Sir Gabriel Trafique – Hamlet und die aus den Fugen geratene Welt

Das freie Künstlerkollektiv Sir Gabriel Trafique (ehemals Sir Gabriel Dellmann) unter der Regie von Björn Gabriel benutzt Shakespeares „Hamlet“ als Anknüpfungspunkt für die immer stärker werdende Orientierungslosigkeit der Menschen, die sich in „Fake news“ und Verschwörungstheorien ausdrückt. Ein Premierenbericht vom 20.10. 2017 aus dem Theater im Depot.

Es handelt sich um eine Koproduktion mit dem Theater im Depot, der studiobühneköln und dem Rottstr5theater Bochum.

Das Trauma vom Tod seines Vaters und der schnellen Hochzeit seiner Mutter sorgen dafür, dass Hamlet seine komplette Orientierung verliert. Er entwickelt eine Psychose, die ihn langsam in seine Welt einschließt. Ähnlich geht es Menschen, die sich beeinflusst durch die sozialen Medien in einer Filterblase befinden. Sie lassen – wie Hamlet – niemand an sich heran. Die Politik wird als entfernt von den Bürgern empfunden und die Gesellschaft ist zerrissen und verunsichert.

Verschwörungstheoretiker versuchen geschickt, über die modernen Medien vorhandene Ängste vor dem „Fremden“ oder eben „Norweg“ (Hamlet) zu instrumentalisieren. Wahrheit und „Fakenews“ sind für die „Wutbüger“ kaum auseinander zu halten. Die „drei Hamlets“ in der Aufführung, die Schauspieler Lucia Schulz, Lukas Garner und Dominik Hertrich suchen verzweifelt nach Orientierung für ein moralisch verantwortliches Handeln und menschliches Sein.

Auch mit Hilfe von modernen technischen Mitteln wie Live-Video, Beats und schnellen Schnitten und der Auseinandersetzung mit popkultureller Verführung gewinnt die Tragödie ihre aktuelle Bedeutung in unserer Zeit.

Gleich drei Hamlets erkunden die unterschiedlichen Möglichkeiten. (Foto: © Sabrina Richmann)
Gleich drei Hamlets erkunden die unterschiedlichen Möglichkeiten. (Foto: © Sabrina Richmann)

Neben den drei Schauspielern gibt es auf der begleitenden philosophischen Ebene der Erzählung noch die auf der Leinwand projizierten Video-Schauspielerin Anna Marienfeld.

Die Inszenierung der Gruppe Sir Gabriel Trafique arbeitet mit starken Gesten und Bildern, die durch Video-Nahaufnahmen verstärkt wurden.

Ein Abend, der nicht leicht konsumierbar ist, aber dennoch durch visuelle und musikalische (AniyoKore) Reize den Zuschauer ans Stück fesselt. Dazu tragen natürlich Schulz, Garner und Hertrich bei, die durch ihre Präsenz dem Stück die nötige Lebenskraft einhauchten.

Weiter Aufführungen finden am 09.11. und am 10.11.2017 um 20:00 im Depot statt.

Infos unter www.sir-gabriel-dellmann.de




Hanfried Brenner – Offenes Kunstprojekt im Torhaus

In der städtischen Galerie Torhaus Rombergpark werden unter dem Titel „quadrat plus – variationen“ vom 22. Oktober bis 12. November 2017 verschiedene Zeichnungen, Bildobjekte und räumliche Installation des Künstlers Hanfried Brenner zu sehen sein.

Seit 1992 hatte dieser an der Entstehung und Entwicklung des Dortmunder Kulturzentrums Depot mitgewirkt.

Für diese Ausstellung hat er die meisten Arbeiten direkt für die speziellen Gegebenheiten und dem historischen Hintergrund des besonderen Ortes entwickelt. Dabei lässt er seine eigenen Wahrnehmungen des Ausstellungsortes Torhaus Rombergpark mit seine besonderen Architektur und Geschichte einfließen.

In seinem offen gehaltenen Kunstprojekt spielt die wuchtige und gewölbte Architektur und die speziellen Atmosphäre eine wichtige Rolle.

Einige seiner Zeichnungen stammen aus einem Zyklus des Jahres 2014 und sind unter dem Einfluss des berühmten Bildes „Schwarzes Quadrat auf weißem Grund“ von Kasimir Malewitschs entstanden. Für Brenner bot sich an, die Zeichnungen aus dieser Serie mit ihren strengeren geometrisch-quadratischen Formen dem gerundeten Torhaus gegenüber zu stellen und zu konfrontieren.

Um es mit einem dem Fußballbereich umgewandelten Slogan zu sagen. Die Idee war, das Eckige ins Runde zu bringen.

Hanfried Brenner setzte sich mit der Architektur im Torhaus auseinander.
Hanfried Brenner setzte sich mit der Architektur im Torhaus auseinander.

Von der traditionellen Auffassung des Tafelbildes, der Malewitsch noch verpflichtet war, weicht er insofern ab, das er die Materialität von Farbe, Malgrund, Papier u.s.w. als ästhetisches Moment in ihrer Dreidimensionalität als Objektkunst einbezieht.

So sind in der Ausstellung an einer Wand zum Beispiel auch ein schwarzes und ein weißes Quadrat als plastische Bildobjekte zu sehen.

Zentrum ist jedoch die auf dem Boden des Ausstellungsortes platzierte Installation aus Vierkanthölzern, von denen ein Teil mit Blei ummantelt wurde. Sie prägen die Wahrnehmung im Raum stark und können gleichsam als Kommentar zu den architektonischen Gegebenheiten und den historischen Bezügen des Torhauses gesehen werden. Im Zusammenspiel mit den übrigen Zeichnungen und Bildobjekten entfalten sie ihre Wirkung.

Die Ausstellung ist als „offenes“ Kunstprojekt, dass in anderen Kontexten weiter entwickelt werden soll, vom Hanfried Brenner konzipiert worden

Die Eröffnung der Ausstellung ist am Sonntag, den 22. Oktober 2017 in der städtischen Galerie Torhaus Rombergpark. Sie wird musikalisch von Maik Hester am Akkordeon begleitet. Werkeinführung durch den Künstler.




Kunstakademie Düsseldorf zu Gast im Künstlerhaus

Das Dortmunder Künstlerhaus im Sunderweg 2 zeigt vom 21.10 bis 19.11.2017 die Ausstellung „Aus jedem Dorf ein Hund“ der Klasse Martin Gostner – Düsseldorfer Kunstakademie Düsseldorf. Der Titel nimmt Bezug auf einem bei einer bei Skatspielern bekanntem Redewendung. Man hat von jeder Farbe etwas auf der Hand. Damit kann man zumeist kein Spiel bestimmen, jedoch den vermeintlich „Starken“ das Spiel eventuell verderben und die Richtung des Spiels im entscheidenden Moment drehen und für Spannung sorgen.

Bei Kurator Martin Gostner und seiner Klasse verhält es sich ähnlich. Worauf es ihm bei der Berufung der Studierenden ankommt, erklärte beim Pressegespräch. Selbstbestimmtheit und Freiräume für die Absolventen und Offenheit für die unteren Klassen. Ebenso wichtig ist aber das kreatives gegenseitiges Fordern und „künstlerisches befruchten“. In den Klassen wird das Augenmerk bewusst auf formale und inhaltlich Heterogenität und interdisziplinäres und multimediales Arbeiten gelegt.

Die großen Räume im Künstlerhaus bieten den achtzehn KünstlerInnen viel Raum für einen breit angelegten plastischen Diskurs. Die Bandbreite reicht von Plastik, Skulptur, Installation, Kinetik, Video und Audio, Fotografie, Grafik und Malerei. Sie wenden diese verschiedenen Ausdrucksformen nach dem Ort an und bringen sich jeweils gegeneinander oder zueinander ins Spiel.

Detail der Arbeit "Zentrum" von Aylin Leclaire. Zu sehen im Künstlerhaus im Rahmen der Ausstellung "Aus jedem Dorf ein Hund".
Detail der Arbeit „Zentrum“ von Aylin Leclaire.

So entsteht beispielsweise bei Almut Rabenau eine Art gewebter Wandteppich aus Textilien bunte Stofffäden in Neonfarben als Vokale und Konsonanten als weißer Gardinenteppich. Dahinter steckt unter anderem ein verschlüsselter Text von Else Lasker Schüler. Daneben sind von Alesha Klein, die auch die Konzeption der Ausstellung mit entwickelt hat, drei verschlüsselte Briefe als Symbol für das „nicht Gesagte“ zu sehen. Marina Bochert nimmt mit ihren Arbeiten Bezug auf die Bergbau-Vergangenheit. Ein interessante Installation hat Aylin Leclaire mit ihrer Arbeit „Zentrum“ entwickelt. Ein ganzer Raum wird zu einer krakenartigen, surreal anmutenden Landschaft aus hellem Kunststoff mit eingebauten bunten Ketten mit LED-Lämpchen. Dieses Gebilde reagiert auf akustische Reize von außen mit Aufleuchten im unterschiedlichen Rhythmus der pochenden Musik. Es kann Symbolhaft für emotionale Interaktion gedeutet werden.

Poetisch zeigt sich der kurze Videofilm einer romantischen Waldlandschaft mit einer Reiterin auf einem Pferd von Di Yang.. Er arbeitet dabei mit Looping-Effekten.

Das ist nur ein kleiner Einblick in die Ausstellung. Es lohnt sich, viel Zeit mit zu bringen.

Die Eröffnung der Ausstellung ist am Freitag, den 20. Oktober um 20:00 Uhr im Künstlerhaus.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 16:00 bis 19:00 Uhr




Afrofuturismus zwischen Fiktion und Realität

Der Hardware MedienKunstVerein zeigt vom 20.10.2017 bis 22.04.2018 auf der dritten Etage des Dortmunder U in Kooperation mit Interkultur Ruhr & Büro medienwerk.nrw und mit Unterstützung durch den Africa Positive e.V. die Ausstellung „Afro-Tech and the Future of Re-Invention“.
Daneben findet an verschiedenen Orten in Dortmund vom 20. – 28.10.2018 ein Afro-Tech Festivalwoche mit Gesprächen, Performances, Workshops, Filmen und Musik statt. Neben dem HMKV sind als Orte das Kino im U e.V., Tanzcafé Oma Doris, Union Gewerbehof, das Künstlerhaus Dortmund und der Rekorder in der Nordstadt beteiligt.
Worum geht es? Wenn wir von Afrika hören, geht es meistens um Hungersnöte, Terror und Korruption. Diese Ausstellung will ein differenziertes Bild von diesem Kontinent vermitteln. Wie die Kuratorin Dr. Inke Arns vom HMKV sich bei einer Reisen in die Hauptstädte von Kenia, Südafrika und Nigeria überzeugen konnte, gibt es dort aktuell eine erstaunliche Entwicklung im Bereich digitaler Technologien. Ein Reihe von Startup-Unternehmen und KünstlerInnen sowie ErfinderInnen bezeugen das eindrucksvoll. Afrika wird in der Ausstellung als ein Kontinent der technologischen Innovation präsentiert. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Science-Fiction-Erzählungen und Vorstellungen von Technologie, die nach den eigenen afrikanischen Regeln funktionieren und nicht den „westlichen Vorbildern“ folgen.

 

Die beiden Kuratoren der Ausstellung über Afrofuturismus: Fabian Saavedra-Lara und Inke Arns.
Die beiden Kuratoren der Ausstellung über Afrofuturismus: Fabian Saavedra-Lara und Inke Arns.

Der die künstlerischen Arbeiten beeinflussende Afrofuturismus ist im 20. Jahrhundert in Folge der Erfahrungen von Rassismus und Diskriminierung in den USA entstanden. Er dient als Raum für Emanzipation und Selbstbestimmung. Drei große Themen durchziehen die Ausstellung: Der Weltraum, das Meer und die Technologie. Was, wenn zum Beispiel das Weltraumprojekt in Sambia 1964 erfolgreich durchgeführt worden, und er erste Mensch auf dem Mond ein Afrikaner wäre? Die Tech-Projekte, Installationen, Videos, Performances und Objekt in der Ausstellung sind so vielfältig wie die die zwanzig KünstlerInnen aus Afrika und Europa. Die Ausstellung stellt eine Verbindung zwischen Afrofuturismus, alternativen technologischen Energien und Imaginationen her. Spekulative Narrative in den künstlerischen Arbeiten werden in einer doppelten Verfremdung mit den realen Erfindungen aus der Makerszene in Beziehung gebracht und konfrontiert.
Das reichhaltige Festival-und Ausstellungsprogramm erhalten Sie an allen Veranstaltungsorten. Der verantwortliche Kurator für die Festival-Woche ist Fabian Saavedra-Lara (Leitung Büro medienwerk.nrw & Co-Leitung Interkultur Ruhr).

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, den 20. Oktober 2017 um 19:00 Uhr im Dortmunder U, Kino im U e.V. auf der Ebene 0.
Der Eintritt zu den Veranstaltung ist frei.




Im tiefen Rausch des Kontrabass

Im Mittelpunkt des 1. Kammerkonzerts der Dortmunder Philharmoniker unter dem Motto „tiefen_rausch“ am 16.10.2017 stand das Kontrabass als wichtigste Instrument im Orchester. Das Publikum hatte im Orchesterzentrum Gelegenheit, sich von der Klangtiefe und Ausdruckskraft dieses Instruments zu überzeugen.

Vier Künstler am Kontrabass und ein kongeniale Begleitung am Cembalo wie am Piano durch Maria Chernousova führten die ZuhörerInnen durch das Programm. Die Spannbreite reichte dabei von Barock-Musik (Antonio Vivaldi 1678-1741) bis hin zu Jazz/Swing von Glenn Miller (1904-1944).

Den Hauptteil des Abend bestritten Manuela Uhlmann (Kontrabassistin bei den Dortmunder Philharmonikern) und Catalin Rotaru, seit 2005 Professor an der Arisona State University (USA) am Kontrabass unter Begleitung von Maria Chernousova.

Schon vor der Pause begeisterten sie mit Vivaldis Konzert für zwei Violoncelli g-Moll RV 531 in der Bearbeitung für zwei Kontrabässe von Bernhard Salles.

Es folgte die sensible Interpretation von César Francks (1822-1890) Sonate für Violine A-Dur durch Catalin Rotaru am Kontrabass begleitet vom Piano.

Es ist schon erstaunlich, was für kraftvoll-warme und intensive Klänge einem so gewaltigen Instrument wie dem Kontrabass entlockt werden können.

Nach der Pause ging es italienisch temperamentvoll weiter mit Giovanni Bottesini (1821-1889) und seiner „Passione amorosa“

Der Kontrabass zeigte sich als wandlungsfähiges Instrument. (Foto: © Christian Seidel / pixelio.de)
Der Kontrabass zeigte sich als wandlungsfähiges Instrument. (Foto: © Christian Seidel / pixelio.de)

Romantisch und aufwühlend wurde es dann mit Robert Schuhmanns (1818-1856) „Adagio und Allegro op. 70“, mit viel Feingefühl von Manuela Uhlmann am Kontrabass und ihrer Begleitung am Piano.

Eine neue Klangnote und argentinisches Flair brachte „Le Grand Tango“ von Astor Piazzola (1921-1992).

Temperamentvolle Stimmung verbreiteten die vier Kontrabassisten Manuela Uhlmann, Catalin Rotaru, Dirk Nolte (Dortmunder Philharmoniker) und Kirill Dubovik mit dem „Ungarischen Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms (1833-1897) in einem Arrangement von Andreas Martin.

In die Neuzeit hinein führten die vier Musiker dann mit einer modernen Fassung der Walzer von Johann Strauss von Daryl Runswick (geb. 1946) „Strauss in the doghouse“ und „American basses“. Ein grandioses Finale folgte mit Glenn Millers „In the mood“.




Tonfiguren als Zeugen Dortmunder Vergangenheit

Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) wurden am 16.10.2017 neben der achten Ausgabe des Denkmalheftes „Bausteine und Fundstücke“ 08 (Denkmalbehörde der Stadt Dortmund) mit dem Titel „Der mediale Aufbruch am Ende des Mittelalters – Tonfiguren aus Dortmunder Ausgrabungen“ vorgestellt.

Der Autor und Archäologe Dr. Gerhard Jentgens stellte zudem ein neues Fundstück aus einer Ausgrabung (2011) vor. Es handelt sich dabei um eine ca. 6 cm kleine Tonstatuette aus Pfeifenton, gefunden in einem Brunnen zwischen Thomasstraße und Kuckelke. Die Tonfiguren waren Medien am Endes des Mittelalters mit einer universellen Bildsprache, so der Archäologe.

Im ausgehenden Mittelalter gab es das Handwerk des sogenannten „Pfeifenbäckers“. Dieser stellte die in der Zeit beliebten Tonfiguren und Reliefs mit religiösen, Mode- oder erotischen Motiven aus speziellen „Pfeifenton“ her. Nach dem Brennen weist der Ton eine weiße Farbe auf, die dann nach Bedarf auch bunt bemalt werden konnte.

Neu entdeckt aus einem Brunnen an der Kuckelke: Die Tonstatuette wird stolz präsentiert vom Archäologen Dr. Gerhard Jentgens.
Neu entdeckt aus einem Brunnen an der Kuckelke: Die Tonstatuette wird stolz präsentiert vom Archäologen Dr. Gerhard Jentgens.

Der neue Fund stellt Maria und das Jesus-Kind im Vordergrund, und dahinter Marias Mutter, die heilige Anna, dar. Solche Tonfiguren waren für die Bevölkerung erschwinglich und wurden, wie Dr. Jentgens erklärte, zu allen möglichen Gelegenheiten wie etwa Taufe oder Hochzeit verschenkt. Die Menschen suchten damals durch Flucht in die Religion Halt in dunklen Zeiten mit Hungersnöten, Missernten, Naturkatastrophen Krisen und Konflikten. Sie hofften außerdem, durch Gebete vor ihren Statuen einen „Ablass“ für die weltlichen Sünden zu erhalten. Aus Angst vor dem „nahenden Weltuntergang“ wollten die Menschen sich durch zusätzliche „Geldspende“ den „Weg in den Himmel“ ebnen. Eine Kaufmannsmentalität, die Reformatoren wie Martin Luther dazu antrieben, die christliche Lehre wieder auf die Glaubensinhalte zu konzentrieren.

Im MKK sind schon einige Funde aus dem Spätmittelalter gesammelt worden und so der Öffentlichkeit als zeitgeschichtliche Zeugnisse erhalten geblieben.

Der Leiter des MKK, Dr. Jens Stöcker erklärte: „Wann genau die neue Tonstatuette im Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen sein wird, erfährt die Öffentlichkeit rechtzeitig durch die Presse.

Das neue Denkmalheft „Bausteine und Fundstücke“ ist jedenfalls ab jetzt im MKK, dem Stadtarchiv und der Dortmunder Denkmalbehörde erhältlich.




Die erstaunliche Aktualität von Shakespeares Hamlet

Als Koproduktion mit dem Theater im Depot, der studiobühneköln und dem Rottstr5 Theater Bochum hat sich das freie Theaterkollektiv „Sir Gabriel Trafique (früher Sir Gabriel Dellmann)“ William Shakespeares „Hamlet“ als Vorlage für ihre sechste Produktion im Depot vorgenommen. Sir Gabriel Trafique wurde 2012 unter dem Label Sir Gabriel Dellmann gegründet. Ohne Stefanie Dellmann wurde eine Namensänderung notwendig. Geleitet wird das Theaterkollektiv von Schauspieler und Regisseur Björn Gabriel und Anna Marienfeld. In wechselnden Konstellationen stoßen jeweils SchauspielerInnen und VideokünstlerInnen zur Gruppe.

Unter der Regie von Gabriel entwickelt sich „Hamlet – Ein multimedialer Parcours nach Shakespeare“. Premiere ist Freitag, der 20. Oktober 2017 um 20:00 Uhr im Theater im Depot.

Wie der Regisseur verriet, erstaunt ihn immer wieder, wie viel Fundament und Aktualität in „Hamlet“ steckt. Heute, wo die humanistischen Säulen unserer Gesellschaft oft mit den Füßen getreten werden. Das Drama steht im Zentrum, weil es auf heute passt. „Die Codes gehen von den Schauspielern aus“, so Gabriel.

Dazu gibt es viele Zitate bei Hamlet wie zum Beispiel „Es ist etwas faul im Staate Dänemark“. Die Welt scheint aus den Fugen geraten, und wie Hamlet suchen wir nach einem moralischen Kompass für unser Leben.

Schwer gemacht wird uns das in der digitalisierten Welt mit seiner Bilderflut, „Fakenews“ und demagogischen Einflüsterern, die uns überfordern. Wie können wir moralisch verantwortlich Leben?

Drei Hamlets suchen nach einem würdevoll Sein oder Nichtsein und finden Orientierung an Shakespeares Klassiker. Unter Anleitung eines digitalen Orientierungssystems wagen sie dabei ein Experiment über das Mensch-Sein.

Gleich drei Hamlets erkunden die unterschiedlichen Möglichkeiten. (Foto: © Sabrina Richmann)
Gleich drei Hamlets erkunden die unterschiedlichen Möglichkeiten. (Foto: © Sabrina Richmann)

Drei SchauspielerInnen on Stage, drei SchauspielerInnen aus der Konserve (darunter Produzentin Anna Marienfeld), ein Live-Videokünstlerin, zwei Livekameras, über hundert Presents und unendliche Produktionsflächen kreieren einen Live-Film, popkulturelle Verführungsmethoden und schaffen immer neue virtuelle Welten. Diese zerfallen durch Offenlegung ihrer Mittel in ihrem Innersten.

Für den musikalischen Soundtrack sorgt die Gruppe AniYo Kore (Melody & Rene).

Sie unterlegen und begleiten das Geschehen atmosphärisch.

Die Vorstellung wird zwei Stunden nicht überschreiten.

Termine für weiter Aufführungen: 21.10.2017/ 09.11.2017/ 10.11.2017 jeweils um 20:00 Uhr im Theater im Depot, Immermannstr. 29, 44147 Dortmund.

Karten: ticket@theaterimdepot.de und an allen bekannten VVK-Stellen.




Landschaftsbilder von Marlies Blauth im Kunstbonbon

Das Kunstbonbon in der Chemnitzer Straße zeigt vom 21.10.2017 bis 18.11.2017 die Ausstellung „Nicht nur Grün“ mit Landschaftsbildern der in Dortmund geborenen Künstlerin Marlies Blauth. Sie hat nicht nur das Talent, sich in malerisch auszudrücken, sondern zudem ist fähig, mit ihrer Lyrik Bilder vor unseren Augen entstehen zu lassen. Egal, ob sie sich an Geräusche, Gerüche oder Gegenden erinnert. Blauth lässt die Menschen mit ihrer eigenen Bildsprache daran teilhaben.

Die Farbe grün spielt bei ihren Landschaftsbildern zwar eine Rolle, steht aber nicht im Vordergrund. Es ist, wie sie sagt, eher ein „Hauch von Grün“, der über ihren Landschaften liegt. Sie mischt das Grün oft mit anderen Farben, damit es nicht dominiert und zu flächig wirkt. Der Eindruck der Räumlichkeit ist der Künstlerin wichtig.

Ihre Bilder lassen die Betrachter die Landschaften scheinbar wie durch Schlieren bei einem fahrenden Zugfenster sehen. Als Halt für die Augen bietet sie oft einen Horizont an, der die Betrachtung ein wenig lenkt.

Beispiel einer Arbeit von Marlies Blauth - zu sehen im Kunstbonbon. (Foto: © Marlies Blauth)
Beispiel einer Arbeit von Marlies Blauth – zu sehen im Kunstbonbon. (Foto: © Marlies Blauth)

Die Vernissage ist am Samstag, den 21.10.2017 um 15:00 Uhr im Kunstbonbon, Chemnitzer Str. 11. Die Künstlerin ist anwesend und wird außerdem ihren neuesten Lyrikband „Dornröschenhaus“ vorstellen.

Öffnungszeiten : di 13-18, fr 15-20 und sa 12-15 Uhr

Der Eintritt ist wie immer frei.




Erstes Philharmonische Konzert 17/18 – Himmelwärts mit Strauss und Mahler

Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz schickte ihr Publikum beim 1. Philharmonischen Konzert (10.10. und 11.10.2017) im hiesigen Konzerthaus mit Werken von Richard Strauss (1864-1949) und Gustav Mahler (1860-1911) mit viel Sensibilität musikalisch „himmel_wärts“. Die dargebotenen Werke stehen zeitlich im Spannungsfeld zwischen Spätromantik und Moderne.

Auf dem Programm stand zunächst die Tondichtung für großes Orchester op. 24 „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss. Nach seiner erfolgreichen Tondichtung „Don Juan“ widmete sich Strauss hier der Thematik „Sterben und Erlösung“.

Der Rückblicken auf Leben und Ideale, Schmerzen und erschöpfte Schafphasen bis hin zu Tod und Erlösung werden vertont und dem Publikum emotional vermittelt.

Nach Strauss verlässt die „Seele in der Todesstunde den Körper, um im ewigen Weltraum das vollendet, in herrlichster Gestalt zu finden, was es hienieden nicht erfüllen konnte.“

Das einsätzige Werk beginnt langsam und schleppend, mit einen von Geigen, Bratschen und Pauke eingeleiteten Largo. Es folgt ein von Streichern und Holzbläsern vorangetriebenes und steigert sich final hin zum aufgewühlten Allegro molto agitato und dem erlösenden Moderato (Musik der Verklärung)

Nach der Pause folgte Gustav Mahlers 4. Sinfonie G-Dur (1900),

Diese ist (wie seine beiden Vorgänger) von den romantischen Gedichten Clemens Brentanos und Achim von Arnim aus dem 19. Jahrhundert („Des Knaben Wunderhorn“) beeinflusst. Im finalen vierten Satz vertont der Komponist daraus „Wir genießen die himmlischen Freuden.“

Mit Richard Strauss und Gustav Mahler eröffneten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz die Konzertsaison. (Foto: © Anneliese Schürer)
Mit Richard Strauss und Gustav Mahler eröffneten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz die Konzertsaison. (Foto: © Anneliese Schürer)

Die Sinfonie ist, bis auf das Sopransolo (Schlusssatz) und den teils unerwarteter Tonarten, eher klassisch und traditionell strukturiert und ihr fehlt der starke Pathos. Die Streicher sind gegenüber den Holzbläsern im Vordergrund, und verschiedene Solo-Instrumente konnten öfter ihr können zeigen.

Der eher bedächtige erste Satz wird mit Schellen im Hintergrund eröffnet. Die scheinbare Heiterkeit der simpel anmutender Themen des Satzes werden von Mahler im weiteren Verlauf immer wieder durch Schellen gebrochen und verfremdet Diese „Verfremdung im zweiten Satz, einem grotesk-komischen Scherzo, weiter getrieben.

Eine Geige spielt zur Irritation eine ganze Tonart höher. Bezeichnend ist der Wechsel von komisch-skurril und geheimnisvoll-mystisch.

Damit setzt der Komponist dem naiven „kindlichen Glauben“ musikalisch etwas entgegen.

Der langsame und romantische dritte Satz ist ein kurzer Bruch in eine andere Welt, bis er fulminant in E-Dur endet.

Der Zwiespalt des „Himmlischen Leben“ wird mit der Vertonung von „Wir genießen die himmlischen Freuden“ (Des Knaben Wunderhorn) und den vorantreibenden, verfremdenden musikalischen Zwischenspielen. Die Sopranistin Jeannette Wernicke übernahm diesen Gesangspart mit professioneller Souveränität.




Margarita Feinstein – Chopin und jüdische Komponistinnen

Klavier & Flügel Maiwald hat am Samstag, den 07.10.2017 in Kooperation mit den Theater- und Konzertfreunden Dortmund zum zweiten Mal ein Foyer-Konzert organisiert. Mit der in der Ukraine geborenen und in Kamen lebenden Pianistin Margarita Feinstein luden sie unter dem Motto „Musikalische Blumen, die das Herz berühren“ zu einem Klavier-Nachmittag in das Dortmunder Konzerthaus ein.

Das zweigeteilte Programm bot auch viel Klavierklänge voll starker Emotionalität und Sensibilität.

Der erste Teil war ganz dem Komponisten und Pianisten Frédéric Chopin (1810 – 1849) und seiner emotionalen Kompositionen, die dem Klavier so eine Fülle von verschiedenen musikalische Stimmungen entlocken kann.

Die Klavierstücke verdeutlichten die Bandbreite der Emotionen, die Chopin zu entfalten vermochte. Die Pianistin spielte die romantisch- melancholische Melodien der Etüde: Nr. 1 op. 10 C-Dur, Preludes: Nr. 18 c-moll, Nr. 22 g-moll, Nr. 7 A-Dur, oder beispielsweise auch das temperamentvoll-aufwühlende Scherzo h-moll Op. 20 mit Sensibilität und gleichwohl kraftvoller Intensität.

Margarita Feinstein präsentierte ein außergewöhnliches Programm. (Foto: © Gerhard Stranz)
Margarita Feinstein präsentierte ein außergewöhnliches Programm. (Foto: © Gerhard Stranz)

Nach der Pause spielte Feinstein Werke von sechs nicht so bekannten , aber äußerst interessanten Komponistinnen. Deren musikalische Zeitspanne reicht von der Vorromantik bis heute. Bemerkenswert dabei ist, dass es sich nicht nur um weibliche, sondern auch um jüdische Komponistinnen handelt. Diese mussten damal entweder aus Nazi-Deutschland flüchten, oder sind deren Nachfahren.

Ihre Musik ist einerseits von ihrer europäischen Tradition und tiefer Emotionalität, andererseits einer gelungenen Mischung aus traditioneller und zeitgenössischer Technik geprägt.

Bei Maria Szyimanowska (1789 – 1831) sind Einflüsse von Chopin zu erkennen. Zeitgenössische Technik und Einflüsse aus Japan prägen Tsippi Fleischer (geb. 1946) und Jekaterina Tschemberdschi (geb. 1960). Besonders rasant und mitreißend waren die beiden letzten Kompositionen von Ludmilla Dzulieva und Ludmila Zhbinskayas.

Die hervorragende Pianistin verdeutlichte dem Publikum eindrucksvoll: Frauen können sehr wohl innovative und starke Komponistinnen sein!