Torhaus Rombergpark bietet Einblicke in städtischen Kunsteinkauf

Schon seit 2004 zeigt die Städtische Galerie Torhaus Rombergpark in seinem besonderen Ambiente in jedem Jahr die vom Kulturbüro der Stadt Dortmund angekauften Werke heimischer Künstlerinnen und Künstler. Für den Neuankauf werden jährlich die im Budget des Kulturbüros vorhandenen Mittel in Höhe von 25.000 Euro ausgegeben. Eine spezielle Kommission des Kulturausschusses wählt Werke aufs neue im Rahmen einer Ankaufssitzung aus und beschließt dann endgültig über den Ankauf. Es ist eine zentrale Maßnahme zur Kunstförderung hier in Dortmund.

38 Werke von 19 Künstlerinnen und Künstlern sind zu bewundern. Nicht nur Gemälde...
38 Werke von 19 Künstlerinnen und Künstlern sind zu bewundern. Nicht nur Gemälde…

Alle angekauften Werke des Kunsteinkaufs 2017 werden nun unter dem Titel „einblicke – städtischer Kunstankauf“ im Torhaus dem Publikum vom Sonntag, dem 14.01.2018 bis zum 04.02.2018 gezeigt. Es sind insgesamt 38 Werke (davon vier Skulpturen) von 29 Künstler/innen. Von 9 Künstlern wurden jeweils 2 Werke ausgewählt. 19 Künstlerinnen und 10 Künstler wurden dabei berücksichtigt.

Zum 1. Mal wurden die Werke von fünf Künstlern ausgewählt: Kamilla Czastka, Peter Dahmen, Franz Ott sowie Osman Xani und Rika Pütthoff-Glinka.

Die gezeigten Werke sind eine Momentaufnahme und zeigen die Vielfalt unserer städtischen Kunstszene, wie Katrin Gellermann vom Kulturbüro erklärte.

Die ausgestellten Bilder auf Leinwand oder Skulpturen wie etwa der vergoldete Holzsockel unter dem Titel „Ruhr“ von Virginia Novarin geben einen guten Überblick über augenblicklichen Stand in der Dortmunder Kunstszene. Neben ihrer Eigenständigkeit bieten sie auch Ansatzpunkte für Gemeinsamkeiten.

...sondern auch Skulpturen zeigen die Lebendigkeit der Dortmunder Kunstszene.
…sondern auch Skulpturen zeigen die Lebendigkeit der Dortmunder Kunstszene.

Die Ausstellung wird am Sonntag, den 14. Januar 2018 um 11:00 Uhr in der Städtischen Galerie Dortmund – Torhaus Rombergpark – eröffnet.

Öffnungszeiten:

dienstags bis samstags von 14:00-18:00 Uhr

sonntags und feiertags von 10:00-18:00 Uhr

Der Eintritt ist frei




Was macht „fit for future? – Ein Klassenzimmerstück

Das Dortmunder Kinder-und Jugendtheater (KJT) bringt am 12.01.2018 um 19:00 Uhr mit der Premiere von fit for future (Fit für die Zukunft) unter der Regie von Christina Keilmann ein neues Klassenzimmerstück auf den Weg. Das bedeutet, dass Stück wird nicht nur im KJT gezeigt, sondern kann auch von Schulklassen (ab Klasse 9) gebucht werden. Theaterpädagoge Knut Winkmann hat fit for future entwickelt. Das Thema betrifft nicht nur Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren in der Berufsfindungsphase. Denn Leistungs- und Optimierungsdruck begleiten uns gerade in der modernen, schnelllebigen Welt durch das Leben.

Zum Stück verriet die Regisseurin: Frau Millberg (Bianka Lammert) ist viel unterwegs, um im Auftrag der ZIZ – das Zukunftsinformations-Zentrum – Schüler in Fragen der Berufs- und Lebensplanung zu beraten. Es geht um fundierte, klar geplante Gestaltung der persönlichen Zukunft sowie um Motivation und Selbstoptimierung. Eine Persönlichkeitsanalyse soll da als Grundlage dienen. Der Besuch in der Klasse verläuft aber nicht ganz nach Plan. Ihr Kollege mit den Eignungs- und Persönlichkeitstest kommt leider nicht und sie erzählt von den ungleichen Schwestern Lena und Jojo mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen. Lena geht stringent und mit ständigem Streben nach Perfektion in ihrem beruflichen Weg voran, bis ein Burn-out sie ausbremst. Schwester Jojo geht nicht den geraden Weg und findet letztendlich ihr Glück und Bestimmung als Köchin.

Die schwere Frage des Lebens: Was willst du werden? Welchen Weg sollst du gehen? Frau Millberg (Bianka Lammert) erzählt die Geschichte zweier Schwestern. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die schwere Frage des Lebens: Was willst du werden? Welchen Weg sollst du gehen? Frau Millberg (Bianka Lammert) erzählt die Geschichte zweier Schwestern. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das Stück kann als eine Art Appell dafür gesehen werden, trotz der vielfältigen Beeinflussung durch die Umwelt und wirtschaftlichen Zwängen seinen eigenen Weg zu gehen und auf sein Herz zu hören. Es stellen sich Fragen wie: Worauf kommt es an? Wer hindert dich daran, du selbst zu sein?

Karten und Infos über Vorstellungstermine erhalten Sie unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222.

Mobile Buchungen für Schulklassen unter: awendelstigh@theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 28 773




Freude über Spielstättenprogrammprämie im Jazzclub domicil

Grund zum Feiern gab es am 08.01.2018 im Jazzclub domicil. Acht Spielstätten, die sich in besonderer Weise für den Nachwuchs in Jazz, Rock und Pop geöffnet haben und ihnen ein Forum geboten haben.

In einem feierlichen Rahmen erhielten sie je eine Prämie von 5.000 Euro und eine Urkunde von Staatssekretär Klaus Kaiser überreicht. Einer der glücklichen prämierten war das Dortmunder domicil.

(Fast) alle Gewinner der Spielstättenprogrammprämie auf einem Bild.
Treffpunkt domicil: (Fast) alle Gewinner der Spielstättenprogrammprämie auf einem Bild.

Durch die Feier führte als Moderator Robert von Zahn (Generalsekretär des Landesmusikrats NRW). Musikalisch begleitet wurde das Programm von den Musikerinnen Christina Fuchs und Annette Maye mit Klarinette und Saxophon.Sie unterhielten die Anwesenden mit orientalisch geprägten Klängen. Beide waren auch Mitglieder der Auswahl-Jury gewesen.

Nach einem Grußwort vom Leiter des domicil, Waldo Riedl, betonte der Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft (NRW) die Bedeutung gerade der kleinen und mittleren Foren für musikalische Innovation und den Nachwuchs im Bereich Jazz und Pop. Sie seien ein gutes Sprungbrett für diese Bands und würden ihre Strahlkraft über ihren heimatlichen Bereich hinaus fördern.

Applaus bekam Kaiser für seine Ankündigung, dass die neue Landesregierung in NRW den Kulturhaushalt in den nächsten fünf Jahren mit einer jährlichen Steigerung von 20 Millionen von 200 auf 300 Millionen aufstocken will. Ein Beleg dafür, dass auch die neue CDU/FDP Landesregierung der Kultur eine besondere Bedeutung zu misst.

Die Auszeichnungen wurden vom Landesmusikrat initiiert und vom Ministerium Kultur und Wissenschaft finanziert.

Die prämierten Spielstätten waren neben dem Dortmunder „domicil“ das Loft/2nd Floor (Köln), das ZAKK (Düsseldorf), der Bunker Ulmenwall (Bielefeld), die Jazzschmiede (Düsseldorf), das Werstatt Café Treff (Witten), der ort/Peter Kowald Gesellschaft e.V. (Wuppertal) und In Situ Art Society e.V. (Bonn).




Kunst von Anette Göke im Kontext von Verlust der Vielfalt

Die Artothek in der Stadt-und Landesbibliothek Dortmund stellt vom 05.01.2018 bis zum 16.02.2018 fünfzehn Acryl- und Rostbilder unter dem Titel „Verlust…der Vielfalt“ von Anette Göke aus. Göke (Jahrgang 1970) arbeitet seit 2002 als selbständige Künstlerin. Zur Zeit hat sie nicht nur ein Atelier im Atelierhaus „KunstDOmäne“ an der Schillerstraße in unserer Stadt, sondern arbeitet zudem mit Kindern und Jugendlichen sowie in letzter Zeit auch mit Senioren.

Außerdem leitet sie dadaistische Veranstaltungen mit Ortmann und Gawol (Dadado 100, DADADO-Absind). In den zwölf Jahren entstanden die Bilder aus ihrer „Menschen“ Reihe.

Zunächst verarbeite sie künstlerisch erzählte Familiengeschichten in ihren Bildern. Dann wurden, wie Anette Göke beim Pressegespräch erklärte, komplexe Konstellationen innerhalb von Beziehungen in ihren Bildern dargestellt. Ihre eigene Familie wird von ihr nicht ausgespart.

"Verlust" heißt die Arbeit von Anette Göke. Zu sehen in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek.
„Verlust“ heißt die Arbeit von Anette Göke. Zu sehen in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek.

Ihre Acrylbilder zeichnen sich sowohl durch ihre Farbvielfalt, als auch durch die nur stilisierten Figuren aus. Bewusst malt die Künstlerin keine konkreten Personen. Es geht darum, dass sich die Betrachter darin wiederfinden können. Dabei gibt es viel zu entdecken. Brüche und veränderte Konstellationen in den Bildern regen zum Nachdenken an. Die Menschen-Bilderreihe beschäftigt sich mit dem Wandel in der Gesellschaft. Die Vielfalt ist durch falsches Menschliches bedroht. Unsere „bunte“ Welt in als Wertvoll zu erkennen und zu schützen, ist ein wichtiges Anliegen der Künstlerin. „Das betrifft die kulturelle Vielfalt genau so wie die Tier- und Artenvielfalt,“ so Anette Göke.

Die Verwendung von Rost für ihre Arbeiten symbolisiert prägnant den stetigen drohenden Verfall und Verlust. An dem runden stilisierten Bild unserer Erdkugel mit dem Titel „Verlust“ kann man diesen Verfall anhand von verlaufendem Rost deutlich sehen. Dieser tritt durch tägliche Veränderung stärker hervor. Göke hat den Prozess in diesem Fall bewusst nicht durch eine schützenden Lackfilm aufgehalten.

Die Ausstellung ist ein Plädoyer für Achtsamkeit gegenüber Umwelt, Tierarten und unseren Mitmenschen und für einer positive Grundeinstellung.




Galerie Dieter Fischer: Fotografische Lichträume und Objekte voll Magie

In der Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund ist als Start in das neue Jahr vom 05.01.2018 bis zum 21.01.2018 die Ausstellung „Licht – Luft – Raum“ zu sehen. Gezeigt werden 14 vergrößerte Fotografien (Schwarz-Weiß) von Steffi Ebeling (Witten, Iserlohn) sowie 16 kleinere Malereien und 12 fantasievolle, frei schwebende „Luftobjekte“ des Künstlers Karl-Georg Krafft (Hagener Kulturring e.V.).

Nach dem Studium der Sozialwissenschaften in Bochum folgte die 1978 geborene Steffi Ebeling ab 2003 ihrer schon in der Kindheit angelegten Liebe zur Fotografie. Mit ihrer ersten digitalen Spiegelreflexkamera suchte sie das Schöne im Verborgenen einzufangen. Vor allem die alten Zechen wie etwa die „Zeche Zollern“ und andere Orte der Industriekultur haben es ihr mit ihrer besonderen Atmosphäre angetan. Die Bilder aus der Reihe „LichtRäume“ entstanden zwischen 2003 und 2004.

Die Künstlerin versucht in ihren Fotografien Licht in seinen verschiedenen Facetten festzuhalten. Die Rahmenbedingungen werden dabei durch die Räume bestimmt. Es ist ein spannendes Zusammenspiel von Lichteinfall, Muster und Linien. Die Betrachter werden sozusagen in einen magischen Raum „rein gezogen“, wie Ebeling beim Pressegespräch erklärte.

Steffi Ebeling und Karl-Georg Krafft präsentieren Objekte und Fotografien in der Galerie Dieter Fischer.
Steffi Ebeling und Karl-Georg Krafft präsentieren Objekte und Fotografien in der Galerie Dieter Fischer.

Die fantasievollen „Flugmaschinen“, verdrahtete von der Decke hängende und frei schwebenden Objekte aus transparentem Japanpapier sowie den kleinen Bildern zwischen Traum und Realität von Karl-Georg Krafft passen wunderbar zu den eindrucksvollen Fotografien. Krafft bezeichnet seine Bilder als „Traumreste“. Zu vergleichen mit den Bildern, die wir kurz nach dem Erwachen aus einem Traum vor uns sehen.

Seine schwebenden Objekte wirken durch ihre Transparenz fragil. Es sind neben tierischen auch andere Strukturen zu erkennen. Alle Objekte sind beweglich und sind den verschiedenen Einflüssen von außen ausgesetzt. Das verändert auch unsere Perspektive und führt den Blick hin zu geheimnisvollen unwirklichen Welten.

Eine Ausstellung, die der Fantasie Flügel verleiht und uns den ganz eigenen geheimnisvolle Reiz unserer regionalen Industrie-Denkmäler vor Augen führt.

Die Vernissage mit passenden Texten von Klaus Märkert und Musik von Siegfried Hiltmann (Saxophone) findet am Freitag, den 05.01.2018 um 19:00 Uhr in der Galerie Dieter Fischer im Depot, Immermannstr. 29, 44147 Dortmund statt.

Finissage; Sonntag, den 21.01.2018 von 17:00 bis 19:00 Uhr in der Galerie Dieter Fischer.

Öffnungszeiten: donnerstags von 17:00 bis 20:00 Uhr und nach Vereinbarung unter 0171 264 7972 (Kurator Hartmut Gloger).

Informationen unter info@gloger-kunst.de oder unter www.galereie-dieter-fischer.de




Ode an die Freude – bewegender Einstieg in das Jahr 2018

In den unruhigen und unsicheren Zeiten wissen wir natürlich nicht, was das Jahr 2018 uns bringen wird. Musik hat auf alle Fälle eine besondere Bedeutung in unserem Leben. Was passt in den Zeiten von Brexit und weiteren politischen Wirrnissen besser als die 9. Sinfonie von Beethoven. Nicht irgendein Land „first“, sondern „alle Menschen werden Brüder“
Ein bewegendes und intensive Erlebnis hatte das Publikum beim Neujahrskonzert 2018 der Dortmunder Philharmoniker unter der einfühlsam-temperamentvollen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz im Opernhaus Dortmund (01.01. und 02.01.2018). Ars tremonia war am 02.01.2018 mit dabei.

Auf dem Programm stand nichts geringeres als Ludwig van Beethovens (1770-1827) 9. Sinfonie d-Moll op. 125 (Ode an die Freude). Drei Jahre vor seinem Tod hatte Beethoven dieses epochale Werk als Vertonung von Friedrich Schillers Gedicht „An die Freude“ fertig gestellt. Seit 1972 ist das bekannte Finale die Hymne Europas.Die Einbeziehung eines großen Chores in die Sinfonie war damals einmalig.

Mit bewegender und emotionaler Musik ging es ins Jahr 2018. (Foto: © Anneliese Schürer)
Mit bewegender und emotionaler Musik ging es ins Jahr 2018. (Foto: © Anneliese Schürer)

Bei diesem Neujahrskonzert waren gleich drei Dortmunder Chöre mit ihren guten Stimmen beteiligt. Der Opernchor des Theater Dortmund (Leitung: Manuel Pujol), der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund (Leitung: Felix Heitmann) und der Sinfonische Chor der Chorakademie Dortmund (Leitung: Joachim Gerbes).
Daneben werden im finalen vierten Satz auch noch vier Gesangssolisten zur Unterstützung eingesetzt. Dabei waren die hochkarätigen Sängerinnen Akiho Tsujii (Sopran) und Ileana Mateescu (Alt) sowie die Sänger Sangmin Lee (Bass) und Tenor Joshua Whitener.
Der unvermittelt mit einer offenen Quinte beginnende 1. Satz, bei der die Tonart, ob Dur oder Moll, zunächst nicht zu erkennen ist. Im Laufe der vier Sätze finden häufige Tempowechsel in der Musik statt. Sanfte melodisch und zerbrechlich Töne einerseits, dann wieder zunehmende heftige Steigerungen bis zum Paukenschlag, die seinen grandiosen Höhepunkt am Ende im strahlenden D-Dur Finale findet.
Im zweiten Satz klingen schon versteckt Fragmente von „Freude schöner Götterfunken…“ an. Die Streicher und Blasinstrumente überzeugten im Zusammenspiel oder als Einzel-Gruppen mit viel Feingefühl.
Der vierte und finale Satz war geprägt durch die starken Stimmen der vier Sänger auf der Bühne und dem kraftvollen Chor-Einsatz.
Das begeisterte Publikum wurde mit dem Radetzky-Marsch (Johann Strauss) belohnt und zum Sektempfang entlassen.




Geierabend 2018 – Schluss mit der Kohle

Die neue Geierabend-Session wurde am Donnerstag, den 28.12.017 unter dem Motto „Bye Bye Bottrop“ auf der „Zeche Zollern“ mit viel Vorfreude und Engagement unter der Regie von Günter Rückert eröffnet. Der Titel nimmt Bezug darauf, dass mit Prosper-Haniel in Bottrop 2018 die letzte Zeche im „Pott“ schließt. Kein Grund um zu Jammern. Die Kohle geht, aber die Haltung bleibt! Aus gegebenem Anlass ernannte die „Geier“ Bottrop für das nächste Jahr zu ihrer Partnerstadt (wir berichteten im Vorfeld).

Das bewährte Team mit dem skurrilen „Präsident“ (Roman Henri Marczewski), Martin Kaysh als „Steiger“ und den andern Ensemble-Mitgliedern legte sich mit musikalischer Unterstützung durch die wie immer starken „Geierabend“-Band mächtig ins Zeug.

Es ging gleich humorvoll los mit zwei nicht wirklich glücklichen „Brautjungfern“. Franziska Mense-Moritz und Sandra Schmitz, die beiden Damen im Team, konnten hier neben ihrem komödiantischem Talent auch schon ihr gesangliches Können beweisen. Eine ganz starke Nummer gleich zu Beginn. Ein großes Lob an Franziska Mense-Moritz. Sie war trotz gebrochenem Wadenbein am Premierenabend äußert aktiv in verschiedenen Rollen.

Neben ein paar typisch karnevalistischen Nummern wie etwa die Mitsing-Nummer der „Hossa Boys“ (Henri Marczewski und Martin F. Risse) wurden der Geierabend seinem Anspruch als alternative anarchistische Variante des Kölner Karnevals mit der satirischen Behandlung aktueller politischer Themen gerecht.

Der verzweifelte Bundesadler (Sandra Schmitz) im Dialog mit Kanzlerin Merkel (Franziska Menze-Moritz). (Foto: © StandOut)
Der verzweifelte Bundesadler (Sandra Schmitz) im Dialog mit Kanzlerin Merkel (Franziska Menze-Moritz). (Foto: © StandOut)

Und da gab es 2017 in Dortmund reichlich Material. Da ging es etwa um die „Entscheidungsfindung“ türkisch-stämmiger MitbürgerInnen in unserer Stadt zum „Referendum“ in der Türkei mit ihren Auswirkungen auf die Familie. Die Räumung des Hannibal-Hochhauses oder „die verschwundene Kunst“ in Dortmund wurden mit einem ironischem Augenzwinkern aufs Korn genommen.

Der Klimawandel wurde mit seinen Auswirkungen von Franziska Mense-Moritz im goldenen Lady-Liberty Glitzerkleid und dem „Bananen in Bottrop“-Song vor Augen geführt.

Die behandelten Themen waren aber auch globaler Natur. Der „Diesel-Skandal“, der brodelnde Konfliktherd USA (Trump)/ Nordkorea (Kim Jong Un), Schwierigkeiten im Bildungssystem sowie ironische Anspielungen auf soziale und demografische Probleme ( die bekannten AWO-Oppas -Hans-Martin Eickmann, Martin Kaysh) fehlten nicht.

Der Steiger würzte den Abend mit einigen feinen ironisch-politischen Anspielungen. Er hatte dieses Mal eine digitale Assistentin mit dabei: Alexa. Alexa war vor der Pause etwas zickig, vielleicht hatte sie auch nur etwas Lampenfieber. Bei den nächsten Vorstellungen können die Besucher gespannt sein.

Einer der Höhepunkte war für mich unter anderem der Auftritt von Sandra Schmitz als ein durch Angela Merkels „Verschleiß“ an Koalitionspartner und anderer Schwierigkeiten arg zerfledderter „Bundesadler“. Wer konnte es dem „Adler“ da übel nehmen, wenn er einen Schluck „Bommerlunder“ zu viel in sich hinein kippte. Als Sahnehäubchen sang dann auch noch Mense-Moritz als Angela Merkel „Eisgekühlter Bommerlunder“ von den Toten Hosen.

Für den „Pannekopp des Jahres“ wurde als Kandidat 1: NRW Ministerpräsident Armin Laschet als Herr der Ringe (Olympia ins Ruhrgebiet) und als Kandidat 2. lit.COLOGNE für die Alphabetisierung des Ruhrgebiets vorgeschlagen.

Darüber wird bei jeder Geierabend-Vorstellung abgestimmt und am Ende der „Sieger“ bekannt gegeben. Dieser erhält den 28 Kilogramm schweren Pannekopp – Orden aus altem Stahl am Ende der Session überreicht. Bei der Premiere entschied sich das Publikum mehrheitlich für Armin Laschet.

Traditionell fehlen durfte selbstverständlich nicht die „Zwei vonne Südtribüne“ mit „Der DFB und die Erdlaufbahn“. Sie nahmen gewohnt prollig und durch Bierkonsum angeregten „philosophischen Überlegungen“ zur Kommerzialisierung im Fußball und der Unsinnigen Verteilung der Bundesliga-Spiele auf immer mehr Tage. Ein wenig Wehmut war dabei. Hans-Martin Eickmann tritt in seiner letzten Session als „Immi“ auf. Im Jahr 2019 wird es das „Duo von der Südtribühne“ dann so nicht mehr geben. Regisseur Günter Rückert nimmt als Regisseur ebenfalls Abschied.

Auch wenn im Ruhrgebiet 2018 nicht mehr Kohle abgebaut wird, eines bleibt bestehen: Der Geierabend ist eine gelungene Mischung aus Comedy und politischer Satire mit vielen guten Songs, einem wunderbaren Ensemble und klasse Band. Alle zusammen sorgten für einen unterhaltsam-nachdenklichen Abend mit der obligatorischen „Dortmund-Hymne“ nach der Musik von „Down-Town“.

Weiter Termine und Informationen erhalten Sie unter www.geierabend.de




Tschechows Kirschgarten – Tragikomödie in unruhiger Umbruchzeit

Als großes Ensemblestück hat Anton Tschechows (1860 – 1904) Komödie „Der Kirschgarten“ am Freitag, den 29. Dezember 2017 unter der Regie von Sascha Hawemann Premiere im Studio des Dortmunder Schauspielhauses.

Er inszeniert das Stück als gesellschaftspolitisches „Gruppenbild“ mit zehn Schauspielern ganz nah am Publikum. Ein Kaleidoskop verschiedener Charaktere. Alles, vom intellektuellen Revolutionär und Träumern jeglicher Art bis hin zur pragmatisch Adoptivtochter wird zu einer Art Salon mit Guckloch-Perspektive. „Es geht hier nicht um die einzelnen Protagonisten, sondern um die Gruppe in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang,“ so der Regisseur.

Zum Stück: Die Gutsbesitzerin Ljubow Ranjewskaja kehrt nach fünfjähriger Abwesenheit in Paris nach tragischem Verlust von Sohn und Mann heim nach Russland. Der idyllische Kirschgarten steht symbolisch für „ die guten alten Zeiten“, Ort der Ruhe und Zuflucht. Die Wiedersehensfreude mit der Familie wird durch die drückende Schuldenlast getrübt. Jeder geht mit der Situation unterschiedlich um. Mit Verdrängung und einem starken Wunsch nach Festhalten am Bestehenden stellt sich die Gutsbesitzerin gegen den Vorschlag des Kaufmanns und ehemaligen Leibeigenen Lopachin. Repräsentant der neuen Zeit und Macht des Geldes sieht nur einen Ausweg: Den schönen, aber nutzlos gewordenen Kirschgarten abholzen und kleinteilig verpachten. Schließlich verliert sie alles und muss mit ihrer Familie das Gut verlassen. Den Untergang einer Welt, die es so schon längst nicht mehr gibt, kann sie nicht verhindern. Nur der alte Diener Firs, der die Zeit der Leibeigenschaft symbolisiert, wird aus Versehen eingeschlossen…

Das Ensemble bei der Probe zum "Kirschgarten". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble bei der Probe zum „Kirschgarten“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das Stück entstand 1904 im vor revolutionärem Russland, einer Zeit des großem Umbruchs. Dem Schriftsteller Tschechow als Arzt und Naturwissenschaftler lag es nicht, sentimental und verklärend an der sogenannten „guten alten Zeit“ zu hängen.

Diese Tragikomödie hat in unser gegenwärtigen Zeit voller Verunsicherung, Ängsten, Verlust von Identität und rasanter globaler Veränderungen nichts an Aktualität verloren.

Musikalisch begleitet wird der Abend atmosphärisch live im Studio von Alexander Xell Dafov.

Die Premiere am 29.12.2017 um 20:00 Uhr ist schon ausverkauft.

Informationen über weitere Aufführungstermine erhalten Sie unter www.theaterdo.de




Ingrid Lacher – Kontrastreiche Naturimpressionen im Kunstbonbon

Das Kunstbonbon in der Chemnitzer Str. 11 in Dortmund zeigt unter dem Titel „Klatschnass und Knochentrocken“ vom 06.01.2018 bis zu 03.02.2018 in ihrer kleinen, aber feinen Örtlichkeit Bilder, Fotografien und Objekte der Designerin Ingrid Lacher.

Die 1962 in Rhaden geborene Künstlerin hat an der Fachhochschule in Dortmund erfolgreich (Foto-) Design studiert. Seit 1989 ist sie freiberuflich tätig.

Inspiration findet sie hauptsächlich in der Natur, dessen Schönheit und Bedeutung sie als Lebensgrundlage in jeder Form in ihrer neuen Ausstellung verdeutlicht.

Kontrastreich zeigt Ingrid Lacher in ihren Werken die Folgen von „zu viel Wasser“ bei Überschwemmungen mit effektvollen Spiegelungen, aber auch die und Fotos von ausgetrockneten Landschaften.

Mit ihren Objekten fügt sie auch noch eine weitere Kontrast-Ebene hinzu. So wenn etwa feine abgestorbene Blätter auf raues altes Leinen ihrer Großmutter. Der große Kontrast zwischen dem filigran leicht goldig schimmernden Blattfragmenten und starken, rauen Leinen veranschaulicht dessen Schönheit nur um so mehr.

Außerdem sammelt Ingrid Lacher auch Pflanzenteile und „macht sie ein“. Das „Einmachen“ hatte für unsere Eltern und Großeltern als Vorratshaltung gerade im Winter einen hohen Stellenwert. Die Objekte sind ein sichtbares Zeichen für die Bedeutung von Pflanzen und Natur für das Klima, sondern auch als wichtiger Teil der Nahrungskette.

"Ruhrglasdiestel" von Ingrid Lacher (Foto: © Ingrid Lacher)
„Ruhrglasdiestel“ von Ingrid Lacher (Foto: © Ingrid Lacher)

Einen ganz besonderen Blick auf die Schönheit der Natur und ihren Wert als Lebensgrundlage bietet dieses Ausstellung den Besuchern.

Die Vernissage im Kunstbonbon ist am 06. Januar 2018 um 15:00 Uhr.

Öffnungszeiten: Dienstags 13:00 bis 18:00 Uhr, freitags 15:00 bis 20:00 Uhr und samstags von 12:00 bis 15:00 Uhr.




Im Teufelskreis der Brandstifter

Nach fast zwei Jahren konnte das Schauspiel Dortmund endlich die Spielzeit 2017/2018 mit der Premiere von „Biedermann und die Brandstifter / Fahrenheit 451“ wieder an alter Wirkungsstätte am Hiltropwall eröffnen. Aber nicht traditionell unter der Regie des Intendanten Kay Voges, sondern dieser „Doppelpack“ wurde mit einer modernen Inszenierung von Gordon Kämmerer geschnürt.

Drei Personen aus der „Fahrenheit 451“ ( von Ray Bradbury) stehen auf der Bühne. Clarisse McClellan (Bettina Lieder), Mildred Montag (Merle Wasmuth) und Feuerwehrmann Guy Montag (Uwe Schmieder). Sie werden mit der Hebebühne nach oben transportiert. Eine erste Verbindung zu dem folgenen Drama „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch.

Familie Biedermann beim gemeinsamen fröhlichen Essen (v.l.n.r.) Ekkehard Freye, Frauke Becker und Alexandra Sinelnikova. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Familie Biedermann beim gemeinsamen fröhlichen Essen (v.l.n.r.) Ekkehard Freye, Frauke Becker und
Alexandra Sinelnikova. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Diese Aussage begründete Karl Popper in seinem Buch „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“. Max Frisch exerziert dies in „Biedermann und die Brandstifter“ durch. Bühnenbildner Matthias Koch präsentiert eine mintfarbene, sterile Behausung der Familie von Gottlieb Biedermann (Ekkehard Freye). Das einzige „kuschelige“ Element ist ein riesiger Plüschbär, an dem sich die verstört wirkende Tochter Anna (Frauke Becker) vertrauen und Wärme suchend klammert, die sie in der „Keimzelle der Gesellschaft“, ihrer Familie, nicht findet. Seine Frau Babette (Alexandra Sinelnikova) ist scheinbar lebensmüde.

Der Regisseur benutzt ähnlich wie Kay Voges beim „Goldenen Zeitalter“ das Stilmittel ständiger Wiederholungen (Loops) immer alltäglichen Leben. Roboterhaft mechanisch bewegen sich die drei Schauspieler ohne zu sprechen. In das Geschehen platzt der angeblich Obdachlose – in schwarz gekleidete Ringer – Josef Schmitz (Björn Gabriel) und später sein Freund Wilhelm Maria Eisenring (Max Thommes). Familie Biedermann bietet ihnen trotz unguter Gefühle eine Unterkunft auf dem Dachboden. Trotz anfänglich markiger Worte wird Gottlieb immer mehr zu einem „Versteher“ und lässt noch jede fadenscheinige Ausrede gelten. Denn „die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand,“ so Schmitz. Obwohl genügend Warnungen (Sprechchor) herausgegeben werden.

Am Ende siegt die Intoleranz und Biedermann bezahlt seine native Toleranz und verschwindet in der Versenkung.

Der Abend geht fließend und konsequent zu „Fahrenheit 451“ über. In Bradburys dystopischer Geschichte wurde die Intoleranz institutionalisiert. Um zu verhindern, dass irgendwelche Bücher Menschen verletzen oder auf dumme Ideen bringen könnten, hat man sie gleich verboten. Um sicher zugehen, verbrennt man sie, wenn man ihrer habhaft werden kann. Dies macht die Feuerwehr. Im Original heißen sie „fire-men“, was man auch als Brandstifter übersetzen kann und so besteht die Verbindung zum ersten Stück.

Clarissa McClellan (Bettina Lieder) zeigt Guy Montag (Uwe Schmieder) die Poesie der Natur. (Foto. © Birgit Hupfeld)
Clarissa McClellan (Bettina Lieder) zeigt Guy Montag (Uwe Schmieder) die Poesie der Natur. (Foto. © Birgit Hupfeld)

In „Fahrenheit 451“ trifft der Feuerwehrmann Guy Montag auf die junge Nachbarin Clarisse McClellan. Clarisse will Guy von der Schönheit der Natur und der Bedeutung von Worten überzeugen. Diese Welt wird im Nieselregen berührend von Bettina Lieder und Uwe Schmieder dargestellt. Montags Frau Mildred (Merle Wasmuth) dagegen ist ein typisches Exemplar dieser Gesellschaft. Als kleiner Gag bringt Kämmerer die „Biedermanns“ als Soap auf die Riesenleinwand. Der dramatische Höhe – und Wendepunkt ist mit beeindruckendem Videohintergrund ist die Stelle, als Guy bei einem Einsatz erleben muss, dass Alice Hudson (Alexandra Sinelnikova) mit ihren Büchern zusammen verbrannt wird. Er kann so nicht weiter machen. Sein Vorgesetzter Captain Beatty, wohl nicht zufällig gespielt von Björn Gabriel, dem Brandstifter aus dem „Biedermann“, versucht ihn zu beschwichtigen. Die Verbindung beider Stücke wird offensichtlich. Eine Gruppe von Dissidenten konnte fliehen und versucht, die Gedanken der verbrannten Bücher großer Denker im Kopf zu behalten. Sie werden auf der Bühne von den einzelnen Mitgliedern des Sprechchors verkörpert. Der Dortmunder Sprechchor hat wieder eine wichtige Funktion als mahnende stimme des Gewissens. Nach der Zerstörung ihrer ehemaligen Heimatstadt wollen etwas Neues aus der „alten Asche“ aufbauen. Muss es immer so weit kommen?

Ein großer Dank geht an alle Schauspieler, aber vor allem an Uwe Schmieder, der Guy Montag in einer beeindruckenden Weise spielt und dabei die Würde und Verletzlichkeit des Menschen gekonnt darstellt.

Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit gibt es nicht geschenkt. Man muss sie sich täglich erkämpfen. Allzu blinde Toleranz ist hier ebenso Fehl am Platz wie bedingungsloser Konsumfetischismus und Berieselung durch Fernsehen oder Smartphone. Ein Theaterabend, der dem Publikum viel zum Nachdenken mit nach Hause gibt.

Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten sie wie immer unter: www.theaterdo.de