Wiener Klassik im Puls von Wolfgang Emanuel Schmidt

Der Generalmusikdirektor Gabriel Feltz und die Dortmunder
Philharmoniker überraschen uns wieder einmal in der neuen
Spielzeit. Im Rahmen der Wiener Klassik-Konzerte werden jeweils drei
herausragende Solisten eingeladen, damit sie als Solisten und
Dirigenten mit dem hiesigen Orchester auf Augenhöhe musizieren
können.

Den Anfang verbindet
diese beiden Passionen der renommierte Cellist Wolfgang Emanuel
Schmidt (*197 im Zusammenspiel mit der Philharmoniker. Auf dem
Programm standen Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 – 1791) Sinfonie
A-Dur KV 201, die Variationen über ein Rokoko-Thema A-Dur op. 33 von
Peter Tschaikowsky (1840 – 1893) und die 98. Sinfonie B-Dur von
Joseph Haydn (1732 – 1809).

Obwohl Tschaikowsky
eigentlich zeitlich aus dem Rahmen der „Wiener Klassik“ fällt,
war er doch ein großer Bewunderer von Mozart. Seine Variationen über
ein Rokoko-Thema ist ein Beleg dafür.

Mozarts Sinfonie
A-Dur beginnt zunächst leise, in den insgesamt vier Sätzen
entwickelt sich aber eine überraschende Dynamik mit Tempowechsel.
Der zweite Satz besticht durch eine emotionale Tiefe, und als dritten
Satz hat der Komponist noch ein forsches Menuett eingefügt. Das
quirlige Finale im vierten Satz ist voller Bewegungsenergie, selbst
im zweiten leiseren Thema, und die Sinfonie endet ebenso furios. Auch
in diese ersten „reifen Sinfonie“ ist die Vorliebe des
Komponisten für das musikalisch Verspielte zwischendurch erkennbar.

Wolfgang E. Schmidt zeigte sein Können am Cello. (Foto: © Andreas Malkmus)
Wolfgang E. Schmidt zeigte sein Können am Cello. (Foto: © Andreas Malkmus)

Bei den folgenden
sieben Variationen über ein Rokoko-Thema von Tschaikowsky konnte
Wolfgang Emanuel Schmidt nicht nur sein Können und Feingefühl im
Umgang mit seinem Violoncello zeigen, sondern das Zusammenspiel mit
der Dortmunder Philharmoniker war sehr gut. Die starke Emotionalität
und Variationsvielfalt dieses Werkes kam in all seinen Facetten zur
Geltung. Als Zugabe für das begeisterte Publikum gab es noch ein
Haydn-Menuett im Zusammenspiel des Cellisten mit seiner damaligen
ersten Studentin Franziska Batzdorf (Violoncello) von den hiesigen
Philharmonikern.

Nach der Pause
folgte noch die in seiner Londoner Zeit entstandene 98. Sinfonie
B-Dur von Joseph Hadyn.

Die Einleitung im
ersten Satz ist eher langsam barock und im traurigen Moll angelegt,
um das Thema dann später in einem schnellen Allegro-Hauptteil
doppelt so schnell zu spielen. Immer wieder weicht der Komponist von
gewohnten klassischen Formen formal und harmonisch ab und irritiert
so das Hörverhalten des Publikums. Das emotionale zweite Satz mit
einem kräftigen Mittelteil scheint wie ein Requiem für den im Jahr
1791 verstorbenen Mozart zu sein.

Der dritte Satz ist
ein temporeiches Menuett, bei dem im intimen Mittelteil eine
Drehfigur dominiert, die von Fagotte und Streicher etabliert wird
und sich durch die gesamte Passage zieht. Dann wird der Rahmenteil
mit Pauken und trompeten wiederholt.

Wie ein klassisches
Jagd-Finale beginnt danach der vierte Satz Haydn bricht das Ganze
aber durch einen plötzlichen Wechsel in ungewohnte Harmonien.

Für die
allerletzten Takte hat sich der Komponist mit scherzhafter Ironie
etwas besonderes auf. Ein Cembalo-Solo. Für die damalige Zeit
ungewöhnlich.

Hat dieses
Instrument als Generalbass-Instrument in der Sinfonie doch eigentlich
nur eine begleitende Funktion. Damit stiehlt der Cembalist am Ende
allen anderen die Show.




Geheimdienste contra Performancekunst

Ausstellung „Artists & Agents“ des HMKV zur Interaktion zwischen Geheimdiensten und Performancekunst

Auf der Ebene 3 im Dortmunder U in den Räumlichkeiten des Harteware MedienKunstVerein (HMKV) können Besucher*innen vom 26.10.2019 bis 22.03.2020 die Ausstellung „Artists & Agents“ erleben.

Diese besondere Ausstellung ist von Inke Arns (Direktorin HMKV), Kata Krasznahorkai (Historikerin Slavisches Seminar Department, Universität Zürich) und Sylvia Sasse (Professorin für Slawistische Literaturwissenschaft, Universität Zürich) kuratiert worden. Beteiligt daran sind 24 Künstlerinnen und Künstler aus 10 Ländern.

Im Mittelpunkt steht
die bis heute andauernden Interaktion zwischen Geheimdiensten und
Performancekunst. Diese Kunstform galt (und gilt wohl noch) als
besonders gefährlich für die Machthaber z.B. in Ost- aber auch in
Westeuropa. Zunächst denkt man bei perfiden Überwachungen von
Künstlern wohl an Osteuropa (Sowjetunion (jetzt Russland), Ungarn,
Polen u.s.w.). Wie wir in der Ausstellung erfahren können, betraf es
auch unliebsame (linke) Performancekünstler im Westen, etwa um 1919
die Dadaist*innen in der Schweiz (Bern). Es ist aber durchaus ein
sehr aktuelles brisantes Thema mit Sprengkraft. Die Frage nach dem
zunehmenden Einsatz geheimdienstlicher Methoden in Politik und Alltag
ist hochaktuell…

Die Kuratorinnen der Ausstellung "Artists & Agents" Kata Krasznahorkai (Historikerin,  Slavisches Seminar Department, Universität Zürich), Sylvia Sasse (Professorin für Slawistische Literaturwissenschaft, Universität Zürich) und Inke Arns (Direktorin HMKV).
Die Kuratorinnen der Ausstellung „Artists & Agents“: (v.l.n.r.) Kata Krasznahorkai (Historikerin, Slavisches Seminar Department, Universität Zürich), Sylvia Sasse (Professorin für Slawistische Literaturwissenschaft, Universität Zürich) und Inke Arns (Direktorin HMKV).

Viele Jahre
Recherchearbeit und Forschung in versch8iedenne Archive und
Begutachtung von Geheimdienstarchiven war von Nöten. Fast nur in
Osteuropa sind diese Archive zugänglich und offenbaren einen
Einblick in die „Zersetzung“ und „Liquidierung“ kritischer
Künstlerinnen und Künstler durch die Staatssicherheitsdienste.
Dafür mussten die Agenten jedoch teils selbst „Performancekünstler“
werden, um an ihre Informationen zu kommen.

Spannend ist es zu erfahren, warum diese Kunstform als so „gefährlich“ eingestuft wurde, und wie man dagegen vorging. Oft wurden mit perfidesten Mitteln versucht, „Performancekunst“ zu verhindern.

Die selbst
betroffenen ausstellenden Künstler*innen setzen sich mit den sie
betreffenden „Akten“ vorwiegend fotografisch, aber auch durch den
Einsatz von Videos (z.B. audiovisuelles Beispiel eines „Verhörs“)
und andere Ausdrucksformen (Mobile) künstlerisch auseinander. Die
zu lesenden Aktenvermerke geben einen ganz besonderen Einblick in
diese spezielle, teils paranoiden Welt des Misstrauens und Argwohns.

Wie Sylvia Sasse
beim Pressegespräch verriet, reagierte vor allem die ungarische
Staatsmacht damals schon auf das Wort „Happening“ mit
hysterischer Abwehr. Happenings waren zutiefst suspekt.

Subversion als
Methode wurde von Geheimdiensten (die mit staatlichem Auftrag die
Kunstszene unterwandern wollten) sowie von den Künstlern selbst (um
den Staat zu überlisten) angewandt.

Zusätzlich wurde
ein Ausstellungsmagazin (HMKV 2/2019, Erscheinungstermin: November
2019) erstellt, und ab dem 26.10.2019 ist das Buch „Artists &
Agents, Performencekunst und Geheimdienste“ (Hg.: Kata
Krasznahorkai, Sylvia Sasse) für 34,- Euro im Buchhandel erhältlich.

Die Ausstellung wird
am Freitag, den 25. Oktober 2019 um 19:00 Uhr auf der Ebene 3
(Dortmunder U) eröffnet.




Ausstellung nicht nur für Frauen im Kunstbonbon

Im kleinen aber feinem Kunstbonbon in der Chemnitzer Str. 11
(Dortmund) werden vom 26.10.2019 bis zum 23.11.2019 unterschiedliche
Werke von sechs Künstlerinnen unter dem Motto „Und ewig lockt das
Weib“ ausgestellt.

Michaela Düllberg,
Eva-Marie Deutschewitz, Claudia König, Ingrid Lacher, Virginia
Novarin und Karin Schmitz setzten sich in kreativer Weise mit alten
und aktuellen Frauen-Rollenbildern auseinander. Mit verschiedenen
künstlerischen Mitteln, wie Malerei, Objekten, Skulpturen,
Zeichnungen, Assemblagen und Fotocollagen gehen sie den spannenden
Fragen zu der Thematik ganz individuell nach.

Wie stark wird das Bild der „idealen Frau“ auch heute noch stark von der Werbung beeinflusst? Sind Frauen heute nicht in den verschiedenen Rollen wie „perfekte Partnerin“ oder „Mutter“, natürlich immer perfekt gestylt und gut gelaunt, erfolgreich im Beruf, zerrissen und oft überfordert? Können sie sich diesem Druck entziehen und mutig ihre eigenen Wege gehen und eventuell ihr Leben verändern? Wie fühlt sie sich, die Frau von heute? Was macht ihr Sorgen, ist ihr wichtig oder stört sie?

"Affenbild" von Eva-Marie Deutschewitz. Zu sehen im Kunstbonbon in der Ausstellung "Und ewig lockt das Weib".
„Affenbild“ von Eva-Marie Deutschewitz. Zu sehen im Kunstbonbon in der Ausstellung „Und ewig lockt das Weib“.

Obwohl diese
Ausstellung ausschließlich von Frauen gestaltet wird und das Thema
„Frau“ im Mittelpunkt steht, werden auch Männer die gezeigten
Exponate sehenswert finden und bestenfalls eigene Erkenntnisse daraus
gewinnen.

Der Eintritt ist wie
immer frei.

Die Vernissage
findet am Samstag, den 26.10.2019 um 15:00 Uhr im Kunstbonbon statt.

Worte: Karin Schmitz

Öffnungszeiten: Di
13-18, Fr 15-20, Sa 12-15 Uhr




„Bewegung ist Alles!“ – künstlerische Aufhebung der Eindeutigkeit

In der Städtischen Galerie im Torhaus Rombergpark sind vom 20.
Oktober bis zum 10. November 2019 vierzehn Arbeiten der Herdecker
Künstlerin Petra Böttcher-Reiff unter dem Motto „Bewegung ist
alles!“ zu sehen. Die Werke (verschiedene Formate) sind in den
Jahren 2013 bis heute entstanden.

Die Künstlerin
gelingt es in ihren Arbeiten (Fotografie >
Fotografiken), aus statischen Fotografien von Natur, Menschen,
Landschaften sowie Sonne, Wolken, Wasser, Meer und Bauwerken
fließende, schwebende, Kunstwerke ohne Eindeutigkeit erschaffen. So
werden bei den Betrachtern ganz individuelle Emotionen hervorgerufen.

Dabei arbeitet sie
mit Reduktion und Verfremdung. Es entsteht eine magische, oft
futuristisch anmutendes, in Form und Farbe reduziertes Kunstwerk. Die
Werke haben nur kurze Titel wie etwa „Bambuswald“ oder „Sand“
zur Orientierung. Für eigene Assoziationen bleibt genug Spielraum.

Petra Böttcher-Reiff vor ihrer Arbeit "Zeitraffer I" im Torhaus Rombergpark. Zu sehen vom 20. Oktober bis zum 10. November 2019.
Petra Böttcher-Reiff vor ihrer Arbeit „Zeitraffer I“ im Torhaus Rombergpark. Zu sehen vom 20. Oktober bis zum 10. November 2019.

Mit Hilfe
technischer, digitaler Veränderungen lässt Böttcher-Reiff in ihrer
Farbe reduzierte effektvolle Fotografien oder malerische Bilder mit
verwischenden Aquarelleffekten entstehen. In Bauwerken (Duisburg oder
Antwerpen (Bahnhof-Centraal blau)) sind stilisierte Personen oder
andere Details schemenhaft zu erkennen.

Eindrucksvoll sind zum Beispiel die Arbeiten, die durch die Natur in Frankreich inspiriert wurden, aber auch die digital bearbeiten Fotografien etwa einer muskulösen männlichen Person in der Drehbewegung (Arbeiten „Zeitraffer 1“ und „Zeitraffer 2“). Der Kopf und Teile des Körpers sind schemenhaft surreal in mehrfacher Ausführung zu sehen. Das hat eine leicht surreale Wirkung auf die Betrachter. Je nachdem, von welchem Blickwinkel man die Arbeiten auf sich wirken lässt, entdeckt man etwas neues. Nichts ist eindeutig und alles eben in Bewegung und verändert sich. Das ist der Künstlerin in ihrer jetzigen Schaffensperiode besonders wichtig, wie sie im Pressegespräch erklärte.

Die Eröffnung der
Ausstellung „Bewegung ist Alles!“ Petra Böttcher-Reiff findet am
Sonntag, den 20.10.2019 um 11:00 Uhr in der Städtischen Galerie
Torhaus Rombergpark (Am Rombergpark 65) statt.

Einführung: Axel M.
Mosler (Dipl. Fotodesigner, Geschäftsführer Westfälischer
Künstlerbund Dortmund e.V.)

Die Künstlerin ist
anwesend.




Poetisch-bewegende Geschichte um den treuen Hund Kaschtanka

Das dritte Stück im Rahmen der Russischen Kulturtage mit dem
Akademischen Jugendtheater aus Rostow am Don am Sonntag, den
13.10.2019 um 15:00 Uhr im Kinder- und Jugendtheater (KJT) war ein
poetisches Stück nach der Erzählung „Kaschtanka“ von Anton
Tschechow (ab 6 Jahren) unter der regie von Pawel Sobnin.

Das zahlreich
erschienene Publikum lernte die Hündin Kaschtanka aus der Geschichte
in Form einer jungen Schauspielerin schon vor Beginn der Aufführung
kennen. Zudem waren da zwei fleißige russische Schauspieler mit
warmer Pelzkappe, Mantel und Filzschuhen, die mit einem Reisigbesen
den Boden im Vorraum säuberten. Einer von ihnen führte das Publikum
in den Vorstellungsraum mitten auf die Bühne.

Schuh, Fisch,oder
Restaurants waren symbolisch auf großen bemalten Stellplakaten
dargestellt an der linken Seite zu sehen. Wie in einer die
Circus-Manege konnten sich die Zuschauer*innen nach zehn Minuten auf
kleine, in einem Kreis gestellte Bänke setzen.

Die Vorstellung von "Katschanka" brachte etwas Zirkusatmosphäre ins KJT Symbolbild. (Foto: © Jörg Brinckheger  / pixelio.de )
Die Vorstellung von „Katschanka“ brachte etwas Zirkusatmosphäre ins KJT Symbolbild. (Foto: © Jörg Brinckheger / pixelio.de )

Entsprechend der
bewegenden Geschichte um die treue Hündin Kaschtanka, wurde das
geschehen mit ruhigen Flöten oder Lautenklängen begleitet. Die
empfindliche Hündin büxt ihrem Herrchen, dem Tischler Luka
Aleksandrytsch und seinem Sohn, wegen des Lärms einer Musikkapelle
aus..

Der reiche Mr.
George nimmt das verängstigte Tier auf und füttert es besser als
der oft betrunkene Tischler. Kaschtanka taucht in die magische Welt
des Zirkus ein und findet in einem Schwein, einem Kater und einem
Gänserich neue Freunde. Sie müssen gemeinsam hart für eine
Kunstfigur namens „Ägyptische Pyramide“ trainieren. Bei einem
(misslungenen) Zirkusauftritt am Schluss erkennen der Tischler und
sein Sohn ihre Hündin und es gibt ein freudiges Wiedersehen.

Fantasievolle
Kostüme machen die Aufführung zu einem bunten Spektakel.

Die Schauspieler
arbeiten mit Mimik, Gesten und vielen Tiergeräuschen und einer
insgesamt starken Körperlichkeit.

Die deutschen
Erläuterung zu der Handlung, konnten von der Seite leider nicht so
gut gelesen werden.

Die gute Bildsprache
des Ensembles erleichtere aber auch so das Verständnis.

Ein rührend
poetische Inszenierung.




Bumbarasch – zerrissen in Kriegs und Revolutionszeiten

Das zweite Stück des Akademischen Jugendtheaters aus unserer
Partnerstadt Rostow am Don – „Bumbarasch“- im Dortmunder Kinder-
und Jugendtheater (KJT) am 12.10.2019, war für Kinder- und
Jugendliche ab 12 Jahren konzipiert. Es befasste sich mit der
aufrührenden Zeitspanne vom Ersten Weltkrieg (1914 -1918) bis zur
russischen Revolution (1917), die zur Sowjetunion führte. Das
Musical, oder genauer die Revue von Julij Kim und Wladimir
Daschkewitsch wurde (wie schon „Eines Tages… oder alle Jungs sind
blöd“ am Vortag,) von Mikhail Zaets inszeniert.

Zum Verständnis für
die nicht der russischen Sprache mächtigen Zuschauer*innen, wurde
der Text mit Hilfe eines Schriftlaufbandes ins Deutsche übersetzt.

Es ist die
Geschichte des jungen Bauern Bumbarasch, der kurz nach der Hochzeit
mit seiner geliebten Frau als Soldat in den Ersten Weltkrieg
eingezogenen wird und „sattgeschossen“ und desillusioniert aus
der österreichischen Gefangenschaft zurückkommt.

Er will eigentlich
nur noch ein glückliches Leben mit seiner Frau führen. Da er als
im Krieg verstorben gemeldet wurde, hat diese inzwischen den Bruder
von Bumbarasch geheiratet. Ein glückliches Wiedersehen dauert nur
kurz. Inzwischen brodeln in seinem Heimatdorf revolutionäre
Umtriebe.

Vom Militär hat Bumbarasch nach seinen Erfahrungen die Nase voll. (Foto: ©  Akademischen Jugendtheater Rostow am Don)
Vom Militär hat Bumbarasch nach seinen Erfahrungen die Nase voll. (Foto: © Akademischen Jugendtheater Rostow am Don)

Die Kämpfe zwischen
den „Roten“, den „Weissen“ und den „Grünen“ (Banditen),
zermürben Bumbarasch. Er möchte nur ein ruhiges, friedliches Leben
führen. Die Liebesgeschichte muss tragisch enden…

Die Bühne wurde mit
einem kleineren und größeren Holztisch und Holzbänken ländlich
gestaltet.

Auch eine
Konstruktion mit herunterhängenden langen Bändern (weiß, rot oder
grün) bot genug Raum, um in das lebendige Spiel mit eingebunden zu
werden.

Wie es sich für
eine Revue gehört, spielte Musik, mal lustig, dann wieder
melancholisch eine große Rolle. Die Aufführung wurde von einer
Live-Band begleitet. Harmonika und russisch traditionelle Klänge
waren vorherrschend. Diese zeichneten sich durch eine oft
symbolhafte, dann wieder direkte Sprache aus.

Originale
Video-Einspielungen auf einer Leinwand aus dieser Zeit sorgten für
einen reale Bezug.

Da ein
Ensemble-Mitglied des russischen Jugendtheater wegen einer Verletzung
nicht mitspielen konnte, sprang erfreulicher Weise der
KJT-Schauspieler Rainer Kleinespel (als begleitender Kameramann) ein.
Sozusagen eine spontane deutsch-russische Zusammenarbeit.

Der Hintergrund war
vollständig mit weißen Bauernbekleidungen behangen. Die
Inszenierung wurde wieder voll bunten (auch traditionellen Kostümen),
akrobatischen Element, starker Bildsprache und Symbolik sowie
Tanzchoreografien getragen. Schreckhaft durfte man nicht sein, da
öfter laut geschossen wurde.

Die russischen
Frauen wurden eher nicht als Individuen, sondern als bewundernde
Anhängsel ihrer Männer dargestellt. Nur die Anführerin der
Banditen bildete da als „stärkere Frau“ eine Ausnahme.

Eindringlich war das
verzweifelt-melancholische Ende.

Kritik am Krieg fand
eher auf der symbolischen Ebene statt. So ragten zum Beispiel aus
Soldaten-Uniformen auf dem Boden verzweifelte „Getreidearme“
heraus.

Es gab verdienten
Applaus für die intensive, russisch-melancholischen
Theateraufführung.




Zauberhafte und fantasievoll-theatrale Reise in die Kindheit

Auf Einladung der Stadt Dortmund und des hiesigen Kinder- und
Jugendtheater unter der Leitung von Andreas Gruhn gastiert das
Akademische Jugendtheater Rostow am Don mit vier Stücken im KJT.

Den Anfang machte am 11.10.2019 um 11:00 Uhr „Eines Tages…oder alle Jungs sind blöd“ (ab 6 Jahren) von Ksenija Dragunskaja.

Die insgesamt neun
Schauspielerinnen und Schauspieler boten einen guten Einblick in das
bunte russische Theater mit einer Menge Musikalität, Akrobatik und
sehr fantasievollen Kostümen. Die Texte wurden für das Publikum
jeweils ins Deutsche übersetzt, obwohl auch die starke Gestik und
bildhafte Sprache auch schon viel für das Verständnis beitrug.

Im Hintergrund waren
zahlreiche größere bunte Holzkonstruktionen (Schiff, Tiere,
Flugzeug u.s.w.), die sich wie Windräder drehten oder später bei
Bedarf abnehmen ließen. Diese kamen aber erst in der Traumebene des
Stückes zur Geltung.

Musik, Akrobatik und Schauspielkunst bot das Akademische Jugendtheater Rostow am Don. (Foto: © Akademische Jugendtheater Rostow am Don)
Musik, Akrobatik und Schauspielkunst bot das Akademische Jugendtheater Rostow am Don. (Foto: © Akademische Jugendtheater Rostow am Don)

Zunächst ruht sich
ein russischer Schriftsteller mit Schreibblockade in seinem weißen
Schaukelstuhl aus. Dann öffnen sich die weisen Wohnungstüren, der
Hintergrund wird sichtbar, und sehr fantasievoll gekleidete weibliche
und männliche Wesen traten hervor. Der Schriftteller wird in ihre
Welt gezogen und soll helfen das „kahlköpfige Monster zu
bezwingen, das einen Familienvater entführt hat. Das Monster liebt
Märchen, und so soll der Schriftsteller versuchen, ein Märchen zu
schreiben. Das Publikum kommt mit auf eine Reise in seine Kindheit,
wo er als Mädchen auftaucht und lebt. Mit dem Jungen aus der
Nachbarschaft gibt es wilde Kissenschlachten, man lügt und hänselt
sich. Es wird mit den Rollenbildern von Mädchen und Jungen nach
Herzenslust changiert aber auch bestimmte Rollenklischees gebrochen.
So ist die Lehrerin der Trommler-Schule eine taffe Punkrock-Lady, die
zu dem bekannten Intro zu „Smoke on the Water“ von Deep Purple
auf die Bühne kommt und sich wild bewegt. Der folgende
„Mathematiklehrer“ hat es da schwer.

Die Mädchen und
Jungen klatschen, trampeln und kreischen nach Herzenslust, und das
Publikum wird animiert, mit zu machen.

Es geht um die Kraft
der Fantasie, die in jungen Jahren noch ausgeprägter ist. Erste
Direktive für die Erwachsenen ist,sich daran zu erinnern, wie es
war, als sie selber noch Kinder waren.

Die Inszenierung
arbeitet mit einfachen Dingen wie Luftballons, bunten Kissen,
Stofftelefon oder Seifenblasen, während das Geschehen mit
traumhafter Musik (Glockenspiel oder Trompete) oder mal mit rockigen
Klängen begleitet wurde. Am Ende wird das traurige „kahlköpfige
Monster“ mit einer glitzernden silbernen Lametta-Perücke erfreut
und zufriedener gemacht. Es ist auch egal, ob der Schriftsteller
früher ein Mädchen gewesen sein sollte und dann eben zu einem
Jungen wurde. Der Mensch hat sowohl weibliche wie männliche Anteile
in sich. Ein furioses musikalisches Ende gab es mit „Eight days a
week“ von den Beatles. Starke Bilder und lebendiges Spiel
begeisterten das (überwiegend junge) Publikum. Das durfte am
Schluss auch noch Fragen an das Ensemble aus unser Partnerstadt
Rostow am Don stellen.




Fragilität und Zerbrechlichkeit in vielen künstlerischen Facetten

In der Galerie im Depot (Immermannstr. 29) in Dortmund zeigen 21
Künstlerinnen und Künstler des BBK (Bundesverband Bildender
Künstler) Ruhrgebiet vom Donnerstag, den 11.10.2019 bis zum
27.10.2019 unter dem Motto „Handle with care“ ihre ganz spezielle
Sichtweise zu dem Themenkomplex Zerbrechlichkeit und Fragilität
sowie der notwendigen Achtsamkeit für Mensch und Natur.

Dabei verwenden sie
natürliche Materialien wie Holz ( z.B. Monika Pfeiffer, Bernd
Moenikes), oft in Kollagen mit anderen Materialien. Andere, wie etwa
Heide Kemper, nähern sich der Thematik symbolhaft durch eine weiße
kopflose Skulptur, die offensichtlich ein Hochzeitskleid an hat. Es
geht um zerbrechliche Materialien (z.B. Plexiglas), die wie bei
Birgit Brinkmann-Grempel unterschiedliche Fotos einschließt. Das
sinnhafte Foto mit dem rohen Ei auf der Edelstahlablage
(Einladungskarte. Vernissage) Das Thema wird ganzheitlich und
vielfältig bearbeitet.

Das unsere Umwelt
durch die von Menschen gemachten und forcierten Klimawandel bedroht
ist, dürfte nur von Ignoranten mit Scheuklappen geleugnet werden.

Die Bedrohung der
Lebensgrundlagen verdeutlicht das Gemälde Öl auf Leinwand (80 x 80
cm) von Susanne Behringer „Stürmische Zeiten“ mit malerischer
Eindringlichkeit. Die Künstlerin verriet beim Pressegespräch, dass
sie selbst einmal einen starken Sturm hautnah erlebt hat. Außerdem
ist sie Imkerin. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft hat
zur Folge , dass die Bienen von dort vertrieben werden und viele
(Hobby) Imker versuchen, ihnen in der Stadt eine geeigneten Ort für
den Bienenstock zu biete, so Behringer. Uns steht (jedenfalls bis
jetzt) nur diese eine Erde für alle Menschen Tiere und Pflanzen zur
Verfügung.

"Stürmische Zeiten" sind auf der Erde zu spüren. Susanne Behringer hat sie eingefangen. (Foto/Bildrechte: © Susanne Behringer)
„Stürmische Zeiten“ sind auf der Erde zu spüren. Susanne Behringer hat sie eingefangen. (Foto/Bildrechte: © Susanne Behringer)

Die Arbeit von
Claudia Terlunen „Zerstückelte Erde“, begrüßt die
Besucher*innen nachdenklich mit einem fragilen Mobile, an denen
Landschaftskarten hängen, die als Würfel gefaltet wurden.

Wie Schützenswert
sie ist und das wir Achtsam mit uns und ihr umgehen müssen,
verdeutlicht diese Ausstellung. Es gibt viel zu sehen. Nehmen Sie
sich Zeit.

Die Ausstellungseröffnung findet am Donnerstag, den 10.10.2019 um 19:00 Uhr in der Galerie im depot statt.

Begrüßung : Monika
Pfeiffer

Öffnungszeiten vom
11.10 bis 27.10.2019

Do. und Fr.: 17:00
bis 20:00 Uhr

Sa. und So.: 15:00
bis 18:00 Uhr




Emotionale Cello-Tour durch alle Epochen und Stilrichtungen

Die Cellisten der Dortmunder Philharmoniker luden am Montag, den
07.10.2019 zum 1. Kammerkonzert der neuen Spielzeit in das hiesige
Orchesterzentrum. Insgesamt sieben Cellisten und zwei Cellistinnen
waren mit von der Partie. Risto Rajakorpi, Emanuel Matz, Hauke Hack,
Markus Beul, Florian Sebald, Andrei Simion, Franziska Batzdorf, Weimo
Gao und Denis Krotov boten dem Publikum unter dem Titel „Plaisir
d‘amour“ (Vergnügen der Liebe) ein großes Spektrum aus allen
Epochen und Stilrichtungen. In verschiedenen Konstellationen kamen
sie an diesem Abend zum Einsatz.

Das Violoncello als
Instrument mit seiner Mittelposition zwischen Violinen bis zu den
tiefen Kontrabässen bietet vielfältige emotionale
Ausdrucksmöglichkeiten. Das zeigten die Musiker mit ihrem Programm,
bei dem sie zudem noch von Emily Newton unterstützt wurden. Die
Sopranistin ist vielen noch aus ihrem Zeit im Opernhaus Dortmund
(z.B. als Anna Nicole) in bester Erinnerung.

Mit Henry Mancinis
(1924 – 1994) „The Pink Panther“ ging es beschwingt los. Emily
Newton konnte dann schon beim bewegenden „Bachianas Brasileiras Nr.
5“ (Heitor Villa-Lobos, 1887 – 1959) ihre Stimmgewalt und
Einfühlungsvermögen unter Beweis stellen.

Nach einem kleinen
Ausflug in die Welt der barocken Fugen und Suiten, folgte noch eine
besondere Überraschung. Mit Hauke Hacks Arrangement ging es ganz
praktisch um die Bedeutung der „Fugen“ beim Maurerhandwerk. Hier
ließ es sich Emily Newton nicht nehmen, den gesanglichen Part mit
dem speziellen Text aus einem Lehrbuch für Maurer zu übernehmen.

Ein Höhepunkt
direkt vor der Pause war sicherlich das eindringliche „Nearer my
God to thee“ (Lowell Mason, 1792 – 18729), dass auch auf der
Titanic kurz vor ihrem Untergang gespielt worden war, so die Legende

Humor zeigten Hauke
Hack und sein Kollege Florian Sebald nach der Pause beim
Frühlingsstimmenwalzer op. 410 (Johann Strauß (Sohn), 1825 –
1899), arrangiert von Thomas Mifune. Beide spielte zusammen an einem
Cello!

Nach einem flotten
„Bossa nova“ von Wilhelm Kaiser-Lindemann (1940 – 20109)
begeisterten die Cellogruppe gemeinsam mit Emily Newton mit einer
sensiblen Interpretation von „Summertime“ (George Gershwin, 1898
– 1937). Auf einen flotten „Mambo for six“ (Wilhelm
Kaiser-Lindemann) folgte ein weiterer emotionaler Höhepunkt. Für
die Cellistin Franziska Batzdorf wurde vom Hauke Hack „Salut
d‘amour“ (Edward Elgar, 1857 – 1934) speziell arrangiert.

Zum Ende hin ging es
passend traditionell mit einer etwas jazzigen Version des bekannten
„Nehmt Abschied Brüder“ (arrangiert von Stefan Reichertz und
Hauke Hack). Mit „Voyage, Voyage“ von Dominique Dubois (*1951)/
Jean-Michel Rivat (*1939), bekannt geworden 1986 durch die Sängerin
Desireless wurde das offizielle Programm beendet. Hier konnte Emily
Newton und die MusikerInnen noch einmal ihr vielseitiges können
zeigen.

Ein gelungener
Abend, der dem Publikum viel Vergnügen bereitete und ihnen den
besonderen Zauber des Violoncellos näher brachte. Es wurde nicht nur
musikalisch berührt, sondern auch öfter durch den Humor und die
Spielfreude der Akteure zum Schmunzeln gebracht.




Akademisches Jugendtheater aus Rostow am Don mit vier Gastspielen im KJT

Russland ist nicht nur für perfektes klassisches Ballett bekannt,
sondern hat auch eine besondere Theaterlandschaft zu bieten. Im
Rahmen von unserer Stadt unterstützten „Russischen Kulturtage“
(21.09.2019 – 13.10.2019) gastiert das Akademische Jugendtheater
aus unserer Partnerstadt Rostow am Don mit gleich vier
unterschiedlichen Stücken für verschiedene Altersgruppen im KJT
(Kinder- und Jugendtheater) in Dortmund.

Der Leiter des KJT
Andreas Gruhn konnte bei einem Pressegespräch einiges aus seiner
Erfahrung mit einem KJT-Besuch in Rostow am Don über das spezielle
Theater in Russland berichten. Das Theaterensemble ist mit bis zu
vierzig Personen größer üblicher Weise in Deutschland. Sie
beeindrucken durch ihre gewaltige Bildsprache, sind sehr akrobatisch
und Musik spielt eine große Rolle, so Gruhn. Es lohnt sich, die
Chance wahrzunehmen, dieses russische Theater einmal live zu erleben.

Was wird im Kinder-
und Jugendtheater geboten?

Es beginnt am
Freitag, den 11.10.2019 um 11:00 Uhr mit „Eines
Tages.. oder alle Jungs sind blöd!“ (Ksenija Dragunskaja).

Diese
traumhaft-märchenhafte Stück für Kinder ab 4 Jahre spielt mit den
weiblichen und männlichen Anteilen in uns auf eine kindgerechte Art
und bietet auch Lustiges wie eine Kissenschlacht.

Alles kehrt sich um.

Am Samstag, den
12.10.2019
steht um 19:30 Uhr Bumbarasch“ (von Julij Kim und
Wladimir Daschkewitsch) ab 12 Jahre. Es entführt das Publikum in die
Zeit des Ersten Weltkriegs und an deren Ende die Entstehung der
Sowjetunion mit all seinen Wirren, Chaos und bitteren Konsequenzen
gerade auch für die Bauern. Bumbarasch ist eigentlich Bauer, wird
als Soldat in den Krieg berufen. Er und muss sich dann auch durch die
folgende Zeit mit den Bolschewisten auseinander setzen, obwohl er
eigentlich nur seine Ruhe will. Eingebettet in diese politischen
Hintergründe ist eine Liebesgeschichte, und das Stück ist trotz
allem mit viel Musik, akrobatischen Elementen und einer revuehaften
Erzählweise unterhaltsam gestaltet.

"Bumbarasch" erzählt von den Wirren in den Zeiten des Ersten Weltkrieges in Russland. (Foto:© Akademisches Jugendtheater Rostow am Don)
„Bumbarasch“ erzählt von den Wirren in den Zeiten des Ersten Weltkrieges in Russland. (Foto:© Akademisches Jugendtheater Rostow am Don)

Am Sonntag, den
13.10.2019
um 15:00 Uhr wird es mit „Kaschtanka“ – Die
Geschichte eines Hundes (Erzählung nach Anton P. Tschechow) ab 6
Jahre poetisch und bewegend. Die einsame Hündin Kaschtanka hat mit
ihren Erinnerungen an ihr Herrchen, Einsamkeit und Hunger zu kämpfen.

Zum Abschluss
wird am Sonntag, den 13.10.2019 um 18:00 Uhr die preisgekrönte
Inszenierung und sentimentale Komödie „Monsieur Ibrahim und die
Blumen des Koran“ (E.E. Schmitt) für Jugendlichen ab16 Jahre
gespielt. „Monsieur Ibrahim“ ist französisch elegant und auf
orientalische Art Weise, und eine eine geistreiche und berührende
Coming-of-Age Geschichte.

Es ist das größte
Austauschprojekt zwischen den beiden Theatern, und ist sowohl für
russischsprachige wie für deutschsprachige Dortmunderinnen und
Dortmunder interessant. Die beiden Abendveranstaltung werden
deutlich, die Aufführungen für Kinder simultan übersetzt oder
vorab erklärt.

Die Karten kosten
für alle Stücke 7 Euro und 5 Euro für Kinder bis 14 Jahren.

Erhältlich sind
Karten im Kundencenter des Theaters (Platz der alten Synagoge), unter
www.theaterdo.de und Tel.
0231/50 27 222.

Über die Gastspiele
im KJT hinaus finden übrigens im Rahmen der Russischen Kulturtage
überall in Dortmund Veranstaltungen in allen Sparten statt.