Adventliche Chormusik im Reinoldisaal Dortmund

Am 30. November 2024 verzauberte der Philharmonische Chor Dortmund gemeinsam mit Simon Daubhäußer am Flügel und einer Gruppe von Streichern der Dortmunder Philharmoniker das Publikum im festlichen Reinoldisaal. Unter dem Motto „Geh auf, o Sonn“ wurde ein hoffnungsvoll-besinnliches Ambiente geschaffen, das perfekt zur Adventszeit passte.

Ein abwechslungsreiches Programm unter erfahrener Leitung

Unter der souveränen Leitung von Granville Walker präsentierte der Philharmonische Chor Dortmund ein vielseitiges Programm, das Werke in deutscher, lateinischer und englischer Sprache umfasste. Zu den aufgeführten Komponisten gehörten Johann Sebastian Bach, Hans Leo Hassler, Johannes Eccard, C. V. Stanford, G. P. da Palestrina sowie Felix Mendelssohn-Bartholdy. Besonders beeindruckend war die Aufführung von Granville Walkers eigener Komposition „Geh auf, o Sonn mit deiner Pracht“.

Die harmonische Verbindung von kräftigen Chorstimmen mit der feinfühligen Begleitung durch Klavier und Streicher schuf ein klangliches Highlight. Einen besonderen Moment bot das „Allegro“ aus Mozarts Divertimento Es-Dur (KV 563), bei dem die Streicher Yang Li, Juan Ureña Hevia und Emanuel Matz ihr virtuoses Können eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Besinnliches Programm in der Vorweihnachtsszeit durch den Philharmonischen Chor Dortmund
Besinnliches Programm in der Vorweihnachtszeit durch den Philharmonischen Chor Dortmund

Granville Walker überzeugte nicht nur durch seine musikalische Leitung, sondern auch durch seinen britischen Humor, der zwischen den Stücken für heitere Momente sorgte. Den feierlichen Abschluss bildete die Zugabe der Bach-Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 140), die das Publikum in eine vorweihnachtliche Stimmung entließ.

Ein stimmungsvoller Ausklang

Nach dem Konzert gab es für alle Anwesenden einen geselligen Ausklang bei alkoholfreiem Sekt, Plätzchen und Salzgebäck. Dieses musikalische Erlebnis bot nicht nur einen klangvollen Nachmittag, sondern auch einen wohltuenden Kontrast zur hektischen Vorweihnachtsstimmung in der Dortmunder Innenstadt.

Der Philharmonische Chor Dortmund hat mit diesem Konzert erneut bewiesen, wie hervorragend er Tradition und musikalische Exzellenz vereint. Das Publikum konnte sich von der außergewöhnlichen Qualität des Chores überzeugen und erlebte einen unvergesslichen Einstieg in die Adventszeit.




Dornröschen und seine spannenden Traum-Erlebnisse

Mit „Dornröschen – Hundert Jahre im Land der Träume“ bringt Andreas Gruhn, der langjährige Intendant des Dortmunder Kinder- und Jugendtheaters (KJT), ein modernes Familienstück in der Vorweihnachtszeit auf die Bühne des Schauspielhauses. Am 22. November 2024 feierte diese frische Inszenierung des Märchenklassikers der Gebrüder Grimm ihre Uraufführung.

Eine opulente Ausstattung (Oliver Kostecka), fantasievoll gestaltete Kostüme, beeindruckende Hintergrundprojektionen und die atmosphärisch stimmige Musik von Michael Kessler machen das Stück zu einem Fest für Augen und Ohren. Im Gegensatz zur traditionellen Geschichte führt das Publikum hier eine Reise in die Welt der Träume.

Ein modernes Dornröschen für unsere Zeit

Andreas Ksienzyk begleitet als charmanter Erzähler durch die Handlung, während das Ensemble mit Spielfreude und Flexibilität in zahlreichen Rollen überzeugt. Sar Adina Scheer (u. a. als Königin), Jan Westphal (u. a. als König), Bianka Lammert, Johanna Weißert (als Fee Gunella), Rainer Kleinespel, Annika Hauffe (als Rosalinde/Dornröschen) und Thomas Ehrlichmann (u. a. als Prinz) zeigen Einfühlungsvermögen und Engagement. Besonders Annika Hauffe glänzt in der Hauptrolle und verleiht Dornröschen eine völlig neue Dimension.

Sar Adina Scheer, Johanna Weißert, Bianka Lammert und Jan Westphal in "Dornröschen" (Foto: (c) Birgit Hupfeld)
Sar Adina Scheer, Johanna Weißert, Bianka Lammert und Jan Westphal in „Dornröschen“ (Foto: (c) Birgit Hupfeld)

Diese Inszenierung interpretiert die bekannte Märchenfigur neu: Dornröschen, hier Rosalinde genannt, ist keine passive Prinzessin im schönen Kleid, die auf ihren Retter wartet. Stattdessen wird sie als kluges, selbstbewusstes und neugieriges Mädchen dargestellt, das sich für Naturwissenschaften und Astronomie begeistert. Rosalinde trägt kurze blonde Haare und Kleidung, die eher Jungen zugeordnet wird, wodurch stereotype Geschlechterrollen humorvoll aufgebrochen und in die Gegenwart übertragen werden.

Zudem thematisiert das Stück sensibel den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und unseren Lebensgrundlagen. Diese zeitgemäße Interpretation macht Dornröschen zu einer mutigen Identifikationsfigur für junge Mädchen, die zeigt, wie wichtig es ist, seine Träume zu verfolgen – auch gegen Widerstände.

Ein Theatererlebnis für die ganze Familie, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Weitere Informationen und Termine finden Sie auf www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231/50 27 222.




Die Vielfalt der romantisch-musikalischen Welten mit Timothy Ridout

Im Rahmen der Konzertreihe „Junge Wilde“ war am 19. November 2024 der britische Musiker Timothy Ridout, einer der herausragenden Bratschisten seiner Generation, im Dortmunder Konzerthaus zu Gast. Gemeinsam mit seinem temperamentvollen Klavierpartner Jonathan Ware, gebürtig aus Texas und heute in Berlin lebend, präsentierte er ein vielseitiges Programm, das die Zuhörer auf eine faszinierende Reise durch die unterschiedlichen Facetten der romantischen Musik mitnahm.

Der Abend begann mit den drei Romanzen op. 94 (1849) von Robert Schumann, die speziell für Viola und Klavier arrangiert wurden. Besonders die zweite Romanze entfaltete eine bemerkenswerte Innigkeit, sodass sich das Publikum in eine zauberhafte romantische Welt versetzt fühlte. Anschließend folgte ein echtes Juwel der Romantik: die Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 1 in e-Moll op. 38 (1865) von Johannes Brahms, die in einer Bearbeitung für Viola und Klavier dargeboten wurde. Timothy Ridout und Jonathan Ware schufen in den drei Sätzen – geprägt von ausdrucksstarken Übergängen – eine eindrucksvolle und bewegende Klangwelt. Besonders hervorzuheben ist das Menuett im zweiten Satz sowie die strahlende E-Dur-Schlussklanglandschaft, die durch ihre elegante Transformation des Hauptthemas beeindruckte.

Uraufführung und Abschluss mit César Franck

Nach der Pause wartete das Publikum gespannt auf die Uraufführung von Shadow Walkers, einem Werk der koreanisch-amerikanischen Komponistin Nahra Sol (*1991). Dieses fünfteilig angelegte Stück faszinierte durch den Kontrast zwischen meditativen und dynamischen Passagen, in denen avantgardistische Elemente die traditionellen Formen ergänzten. Diese geschickte Verbindung schuf eine Balance zwischen Licht und Schatten, die nicht vollständig greifbar, aber umso eindringlicher war. Es gelang dem Werk, eine besondere Tiefgründigkeit zu erzeugen, die die Zuhörer in ihren Bann zog.

Timothy Ridout faszinierte mit dem Spiel auf seiner Viola. (Foto: (c) Jiyang Chen)
Timothy Ridout faszinierte mit dem Spiel auf seiner Viola. (Foto: (c) Jiyang Chen)

Den krönenden Abschluss des Abends bildete César Francks berühmte Sonate für Violine und Klavier in A-Dur (1886), die in einer Bearbeitung für Viola und Klavier aufgeführt wurde. Dieses Meisterwerk begeisterte durch die motivische Verknüpfung aller vier Sätze. Nach einem ruhigen Beginn entwickelte sich die Sonate über leidenschaftliche Hymnen und träumerische Passagen bis hin zu einem lebhaften Rondo-Finale. Ridouts meisterhafte Interpretation und die einfühlsame Begleitung durch Ware verliehen der Aufführung eine mitreißende Intensität.

Dank der beeindruckenden Performance von Timothy Ridout und Jonathan Ware wurde das Publikum auf eine musikalische Reise mitgenommen, die nicht nur die Vielfalt romantischer Musik aufzeigte, sondern auch die außergewöhnliche künstlerische Qualität der beiden Musiker unterstrich. Der Abend bewies eindrucksvoll, warum diese „Jungen Wilden“ zu den spannendsten Künstlern ihrer Generation zählen.




Schuberts „Winterreise“ in einer besonderen Bearbeitung mit Daniel Behle

Startenor Daniel Behle begeistert erneut beim KLANGVOKAL Musikfestival

Am 17. November 2024 war Startenor Daniel Behle beim KLANGVOKAL Musikfestival im Dortmunder Reinoldihaus zu Gast. Der vielseitige Künstler, bekannt für seine Innovationsfreude, präsentierte eine außergewöhnliche Interpretation von Franz Schuberts Winterreise (op. 89, D 911), einem der bekanntesten Liederzyklen der Romantik mit Texten von Wilhelm Müller. Diesmal brachte er eine Bearbeitung für Tenor und Klaviertrio mit auf die Bühne, die er selbst arrangiert hat.

An seiner Seite musizierten Oliver Schnyder (Klavier), Andreas Janke (Violine) und Benjamin Nyffenegger (Violoncello). Diese Besetzung verlieh den 24 Liedern der Winterreise eine zusätzliche Klangdimension und hob besonders den Reichtum der Klavierstimme hervor. Die erweiterte Fassung, die Schubert aus den ursprünglich 12 „Wanderliedern“ zu einem umfassenden Liederzyklus ausbaute, wurde so in neuem Glanz präsentiert.

Ein musikalischer Zyklus voller Tiefe und Romantik

Die düstere, oft melancholische Grundstimmung der Winterreise ist eng mit ihrem zentralen Thema verknüpft: der Liebe, oder genauer gesagt, der unglücklichen Liebe eines Wanderers. Der Zyklus pendelt zwischen der Sehnsucht nach Erfüllung und der bitteren Enttäuschung über unerwiderte Gefühle. Die Lieder, geprägt von Wehmut, Schmerz, Einsamkeit und Visionen von Tod und Erlösung, ziehen das Publikum in ihren Bann. Besonders bekannt ist das Lied Der Lindenbaum, das als Symbol für Trost und Erinnerung gilt.

Tenor Daniel Behle mit dem Oliver Schnyder Trio. (Foto: (c) C. Spitzner)
Tenor Daniel Behle mit dem Oliver Schnyder Trio. (Foto: (c) C. Spitzner)

Das Wandermotiv spiegelt den romantischen Zeitgeist wider, in dem das Gehen durch die Natur als Heilmittel für seelische Wunden und als Aufbruch zu Neuem betrachtet wurde. Schuberts Kompositionen, überwiegend in Moll-Tonarten gehalten, unterstützen dieses Gefühl durch langsame, regelmäßige Rhythmen, die den Eindruck einer gleichmäßigen Wanderbewegung verstärken.

Daniel Behle und sein Ensemble beeindrucken mit emotionaler Tiefe

Daniel Behles facettenreiche Stimme brachte die Tiefen und Nuancen von Schuberts Musik eindrucksvoll zum Ausdruck. Darüber hinaus setzte er Gestik und Mimik gezielt ein, um die emotionale Wirkung zu verstärken. Das Zusammenspiel mit seinen musikalischen Partnern – Schnyder, Janke und Nyffenegger – war harmonisch und präzise. Gemeinsam schufen sie ein Klangerlebnis, das das Publikum von der ersten Note bis zum tragisch-romantischen Schlusslied Der Leiermann in den Bann zog.

Diese Interpretation von Daniel Behle hat bewiesen, dass Schuberts Winterreise auch in dieser besonderen Besetzung nichts von ihrer emotionalen Intensität verliert und immer wieder neu fasziniert. Ein Höhepunkt des Musikfestivals, der nachhaltig in Erinnerung bleibt.




DADADO: Lit – Dortmunder Reklamationen im Fletch Bizzel

Der Dadaismus war eine künstlerische und literarische Bewegung, die 1916 als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg in Zürich von Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck und Hans Arp gegründet wurde. Ihr Ziel war es, durch provozierenden Nonkonformismus, die Ablehnung bürgerlicher Ideale und den Einsatz von Satire und Unlogik eine neue, oft humorvolle und ironische Kunstform zu schaffen.

Am 14. November 2024 feierte die Dada-Community im Fletch Bizzel Dortmund das 3. DADADO: Lit – Dortmunder Reklamationen. Schon zu Beginn sorgte das „Ready Tape“-Video für gute Stimmung. Zu sehen waren tanzende Paare aus einer Tanzschule der 1960er Jahre, begleitet von humorvoller und fetziger Musik.

Dadaistische Darbietungen und Performances

Die Veranstaltung war eine Mischung aus Videos, Texten und Performances. Guido Schlösser begleitete die Darbietungen mit Akkordeonmusik, die immer wieder die kurzen Pausen unterbrach. Die humorvolle Moderation des Abends übernahm die Dortmunder Künstlerin Anette Göke.

Die dritte Ausgabe von DADADO: Lit fand am 14. November im Fletch Bizzel statt.
Die dritte Ausgabe von DADADO: Lit fand am 14. November im Fletch Bizzel statt.

Im typischen Dada-Stil überraschten die Beiträge mit ironischen Wortspielen und absurden Darbietungen. So flossen Musik, Performance und sogar Alltagsgegenstände wie „Der 4. Mann“ in die Darbietungen ein. Ein besonderer Höhepunkt war die Performance von Stefanie Augustin, die sich in einem schwarz-gelben BVB-Trikot als melancholischer „Regenpfeifer“ präsentierte.

Der Schriftsteller und Kulturpädagoge Thomas Kade würdigte mit Auszügen aus der Hinterlassenschaft des 2022 verstorbenen Jürgen „Kalle“ Wiersch dessen künstlerisches Erbe. Artur Nickel zeigte mit seinem Text „Hampel-Ampel“, dass Dada auch politisch und aktuell sein kann.

Beteiligung von Dortmunder Künstler*innen und Akteuren

Die Veranstaltung war geprägt von der Leidenschaft und Kreativität der Mitwirkenden. Neben den bereits genannten Künstler*innen waren auch das HampelsternTerzett (mit Kati im Video), Dieter Gawol, Christiane Köhne (mit einem Dada-Quiz), Hans Ulrich Heuser, Anne-Kathrin Koppetsch und Mitch Heinrich mit spannenden Beiträgen und Performances dabei.

Die DADADO-Veranstaltungen sind ein lebendiges Beispiel für die anhaltende Relevanz des Dadaismus in Dortmund. Die Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und politischem Diskurs, machen jedes Event einzigartig und überraschend.




Black Comics – Entwicklung vom Sidekick zum Superhelden

Im Schauraum Comic + Cartoon Dortmund können Besucher*innen vom 16. November 2024 bis zum 27. April 2025 die Ausstellung „Black Comics – Vom Kolonialismus zum Black Panther“ erkunden. Sie richtet sich an Fans des Genres und Interessierte, die sich mit kulturellen und gesellschaftlichen Themen beschäftigen möchten. Begleitet wird die Ausstellung von einem Rahmenprogramm und der Veröffentlichung eines Spezialbuchs Ende 2024. Sie greift aktuelle Themen wie kulturelle Aneignung, Rassismus und Post-Kolonialismus auf. Der Kurator ist Dr. Alexander Braun, ein Experte auf diesem Gebiet.

Von kolonialen Klischees zu selbstbewussten Erzählungen

Die Ausstellung zeigt die Geschichte der „Black Comics“ im 20. Jahrhundert. Sie beginnt bei kolonialistischen Darstellungen, wie in Hergés „Tim im Kongo“ (1930), und reicht bis zu aktuellen Werken kongolesischer Künstler*innen. Der Wandel vom schwarzen Sidekick in frühen Comic-Strips über die abessinische Widerstandsbewegung bis zu modernen Superhelden wie Black Panther wird nachvollzogen. Auch die amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre und der Comic-Underground jener Zeit werden thematisiert.

Das Team hinter "Black Comics": (von links): Fabrice Tenembot (Afrikultur), Sophia Paplowski (schauraum: comic + cartoon), Alexander Braun (Kurator). Foto: (c) Maximilian Mann
Das Team hinter „Black Comics“: (von links): Fabrice Tenembot (Afrikultur), Sophia Paplowski (schauraum: comic + cartoon), Alexander Braun (Kurator). Foto: (c) Maximilian Mann

Ein überraschender Aspekt ist die Popularität von „Tim im Kongo“ in Afrika. Dieses Werk entstand unter konservativ-religiösen und kolonialistischen Einflüssen. Trotz seiner problematischen Inhalte avancierte es dort zu einem der beliebtesten Comics. Lange Zeit wurde das Genre von europäischen und weißen amerikanischen Zeichnern dominiert. Erst im Zuge der Bürgerrechtsbewegung gelang es der Black Community, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Diese wurden anfangs in günstigen Heften auf Märkten verkauft. Heute stammen rund 50 % der Zeichner*innen in diesem Genre aus dem Kongo.

Neben Comics zeigt die Ausstellung Figuren und Objekte, die in Vitrinen präsentiert werden. Sie symbolisieren den Stolz und die Identität der Künstler*innen.

Diskussion und Reflexion im Schauraum Black Comics

Die Ausstellung im Schauraum Black Comics Dortmund bietet einen spannenden Einblick in die Geschichte schwarzer Comics. Gleichzeitig regt sie zur Auseinandersetzung mit Identität und gesellschaftlichen Fragen an. Sie verbindet Kunst und Geschichte auf einzigartige Weise.

Das Begleitprogramm mit allen Terminen finden Sie im Schauraum Comic + Cartoon, nahe der Stadt- und Landesbibliothek, oder online. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Öffentliche Führungen finden jeden Sonntag von 13:00 bis 14:00 Uhr statt (Kosten: 3 Euro).




Schwindel – eine rasant-queere Beziehungskomödie

Im Studio des Dortmunder Schauspielhauses feierte am 08.11.2024 die queere Beziehungskomödie „Schwindel“ nach dem neuen Roman von Hengameh Yaghoobifarah Premiere. Regisseurin Shari Asha Crosson greift in ihrer Inszenierung Strukturen und Elemente von Reality-Dating-Shows wie „Princess Charming“ auf. Diese Formate nutzen symbolisch die Treppe als hierarchischen Entscheidungsraum für die Auswahl (hopp oder flopp) aus dem Teilnehmer*innen-Pool. Dabei spielen gesellschaftlich geprägte Normen, Werte, Geschlechterbilder sowie Vermarktungsinteressen und Oberflächlichkeit eine wesentliche Rolle.

Karikatur und Dekonstruktion gesellschaftlicher Rollenbilder

Mit Karikatur und Dekonstruktion wird in „Schwindel“ auf einer eindrucksvollen Bühnenkonstruktion (eine knallpinke Treppe und ein drehbares, hellgelbes Gerüst in Herzform) humorvoll und ironisch die Thematik von Begierde, Liebe, Sehnsüchten, Körperbewusstsein, Unsicherheit, Verlust- und Bindungsängsten in all ihrer Komplexität dargestellt. Der Plot dreht sich um vier queere Personen unterschiedlichen Alters, die sich im Gefühlschaos fragen, was wirklich zählt.

Ava (Akasha Daley) hat im 15. Stockwerk ihrer Wohnung ein heißes Date mit Robin (Fabienne-Deniz Hammer). Plötzlich stören zwei ihrer ehemaligen Liebhaber*innen, Delia (Rabea Lüthi, Gast) und Silvia (Antje Prust), die Szene: Delia möchte nur ihr vergessenes Handy abholen, während Silvia verärgert ist, weil Ava seit Wochen nicht auf ihre Nachrichten reagiert hat. Die überforderte Ava flieht ohne Schlüssel und Smartphone, verfolgt von den drei anderen, aufs Dach. In schwindelerregender Höhe und nahe am Abgrund sitzen die Vier schließlich fest – mit all ihren emotionalen Konflikten.

Akasha Daley, Antje Prust, Fabienne-Deniz Hammer, Rabea Lüthi(Foto: c) Birgit Hupfeld
Akasha Daley, Antje Prust, Fabienne-Deniz Hammer, Rabea Lüthi
(Foto: c) Birgit Hupfeld

Die Schauspieler*innen versetzten sich eindrucksvoll und mit großer Spielfreude in die unterschiedlichen Charaktere. Die scheinbar beziehungsunkomplizierte Ava leidet in Wahrheit unter Verlustängsten, Robin tut cool und selbstsicher, während die jüngste, Delia, noch etwas unsicher ist, aber klare Ansagen macht. Die älteste, Silvia, fürchtet besonders, von der jüngeren Partnerin verlassen zu werden.

Auch körperlich forderte die Inszenierung den Darsteller*innen einiges ab. Die Erzählerin (die Regisseurin selbst) kommentierte das Geschehen humorvoll und ironisch. Die Herzkonstruktion diente zudem als sinnliche Projektionsfläche, und Musik spielte eine tragende Rolle, indem sie die emotionale Ebene der Szenen unterstützte.

Ein erfrischender, oft derber und direkter Beitrag der jungen Theatergeneration, der einen differenzierten Diskurs um Queerness, den politischen Körper und menschliche Beziehungen anstößt. Weitere Aufführungstermine finden Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231/50 27 222.




Einflüsse musikalischer Pioniergestalten Amerikas

Das 3. Philharmonische Konzert am 05. und 06. November 2024 in Dortmund stand unter dem Motto „Go West!“. Im Dortmunder Konzerthaus präsentierten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Frank Dupree unter anderem die „Billy the Kid“-Ballettsuite von Aaron Copland (1900–1990) und entführten das Publikum in die verklärte Welt des „Wilden Westens“ und der Prärie. Dupree übernahm dabei selbst den Part des Solisten am Klavier und brachte zusammen mit Meinhard „Obi“ Jenne am Schlagzeug und Jacob Krupp am Jazz-Kontrabass zusätzlichen Schwung in die Darbietung.

Die musikalische Reise durch die USA

Das Konzert begann mit der „Ouvertüre zu Strike Up the Band“ aus dem gleichnamigen Musical von George Gershwin (1898–1937), orchestriert von Don Rose. Diese Komposition, die mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde, enthält auffallend militärisch anmutende Elemente, die immer wieder durch Jazz-Akkorde und -Rhythmen aufgelockert werden. Zum Verständnis: Die Handlung des Musicals spielt in einer amerikanischen Käsefabrik, deren Besitzer seine Monopolstellung durch hohe Strafzölle auf Schweizer Käse sichern möchte – eine Entscheidung, die letztlich zu einem fiktiven Krieg mit der Schweiz führt. 1930 wurde diese satirische Fassung entschärft, doch das Thema der Einfuhrzölle ist auch heute in politischen Diskussionen aktuell.

Die Solisten: Jakob Krupp, Frank Dupree und Meinhard "Obi" Jenne. Foto: Ralph Steckelbach
Die Solisten: Jakob Krupp, Frank Dupree und Meinhard „Obi“ Jenne. Foto: Ralph Steckelbach

Anschließend wurde Gershwins „Concerto in F“ aufgeführt, das Jazz und klassische Tradition kunstvoll verbindet. Der erste Satz erinnert teils an Rachmaninow, angereichert mit Jazzelementen, während der zweite Satz eher an den Blues und der dritte an den Ragtime angelehnt ist.

Nach der Pause folgte Aaron Coplands Western-Ballettsuite, bestehend aus sieben Sätzen. Mit Anklängen an mexikanische Volksmelodien und Cowboy-Lieder sowie Coplands unverwechselbarer Musiksprache wird die dramatische Geschichte des Revolverhelden Billy the Kid bis zu seinem Tod lebendig. Man hört das Trampeln von Pferden und auch das Knallen von Schüssen.

Den Höhepunkt des Konzertabends bildete schließlich der berühmte „Bolero“ von Maurice Ravel (1875–1937), der das Publikum in seinen Bann zog. Obwohl hier der „Wilde Westen“ verlassen wurde, zeigt auch dieses französische Stück subtile Anklänge an den amerikanischen Jazz. Ravel verfolgte dabei eine klare musikalische Idee und inszenierte einen berauschenden Klangteppich, der sich durch eine stetige, langsame Steigerung auszeichnet. Die einzelnen Instrumente konnten sich in dieser eindrucksvollen Darbietung besonders gut entfalten.




Historisches Ballett und Filmset als Blaupause verbunden

Das im exotisch verklärten Indien verortete Ballett „La Bayadère“ (Die Tempeltänzerin) wurde 1877 in Sankt Petersburg unter der Choreografie von Marius Petipa uraufgeführt, mit der melodiösen Musik von Léon Minkus. Der Dortmunder Ballettintendant Xin Peng Wang fügte dem Werk eine besondere, interessante Dimension hinzu, die einen dramaturgischen Blick von außen ermöglicht. Die Premiere des vieraktigen Balletts (Choreografie von Xin Peng Wang, 2. und 3. Akt nach Marius Petipa) fand am 1. November 2024 in der Oper Dortmund statt.

Ein Filmset als Rahmengeschichte für La Bayadère

Die Aufführung beeindruckte durch passend ausgewählte Kostüme, eindrucksvolle Hintergrundprojektionen und effektvollen Lichteinsatz. Die musikalische Begleitung übernahm das Orchester der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi. Die Filmset-Passagen und Stummfilm-Einspielungen wurden zudem stimmungsvoll von Karsten Scholz live am Klavier begleitet.

Als Rahmenhandlung für die Choreografie wählte Xin Peng Wang ein Hollywood-Filmset der 1920er Jahre, das das „heilige Ballett“ La Bayadère verfilmen möchte. In der Geschichte geht es um die tragische Liebe zwischen der Tempeltänzerin Nikija und dem Krieger Solor, der jedoch bereits der Tochter des mächtigen Rajas, Gamzatti, versprochen ist. Daraus entfaltet sich eine dramatische Handlung voller starker Emotionen wie Liebe, Eifersucht, Verzweiflung und Hoffnung.

La Bayadère: Anna Tsygankova, Giorgi Potskhishvili. Foto: ((c) Leszek Januszewski)
La Bayadère: Anna Tsygankova, Giorgi Potskhishvili. Foto: ((c) Leszek Januszewski)

Allmählich erleben die Darsteller*innen am Set in ihren Rollen die gleichen Gefühlsverwirrungen wie die Figuren im Ballett – mit weitreichenden Folgen. Anders als bei einigen anderen Inszenierungen endet die Handlung nicht nach dem dritten „Schattenakt“ – der traumhaften Vision nach Opiumkonsum des Solor-Darstellers, nachdem seine geliebte Nikija durch ein Giftgetränk getötet wurde. Stattdessen folgt ein emotionaler Showdown im vierten Akt.

Freunde des klassischen und neoklassischen Balletts kamen voll auf ihre Kosten. Alle Tänzerinnen und Tänzer boten Ballett auf höchstem technischen Niveau. Die Darsteller*innen der Hollywoodstars, des Filmregisseurs, Produzenten und Managers bewiesen auch ihr schauspielerisch-pantomimisches Talent.

Ein besonderer Höhepunkt der Premiere waren die Gastsolist*innen Anna Tsygankova (Nikija/Hollywood-Starlet) und Giorgi Potskhishvili (Solor/Hollywood-Star), die mit ihrer eindrucksvollen Darbietung das Publikum begeisterten.

Weitere Informationen zu Aufführungsterminen finden Sie unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.




Zauber traditioneller Musik im Konzerthaus Dortmund

Im Rahmen der Reihe „Junge Wilde“ stand am 29.10.2024 im Konzerthaus Dortmund die junge niederländische Blockflötistin Lucie Horsch im Mittelpunkt. An ihrer Seite musizierten Emmy Storms (Violine) und der französische klassische Gitarrist Raphaël Feuillâtre. Das vielseitige Programm umfasste hauptsächlich lebendige Arrangements traditioneller Volksmusik, darunter Werke aus Irland (Thomas Tollett), den Niederlanden (Jacob van Eyck) sowie dem Barock (Antonio Vivaldi). Hier zeigte sich, wie viel Verbindendes in der Musik steckt.

Meisterhaftes Zusammenspiel und feine Nuancen

Neben der Musik aus früherer Zeit reichte das Programm auch in die jüngere Vergangenheit und beinhaltete Kompositionen von Claude Debussy, Gabriel Fauré (Frankreich), Manuel de Falla (Spanien), Béla Bartók (Ungarn), Igor Strawinsky (Russland) und zum Abschluss Astor Piazzolla (Argentinien). Die drei Künstler*innen beeindruckten das Publikum nicht nur durch die virtuose Beherrschung ihrer Instrumente und ihr harmonisches Zusammenspiel. In wechselnden Konstellationen – solo, zu zweit oder im Trio – überzeugten sie durch großes Feingefühl für die Eigenheiten der jeweiligen Stücke. Mit Leichtigkeit meisterten sie den Wechsel zwischen temperamentvoll-rasanten und ruhig-melancholischen Passagen.

Lucie Horsch zeigte ihre große Vielseitigkeit, indem sie mühelos zwischen Flöten verschiedener Größe und Tonlage wechselte. (Foto: (c) Simon Fowler)
Lucie Horsch zeigte ihre große Vielseitigkeit, indem sie mühelos zwischen Flöten verschiedener Größe und Tonlage wechselte. (Foto: (c) Simon Fowler)

Lucie Horsch zeigte dabei ihre große Vielseitigkeit, indem sie mühelos zwischen Flöten verschiedener Größe und Tonlage wechselte, darunter Renaissance- und Barockflöten. Wer dachte, Blockflöte sei langweilig, wurde hier eines Besseren belehrt. Horsch ließ sogar zweimal ihre klare, helle Gesangsstimme erklingen und verlieh dem Konzert damit zusätzliche Intensität.

Durch den Einsatz besonderer Instrumente vermittelten die drei Künstler*innen die besondere Magie der traditionellen Musik und zogen das Publikum in ihren Bann. Besonders berührte die sensible Interpretation von Astor Piazzollas berühmtem „Libertango“ aus dem Jahr 1974. Man darf gespannt sein, was von diesen „Jungen Wilden“ noch zu erwarten ist.