Zwei Theaterpremieren zu Heimat und Heimatverlust im Depot

Gleich an zwei Abenden, den 24. und 25. November 2018, kann das Publikum die Premieren der beiden neuen Produktionen von Rolf Dennemanns artscenico erleben. Diese setzen sich mit einem aktuellen und komplexen Themenbereich wie Heimat und Heimatverlust auseinander. AmSamstag steht um 20:00 Uhr „Zuflucht/ Time Lines“, am Sonntag um18:00 Uhr „El ojo de Hamlet – Nirgendwo“ auf dem Programm. Es werden, so Dennemann, keine Stücke im herkömmlichen Sinn sein, sondern eher Abende zum Kennenlernen.

Fangen wir mit dem Samstag, den 24.11.208 an: Zuflucht

Fünf Protagonisten aus vier verschiedenen Ländern, teils Flüchtlinge, teils Auswanderer, bringen ihre eigene und sehr individuelle„Lebensbestandteile“ in die Aufführung ein. Die Ausgangssituation beginnt in einem Café,wo sich die fünf Personen mehr oder weniger zufällig befinden. Sie sind auf Reisen, sind verabredet oder lesen. Man hört Schüsse, Glas zerbricht… Licht an. Die Zeit wird angehalten und die Protagonisten erzählen.

Dabei sind: Theaterpädagogin Anna Hauke (Polen), Tänzerin Photini Meletiadis (Griechenland), der anerkannte syrische Flüchtling Rezan Kanat (Schauspieler) sowie die Schauspieler und Regisseure Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas (Venezuela).

Die Schauspieler und Regisseure Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas vom El Bigote de Dali Teatro unterstützen artscenico bei den beiden Projekten.
Die Schauspieler und Regisseure Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas vom El Bigote de Dali Teatro unterstützen artscenico bei den beiden Projekten.

Mit einem sehr individuellem Zugang und verschiedenen Betrachtungen über die Bedeutung und Rolle von Heimat, wird das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt. Begleitet wird die Bühnenpräsentation nicht nur mit atmosphärischer Musik, sondern auch durch durch Aussagen von„Facebook-Freunden“, die sich im Netz eine Art weitere Heimat geschaffen haben. Es wird auch eine kleine kulinarische Überraschung geboten.

Die zweite Premiere„El ojo de Hamlet -Nirgendwo“ (Autor Jorge Cogollo) am Sonntag, den 25.11.2018 ist eine Koproduktion von artscenico und El Bigote de Dali Teatro entstanden. Es wurde erstmals vor einem kleinen Publikum in einem Kellerraum inszeniert., wie die beiden Schauspieler Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas beim Pressegespräch erklärten.

Grundlage bildet sowohl Shakespeares „Hamlet“ wie auch die „Hamletmaschine“ von dem deutschen Dramatiker Heiner Müller. Im Fokus steht Hamlet in seiner Exil-Situation. Wie verändert sich ein Mann in der Verbannung durch seinen Vater, einem mörderischen, brutalen und ineffizientem König? Eine Herausforderung für das Publikum und die Schauspieler. Der Text wird in einer bewussten Mischung von deutsch und spanisch vorgetragen. Das gibt ein kleines Gefühl dafür, wie schwierig die Verständigung in einer „fremden Sprache“ zunächst ist. Aber keine Angst: Körpersprache und eine Videoinstallation sorgen für ein besseres Verständnis und fügen sich zu einem Muster zusammen. Es soll jedoch auch gezeigt werden, wie die Menschen hier von Auswanderern leben und auch profitieren.

Infos und Tickets:E-Mail: info@theaterimdepot.de und 0231/ 982 2338.

Weitere Aufführungen sind für den März 2019 geplant.




Witzig-opulentes Weihnachtsmärchen im Schauspiel Dortmund

Es ist eine schöne Tradition, dass der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters Dortmund (KJT) Andreas Gruhn, jedes Jahr ein neues Weihnachtsmärchen auf die Bühne bringt. Nach einer Zwangspause (Renovierungsarbeiten im Schauspielhaus) freute sich das gesamte Ensemble darauf, das neue Weihnachtsmärchen „Cinderella“ nach Charles Perrault (also eine weniger blutige Version von Aschenputtel) mit der Premiere am 15.11.2018 endlich präsentieren zu können.

Neben dem gesamten KJT-Ensembles konnte man für die Rollen des Vaters von Cinderella (Bertrand) witzig und umtriebigen Hofherrn Comte de Charny den Schauspieler Harald Schwaiger als Gast gewinnen, der diesen Part mit viel Vergnügen und Spaß ausfüllte, Ein ehemaliges Ensemble-Mitglied des KJT, Talisa Lara, schlüpfte ebenfalls in zwei Rollen. Einmal spielte sie Solange, die hochmütige Tochter der Stiefmutter von Ella (Cinderella) und zum anderen in die von der Prinzessin Claribella (die den Prinzen Albert als mögliche Heiratskandidatin vorgestellt wird).

Daneben kamen insgesamt sechs StatistInnen zum Einsatz.

Die bekannte Handlung wird durch die moderne Aufführung etwas emanzipatorisch verändert. Cinderella ist nicht mehr nur das passive „Aschenputtel“,das auf den „Traumprinzen“ wartet, der sie rettet. Sie ist nicht nur wild und weiß was sie will, sondern ist eine junge Frau, die ihr Schicksal selbstbewusst (wenn auch mit etwas Unterstützung) aktiv in die Hand nimmt, quasi eine Mischung zwischen „Pippi Langstrumpf“und „Merida“.

Nanu, schon vor der Ehe wird gefochten? Cinderella ist nicht so langweilig, wie die anderen Hofschranzen. Zu sehen ist das Ensemble sowie Jan Westphal und Ann-Kathrin Hinz (im Vordergrund)
Foto: ©Birgit Hupfeld
Nanu, schon vor der Ehe wird gefochten? Cinderella ist nicht so langweilig, wie die anderen Hofschranzen. Zu sehen ist das Ensemble sowie Jan Westphal und Ann-Kathrin Hinz (im Vordergrund)
Foto: ©Birgit Hupfeld

Ihre jugendliche Frische und Selbstbewusstsein wird von der Schauspielerin Ann-Kathrin Hinz stark ausgefüllt. Der Prinz Albert, auch eigenwillig, wird eher als Tunichtgut porträtiert, der die Unterstützung seines Cousins Antoine benötigt. Nicht nur beim Fechten und Reimen waren Jan Westphal (neu im Ensemble des KJT) als Prinz Albert und Thorsten Schmidt als Cousin (abgesehen von dem Liebespaar Cinderella undAlbert) ein kongeniales Paar.

Auf der anderen Seite standen die Stiefmutter und ihre Töchter: Hochmütig und auf eine reiche Partie aus. Diese Charaktere wurden von Johanna Weißert, unter anderem als Stiefmutter Mathilde Corbel, und von ihren Töchtern Constanze (Bianka Lammert) und solange (Talisa Lara) wunderbar auf die Bühne gebracht.

Eine interessante Idee war es, dass Geschehen wie einen Film von seinem Ende, dem rauschenden Hochzeitsfest von Cinderella und Prinz Albert aufzurollen.

Durch die Handlung führte französisch charmant Bettina Zobel, die auf der Bühne sowohl die Funktion als Tante Seraphine wie auch die der Fee innehatte.

Alle beteiligten SchauspielerInnen war die Spielfreude und die Lust an der Darstellung der unterschiedlichen Charaktere anzusehen und hören. Im Publikum wurde mehrfach herzlich gelacht.

Die Aufführung lebte von seinen ironischen Brechungen und oft nur kleinen Anspielungen. So hielt der Pfarrer nach der Beerdigung der ersten Frau von Philippe Bertand symbolhaft die Hand kurz in Erwartung einer„Spende“ auf. Der „liebeskranke Prinz“ wurde in kurzer Zeit sichtlich schwächer und schwächer, und musste in einem Krankenrollstuhl zunächst von einer, später sogar von drei Krankenschwestern betreut werden. Es gab viele dieser komischen Momente.

Ein Weihnachtsmärchen soll natürlich auch optisch vieles für die Augen des Publikums bieten. Das Bühnenbild wechselte als Drehbühne konzipiert von dem Haushalt des reichen Monsieur Bertrand nach dem Königspalast. Eine prachtvolle nach zwei Seiten führende golden scheinende Treppe und ein festlicher Kronleuchter enttäuschten das Publikum nicht. Die Umgebung konnte aber auch durch eine von oben herabgelassen Konstruktion zu einem Pferdestall für Cinderella umfunktioniert werden.

Die Kostüme waren fantasievoll und an verschiedene Epochen angelehnt. So gab es neben barocken Hochperücken und Kostümen andere, die etwa beim König (Andreas Ksienzyk) an den Bayern-König Ludwig erinnerten.

Ein großes Kompliment für die tollen vielseitigen Choreografien geht an Joeri Burger (bekannt als Pinocchio aus einem Weihnachtsmärchen vor fünf Jahren). Ob höfische Tänze, moderne Abwandlungen, die rasanten Fechtszenen, alles wurde geboten.

Die Musik zur Handlung gab es passend von Michael Kessler.

Zu erwähnen ist,das von Ann-Kathrin Hinz als traurige Cinderella, die nicht weiß, was alle gegen sie haben, ein Song anrührend live gesungen wurde.

Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Telefon:0231/50 27 222




3. Philharmonisches Konzert mit den „letzten Dingen“

Der Monat November bringt uns das Thema Vergänglichkeit und „letzte Dinge“ näher.Aber nicht nur das. Schreckliche Ereignisse wie die sogenannte Reichsprogromnacht (1938), die nur den Auftakt für die massenhafte Vernichtung von Menschen jüdischen Glaubens (oder politisch andersdenkenden und sexuell orientierten Personen) bildeten, fanden im November, genauer am 9., statt.

Für das 3.Philharmonische Konzert am 13./14. November 2018 wählten die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz Musikwerke von drei Komponisten aus, die mit dem Titel „Letzte Dinge“ in verschiedener Weise zu tun haben.

Da ist zunächst das „Scherzo triste op. 5“ des jüdischen Komponist Pavel Haas (1899– 1944) aus Brünn (Tschechien). Als Jude musste er sich nicht nur von seiner nicht jüdischen Frau scheiden lassen, sondern er wurde auch nach Theresienstadt deportiert und am 17. Oktober 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Sein während der Studienzeit entstandenes „Scherzo triste“ trägt schon in seinem Namen etwas Doppeldeutiges. Scherz, eigentlich ein fröhlicher Tanz, im Gegensatz dazu das Traurige „triste“.

Das Werk ist von rhythmischen Wechseln und dem Gegensatz von heiter-tänzerisch hin zu tief melancholischen Passagen geprägt. Besonders berührend, dass vier restaurierte „Violinen der Hoffnung“ von deportierten (jüdischen) Musikern, die während des Zweiten Weltkrieges im Streichorchester von Theresienstadt gespielt haben, bei den Konzerten hier 2018 zum Einsatz kamen.

Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz bei der 9. Sinfonie von Bruckner.
Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz bei der 9. Sinfonie von Bruckner.

Emigriert vor dem drohenden „Räuber- und Mördersystem“ der Nazis aus Deutschland ist der ungarische Komponist Béla Bartók(1881–1945) in die USA. Nie richtig zu Hause,starb er 1945 an seiner Leukämie-Erkrankung. Tragisch, dass ihm 17 Takte zur Vollendung seines an den beiden Abenden zuhörenden 3. Klavierkonzert Sz 119 fehlten. Mit dem international bekannten und renommierten Pianisten Gerhard Oppitz hatte man einen hervorragenden Interpreten der Musik von Bartó kam Klavier gewonnen. Die Musik zeichnet sich durch durch dominierende Dreiklänge, Terzvierklänge sowie auch Quartakkorde aus. Ab und zu sind Dissonanzen zu hören, die aber eher zurückhaltend eingesetzt werden. Die allgemeine Klangfarbe ist zum einen mild und pastoral,aber gleichzeitig auch erfrischend. Das Werk erforderte eine hohen Grad an Empathie von dem Pianisten.

Nach der Pause folgte die monumentale 9. Sinfonie d-Moll von dem österreichischen Anton Bruckner (1824 – 1896), die sogenannte „Unvollendete“ Es war dem Komponisten nicht vergönnt, einen vierten Satz für die Sinfonie zu vollenden. Neunte Sinfonien umgibt in der Musikgeschichte seit Beethoven ein fast sakraler Mythos. Erst mit Dimitri Schostakowitsch (1906 – 1975) und seiner Zehnten Sinfonie wurde dieser „Mythos“ durchbrochen.

Die Musik ist für die Tonsprache ihre Zeit ungewöhnlich kühn, zwischen Spätromantik und Moderne, in der Tradition von Beethoven, über Wagner bis zur Volksmusik angesiedelt.

Beim ersten Satz meint man einer musikalischen Welt bei ihrem Entstehen zuhören zu können.

Das Werk ist eine Wiederkehr von Musikentwicklung, Steigerungen hin zu einem orchestralen Höhepunkt und danach folgendem Zerfall.

Beschreibt der erste Satz die Entstehung einer Welt, den maximalen musikalischen Gegensätzen im zweiten Satz bis zum „Abschied vom Leben“ im dritten Satz und endet mit einem versöhnlichen E-Dur Schluss.Besonders der dritte Satz ist musikalisch-thematisch eindeutig von Bruckners Religiosität beeinflusst und gefärbt.




Impressionen mit „Mit Stift und Pinsel“ von Dagmar Knappe

Unter dem Titel „Mit Stift und Pinsel“ zeigt die Artothek in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund vom 13. November bis 21. Dezember 2018 über20 Zeichnungen und Bilder der 1968 in Freudenstadt geborenen Künstlerin Dagmar Knappe.

Gemalt hat sie schon immer gerne, und Pinsel und Stift gehören fest zu ihrem Reisegepäck bei ihren diversen Reisen, gerne an die Ostsee (Schwerin, Darß und andere Ziele), die sie vorwiegend mit dem Fahrrad erkundet hat. Seit2001 lebt und arbeitet Künstlerin in Dortmund und hat unsere Stadt auch in einigen Bildern „verewigt“

Zunächst hat Knappe sich autodidaktisch, später mit Kursen auf Malreisen – und in den vergangenen Jahren – durch einen Fernlehrgang malerisch entwickelt und vielfältige Techniken ausprobiert.

Zu sehen ist ein repräsentativer Querschnitt ihres vielseitigen Schaffens. Diese persönliche Ausstellung ist unter anderem ein Spiegel der Orte, an denen Dagmar Knappe sich in den vergangenen Jahren gerne aufgehalten hat und die sie besonders berührt haben.

Urlaubsimpressionen mit Pinsel und Stift zeigt Dagmar Knappe in der Artothek.
Urlaubsimpressionen mit Pinsel und Stift zeigt Dagmar Knappe in der Artothek.

Ihre Acryl- oder Aquarell- und Öl-Malereien in verschiedenen Formaten zeichnen sich einerseits durch sensible Farbgebungen aus. Mal eher impressionistisch mit Pastellfarben, mal in strahlend starken impressionistischen Farben zeigen ihre Werke eine fast fotografische Klarheit und spielen gekonnt mit Licht und Schatten-Effekten. Zusehen sind auch zwei nach Vorlage gezeichnete Kohle-Portraits.

Viele ihrer Bilder sind nach Vorlage so unterschiedlicher bekannter Künstler wie Turner, Klimt, Klee, Modersohn, Claude Monet, August Macke oder Lyonel Feininger entstanden. Das zeigt die künstlerische Vielseitigkeit von Knappe.

Ihre Arbeiten zeugen von einem liebevollen und respektvollen Blick von ihr auf Natur samt Tier- und Pflanzenwelt. So ist zum Beispiel auch ein „Raufußkauz“ (Buntstift/ Pastellkreide) zu sehen

Auf ihren vielen Reisen hat sie auch ein eine Art Tagebuch mit bezaubernden Zeichnungen der jeweiligen Umgebung erstellt. Hierin stecken ihre ganz persönliche Erinnerung und Eindrücke, die so für sie lebendig gehalten werden.

Die Ausstellung ist dienstags und freitags zwischen 10:00 und 19:00 Uhr in der Artothek zu sehen.




Authentische Zeugnisse aus dem Ersten Weltkrieg

Die Zeitschrift „Heimat Dortmund“ des Historischen Vereins für Dortmund und der Grafschaft Mark e.V. in Verbindung mit dem hiesigen Stadtarchiv hatte sich schon in einer früheren Ausgabe mit dem Ersten Weltkrieg(1914 bis 1918) auseinander gesetzt.

Es stellte sich laut Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführer des Historischen Vereins)aber schnell heraus, dass sowohl im Stadtarchiv Dortmund als auch in schriftlichen Überlieferungen wie Akten und Briefwechsel, Zeichnungen, Bilder und Feldpost, die von den Soldaten an die„Heimatfron“ geschickt wurden, Schätze verborgen lagen.

Dr. Andrea Zupancic (wissenschaftliche Leiterin des Bild- und Medienarchivs und Autorin eines Beitrags über die Hilfstätigkeiten vor allem der Frauen an der „Heimatfront“) berichtete beim Pressegespräch über altes, bisher unveröffentlichtes Bildmaterial und interessante Nachlässe aus der Zeit.

Mit der 3. Ausgabe2018 der „Heimat Dortmund“ (Titel: „…und schließe mein Schreiben mit stillen Grüßen“) und 100 Jahre nach Kriegsende beschäftigen sich neun Beiträge verschiedener Autoren somit erneut mit der Thematik des Ersten Weltkriegs.

Präsentierten die neue "Heimat Dortmund": (v.l.n.r.) Felix Bergmann (Autor und redaktionelle Leitung), Dr. Andrea Zupancic (wiss. Leiterin des Bild- und Medienarchives) und Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführer des Historischen Vereins)
Präsentierten die neue „Heimat Dortmund“: (v.l.n.r.) Felix Bergmann (Autor und redaktionelle Leitung), Dr. Andrea Zupancic (wiss. Leiterin des Bild- und Medienarchives) und Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführer des Historischen Vereins)

Hier kommen Kriegsteilnehmer selbst zu Wort, die teils mit Ironie, oder mit Ohnmacht und Verzweiflung eindringliche Zeugnisse vom Schrecken und Willkür des Krieges in einem breiten Spektrum ablegen. So berichtet zum Beispiel der junge Karl Sustersic mit schön gezeichneten und aquarellierten Feldpostkarten von seinen Lazarettaufenthalten (Beitrag: Hans Tutschku).

 Fotografien von der Ostfront des Garde-Reserve-Jägers Wilhelm Bohe zeigen das Leben zwischen Schlachtfeld und dem Alltag in der Baracke, vom„Heldenfriedhof“ der gefallenen Kameraden bis zur Latrine. (Beitrag: Felix Bergmann).

Wichtige Zeugnisse finden sich im Bestand der Dortmunder Kreisstelle des Roten Kreuzes mit zahlreichen schriftlichen Bittbriefen der Soldaten. Im Mittelpunkt der Fotografien stehen da vor allem die Bahnhöfe, in Dortmund zum Beispiel der Südbahnhof. (Dr. Andea Zupancic)

Frauen engagierten sich im Vaterländischen Frauenverein und sammelten spenden für die Truppen oder später für die Kriegsgefangenen.

Rüdiger Wulf, ehemaliger Leiter des Westfälischen Schulmuseums berichtet wiederum von den Schulchroniken in der Dortmunder Umgebung während der Mobilmachung in den ersten Kriegswochen und den darauf folgenden Schlachten. Deutlich wird so die „Anfangs-Euphorie“ und die dann später folgende Ernüchterung.

Der Historiker Rolf Fischer beschäftigt sich in seinem interessanten Beitrag mit der Kriegsteilnahme jüdischer Soldaten. Klar wird, warum sich diese ehemaligen „Kriegsteilnehmer für Deutschland“ nicht vorstellen konnten, dass sie Jahre später von den deutschen Machthabern verfolgt und vernichtet werden sollten und so lange in diesem Land blieben.

Sein Kollege Klaus Winter schreibt über das Gefallenengedenken der Dortmunder Reinoldi-Gemeinde mittels eines Gedenkbuchs.

Heimat Dortmund Stadtgeschichte in Bildern und Berichten Ausgabe 3 / 2018

„….schließe mein Schreiben mit stillen Grüßen“

56 Seiten mit ca.
100 z.T. farbigen Abbildungen

Klartext Verlag Essen, ISSN 09329757

5 Euro, erhältlich im Buchhandel.




Geierabend 2019 mit neuen Figuren und Ideen

Nach dem Motto„Zechen und Wunder“ bringt das Geierabend-Ensemble ab dem10.01.2019 auf der Zeche Zollern in Bövinghausen ihr neues Programmmit neuen Kräften, neuen Figuren und Ideen an den Start. Es istschon die 27. Session und der Trupp von 13 Kabarettisten, Comediansund Musikern werden vom 10.01.2019 bis 05.03.2019 sage und schreibe an37 Abenden auftreten.

Der letzte Pütt im
Pott hat dicht dicht gemacht, und nicht nur deswegen brechen neue
Zeiten an.

Auch bei dem
speziellen Ruhrgebiets-Karneval mit der geballten Ladung aus bissiger
Satire, schräger Comedy, Live-Musik und den besonderen schwarzen
Ruhrpott-Klamauk stehen Veränderungen an.

Das fängt in dieser
Session mit dem neuen Regie-Team mit Heinz-Peter Lengkeit und Till
Beckmann an, die neue Power einbringen wollen. Lengkeit kennt sich ja
in den Höhen und Tiefen des Ruhrgebiets gut aus. Der Bochumer wurde
als Darsteller von Shows wie „RuhrRevue“, Fußballfieber oder
aber dem Hape Kerkeling-Musical Musical „Kein Pardon“ bekannt.
Seit 2016 wirkt er bereits beim Geierabend an der Regie mit.

Beckmann, ein Kind
einer großen Theaterfamilie, ist vor allem von der Bühne bekannt.
Er hat ein besonderes Gespür für die Sprache und Mentalität des
Ruhrgebiets. Das hat er zum Beispiel mit einer Revue bei den
Ruhrfestspielen oder als Drehbuchautor zu Adolf Winkelmanns „Junges
Licht“ bewiesen.

Neu im Ensemble ist
der aus Hamm stammende Obel Obering, vielen sicherlich noch bekannt
von vergangenen Tagen als der Obel von „Till & Obel“ (1985
bis 2000 erfolgreiche Comedy-Programme). Das bedeutet eine ungeheure
„Ost-Erweiterung“ (Hamm), wie bei der Pressekonferenz schmunzelnd
erklärt wurde. Zu zwei Aufführung (27.01.2019 und 03.02.2019)
werden sogar Busse mit je 50 interessierten Zuschauern aus Hamm
erwartet.

Obel ist nicht nur
ein begnadeter Parodist, er wird auch mit Franziska Mense-Moritz ein
Duett als Reminiszenz an den französischen Chansonnier Charles
Aznavour singen.

Der Rest des
Ensembles ist aus den letzten Jahren (fast) erhalten geblieben.
Natürlich dürfen da der „Präsident“ (Roman Henri Marczewski)
und der „Steiger“ (Martin Kaysh) als Moderator mit bissigem Humor
nicht fehlen.

Wie wird sich das "neue" Ruhrgebiet entwickeln? Der Geierabend wird sich des Themas in gewohnt satirischer Weise annehmen. (Foto: © StandOut)
Wie wird sich das „neue“ Ruhrgebiet entwickeln? Der Geierabend wird sich des Themas in gewohnt satirischer Weise annehmen. (Foto: © StandOut)

Nach dem Rückzug
von Hans-Martin Eickmann als Bestandteil der „Zwei vonne
Südtribüne“ wird diese Nummer wegfallen. Aber keine Angst. Wie
Franziska Mense-Moritz erklärt, wurden zum Thema Fußball neue
Figuren und Sichtweisen entwickelt. Genaues wurde noch nicht
verraten. Das Publikum darf gespannt sein.

Das gilt auch für
die bei der Premiere am 10.01.2019 (18.30 Uhr Einlass, 19.30 Uhr
Beginn) für die Publikumswahl zum „Pannekopp“ des Jahres
vorgestellten Kandidaten.

Die altbewährte
„Band“ wird wieder für den guten musikalischen Hintergrund
sorgen.

Für das leibliche
Wohl sorgt wieder die Gastronomie Tante Amanda. Der Sponsor
Brinkhoff‘s liefert die passenden Getränke.

Übrigens:

Wer es nicht in die
Zeche schaffen sollte, kann die schönsten Nummern bei WDR5 nach
hören. Ab dem Karnevalswochenende gibt es zudem das komplette
Programm als Videostream im Comedy-Portal des WDR.




„Romeo und Julia“- Adaption als Musiktheater in Dortmund

Das Liebesdrama„Romeo und Julia“ von William Shakespeare ist hinlänglich bekannt. Nun wurde dieser Stoff als eine Adaption nach Dortmund und als Konflikt zwischen einer deutschen und türkischen Metzger-Familiein Form eines modernen Musiktheaters mit dem Titel „Romeo und Zeliha“ in der Jungen Oper Dortmund aufgeführt.

Die Komposition des
Musiktheaters ist von Fons Merkies und das Libretto von Maartje Duin.
(Deutsch von Barbara Buri). Die Uraufführung war 2011 an der Holland
Opera, die Premiere hier am 10.11.2018. Die Regie hat Justo Moret.

Zur Geschichte: Die
benachbarten Metzger-Familien, eine türkische und eine deutsche,
sind in einem erbitterten Streit um das beste Lammkotelett
eingetreten. Von ihren Vätern zu unfairer Spionage angestiftet,
verlieben sich Romeo und die türkischstämmige Zeliha ineinander. Im
Spannungsfeld zwischen Loyalität zur Familie und der Kraft ihrer
jungen Liebe, müssen sie schwere Entscheidungen treffen. Das
Schicksal zwischen Würsten und gewetzten Messern nimmt seinen
unheilvollen Verlauf…

Die Bühne wurde von
Emine Güner geschickt genutzt. Im hinteren Bereich hing „tierischer
Kadaver“ an einer Stange, im Raum wurde zwei größere und zwei
kleinere nach einer Seite offene und verschiebbare weiße Schränke
sinnvoll in das Gesamtgefüge der Handlung eingebaut.

So dienten die zwei
kleineren Schrankkästen etwa als Metzger-Auslage und die die
Größeren als Zimmern von Romeo und Zeliha. Zusammengelegt konnten
sie zum Schluss zusammen gestellt aber auch als Bare für die beiden
Liebenden dienen.

Rinnat Moriah als
Zeliha und Zachary Wilson als Romeo spielten und sangen ihren Part
mit viel Empathie. Der schwierige Sprech- und Parallelgesang wurde
von allen Beteiligten der Produktion souverän und mit Engagement
gemeistert.

Rinnat Moriah (Zeliha), Zachary Wilson (Romeo) ©Anke Sundermeier, Stage Picture
Rinnat Moriah (Zeliha), Zachary Wilson (Romeo)
©Anke Sundermeier, Stage Picture

Als doppelte
Herausforderung schlüpfte der von der Dortmunder Oper gut bekannte
Morgan Moody in die die Rolle des Vaters von Romeo und in die des
Bruders Mehmet. Ian Sidden (zuletzt als Doktor Grenvil in La
Traviata zu hören und sehen) wiederum in die von Zelihas Vater und
die des von Hass besessenen Cousins Murat.

Nicht nur die
gesanglichen Herausforderungen mussten sie bewältigen. Sie mussten
sich nicht nur äußerlich in die verschiedenen Personen verwandeln,
sondern sich auch in die unterschiedlichen Mentalitäten und Kultur
der verschiedenen Personen hinein versetzen.

Sidden spielte den
türkischen traditionellen Vater, der sentimental an seine Heimat
denkt und seine Tochter autoritär (aus seiner Sichtweise aus Liebe)
erzieht , sowie Zerihas Cousin Murat als einen von übersteigerten
„Ehrgefühl“ heraus handelnden jungen Mann und brodelnde Vulkan.

Das dieses Stück in
in unserer heutigen Zeit spielt, wird deutlich, wenn der Vater seiner
vermeintlich „frechen Tochter“ Zeliha mit „YouTube oder
Netflix“-Verbot droht.

Moody stellte den,
genau wie sein türkischer Metzger-Nachbarn, intriganten Unternehmer
dar, und den seine Schwester eigentlich liebenden Bruder, der aber
auch eine unheilvolle Rolle in dem Drama spielt. Moody und Sidden
bewiesen eine große Wandlungsfähigkeit und Einfühlungsvermögen.

Den
musikalisch-atmosphärischen Rahmen schafften Mitglieder der
Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Satomi Nishi.

Jede Stimmung wurde
passend und oft mit orientalischen Klängen untermalt.

(Die zu hörende
Fassung ist ein Arrangement von Francesco Damiani).

Informationen über
Gelegenheiten, sich diese Aufführung zu erleben, gibt es noch
einige.

Näheres wie immer
unter www.theaterdo.de oder
telefonisch unter 0231/ 50 27 222.




Trash Up! Upcycling Festival zum Dritten im Depot Dortmund

Im Depot Dortmund
findet am 10.11.2018 (12 -18 Uhr) und dem 11.11.2018 (11 -18 Uhr)
schon zum dritten Mal das Trash Up! Upcycling Festival mit noch mehr
Workshops, kreative Mitmach-Aktionen sowie Filme im sweetSixteen
-Kino, Vorträge & Diskussionen sowie einer beeindruckenden
Ausstellung der elf unterschiedlichen Müllarten, die in jedem Jahr
pro Kopf in unserem Land so anfallen. Außerdem ist eine
Fotoausstellung zur Kalligraphie von Abfall von Mico Schmitt zu
sehen.

Die Dringlichkeit
des Problems der Vermüllung und die verheerenden Folgen für unsere
Umwelt und Gesundheit ist hinlänglich bekannt. Es geht darum, dass
Bewusstsein zu Schärfen und auf kleinere Verhaltensänderungen beim
Einkauf doch längerfristig Einfluss auf die Unternehmen nehmen.
Deren Angebote sind oft ja zwecks Gewinnmaximierung auf die
Bequemlichkeit der Kunden ausgerichtet gewesen.

Ein wichtiger
Kooperationspartner für das Festival sind wieder die Urbanisten und
die DEW21 sowie andere Unterstützer. Von den Urbanisten können die
BesucherInnen etwas über „Aquaponik – nachhaltige
Lebensmittelproduktion im urbanen Raum“ erfahren.

Ein Teil der
Ausstellungsfläche ist mit einladenden Sitzgelegenheiten
ausgestattet, die für wichtige Diskussionen zwischen den Besuchern
und Aktivisten sowie lokalen Start-Up Unternehmen in dem Bereich
Müllvermeidung oder Konzepten gegen Essensverschwendung dienen
können. Greenpeace (Ortsgruppe Dortmund) wird von 12:00 bis 18:00
Uhr Anregungen zu alternativen Geschenkverpackungen geben.

Hoffen auf viele Besucher und neue Ideen: (v.l.n.r.) Marion Edelhoff (Geschäftsführung Depot), Frank Haushalter (Projektleitung Trash up),  Paula Pongratz (Workshop), Thoman Zigan (Tanz auf den Ruinen) und  Florian Artmann (Urbanisten).
Hoffen auf viele Besucher und neue Ideen: (v.l.n.r.) Marion Edelhoff (Geschäftsführung Depot), Frank Haushalter (Projektleitung Trash up), Paula Pongratz (Workshop), Thoman Zigan (Tanz auf den Ruinen) und Florian Artmann (Urbanisten).

Das Festival willohne erhobenen Zeigefinger und auf spielerischer Weise und mit Spaß Anregungengeben, wie wir Müll vermeiden können. So wird zum Beispiel am amSamstag den 10.11.2018 von 13:00 – 17:30 Uhr von Paula Pongratz(München) Kindern und anderen Interessierten gezeigt, wie man etwaaus alten Materialien (Elektroschrott) „PostapokalyptischenSchmuck“ herstellen kann. Die Teilnehmer sollen ihrer Kreativitätfreien Lauf lassen.

Besonders spannend: Samstag 14:00 -15:30 Uhr zeigen Shia und Hanno Su (WASTELAND REBEL) Köln mit ihrem Vortrag Zero Waste – ein Leben ohne Müll? – Unser Müll lässt sich extrem reduzieren.

Auch musikalische Unterhaltung wird an den beiden Festivaltagen geboten. Am Samstag zwischen12:00 und 18:00 und Sonntag zwischen 11:00 und 18:00 Uhr gibt es Funk Soul Jazz Hip Hop (DJ DR. Štefan) & DJ Jupp Heimbreaks sowie am Nachmittag auch Micos Klavier in der Mülltonne (Live Musik).

Von Pongratz sollen, wie sie beim Pressebericht erklärte, nur bei Bedarf kleine Denkanstöße und Tipps gegeben werden. Sie verriet, dass sie sich selbst aus gefundenen Gegenständen auf der Straße etwas Individuelles als Schmuck hergestellt hat. Kaum zu glauben. Aber Schlüsselanhänger kann man auch aus alten Skateboards herstellen!

Für das leibliche Wohl werden Waffeln, vegane Kost und natürlichverschiedene Getränke verkauft.B

Das Tagesticket
kostet 5,00 € und 4,00 € ermäßigt (Schüler, Studenten,
Dortmund-Pass Inhaber)

Erstmals wird auch
ein gesamtes Festivalticket für 8,00 € und 6.00 € ermäßigt
angeboten.

Kinder bis 13 Jahren
und Begleitpersonen von Menschen mit Schwerbehindertenausweis haben
freien Eintritt.

*Bis auf den
Workshop „Futternäpfe für Hunde aus alten Paletten“
(Materialkostenbetrag in Höhe von 25,00 €) am Sonntag,
den11.11.2018 (11:00 – 17:30 Uhr) mit Stefanie Treiber (WDR) Köln
ist das gesamte Workshop-, Vortrags- und Filmangebot im
Eintrittspreis enthalten.

Anmeldung zu den
Angeboten ist nicht erforderlich, die Plätze aber limitiert.

Genaue und nähere
Infos gibt es unter www.trashup-dortmund.de
oder in dem Informationsblatt im Depot Dortmund.




Starke Farbwelten im Dortmunder Kunstbetrieb

Im Dortmunder
Kunstbetrieb zeigt die in Santiago de Chile geborene Künstlerin Ana
Maria Avilés
Toro vom 10.11.2018 bis zum 08.12.2018 unter
dem Titel „coloratura“ über
18 Bilder in verschiedenen Formaten. Sie lebt seit 2007 in
Deutschland und arbeitet schwerpunktmäßig im Bereich Malerei.

Nach eigenen Angaben
war sie von dem besonderen Reiz und eigenen Charme der
Industriekultur im Ruhrgebiet fasziniert. Faszinierend für die
Künstlerin sind verlassene Orte, die Geschichten verbergen.

Daneben befasst sich
die Künstlerin auch im Augenblick neben Tier-und Naturmotiven,
Interieurs und einer Reihe mit kleineren Porträts-Zeichnungen
(teilweise mit Kohlestift). Die ausgestellten Werke stammen aus den
Jahren 2014 bis 2018.

Ana Maria Avilés Toro zeigt ihre farbenfrohen werke in der Galerie "der Kunstbetrieb"
Ana Maria Avilés Toro zeigt ihre farbenfrohen werke in der Galerie „der Kunstbetrieb“

Avilés
Toro betrachtet ihre Motive mit einem ganz eigenen
„südamerikanischen“ Blick und mit Temperament und Lebensfreude.
Ausgangspunkt sind zunächst immer ihre verschiedenen Fotografien,
die sie von unterschiedlichen Objekten macht. Auf dessen Grundlage
komponiert sie individuell den Aufbau ihrer Malerei. Dabei nimmt
Avilés
Toro sich
die Freiheit, einzelne Details zu verändern und in ein (für sie)
stimmiges Gesamtbild zu schaffen.

Ist das Motiv mit
Graphit auf die Leinwand gebracht, beginnt ihre im Vordergrund
stehende Arbeit der leuchtenden Farbgebung vor allem in den Tönen
türkis , blau, Erdfarben oder gelb.

Die Farben sind rein
und werden zum Leuchten gebracht. Gasleitungen, Kokereien,
Zimmernischen und Hinterhöfe, Häuserfassaden oder Zimmernischen
werden nicht in ihrem schmutzigen Grau gezeigt. Das lebendige Leben
scheint in den Bildern zu vibrieren, und die vergangene
Industriekultur wird lebendig, vital und energiegeladen dargestellt.

Die Künstlerin hat
einen liebevollen und wachen Blick für Strukturen der Industrie.

Das ehemalige
Westfalenstadion (heute „Signal Iduna Park“) in unserer Stadt
scheint es ihr ebenfalls angetan zu haben und diente als Motiv. Das
sie viel in der Welt herum gekommen ist, zeigen ihre Bilder von
Außentreppen in New York, dem Pazifik, einer alten Salpeterfabrik in
Chile oder einem speziellen Botanischen Garten mit frei fliegenden
Schmetterlingen in Amsterdam.

Ruhige Interieurs
werden zu fröhlichen und temperamentvollen Räumlichkeiten, deren
Farben miteinander harmonieren. Es ist eine ganz individuelle
Betrachtungsweise einer Frau aus Südamerika auf unsere hiesige
Kultur mit leuchtender Farbgebung.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Samstag, den 10.11.2018 um 18:00 Uhr im Dortmunder Kunstbetrieb in der Gneisenaustraße 30 statt.

http://www.derkunstbetrieb.de




Virtuoses Streichquartett im Orchesterzentrum

Im Mittelpunkt des 1. Kammerkonzerts (Dortmunder Philharmoniker) im Orchesterzentrum NRW in Dortmund standen am Montag, den 05.11.2018 unter dem Titel„Vorbild und Fortschritt“ die Streicher. Dass mit dem Mannheimer Streichquartett kurzfristig eine andere Formation das Programm gestalten musste, tat der Qualität keinen Abbruch.

Mit dabei war die als erste Konzertmeisterin der Dortmunder Philharmoniker (seit 2011)bestens bekannte Shinkyung Kim an der Violine. Ihr zur Seite stand der Violinist Daniel Beil (u.a. 1. Konzertmeister der Essener Philharmoniker). Sebastian Bürger (u.a. seit 2003 auch 1.Solobratscher der Essener Philharmoniker) spielte an der Viola. Das Quartett komplettierte Armin Fromm (u.a. Solo-Cellist der Essener Philharmoniker) am Violoncello.

Als erstes auf dem Programm stand das Streichquartett C-Dur Hob. III:77(„Kaiserquartett“) von Joseph Haydn (1732 – 1809). Es ist nicht nur das bekannteste Streichquartett von Haydn, sondern wurde von ihm als musikalisches Statement für einen Frieden für Österreich. Ein Spätwerk (1796) in unruhigen Zeiten vor dem Hintergrund der Französischen Revolution.

Bekannt ist es vor allem wegen seine eindrucksvollen Variationen über die Kaiserhymne„Gott erhalte Franz den Kaiser“. Diese diente dann später als Vorlage für die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland. Ein feierlich majestätisches Werk, gespickt mit einigen überraschenden Effekten.

Haydn, Bartók und Mendelssohn Bartholdy standen auf dem Programm des Mannheimer Streichquartetts (v.l.n.r.) Sebastian Bürger (Violine), Shinkyung Kim (Violine), Armin Fromm (Violoncello) und Daniel Bell (Violine). (Foto: © MSQ privat)
Streichquartetts (v.l.n.r.) Sebastian Bürger (Violine), Shinkyung Kim (Violine), Armin Fromm (Violoncello) und Daniel Bell (Violine). (Foto: © MSQ privat)

Eine ganz besondere Herausforderung stellte das 4. Streichquartett Sz 91 von Béla Bartók(1881 – 1945). Als ein klassisches Vorbild diente dem Komponist nach eigenen Angaben Mozart mit seinen in „wunderbarer Weise kontrapunktische und homophone Ideen“.

Bartók hat ein fortschrittliches vielschichtiges Werk geschaffen, das von gesteigerter Dramatik, Klagemelodien und sehr komplexe Harmonien um einen langsameren Satz entwickelt wurde. Dissonanzen und interessante Zupftechniken ergeben eine spannende und ungewöhnliche Mischung.

Nach der Pause folgte das Streichquartett Es-Dur op. 44 Nr. 3 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847), einem Geburtstagsgeschenk für seinen Bruder Paul.

Der erste Satz (Allegro vivace) zeugt von einer gewissen Begeisterung für seinen Komponisten-Kollegen Beethoven.. der zweite Satz ist dagegen wieder ein typisches rastloses und rasantes Mendelssohn-Scherzo. Der dritte Satz (Adagio) ist ruhiger und entrückt in „himmlischer Schönheit“ gestaltet.

Der vierte Satz (Molto allegro con fuoco) führte zum furiosem spielfreudigem Finale hin.

Für das begeisterte Publikum gab es noch mit eine Zugabe aus dem „Kaiserquartett“ von Haydn.