Erste Comic-Preisverleihung in Dortmund

Im Rathaus (Saal Westfalia) unserer Stadt wurde am 07.02.2025 erstmals der „Dortmunder Comic-Preis“ verliehen. Dieser ging an die Zeichnerin Hannah Brinkmann (geb. 1990).

Sie überzeugte eine neunköpfige Mischung aus Fachjury und Ratsmitgliedern (drei Fraktionen) mit ihrem sehr persönlichen Graphic Novel Gegen mein Gewissen, das sich mit Wehrdienst und Gewissenskonflikten am Beispiel ihres Onkels Hermann befasst. In den frühen 1970er Jahren (1973) nahm sich dieser aus Verzweiflung über die Ablehnung seines Wehrdienstverweigerungsantrags im Alter von nur neunzehn Jahren das Leben.

Comic-Kultur in Dortmund und die Laudatio

In seiner Begrüßungsrede wies Oberbürgermeister Thomas Westphal unter anderem auf einen Comic-Kulturschub für Dortmund durch den neuen „schauraum comic + cartoon“ nahe der Stadt- und Landesbibliothek hin.

Der erste Dortmunder Comic-Preis geht an Hannah Brinkmann: Oberbürgermeister Thomas Westphal verlieh ihn am 7. Februar.Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Der erste Dortmunder Comic-Preis geht an Hannah Brinkmann: Oberbürgermeister Thomas Westphal verlieh ihn am 7. Februar.
Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Dr. Alexander Braun, Kurator des „schauraums“ und Mitglied der Jury des Dortmunder Comic-Preises, hielt eine humorvoll-informative Laudatio auf die Preisträgerin. Die Anwesenden erfuhren dabei nicht nur von den historischen und gesellschaftspolitischen Hintergründen der Geschichte, sondern auch von der langwierigen und detailgetreuen Arbeit an den emotional berührenden Zeichnungen.

Preisvergabe und Symbolik

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird, stellt sicherlich eine wertvolle finanzielle Unterstützung für die weitere Arbeit dar. Einen tieferen Einblick bot Hannah Brinkmann mit einer bewegenden Lesung aus ihrem Werk. Die Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht für junge Männer wird ja derzeit wieder diskutiert.

Westphal überreichte jedoch nicht nur die Urkunde, sondern auch ein eigens ausgewähltes Symbol für den Preis. Nach längeren Überlegungen, so Dr. Braun, entschied man sich für eine stilisierte Dodo-Figur auf einem Sockel. Der Dodo, ein leider ausgestorbener flugunfähiger Vogel, kam ausschließlich auf der Insel Mauritius vor.

Bleibt zu hoffen, dass das vielseitige und moderne Comic-Genre nicht ein ähnliches Schicksal erleidet.




Kunst im Dialog: Eine besondere Ausstellung

In der Produzentengalerie „Friedrich 7“ in der Friedrich-Ebert-Straße im Dortmunder Stadtteil Hörde ist vom 1. Februar bis 2. März 2025 die Ausstellung „Knowing Me, Knowing You (a-ha)“ zu sehen, gestaltet von vier Künstlerinnen. Der Titel, angelehnt an den bekannten ABBA-Song, lädt dazu ein, sich gegenseitig kennenzulernen und künstlerisch zu inspirieren.

Die vier Frauen trafen sich 2023 während eines Residenzaufenthalts in der Cité des Arts in Paris. Den Anfang machten Silvia Liebig (Dortmund) und Dorothea Gillert-Marien (Frankfurt), die über den Austausch künstlerisch gestalteter „reisender Bücher“ kommunizierten. Im Rhythmus von etwa zwei Wochen schickten sie sich gegenseitig ihre Werke und beantworteten diese jeweils mit einer ganz persönlichen, kreativen Reaktion. Später schlossen sich Peco Kawashima, in Kyoto geboren und heute in Karlsruhe lebend, sowie Maria Bill aus Zürich dem Projekt an.

Ein Konzept der gegenseitigen Inspiration

Die unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten haben für die Ausstellung ein besonderes Konzept entwickelt, das den visuellen Austausch und die gegenseitige Anregung in den Fokus stellt. Präsentiert werden die entstandenen „reisenden Bücher“ mit diversen Collagen, eine Videoinstallation sowie individuelle Werke der Künstlerinnen.

Stellen gemeinsam in der Galerie Friedrich 7 aus: (v.l.n.r.)  Maria Bill, Peco Kawashima, Silvia Liebig und  ,Dorothea Gillert-Marien .Foto: (Claudia Eberbach-Pape)
Stellen gemeinsam in der Galerie Friedrich 7 aus: (v.l.n.r.) Maria Bill, Peco Kawashima, Silvia Liebig und ,Dorothea Gillert-Marien .Foto: (Claudia Eberbach-Pape)

Im Gespräch berichteten die vier Frauen von den Annäherungen in ihren Arbeiten. Die Collagen zeigen Gegensätze in der uns umgebenden Lebenswirklichkeit und greifen häufig auf Naturfarben zurück. Peco Kawashima kombiniert diese mit traditionellen handwerklichen Techniken wie dem Holzdrehen. Skulpturale Werke nutzen geschickt verschiedene Stoffe und Farben, um weitere Akzente zu setzen.

Ein Highlight der Ausstellung ist eine Mappe mit überblendeten Kindheitsfotos der Künstlerinnen, die Einblicke in persönliche Erinnerungen gibt. Die kunstvoll gebundenen Bücher werden zudem als fortlaufendes Projekt weitergeführt.

Ein Besuch lohnt sich

Die Ausstellung „Knowing Me, Knowing You (a-ha)“ bietet einen spannenden Einblick in die kreative Zusammenarbeit der Künstlerinnen und lädt dazu ein, die Vielfalt ihrer Werke zu entdecken.

Öffnungszeiten:
Mittwochs von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.




Kids Unplugged – Eine musikalische Filmgeschichtsreise

Auch in diesem Jahr bot das Publikum im Operntreff des Opernhauses Dortmund die Gelegenheit, die jungen und jüngsten Nachwuchstalente für Oper und Entertainment live in intimer Atmosphäre zu erleben. Bei der Filmmusikrevue „Kids Unplugged – Another Night with the Movies“ präsentierten sich die OpernKids (ca. 8 bis 16 Jahre) am 25. Januar 2025 unter der Leitung von Regisseur Alexander Becker.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer durften sich auf eine musikalische Reise durch mehrere Jahrzehnte Filmgeschichte freuen. Von zeitlosen Klassikern wie „Die Schöne und das Biest“ bis zu den magischen Klängen von „Harry Potter“ war für jede Generation etwas dabei. Unterstützt wurden die Kids tatkräftig von den erfahrenen OpernYoungstern Tabitha Affeldt, Michelle Blaurock, Sarah Heckner, Sophie Stein und Lennart Pannek.

Ein Zusammenspiel von Musik, Talent und Teamwork

Für die musikalische Begleitung sorgten die neu gegründeten YoungSymphonics unter der Leitung von Florian Koch, der auch die stimmungsvollen Arrangements des Programms erstellte. Die Choreografie sowie die Musiktheatervermittlung lagen in den Händen von Kristina Senne.

Nach Hogwarts ging es  musikalisch bei "Kids Unplugged"(Foto: (c) Fabian from Pixabay)
Nach Hogwarts ging es musikalisch bei „Kids Unplugged“(Foto: (c) Fabian from Pixabay)

Wie auch in den vergangenen Jahren wurde die Vorstellung mit humorvollen Zwischenmoderationen aufgelockert. Besonders unterhaltsam waren die beiden kurzen Rate-Quiz zu bekannten Filmmusiken, die das Publikum begeistert mit einbezog.

Es war beeindruckend zu sehen, wie selbst die jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbstbewusst auftraten und ihre Freude am Singen und Performen ausstrahlten. Die Zusammenarbeit zwischen den „Kleineren“ und „Größeren“ zeigte ein hohes Maß an Achtsamkeit und Harmonie – ein gelungenes Beispiel für Teamgeist und gegenseitige Unterstützung.

Die Filmmusikrevue bot den Zuschauerinnen und Zuschauern nicht nur eine abwechslungsreiche Reise durch die Filmgeschichte, sondern auch die Möglichkeit, die beeindruckende Vielfalt der Filmmusik hautnah zu erleben – und das in der besonderen Atmosphäre des Operntreffs.

Das Finale der Revue bildete der schwungvolle Song „Revolution Children“ aus dem Musical Matilda.

Mit diesem talentierten Nachwuchs brauchen wir uns um die Zukunft der Oper, des Musicals und der Dortmunder Philharmoniker keine Sorgen zu machen.

Weitere Vorstellungstermine:

  • 10.02.2025, 19:00 Uhr
  • 12.02.2025, 19:00 Uhr
  • 20.02.2025, 19:00 Uhr
  • 23.02.2025, 11:15 Uhr

Weitere Infos:
Telefon: 0231/50 27 222
Website: www.theaterdo.de




Immersive Reise in das alte Reich der Pharaonen

In den Räumlichkeiten von Phoenix des Lumières, einem Kunstzentrum im ehemaligen Industriegebiet von Dortmund-Hörde, können Besucherinnen und Besucher beeindruckende immersive und digitale Ausstellungen erleben. Ab dem 24. Januar 2025 lädt die neue Dauerausstellung „Im Reich der Pharaonen – eine immersive Reise“ dazu ein, in die faszinierende Welt des alten Ägypten einzutauchen. Die Produktion des Culturespaces Studios beeindruckt mit imposanten digitalen Projektionen, die sowohl Wände als auch Böden vollständig einbeziehen. Die elf Abschnitte der Ausstellung werden dabei stimmungsvoll von Musik begleitet. Creative Director Virginie Martin zeichnet für die Gestaltung verantwortlich.

Von Pyramidenbauern bis zu Pharaonen

Die Ausstellung beginnt mit einer Einführung in die harte und entbehrungsreiche Arbeit der Pyramidenbauer, die ihr Leben den Göttern widmeten, um das Jenseits zu erreichen. Im Prolog wird das Jahr 1838 thematisiert, als der schottische Künstler David Roberts die Überreste der altägyptischen Kultur dokumentierte und von deren Schätzen fasziniert war.

Blick in die Ausstellungsfläche des Phoenix des Lumières. (Foto: (c) Eric Spiller)
Blick in die Ausstellungsfläche des Phoenix des Lumières. (Foto: (c) Eric Spiller)

Ein weiteres zentrales Thema ist die „Göttliche Genesis“ der altägyptischen Mythologie, nach der die Welt und ihre Lebensformen aus dem „Urmeer“ (Nun) entstanden. Danach wird das Leben am Nil und dessen Bedeutung für die Region beleuchtet. Besucher*innen erfahren viel über den Bau der Pyramiden sowie die Rolle und Errungenschaften bedeutender Pharaonen – vom ersten König Narmer über Echnaton und Nofretete, den jung verstorbenen Tutanchamun bis hin zu den Herrschern der Ramses-Dynastie.

Die Größe und Pracht der altägyptischen Bauwerke wie Pyramiden, Tempel und Statuen wird durch die immersive Darstellung spürbar. Auch Erfindungen wie die Entwicklung des Schachspiels oder der Einsatz innovativer Bautechniken werden thematisiert. Glänzende Schätze wie Armreifen, Brustpanzer und mit Halbedelsteinen wie Türkis und Lapislazuli verzierte Schmuckstücke geben einen Eindruck von der Opulenz dieser Kultur. Ein weiterer Höhepunkt ist der Einblick in das Tal der Könige und Königinnen, das die Vorstellungen der alten Ägypter vom Jenseits veranschaulicht.

Orientalische Kunst als zweiter Schwerpunkt

Zusätzlich bietet Phoenix des Lumières ein zweites kurzes Programm: „Die Französischen Orientalisten – Ingres, Delacroix, Gérôme“. Es thematisiert die Entstehung eines romantisierten Bildes des Orients, das ab dem 18. und 19. Jahrhundert in Europa populär wurde, insbesondere in der französischen Kunst.

Die Werke zeigen Szenen von Märkten, Kamelkarawanen, Kämpfen und dem Alltagsleben in orientalischen Städten. Ein besonderes Motiv war dabei die Darstellung exotischer Frauenbilder, etwa Tempeltänzerinnen, die das Bild des „verklärten Orients“ in der westlichen Kunst prägten.

Praktische Informationen

Weitere Informationen zu den Ausstellungen und zum Soundtrack finden Interessierte im Info-Cube vor Ort.
Öffnungszeiten:

  • Dienstag bis Donnerstag: 10–17 Uhr
  • Freitag und Samstag: 10–21 Uhr
  • Sonn- und Feiertage: 10–18 Uhr

Eintrittspreise:

  • Regulär: 16 €
  • Senioren (ab 65 Jahre): 15 €
  • Ermäßigt (Schüler:innen, Studierende, Auszubildende, Personen mit Schwerbehindertenausweis, Begleitpersonen): 14 €
  • Kinder & Jugendliche (5–17 Jahre): 10 €
  • Familientarif (2 Erwachsene + 2 Kinder): 42 €
  • Geschenk-/Flextickets: 25 €
  • Gruppen (ab 15 Personen): 13 € pro Person
  • Schulklassen: 8 € pro Person
  • Freier Eintritt für Kinder unter 5 Jahren

Hinweise:
An Familientagen (dienstags) gelten vergünstigte Eintrittspreise. Für Kinder unter 2 Jahren ist der Besuch nicht empfohlen.

Eintrittskarten sind erhältlich unter:
https://www.phoenix-lumieres.com/de/online-tickets




Junges Theater um Biedermänner und Brandstifter

Angelehnt an die Tragikomödie „Biedermann und die Brandstifter“ (Uraufführung 1958) von Max Frisch entwickelte das Workshop-Ensemble Fletch Total 16+ unter der Regie von Ulla Riese eine moderne Fassung des Stoffes, die aktueller nicht sein könnte. Die Premiere fand am 17.01.2025 im Theater Fletch Bizzel in Dortmund statt. Musikalisch untermalt wurde die Inszenierung live von einer Band unter der Leitung von Florian Krebs (Keys). Mit dabei waren außerdem Leo Weichert (Bass), Carlotta Räker (Cello und, gemeinsam mit Christian Fischer als Diener sowie Clara Quebbemann als Polizistin, Teil des mahnenden Chors), Andreas Homann (Saxofon) und Fabian Strunck (Drums).

Die Musik bot eine breite Palette von Rock-Pop, Rap, Jazz bis hin zu Country und wurde von den Schauspielenden auf der minimalistisch gestalteten Bühne als zusätzliches Ausdrucksmittel eingesetzt. Bis auf den deutschen Text „Wir bringen euch den Hass“ waren alle Songs in englischer Sprache. Für die kleinen, aber prägnanten Tanzeinlagen zeigte sich Marie Militzer verantwortlich.

Das Workshop-Ensemble Fletch Total 16+. (Foto: Bianca Brauer)
Das Workshop-Ensemble Fletch Total 16+. (Foto: Bianca Brauer)

Wachsamkeit und Widerstand: Zeitlose Botschaften

Das Stück beginnt mit einem Nachspiel. Haarwasserfabrikant Gottlieb Biedermann (Mareike Sieding) und seine Frau Babette (Gianna Cusano) erwachen in der Hölle und müssen sich vor der Presse rechtfertigen. Warum haben sie die Brandstifter gewähren lassen und sie sogar noch bei ihrer Tat unterstützt?

Bezüge zur heutigen Zeit, geprägt von globalen Zerwürfnissen und gesellschaftlichen Spannungen, wurden subtil eingebaut. So fiel beispielsweise der Begriff „Brandmauer“ im Zusammenhang mit der Abgrenzung gegenüber rechten Parteien – ein Ausdruck, auf den man sich ja eigentlich geeinigt habe.

Mareike Sieding überzeugte als Hauptfigur Biedermann, der trotz offensichtlicher Warnzeichen in der Hoffnung, selbst verschont zu bleiben, keinen Widerstand leistet. Die Rolle des Verdrängungsmeisters füllte sie stark und eindringlich aus. Lisa Goltzsche als Brandstifter Josef Schmitz und Levin Burghardt als sein Komplize Eisenring brillierten mit Frauenpower, Humor und einem feinen Gespür für Ironie. Besonders gelungen war ihre Darstellung, wie sie sich in Biedermanns Haus einschmeichelten und ihn für ihre Zwecke einnahmen.

Das Stück macht deutlich, wie notwendig Wachsamkeit, kritisches Denken und mutiger Widerstand gerade in unserer Zeit sind. Alle jungen Schauspielenden boten eine engagierte, frische Leistung und hinterließen einen bleibenden Eindruck.




Ironisch, bissig, kultig: Geierabend 2025

Satire, Musik und Ruhrpott-Charme in Bestform: Der Geierabend ist wieder da – und begeistert 2025 unter dem Motto „Zart wie Kruppstahl“ mit einem scharf gewürzten Mix aus Humor, Gesellschaftskritik und musikalischem Können. In den historischen Hallen der Zeche Zollern feierte das alternative Karnevalsspektakel am 09. Januar seinen Auftakt und bewies erneut, warum es zu den kulturellen Highlights Dortmunds zählt.

Ein Programm mit Biss und Aktualität

Unter der Regie von Björn Jung und Joey Gerome Porner lieferte das Ensemble eine gut ausbalancierte Mischung aus satirischen Kabarettnummern, musikalischen Highlights und Ruhrgebiets-Slang, die das Publikum auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnahm. Politische und gesellschaftliche Themen wurden mit scharfer Zunge und treffsicherem Humor aufgegriffen: der Selbstoptimierungswahn, die Folgen des neuen Cannabisgesetzes, die Deutsche Bahn, Polizeikürzungen, aber auch der drohende erneute Einfluss von Donald Trump. Besonders beeindruckte eine melancholisch-komödiantische Nummer „Lady Liberty Lost 2.0“, die zwischen Lachen und Nachdenklichkeit balancierte.

Diese Session musste der Steiger (Martin Kaysh) ohne den Präsidenten auskommen. (Foto: (c) Anja Cord)
Diese Session musste der Steiger (Martin Kaysh) ohne den Präsidenten auskommen. (Foto: (c) Anja Cord)

Musikalisch stark begleitet von Stefan „Pele“ Götzer und seinen Kollegen Oleg Bordo, Bettina Hagemann und Andreas Ruhnke, bot das Programm ein breites Spektrum von Rock und Pop bis zu Musical. Die Arrangements waren dabei nicht nur unterhaltsam, sondern auch musikalisch hochwertig.

Neue Gesichter und bewährte Favoriten

Ein besonderer Blickpunkt in diesem Jahr war der Neuzugang Patrick Dollas. Mit seinem komödiantischen Talent und einer Elvis-Tanzeinlage zog er die Aufmerksamkeit auf sich. Ob als „Bundesadler, der auspackt“ oder in anderen Rollen – Dollas zeigte, dass er das Ensemble bereichert.
Neben ihm sorgten altbewährte Charaktere wie Martin Kaysh als charmant-ironischer „Steiger“, Sandra Schmitz als prollige Ruhrpott-Mama oder Silvia Holzhäuser als überkorrekte Frau vom Ordnungsamt für die gewohnt humorvolle Stimmung. Ein schmerzhafter Verlust war jedoch die Abwesenheit des langjährigen „Präsi“ Roman Henri Marczewski aus gesundheitlichen Gründen, dem das Publikum Genesungswünsche schickte.

Fantasievolle Inszenierung mit regionalem Flair

Wie jedes Jahr präsentierte der Geierabend eine neue Partnerstadt. 2025 fiel die Wahl auf Datteln, die als „Stadt der Wasserstraßen“ in einem augenzwinkernden Musical gewürdigt wurde. Neben der fantasievollen Kostümgestaltung und den beeindruckenden Choreografien trugen diese regionalen Anspielungen dazu bei, den typischen Ruhrgebiets-Charme des Programms zu bewahren.
Eine Besonderheit bleibt die Verleihung des „Pannekopp-Ordens“, für den das Publikum abstimmen darf. Nominiert sind 2025 Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des BVB, wegen seines Sponsoringvertrags mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall, und Prof. Ursula Gather, die mit ihrem umstrittenen Projekt „Kunst statt Kollegen“ Schlagzeilen machte. Bei der Premiere unterlag Watzke. Aber ob er am Ende doch die Nase vorn hat? Die weiteren Abstimmungen werden es zeigen.

Fazit: Der Geierabend bleibt Kult

Der Geierabend 2025 überzeugt mit einem scharfzüngigen, abwechslungsreichen Programm, das politischen Biss und musikalisches Können vereint. Die perfekte Balance aus Humor und Gesellschaftskritik macht die Show zu einem Muss für alle Freunde des alternativen Karnevals.
Weitere Aufführungstermine bis zum 04. März 2025 finden in der Zeche Zollern statt. Infos unter www.geierabend.de. Tickets sind bei allen Eventim-VVK-Stellen erhältlich.

Ein Musical über Datteln: (v.l.n.r.) Patrick Dollas, Silvia Holzhäuser, Angelo Enghausen Micaela und Sandra Schmitz. Foto: Anja Cord
Ein Musical über Datteln: (v.l.n.r.) Patrick Dollas, Silvia Holzhäuser, Angelo Enghausen Micaela und Sandra Schmitz. Foto: Anja Cord

 

Die Tücken der Selbstbedienungskasse. mit dem Ensemble des geierabends. (Foto: Anja Cords)
Die Tücken der Selbstbedienungskasse. mit dem Ensemble des geierabends. (Foto: Anja Cord)

 

Auch die Polizei in NRW muss sparen. (v.l.n.r.) Patrick Dollas und Silvia Holzhäuser. (Foto: Anja Cord)
Auch die Polizei in NRW muss sparen. (v.l.n.r.) Patrick Dollas und Silvia Holzhäuser. (Foto: Anja Cord)

 

Jessica Schmottke (Sandra Schmitz) durfte natürlich auch nicht fehlen. (Foto: Anja Cord)
Jessica Schmottke (Sandra Schmitz) durfte natürlich auch nicht fehlen. (Foto: Anja Cord)

 

Ebenfalls ein fester Bestandteil: Oppa (Angela Enghausen Micaela) und Nicki (Sandra Schmitz). Foto: Anja Cord
Ebenfalls ein fester Bestandteil: Oppa (Angela Enghausen Micaela) und Nicki (Sandra Schmitz). Foto: Anja Cord

 

Hat eine Stelle in Dortmund gefunden. Miss Liberty (Sandra Schmitz) flieht wieder vor Trump. (Foto: Anja Cord)
Hat eine Stelle in Dortmund gefunden. Miss Liberty (Sandra Schmitz) flieht wieder vor Trump. (Foto: Anja Cord)

 




Wiener Klassik aus habsburgischen Landen

Das zweite Konzert der Reihe Wiener Klassik der Dortmunder Philharmoniker stand am 16. Dezember 2024 unter dem Motto „Aus habsburgischen Landen“. Im Dortmunder Konzerthaus trat mit Nicolas Altstaedt einer der führenden Cellisten unserer Zeit auf. Der Sohn deutsch-französischer Eltern übernahm – wie im 18. Jahrhundert üblich – die Doppelrolle als Solist und Dirigent.

Altstaedt hatte ein Programm mit Werken von drei Komponisten zusammengestellt, die alle im damaligen Herrschaftsbereich der Habsburger geboren wurden.

Der Abend begann seelenvoll und virtuos mit dem Violoncellokonzert Nr. 1 in C-Dur, Hob. VIIb:1 von Joseph Haydn (1732–1809). Haydn, der Habsburger par excellence, war lange Zeit in den Diensten des Fürsten Esterházy in Eisenstadt tätig. Das anspruchsvolle Konzert für Solocello und Orchester begeistert mit rasanter Virtuosität und sensibler Ausdruckstiefe. Besonders hervorzuheben ist der zweite Satz, der durch seine seelenvolle Langsamkeit besticht.

Ein Abend voller Virtuosität und Ausdruckstiefe

Es folgten die „Vier transsilvanischen Tänze“ des in Transsylvanien (Siebenbürgen) geborenen Sándor Veress (1907–1992). Dieses Werk, entstanden während der schwierigen Kriegs- und Nachkriegszeit unter wechselnder Herrschaft, ist von der Volksmusik der Region geprägt. Der ausdrucksstarke erste Tanz beginnt ruhig, langsam und ergreifend. Der folgende Sprungtanz verbindet Volksmusik mit einer kunstvollen Form, unterlegt von einem gleichbleibenden Bass. Der dritte Tanz wirkt leicht und schwebend, während das Werk mit einem schweren Stampftanz endet. Trauer und Wehmut sowie der Wechsel zwischen langsamen und raschen Tempi prägen die gesamte Komposition.

Nicolas Altstaedt dirigierte und überzeugte als Solist. (Foto: (c) Marco Borggreve)
Nicolas Altstaedt dirigierte und überzeugte als Solist. (Foto: (c) Marco Borggreve)

Den Abschluss bildete die Sinfonie Nr. 7 in d-Moll, op. 70, von Antonín Dvořák (1844–1904). Dieses Werk des ungarischen Komponisten überraschte mit expressiver musikalischer Kraft, emotionalem Aufruhr und einer dramatischen Stimmung. Der erste Satz beginnt mit einem pessimistisch-brütenden, kreisenden Hauptthema. Der zweite Satz, gesanglich und wunderbar gestaltet, verdüstert sich im Verlauf. Der dritte Satz ist traditionell tänzerisch gehalten, wobei dieser Charakter auf eigenwillige Weise gebrochen wird. Der vierte Satz nähert sich in seiner Ausdruckshaltung dem Kopfsatz an und endet mit einer glanzvollen Coda.

Die Dortmunder Philharmoniker sowie der temperamentvolle Dirigent und Solist Nicolas Altstaedt konnten das Publikum mit ihrer Virtuosität und Ausdrucksstärke vollends begeistern.




A Musical Christmas – Eine Musicalgala voller Emotionen

Am 11. Dezember 2024 erlebte das Publikum im Opernhaus Dortmund einen besonderen vorweihnachtlichen Galaabend mit dem Titel „A Musical Christmas“, der unter der musikalischen Leitung von Stephan Kanyar stattfand. Die Bühne, festlich dekoriert mit zahlreichen Weihnachtsbäumen, bot die perfekte Kulisse für eine Mischung aus besinnlicher Atmosphäre und mitreißender Musicalpower.

Für den passenden musikalischen Rahmen sorgten die talentierten Bandmitglieder Julien Castanité (Gitarre), Bastian Ruppert (Gitarre/Keys), Stephan Schott (Drums) und Malte Winter (Bass). Im Zentrum des Abends standen jedoch die vier Musicalstars David Jacobs, Patricia Meeden (beide bekannt aus der Erfolgsproduktion RENT), Dominik Hees und Milica Jovanović, die mit ihren kraftvollen Stimmen und beeindruckenden Entertainer-Qualitäten das Publikum begeisterten.

Das abwechslungsreiche Programm bot eine gelungene Mischung aus traditionellen deutschen Weihnachtsliedern, humorvollen Santa-Claus-Songs und emotionsgeladenen Musicalhits, die Themen wie Liebe und Hoffnung aufgriffen.

Ein magischer Abend beim Musical Christmas

Besonders eindrucksvoll war der Moment, als Dominik Hees die Hymne „You’ll Never Walk Alone“ (Carousel) anstimmte und das Publikum ihn mit leuchtenden Handys begleitete – ein wahrer Gänsehautmoment. Die vier Künstler glänzten nicht nur bei ihren Soloauftritten, sondern harmonierten auch in Duetten und gemeinsamen Darbietungen perfekt miteinander. Die besondere Verbindung zwischen Dominik Hees und Milica Jovanović, die auch privat ein Paar sind, verlieh ihren gemeinsamen Auftritten zusätzliche Intensität und Authentizität.

A Musical Christmas“ bot eine gelungene Mischung aus vorweihnachtlicher Besinnlichkeit und mitreißender Bühnenkunst.
A Musical Christmas“ bot eine gelungene Mischung aus vorweihnachtlicher Besinnlichkeit und mitreißender Bühnenkunst.

„A Musical Christmas“ bot eine gelungene Mischung aus vorweihnachtlicher Besinnlichkeit und mitreißender Bühnenkunst. Das Publikum wurde auf eine emotionale Reise mitgenommen, die von berührenden Balladen bis zu energiegeladenen Musical-Hits reichte.

Den krönenden Abschluss bildete das gemeinsame Singen von „Stille Nacht“, das die Besucher in den festlich beleuchteten Dortmunder Stadttrubel entließ – ein Abend, der allen Musicalfans noch lange in Erinnerung bleiben wird.




Barocke musikalische Perlen des jungen Händel – Vox Luminis begeistert in Dortmund

Das renommierte Vokalensemble Vox Luminis aus Belgien stellte im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals Dortmund am 13. Dezember 2024 erneut seine außergewöhnliche Klasse unter Beweis. Im Reinoldihaus widmete sich das Ensemble drei Psalmvertonungen des jungen Georg Friedrich Händel (1685–1759), die zwischen 1705 und 1707 während seiner Italienreise entstanden. Diese barocken Meisterwerke, geprägt vom römischen Stil, zeugen von Händels beeindruckender vokaler und kontrapunktischer Kunstfertigkeit und enthalten zugleich Soloarien von besonderer Ausdruckskraft.

Den Auftakt bildete „Nisi Dominus“ (HWV 238), eine Komposition für Alt, Tenor, Bass, Chor und Streichorchester. In diesem Werk umrahmen zwei Chorsätze vier kurze Solosätze. Die klangliche Vielfalt von Vox Luminis, bestehend aus sieben Frauen- und acht Männerstimmen, bot eine ideale Grundlage für ein ausdrucksstarkes und facettenreiches Musikerlebnis. Chorleiter Lionel Meunier war dabei nicht nur als künstlerischer Leiter präsent, sondern auch als Bass-Solist zu hören.

Die instrumentale Begleitung, die wesentlich zur klanglichen Tiefe beitrug, umfasste zwei Violinen, zwei Violen, Violoncello, Kontrabass, zwei Oboen, zwei Fagotte, ein Cembalo und eine Orgel. Besonders hervorgehoben wurde die Orgel durch ein Zwischenspiel des Organisten Anthony Romaniuk, der ein Konzert für Orgel und Klavier mit fünf Sätzen meisterhaft darbot.

Vox Luminis überzeugte erneut mit Musik des jungen Händel. (Foto: (c) Fiona Bischof)
Vox Luminis überzeugte erneut mit Musik des jungen Händel. (Foto: (c) Fiona Bischof)

„Laudate Pueri“ und „Dixit Dominus“ – Höhepunkte im Programm von Vox Luminis

Nach „Nisi Dominus“ folgte Händels „Laudate Pueri“, dessen ursprüngliche Fassung er bereits in seiner Hamburger Zeit komponiert hatte. Die spätere Überarbeitung für eine größere Besetzung und einen fünfstimmigen Chor besticht durch überraschend „weltliche Züge“. Besonders beeindruckend war der Solo-Sopran von Perrine Devillers, die die anspruchsvollen Koloraturen des ersten Satzes mit beeindruckender Präzision und Leichtigkeit meisterte.

Nach einer Pause stand mit „Dixit Dominus“ das wohl bekannteste und monumentalste Werk des Abends auf dem Programm. Diese Psalmvertonung stellt eine große Herausforderung dar, sowohl für Sänger als auch Instrumentalisten, da sie ein Höchstmaß an Präzision, Vielseitigkeit, Ausdruckskraft und Energie erfordert. Doch Vox Luminis zeigte sich dieser Aufgabe mehr als gewachsen. Das Ensemble, unterstützt von seinen virtuosen Instrumentalisten, verschmolz zu einer beeindruckenden Einheit, die das Publikum mit ihrer Leidenschaft und Hingabe für die „Alte Musik“ begeisterte.

Ein Abend voller barocker Klangpracht, bei dem Vox Luminis nicht nur die Werke des jungen Händel zum Leuchten brachte, sondern auch eindrucksvoll zeigte, warum es zu den führenden Ensembles für historische Aufführungspraxis zählt.

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Die Pottrosen: Frecher Ruhrpott-Charme auf der Bühne

Die „Geschwister im Geiste“, Franziska Mense-Moritz (Kabarettistin, Sängerin, Schauspielerin) und Susan Kent (Parodistin, Sängerin, Schauspielerin, Entertainerin), gastierten am 08.12.2024 als die „Pottrosen“ mit ihrem Programm „Leise schnieselt das Reh“ im Dortmunder „Raum 17“ (Mönchengang 9).

Dass die beiden Künstlerinnen schon lange und mit viel Freude zusammenarbeiten, ist für das Publikum spürbar. Bei diesem Weihnachtsspezial sorgten sie bereits mit ihrem glanzvollen Auftakt – roten Glitzeroutfits und Fächern – für die passende optische Strahlkraft.

Franziska Mense-Moritz  und Susan Kent sind "Die Pottrosen". (Foto: (C) theatervolk)
Franziska Mense-Moritz und Susan Kent sind „Die Pottrosen“. (Foto: (C) theatervolk)

Ihr Programm ist eine spritzige Mischung aus Parodie, witzigen Gesangsnummern mit umgetexteten Songs, kleinen Spielszenen und viel frecher Ruhrpott-Schnauze. Besonders Susan Kent überzeugte mit ihrer Wandelbarkeit: So schlüpfte sie etwa mit charmantem Sächsisch in die Rolle einer Frau aus Leipzig, die sich extravagante Geschenke von „Santa-Clausi“ wünscht. Ihre Heidi-Klum-Parodie zeigte einmal mehr ihr parodistisches Talent. Franziska Mense-Moritz glänzte dagegen in ihrer Paraderolle als Frau im Morgenmantel mit Zigarette („Wo ich bin, is Raucherecke“) – ein Charakter, der stets für Lacher sorgt.

 

Zwischen Blödeleien und kritischen Tönen

Doch die „Pottrosen“ beschränkten sich nicht nur auf humorvolle Blödeleien. Ernste Themen wie Klimawandel, Rechtsextremismus, Hasskommentare im Netz und ihre Folgen oder das bigotte Verhalten der katholischen Kirche (Stichwort: Missbrauchsskandale) wurden kabarettistisch-ironisch aufgegriffen. Diese gelungene Balance zwischen Unterhaltung und Tiefgang macht das Duo besonders.

Dabei wird alles mit einer gehörigen Portion deftigem Ruhrpott-Charme serviert, wie man ihn heutzutage nur noch selten hört. Gerade dieser unverwechselbare Stil sorgt für den besonderen Reiz ihrer Auftritte. Mit ihren beeindruckenden Stimmen, ihrem gemeinsamen Sinn für Humor und einer geballten Portion Frauenpower ergänzen sich die beiden Künstlerinnen perfekt.

Fazit: Es bleibt zu hoffen, dass uns dieses kongeniale Comedy-Duo, die „Pottrosen“, noch lange erhalten bleibt – denn sie sind ein echtes Highlight der Ruhrpott-Comedy!