„Querschnitt“-Kunst von Marc Bühren

Die Artothek der
Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek zeigt unter dem Titel
„Querschnitt“ vom 04.04.2019 bis zum 17.05.2019 insgesamt
neunzehn Werke des Künstlers Marc Bühren aus den letzten sieben
Jahren. Dieser hat ein Atelier in Dortmund-Hörde. Es ist eine Art
Querschnitt seines Schaffens.

Zum einen arbeitet
Bühren als eine Art Vorreiter in Deutschland mit dem modernen
manuellen 3D-Druck. Für seine fünf fragilen Installationen benutzt
er eine auf das Wesentliche reduzierte Formensprache mit kurzer und
prägnanter Aussagekraft.

So zum Beispiel bei
seiner 3D-Druck Installation auf 40 cm x 40 cm mit der
Freiheitsstatue (New York), die er an der Spitze mit einem
Stuhlproben-Stäbchen mit „Haufen“ versehen. Diese Arbeit wurde
mit Schellack geschwärzt.

Mark Bühren zeigt einen Querschnitt seiner Werke in der Artothek.
Mark Bühren zeigt einen Querschnitt seiner Werke in der Artothek.

Im Mittelpunkt
seines künstlerischen Schaffens steht die Auseinandersetzung mit der
wechselseitigen Beziehung von Mensch und Natur, sowie deren komplexes
Abhängigkeits-Verhältnis. Es werden auch Themen wie Käfighaltung
und anderes künstlerisch angesprochen.

Strukturen aus der
Natur sollen bei den 3D-Druck Arbeiten weiterentwickelt werden.

Er benutzt
verschiedene Filamente (allgemein eine einzelne Faser beliebiger
Länge) aus Bio-Kunststoff, mit der man auf Glasplatten zeichnen
kann.

Eine langwierige
Technik, die eine große Präzision verlangt, so Bühren.

Der Künstler
arbeitet mit dem Mittel der Farbreduktion und versucht, möglichst im
Einklang mit der Natur zu arbeiten.

Außerdem sind
vierzehn vielschichtige Werke mit Tempera auf Leinwand in der
Ausstellung zu sehen. Die großflächigen Arbeiten auf (Jute-)
Leinwand werden alle mit verschiedenen bunten Farben grundiert. Zwei
unterschiedliche Tempera kommen bei Bühren zum Einsatz.

Tempera (von lat.
Temperare „mischen“, „mäßigen“) ist eine Malfarbe, deren
Pigmente mit einem Bindemittel aus einer Wasser-Öl-Emulsion gebunden
werden.

Als wässrigen
Anteil der Emulsion können Temperafarben auch Leime enthalten.

Hier kommen
Ei-Tempera (mit Ei als wässrigen Emulsionsanteil) oder aber
Chitosan-Tempera (ein natürlich vorkommendes Polyaminosaccharid,
abgeleitet vom Chitin) zum Einsatz.

Mehrere Werke sind
zu einer Reihe zusammengefasst.

So gibt es etwa die
Reihe „Nesthocker“, in der auf „traumhafte“ Weise Natur und
Kinder aus seinem Lebensbereich (er selbst als Kind, sein Neffe, Kind
aus einem seiner Kunstkurse) unterschiedliche Verbindung gebracht
werden. Dabei spielen Kartons, aus denen zwei der kleinen Babys
heraus schauen, eine wesentliche Rolle.

Aus der Reihe
„Grenza“ (Grenzen) beeindruckt ein in Rot gehaltene Arbeit, wo
ein Fuchs mit seiner Schnauze dicht in die Stadt (Berlin) eindringt.
Sinnbildlich steht sie für die Rückkehr des Fuchses und seine
Rückeroberung des städtischen Territoriums.

Es gibt viel zu
sehen und an Details in der Ausstellung zu entdecken. Es werden
sicherlich unterschiedlich Assoziationen bei den Besucherinnen und
Besuchern hervorgerufen.

Die Werke sind
sicherlich wie (fast) immer bei Gefallen auch käuflich erhältlich.

Die Ausstellung ist
dienstags und freitags zwischen 10:00 Uhr und 19 Uhr in der Artothek
zu sehen.

Der Eintritt ist
frei.




Literatur AufRuhr – Festival als Kooperationsprojekt in Dortmund

In der Zeit vom 01.
April bis zum 17. Mai 2019 findet in Dortmund erstmals das junge
Frühjahresfestival Literatur AufRuhr mit Perspektive ins gesamte
Ruhrgebiet als Kooperations-Projekt an wechselnden Spielorten statt.

Es dreht sich alles
um das Thema „Riding the Bull. Ich, Europa“. In Lesungen,
Gesprächen, Workshops, bei Open Mics, in Schreibwerkstätten und
Ferienakademien, oder beim Creative Writing, bei
Literatur-Erkundungen, Poetry Slams und beim Lyriktag!

Ein wichtiger
Kooperationspartner des Literaturhauses Dortmund ist das Schauspiel
Dortmund, das sich in der Spielzeit mit dem Stück „Ich, Europa“
(Europa in 11 Texten von internationalen Autor*innen) unter
verschiedenen Aspekten dem Thema gewidmet haben.

Nicht nur wegen des
Brexit-Dramas in Großbritannien und der anstehenden Europa-Wahlen
sind Interesse und Fragen bei den Menschen zur Bedeutung und
Problemen in Europa im Augenblick von Bedeutung.

Hier nur ein ganz
kleiner Einblick:

Am 03.04.2019 um
19:00 Uhr findet ein offenes Treffen im Literaturhaus Dortmund (Neuer
Graben 78, Dortmund) unter dem Motto „text & tacheles –
Riding the Bull – schrei.hand.werk“ statt. Es geht um dichten,
diskutieren, lesen, lektorieren, kritisieren und ausprobieren.

Im Schauspiel
Dortmund:

Mit einer
Buchpremieren-Lesung von Ece Temelkurans neuestem Buch „Wenn dein
Land nicht mehr dein Land ist oder sieben Schritte in die Diktatur“
geht es am 05.04.2019 um 20:00 Uhr im Dortmunder Schauspielhaus nicht
nur um die politische Situation in der Türkei.

Zufrieden mit der Kooperation zwischen Literaturhaus und Schauspiel Dortmund sind (v.l.n.r.) Hartmut Salmen (Literaturhaus Dortmund), Michael Eickhoff und Djamak Homayoun (Schauspiel Dortmund).
Zufrieden mit der Kooperation zwischen Literaturhaus und Schauspiel Dortmund sind (v.l.n.r.) Hartmut Salmen (Literaturhaus Dortmund), Michael Eickhoff und Djamak Homayoun (Schauspiel Dortmund).

Sechs halbjährige
Schreibwerkstätten (darunter verschieden Schulen in Dortmund), haben
ihre Auftaktveranstaltung am 09.04. 2019 um 17:00 Uhr im
Schauspielhaus unserer Stadt.

Im Anschluss stehen
ab 20:00 Uhr Lieder und Gedichte von Muzaffer Öztük aus dem
politischen Widerstand und seiner 28-jährigen Haftzeit in der Türkei
auf dem Programm.

Am 10.04.2019 um
20:00 Uhr findet im Schauspiel Dortmund die letzte Vorstellung von
„Ich, Europa“ – (Europa in elf Texten) mit fast allen
Autor*innen statt. Ein reger Austausch von Publikum und Autoren ist
im Anschluss der Aufführung natürlich erwünscht.

Am 08.04.2019 um
18:00 Uhr bietet das Jugendforum Nordstadt/ Treffpunkt Stollenpark
eine besondere Lesung und Gespräch mit Vavuz Ekinci für junge
Menschen. Er liest aus seinem Beitrag für „Ich, Europa“ den Text
„NENNT MICH ISMAEL“.

Eine
Literatur-Erkundung findet im Fritz-Hüser-Institut am 29.04.2019 um
14.00 Uhr mit Lütfiye Güzel unter dem Motto „Walking the Bull“
statt. In der Bibliothek des Hauses recherchiert sie mit gemeinsam
mit interessierten jungen Menschen zum Autoren Max von der Grün und
dann Texte zu schreiben.

Poetry Slam vom
Feinsten als „OpenMic – Eu‘r Opa – Bühne frei für Europa“
wird am 12.04.2019 um 19:00 Uhr im Literaturhaus Dortmund mit Vivien
Kunkel, Tobi Katze und Ralf Thenior geboten.

Das umfangreiche
gesamte Angebot des Literaturhauses Dortmund entnehmen Sie bitte dem
Programm-Flyer oder dem Internet unter www.literaturaufruhr.de.
Das Angebot ist kostenlos.

Als wichtiges
Osterferien-Angebot gibt es vom 15. bis 17. April 2019 die
Ferienakademie-Schreibwerkstatt für Kinder im Alter zwischen 8 und
12 Jahren „Wir reiten den Stier“ (Leitung: Ralf Thenior) und dann
vom 24.04.2019 bis 26.04.2019 2019 die
Ferienakademie-Schreibwerkstatt für Jugendliche ab 13 Jahre
(Leitung: Ralf Thenior) im Literaturhaus unter dem Motto „Riding
the Bull“ (Ich, Europa).

Bitte möglichst
bald anmelden unter www.literaturaufruhr.de

In der Hauptsache
möchten die Organisatoren jungen Menschen Mut machen, bei Literatur,
bei Kultur und in der Gesellschaft mitzumachen. Dazu gehört
Gedankenaustausch zwischen vielen Kulturen, sowie eine eigene
europäische Sprache zu finden.




Theaterstück um Fantasie und Freundschaft in prekärer Situation

Mit dem Stück
„Agent im Spiel“ (2004 für den Deutschen Kindertheaterpreis
nominiert) vom kanadischen Autor David S. Craig steht im Dortmunder
Kinder und Jugendtheater unter Johanna Weißerts Regie ein aktuell
brisanter Stoff auf dem Programm. Es geht um Kinderarmut, schwierige
Verhältnisse in verschiedenen Familienkonstellationen sowie dem
fantasievoll-kreativen Umgang der betroffenen Kinder mit der
Situation. Dabei spielt Freundschaft, so Weißert, eine wesentliche
Rolle.

Allein in Dortmund
lebt jedes dritte Kind unterhalb der Armutsgrenze! Das im
eigentlich„reichen Deutschland“.

Der Protagonist Dani
(10 bis 11 Jahre), gespielt von Jan Westphal, muss mit seiner
alleinerziehenden aber sehr herzliche Mutter (Bianka Lammert) ständig
umziehen. Sie verliert regelmäßig Jobs und Partner. Nach außen hin
mimt der Junge mit der großen Widerstandskraft den coolen Game
Agenten. Er ist kontaktfreudig und findet immer schnell neue Freunde,
die er in seine fantasievollen Rollenspiele einbindet und so
schwierige Situationen meistert.

Sein neuer Zielort
ist Rotbuchenstraße 92K. K steht für Keller.

Schnell findet er
auch am neuen Ort Freunde. Da ist einmal Melanie (Ann-Kathrin Hinz),
die es zwischen dem Mama-Handy und dem Papa-Handy ihrer geschiedenen
Eltern zerreißt. Beide reden nur noch über die Tochter miteinander.
Dann gibt es noch Mehmet (Gastschauspieler Denis Wiencke), der dem
Erwartungsdruck seines arbeitslosen Vaters nicht gerecht werden kann.

Mit viel Fantasie
und Kreativität bewältigen sie vom Schulhof bis nach Hause jede
Situation…

Die Realität spielt
immer eine Rolle und die Probleme werden von den Kindern nicht unter
den Teppich gekehrt. Sie versuchen, so gut es geht, diese mit der
Kraft der Freundschaft und Fantasie anzugehen.

Mehmet (Denis Wiencke), Melanie (Ann-Kathrin Hinz) und Dani (Jan Westphal) versuchen ihr Leben in prekären Umständen zu meistern. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Mehmet (Denis Wiencke), Melanie (Ann-Kathrin Hinz) und Dani (Jan Westphal) versuchen ihr Leben in prekären Umständen zu meistern. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Es ist natürlich
klar, dass auch die Fantasie ihre Grenzen hat und nicht allein eine
„heile Welt“ schafft. Als eine sogenannte Doppelung wird auch bei
der Gestaltung des Bühnenbildes der Aspekt der Fantasie eingebracht.

Die beteiligten
Personen werden live vor sowie während der Vorstellung die
verschiedenen Handlungsräume (Schule, Wohnung, Krankenhaus u.s.w.)
mit verschiedene künstlerischen Mitteln (etwa Klebestreifen,
Sprühdosen und mehr) vor dem Publikum gestalten.

Musik wird eine
wichtige Funktion einnehmen. Live gespielt mit Gitarre und für den
Gebrauch als Loop für bestimmte Situationen.

Indirekt wird auch
das Thema Kinderrechte angesprochen. Das passt genau zu der vor
dreißig Jahren von der Generalversammlung der Vereinten Nationen
verabschiedeten UN-Konvention über die Rechte der Kinder (20.
November 1989). Diese hatten alle Staaten außer der USA und Somalia
unterzeichnet.

Es ist aber vor
allem ein lebhaftes und packendes Kinderstück (ab 9 Jahre) um
Freundschaft, Solidarität und Zusammenhalt mit einem teilweise
versöhnlichem Ende.

Die Premiere von
„Agent im Spiel“ findet am Freitag, den 05.04.2019 um 19.00 Uhr
im KJT statt.

Informationen hierfür und zu den weiteren Terminen (zum Beispiel am 07.04.2019 um 16:00 Uhr oder am 30.04.2019 um 11:00 Uhr) erhalten Sie wie immer unter: www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50 27 222.




Ein Sprechchor-Stück zu Homosexualität im Fußball

Der Dortmunder Sprechchor (mit Fug und Recht das 17. Ensemblemitglied des hiesigen Schauspiels), hat sich in diesem Jahr mit dem Stück „Echte Liebe“ von Regisseurin Laura N. Junghanns und dem Dramaturgen Matthias Seier ein immer noch tabuisiertes Thema ausgewählt. Selbst Jahre nach dem Outing von Thomas Hitzelsberger am Karriereende ist das Bekenntnis zur Homosexualität in diesem „Sport für echte Kerle“ für aktive Fußball-Profis immer noch so gut wie unmöglich. Zu viele Ängste vor der Reaktion der Fans sowie die Furcht vor dem Karriereende machen ein Outing schwierig. Das Stück „Echte Liebe“, ein eng mit dem BVB verbundener Begriffskonstrukt, setzt sich mit diesem immer noch tabuisierten Thema komplex auseinander. Die Premiere war am 29.03.2019 im Studio des Dortmunder Schauspiels.

Auf der Bühne wurden drei Torbögen multifunktional genutzt. Hinter einander gestellt dienten sie zum Beispiel als Eingangtunnel für die Beteiligten. Der Raum auf der Bühne war voll gefüllt mit den 54 beteiligten Sprechchor-Mitgliedern. Diese tragen alle in gelb-schwarz gehaltene Kleidung und Accessoires, die ab je nach Gruppenzugehörigkeit fantasievoll in einzelnen Merkmalen verändert wurden. Die Frauen und Männer des Sprechchors waren nicht nur in ständiger Bewegung und in unterschiedliche Konstellationen auf der Bühne, sie mussten auch ein glaubwürdiges „Sprachrohr“ für die verschiedenen Gruppen und Positionen darstellen.

Einen besonderen Status hatte in „Echte Liebe“ die mit einer Schutzmaske versteckte und allein dastehende Darstellerin des „Anonymen Profis“ aus der dritten Liga (die Quelle war die Internet-Plattform Reddit). Die Texte stammten aber aus mehreren anonymen Quellen homosexueller Fußballern. Sie verdeutlichten die schwierige Situation und das Leiden an der Verheimlichung dieser Personen.

So muss sich ein aktiver homosexueller Fußballer führen - allein im Scheinwerferlicht und um ihn herum die große anonyme Masse. (Foto: Birgit Hupfeld)
So muss sich ein aktiver homosexueller Fußballer führen – allein im Scheinwerferlicht und um ihn herum die große anonyme Masse. (Foto: Birgit Hupfeld)

Eine große Gruppe
stellten diejenigen Fans und Lokalpatrioten dar, welche sich nach den
„alten Zeiten“ sehnen, wo der Signal Iduna Park noch
Westfalenstadion hieß, Fußball noch ein echter Männersport, das
Bier noch billiger und die Kommerzialisierung noch nicht so weit
fortgeschritten war. Für sie ist Fußball eine Religion und ein
Mittel, Frust sowie Druck auf Kosten von Minderheiten abzulassen.
Auch die möglichen eigenen homosexuellen Anteil machen sicher
einigen Ängste.

Eine mahnende Rolle
spielte die Gruppe der sogenannten „Sprecher gegen den Hass“ als
Gegenpol. Grundlage bildeten bei ihnen die Texte aus dem Buch „Gegen
den Hass“ von der Autorin und Publizistin Carolin Emcke
(Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 2016).

Wie weit verbreitet
(verdeckte) Homophobie im Zirkel des Fußballs immer noch ist, zeigen
mit dem Beamer kenntlich gemachte, und von Gruppen des Sprechchors
gesprochene Zitate von bekannten Größen in dem Geschäft. Dabei
waren Aussagen von ehemalige Verteidiger Paul Steiner vom 1.FC Köln,
Ulli Hoeneß, Christoph Daum, Oliver Bierhoff und andere wie auch ein
internationaler Schauspieler. Für den „Running Gag“ sorgte die
Gruppe der „DFB-Anzugträger“, die immer wieder auf ihre
„Broschüre“ hinwiesen. Sich am Spielzeitende zu outen, wäre zum
Beispiel am günstigsten. Bis zur neuen Saison würde dann Gras über
„die Sache“ wachsen.

Atmosphärisch begleitet wurde das Stück mit eingespielten Originaltönen aus dem Stadion. Symbolisch als
assoziative Farbe für Homosexualität war eine riesige rosa
Schiri-Pfeife auf der Bühne mit dabei und es wurde am Ende ein rosa
Teppich ausgerollt.

Gesungen wurde dabei
von einer Gruppe das bekannte „You’ll never walk alone“. Das
„alone“ wurde zum Schluss vielfach wiederholt. Der „anonyme
Profi“ verlässt isoliert langsam die Bühne.

Wer sich fragt, warum sich nicht Profi-Fußballer während ihrer Karriere outen, das eindrucksvolle Ende gab die Antwort. Der Sprechchor bildete eine große anonyme Masse, die im besten Sprech der AfD und der religiösen Extremisten ihre letzte „Männerbastion“ vor dem Sprung ins 21. Jahrhundert verhindern wollen. Für sie ist die Diskussion um homosexuelle Fußballer nur „eine perfide Homo-Propaganda der Perversen-Lobby“. Doch hier kommt auch ein kleiner Kritikpunkt an dem Stück: Nicht alle, die sich gegen den „modernen Fußball“ mit seiner Eventisierung stellen, sind Homophob. Es gibt sicher genügend Kritikpunkte an DFB, UEFA und FIFA, die mehrere Abende füllen könnten. Das Stück ist sicher ein guter Ansatzpunkt, sich weiter mit der Thematik zu befassen.

Weitere
Aufführungstermin sind: 06.04.2019 und 20.04.2019 um 20:00 Uhr, am
02.06.2019 um 18:30 Uhr und am 05.07.2019 um 20.00 Uhr.

Weitere
Informationen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de
oder Tel. : 0231/ 50 27 222




Kooperation zwischen FABIDO Familienzentrum und KJT Dortmund

Das Kinder- und
Jugendtheater Dortmund (KJT) und das FABIDO Familienzentrum am
Ostpark präsentierten mit „Der Morgengesang“ am 22.03.2019 das
Ergebnis ihrer seit der Spielzeit 2018/2019 besiegelten Kooperation.
Sechzehn Kinder im Alter von 5–6 Jahren studierten die kleine
Theateraufführung unter der Leitung der Kulturpädagogin des KJT
Manuela Wenz innerhalb einer Woche ein. Sie schlüpften mit viel Spaß
und Engagement in die Rollen von Vögeln und Fledermäusen und singen
um die Wette, um die Sonne zu wecken. Anfangs gibt es noch ein
Gerangel darum, wer es schafft, die Sonne heraus zu locken. Später
arbeitet man gemeinsam an der Aufgabe.

Die Kinder und ihre
drei (erwachsenen) Helferinnen spielten nicht nur mit Freude, sondern
malten und bastelten auch an den Vögeln, die an einem Baum an einem
Vorhang gehängt wurden. Geräusche und Naturklänge spielten
natürlich eine wesentliche Rolle.

Nacht und Sonnenaufgang wurden mit der Hilfe von herunter und hoch gelassenen Rollos simuliert. Immer wenn die Sonne
zum Vorschein kam, erklang die Titelmusik von „Vom Winde verweht“.

Sie alle
vermittelten die Spielfreude auf das Publikum, ob bei den stolzen
Eltern oder der anwesenden Kindergruppe.

Finanziert wurde
Kooperation nach einem Ratsbeschluss vom 07.07.2016 aus Geldern der
Kapitalrücklagen des Streikes der beschäftigten im Sozial- und
Erziehungsdienst. Verwendet sollten diese für
qualitätsunterstützende Maßnahmen in den FABIDO
Kindertageseinrichtungen.

Die Kinder und die erwachsenen Helferinnen hatten viel Spaß beim "Morgengesang".
Die Kinder und die erwachsenen Helferinnen hatten viel Spaß beim „Morgengesang“.

Konkret gefördert
werden damit Projekte und Maßnahmen für die Kinder im
musisch-ästhetischen (Musik, Kunst, Theater) sowie im ökologischen
Bereich.

Am Ende wurde ein
Interview mit den Kindern abgespielt. Sie wurden zu ihren
Vorstellungen, warum die Sonne aufgeht und am Abend „verschwindet“
befragt.

Mit ihren Antworten
bewiesen die Kinder viel Fantasie.

Mal sehen, ob sich
die jungen „Nachwuchsschauspieler“ später einmal für eine
Schauspiel-Karriere entscheiden oder sich eventuell für den
Umweltschutz engagieren.




Internationale Gruppenausstellung über Rechtsextremismus im Netz

Auf der Ebene 3 des
Dortmunder U zeigt der Hardware MedienKunstVerein (HMKV) vom
29.03.2019 bis zum 22.09.2019 die internationale Gruppenausstellung
„Der Alt-Right Komplex – Über Rechtspopulismus im Netz“. „Alt
Right“(Alternative Rechte) ist übrigens eine eher verharmlosende
Bezeichnung.

In zwölf
unterschiedlichen Projekten setzen sich 16 Personen aus zwölf
europäischen Ländern (Deutschland bis Ungarn) mit den bedrohlichen
Entwicklungen rechtspopulistischer Plattformen wie zum Beispiel
Breitbart News, Cambridge Papers oder Online–Foren wie 4chan in
verschiedener weise und künstlerischen Mitteln auseinander. Sie
beschäftigen sich mit Memes (z.b. Pepe der Frosch, dem wohl
bekanntesten Symbol der Trump-Anhänger*innen), oder Figuren wie etwa
Steve Bennon (bis 2016 Chef der 2012 gegründeten
rechtspopulistischen Plattform Breitbart News), oder
rechts-religiöser Flaggen-Verehrung (USA) im Netz. Beschäftigt wird
sich auch mit der sogenannten Prepper-Szene. Das sind „besorgte“
Menschen in West-Europa und vor allem in den USA, die sich akribisch
auf den von ihnen erwarteten Kollaps der Zivilisation (Katastrophe)
vorbereiten und Lebensmittelvorräte bunkern, Waffenübungen
durchführen und mehr.

Verbreitet werden
übers Netz aber auch sogenannte „White Supremacists“
(Rassistische Ideologien, die von der Überlegenheit der „weißen
Rasse“ ausgehen) oder reaktionäres „Dark Enlightment“.

„Man weiß nicht, wo es beginnt und aufhört“, erläuterte Dr. Inke Arns (Kuratorin). Klar ist, dass sie einen subtilen Einfluss auf „unzufriedene“ User nehmen. In der „Netz-Blase“ arbeiten sie geschickt mit Symbolen, wiederholen von rechten Bedrohungs-Szenarien. Das kann im schlimmsten Fall zu einem eskalierenden Gewaltausbruch wie zum Beispiel bei Anders Breivik (2011) in Norwegen oder aktuell bei einem Exzess wie im neuseeländischem Christchurch.

 DISNOVATION.ORG, „Online Culture Wars“, 2018-2019 © the artist. Im Rahmen der Ausstellung „Der Alt-Right-Komplex - Über Rechtspopulismus im Netz“, HMKV im Dortmunder U, 30.3. - 22.9.2019
DISNOVATION.ORG, „Online Culture Wars“, 2018-2019 © the artist. Im Rahmen der Ausstellung „Der Alt-Right-Komplex – Über Rechtspopulismus im Netz“, HMKV im Dortmunder U, 30.3. – 22.9.2019

Einen interessanten
Bezug zu den NSU-Morden und speziell auch den an dem Dortmunder
Bürger Mehmet Kubaşik
hat der Beitrag der beiden aus Künstlerinnen Paula Bulling und Anne
König aus Deutschland. Unter dem Titel „Bruchlinien. Drei Episoden
zum „NSU“ gestalteten sie ein großes Comic-Wandbild in drei
Kapiteln.

Die
Zeichnungen, die Fakten und Imagination verbinden, zeigen drei
Akteurinnen, die gewollt oder ungewollt eine wichtige Nebenrolle in
der Geschichte des NSU einnehmen.

Zum
einen ist da Susann Eminger, engste Freundin und aktive
Unterstützerin von Beate Zschäpe, dann auch die Verwaltungsbeamtin
im Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz Frau N. Sie wollte
zunächst wichtige Akten nicht schreddern, tat es dann aber doch. Was
wurde unter den Teppich gekehrt?

Die
dritte Episode mit den Erlebnissen von Gamze Kubaşik
(Tochter des am 4. April in Dortmund ermordeten Mehmet Kubaşik)
wird in dieser Ausstellung erstmals gezeigt. Ihrer Vermutung, dass
der Täter aus dem rechtsextremen Umfeld stammen könnte, gingen die
deutschen Sicherheitsbehörden nicht nach.

Ein
eindrucksvolles großes
Comic-Bild von der Demonstration in Kassel (2006 nach dem neunten
Mord) steht im
Mittelpunkt. Worum
blieben die Stimmen der migrantischen Communities in der hiesigen
Öffentlichkeit über Jahre ungehört?

In
verschiedenster Form, mit Texten, Videos, Filmausschnitten,
performativen Installationen und mehr beschäftigen sich die Arbeiten
der europäischen Künstler*innen sowohl mit dem amerikanischen
Kontext
wie auch mit speziell
deutschen Phänomenen.

Die
Ausstellung wird in einem sich verengendem Gang von einem kritischen
Glossar begleitet, das die wichtigsten Begriffe kurz erklärt.

Auch
die Verwicklung von wirtschaftlichen und politischen Machtinteressen,
(zum Beispiel die Unterstützung der US-amerikanische Investor
deutscher Herkunft Peter Andreas Thiel im Wahlkampf von Donald Trump)
werden deutlich.

Die Ausstellungseröffnung findet am 29. März um 19 Uhr statt. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wird auch der Justus Bier Preis 2018 verliehen. Am 30. März um 15 Uhr haben die Besucher die Gelegenheit eine Kuratorinnenführung mitzumachen.

Zudem gibt es eine Vortragsreihe „The Kids Are Alt-Right“. Hier wirden die unterschiedlichen Aspekte der Alt-Right-Bewegung beleuchtet. Bisher stehen zwei Termine fest (23. Mai 18 Uhr und 05. September 18 Uhr). Mehr Informationen auf hmkv.de

Die
serbische Künstlerin Vanja Smiljanić
zeigt mit „Waves of
Worship“ den letzten Teil einer dreiteiligen Untersuchung zum
Verhältnis von neuen religiösen Bewegungen
und Nationalismus. Sie setzt
sich am Samstag, den
30.03.2019 um 17:00 Uhr
in Form einer Lecture-Performance mit der Internet-basierten,
religiösen UFO-Bewegungen der Cosmic People sowie der Flag Nation
Society (die ihre Gläubigkeit durch ihre Flaggen-Verehrung zeigen)
auseinander.

Mehr
Informationen vor allem über Sonderveranstaltungen gibt es unter
hmkv.de




Stummfilmkonzert voll revolutionärer Dramatik

Die Dortmunder
Philharmoniker unter der engagierten Leitung von Generalmusikdirektor
Gabriel Feltz hatte sich mit „Panzerkreuzer Potemkin“ von Sergej
Eisenstein (1898 – 1948) am 26.03.2019 einen besonderen Film in
aufregender revolutionärer Zeit Russlands ausgewählt.

Eine dazu passende
Musik stammte von Dimitri Schostakowitsch (1906 – 1975) und
entstand als Auftragsarbeit des Zentralkomitees der Kommunistischen
Partei für eine Jubiläumsfeier 1925 aus Anlass des Aufstands auf
dem Panzerkreuzer. Gezielt ausgewählte Abschnitte aus seinen
Vierten, Fünften, Achten, Zehnten und Elften Sinfonien
unterstreichen die dramatischen Bilder der „Meuterei“ russischer
Matrosen auf dem Panzerkreuzer Potemkin im Jahr 1905.

Zum Hintergrund:

Die verheerende
Niederlage im Russische-japanischen Krieg 1905 mit den sozialen
Folgen brachte den wachsenden Unmut der betroffenen Menschen gegen
das repressive Zarenreich zum Kochen.

Bei den Matrosen auf
dem Panzerkreuzer Potemkin entlädt sich die Unzufriedenheit
anlässlich der katastrophalen Versorgung mit Nahrung in einer
Meuterei gegenüber der Admiralitäten.

Unter der Führung
von Wakulintschuk und mit Unterstützung der Wachen zum gelungenen
Widerstand. Unter den Opfern der Aktionen ist auch der revolutionäre
Anführer Wakulintschuk.

Szene aus dem Fim "Panzerkreuzer Petemkin". (Foto: © Deutsche Kinemathek)
Szene aus dem Fim „Panzerkreuzer Petemkin“. (Foto: © Deutsche Kinemathek)

Seine Leiche wird in
Odessa, wo man auch Lebensmittel erhalten will, unter reger
Anteilnahme der solidarischen Bevölkerung in einem Zelt aufgebahrt.
Auf der langen imposanten Treppe der Hafenstadt schießen die
zaristische Armee samt Kosaken-Einheiten auf die verzweifelt
fliehende Bevölkerung. Es gibt viele Tote und Verletzte. Um die
Menschen zu unterstützen, beschießen die Matrosen das Theater von
Odessa. Noch während überlegt wird, zwecks weiterer Hilfsaktionen
zu laden, kommt es zur Konfrontation mit dem Admiralsgeschwader, dass
in einer Verbrüderung endet.

Der Film ist aber
nicht nur einfach nur ein geschickter Propagandafilm, der die
Zuschauer gezielt emotional berühren und vor Augen führen will, mit
welchen Handlungsträgern er sympathisieren sollte. Eisenstein setzte
mit dem Mittel der Montage, Schnitten und eindrucksvollen
Nahaufnahmen zugleich eine filmisch-ästhetische Revolution durch.

Die Dortmunder
Philharmoniker mit ihrem Dirigenten gelang es punktgenau, die
jeweiligen Stimmungen musikalisch zu untermalen. Erstaunlich, wie sie
es schafften, mit nicht für möglich gehaltenen Steigerungen die
Dramatik der Ereignisse und Bilder für das Publikum fühlbar zu
machen. Die traurigen Momente, wenn zum Beispiel ein kleines Kind auf
der Treppe stürzt und von den Fliehenden praktisch zertrampelt wird,
wurde entsprechend sensibel musikalisch untermalt.

Es war wieder einmal
ein wunderbares Zusammenspiel von Filmbildern und Live-Musik, dass
den Beteiligten auf der Bühne alles abverlangte.




Start für Teilhabe-Projekt „Mein Dortmund“ des MKK

Das Dortmunder
Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) sieht seinen Auftrag
nicht nur darin, der Bevölkerung Kunst zu präsentieren und
Geschichte der Stadt zu erzählen, sondern sich der Stadtgesellschaft
weiter zu öffnen. Es geht darum, Prozesse darin aufzunehmen und zu
moderieren. Menschen in ihrer Vielfalt sollen aktiv an „ihrem
Museum“ teilhaben.

Partizipation und
persönliche Perspektiven sind das wichtige bei dem neuen
Stadtlabor-Projekt. Unter dem Titel „Eingetütet, ausgepackt und
ausgestellt: Dortmunder Lieblingsstücke gesucht“ geht die
Mitmach-Aktion jetzt los.

Bei der
Pressekonferenz am 20.03.2019 verrieten die Kulturwissenschaftlerin
und Projektleiterin Astrid Wegner und der Direktor des MKK Dr. Jens
Stöcker genaueres über dieses spannende Experiment.

Wegner hat ähnliche
Projekte in der Pfalz und in Wiesbaden schon erfolgreich initiiert
und geleitet.

Das Museum sucht in
der ganzen Stadt nach Leihgebern und Stiftern. Egal ob jung oder alt,
Alteingesessen, Rückkehrer, Pendler, Mitarbeiter von Institutionen
oder zugezogen. Alle sind angesprochen, ihr „Stück Dortmund“
einzutüten.

Projektleiterin Astrid Wegner und der Direktor des MKK, Dr. Jens Stöcker, hoffen auf eine rege Beteiligung der Stadtgesellschaft.
Projektleiterin Astrid Wegner und der Direktor des MKK, Dr. Jens Stöcker, hoffen auf eine rege Beteiligung der Stadtgesellschaft.

Im Zuge der
Neuausrichtung des MKK wird auch die Migrationsgeschichte einbezogen.
„Die Tüte ist unser Türöffner, um möglichst viele Menschen zu
erreichen“, so Dr. Stöcker. An 30 Ausgabestellen in der Stadt, wie
Museen, Kinos, der Sparkasse, DEW21, Quartiersmanagement Nordstadt,
Tourist-Info, Stadt- und Landesbibliothek oder der VHS und vielen
anderen Orten liegen ab sofort liebevoll mit mehrsprachigem Aufdruck
„Mein Dortmund“ gestaltet große Papiertüten aus. Größere und
schwerere Gegenstände, die nicht in die Tüte passen, können
gegebenenfalls abgegeben werden oder werden abgeholt.

Was kommt in die
Tüte?

Was bedeutet uns der
Ort, an dem wir leben, lieben, lachen oder weinen, und was verbindet
uns mit ihm und den Menschen? Gesucht werden Geschichten, persönliche
Sichtweisen auf unsere Stadt oder Dinge, die mit ihr verbunden sind.
Es können Objekte und Bilder sein, aber auch Texte, Gedanken,
Gedichte, Ideen oder Lieder.

Die Leihgeber
erhalten einen Leihvertrag und werden gebeten, einige Fragen zu
beantworten:

Was verbinden sie
mit der Leihgabe? Was ist ihr Lieblingsort in der Stadt, welche
Plätze schätzen sie weniger? Wie sehen sie die Menschen in
Dortmund?

Jeder darf selbst
entscheiden, ob er mit der Nennung seines Namens in der Ausstellung
sowie in allen anderen Medien einverstanden ist.

Ende Juni 2019 endet
die erste Sammelphase. Erste Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr im
MKK zu sehen sein.

Abgegeben können
Sie die Tüten im Foyer des MKK (Hansastr. 3) mittwochs zwischen
13:30 und 16:00 Uhr, donnerstags von 17:00 bis 19:30 Uhr sowie
freitags zwischen 10:00 und 12:00 Uhr sowie nach telefonischer
Absprache.

Filme auf einem
USB-Stick oder SD-Karten können jederzeit während der
Museums-Öffnungszeiten auf einen im Foyer eingerichteten Rechner
kopiert werden.

Wichtig!

Die Leihgeber
sollten den Fragebogen abgeben, sollten diesen vorher kopieren, um
ihre „Leihgabe“ später problemlos wieder zurückbekommen kann.

Ein spannendes
Projekt, bei dem die Organisatoren noch nicht genau wissen, was sich
daraus entwickelt. Es kommt auf die Beteiligung der Stadtgesellschaft
an.

Weitere
Informationen erhalten Sie unter www.mkk.dortmund.de
oder meindortmund@stadtdo.de.

Tel: 0231/ 50 22 053




Alexis Sorbas als musikalisch begleitetes Bühnenstück für einen Schauspieler

Im Schauspiel Dortmund konnte das Publikum am Samstag, den 16.03.2019 eine besondere Lesung als Bühnenstück erleben. Der nicht nur als
Tatort-Kommissar bestens bekannte und geschätzte Schauspieler
Miroslav Nemec las aus „Alexis Sorbas“ von Nikos Kazantzakis
unter der Regie und der Textbearbeitung von Martin Mühleis.

Musikalisch sensibel
begleitet wurde er vom Orchistra Laskarina mit Komale Akakpo an der
Santouri, Jerome Goldschmidt (Percussion), Matthias Hautsch
(Bouzouki/Gitarre) und Ana Helena Surgik am Cello. Für die
Komposition (und Bass)war Christoph Dangelmaier verantwortlich. Birte
Horst sorgte für das passende Lichtdesign.

Dieser Bühnen-Sorbas
war aber keine „normale“Lesung, sondern wurde zu einem
atmosphärisch lebendigen, durch-komponierten Bühnenstück für
einen Schauspieler und Musikensemble.

Einigen Menschen ist
„Alexis Sorbas“ aus dem berühmten Film mit Anthony Quinn (1964)
noch in guter Erinnerung.

Der Schelmenroman
beruht auf autobiografischen Erlebnissen des Autors. Es geht um einen
intellektuellen Schriftsteller (Ich-Erzähler) mit analytischem
Verstand, der von Selbstzweifeln geplagt ist.

Er möchte seinen
Beruf aufgeben und das Leben der einfachen Leute teilen. Er trifft
auf den Freigeist Alexis Sorbas, der vor allem seinen Instinkt folgt
und den Augenblick genießen kann. Für den lebensfreudigen Sorbas
entsteht die Welt jeden Tag neu. Freiheit bedeutet für ihn, das
Leben mit seinen Freuden oder Katastrophen anzunehmen. Er soll als
Vorarbeiter in einem geerbten Bergwerk des Ich-Erzählers arbeiten.

Miroslav Nemec entführte sein Publikum mit "Alexis Sorbas" nach Griechenland. (Foto: © Stefan Nimmesgern)
Miroslav Nemec entführte sein Publikum mit „Alexis Sorbas“ nach Griechenland. (Foto: © Stefan Nimmesgern)

Zwischen den beiden
ungleichen Männern entwickelt sich eine außergewöhnliche
Freundschaft, in der sie voneinander lernen. Im Umgang mit den
intuitiven Sorbas findet der Ich-Erzähler die Antwort auf ungelöste
philosophische Fragen.

Die Textsprache ist
sehr Bildhaft und ausdrucksstark. Es war beeindruckend, wie Nemec die
verschiedenen Charaktere und Personen mit Sprache, Mimik und Gesten
lebendig werden ließ. Er brachte die wunderbare Ironie, kritische
Haltung gegenüber Religion und menschlicher Heuchelei des Werkes in
allen Facetten auf die Bühne. Dabei beherrschte er alle Nuancen von
genussvoller Lebensfreude bis hin zu leiser melancholischer Trauer.
Die archaische Gesellschaft sowie die sinnlichen Freuden des Lebens
mit „Wein, Weib und Gesang“ und die Liebe zur Natur spielten
dabei eine wesentliche Rolle. Ein kleiner Syrtaki-Tanz (wie im Film)
durfte auch nicht fehlen.

Die beiden
Protagonisten verkörpern unsere Sehnsüchte im Spannungsfeld
zwischen planvoller Strukturiertheit und Emotionalität.

Der Plan, den die
beiden Männer machen, steht sinnbildlich für das Leben. Er soll
immer der Anfang von etwas Großem sein, scheitert dann aber
grandios.

Nicht nur der
Ich-Erzähler erfährt durch Sorbas, dass selbst dieses Scheitern ein
Genuss sein kann und Krisen eine Chance zur Veränderung bieten.

So kann „Alexis
Sorbas“ auch als eine europäische Parabel gesehen werden.




Elektra im Strudel der Rache und Gewalt

Der gespenstisch,
blutrünstig und leidenschaftliche Stoff von „Elektra“ (Hugo von
Hofmannsthal, 1874 – 1929)) hat am Freitag, den 22.03.2019 um 20:00
Uhr unter der Regie von Jung-Regisseurs und Folkwang-Absolvent Remo
Philipp im Dortmunder Theater im Depot seine Premiere. Der
gespenstisch, blutrünstig und leidenschaftliche Stoff von „Elektra“
(Hugo von Hofmannsthal, 1874 – 1929)

Es ist schon die
zweite Kooperation mit der Folkwang-Universität der Künste.

Grundlage ist die
Adaption des antiken Stoffes von Sophokles um Elektra. Nach der
Ermordung ihrer Schwester Iphigenie im Krieg um Troja und der Tötung
ihres Vaters – dem mykenischen König Agamemnon- durch die Mutter
Klytämnestra und deren Geliebten Ägisth kreisen Elektras Gedanken
nur noch auf Rache. Verstoßen verharrt sie vor den Palastmauern und
möchte, nachdem ihr Bruder Orest als verschollen gilt, sogar die
kleine Schwester Chrysothemis für ihre Rache instrumentalisieren.
Bis eines Tages der tot geglaubte Bruder zurückkehrt und das
vollzieht, was Elektra sich ersehnt …

Die Akteure auf und hinter Bühne (v.l.n.r.) Rudolf Klein und Franziska Roth mit Regisseur Remo Philipp.
Die Akteure auf und hinter Bühne (v.l.n.r.) Rudolf Klein und Franziska Roth mit Regisseur Remo Philipp.

Dem Regisseur beschäftigt sich schon länger mit der Thematik Gewalt. Für ihn steht die Psychologie der Figuren und das Schauspiel im Zentrum der Inszenierung. Das Bühnenbild ist reduziert und Philipp arbeitet mit wenigen Requisiten, die er atmosphärisch unterschiedlich einsetzt. Weitere ästhetisches Mittel sind etwa die zielgerichtete Nutzung von Musik, Licht oder Nebel. So werden zum Beispiel nur zwei Kinderwagen und ein plüschiger Teddybär auf der Bühne stehen. Diese wird zu einer pinkfarbenen Klischeewelt samt der Kostüme für die beiden Schauspieler werden. Klytämnestra verdrängt ihre Taten erfolglos und Chrysothemis scheitert dabei, ein normales Leben zu führen und die Vergangenheit zu ignorieren. Das Elektra in ihrem Egoismus und Rachsucht gefangen ist, werden die pinkfarbene Seile, an denen sie hängt, symbolisch deutlich zeigen.

„Mit wenig viel
schaffen und ausdrücken, das zeichnet Remo Philipp aus“, erklärte
der Schauspieler Rudolf Klein.

Der hat die
schwierige Aufgabe, sich während der Aufführung in vier
verschiedene Personen zu verwandeln. Er wird sowohl Chrysothemis,
Klytämnestra, Ägisth und Orest darstellen. Wir dürfen gespannt
sein, in welcher Form die Inszenierung das dem Publikum vermittelt.

Die Elektra wird von
der Schauspielerin Franziska Roth verkörpert.

Kann man für die
Gefühle von Elektra nach den schlimmen Geschehnissen in gewisser
Weise Verständnis aufbringen, führen ihre radikale Rachegelüste
und ihr Hass zu einer nicht enden wollenden Katastrophe.

Die Aufführung will
dem Publikum viel Assoziationsräume bieten und eventuell über den
eigenen Egoismus und den Umgang mit negativen Gefühlen nachzudenken.

Aussagekräftig ist
das Bild auf einer schwarzen Karte zur Aufführung. Dort ist eine
französische Bulldogge (Hund Hamlet vom Regisseur) in einem
Kinderwagen zu sehen.

Das symbolisiert gut
das „Tier“, was in uns allen schlummert und führt hin auf eine
allgemeine Ebene der Inszenierung.

Neben der Premiere
gibt es zunächst auch am Samstag, den 23.03.2019 und am 11.05.2019
jeweils um 20:00 Uhr und am Sonntag, den 12.05.2019 um 18:00 Uhr
Gelegenheit, sich die Aufführung anzusehen.