte sich seinen Traum von Freiheit als Rentner mit dem Kauf eines Motorrads.

Erstaunlich, dass man bei den befragten Personen oft eine „Armut der Bedürfnisse“ im positiven Sinne erkennen konnte. Die Menschen wissen genau, was sie noch wollen und kennen ihre Grenzen. „Wir können die vielfältige Lebenserfahrung der älteren Generation erkennen und sollten ihnen mit Respekt begegnen,“ so Kostas. Der Fotografin war bei ihrer Arbeit das Spiel mit Vordergrund und Hintergrund wichtig. Die Besucher haben Gelegenheit, den gleichen Fragebogen auszufüllen.

Zur Ausstellung gibt es wieder ein Begleitprogramm für Besucher:

5. März 2017 von 11 – 12.30 Uhr gibt es eine öffentliche Führung ( 3 Euro zzgl. 6 Euro, ermäßigt 3 Euro)

30. März 2017 /8. Juni 2017 ab 18 Uhr : Urban Sketching- Zeichnen in der Ausstellung mit Guido Wessel und den Dortmunder Urban Sketchers. Das Material wird nicht gestellt.

Nähere Infos dazu (0231) 4961164 oder info@artusdesign.de

Information über weitere Angebote im Begleitprogramm-unter (0231) 50-260 28 oder info@mkkstadtdo.de




Hamlet im Gedankengefängnis

Kinder-und Jugendtheater und Junge Oper, geht diese Kooperation? Mit „Hamlet – Sein oder Nichtsein“ ging das Dortmunder Kuinder-und Jugendtheater mit der Premiere des Projekts mit dem klassischen Stoff von William Shakespeare als Grundlage zum vierten Mal das Abenteuer ein. Die Kammer-Jugendoper unter der Regie des Junge Oper erprobten Regisseur Ronny Jakubaschk wird von André Meyer aus der Perspektive des jungen Hamlet erzählt, der seinen Vater auf tragische Weise verloren hat. Er soll durch einen Schlangenbiss gestorben sein. Nach der erneuten Heirat seiner Mutter mit seinem Onkel kurz nach dem Tod des Vaters fühlt er sich verraten und verlassen. Die Liebe zu Ophelia, Tochter des Ratgebers Polonius, steigert sein Gefühlschaos und überfordert ihn. Er fühlt sich immer mehr gedrängt, Rache zu nehmen. Es scheint nur einen Ausweg zu geben…

Hamlet ( Fabio Lesuisse) ist gefangen in seinem Gedanken-Wahn (symbolisiert von acht Mitgliedern des Dortmunder Opernchors). (Foto: © KJT Dortmund)

Der Abstand der Welten der Erwachsenen und der beiden jungen Leute wird dadurch klar vor Augen geführt, dass die Ausdrucksform der Erwachsenen die Sprache ist, während sich Hamlet und Ophelia fast nur musikalisch äußern.

Die Erwachsenen mit einer klaren und „vernünftigen“ Sprache wurde von drei Schauspielern des KJT, Bettina Zobel als Hamlets Mutter Gertrud, Andreas Ksienzyk als ihr neuer Ehemann Claudius und Rainer Kleinespel als Berater Polonius spielten die Rolle der Erwachsenen, die nicht mehr mit der starken Trauer und Ablehnung durch Hamlet klar kommen überzeugend. Als letzten Ausweg wollen sie Hamlet in ein Londoner Internat schicken. Die Musikhochschulabsolventen und Sänger Anna Lucia Struck Ophelia) und Fabio Lesuisse (Hamlet) bewiesen ihren starken Stimmen auch sensibles schauspielerisches Können.

In der Mitte der Bühne war ein bunt-leuchtendes Kastengeflecht als Konstrukt für die gefangene Gedankenwelt des jungen Hamlet. Der Kasten konnte je nach Situation geöffnet oder geschlossen werden. Hinter der Bühne saß eine Abordnung der Dortmunder Philharmoniker und sorgte unter der Leitung von Ingo Martin Stadtmüller für die dramatische musikalische Begleitung des Geschehens.

Die Musik, komponiert von war dem Text geschuldet zumeist atonal. Ein Musikstück zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. In den Lied geht es darum , dass Hamlets Vater „nimmer wieder kommen“ wird. Eine schöne Liebesarie zwischen Ophelia und Hamlet durchbricht das Geschehen mit musikalischer Harmonie. Ophelia versucht verzweifelt, zunächst von ihrem Vater vorgeschickt, immer wieder Zugang zu Hamlet zu finden. Dramaturgisch geschickt und beeindruckend war der Einsatz von acht Personen (vier Frauen und vier Männer) des Dortmunder Opernchors unter der Leitung von Manuel Pujol. Der Chor trieb als „Stimme von Hamlets Vater“ immer stärker gezielt in den Rache-Wahnsinn. Das Zusammenspiel von Musik, Sprache, Gesang und Gestik sorgte für eine emotional starke Aufführung.

Shakespeare-Fans aufgepasst: Das Ende hat nicht viel mit dem Original zu tun. Könnte man den dramatischen Höhepunkt von Hamlets Depression – er spielt einen Amoklauf in seinen Gedanken durch – noch als schönen dramaturgischen Kniff durchgehen lassen, wirkt das romantische Ende (Hamlet und Ophelia gehen zusammen in eine glückliche Zukunft) aufgesetzt. Zumal Hamlets Heilungsprozess dann doch ziemlich schnell ging.

Mehr Infos und weitere Termine unter www.theaterdo.de




Preisverleihung: Petra Meurer Theatertage 2017

Am Samstag, den 18.02.2017 war es so weit. Im Dortmunder Theater im depot wurden gleich vier Preis für Performance Künstler verliehen. Eine schwere Entscheidung für die Jury aus Theater Schaffenden und der Fakultät Kulturwissenschaften der TU Dortmund. Die Preisgelder von insgesamt 2.900 Euro wurden von der DEW 21 Kultur gesponsert.

Rainer Holl führte wieder durch den Abend, der mehr Zuschauer verdient hätte. Holl nahm es mit ironischem Humor: „Beim BVB-Spiel war heute die Südtribüne gesperrt, bei uns sind die Oberränge gesperrt.“

Der Förderpreis in Höhe von 300 Euro ging in diesem Jahr an an die Kulturwerkstatt Lindenhorst für benachteiligte Jugendliche. Die Theaterpädagogin Houssi Shirin nahm den Preis für das fantasievolle „Triadische Ballett“ von Oscar Schlemmer im Rahmen der DadaDo-100 -Tage im letzten Jahr.

Es wurden in diesem Jahr sogar zwei mit 550 Euro dotierte zweite Preise Verliehen. Zunächst wurde die Performance-Gruppe Tomboso mit Fabian Sattler und Moritz Fleiter mit ihrem Stück „We have to laugh before midnight“ mit einem zweiten Preis geehrt. Ihre Performance mit aufblasbaren Fat-Suits, sich aufblähenden Tischdecken bei einer Geburtstagsfeier und anderen skurrilen Ideen war witzig und überraschend. Den zweiten 2. Preis bekam das Künstlerkollektiv Anna Kpok , die schon am Abend zuvor auf der Bühne gestanden hatten. Sie bekamen ihn für ihre innovative Art, Computer animierten Spielen als Live-Erlebnis mit menschlichem „Avatar“ zu einem einem Abenteuer für das Publikum zu machen, das selbst mit an der Performance beteiligt wurde. Sie gaben dem „Avatar“ die zu befolgenden Befehle.

Der mit 1.500 Euro dotierte erste Preis ging in dieses Mal an die KimChiBrot Connection für ihre Tanzperformance „Living happily ever after“. Es ging hier um die Veränderlichkeit von Beziehungsformen. Die Folkwang-Absolventen Elisabeth Hofmann und Constantin Hochkeppel zeigen nicht nur vollen Körpereinsatz in schönen Kostümen, sondern bewiesen mit ihre Interpretationen auch viel Humor. Gemeinsam mit Choreografin Laura N. Junghans nahmen sie glücklich den Preis entgegen.

Für den passenden musikalischen Rahmen sorgte Katharina Neumann von „Call me Mary“ mit ihrer Gitarre und einer wunderbaren Soul-Stimme.




Einblicke in die Vielfalt der Freien Theaterszene

Der erste Tag der 6. Petra Meurer Theatertage 2017  im Dortmunder Theater im Depot am 17.02.2017 gab traditionell wieder einen kleinen, aber feinen Einblick in die Vielfältigkeit der Freien NRW Performance Szene. Moderiert wurde der Abend wieder gewohnt charmant und humorvoll-ironisch von dem inzwischen in Berlin lebenden Rainer Holl.

Los ging es mit dem witzigen Objekttheater von Matthias Hecht & Philip Ritter. Mit unterschiedlichen Gegenständen, die das Publikum ihnen auf die Bühne legte, erschufen sie ganz eigene und überraschende Geschichten. Hecht auf der Bühne wurde kongenial von seinem Partner Ritter am Klavier unterstützt. Schon lustig, was da zum Beispiel mit zwei Regenschirmen oder aus einer einfachen Informationsbroschüre eines Pizza-Service inszeniert wurde.

Eine ganz andere Performance boten danach das Künstlerkollektiv Anna Kpok mit ihrem Programm „Die Teezeremonie des Kalifen“. Sie brachten ein an Computerspiele angelehntes, live auf der Bühne mit einem menschlichen Avatar durchgeführte Teezeremonie. Wie bei den Computerspielen erhielt der „Avatar“ Befehle von drei Damen mit bunten Augenmasken an ihren Laptops, die er befolgen musste. Wie beim richtigen Spiel gab je nach dem auch Punkte zu gewinnen. So gab es zum Beispiel für jeden vom Avatar an das Publikum verteilten Glas Tee einen Punkt. Die bis auf das kleinste Detail konzipierten Kostüme, besonders da vom menschlichen Avatar waren ein Hingucker.

Nach der Pause ging es mit Poetry Slam weiter. Der zweifache Deutsche Meister im Poetry Slam Jan Philipp Zymny bot Kostproben seines Könnens aus dem letzten Programm „Kinder der Weirdness“ um Müdigkeit. Liebe, Pegida und Neo-Nazis.

Zur Abrundung des Abends unterhielten das Musik-Duo Aniyo Kore aus der Dortmunder Nordstadt das Publikum live mit ihrem neuen Akustik-Set. Die beiden Stimmen und die E-Gitarre sorgten für einen starken Sound.