Der Sandmann – und die düsteren Dämonen

Die Uraufführung
von E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ (ab 16 Jahren) in der
Inszenierung von Andreas Gruhn (Direktor des Kinder und Jugendtheater
Dortmund) im KJT am Freitag, den 22.02.2019 war ein eindringliches
Erlebnis für das Publikum. Die schaurige Erzählung um den
traumatisierten jungen Studenten Nathanael, der immer mehr in den
Wahnsinn driftet, wurde mit den modernen Mittel aber eng an der
Textvorlage vermittelt. Ein exemplarisches Stück aus dem Zeitalter
der der schwarzen Romantik.

Es war ein
gelungenes Zusammenspiel von atmosphärisch verstärkenden
Videoinstallationen, Musik und Klangbegleitung, gezieltem Einsatz der
Beleuchtung sowie dem eindrucksvollen Spiel der Schauspielerinnen und
Schauspieler des KJT-Ensembles.

Die Bühne wurde zu
einer dunklen, klaustrophobischen Umgebung mit dunklem Mobiliar und
geheimnisvoll verschlossener Doppeltür gestaltet. Hitchcock, Murnau
oder wahrscheinlich auch E.T.A. Hoffmann hätten ihre wahre Freude
gehabt.

Das Publikum sieht
die Geschichte zunächst mit den Augen des Nathanael. Die Rolle des
Protagonisten war eine große Herausforderung für den Schauspieler
Thorsten Schmidt, die er mit Bravour meisterte. Zur Vermittlung
seines Traumas aus der Kindheit, wurde ihm eine Kinderpuppe zur Seite
gestellt und symbolisiert auch die Macht dieses Traumas auf den
Protagonisten. Seine Mutter (Bettina Zobel) nutzt das Schauermärchen
vom ominösen „Sandmann“, um ihn zum einschlafen zu bringen.
Selbst verabscheut sie eigentlich das Märchen. Sensibel wurde sie
von Bettina Zobel gespielt. Dieser böse Mann kommt angeblich zu
Kindern, die nicht schlafen wollen, und streut ihnen eine große
Menge Sand in die Augen, um sie ihnen heraus zu reißen und für
seine Kinder zu klauen. Neugierig beobachtet Nathanael, dass eine
Eltern Besuch von einem ekeligen, windigen, bedrohlichen Advokaten
Coppelius bekommen, und sich offensichtlich ängstlich und
unterwürfig verhalten. Ist das der Sandmann? Was für seltsame
alchemistische Experimente finden statt und was für ein Geheimnis
hat sein Vater? Ein Jahr später kommt dieser bei einer chemischen
Explosion mysteriös ums Leben und Coppelius verschwindet.

Claras Bruder Lothar (in der Mitte, gespielt von Jan Westphal) versucht Nathanael (Thorsten Schmidt) vor Olympia (Bianka Lammert) zu warnen. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Claras Bruder Lothar (in der Mitte, gespielt von Jan Westphal) versucht Nathanael (Thorsten Schmidt) vor Olympia (Bianka Lammert) zu warnen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Als Student glaubt
er nach Jahren, in dem italienischen Wetterglashändler Coppola,
jenen Coppelius wieder zu erkennen. Coppelius und Coppola wurden
wunderbar gruselig in einer Doppelrolle von Andrea Ksienzyk gespielt.
Als geduldig um das Seelenheil des Studenten kämpfende Verlobte
Clara und ihr Bruder Lothar, überzeugten Ann-Kathrin Hinz und Jan
Westphal. Der Blickwinkel wechselt nach und nach auch auf die
Sichtweise des Umfeldes des „seltsamen Studenten“. Der verliebt
sich bei einem vom Physikprofessor Spalanzani (ebenfalls von Rainer
Kleinespel gespielt) initiierten Ball unsterblich in eine leblose
Holzpuppe, die der Professor als seine maßgebliche Tochter Olympia
ausgibt. Er hatte sie heimlich zusammen mit Coppola erschaffen.
Bianka Lammert verkörpert die schwierige Rolle einer „leblosen
Hohlpuppe“ mit roboterhaften Bewegungen und Kontaktlinsen als tote
Augen beeindruckend. Sie bringt als einziges Wort „ach“ heraus.

Nathanael ist von
deren zurückhalten, widerspruchslosen seltsamen Schönheit
magnetisch angezogen, und fühlt sich nur durch sie richtig
verstanden. Nur durch seinen Blick wird sie lebendig.

Als er sieht, wie
sich in Spalanzanis Zimmer dieser mit Coppola um die Figur Olympias
streitet, erkennt er, dass sie nur eine leblose Puppe ist, der jetzt
die Augen fehlen.

Das sich Realität
und Fantasie ständig vermischen, zieht sich wie ein roter Faden
durch das Stück.

So erwacht Nathanael
zwei mal im Stück aus einem „langen Krankheitsschlaf“ und
befindet sich im Kreise der Familie. Scheinbar genesen, will er nun
zur Freude seiner Mutter endlich Clara heiraten. Durch den Blick
durch sein Fernglas auf Clara auf dem städtischen Rathausturm,
verfällt er wieder in seine Wahnwelt und stürzt in den Tod, während
die kritisch-realistische und lebensbejahende Clara letztendlich ihr
Glück findet.

Die Inszenierung ist
nicht nur als Gesamtkonzeption gelungen, sondern lässt dem Publikum
viel Raum für freie Assoziationen und Beurteilungen. Es wäre auch
ein gutes Stück für das Schauspielhaus.

Informationen über
die weitere Aufführungstermine erhalten Sie wie immer unter:

Tel. 0231/ 50 27 222
oder www.theaterdo.de




Große Bekenntniswerke beim 6. Philharmonischen Konzert in Dortmund

Das 6.
Philharmonische Konzert im hieigen Konzerthaus am 19. und 20.02.2019
stand unter dem Motto „Selige Stimmen“. Zwei große Komponisten
mit zwei persönlichen Bekenntniswerken standen im Mittelpunkt der
beiden Abende. Zum einen die mysteriös-unvollendete Messe c-Moll KV
427 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), nach seinem Umzug
nach Wien und seiner Hochzeit mit Constanze Weber entstanden, zum
anderen die musikalische Liebeserklärung an Russland „Die Glocken“
op. 35 von Sergej Rachmaninow (1873 – 1943).

Für die beiden
herausragenden Werke wurde die ganz große Besetzung aufgeboten.
Neben den Dortmunder Philharmonikern unter der temperamentvollen
Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz waren noch insgesamt
sieben Solosängerinnen und Sänger mit ausdrucksstarken Stimmen
sowie der renommierte Tschechische Philharmonische Chor Brno an den
Aufführungen beteiligt. Chormeister und Direktor dieses
eindrucksvollen Chors ist Petr Fiala.

Die
herausragende Messevertonung der europäischen Musikgeschichte von
Mozart, aufgebaut in Kyrie, Gloria, Credo und Sanctus, zeichnet sich
durch viele stilistische Ebenen aus. Sie ist gleichermaßen von
barocken Passagen wie auch von der italienischen Oper durchdrungen.
Die Sopranistin Akiho Tsujii hatte den größten Gesangspart zu
bewältigen und tat dies mit Bravour. Auch ihre Gesangskollegen Anna
Harvey (Mezzosopran, Benjamin Glaubitz (Tenor9 und Lucas Singer
(Bass) standen ihr in verschiedenen Konstellationen, ob Solo- im
Duett, Terzett oder am Ende als Quartett in nichts nach. Der
„typische“ Mozart, mit dem ihm eigenen Stil als Meister des
Kontrapunkts, war bei der Aufführung unverkennbar heraus zu hören.

Für „Die Glocken“ von Sergej Rachmaniniow wurde das große Orchester, dazu eine Solosängerin (Olesya Goloneva als Sopran), Maxim Aksenov (Tenor), der in Dortmund gut bekannte Luke Stoker (Bass) als Solosänger sowie der Tschechische Philharmonische Chor Brno als gewaltiges klangliches Fundament eingesetzt.

Der Komponist wurde
durch das Gedicht „The Bells“ von Edgar Allan Poe, frei übersetzt
ins Russische von Konstantin Balmont, zu seinem chorsymphonischen
Werk angeregt. Diese russische Übersetzung wurde für die
Aufführungen übernommen. So kommt viel „russische Seele“ rüber.

Unterstützt wurden die Dortmunder Philharmoniker beim 6. Philharmonischen Konzert vom eindrucksvollen Tschechischen Philharmonischen Chor Brno. (Foto: © Pavel Nesvatba)
Unterstützt wurden die Dortmunder Philharmoniker beim 6. Philharmonischen Konzert vom eindrucksvollen Tschechischen Philharmonischen Chor Brno. (Foto: © Pavel Nesvatba)

In vier Sätzen wird
hier der vor der Verbreitung der Uhr durch Kirchenglocken bestimmte
Lebensrhythmus der Menschen, den Rachmaninow gut aus seiner Heimat
von früher kannte, musikalisch dargelegt.

Glocken kommen im
Konzert auch in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichen
Klangfarben, die hervorragen die verschiedenen Stimmungen in den
unterschiedlichen Lebenssituationen begleiteten.

Im ersten Satz
„Silberne Glocken“ steht die jugendliche Lebensfreude im
Mittelpunkt. Er beginnt mit einem hellen Läuten von Schlittenglocken
(Glockenspiel, Triangel, Celesta und Streicher). Der Solotenor
begleitete mit seiner vollen Stimme im Wechsel mit den Chor das
Geschehen.

Im zweiten Satz
erklingen „Hochzeitsglocken“, und die helle klare Stimme der
Sopranistin gesellt sich nach dem feierlichen Choreinsatz in die
fröhliche Stimmung ein und es endet mit dem Einsetzen von
Röhrenglocken zu freudigen Rufen des Chors.

Im Dritten Satz
„Sturmglocken“ wird die Wirkung der Feuer-und Alarmglocke auf den
Menschen musikalisch eindrucksvoll beschrieben. Es geht hoch her in
den Wirren des Lebens. Klage und Schreckensrufe des Chors und werden
kontrastreich und dramatisch mit dem Sopran gesteigert.

Die „Todesglocken“
im vierten Satz deuten auf das Lebensende hin. Elegisch-melancholisch
beginnt er mit dem Einsatz des Englischhorn. Er wird dann monoton
traurig begleitet vom Chor und dem tiefen warmen Bass. Atmosphärisch
eindrucksvoll ist der musikalische Wechsel von Aufbäumen im Schmerz
und dem Versinken in Trauer bis zum. Da kommt viel rüber, was man al

Ein wunderbares
Orchesternachspiel, das harmonisch und melodisch etwa an das Ende von
Wagners „Götterdämmerung“ erinnert, bildete den eindrucksvollen
Abschluss.




Impressionistische Gemeinschaftsausstellung in der Artothek

Unter dem Titel
„Illusion oder Realität“ zeigt die Artothek der
Zentralbibliothek (Max-von-der-Grün-Platz 1-3) vom 19.02.2019 bis
zum 02.04.2019 an die 23 Werke von Viola Scheit (Mutter) aus Herten
und Lydia Dade (Tochter) als Gemeinschaftsausstellung. Erstmals
stellen die beiden Frauen ihre impressionistischen Werke gemeinsam
aus. Es sind ungefähr 11 Arbeiten der Tochter, und 12 von der
Mutter, die bewusst nicht getrennt, sondern gemischt aufgehängt
wurden. Der Austausch und die Auseinandersetzung mit anderen
Künstlern und den Besuchern ist ihnen wichtig.

Wie Viola Scheit
beim Pressegespräch verriet, malen beide mit Leidenschaft. Ihr
Vater, ein bekannter Kunstmaler aus dem Vogtland, hat sicher einen
prägenden Einfluss auf die nachfolgenden Generationen gehabt. Lydia
Dade hat schon ab der 8. Klasse intensiv gemalt und wurde von ihrer
Mutter mit dem technischen Rüstzeug versehen und geleitet. Die
kreativen Frauen stehen miteinander in einem konstruktiven, auch
kritischen künstlerischen Kontakt. Dade ist zudem als
Sozialpädagogin tätig und widmet sich privaten Kunstprojekten. Die
Mutter ist in einem Hertener Kunstkreis aktiv tätig.

Viola Scheits Arbeiten sind vorwiegend Ölmalerei sowie Kohle- und Bleistiftzeichnungen. Wichtig ist ihr, den einzigartigen gelebten Augenblick in Landschaften, Porträts (zumeist von Familienmitgliedern) und abstrakten Bildern fest zu halten. Sie malt in impressionistischer Tradition und betrachtet die Kunst als Werkzeug, um das Gute und Schöne in der Welt aufzuzeigen, gleichzeitig aber auch zum Einsatz für Frieden zu ermahnen. Benutzt werden von ihr dabei verschiedene Techniken (Tupftechniken, Arbeiten mit Modelliermasse oder Papier). Manche Arbeiten , wie das Bild „Rom“, wirken wie ein fröhlich-sanftes Acrylgemälde, obwohl es mit Ölfarben gemalt wurde. Kontraste spielen eine große Rolle. Ein prägnantes Beispiel dafür ist das Bild „Frieden“. Mit der großen weißen, schillernd durchbrochenen „Friedenstaube“ vor einem bedrohlichen dunklen Hintergrund. Die Liebe wird in verschiedenen Bildern abstrakt, fast surreal dargestellt.

Viola Scheit (links) und Lydia Dade zeigen ihre impressionistischen Werke in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek.
Viola Scheit (links) und Lydia Dade zeigen ihre impressionistischen Werke in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek.

Die Acryl- und
Öl-Arbeiten ihrer Tochter Lydia sind voll unterschiedlicher
Stimmungen und Harmonie. So unterschiedlich wie die jeweilige
Gefühlslage in der jeweiligen Situation war, finden diese sich in
ihren Werken wieder. Mal sind sie traurig-melancholisch oder
hoffnungsvoll in kräftigen, oder wie bei zum Beispiel bei der
„Blauen Frau“ in sanften, ätherischen grün-blauen Farben. Eine
Quelle der Inspiration für ihr künstlerisches Schaffen ist außerdem
die Musik.

Das schöne bei den
Bildern ist, dass sie mit ihren verschiedenen Details (ob
Engelflügel, Schachfiguren u.a. mit starker Symbolkraft) zum
Innehalten und zur Auseinandersetzung anregen, oder einfach wie bei
dem „New York“-Bild (mit Tochter und Begleitung) einfach nur die
Lebensfreude in diesem Moment vermitteln.

Öffnungszeiten der
Artothek:

Dienstags, Freitag
10:00 – 19:00 Uhr.




Der Sandmann – Stoff zwischen Realität und Fiktion

In der nächsten
Zeit ist der Schauerroman „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann
(1778 – 1822) als Stoff für die Abiturklassen vorgesehen.

Da passt es gut,
dass der Direktor des Kinder- und Jugendtheaters in Dortmund, Andreas
Gruhn, in der ersten Premiere im Jahr 2019 diese Erzählung in der
Tradition der „Schwarzen Romantik“ mit seinem Ensemble im KJT
inszeniert. Die sogenannte „Schwarze Romantik“ entstand als
Gegenbewegung der auf Vernunft und Verstand gerichteten Aufklärung.

Der Schriftsteller
E:T:A. Hoffmann hatte schon hundert Jahre vor Sigmund Freud die
Entwicklung von Psychosen in allen Stadien beschrieben, so Gruhn.

Der hochdramatische
Stoff um einen traumatisierten jungen Mann ist ein drastisches
Schauerstück und für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet.Wie der
Regisseur erklärte, dass sich Inszenierung in seiner Bearbeitung nah
an der geschriebenen Vorlage hält..

Nathanael (Thorsten Schmidt) führt Olympia (Birgit Lammert) aus. Doch ahnt er ihre Besonderheit? Oder passiert das nur in seiner Phantasie? (Foto: © Birgit Hupfeld)
Nathanael (Thorsten Schmidt) führt Olympia (Birgit Lammert) aus. Doch ahnt er ihre Besonderheit? Oder passiert das nur in seiner Phantasie? (Foto: © Birgit Hupfeld)

Es wird ein
interessanter Wechsel der Perspektiven stattfinden. Zunächst erlebt
das Publikum die Erzählung aus der den Augen und Briefen des jungen
Protagonisten Nathanael (Thorsten Schmidt), später aus der Sicht der
anderen Personen. Wie Andreas Gruhn beim Pressegespräch betonte,
schreit das Stück gerade zu nach starken Bildern. Atmosphärisch
passend begleitet wird die Inszenierung mit Musik, Videos und
Puppenspiel. Es geht ja auch um „künstliche Menschen“ (Olympia,
die Tochter des Dozenten Spalanzani ist eigentlich eine
automatisierte Holzpuppe). Das Publikum wird in eine Welt versetzt,
in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.

Eine Frage von
großer Aktualität stellt sich uns in dem Stück. Wie verändert
sich die Wahrnehmung in einer zunehmend digitalisierten und medialen
Welt, und was hat das für Auswirkungen auf uns, vor allem aber
gerade junge Menschen.

Dramaturgin Lioba
Sombetzki erklärte, dass das Spannende am „Sandmann“ sich aus
verschiedene Arten lesen und verstehen lässt. Es besteht die
Möglichkeit, die Handlung als wahr zu betrachten und so ein
unheimliches Nachtstück vorzufinden, in dem sich sich die
unmittelbare Umwelt gegen Nathanael verschworen hat, bis es am Ende
zu seinem Tod kommt. Auf der anderen Seite bleibt die Ungewissheit
über den unheimlichen Sandmann tatsächlichen Geisteszustand des
Protagonisten. Der Blick durch das Perspektiv, dem Instrument zur
Vergrößerung der Sehkraft (deren Verlust eng mit dem
Kindheitstrauma von Nathanael verbunden ist), soll eigentlich
Sicherheit schaffen, zwischen Realität und Fiktion unterscheiden zu
können. Aber gerade die wird ihm dadurch geraubt und ist keine
Hilfe.

Der Stoff ist
sicherlich eine große Herausforderung für die SchauspielerInnen,
vor allem aber für den KJT-Schauspieler Thorsten Schmidt in der
Rolle des Nathanael.

Die Premiere am
22.02.2019 um 19:00 Uhr im Kinder-und Jugendtheater ist schon
ausverkauft. (Es lohnt sich aber immer , nachzufragen, ob Karten frei
geworden sind).

Informationen über
weitere Aufführungen gibt es unter www.theaterdo.de




I am still here – Hannes Brock mit Elan zurück

Vieles ist
mittlerweile aus Dortmund verschwunden, doch eine Konstante
widersetzt sich glücklicherweise. Kammersänger Hannes Brock bleibt
uns trotz seiner Abschieds-Gala im letzten Jahr weiter erhalten. Wohl
nicht ganz so glücklich mit seinem „Unruhe-Stand“, brauchte der
Intendant Heribert Germeshausen nicht viel Überredungskunst, um ihn
für ein ein weiteres Galakonzert am 16.02.2019 in der Oper Dortmund
zu überzeugen.

Brock ist eine
Institution in unserer Stadt und es gelingt ihm immer noch, dass
Publikum mit seiner ausdrucksstarken und einfühlsamem Stimme sowie
seinen Entertainer-Qualitäten mitzureißen.

Das Programm hatte
so bezeichnender Weise den Titel „I am still here“ (Ich bin immer
noch hier).

In der zweiten
Hälfte der Gala gab er passend dazu eine extra auf sein Leben
zugeschnittene deutschsprachige Version von „I‘m Still Here““
(aus Follies (Stephen Sondheim) zu Gehör.

Musikalisch zur
Seite standen ihm tatkräftig (wie schon viele Jahre) „seine“
Band mit Markus Otten (Gitarre), Simone Witt (Piano und Bandleitung),
Bernd Zinsius (Bass), Jan Rohling (Drums), Ana-Maria Dafova
(Keyboard) und Axel Riesenweber (Leadtrompete) zur Seite.

Außerdem zeigten im
Hintergrund auf der Bühne auch die Dortmunder Philharmoniker unter
der schwungvollen Leitung von Philipp Armbruster mit viel
Sensibilität wieder einmal ihr vielseitiges Können.

Die Arrangements
wurden Matthias Grimminger und Hennning Hagedorn zusammengestellt.

Der Kammersänger bot ein weit gefächertes Repertoire: Zu hören waren Musical-Hit aus Sunset Boulevard, A Chorus Line, Man of La Mancha, Miss Saigon oder Les Misérables, aber auch bekannte und beliebte Evergreens aus dem Bereich Pop. Dabei war zum Beispiel „Beautiful“ (Carole King), Paul Simons „Bridge Over Troubled Water“, das wunderschöne „Turn, Turn, Turn“ (Pete Seeger) oder „In My Life“ von den noch jungen Beatles John Lennon/ Paul McCartney, sowie „Piano Man“ (Billy Joel).

Kammersänger Hannes Brock bot wieder eine unterhaltsame Mischung aus Musical und Pop. (Foto: © Björn Hickmann)
Kammersänger Hannes Brock bot wieder eine unterhaltsame Mischung aus Musical und Pop. (Foto: © Björn Hickmann)

Eine gute Idee war,
sich als Special Guest die „Mordsstimme und Mordsfrau“ (so Hannes
Brock) Deborah Woodson für die Gala zur Seite zu holen. Beide kennen
sich gut aus ihrer gemeinsamen Arbeit bei dem Musical Hairspray
(2017) hier an der Oper Dortmund. Damals begeisterte sie als
Motormouth Maybelle. Ihre prägnante Gospel-Stimme (sie ist die
Tochter eines amerikanischen Baptistenpastors) hat enorme Power und
Volumen. Mit ihrem Temperament und starken Songs wie etwa „I Will
Survive“ (Freddie Perren/ Dino Fekaris), oder „Proud Mary“
(John Fogerty) rockte sie den Saal und begeisterte vor allem mit
einer starken Version von „I Will Always Love You“. Dieser
eigentlich für Dolly Parton komponierte Song wurde so richtig durch
Whitney Houston (Film Bodyguard) berühmt. Zusammen mit Ks. Hannes
Brock gab sie eine besondere Interpretation von „New York , New
York“ (John Kander) zum Besten.

Zu einer Gala gehört
selbstverständlich auch eine glanzvolle Garderobe. Zu jedem neuen
Song gab es ein neues zum jeweiligen Lied passendes Outfit für die
Sängerin. Hannes Brock wechselte seine Kleidung während der Pause.
Gewohnt humorvoll-ironisch kokettierte der Kammersänger während der
Gala mit seinen „Altersbeschwerden“ und scherzte mit dem
Dirigenten.

Als Zugabe durfte
„My Way“ (Frank Sinatra nicht fehlen. Zur Freude des Publikums
sang er zusammen mit Deborah Woodson auch noch etwas aus „Hairspray“.

Wer Lust bekommen
hat, kann die Gala „I am still here“ mit Ks. Hannes Brock noch am
12.04.2019 in der Oper Dortmund erleben.

Informationen gibt
es wie immer unter www.theaterdo.de
oder tel.. 0231/ 50 27 222.




Digitalisierung ist Thema bei der 5. Konferenz des Deutschen Bühnenvereins in Dortmund

Am 14. und 15.
Februar 2019 fand die 5. Konferenz der Theater-, Tanz-und
Musikpädagoginnen und Pädagogen des Deutschen Bühnenvereins
Landesverband Mitte in Dortmund statt. Im Theater Dortmund berieten
und informierten sich Theaterpädagogen von aus Nordrhein-Westfalen,
Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland erstmals durchgehend mit
einem Thema.

Es ging um die
zukunftsweisende Frage, welchen Einfluss die Digitalisierung auf das
Theater und die jeweiligen wichtigen vermittelnden pädagogischen
Maßnahmen ausübt. Da ist Dortmund als digitaler Theater-„Hot
Spot“ und der geplanten „Akademie für Digitalität und Theater“
genau der richtige Ort für die Konferenz.

Wie Lina Zehelein
(Staatstheater Darmstadt) verriet, das man sich in diesem Jahr über
die große Teilnehmerzahl von achtzig Personen freuen konnte.
Erfreulich auch, die Zahl der männlichen Theaterpädagogen ist in
den letzten Jahren von zwei auf zwanzig gestiegen!

Die digitale Welt wird auch das Theater umkrempeln. Die Theaterpädagoginnen und -pädagogen machen sich fit für die Zukunft. (v.l.n.r.) Monika Menezes-Kuth (Deutscher Bühnen-Verein), Luisa Schumacher (Staatstheater Wiesbaden), Sarah Jansinszczak (Theater Dortmund), Svenja Riechmann (Theater Dortmund) und Lina Zehelein (Staatstheater Darmstadt).
Die digitale Welt wird auch das Theater umkrempeln. Die Theaterpädagoginnen und -pädagogen machen sich fit für die Zukunft. (v.l.n.r.) Monika Menezes-Kuth (Deutscher Bühnen-Verein), Luisa Schumacher (Staatstheater Wiesbaden), Sarah Jansinszczak (Theater Dortmund), Svenja Riechmann (Theater Dortmund) und Lina Zehelein (Staatstheater Darmstadt).

Im Theater Dortmund
informierten sich die Beteiligten mit Hilfe zahlreicher
Impulsvorträgen und Workshops über die Frage: „Wie kann, muss und
wird sich unsere Arbeit ändern“, um auch im 21. Jahrhundert Kinder
und Jugendliche, aber auch neue Zuschauerschichten im
Erwachsenenbereich an Kultur heranzuführen. Gerade in der jetzigen
Zeit ist es besonders wichtig, ein freies und reflektierende
kritisches Korrektiv in einer immer komplexer und für viele
bedrohlich wirkenden gesellschaftlichen Verhältnissen zu haben.

Die Dortmunder
Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak betonte, dass sich die
Wahrnehmung der Jugend durch die modernen Technologien stark geändert
hat. „WhatsApp“ , „Instagram“, und schnelle Suchmaschinen wie
Google oder Enzyklopädien wie Wikipedia, PC-Gaming oder
Mannequin-Challenge (das regungslose Verharren in Posen, die
alltägliche Situationen nachstellen) gehören zu ihrem Leben.

Es ist die Frage,
wie wir sie in ihrer Lebensrealität abholen, ihr Interesse wecken
und in einen konstruktiven Dialog mit ihnen treten kann. Es gibt
gerade in Dortmund eine Vielzahl an kulturvermittelnden Angeboten für
Babys bis zu Seniorinnen und Senioren. So z.B. Baby-Konzerte,
Konzerte für junge Leute, Jugendclubs, Senioren-Tanztheater und
vieles mehr.

So können, wie
schon im Schauspiel Dortmund geschehen, Gaming-Formate, wie zum
Beispiel das von Anna Kpok, ausgetestet werden. Eine Verbindung von
analoger und digitaler Welt ist ein Ziel sowie Geschichten zum
weiterentwickeln (Beispiel: Misson Possible – Musiktheater im
Revier Gelsenkirchen).

Bedeutsam und
wichtig ist aber auch eine gute Kooperation mit den Schulen (wir
berichteten über solche Kooperationsverträge in Dortmund) und
Vernetzung mit anderen kulturellen Bildungsträgern.

So besuchten am
15.02.2019 zum Beispiel die KonferenzteilnehmerInnen das Zentrum für
kulturelle Bildung, der UZWEI auf der zweiten Etage im Dortmunder U.
Dort bot die gerade laufende digitale Camping- Erlebnis-Ausstellung
genügend Stoff für einen regen Austausch.

Die nächste
Konferenz 2020 soll übrigens in Wiesbaden stattfinden. Beim
Pressegespräch war auch Luisa Schumacher vom hessischen
Staatstheater Wiesbaden anwesend. Sie konnte wichtige Eindrücke und
Erfahrungen aus der Konferenz in Dortmund mitnehmen.




Amüsanter Ruhrgebietsroman als Theaterstück im Schauspiel Dortmund

Seine Uraufführung
im Schauspiel Dortmund hat am Samstag, den 16.02.2019 um 19:30 Uhr
„Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ nach dem
gleichnamigen Roman der in Essen geborenen Autorin Anna Basener.
Regie führt die vor allem als Kabarettistin bekannte Gerburg Jahnke
(Missfits, Ladies Night). Für„Omma“ wurde Anna Basener im
letzten Jahr mit dem Pulitzer Preis (nicht der Amerikanische) in der
neuen Sparte Roman für den amüsantesten deutschsprachigen Roman
ausgezeichnet. Auch Jahnke begeisterte das Buch sofort.

Im Mittelpunkt des
als Theaterstück gekürzten Stoffes stehen vor allem drei starke
Frauen. Zum einen ist da die Ruhrpottikone und ehemalige
Wirtschafterin in einem Essener Puff, genannt „Omma“ (Anke
Zillich), die nach dem mysteriösen plötzlichen Tod der ehemaligen
Hure und Vertrauten Mitzi (Friederike Tiefenbacher) fluchtartig alle
Zelte in Essen abbricht und bei ihrer entsetzten Tochter Bianca
(Caroline Hanke), einer bis jetzt noch erfolglosen Designerin von
Damenschlüpfern, im hippen Berlin-Kreuzberg auftaucht. Diese ist
nicht nur auf der Suche nach ihrer Bestimmung, sondern auch im
Dauerclinch mit ihrer Mitbewohnerin Louise (Luise Kinner).

Diese ist nämlich
über-korrekt. Als dann noch der junge Polizeikommissar Nils (Jens
Kipper) dort auftaucht und unangenehme Fragen stellt, ist das Chaos
groß. Bianca wundert sich, wie die vitale Mitzi so plötzlich
sterben konnte…

Die Omma (anke Zillich) ist über Theos (Mario Lopatta) Anblick entzückt, ihre Enkelin Bianca (Caroline Hanke) ist skeptischer. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Caroline Hanke
Anke Zillich
Mario Lopatta

Diese urig-komische
und musikalische Komödie mit zwei unerschrockenen Heldinnen, lässt
das schroffe Rotlichtmilieu im Pott gegen das so hippe Berlin der
Gegenwart antreten. Gleichzeitig zeigt es zudem zwei unterschiedliche
Sichtweisen auf das älteste Gewerbe der Welt.

Eine besondere
Herausforderung und Spaß für zwei der Schauspieler im Stück ist,
dass sie sowohl eine männlicher Rolle als auch eine Hure spielen.

Außerdem muss das
Ensemble sein musikalisches Können beweisen und singen. Die
Liedtexte stammen von der Autorin des Buches, so das sich Tommy Finke
(Musikalischer Leiter des Dortmunder Schauspiels) zu seiner Freude
voll auf die Musik konzentrieren konnte.

Diese hat er den
verschiedenen Figuren respektvoll und sensibel auf den Leib
geschnitten.

Je nachdem, so viel
wurde vorab verraten, wird Walzer, Gitarren- oder Akkordeon-Musik zu
hören sein. Allgemein auch Musik, die mit Klischees spielt und zum
Lachen anregt.

„Es geht in den
Liedern immer um Gefühle und innere Befindlichkeiten mit einem oft
lyrisch-poetischen Anklang “, so Jahnke.

Die Bühne wird zu
einer Drehbühne und die Schauspielerinnen und Schauspieler sprechen
das Publikum direkt an. Der Regisseurin ist wichtig, dass das
Publikum auch wirklich angesehen wird.

Zu erwarten ist wohl
eine unterhaltsam-freche, mal sexy oder sentimentale und „politisch
unkorrekte“ Inszenierung.

Die Premiere am
16.02.2019 und die folgenden bis Ende März sind schon alle
ausverkauft. Die Termine in den folgenden Monaten bieten aber noch
Gelegenheit, die Aufführungen dieses Stückes zu erleben.

Informationen zu den
genauen Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder
telefonisch: 0231/ 50 27 222.

Es lohnt sich auch
immer nachzufragen, ob eventuell noch Karten für einen eigentlich
schon als ausverkauft geltenden Termin frei geworden sind!




Ibsens Hedda Gabler – Ein Konflikt zwischen zwei Lebensmodellen

Im Studio des
Schauspiel Dortmund steht am 15.02.2019 um 20.00 Uhr das Drama „Hedda
Gabler“ von Henrik Ibsen (1828 – 1906) unter der Regie von Jan
Friedrich auf dem Programm. Der junge Regisseur kann dabei seine in
einem Studium erworbenen Kenntnisse der Zeitgenössische Kunst für
seine erste Inszenierung für das Schauspiel Dortmund einbringen.

Obwohl die
Aufführung nah am Text von Ibsens Drama bleiben wird, wird der Stoff
mit modernen Stilmitteln für die heutige Zeit aufbereitet. Wie beim
Pressegespräch erklärt wurde, wird die Inszenierung als
Barbie-Sitcom, mit Masken und allem was dazu gehört, beginnen. Man
darf gespannt sein, welche Bühnen Barbie-Ken-Welt das Publikum
erwartet. Mit der Zeit bröckelt allerdings die bürgerliche Fassade
und wird nach und nach schauspielerisch zerfallen.

Zum Stück: Hedda
Tesman, geborene Gabler und Tochter eines hohen Generals, führt
frisch verheiratet ein scheinbar perfektes Leben mit ihrem Mann
Jörgen. Dieser ist ein vielversprechender und aufstrebender
Kulturwissenschaftler, der ihr ein finanziell gesichertes Leben und
eine hohes gesellschaftliches Ansehen bietet. Das sie ihn nicht
liebt, er sie nicht wirklich beachtet und nur als schönes Objekt
betrachtet, stört sie da zunächst wenig. Die Aussicht auf eine
lukrative Professorenstelle für Jörgen und die Hoffnung auf den
baldigen Nachwuchs sowie ein ansehnliches Haus sind ein „gutes
Trostpflaster“für die Langeweile mit ihren Mann.
Konfliktverdrängung und oberflächliche Freundlichkeit sind für ihn
bezeichnend. Da taucht ihre Jugendliebe, der faszinierende Lövborg,
inzwischen ebenfalls ein Kulturwissenschaftler, überraschend wieder
in der Stadt auf. Er hatte gerade erst ein Aufsehen erregendes
kulturwissenschaftliches Buch heraus gebracht. Das ist für ihre
Zukunftspläne und „Bilderbuchglück“ eine Bedrohung und bringt
ihr Lebenskonzept und ihre Gefühle durcheinander. Hatte sie sich
doch damals gegen Lövborg entschieden, da sie seine erfolgreiche
Entwicklung nicht erwartete. Wohl eine falsche Entscheidung.
Geschickt macht sie sich daran, den Ruf und Ansehen von Lövborg zu
demontieren. „Ein einziges Mal in ihrem Leben die Herrschaft haben
über ein Menschenschicksal“…

Hedda Gabler (Bettina Lieder) lebt eigentlich  in einer perfekten Welt, ist aber dennoch unzufrieden. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Hedda Gabler (Bettina Lieder) lebt eigentlich in einer perfekten Welt, ist aber dennoch unzufrieden. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Der Regisseur sieht
dieses Drama als Folie für eine perfekte kleinbürgerliche Fassade,
hinter die er schonungslos blicken lässt. Bis auf die Figur Hedda
Gabler werden die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler jeweils
zwei Rollen im Stück übernehmen. Begleitet wird die Aufführung mit
Musik (Klangeinspielungen) und Videoart bereichert.

Die Premiere am
15.02.2019 und der zweite Termin am 22.02.2019 sind schon
ausverkauft.

Es lohnt sich,
schnell Karten für den 02. 03.2019, 08.03.2019 um 20:00. oder am
14.04.2019 um 18:30 Uhr rechtzeitig unter 0231// 50 27 222 oder
www.theaterdo.de zu
reservieren und sich nähere Informationen zu holen.




Dramatische Oper um Rache, Macht und Liebe

Die „Chinawochen“
im Opernhaus Dortmund gehen weiter. Nach der Operette „Im Lande des
Lächelns“ hatte am Samstag, den 09.02.2019 die dramatisch-lyrische
Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini (1858 – 1924) unter der
Regie von Tomo Sugao seine umjubelte Premiere.Das Libretto der
letzten und unvollendeten Oper von Puccini stammte von Giuseppe Adami
und Renato Simoni. Musikalisch sensibel begleitet wurde die
Aufführung von der Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten
Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz.

Der Opernchor
Theater Dortmund unter der Leitung von Fabio Mancini sowie die
Statisterie und Kinderstatisterie Theater Dortmund sorgten für eine
berührende und atmosphärische starke „Volks-Begleitung“.

Dem chinesischen
Hintergrund der Oper wurde mit einem relativ statischen Bühnenbild
mit rot-schwarzer intensiver Farbe an den Wänden und der Decke oder
dreigeteilten Kammern mit chinesischen Lampen Rechnung getragen. Für
spezielle Effekte und Auftritte ließ sich hinten eine Luke öffnen.
Die Kostüme waren fantasievoll und passend für eine Fabel
kontrastreich ausgestattet. Glanzvoll bei den Herrschaften am
Kaiserpalast und ärmlich für das Volk. Eine besondere Bedeutung bei
der Inszenierung zur Unterstreichung der verschiedenen Gemütszustände
hatte die Beleuchtung. Ein großes Kompliment an Ralph Jürgens, der
für das Licht verantwortlich war.

Die Geschichte der
von Rachegelüsten zerfressenen und in sich zurückgezogenen
Prinzessin Turandot und deren Öffnung für die Liebe am Ende,
eindrucksvoll gespielt und gesungen von Stéphanie
Müther, wird kontrastiert durch den starken Charakter
der Sklavin Liù
. Durch ihre wahrhaftige
Liebe für den Werber um
Turandot, den
tatarischen Prinz Calef, ist
sie diejenige, die eigentlich die Veränderung bei der chinesischen
Prinzessin bewirkt und ihren „Drachenpanzer“ langsam durchdringt.
Mit spielerischer Leidenschaft und Stimmgewalt begeisterten
Sae-Kyung Rim (Liù)
und Andrea Shin als Calaf
in diesen Rollen das Publikum. Überzeugen konnte auch die hier gut
bekannte Karl-Heinz Lehner als Timur
(entthronter
König der Tataren) und Kammersänger Hannes Brock als Altoum (Kaiser
von China). Das auf
Machterhalt und Rache ausgerichtete autoritäre System wird in seiner
Brutalität dargestellt. Die Männer
kommen in der Oper
eher schlecht weg. Der Prinz Calaf ist kein Held , der nur um seine
Liebe kämpft, sondern zuerst jemand, der sich etwas beweisen muss.
Er will vor allem Kaiser und als Herrscher von China Macht und ein
Reich zurück gewinnen. Dazu opfert er auch seine eigentliche Liebe
zu Liù.

Im kalten blauen Mondlicht fühlt sich Turandot (rechts) am wohlsten. Sie zörgert nicht einmal, Liù (links) und Timur (unten) zu foltern, um an den Namen ihres Herausforderers zu kommen. (Foto: © Theater Dortmund)
Im kalten blauen Mondlicht fühlt sich Turandot (rechts) am wohlsten. Sie zörgert nicht einmal, Liù (links) und Timur (unten) zu foltern, um an den Namen ihres Herausforderers zu kommen. (Foto: © Theater Dortmund)

Die
Männer, in der Geschichte wirken bis
auf Calaf, eher hilflos
und auf den Erhalt des Systems gerichtet. Calaf
ist dagegen gerissen, und schlägt die Prinzessin am Ende mit ihren
eigenen Waffen, indem er ihr selbst ein Rätsel stellt.

Eine
besondere Rolle als
zynische Komiker spielen
die aus der Commedia
dell‘ Arte entnommenen Figuren dreier
Minister Ping (Morgan Moody), Pong (Sunnyboy Dladla) und Peng (Fritz
Steinbrecher). Die drei
füllten diese Aufgabe mit viel Sinn für Humor und Stimme gut aus.
Sie wollen eigentlich kein Blutvergießen und wünschen sich die
„alten Zeiten“ zurück. Sie sind aber ein Teil des Systems und
denken nur an ihr Vergnügen. Hier
kommen Komik, Groteske und Grausamkeit zusammen.

Beeindruckend
inszeniert Regisseur Sugao das Volk. Wie eine geifernde Zombiehorde
weidet sie sich am Tod des persischen Prinzen zu beginn und freut
sich schon auf das nächste Opfer. Doch das Volk ist eine
beeinflussbare Masse, die mal „köpft ihn“ruft, dann wieder
Mitleid für einen an den Rätseln der Prinzessin gescheiterten
„schönen Prinzen“ hat.

Die
Beeinflussung der Menschen durch die sozialen Medien ist heute
ungleich größer und unberechenbarer. Das konnte Puccini sich damals
natürlich in seinen kühnsten
Träumen nicht vorstellen. Die
Härte und Extreme und Mechanismen an „Turandot“ sind uns leider
auch heute immer noch zu vertraut.

Musikalisch
bietet die Oper eine Vielfalt unterschiedlichen Stilen. Melodien aus
der aus einer
chinesischen Spieldose und dem Buch „Chinese Music“ (Shangai,
1884), emotionale italienische Arien wie die die
berührende „Nessun dorma“,
oder etwa von Richard
Strauss, Claude Debussy sowie Igor Strawinsky musikalisch
beeinflusste Passagen. Außerdem setzte Puccini ein nur aus fünf
Tönen bestehendes exotisch anmutendes System ein.

Eine
Inszenierung mit starken Stimmen, Bildern und Gegensatzpaaren.

Informationen
zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de




Eintritt frei für Dauerausstellungen in Dortmunder Museen

Seit Januar 2019 ist
der Eintritt in die Dauerausstellungen der städtischen Museen, wie
schon lange im Ausland (beispielsweise in London) erfolgreich
praktiziert, für die Öffentlichkeit frei.

Das Ziel der
Kampagne „Eintritt frei“ ist, so Dr. Stefan Mühlhofer
(Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund), den
Anreiz für einen spontanen Besuch der hiesigen reichen
Museumslandschaft zu erhöhen, und sich für die Stadtgesellschaft
weiter zu öffnen.

Barrierefreie
Bildung (im umfassendem Sinn ) für alle wird angestrebt, und
Schwellenängste sollen gesenkt werden.

Dr. Dr. Elke
Möllmann (Geschäftsbereichsleiterin der städtischen Museen)
erklärte beim Pressegespräch leicht schmunzelnd: „Die Dortmunder
muss man ein bisschen locken“. Dr. Jens Stöcker (Direktor des
Museums für Kunst und Kulturgeschichte „MKK“) betonte, dass
durch solche Initiativen die Leute nicht nur in „ihre Museen“
gelockt werden, sondern auch deren Wert und Bedeutung für die
Stadtgesellschaft für die Bevölkerung ersichtlich wird. Er freut
sich besonders darüber, dass alle hiesigen Museen, auch die
kleineren wie etwa das Hoesch- oder das Brauerei-Museum mitmachen. Es
wird sicher auch Möglichkeiten von „Verlinkung“ zwischen den
verschiedenen Kunstorten geben.

Wichtig ist aber
auch eine Modernisierung der Museen. Regina Selter (stellv.
Direktorin Museum Ostwall) wies auf die Notwendigkeit veränderter
Präsentationen sowie von offenen Angeboten zur Partizipation für
alle hin. Ein Bezug zur aktuellen Lebensrealität soll möglichst
hergestellt werden.

Einfach mal Gucken kommen in Dortmunder Museen - dank freien Eintritt. Auf viele Besucher freuen sich Regina Selter (stellv. Direktorin Museum Ostwall), Dr. jesn Stöcker (Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund), Dr. Dr. Elke Möllmann (Geschäftsbereichleiterin der städtischen Museen) und Edwin Jacobs (Direktor des Museums Ostwall).
Einfach mal Gucken kommen in Dortmunder Museen – dank freien Eintritt. Auf viele Besucher freuen sich Regina Selter (stellv. Direktorin Museum Ostwall), Dr. jesn Stöcker (Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund), Dr. Dr. Elke Möllmann (Geschäftsbereichleiterin der städtischen Museen) und Edwin Jacobs (Direktor des Museums Ostwall).

Das Museum Ostwall
zeigt bis zum Ende März 2019 noch seine aktuelle
Sammlungspräsentation „Fast wie im echten Leben“ auf den Etagen
4 und 5 im Dortmunder U. Nach einer Umbaupause, die für mehr
Aufenthaltsqualität sorgen soll, werden ab dem 6. Oktober 2019 unter
dem Titel „Body & Soul. Was wir sind“ Werke des 20. und 21.
Jahrhunderts im Mittelpunkt stehen. Das „Flux Inn“ im Foyer
bietet dann Möglichkeiten, kreativ zu werden oder einfach eine Pause
einzulegen und mit dem Museumsteam ins Gespräch zu kommen. Ein neu
eingerichteter geräumiger Unterrichts- und KunstAktionsRaum
ermöglicht Schulklassen oder einzelnen Seminaren, direkt in der
Ausstellungsfläche zu den Kunstwerken in der Sammlung zu arbeiten.

Schon immer erzählt
das MKK auch Stadtgeschichte. Museen sind letztlich das Gedächtnis
der Gesellschaft. Ab dem Frühjahr ist geplant, das große und kleine
Besucherinnen und Besucher im neuen Stadtlabor die Geschichte
Dortmunds weiter erzählen. Im Eingangsbereich (Erdgeschoss) soll ein
Mitmachraum zum Experimentieren und gestalten entstehen. Unter dem
Motto „Mein Dortmund. Hier – Jetzt – Heute – Damals“ geht es
darum, Architektur und Stadtplanung zu erforschen und aus neuen
Blickwinkeln zu entdecken und weiter zu denken. Gegenstände, die
man mit seiner Geschichte in unserer Stadt verbindet, können hier
dann auch als „persönliches Gedächtnis“ abgegeben werden. (Zu
einem späteren Zeitpunkt wird es noch aktuelle Informationen dazu
geben).

Schon jetzt lohnt es
sich, die bis zum 19. 05.2019 gehende Ausstellung „Auf Möbeln.
SitzPolsterModen“, oder die Filminstallation „Olympia Universum
Palast“ im Foyer sowie die beeindruckenden Sammlungen um die
Rotunde anzuschauen.

Natürlich möchten
die Initiative gleichzeitig das Augenmerk des Publikums auf die
kostenpflichtigen Angebote, etwa Sonderausstellungen oder Programme
der Museumspädagogik lenken. Das Motto ist: „Komm gucken“! Es
lohnt sich.

Schön wäre es, so
Dr. Mühlhofer, wenn die Museen sich zu beliebten Treffpunkten von
jung und alt werden könnten. Die Kulturbetriebe machen aktuell mit
der Kampagne „Eintritt frei“ mit Flyern, Plakaten und in den
sozialen Medien auf das neue Angebot (Beschluss des Rates der Stadt
im November 2018) aufmerksam.