Junge Oper Dortmund entführt in fantastische Welt

Der Titel „Wo die wilden Kerle wohnen“ war am Sonntag, den
16.06.2019 Programm in der Oper Dortmund. Die Junge Oper lud zur
fantastischen Oper gleichen Namens von Oliver Knussen und dem
Libretto von Maurice Sendak (Deutsch von Claus H. Henneberg). Das
gleichnamige Kinderbuch stammt aus dem Jahr 1963.

Die Geschichte
handelt von dem Jungen Max, gesungen von Irina Simmes, der am
liebsten herumtollen und spielen will. Was gibt es da Dümmeres, als
dass die ganze Verwandtschaft zu Besuch kommt und er immer wieder zur
Ruhe ermahnt wird. Nach einem Wolfsgeheul wird er letztendlich von
seiner Mutter ohne Abendessen ins Bett geschickt wird. Max flüchtet
sich in eine Fantasiewelt, in der sein Stoffaffe zum Leben erweckt
wird und seine Verwandten zu tierischen Spielgefährten werden. Als
es ihm dann aber mit den Wilden Kerlen zu bunt wird, schickt er sie
ebenfalls ohne Essen schlafen, und beschließt selbst diese Welt zu
verlassen…

Musikalisch
begleitet wurde das Geschehen von den Dortmunder Philharmonikern
unter der professionellen Leitung des ersten Kapellmeisters Philipp
Armbruster. Die Opernmusik war passend zur Handlung sehr dramatisch
und dissonant. Komponist Oliver Knussen (*1952) hat die Story mit
leuchtenden Klangfarben ausgeschmückt. Manchmal ging der Gesang in
eine Art Sprechgesang über.

Eine Herausforderung
für Musiker und Sänger.

Das Bühnenbild bot auf zwei Ebenen Einblick in das herrschaftliche Esszimmer mit röhrendem Hirsch als Bild im Hintergrund und darüber das Kinderzimmer von Max. Beide Zimmer waren durch eine Treppe verbunden.. Außer des Lichts vom Kronleuchter war die Bühne ziemlich im Dunklen gehalten. Das erzeugte eine
leicht unheimliche spannende Stimmung.

Max (Irina Simmes) erlebt einige Abenteuer mit den wilden Kerlen. (Foto: © Theater Dortmund)
Max (Irina Simmes) erlebt einige Abenteuer mit den wilden Kerlen. (Foto: © Theater Dortmund)

Nach der Verwandlung
von Mama/Tzippie (Hyona Kim), Onkel/Bart- und Ziegenkerl (Fritz
Steinbacher, Onkel/Hornkerl (Mandla Mndebele), Großmutter/Hahnkerl
(Ian Sidden und Vater/Bullenkerl (Denis Velev) wurde nicht mehr auf
deutsch, sondern in einer „tierischen“ Fantasie-Sprache
gesprochen.

Man muss es so
sagen, da ging es zwischenzeitlich wirklich „wild“ her. Den
beteiligten Sängerinnen und Sängern merkte man den Sing- und
Spielspaß beim Austoben deutlich an. Als kleiner Affenbegleiter
hatte das für dieses Rolle ausgewählte Kind sichtlich auch seine
Freude.

Dass es sich um ein
herrschaftliches Haus handelt, merkte man nicht nur an den Kostümen,
sondern auch daran, dass eine Haushälterin und ein Diener mit von
der Partie waren.

Apropos Kostüme:
Tatjana Ivschina hat wieder einmal viel Fantasie bei den Tier-Masken
bewiesen.

Eine fantasievolle
Oper mit einer am Ende wichtigen Erkenntnis (nicht nur) für den
Jungen Max.




Ensemble ArtCollage präsentiert Liebesreigen

Kurz vor dem kalendarischen Sommerbeginn luden die Musiker des Ensemble „ArtCollage“ am 17.06.2019 zum 5. Kammerkonzert unter dem Motto „Irrwege der Liebe“ in das Dortmunder Orchesterzentrum. Es ging um die Irrungen und Wirrungen dieser großen Emotion.

Die Mitglieder in
diesem auserwählten „Musiker-Pool“ haben sich im Laufe der Jahre
durch Kammer- und Orchestertätigkeit in NRW kennen und schätzen
gelernt. Darunter sind auch Mitglieder der Dortmunder Philharmoniker.
Dabei standen an diesem Abend die Blasinstrumente, unterstützt vom
Kontrabass (Asako Tedoriya) im Mittelpunkt.

Auf der Bühne
agierten neben Asako Tedoriya Bettina Geiger (Flöte), Anke Eilhardt
und Christiane Dimigen (Oboe), Fabian Hauser und Alexander Schwlab
(Klarinette), Minori Tsuchiyama und Bernhard Wesenick (Fagott) sowie
Stefan Fellhauer und Ferenc Pal (Horn).

Harmoniemusik zu
„Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 –
1847) und Sergej Prokofjew (1833 -1897) standen auf dem Programm.
Beide in Bearbeitung von Andreas N. Tarkmann. Grundlage für beide
musikalische Werke waren die Klassiker „Ein Sommernachtstraum“
und „Rome und Julia“ aus dem 16. Jahrhundert von William
Shakespeare.

Das Ensemble ArtCollage verband in seinem Konzert Musik und Literatur (John Wesley Zielmann am Lesetisch). (Foto: © Anneliese Schürer)
Das Ensemble ArtCollage verband in seinem Konzert Musik und Literatur (John Wesley Zielmann am Lesetisch). (Foto: © Anneliese Schürer)

Als zusätzliche
Ebene wurde der Schauspieler John Wesley Zielmann als Sprecher
eingesetzt, der sehr lebendig und bildhaft die entsprechende Texte zu
den Dramen vortrug.

Sprecher und Musiker
wechselten sich jeweils. Nicht nur um sich zu ergänzen, sondern die
Ausdruckskraft der Werke im Zusammenhang mit der expressiven und
sensiblen Klangfarben der Instrumente noch zu verstärken.

Nebenbei konnte das
Publikum die Instrumente einzeln und im Zusammenspiel in all seien
Besonderheiten und allen Schattierungen erleben.

Egal ob als
melancholischer Trauermarsch, verspielter Rüpel – oder
Elfenmarsch, oder bei dem bekannten feierlichen Hochzeitsmarsch beim
„Sommernachtstraum“ zeigten schon ihr Können.

Nach der Pause
interpretierten sie die romantisch-dramatische Musik von Prokofjewmit
viel Feingefühl und Temperament.

Ein „ganzheitliches“
besonderes Erlebnis für die Zuhörerinnen und Zuhörer an diesem
warmen Frühsommer-Abend.




Klangvokal 2019 – Georg Friedrich Händels starke „Heroinen“

Die imposante Maschinenhalle im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in
Bövinghausen bildete einen würdigen Rahmen für „Händels
Heroinen“ am 14.06.2019 im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals
2019.

„The King‘s
Consort“ als erstklassiges britisches Ensemble unter der Leitung
von Robert King, der auch am Cembalo spielte sowie die englische
Sopranistin und Spezialistin auf dem Gebiet der Barockmusik Carolyn
Sampson zogen das Publikum in die faszinierende Welt der Oratorien
und Opernmusik von Georg Friedrich Händel ( (1685 – 1759).

Die Musik des Komponisten war von Frauen, darunter auch seiner Mutter, inspiriert. Egal ob als Königinnen, Prophetinnen, Zauberinnen, Dienerinnen oder rachsüchtige Intrigantinnen – Frauen spielten sie in seinem Vokalschaffen eine gewichtige Rolle mit starker Präsenz.

Los ging es mit den
wunderbaren „Wassermusik“ und der Sarabande aus der Oper „Almira,
Königin von Castilien“). Schon hier konnte sich der Solo-Trompeter
Neil Brough in dem Ensemble-Gefüge auszeichnen.

Carolyn Sampson und "The Kings' Consort" präsentierten starke Frauen aus Händels Opern- und Oratorienschaffen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Carolyn Sampson und „The Kings‘ Consort“ präsentierten starke Frauen aus Händels Opern- und Oratorienschaffen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Im Folgenden
wechselten sich instrumentale Passagen mit den von der Sopranistin
Sampson mit klarer Stimme sensibel gesungenen Arien ab. Am Anfang lag
der Schwerpunkt bei den Oratorien wie „Sememe“, „Theodora“
oder „Deborah“, später standen dann die Opernarien wie die der
Cleopatra (Oper Giulio Cesare), die Arie der Teofane (Oper „Ottone,
Re di Germania“). Die Arie der Ginevra (Oper „Ariodante“) oder
etwa die der Melissa (Oper „Amadigi di Gaula“) im Mittelpunkt.

Die verschiedensten
Emotionen, von traurig-melancholisch, rachsüchtig-temperamentvoll
bis liebes- freudig wurden von der Sängerin in allen Schattierungen
gekonnt dargebracht. Die oft feierlich bewegende Musik Händels kam
in der Maschinenhalle gut zur Geltung. Als Zugabe gab es ein Stück
aus dem dritten Akt des Oratoriums „Samson“.

Für alle Freunde
des Komponisten und der Barockmusik ein großartiges Erlebnis.




Seniorentanztheater und das Sinnhafte im Eigensinnigen

Unter der Leitung und tatkräftigen Unterstützung von Barbara Huber
sowie des erfahrenen Choreografen Mark Hoskins bereichert das
Dortmunder Seniorentanztheater schon in der zehnten Spielzeit das
kulturelle Leben in unserer Stadt. Die fitten Seniorinnen und
Senioren (57 bis 82 Jahre) sind keine Profitänzer, sondern haben,
wie man sehen und spüren kann, enormen Spaß an Bewegung und Tanz.

In ihrer neuesten
Produktion „We don‘t need no (s) education“ (frei nach Pink
Floyd), an der sie über Monate zusammen gearbeitet haben, geht es
darum, gegen überkommene Vorstellungen über „ältere Menschen“
mit Mut und das Leben möglichst lange selbstbestimmt und autonom
anzugehen.

Ein aktuelles Thema
aus dem Erfahrungsbereich der älteren Generation. Der demografische
Wandel zeigt deutlich, das die Zahl der Senioren in den nächsten
Jahren stetig ansteigen wird. Die individuelle Situation und
Fähigkeiten sind bei ihnen sehr unterschiedlich und lassen sich
nicht über einen Kmm scheren.

Wie schafft man es, lange selbstbestimmt Leben zu können? Eines der Fragen, die das Seniorentanztheater beschäftigte. (Foto: ©Piotr Gregorowicz)
Wie schafft man es, lange selbstbestimmt Leben zu können? Eines der Fragen, die das Seniorentanztheater beschäftigte. (Foto: ©Piotr Gregorowicz)

Die dreiundzwanzig
beteiligten Personen (sechzehn Frauen und sieben Männer) waren alle
mit einer Art weißen Kittel (ähnlich einem Engels-oder
Krankenhauskittel) anonym und wie „unsichtbar“ gekleidet. Nur
bunte Fäden ihren Köpfen brachten kleine zaghafte Farbtupfer
hinein.

Passend zum ernsten Thema war die energiegeladenen Musik von Igor Strawinskys „Sacre du printemps“ sowie natürlich Ausschnitten aus Pink Floyds „The Wall“ sehr gut ausgewählt.

Strawinky beschwört
in seinem legendären Ballett ein vorzeitliches Ritual und feiert die
stete Erneuerung der Natur. Für die älteren Menschen, die schon
einige Frühlinge und Sommer hinter sich haben, wird aus dem
Frühlings- ein Herbstopfer

Der Druck von außen,
wie man als älterer Mensch zu sein und sich zu verhalten hat, wurde
sehr plastisch und eindringlich tänzerisch dargestellt. Widerstand
entwickelt sich erst langsam nach und nach.

Das Leben wird als
Spiel auf Leben und Tod erfahren, bei der Humor nicht auf der Strecke
bleiben darf.

Im Laufe der
Aufführung werden dann den Beteiligten in goldenen Kelchen „rote
Nasen“ gereicht und sie werden zu Clowns. Glücklich sind sie damit
nicht, mit den roten Nasen lächerlich gemacht zu werden. Sie sind
keine Narren, sondern haben eine Art Freibrief.

Wenige
Videoprojektionen dienten zwischendurch als Hintergrund. Am
Eindrucksvollsten war dabei die bunte „Wall“, die Risse bekam.
Beim Song „We don‘t need no education“ rockte das Ensemble die
Bühne .

Es gab wohl bisher
keiner Produktion des Seniorentanztheaters, wo die tänzerisch und
motorischen Anforderungen für alle so hoch waren. Viele Elemente des
modernen Balletts waren darin eingeflossen.

Ein großes
Kompliment für diese Leistung!




Klangvokal 2019 – Mit dem Sollazzo Ensemble im musikalischen Liebesfieber

Das sechsköpfige Sollazzo Ensemble (Basel) unter der Leitung von
Anna Danilevskaia existiert seit 2014 und gilt als Shootingstars im
Bereich Alte Musik des Mittelalters und der Frührenaissance. Im
Rahmen des Klangvokal Musikfestivals konnte es nun sein Können am
12.06.2019 in der Dortmunder St. Marienkirche unter dem Titel „Tag
und Nacht – oder: Von der Liebestollheit in der Ars Nova“ unter
Beweis stellen. Die „Ars Nova“ besingt mit einer expressivem
Klangfarbe alle Schattierungen zwischen Liebesfreud und Liebesleid.

Mit dabei waren
Perrine Devillers mit ihrem klaren Sopran, Vivien Simon als sensibler
Tenor, und an den alten eindrucksvollen Instrumenten Franziska
Fleischanderl (Psalter: mittelalterlicher Zither ohne Griffbrett),
Sophia Danilevskaia (Fidel), Anna Danilevskaia (Fidel und Christoph
Sommer (Laute).

Um (Liebes-) Gefühle
in weltliche Gesangsformen zu transformieren, bildeten Balladen oder
sogenannte „“Virelai“ (ein mittelalterliches Tanz- und
Liebeslied) gerade in Frankreich und Italien die Grundlage.

Als ein Beispiel sei
hier das von einem gewissen französischen Komponisten „Borlet“
(Trebol?) Anfang des 14. Jahrhunderts entstandene „ Hé,
tres doulz roussignol joly“ genannt. Es gehört zu den musikalisch
verspielten Virelais mit geschickt eingebauten Vogelimitationen. Man
muss wissen, das Vögel, besonders die Schwalben als „Liebesboten“
galten.

Das Sollazzo Ensemble präsentierte Liebeslieder der Renaissance in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Das Sollazzo Ensemble präsentierte Liebeslieder der Renaissance in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Mit
Madrigalen (Singgedichte,
bei dem der
Text nicht nur wiedergegeben, sondern durch Gesang wie
Instrumentierung mit gedehnten lautmalerischen Effekten gestaltet)
wie etwa
„Quel sole che
nutric‘al gentil fiore“, wird
die Schönheit der Frauen und der Natur mit Tiefe und Intensität
besungen.

Devillers
und Simon beeindruckten vor allem durch ihre Harmonie, wenn sie
zusammen sangen.

Das
wunderbare Zusammenspiel der Instrumente sorgte zwischendurch immer
wieder für atmosphärische Tiefe.

Im
ersten Teil
des Abends standen in
französischer oder italienischer Sprache gesungenen Texten das
Liebesleid, in der
zweiten Hälfte schon mehr die Liebesfreude und Liebeslust im
Zentrum.

Gespielt und gesungen wurde Lieder von Borlet, Vincenzo da Rimini (ca. 1350-1400), Bartolino da Padova (1365-1405), Niccolò da Perugia (, Matteo da Perugia , Jacob de Senlèche (ca. 1382-1395) oder Francesco Landini (ca. 1335-1397).

Das
Abschlusslied des Programms „Or sus, vous dormés trop“ stammt
von einem anonymen Komponisten und seine Noten
finden sich im „Codex Ivrea“, der Bibliothek
der piemontesischen Stadt Ivrea. Hier
wird eine schöne Dame ausgelassen gefeiert, die zu lange schläft.
Stattdessen soll sie lieber der Lerche, Amsel, Drossel oder dem
Zeisig, aber nicht zuletzt dem Verehrer ihr Ohr und Herz schenken.




Dortmund Passagen – Stadtführer erzählt unsere Stadtgeschichte neu

Rechtzeitig vor dem Evangelischen Kirchentag erscheint ein neuer und
ganz besonderer Stadtführer unter dem titel „Dortmunder Passagen“.

Als
Kooperationsprojekt mit der TU Dortmund, der Reinoldikirche, den
Kulturbetrieben Dortmund, der Stiftung Industriedenkmal sowie dem
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern war das Projekt unter Initiative
von Prof. Barbara Welzel (TU Dortmund) und Dr. Stefan Mühlhofer
(Geschäftsführender Direktor der Dortmunder Kulturbetriebe) in
Angriff genommen worden und nun zu einem runden Gesamtwerk
zusammengefasst.

Einundzwanzig
fachkundige Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Disziplinen und
zwei Fotografen beschreiben auf 287 Seiten fünf Themen-Routen, die
dem Sound der Stadt folgen.

„Es sollte kein
klassischer Reiseführer werden, sondern die Geschichte der Stadt
aktuell in Zusammenhängen erzählt werden“, so Dr. Mühlhofer.

So erschließt der
Führer das Stadtgebiet anhand von Drehscheiben und (ganz wichtig) an
Leitobjekten. Dadurch wird Geschichte, Gegenwart und geografische
Gegebenheiten an konkreten Orten sichtbar und verständlich gemacht.

Vor dem Modell des historischen Lunaparks im Museum für Kunst und Kulturgeschichte – eines der Leitobjekte im Stadtführer (v.li.): Prof. Barbara Welzel (TU Dortmund), Michael Küstermann (Stadtkirchenpfarrer St. Reinoldi), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund) und Prof. Wolfgang Sonne (TU Dortmund). (Foto: Karin Pinetzki / Stadt Dortmund)
Vor dem Modell des historischen Lunaparks im Museum für Kunst und Kulturgeschichte – eines der Leitobjekte im Stadtführer (v.li.): Prof. Barbara Welzel (TU Dortmund), Michael Küstermann (Stadtkirchenpfarrer St. Reinoldi), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund) und Prof. Wolfgang Sonne (TU Dortmund). (Foto: Karin Pinetzki / Stadt Dortmund)

Die einzelnen
Kapitel (Routen) sind in „Wege“, „Wasser“, „Materialien“,
„Stadt und Land“ sowie „Spielräume“ eingeteilt. So lädt zum
Beispiel mit der Route „Materialien“ dazu ein, verschiedene
Werkstoffe und Oberflächen zu erkunden.Mit der Route „Spielräume“
wiederum steuert man die repräsentativen und politischen,
kulturellen und wissenschaftlichen, sportlichen oder geistlich
bedeutsamen Orte an. Im Kapitel „Wege“ geht es um moderne und
mittelalterliche Strukturen wie etwa: Wall und Hellweg oder Brücken,
Kanal und Flughafen.

Als Drehscheiben für
die Stadterkundungen dienen dabei Museen, Industriedenkmäler, der
Botanische Garten Rombergpark oder die Stadtkirche St. Reinoldi. An
den Routen liegen so verschiedene Dinge wie Adelsschlösser,
Gasleitungen, mittelalterliche Dorfstrukturen und Kirchen sowie
Bauten der Nachkriegsmoderne, bis hin zu Räumen der
Industrialisierung und des modernen Strukturwandels.

Eine besondere Rolle
als Drehscheibe spielt das Museum für Kunst und Kulturgeschichte
(MKK).

Jede der fünf
Routen ist mit einem Objekt aus der Sammlung des Museums verankert,
(ersichtlich durch eine angebrachte spezielle Postkarte). Jeder
Rundgang kann also im MKK starten.

Zu den Leitobjekten
zählen u.a. ein Modell der Stadtkirche St. Reinoldi, ein Modell des
historischen Lunaparks im Fredenbaumpark, der Dortmunder Goldschatz,
glasierte Backsteine eines mittelalterlichen Patrizierhauses oder
eine früher einmal notwendiger Reisepass im Raum Dortmund…

Nicht nur den Gästen
des Evangelischen Kirchentags, auch den Dortmunderinnen und
Dortmundern wird mit diesem leicht und gut zu transportierenden
Stadtführer ein neuer Blick jenseits der alten gängigen Bildern
gewährt.

Der Stadtführer ist
im Reinoldiforum und während des Evangelischen Kirchentags (19. bis
23. Juni) im Pavillon „stadt paradies sanktreinoldi“ an der
Reinoldikirche sowie danach auch im Buchhandel für 15,- Euro
erhältlich.




Klangvokal 2019 – 11. Fest der Chöre mit Teilnehmerrekord

Für viele Menschen ist das große Fest der Chöre am 15. Juni 2019 ein Höhepunkt des Klangvokal Musikfestivals Dortmund. Den Stellenwert und den Zuspruch für die Chormusik und das selber singen erkennt man in diesem Jahr auch wieder an den steigenden Teilnehmerzahlen. Als neuer Rekord vermeldete beim Pressegespräch Festivaldirektor Torsten Mosgraber in diesem Jahr den Rekord von 160 Chören mit 4.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Dortmund, NRW und darüber hinaus Deutschland weit. Sie präsentieren sich auf verschiedenen Bühnen, in Kirchen und anderen Orten unserer Stadt.

„Das bringt uns schon an die Kapazitäts-Grenzen,“ so Mosgraber. Es soll wieder ein facettenreiches und vielfältiges Programm von Volksmusik. Schlager, Shantys, Musical, Jazz , Barbershop, Klassik oder auch Pop-Musik geboten werden.

Das Fest der Chöre
findet am Samstag, den 15.06.2019 von 10:00 bis 22:00 Uhr statt.

Inoffiziell geht es
wieder im Dortmunder Rathaus mit der Eröffnung durch Kita-Chöre wie
etwa „Eine Welt“, „Wilde Wiese“, Kinderchor Burgholzstraße
und die Kita Worderfeld & Die Berliner Kids.

Das gemeinsame „Wir“ steht im Mittelpunkt.

Offiziell wird das
Chorfest traditionell um 12.00 Uhr auf dem Alten Markt von
Oberbürgermeister Ullrich Sierau und in diesem Jahr als besonderes
„Bonbon“ mit dem Dortmunder Opernchor, auf der Bühne. Dieser
begeisterte ja erst vor kurzem wieder einmal bei der Aufführung von
„Echnaton“ (Philipp Glass).

Es wird wie immer
mit verteilten Textheften zusammen gesungen. Neben dem
Steigerlied-Anfang wird auch die bekannte Fußball-Hymne „You‘ll
never walk alone“ gesungen. Es wäre schön, so die Organisatoren,
wenn möglichst viele Menschen bunte Schals in allen Variationen als
Zeichen von „Vielfalt“ und dem „Wir“ mitbringen würden.
Natürlich sind auch BVB-Schals gerne gesehen.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das Chorfest am 15. Juni 2019 gab der Chor "Trallafitti" beim Pressegespräch.
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Chorfest am 15. Juni 2019 gab der Chor „Trallafitti“ beim Pressegespräch.

Es gibt wieder Mitmach-Aktionen für Kinder, sowie Mitsing-Möglichkeiten und verschiedene Singstationen für Groß und Klein. Viel zu hören sein wird auf den sieben Bühnen in unserer Stadt, den Kirchen oder vor dem Orchesterzentrum (Deutsch-türkische Chöre).

Anlässlich des
anstehenden evangelischen Kirchentages haben sich gleich zwei
Projektchöre des Dortmunder Kirchenkreises gegründet.

Der Kinder- und
Jugendchor Quer-Beat Holzen hat extra für das Chorfest ein
Kinder-Musical einstudiert und wird es um 14:30 Uhr auf der GUT-Bühne
(am Platz von Netanya) vorstellen.

Zur besten Kaffee-Zeit um 15:50 Uhr auf der Bühne am Alten Markt sorgen als ein Highlight der Chor „Trallafitti“ mit einer Ruhrpott-Musical-Revue für gute Stimmung. Sie gaben schon beim
Pressetermin eine kleine Kostprobe ihres Könnens mit „LA –
International Airport“ und einer „Ruhrpott-Version“ von
„Superjeilezick“ (Brings).

Als krönender Abschluss findet wie immer das Abendkonzert ab 20:00 Uhr auf dem Alten Markt statt. Geballte Barbershop-Frauenpower gibt es dann von den preisgekrönten Damen von „Ladies First“ zu hören. Danach sorgt der Chor „Hömma“ mit ihrem Gesang für einen humorvollen Blick auf das Ruhrgebiet. Zum Finale heizen
dann „Sounding People“ (einer der aktuell erfolgreichsten
Pop-Chöre im Westen) die Stimmung noch einmal an.

Genaueres über das
umfangreiche Programm entnehmen sie den in der Stadt verteilten
Programmheften und Flyern.




Grappa- Krimi im Dunstkreis der Me Too-Debatte

In ihrem 29. Krimi „Grappa und der Sonnenkönig“ um die
unerschrockene Protagonistin Maria Grappa (Polizeireporterin vom
Bierstädter Tageblatt) mit guter Spürnase nimmt sich die Dortmunder
Autorin Gabriella Wollenhaupt mal wieder ein aktuell brodelndes Thema
vor. Die Me Too-Debatte erreicht jetzt auch Bierstadt.

Kurz vor Beginn der
Festspiele „Summer-Pott“ erhebt die Schauspielerin Liane Licht
gegen den Intendanten Adalbert Engels schwere Vorwürfe. Er soll von
ihr regelmäßig sexuelle Dienstleitungen erpresst und sie
vergewaltigt haben. Der arrogante, selbstverliebte Fiesling lässt
sich mit Maestro ansprechen und nennt sich selbst „Sonnenkönig“.
Natürlich leugnet er alle Vorwürfe. Als sich Liane Licht das Leben
nimmt, ist für Polizeireporterin Maria Grappa das Maß voll. Sie
setzt alles daran, der Öffentlichkeit das wahre Gesicht von Engels
zu zeigen…

Der Krimi ist wie
gewohnt in einem humorvoll-ironischem Stil geschrieben und die alten
bekannten Figuren aus früheren Grappa-Romanen sind wieder an Bord.
Zeit-Mann Friedemann Kleist muss während eines Forschungssemesters
mit der hiesigen Clan-Kriminalität auseinandersetzen. Zusätzlich
bleibt auch das Team vom Bierstädter Tageblatt von der Me
Too-Problematik nicht unberührt und die Stimmung ist etwas
angespannt. Der Toleranzbegriff wird auf eine harte Probe gestellt,
und die Geschichte nimmt einige kleine überraschende Wendungen, die
die Spannung bis zum Ende hoch halten.

Wie immer greift Gabriella Wollenhaupt aktuelle Themen in ihren Krimis auf. (Cover: © Grafit Verlag)
Wie immer greift Gabriella Wollenhaupt aktuelle Themen in ihren Krimis auf. (Cover: © Grafit Verlag)

Wie die anderen
Grappa-Storys lässt sich dieser Krimi leicht und flüssig lesen,
zeichnet sich aber auch durch seine interessanten Charaktere und der
intelligent eingebrachten Gesellschaftskritik aus. Bei aller
Ernsthaftigkeit und Nachdenklichkeit kommt der Humor nicht zu kurz,
beispielsweise wenn Grappa träumt, dass ihr Verleger die Monarchie
ausruft. Der ist ja auch notwendig!

Es deutet sich an,
dass die beliebte Figur der Protagonistin Grappa nach vielen Jahren
und Kämpfen so langsam amtsmüde wird und gerne aussteigen würde.
Zwar verständlich, aber viele Leserinnen und Leser werden sie dann
wohl auch vermissen.

Eine schöne Lektüre
für die anstehenden Urlaubszeit.

Gabriella Wollenhaupt
Grappa und der Sonnenkönig
Köln: Grafit Verlag 2019
ISBN 978-3-89425-593-0 (D) 11,00 € (A) 11,30 € 249 Seiten




Klangvokal 2019 – Facettenreiche mediterrane Vokalmusik

Arabisch-französisch geprägte Musik des Trio NES (Valencia) erwartete das Publikum im Dortmunder domicil. Die Organisatoren des Klangvokal Musikfestivals bewiesen wieder einmal einen gutes Händchen für Vokalkünstler der besonderen Klasse.

Charismatische
Frontfrau der Gruppe ist die französisch-algerische Sängerin und
Cellistin Nesrine Belmokh. Sie ist in Frankreich geboren, und ihre
Eltern stammen aus Algerien. Daraus entwickelte sich eine ganz
besondere Melange aus arabischer Musik, Jazz, Chanson, Soul und Pop.

Die Sängerin hat
nicht nur eine gute und wandlungsfähige Stimme, sondern kann auch
einfühlsam auf ihrem schmalen E-Cello oder einer in Istanbul
erstandenen Mandoline spielen. Eindrucksvoll kam ihre Alt-Stimme vor
allem gerade bei den leisen Tönen zur Geltung.

Eine gelungene Fusion aus verschiedenen Musikstilen präsentierte die Band NES der Frontfrau Nesrine Belmokh. Mit ihr spielten David Gadeo (Percussion) und Cellist Matthieu Saglio. (Foto: © Anja Cord)
Eine gelungene Fusion aus verschiedenen Musikstilen präsentierte die Band NES der Frontfrau Nesrine Belmokh. Mit ihr spielten David Gadeo (Percussion) und Cellist Matthieu Saglio. (Foto: © Anja Cord)

Ihr zur Seite
standen kongenial der französische Cellist Matthieu Saglio (nicht
umsonst wird er „Cellist der 1000 Klangfarben“ genannt) und
spanischen Perkussionisten David Gadeo. Sie ergänzten sich alle
wunderbar und bewiesen auch Performance-Qualitäten.

In den vielseitigen
Liedern, die hauptsächlich von der Sängerin stammen, geht es vor
allen um Identität, Liebe und Schmerz oder vor allem um den Traum
und die Hoffnung auf Frieden. Ihr Debütalbum „Ahlam“, aus dem
die Frontfrau einige Songs sang, bedeutet im wörtlichen Sinn
passend „Traum“. So heißt es in dem auf arabisch gesungenen
Titelsong: „Ich träume von Frieden und Hoffnung in einem Garten
der Liebe.“

Neben arabisch
wurden die Lieder überwiegen in englischer Sprache oder auf
französisch gesungen.

In „Laisse-Moi
Entrer“ bittet die Franko-Algerierin beispielsweise um Einlass auf
Französisch, in „The World is Blue“ beklagt sie sich dagegen
temperamentvoll über einen Liebhaber.

NES ist ein
gelungenes Beispiel dafür, was für eine Bereicherung
multikulturelle Einflüsse auf die Musik haben können.

Zum Abschluss
begeisterte NES das Publikum noch mit zwei wunderbaren
Interpretationen von „Ain‘t No Sunshine“ (Bill Withers) und „La
vie en rose“ (Edith Piaf).




Juicy Beats 2019 – volles Programm steht

Das
24. Juicy Beats Festival im Dortmunder Westfalenpark am 16. & 17.
Juli 2019 steht mit einem vollgepackten Musik-Spiel und Spaß –
Programm vor der Tür.

Es
bietet insgesamt 200 Bands und DJs, sieben Live-Bühnen, 20 Floors,
etliche Aftershow-Partys und ein besonderes Rahmenprogramm.

Erstmals
können die Zelte auf dem Campingplatz schon am Donnerstag
(15.07.2019) aufgeschlagen und dann an einem zusätzlichen
Rahmenprogramm teilnehmen. Im Angebot sind unter anderem ein Ausflug
zum Deutschen Fußballmuseum, zum 2. Soccer Slam Cup mit
anschließendem Stößchen und Konzert in der Kultkneipe Schlips oder
Party im Toyka‘s.

Die Organisatoren hoffen auf gutes wetter beim diesjährigen Juicy Beats.
Die Organisatoren hoffen auf gutes wetter beim diesjährigen Juicy Beats.

Viele
Topacts, wie zum Beispiel AnnenMayKantereit, SDP, Bausa, Trettmann,
Dendemann, Claptone, Mousse T., Drunken Masters, Finch Asozial, Giant
Rooks, Lari Luke oder die Antilopen Gang erwarten das Publikum auch
nationale Newcomer, eine inklusive Band , Poetry-Slam und vieles mehr
auf den unterschiedlichen Stages und Bühnen.

Am
Freitag den 16.07.2019 geht es ab 14:00 Uhr mit Trettmann und dem
diesjährigen Headliner, die Kölner Band AnnenMayKantereit los.
Gleichzeitig starten die zum Teil liebevoll geschmückten Floors.

Am
sind am Samstag steht dann SDP auf dem Programm der großen Bühne.

Auch
an Kinder und Familie ist gedacht. In der Kidzone (Wiese Buschmühle)
präsentiert das Jugendamt Dortmund erstmals ein musikalisches
Programm für die kleinen Besucherinnen und Besucher. Bewegung und
Tanz werden im Zirkuszelt groß geschrieben.

Es
gibt auch wieder eine 9 Meter hohe Kletterwand und vieles mehr.

Silent
Disco ist ab 22:00 Uhr angesagt.

Sponsoren wie Brinkhoff‘s haben sich als besondere Aktion (TukTuk-Floor) ein Klebe-Tattoo (wahlweise Ruhrgebietsstädte) für interessierte Besucher ausgedacht.

Die
Sparkasse Dortmund hatte schon jetzt mit ihrer 25%Rabattaktion für
Festival-Tickets rege Nachfrage und Erfolg.

Das
Essensangebot ist ähnlich groß wie in den vergangenen Jahren und
die Ticketpreise sind moderat geblieben.

Ticket
sind auf der der Festival-Homepage sowie den bekannten
Vorverkaufsstellen und Systemen erhältlich. Kombitickets der Phase 4
kosten 80,- Euro zzgl. Gebühren. Für Teenager zwischen 11 und 13
Jahren gibt es die Teen-Tickets für 43,-Euro (Kombi) und 21,50 Euro
(Einzel) zzgl. gebühren als print@home Variante.

Die
kostenlose An- und Abreise mit Bus und Bahn aus dem gesamten
VRR-Gebiet ist bei allen VVK enthalten.

Zusatzkarten
für den Campingplatz, (geöffnet Donnerstag), sind ab 40,- Euro (Ein
Zelt/Zwei Personen, zzgl. Müllpfand) zu haben.