Musik voll Triumph und Schmerz

Die Dortmunder
Philharmoniker unter der engagierten Leitung von Generalmusikdirektor
Gabriel Feltz haben am 15./16.01 .2019 unter dem Motto „Teurer
Triumph“ ganz besondere Werke von zwei außergewöhnlichen
russischen Komponisten für ihr 5. Philharmonisches Konzert
ausgewählt.

Zum einen die
„Ouverture Solennelle „1812“ op. 49“ von Peter Tschaikowsky
(1840 – 1893, )und nach der Pause die 7. Sinfonie C-Dur op. 60
„Leningrader“ von Dimitri Schostakowitsch (1906 – 1975). Ars
tremonia war am 15. Januar im Dortmunder Konzerthaus anwesend.

Die beiden Werke
sind in mehrfacher Hinsicht beachtlich und besonders. Die „Ouverture
Solennelle „1812“ nimmt Bezug auf den Einmarsch der französischen
Truppen am 22.Juni 1812 in Russland, und den teuer mit vielen
Menschenleben erkaufte Sieg der Russen gegen Napoleon. Als historisch
einzigartigen Parallele beginnt genau 129 Jahre später, am 22. Juni
1941 der Überfall des deutschen NS-Regimes auf die Sowjetunion unter
dem Namen „Unternehmen Barbarossa“. Nach der Einkesselung der
Stadt Leningrad und dem lange Kampf voll Entbehrungen und am Ende
über 1.000.000 Toten gegen die Deutsche Armee begleitet als
musikalische Unterstützung Schostakowitsch mit seiner 7. Sinfonie
bis zum siegreichen Ende.

Die Ouverture 1812
entspricht vom Wesen her einer sogenannten „Battaglia ( einem
musikalischen Schlachtgemälde) und ist auch so aufgebaut.
Aufstellung der Heere – Kampflärm – Siegeslied. Die feierliche
Einleitung erinnert an russisch-orthodoxe Kirchenklänge. Nach einer
Passage der leichten Verunsicherung kann der Zuhörer die
französische „Marseillaise“ erkennen. Die war zwar 1812 nicht
die Nationalhymne Frankreichs, unter Napoleon erklang „Le Chant du
Départ“, aber 1882 (Zeit der Aufführung) schon. Es steht als
Sinnbild für die anfänglichen Siege der Franzosen. Nach dem
„Kampflärm“ strahlt das folgende Thema Hoffnung aus. Das
nachfolgende russische Volkstanzthema bringt eine folkloristische
Note (etwa mit dem Tamburin) in die Ouverture. Es entwickelt sich
ein weiterer musikalischer Kampf zwischen der „Marseillaise“ und
dem russischen Volkslied, bis am Ende der Anfangschoral
majestätisch-pompös mit Glockengeläut ein weiteres Mal erklingt.
Nun ist der russische Sieg Gewissheit.

Die 7. Sinfonie op.
60 von Schostakowitsch begleitete als stützende musikalische
moralische Begleitung die Zeit der Belagerung Leningrads durch die
Deutsche Wehrmacht. Es ist nicht nur eine heroische Sieges-Sinfonie,
sondern macht auch den tiefen Schmerz und die unzähligen Verlust
spürbar.

Nachdem im ersten
Satz zunächst ein eher idyllisches Bild mit in Hinblick auf eine
glücklichen Vergangenheit vermittelt wird, trübt diese sich schnell
ein. Die kleine Trommel läutet erst ganz leise, dann immer
deutlicher die folgende Invasionsepisode ein. Was folgt ist ein
gigantisches Crescendo, das sich Furcht erregend monströs steigert.

Imposante Musik von Tschaikowsky und Schostakowitsch, die das Ringen der Russen gegen Invasoren eindrücklich widerspiegelt. Dargeboten von den Dortmunder Philharmonikern unter Generalmusikdirektor Gabriel Feltz. (Foto: © Anneliese Schürer)
Imposante Musik von Tschaikowsky und Schostakowitsch, die das Ringen der Russen gegen Invasoren eindrücklich widerspiegelt. Dargeboten von den Dortmunder Philharmonikern unter Generalmusikdirektor Gabriel Feltz. (Foto: © Anneliese Schürer)

Das folgende
traditionelle Scherzo erinnert mit unbeschwerten Klängen zwar an die
„Glückliche Zeit“, wird aber durch subtil eingesetzte
Taktwechsel unterlaufen. Der schrille Mittelteil führt wieder
Invasionsepisode zurück und es bleibt nichts von der Unbeschwertheit
übrig.

Das Adagio ist ein
großer Trauer-Choral. Durch einzelne Instrumente werden klagende
Erinnerungstöne eingeführt. Der Mittelteil ist musikalisch wieder
von Klänge der Invasionsperiode geprägt und geht zum schwelgenden
Anfangs-Rhythmus über als Zeichen von dem Gewinn des Lichts über
die Dunkelheit.

Der Sieg über die
Invasoren im vierten Satz entwickelt sich musikalisch langsam zum
Sieg hin. Das feierliche und triumphale C-Dur der letzten Takte wird
dabei aber immer mit irritierende schreiende Untertöne gestört. Ein
klares Zeichen, das dieser Triumph schwer und teuer mit unzähligen
Opfern errungen wurde.

Dieses besondere
Konzert hat alle beteiligten Musiker mit ihrem Dirigenten spürbar
auch an ihre emotionalen Grenzen gebracht.

Das Konzert am
Dienstag, den 15.01.2019 wurde von WDR 3 live im Rahmen der Reihe
„WDR 3 Städtekonzerte“ übertragen.




Aus für Veranstaltungen im Torhaus Rombergpark

Es ist ein nicht nur
bei Künstlern beliebter und einzigartiger historischer Kulturort.
Das Torhaus Rombergpark (entstanden 1681) am Nordausgang des
Botanischen Gartens ist nicht nur wunderbar gelegen und hat eine
reizvolle Architektur, sondern gehört zu den wenigen komplett
erhaltenen Relikten des damaligen Schloss Brünninghausen, das im
Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Historische Gebäude gibt es in
Dortmund nicht viele. Es ist als Baudenkmal in die Denkmalliste der
Stadt Dortmund eingetragen worden.

Seit 1968 wurde es
als städtische Kunstgalerie mit wechselnden Ausstellungen und
verschiedener Konzertveranstaltungen genutzt und beliebt. Nun muss
dieser Kulturort, mit dem so viele schöne Ausstellung und Konzert
verbunden sind geschlossen werden. Wegen der mangelnden
Barrierefreiheit, der schmalen Wendeltreppe und fehlenden weiteren
Fluchttüren darf das Gebäude nun nicht mehr für öffentliche
Veranstaltungen genutzt werden.

Wie Claudia
Kokoschka (Leiterin des Kulturbüros) beim Pressegespräch verriet,
sind auch die betroffenen Künstlerinnen und Künstler darüber sehr
betrübt. Bis dahin hatte man sich mit dem Einsatz von Wachpersonal
und dem kontrollierten Zugang von höchsten 50 Personen auf der
sicheren Seite gefühlt.

„Seit den
tragischen Ereignissen um die „Love Parade“ (2010) hat sich der
Blick auf die potenziellen Gefahren verschärft und die Einschätzung
geändert“, erklärte Kokoschka.

Die Leiterin des Kulturbüros, Claudia Kokoschka, möchte gerne wieder  ins das besondere Ambiente des Torhauses zurück..
Die Leiterin des Kulturbüros, Claudia Kokoschka, möchte gerne wieder ins das besondere Ambiente des Torhauses zurück..

Nach dem ersten
Schock hat sich das Dortmunder Kulturbüro als Träger der
Einrichtung schnell um kurzfristige Alternativen für die bisherigen
Ausstellungen der städtischen Galerie im Torhaus und die beliebten
Gitarrenkonzerte bemüht. Als neuer Spielort für die Ausstellungen
ist der schwarze Pavillon vor dem Dortmunder U
(Leonie-Reygers-Terrasse) und für die Konzerte die Rotunde des
Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) vorgesehen.

Heimische bildende
Künstlerinnen und Künstler können nach Ende der Pink
Floyd-Ausstellung Februar 2019 an dieser zentraler Stelle am
Dortmunder U ausstellen. Der Pavillon wurde als Shop und Kasse für
die Pink Floyd-Schau errichtet, wird aber dauerhaft an seinem Platz
vor dem U stehen bleiben.

Die Gitarrenkonzerte
haben dann ein neues Domizil in der Rotunde des MKK. Der neue Name
der Reihe lautet „Gitarrenmusik in der Rotunde“. Das Programm
wird in Kürze bekannt gegeben.

Ob und in welcher
Form das Torhaus Rombergpark umgebaut wird und damit für kulturelle
Veranstaltungen wieder zur Verfügung stehen kann, werden die
zuständigen Dienststellen der Stadt (etwa das Bauordnungsamt) nun
klären.

Die Entscheidung
obliegt am Ende bei der Politik. Dabei spielen neben dem Brandschutz
natürlich auch Fragen des Denkmalschutzes eine wesentliche Rolle.
Das Kulturbüro hofft und kämpft dafür, das Torhaus als Kulturort
langfristig erhalten zu können. „Wir werden alle Möglichkeiten
prüfen, die uns eine kulturellen Nutzung dieser beliebten
Veranstaltungsstätte wieder ermöglichen“, so Claudia Kokoschka.




Operette im Spannungsfeld von Liebe und fremder Kultur

Regisseur Thomas
Enzinger konnte sich schon mehrfach seinen Ruf als Spezialist für
das Genre Operette in Dortmund unter Beweis stellen. Nach seinen
Erfolgen mit „Roxy und das Wunderteam“ oder „Die Blume von
Hawaii“ hatte am 12.01.2019 seine neueste Inszenierung der
romantischen Operette „Land des Lächelns“ von Franz Lehár
(Libretto Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda) im hiesigen Opernhaus
Premiere. Musikalisch
begleitet wurde die Aufführung sensibel von der Dortmunder
Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Generalmusikdirektor
Gabriel Feltz.

Musikalisch
anspruchsvoll ambitioniert, wollte der der Komponist zu seiner Zeit
den bisherigen Rahmen der als „seichte Unterhaltung“ verschrienen
Operette sprengen und ihr unter anderem durch Elemente der Oper Tiefe
und als Kunstgattung Geltung zu verschaffen. Enzingers Inszenierung
besticht nicht nur durch eine opulente Bühnen-Ausgestaltung und
schonen farbenfrohen Kostümen, die sinnbildlich für die damalige
Zeit stehen. Eine zugefügte tänzerische Ebene verlieh den Emotionen
der handelnden Protagonisten eine weitere verstärkende Dimension.

Die
Handlungskonflikte bieten sich dafür gut an. Nicht nur bei der
Ouvertüre wurde getanzt – übrigens eine sehr nette Idee –
sondern ebenfalls während der Zwischenmusiken wurde die Dramatik des
Liebespaares tänzerisch dargestellt.

Die selbstbewusste
Grafen-Tochter und Witwe Lisa ist ein begehrter Mittelpunkt der
Wiener Highsociety. Verehrt vor allem von dem Dragonerleutnant Graf
Gustav von Pottenstein (genannt Gustl), ihrem besten Freund. Sie
verliebt sich aber in den exotischen und zurückhaltend charmanten
chinesischen Prinzen Sou-Chong. Wohl gerade wegen seiner
geheimnisvollen, für sie anziehenden und fremden Art. Auch er ist
von ihr angetan, wird aber als Ministerpräsident in sein Heimatland
zurück beordert. Hals über Kopf folgt ihm Lisa und heiratet ihn.
Doch die Liebe wird durch die unterschiedlichen Kulturen und
Lebensentwürfe dieser beiden Persönlichkeiten auf eine harte Probe
gestellt. Als Sou-Chong sich letztendlich durch die Verantwortung der
ihm verliehenen „Gelben Jacke“ der Tradition unterwirft, vier
Mandschu-Mädchen zu heiraten, eskaliert die Situation. Lisa ist
zutiefst enttäuscht und will von Heimweh geplagt, China mit Hilfe
von Gustl verlassen. Am Ende gibt es nicht nur für Sou-Chong,
sondern auch für seine Schwester Mi kein Happy End…

Erste Zweifel werden bei Lisa in China bemerkbar. Martin Piskorski (Prinz Sou-Choung) und Irina Simmes (Lisa).
(Foto © Oper Dortmund)
Erste Zweifel werden bei Lisa in China bemerkbar. Martin Piskorski (Prinz Sou-Choung) und Irina Simmes (Lisa).
(Foto © Oper Dortmund)

Für die beiden
Haupt-Protagonisten Lisa und Prinz Sou-Chong konnten mit Irina Simmes
und Martin Piskorski zwei hochkarätige Sänger*innen mit klaren
Stimmen und sensibler, aber nicht zu kitschiger Interpretationen der
romantisch, oft melancholischen Arien gewonnen werden.

Ein Höhepunkt war
sicherlich die starke Darbietung der bekanntesten Arie „Dein ist
mein ganzes Herz“ von Tenor Piskorski.

Fritz Steinbacher,
ein alter Bekannte hier im Opernhaus, füllte seine Rolle des Graf
Gustl wie schon so oft mit viel Sinn für Humor aus. Ihm zur Seite
stand als kongeniale PartnerinAnna Sohn als die in ihn verliebte Mi.
Eine der lustigsten Szenen ist die, als Gustl Mi mit der als geschenk
für Lisa vorgesehenen Sacher-Torte „füttert“.

Humor bringt auch
seine resolute Tante, die Exzellenz Hardegg, wunderbar dargestellt
von Johanna Schoppa , in die Inszenierung.

In weiteren
Nebenrollen wussten Georg Kirketerp als Lisas Vater Graf Ferdinand
Lichtenfels und und Hiroyuki Inoue als Sou-Chongs gestrenger Onkel
Tschang zu gefallen.

Diese Inszenierung
bringt die trotz starker Gefühle der beiden Protagonisten die
Unvereinbarkeit ihrer persönlichen Lebensentwürfe und die mangelnde
Fähigkeit zu einem Kompromiss über die fremden Kulturen hinweg mit
der ganze emotionale Palette von Liebe und Sehnsucht, sowie Neugier
und Verzweiflung mit dem desillusionierendem Ende verdeutlicht. Das
alte konfuzianische Weltbild hatte bis zur Kulturrevolution von Mao
bestand. Bei all den negativen Folgen und den vielen Toten hatte die
Kulturrevolution wenige Lichtblicke. Dazu gehörte die
Frauenemanzipation: Danach wurden auch die Frauen in China freier,
denn so Mao „die Frauen können die Hälfte des Himmels tragen.“

Weitere
Aufführungstermine und Infos gibt es wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel.
0231 5027222.




Markante Orte des Ruhrgebiets im künstlerischen Blickpunkt

Die Artothek in der
Dortmunder Stadt-und Landesbibliothek stellt vom 08.01.2019 bis zum
15.02.2019 siebzehn Acryl-Bilder in verschiedenen Formaten der
Künstlerin und Dozentin Martina Dickhut unter dem Titel „Hier im
Ruhrgebiet“ aus.

Die in Dortmund
geborene und lebende Künstlerin hat, wie sie bei einem
Pressegespräch verriet, schon von klein an einen Bezug zum
Ruhrgebiet und dem Bergbau und der Stahlindustrie. Der Vater
arbeitete bei Hoesch, und sie musste ihn oft für längere Zeit wegen
der Schichtarbeit vermissen.

Markante Orte aus
Dortmund und dem Ruhrgebiet sind ihre Haupt-Motive. Dickhut
bearbeitet diese anhand von Fotos, die mit Acrylfarben „weiter
gemalt“ werden. Es gelingt dadurch ein besonderer und erweiterter
Blick auf die Orte. Die ausgestellten farbig starken Bilder sind nach
2014 entstanden.

Martina Dickhut zeigt in der Artothek das Ruhrgebiet aus ihrem Blickwinke
Martina Dickhut zeigt in der Artothek das Ruhrgebiet aus ihrem Blickwinkel.

Im Zentrum ihrer
Werke steht ein Foto, zum Beispiel bei den sechs kleineren Bildern
der Dortmund-Reihe farbige Fotografien von der Westfalenhalle, dem
Fußballmuseum, der Museumsnacht (Friedensplatz bei Nacht), vom
Dortmunder U oder der Stadt– und Landesbibliothek. Manches ist
dezent, aber markant im Hintergrund oder in der Mitte zu erkennen.

Das Foto wird mit
Malgel überstrichen und dann künstlerisch erweitert.

Wie die Künstlerin
betont, ist es eine große und auch zeitaufwendige Herausforderung,
den gleichen Farbton des Fotos zu treffen, damit das Foto im Bild
verschwindet. Da kommt es auf einen genauen Blick und Nuancen an.

Industrie-Fotos wie
etwa von der Halde Schwerin, dem Baum im Gasometer, dem Hochofen
Duisburg oder aber auch vom Schiffshebewerk Henrichenburg sind
beliebte Motive von Dickhut.

Die fertiggestellten
Bilder bestechen durch ihre Intensität, welche dem Betrachter diese
speziellen Orte noch näher bringt, als es ein Foto vermag.

Die Ausstellung ist
dienstags und freitags zwischen 10 und 19 Uhr in der Artothek in der
1. Etage der Stadt- und Landesbibliothek zu sehen.




Schillers „Räuber“ im zeitgenössischen Gewand

Wie bringt man das
am Ende der literarischen Sturm-und Drang-Periode entstandene Drama
„Die Räuber“ von dem jungen deutschen Schriftsteller Friedrich
Schiller (1759 – 1805) mit seiner zeitlosen und aktuellen Brisanz
auf die Bühne bringen?

Dieser schwierigen
Aufgabe stellte sich das freie Theaterkollektiv Sir Gabriel Trafique
(SGT) mit Regisseur Björn Gabriel, vom Dortmunder Schauspiel gut
bekannt, und die für Ausstattung und Produktion verantwortliche Anna
Marienfeld in ihrem neuesten Projekt „Die Räuber.Live – Utopien
aus Deutschen Lenden“ im Dortmunder Theater im Depot. Der Titel
weist schon mit Ironie auf das vor allem durch die AfD vermittelte
„deutschtümelige“Sprach- und Menschenbild hin, so der Regisseur.

Die Premiere ist
dort am 12.01.2019 um 20:00 Uhr. Neben den Organisatoren Gabriel und
Marienfeld gehören immer wechselnde Schauspieler*innen und
Videokünstler*innen zur Gruppe.

Diesmal spielen der
Bochumer Fernsehmacher Dominik Hertrich und die in Köln geborene
Schauspielerin Aischa-Lina Löbbert sowie die Schauspielerinnen Fiona
Metscher und Mirka Ritter. Die vier spielen zwei Paare, die
eigentlich als gebildet und aufgeklärt gelten. Beide begehen bei
Champagner und den in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts
beliebten Mettigel einen launigen Abend. Man wähnt sich sozial,
humanistisch und fremden Kulturen aufgeschlossen. Dann passiert etwas
Unerwartetes und die verschiedenen Lebensentwürfe geraten unter dem
Brennglas „identitärer“ Fragestellungen in nicht geahnte
Konkurrenz zueinander. Der Abgrund lauert zwischen den Worten und es
entbrennt ein erbitterter ideologischer Kampf um die „moralisch
gerechte Gesinnung“. Orientierung soll ihnen ein Kulturhistorischer
Abgleich bieten und die Vier gleiten immer tiefer ab in Schillers
„Räuber“ mit katastrophaler Folge..

Versteckt im "deutschen" Wald und hinter Maschendrahtzaun sinniert der Regisseur und einer der Köpfe von "Sir Gabriel Trafique" Björn Gabriel.
Versteckt im „deutschen“ Wald und hinter Maschendrahtzaun sinniert der Regisseur und einer der Köpfe von „Sir Gabriel Trafique“ Björn Gabriel.

Wie von SGT gewohnt,
werden zwar viele Monologe aus Schillers „Räuber“ genutzt, aber
mit Hilfe von Video-und Lichtinstallationen, Musik, Elementen der
virtual reality, der bildenden Kunst, der Performance, zwei
Livekameras sowie über 100 Presens ein zeitgenössisches
zugespitztes Gewandt dar gebracht. Für die Visuals und die
zeitgenössische Ästhetik ist Alexander Huegel verantwortlich.

Die Bühne ist unter
anderem mit typischen als kitschige „typisch deutsche“ Elemente
wie etwa den „Deutschen Michel“, den „German Grill“ oder
symbolhaft mit einer „Mauer“ als Theke und einen geheimnisvollen
und gruselig mit einem Totenkopf versehenen stilisierten „deutschen“
Wald ausgestattet.Es gibt also viele Assoziationsräume für das
Publikum.

Wie Gabriel betonte,
sind die „Räuber“ von Schiller wohl das deutscheste Stück
(Drama). Im Konflikt zwischen Vernunft und Gefühl wählen die Söhne
von Graf Maximilian Moor im Drama am Ende extreme und und zu
verabscheuende Mittel, um sich von den Fesseln der Elterngeneration
und den Schranken des sogenannten „Kastratenzeitalters“ zu
befreien. Karl als idealistische Befreier, Bruder Franz als Tyrann,
der sich zurückgesetzt fühlt und sich über alle Natur erhebt.

In unserer Zeit
brechen sich sich Unzufriedenheit, Verdrängtes oder nur in
heimeligen Kneipen und Bierstuben unter sich herausgelassene
Aggressionen sowie Ängste vor „Überfremdung“, sozialen Abstieg
etwa bei den Montagsdemonstration der PEGIDA lauthals und wie ein
Ventil bahn. Es geht diesen Menschen ja, wie sie betonen, der
„Gerechtigkeit“ Geltung zu schaffen. Da setzt so mancher auf
scheinbar einfache Lösungen für komplexe gesellschaftliche Probleme
und sucht den einen „Sündenbock“. Die Gefahr der politischen
Instrumentalisierung von rechtspopulistischen und faschistischen
Parteien ist groß.

Neben der Premiere
am 12.01.2019 gibt es im Dortmunder Theater im Depot auch noch weiter
Vorstellungen des Stückes am Sonntag, den 13.01.2019 um 18:00 Uhr,
sowie am 14.02.2019, am 28.03.2019 und am 29.03.2019 (jeweils um
20:00 Uhr).

Infos und Karten
unter www.depotdortmund.de




Im ¾ Takt ins Jahr 2019

Gleich
mit zwei Konzerten „Alles Walzer“ an einem Tag schickten
die Dortmunder Philharmoniker unter der schwungvollen Leitung von
Generalmusikdirektor Gabriel Feltz ihr Publikum im ¾
Takt in das neue Jahr 2019. Feltz gelang es wieder einmal, ein
facettenreiches Programm auf die Beine zu stellen, und die hiesigen
Philharmoniker zeigten
sich wie gewohnt in ausgezeichneter Form.

Zur
Seite standen für eine
gelungene Vorstellung außerdem noch die Pianistin Tatiana
Prushinskaya und die usbekische
Sopranistin Hulkar
Sabirova.

Geboten
wurden Walzerklänge in ihrer Vielfältigkeit aus unterschiedlichen
Epochen und Ländern.

Bei
dem Thema Walzer kommt man natürlich nicht an Wien und Johann Strauß
(Sohn) vorbei

So
begann das Konzert passend mit dem Kaiserwalzer op. 437 des
österreichisch-deutschen Kapellmeister und Komponisten.

Wie gewohnt führte Gabriel Feltz mit seinen Dortmunder Philharmonikern beschwingt und walzerselig durch das Programm. (Foto: Anneliese Schürer)
Wie gewohnt führte Gabriel Feltz mit seinen Dortmunder Philharmonikern beschwingt und walzerselig durch das Programm. (Foto: Anneliese Schürer)

Mit
dem traurig-schönem Arie „Lascia ch‘io pianga aus „Rinaldo“
(1720)
von Georg Friedrich
Händel ging es in ein anderes Jahrhundert und es wurde
gleich deutlich, dass der ¾
Takt und Walzer nicht seinen Ursprung, wie man denken könnte, in
Wien hat. Hulkar Sabirova
sang die Arie mit viel Gefühl und Stimm-Volumen.

In
verschiedenen Tempi und Variationen fand dieser besondere Takt auch
bei dem „Valses nobles D 969“ von Franz Schubert, arrangiert für
Klavier zu vier Händen von Georg Kremser. Tatiana Prushinskaya und
Gabriel Feltz trugen gemeinsam am Klavier dieses meisterhafte Werk
von Schubert vor.

Von
der Liebe zu einer Frau inspiriert wurde der französische Komponist
Louis Hector Berlioz (1803 – 1869) bei
seinem „Un Bal“ (2. Satz der „Symphonie fantastique“ op. 14).

Beim
romantischen Liebeslied „je veux vivre“ aus „Romeo et
Juliette“ von dem französischen Komponisten Charles Gounod konnte
die Sopranistin Sabirova erneut ihre weiche und volle Stimme zur
Geltung bringen.

Gabriel
Feltz führte ab und zu mit witzig-humorvollen und bissigen
Überleitungen durch das Programm.
Es folgten mit dem Walzer
aus „Dornröschen“ von Peter Tschaikowsky (1848 – 1893) und dem
Walzer Nr.2 aus der „Suite für Varieté-Orchester“
von Dimitri Schostakowitsch (1906 – 1975) zwei russische Vertreter
mit ihrem ihren romantischen und bei Schostakowitsch in
trüben politischen Zeiten auch
melancholischen Walzer-Werken.Stimmungsvoll
wurde das Programm mit dem Frühlingsstimmen op. 410 von Johann
Strauß (Sohn) dem Ende entgegen geführt.

Sabirova
und Feltz ließen es sich nicht nehmen, dabei gekonnt einen
Walzertanz auf die Bühne zu bringen und danach auch zwei Gäste aus
dem Publikum zum Tanz zu bitten.

Einer
der wohl bekanntesten Walzer von Strauß Junior, der bekannte
„Donauwalzer“, sowie ein Czaras von Hulkar Sabirova dargebracht,
durften als Zugabe nicht fehlen.

Traditionell
wurde mit dem Radetzky-Marsch von Johann Strauss (Vater) das Programm
endgültig beendet und auf das neue Jahr angestoßen.




Tiefe Einblicke in seelische Untiefen

Der neueste PEGASUS-Krimi von Christiane Bogenstahl und Reinhard Junge, erschienen im Oktober 2018 im Grafit-Verlag, ist praktisch ein Folge-Thriller des vorherigen Kriminalroman „Datengrab“. Aber keine Angst, sie können den spannenden Psychothriller auch lesen, wenn sie „Datengrab“ noch nicht kennen. Es gibt genug erklärende Hinweise auf die vorangegangenen Ereignisse, die alle Personen und Zusammenhänge nahebringen.

Die Detektei PEGASUS ist so ziemlich am Ende, und soll durch den ehemaligen Kameramann und ziemlich unzufriedenen momentanen Hausmann und Frührentner Klaus-Ulrich Mager wieder belebt werden. Sein älterer Sohn, der Detektiv Dr. Kalle Mage, soll derweil als Bodyguard für Lea Bennsdorf dienen, die sich vier Jahre nach einer brutalen Vergewaltigung verfolgt fühlt.

Zunächst nimmt sie keiner ernst – denn ihr einstiger Peiniger Paul Kehlmann sitzt noch im Knast. Trauma oder Täuschung? Trotz anfänglicher Bedenken kommen Kalle Mager und seine Freunde und IT-Experten Simone Olsok und der in Lea verliebte Tim Hoppe langsam ins Grübeln. Denn über dem Phönixsee in Dortmund stürzt unerwartet ein Flugzeug samt einem Ex-Doktoranden und Feind Kehlmanns und dem Piloten ab…

Der Nachfolger von "Datengrab" überzeugt mit temporeicher Spannung. (Foto: © grafit Verlag)
Der Nachfolger von „Datengrab“ überzeugt mit temporeicher Spannung. (Foto: © grafit Verlag)

Der Krimi entwickelt einen einen großen Spannungsbogen, der den Leser immer mehr in seinen Bann zieht und kleine Überraschungen bereit hält.
Die Handlung spielt im Umfeld von Dortmund – Bochum – Wattenscheid sowie Essen, und die Sprache hat viel vom bissig-trockenem Ruhrpott-Charme und die verschiedenen Charaktere werden gut entwickelt.
Solides kriminalistisches Handwerk und Intuition tragen hier in Verbindung mit moderner Technik zur Lösung des Falls bei und geben interessante Einblicke in die aktuelle Möglichkeiten der Verbrechensaufklärung.
Wer wie ich in Dortmund wohnt und aufgewachsen ist, wird die genannten Orte und Straßen sicherlich wieder erkennen. Humorvolle Anspielungen etwa auf die Rivalität der beiden Fußballvereine BVB und Schalke 04 lockern die tiefen psychologischen Abgründe aus Rachegelüsten, Missbrauchsfolgen und den klar dargestellten schlechten Arbeitsbedingungen der PsychotherapeutInnen in Ausbildung auf.
Der Thriller ist nicht nur unterhaltsam und spannend, sondern spricht direkt oder indirekt gesellschaftspolitische Probleme an. So wird unter anderem auch der bedrohliche Rechtspopulismus in Form der AfD thematisiert.
Ein nicht nur Menschen aus dem Ruhrgebiet empfehlenswerte temporeiche und spannungsgeladene Lektüre.

Seelenamt

Christiane
Bogenstahl und Reinhard Junge

Kriminalroman kt.
411 Seiten

Grafit Verlag

EUR 13.00, E-Book
EUR 9.99

ISBN
978-3-89425-586-2




Kooperation zwischen UZWEI im Dortmunder U und hiesigen Realschulen

Wie weckt man bei Kindern und Jugendliche das Interesse für die bildende und darstellende Kunst und deren kreatives Potential? Das Kultur wesentlich für eine lebendige Stadtgesellschaft und Persönlichkeitsentwicklung ist, scheint in den Kommunen immer mehr anzukommen. So gibt es schon eine Kooperationsvereinbarungen mit Schulen und dem Theater Dortmund (wir berichteten).

Nun wurde am 14.11.2018 im Dortmunder U unter dem Motto „Über sich hinaus wachsen“ für drei Jahre eine Kooperation zwischen den hiesigen Realschulen und der UZWEI im Dortmunder U vereinbart.
Dr. Stefan Mühlhofer, der Leiter der Kulturbetriebe, überreichte den anwesenden Schulleiterinnen und Schulleitern der Dortmunder Realschulen die von den Beteiligten unterzeichneten Kooperationsverträge. Worum geht es genau?

Mit diesem Projekt haben Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Klassen von den beteiligten Realschulen auf der UZWEI die Gelegenheit sowohl Film, Fotografie und mediale Künste mit Inhalten aus den Schul-Lehrplänen zu verknüpfen. Unterstützt werden sie dabei von freien Künstlerinnen und Künstler, die mit ihnen zu ihren wichtigen Themen arbeiten.

Dr. Stefan Mühlhofer (zweite Reihe mit roter Krawatte) vereinbarte mit den  anwesenden Schulleiterinnen und Schulleitern der Dortmunder Realschulen eine kulturelle Kooperation. (Foto: © Lea Haubner)
Dr. Stefan Mühlhofer (zweite Reihe mit roter Krawatte) vereinbarte mit den anwesenden Schulleiterinnen und Schulleitern der Dortmunder Realschulen eine kulturelle Kooperation. (Foto: © Lea Haubner)

Es gibt vier Treffen pro Schulklasse, wobei eine Theaterfachfrau und ein bildender Künstler der UZWEI ihr Thema aus kreativer und auch medialer Perspektive bearbeiten werden. Sie drehen zum Beispiel Filmclips, bauen Requisiten oder erfinden Spiele und Geschichten.

Gerade SchülerInnen aus eher Kultur fernen oder wirtschaftlichen schwierigen Familienverhältnissen sollen die Möglichkeit bekommen, sich kreativ zu entfalten und ihr künstlerisches Potenzial zu erforschen. Im besten Fall werden sie so für Kunst und Kultur begeistert und gewinnen zudem an Selbstbewusstsein.

Einmal im Jahr werden die Ergebnisse dann auf großer Leinwand im Kino im U präsentiert.




Klassische Musik zwischen Trauer und Hoffnung

Das 4. Philharmonische Konzert am 11./12. Dezember 2018 im Dortmunder Konzerthaus stand unter dem Motto „Trauer und Hoffnung“. Ars tremonia war am 12.12.2018 mit dabei.
Die Dortmunder Philharmoniker unter der schwungvollen Leitung des französischen Dirigenten Marc Piollet kombinierte ganz verschiedene Gegensätze mit Werken von vier Komponisten. Die musikalischen Welten gehen von Bohuslav Martinů bis Wolfgang Amadeus Mozart, sowie Maurice Ravel bis Benjamin Britten.
Entstanden sind die zu hörenden Musikwerke alle in für die Komponisten schwierigen Phasen, Zwei sind auch von Trauer und Verzweiflung im Angesicht von Kriegsdrohung und Gewalt geprägt.

Das zu Beginn gespielte „Mahnmal für Lidice“ von dem tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů (1890 – 1959) ist ein eindringliches musikalisches Mahnmal und Erinnerung an das grausame Massaker des NS-Regimes am 22.06.1942 im tschechischen Lidice.
Ein düsterer und schriller Anfang löst sich erst langsam in einem patriotischen Choral aus dem 13. Jahrhundert auf und wirkt wie eine Paraphrase auf das Dies irae-Motiv aus der lateinischen Totenmesse. Nachdem sich die Atmosphäre langsam aufklärt, erhellt sich die Musik in hoffnungsvolle fast hymnische Höhen, bis die Idylle am Ende brachial durch einen Tutti-Akkord beendet wird. Hier kommen die tiefe Trauer und Mahnung mit der Trost und Hoffnung in einem Werk zusammen.

Für das folgende Klavierkonzert G-Dur von Maurice Ravel (1875 – 1937) konnte der renommierte Pianist Alexandre Tharaud gewonnen werden.
Das so leicht und brillant daherkommende und aufregend instrumentierte Konzert für ein Soloinstrument und kleines Orchester bietet nicht nur für den Pianisten sondern für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Ein fulminanter Peitschenschlag eröffnet das Konzert und schafft gleich eine spezielle „Zirkus-Atmosphäre“mit spanischem Flair. Es folgen eine Fülle von verschiedenen Themen, die von Amerika beeinflusste Jazz wie Blues-Elemente enthalten. Diese treffen unter anderem auf surreale Harfen-Klänge. Das wunderbare Adagio assai danach steht kontrastreich dazu und ist in seiner vordergründigen Einfachheit besonders kompliziert. Der Komponist hatte nach eigenen Angaben „Takt für Takt“ um die fließende Melodie gerungen. Nach einem Trommelwirbel beginnt im letzten Satz ein rhythmisch vorantreibendes und rasantes Finale mit schwindelerregenden Klavierkaskaden.

Das beeindruckte Publikum bekam vom virtuosen Pianisten noch zwei Zugaben zu hören.

Alexandre Tharaud spielte das Klavierkonzert von Maurice Ravel in G-Dur. (Photo: © Marco Borggreve)
Alexandre Tharaud spielte das Klavierkonzert von Maurice Ravel in G-Dur. (Photo: © Marco Borggreve)

Nach der Pause stand die Sinfonie D-Dur KV 504 „Prager“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) auf dem Programm, mit der der Komponist erst im zweiten Anlauf in Prag einen Riesenerfolg verbucht hatte.
Der erste Satz nimmt in seiner Bildhaftigkeit und thematischem Reichtum schon einiges von dem später entstandenen „Don Giovanni“ voraus. Im folgende Andante verbindet Mozart die gegensätzlichsten Elemente, Formen und Melodien zu einer für ihn typischen kunstvoll aufgeladenen Struktur. Der ernstere Charakter passten wohl nicht zu einem eleganten, tänzerischen Menuett. Jedenfalls ließ der Komponist es wegfallen. Das Rondo-Finale ist wieder von heiterer Lustigkeit und Finessen geprägt und endet mit einem strahlenden D-Dur.

Die als letztes gespielte „Synfonia da Requiem op. 20“ des britischen Komponisten Benjamin Britten (1913 – 1979) kann als prophetische Mahnung für das dem bekennenden Pazifisten im Jahr 1938 schon klar ersichtlichen drohendem Grauen des Zweiten Weltkriegs gesehen werden.
Zugleich hatte Britten noch den Tod seiner Eltern zu verarbeiten.
Das in drei Sätzen konzipierte Werk wollte er so sehr zu einem Anti-Kriegsstück wie möglich machen. Auch wenn die drei Sätze Titel aus der der lateinischen Totenmesse tragen, ist dieser theologische Bezug für ihn eher ein emotionaler. Die drei Sätze wurden an diesem Konzertabend als eine zusammenhängende Einheit präsentiert. Es beginnt mit einem donnernden Paukenschlag und führt zu einem dunklen langsamen Trauermarsch. Deutlich wird das durch die Lamento-Klage der Holzbläser und Streicher.
Dissonant und als Apokalyptische Reiter musikalisch herumrasend sowie nicht greifbare Gefahr geht es weiter. Das Saxophon sorgt nur kurz für eine gewisse Entspannung, bevor die Musik wieder zu neuen Höhepunkten aufgepeitscht wird und am Ende zerfällt.
Das zurückgenommene und friedliche Finale wird von drei Flöten etabliert.
Der Friede ist im Jahr 1941 bei der Uraufführung leider noch in weiter Ferne. Aber wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt.




Museum Ostwall Kunstpreis geht an Lili Fischer

Der von den Freunden des Museums Ostwall in Dortmund gestiftete und mit 10.000 Euro dotierte Kunstpreis „Follow me Dada and Fluxus“ geht im Jahr 2018 an die Hamburger Künstlerin Lili Fischer (Jahrgang 1947). Der schon zum fünften Mal zu vergebende MO Kunstpreis wurde aus sieben Einreichungen von einer Fachjury ausgewählt.

Mit dem Preis ist zudem noch eine Ausstellung „Schnakengeist“ der Preisträgerin Lili Fischer vom 16.12.2018 bis zum 31.03.2019 im Schaufenster Museum Ostwall (4. Etage) sowie ein Ankauf zweier Werke für die Sammlung des Museums verbunden.

Die Künstlerin hat schon ein bewegtes und vielseitiges Leben hinter sich. Ihre Kunst entstand in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts im Hintergrund von Happenings, Fluxus, Performance und Spurensicherung und späterer Feldforschung in der Natur und dem Lebensumfeld des Menschen. Ihre Ausdrucksformen umfassen Zeichnungen, Fotografie, Drehbücher, Performance und Objektkunst. 1994 bis 2013 war sie außerdem Professorin für Performance/Feldforschung an der Kunstakademie Münster.

Für ihr künstlerisches Schaffen steht heute, wie sie bei einem Pressegespräch erzählte, in der Speicherstadt (Hamburg) ein 100 qm großes Atelier zur Verfügung.

Die Arbeiten zu der Ausstellung stammen aus dem Zeitraum zwischen ungefähr 2005 und 2009.

Lili Fischer ist die diesjährige Preisträgerin des Kunstpreises "Follow me Dada and Fluxus". Foto: © Roland Gorecki
Lili Fischer ist die diesjährige Preisträgerin des Kunstpreises „Follow me Dada and Fluxus“. Foto: © Roland Gorecki

Mit der Natur war Fischer auch durch eine Tätigkeit als Amateurin auf Nordsee-Inseln wie Pellworm stark verbunden. Wie der Titel der Ausstellung besagt, stehen in der Ausstellung die oft eher als lästig empfundenen Schnaken (Schneide) im Mittelpunkt des Interesses.

Die Künstlerin liebt ihre filigranen Formen und tänzerischen Bewegungen sowie ihre Dimensionen.

Am Anfang ihrer gezeigten Kunst steht die Zeichnung der toten Schnake auf dem Zeichenpapier, dann werden die exakten Linien und Strukturen gezogen.

Aus diesen Linien werden Schrift, Luftströmungen, Flugbewegungen und genaue Studien der Proportionen. „Es entsteht ein ganzer Kosmos, so die Künstlerin. Ihr Vater war, wie sie verriet, ein Flugzeugbauer.

Neben Zeichnungen und Skizzen in Schwarz-Weiß und einem farbigen Foto-Plakat mit einem Menschen mit „Schnakenflügeln“ in einer Wolkenlandschaft, sind noch einige eindrucksvolle Modelle von Schnaken in verschiedenen Größen in ihrer filigranen Schönheit zu sehen.

Das größte Modell einer Schnake (T-förmig) aus der Werkgruppe Schnaken (2006/2008) besteht zum Beispiel aus ganz feinem Japanpapier, Peddigrohr, Rundhölzern, Draht, Sieb und wurde mit Pigmentfarben sowie edler Bronze versehen und mit Leim befestigt. Das Model hat die enorme Flügelspannbreite von 300 cm, Körperhöhe ca. 100 cm und einer Beinlänge (ausgestreckt) von 220 cm. Dieses Werk gehört zu den beiden Ankäufen für das Museum Ostwall (MO).

Die zweite angekaufte Arbeit gehört zur Werkgruppe Schnaken (2005 – 2008) und trägt den Titel „Schnakengeist“ (Tipula maxima). Sie wurde geschaffen aus gerissenem Japanpapier auf schwarzem Karton (120 x 180cm) und trägt die Bezeichnung nicht ganz zu unrecht.

Die offizielle Preisverleihung an Lili Fischer findet am Sonntag, den 16.12.2018 im Museum Ostwall im Dortmunder U im dortigen „innogy Forum/ Kino“ (Erdgeschoss) statt.

Leonie-Reygers-Terrasse 2
44137 Dortmund

Wie Klaus Fehlemann (Vorsitzender der Freunde des Museums Ostwall im Dortmunder U9 vorab verriet, sollen alle bei der Preisverleihung Anwesenden ein von Hand signiertes Motiv-Plakat der Künstlerin nach Hause mitnehmen können. „Das gehört zu unserem Konzept,“ so Fehlemann.

Infos unter
mo@stadtdo.de oder Tel.. 0231/
50–24723