Emotionale und kraftvolle Ausstellung im Dortmunder Kunstverein

Im Dortmunder Kunstverein (Nähe U) sind vom 22. Februar bis zum 03. Mai 2020 unter dem Titel“La La CUNT“ aktuelle Werke der französischen Künstlerin Anne-Lise Coste (*1973) zu sehen.

Coste setzt sich in ihrer Arbeit mit den Themen Umwelt, Sex, Gewalt, Machtstrukturen, Frauenfeindlichkeit und Politik kraftvoll intuitiv und gleichzeitig sensibel auseinander. Wie sie beim Pressegespräch erklärte, geht in Frankreich wie in der übrigen Welt ein tiefer Riss durch die Gesellschaft, der in ihrer Kunst seinen Ausdruck findet. Sie bringt dabei viel emotionaler Subjektivität mit hinein.

Anne-Lise Coste vor ihrem gerade gesprühten Werk in den Räumen des Dortmunder Kunstvereins.
Anne-Lise Coste vor ihrem gerade gesprühten Werk in den Räumen des Dortmunder Kunstvereins.

In ihren Kunstwerken verbindet sie einfache schematische Formen und Worte, die vom Dadaismus und der Art Brut beeinflusst sind. Auf Papier, Leinwand oder direkt auf die Wand bringt sie ihre emotionalen „Kunststatements“ zumeist mit filigranen Airbrush, kräftiger Sprühfarbe oder auch mit Pinsel, Lack oder Öl zur Geltung. Auch Gegenstände wie beispielsweise beim Schrotthändler ergatterte Motorhauben von Renault Twingos („Frauenwagen“), einer mit dem Aufdruck „Pute“ (Hure) werden bei ihr zu einem feministischen künstlerischen Aussage. Die direkte Sprache des Graffiti oder die Aneinanderreihung politisch assoziativer Worte in schwarzer Spray-Schrift regen zu Nachdenken an.

Der Ausstellungstitel verbindet das preisgekrönte Liebes-Filmmusical „La La Land“ mit dem frauenfeindlichen abwertenden „CUNT“ („Fotze“). Diese Setzung steht sinnbildhaft für eine Ausstellung, die Ironie, Rebellion sowie Emotionen ausstrahlt und gleichzeitig zeitgenössische Ängste offenbart. Diese Kunst ist voller Kraft und Fragilität, Gewalt und Sinnlichkeit und eine Mischung aus Poesie und Gesellschaftskritik.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, den 21.02.2020 um 19:00 Uhr im Dortmunder Kunstverein statt.

Begrüßung: Marion Edelhoff (Vorsitzende)

Einleitung: Oriane Durand (Künstlerische Leitung)




Visconti-Tarotkarten künstlerisch aktuell transformiert

Unter dem Motto „Sehnsüchte und Sinnfragen“ ist im Haus Rodenberg (Café und obere Etage VHS) in Dortmund-Aplerbeck vom 8. März bis 09. Mai 2020 eine Kunstausstellung zu den ältesten Tarot-Karten (Visconti) zu sehen.

Die Idee zum „Visconti-Projekt – Hommage an das älteste Tarot der Welt – hatte vor drei Jahren die Schriftstellerin und Malerin Gabriella Wollenhaupt. Im Rahmen ihres historischen Romans um den holländischen Maler Vermeer wuchs ihre Begeisterung vor allem für die strahlend-kraftvollen Farben der Renaissance.

Wie sie beim Pressegespräch verriet, interessierte sie nicht so sehr der esoterische Aspekt der Visconti-Tarot-Karten, sondern besonders der kulturhistorische Aspekt.

Das älteste Tarot-Kartenspiel wurde für die Mailänder Fürstin Bianca Maria Visconti im Jahr 1442 erschaffen. Die Menschen damals wie heute suchten Orientierung und Hilfestellung in den Sinnfragen des Lebens und ihrer Sehnsüchte. Ganz pragmatisch etwa Antwort auf die Frage, wer im Konflikt zwischen Mailand und Venedig gewinnen würde.

Mit dem „Visconti Projekt“ setzten sich 23 Künstler*innen aus ganz Deutschland unter der Leitung und Organisation von Gabriella Wollenhaupt mit dem Thema auseinander. Für die Herstellung der Kartendecks und der finanziellen Angelegenheiten war die Malerin Ulla Schönhense verantwortlich. Beide ließen es sich nicht nehmen, selbst künstlerisch am Projekt Teilzunehmen.

Das Original erhaltenen Visconti Tarot-Kartenspiel besteht aus 22 Trumpfkarten, 16 Hofkarten und 40 Nummernkarten. Es werden 38 Gemälde ausgestellt.

Tarotkarten aus der Renaissance waren die Inspiration für die moderne Variante. (v.l.n.r.) Die Künstlerinnen Anette Göke, Ulla Schönhense und Gabriella Wollenhaupt sowie Jochen Köller (Öffentlichkeitsarbeit vhs) und Jörg Wiedelmann (Schlosscafe Rodenberg)
Tarotkarten aus der Renaissance waren die Inspiration für die moderne Variante. (v.l.n.r.) Die Künstlerinnen Anette Göke, Ulla Schönhense und Gabriella Wollenhaupt sowie Jörg Wiedelmann (Schlosscafe Rodenberg) und Jochen Köller (Öffentlichkeitsarbeit vhs).

Vorgabe für die Künstler*innen war das Format von 40 x 80 cm, ein „schwarzer Kartenrand“, goldener Hintergrund für die Trumpfkarten und ein spezielles Rot für die Hofkarten. Die Bezeichnung der Karte durfte natürlich auch nicht fehlen.Nach einer Jury-Auswahlverfahren wurden dann letztendlich die Aufträge an die 23 Künstler*innen vergeben. Jede und jeder von ihnen brachte seinen persönliche Assoziationen zur heutigen Zeit in sein Kunstwerk mit hinein. In einem Katalog kann man die Gedanken von ihnen zu ihrer Arbeit nachlesen. Dort stehen auch die Preise für die Kunstwerke.

Um nur ein Beispiel zu zu geben: Die Trumpfkarte „Die Liebenden“ zeigt bei Ulla Schönhense eine blonde junge Frau und einen dunkelhäutigen jungen Mann in inniger Zweisamkeit. Ein wunderbar aktuelles Statement, dass die Kraft der Liebe eine über alle Grenzen hinweg gehende Verbindung schafft.

Das „Visconti-Projekt“ ist aber nicht bloß eine Ausstellung, sondern bietet auch ein spezielles Programm. Für Interessierte besteht die Gelegenheit, sich bei der Vernissage für 20,- Euro aus den Tarotkarten von Arkania Spirit legen lassen (oder ein Tarot-Kartenspiel für 25,- Euro käuflich erwerben).

Die Kosten von 20,- Euro pro Person gehen vollständig an den Förderverein der Mitternachtsmission Dortmund.

Die Vernissage findet am Sonntag, den 08.03.2020 um 11:00 Uhr im Wasserschloss Haus Rodenberg & Schosscafé statt. Die Ausstellung wird von der vhs-Dortmund unterstützt. Musikalisch begleitet wird die Ausstellungseröffnung von Jonas Taler (Saxophon) und Julian Friedrich (Bass-Gitarre).




Mit Optimismus und Mut gegen die Widrigkeiten des Lebens

Im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) hatte am Freitag, den 14.02.2020 „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ (Stück von Finn-Ole & Dita Zipfel nach den Kinderbüchern) in der Inszenierung von KJT-Direktor Andreas Gruhn seine Premiere.

Das Stück handelt von der dreizehnjährigen Paulina Schmitt, genannt Paule. Aber „Maulina“ passt eigentlich viel besser zu ihr. Sie zelebriert das Gemaule in ihrem Zuhause, dem „Königreich Mauldawien“ als Kunstform. Sie ist ein manchmal besserwisserisches Mädchen, dass mit Mut und Herz für Gerechtigkeit und den Erhalt ihrer Familie kämpft. Grund zum Maulen gibt es genug.

Ihre Eltern trennen sich, und sie muss zusammen mit ihrer Mutter in eine „Plastikwohnung“ ziehen.

Dann erfährt sie auch noch, das ihre Mutter an einer schnell fortschreitenden Form der Nervenkrankheit Multiplen Sklerose leidet. Wütend ist sie besonders auf ihren Vater, der im „Königreich Mauldawien“ mit seiner neuen Freundin wohnt und mit ihr noch einmal Vater wird. Sie möchte ihr „Königreich“ unbedingt wieder zurück. Mit Hilfe ihrer Freund*innen , dem neuen Kumpel Paul und vor allem ihren Opa stellt sich „Maulina“ mit Mut und Optimismus den schlechten Nachrichten ….

Das gesamte Ensemble ist in dieser dynamischen Inszenierung beteiligt, und auf der Bühne werden sie live von Manuel Loos musikalisch unterstützt. Er sorgt auch für die passenden Geräusche zu den Emotionen und dem Geschehen.

Die Bühne wurde zu einem zwei geteilten, durch einen Vorhang getrennten Raum, der sich nach Bedarf öffnen ließ. Auf der einen Seite das „Königreich“ und „Plastikwohnung“.

Am Anfang gab es eine Art Jamsession mit allen Beteiligten.. Alle vermittelten eine große Lebensfreude und Glück im „Königreich Mauldawien“. Flexibel nutzbare verschieden große Holzkisten dienten unter anderem als „Schlagzeug“.

Ann-Kathrin Hinz gelang es großartig, die positive Wucht, den Optimismus, die Verzweiflung und die Hoffnungen der Maulina auf die Bühne zu bringen. Rührend, wie sie bis zum Ende auf ein Wunder hofft und mit welcher Power sie ihrer Mutter helfen will. Einfühlsam wird die langsame Annäherung an ihren Vater, den sie zunächst nur „den Mann“ nennt erzählt.

Suchen nach einem Heiltrank für die kranke Mutter: ganz rechts Maulina (Ann-Kathrin Hinz) und ihre Freunde (v.l.n.r.) Thorsten Schmidt; Jan Westphal und Bianka Lammert). (Foto: © Edi Szekely)
Suchen nach einem Heiltrank für die kranke Mutter: ganz rechts Maulina (Ann-Kathrin Hinz) und ihre Freunde (v.l.n.r.)Thorsten Schmidt; Jan Westphal und Bianka Lammert). (Foto: © Edi Szekely)

Auch die anderen Schauspieler*innen ginge voll in ihren Rollen auf. Der weise Opa „General“, gespielt von Rainer Kleinespel, hatte Gelegenheit, sein gesangliches Können unter Beweis zu stellen. Einen schwierigen Part hatte Bettina Zobel, die als Mutter den zunehmenden Krankheitsverlauf sensibel und glaubhaft darzustellen. Sie meisterte diese Aufgabe überzeugend.

Neben den nachdenklich-traurigen Momenten gab es viele humorvolle Augenblicke. Freundschaft und Liebe dienten dabei als positive Kraft,um die Widrigkeiten des Lebens wie etwa Trennung, Krankheit und Tod fertig zu werden und immer wieder auf zu stehen. Frei nach einem alten Song der Gruppe „Herne 3“: „Immer wieder Aufsteh‘n, und immer wieder sagen: es geht doch!“.

Das Leben wird als Kreislauf von Entstehen und Vergehen, Geburt und Tod deutlich. Das wird Maulina eindrucksvoll in einen „Ausflug“ in die Geschichte der Evolution deutlich.

Gelegenheit, dieses Stück im KJT (Sckellstraße 5) zu erleben, gibt es an den Folgeterminen am 16.17.23. Februar 2020 sowie weiteren Terminen bis zum Spielzeitende.

Informationen erhalten sie wie immer unter www.theaterdo.de und 0231/50-27222.




Neue Sammlungspräsentation im frischen Gewand im Museum Ostwall

Die Ebene 5 und 6 (Museum Ostwall im Dortmunder U sind jetzt ganz „frisch“ neu gestaltet und am Freitag, den 07.02.2020 um 19:00 Uhr wird dort für den Zeitraum von zwei Jahre die Dauerausstellung „BODY & SOUL, Denken, Fühlen, Zähneputzen“ eröffnet.

Wie Dr. Nicole Grothe (Leiterin der Sammlung des MO) beim Presserundgang verriet, wurde durch die architektonischen Veränderungen, prägnante farblichen Gestaltungen und Präsentation ein Ziel verfolgt, was dem Museum am Herzen liegt. Die Trennung von Kunst und Leben soll aufgehoben und beides zusammen gebracht werden. So erwartet die Besucherinnen und Besucher nicht nur eine inhaltlich spannende Neuinszenierung der MO-Sammlung, sondern mit Hilfe des Designerbüros Soda aus Arnheim (Niederlande) präsentieren sich die beiden Ausstellungsetagen in einem einladenden neuem Gewand.

Größere Räume und niedrigere Wände geben Orientierung. Ein nicht reflektierender hellgrauer Boden sorgt für weniger optische Störungen. Eine Verbindung mit dem Treppenhaus und verbesserte Orientierung gelingt durch eine Farbgestaltung von hellrosa bis dunkelrot sowie durch großformatige Fotografien. Dies schafft auch eine erwünschte Wohlfühlqualität, die durch bequeme Sitzgelegenheiten, mehr Rundungen. Die warmen Farben, Teppiche , Kissen und Sitzgelegenheiten laden zum verweilen ein.

Inhaltlich ist die Ausstellung in neun Kapitel aufgeteilt.:

1. „Nackt wie Gott uns schuf“, 2. „Kleider machen Leute“, 3. „Höher, schneller, weiter“, 4. „Schlaf ist der Bruder des Todes“, 5. „Essen und Trinken hält Leib und Seele gesund“, 6. „Welche Farben hat die Seele?“, 7. „Wovor hast du Angst?“, 8. „Woran glaubst Du?“ und 9. „All You need is love…“.

Neben Gemälden, Kleidungsstücken , Skulpturen gibt es zudem einige Video-Installationen, die den Besucher*innen Möglichkeiten zur Interaktionen bieten.

Wolf Vostell (1932–1998)
Umgraben, Happening von 1970
Re-Inszenierung von Gregor Jabs, 2012 Bild © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Foto © Jürgen Spiler
Wolf Vostell (1932–1998)
Umgraben, Happening von 1970
Re-Inszenierung von Gregor Jabs, 2012 Bild © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Foto © Jürgen Spiler

Beispielhaft sei da nur die Video-Installation „Exchange Fields“ von Bill Seaman erwähnt. Sie zeigt eine Tänzerin, deren Körper sich sich zwischen Energiequellen bewegt. Indem unser Körper mit den zugehörigen Objekten im Raum agiert, steuern wir die Bewegungen der Tänzerin.

Nachdem der Eingang in das Museum Ostwall dauerhaft auf die Ebene 5 verlegt wurde, wird das ehemalige Foyer zum „Flux Inn“. Durch die Fluxus-Bewegung inspiriert entstand hier ein Raum zum Lebensraum, Aktionsraum und zur Chill Out Area. Verschiedene Aktionspunkte laden zur kreativen Auseinandersetzung mit Kunstwerken ein. Gelegenheit zur Entspannung bieten verschieden gemütliche Sitzgelegenheiten oder eine Hängematte und Musik von einer Schallplatte von Dieter Roth (Ursonate).

Im KunstAktionsRaum haben Schulklassen, Kindergartenkinder oder andere Gruppen die Gelegenheit, frei nach dem Motto „Augen öffnen, Hirn hüpfen, Lippen lockern, Finger formen“ künstlerisch aktiv zu werden.

Auch Individualbesucher*innen können ihren Gedanken als Skizze, Malerei, Figur, Foto, Objekt oder als Handlungsanweisung eine künstlerische Form verleihen.

Experimentieren kann man mit Hilfe von angebotenen Workshops der MO-Museumspädagogik. Das MO-Schaufenster ist ebenfalls mit in den neuen architektonischen Komplex integriert.

Unabhängig von der Ausstellung erscheint anlässlich der neuen Sammlungspräsentation der Katalog „Expressionismus und klassische Moderne“ aus der Sammlung des Museums Ostwall im Dortmunder U mit Texten von Natalie Calcozan, Nicole Grothe und Edwin Jacobs zu den Meisterwerken.

Infos und Kontakt unter mo@stadtdo.de oder Telefon: (0231) 50-2 47 23




artscenico lud zum Meeting 2020

Traditionell lud „artscenico“ unter der Leitung von Rolf Dennemann und seine langjährigen Mitstreiter Matthias Hecht, Elisabeth Pleß, Thomas Kemper, Joanna Stanecka, Chino Monagas, Cynthia Scholz am 28.01.2020 zum diesjährigen Meeting in das Dortmunder Theater im Depot ein.

In diesem Jahr stand das besondere Treffen von Künstlern und Publikum unter dem Motto „Check dein Weltbild“. Sie positionieren sich damit deutlich gegen Hass, rechte Propaganda und Terror. Heimat ist hier kein Kampfbegriff.

Der Musik-Leistungskurs des Max-Planck-Gymnasiums überraschte das Publikum mit ihrer eigenen Interpretation von Franz Schuberts „Der Lindenbaum“ (Winterreisezyklus)

Es wurde in der Folge öfter nachdenklich und besinnlich. Rolf Dennemann las „Das Phänomen“ (1981) von Hanns Dieter Hüsch als eindrucksvolles Statement geben Ausgrenzung.

Wie gewohnt wurde zunächst auf die Produktionen des letzten Jahres wie die „Hinterhof-Trilogie in der Missundestraße (Raum vor Ort), „Choose your Granny“, „Silent City“ oder „Konstellation H2“ (ein Abend über Wohin und Hier) zurück geblickt. Johanna Stanecka und Thomas Kemper boten live eine Kostprobe aus „Konstellation H“.

Einen Ausblick auf die (sicherlich wieder humorvoll-skurrilen) Produktionen 2020 gab es natürlich auch. So kann sich das Publikum am 20./21. März diesen Jahres auf „Blutmond – About fear and fu, love and loss“ mit Live-Band freuen.

Ende Mai gibt es das Projekt „artscenico quasel 2020“ (moderierte Filmübersicht).

 Roman D. Metzner (Akkordeon) und der Countertenor Etienne Walch sorgten für ein musikalisches Highlight an dem Abend. (Foto: © Anja Cord)
Roman D. Metzner (Akkordeon) und der Countertenor Etienne Walch sorgten für ein musikalisches Highlight an dem Abend. (Foto: © Anja Cord)

Spannend wird die für den Oktober 2020 vorgesehenen Produktion „Peer Gynt“ (Henrik Ibsen). Sie wird „Open Air“ in einem Park aufgeführt werden. Musik spielte im weiteren Verlauf eine nicht unbedeutende Rolle.

Direkt vor der Pause gab es als Einspieler „Griechischer Wein“ (Udo Jürgens) mit Text auf der Leinwand. Der zweiten Teil der Performance an diesem Abend brachte mit dem ausgezeichneten Countertenor Etienne Walch, begleitet von Roman D. Metzner am Akkordeon ein großes musikalisches Highlight.

Das Trio Ansambal NAj mit der Sängerin Manuela Weichenrieder, Serge Corteyn (Gitarre, Elektronics) sowie Ludger Schmidt (Cello) sorgten mit ihren jazzig-jiddischen Liedern für Gänsehautmomente.

Eindringlich vorgetragen von Schauspielerin Elisabeth Pleß wurden Kurt Tucholskys bitteres und starkes politisches Gedicht „Rosen auf den Weg gestreut“.

Zum Abschluss gab es noch eine ironisch-witzige „Belobigung“ von artscenico für das ökologisch und politisch sicher vorbildliche Verhalten des Publikums.




Streichergruppe im Mittelpunkt des 3. Kammerkonzerts

Eine Gruppe von sechs Streicher*innen der Dortmunder Philharmoniker lud am 27.01.2020 unter dem Motto „Wiener Nächte“ zum 3. Kammerkonzert in das Orchesterzentrum NRW.

Mit dabei waren Joowon Park und Oleguer Beltran Pallarés an der Violine, Hindenburg Leka und Mingwan Kim an der Viola sowie Franziska Batzdorf und Andrei Simion am Violoncello.

Die auf dem Programm stehenden „Verklärte Nacht“ op. 4 von Arnold Schönberg (1874 – 1951) und nach der Pause das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert (1797 – 1928) boten den Musiker*innen viel Gelegenheit, dem Publikum ihr virtuoses Können und das Facettenreichtum ihrer Streichinstrumente zu Gehör zu bringen.

Die Streicher standen beim 3. Kammerkonzert im Mittelpunkt. (Foto: © katermikesch auf Pixabay)
Die Streicher standen beim 3. Kammerkonzert im Mittelpunkt. (Foto: © katermikesch auf Pixabay)

Der eigentlich als „Erfinder“ der Zwölftontechnik bekannte Arnold Schönberg war jedoch auch von der Romantik, speziell von Richard Strauss und Gustav Mahler beeinflusst. Inspiriert von einem Gedicht von Richard Dehmel (1863 – 1920) entstand seine „Verklärte Nacht“ für Streichsextett. Es beschreibt einen Spaziergang eines paares im Mondschein. Die Frau ist von einem fremden Mann schwanger, ihr Partner steht jedoch zu ihr und dem Kind. Die ganze Dramatik und die Gefühlsschwankungen spiegeln sich in dem einsätzigen Musikwerk wieder. Es besteht aus fünf pausenlos ineinander übergehenden Teilen, die den wechselnden Stimmungen der Gedichtstrophen folgen. Mal dramatisch aufwühlend, dann wieder ruhiger und voll heiterer Hoffnung.

Das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert nach der Pause, bot in seinen fünf Sätzen ebenfalls einige dramatische Stimmungswechsel sowie abrupte Modulationen und Themen, die oft wie Überleitungen wirkten. Tonarten werden von Schubert in neue Zusammenhänge gestellt.

Ungewöhnlich der Einsatz eines zweiten Violoncello anstelle einer zweiten Bratsche (Viola). So wurde Schuberts Musikwerk ohne Mingwan Kim (Viola) gespielt.

Es ist immer wieder interessant und spannend, die Musiker*innen der Dortmunder Philharmoniker in kleineren Zusammenhängen mit ihrem speziellen Instrumenten erleben zu dürfen.




Musikalisch schwungvoller Start in das Jahr 2020

Traditionell luden die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor wieder mit einer Nachmittags- und einer Abendvorstellung zu einem festlichen Neujahrskonzert. In diesem Jahr erstmals als Kooperation in das Dortmunder Konzerthaus. Dies ist ja auch ihr eigentlicher „Heimatort“. Ars tremonia war beim Abendkonzert mit dabei.

Mit einem orchestrales Feuerwerk ging es schwungvoll mit der brillanten Musik von George Gershwin, Maurice Ravel und Leonard Bernstein in das neue Jahrzehnt. Die Komponisten sind auf die eine oder andere Weise miteinander künstlerisch durchaus verbunden. Spuren davon führen vom Kaleidoskop Amerika über Frankreich (Europa) und wieder zurück.

Temperamentvoll, karibisch anmutend ging es mit der „Cuban Overture“(1932) von George Gershwin sofort sehr dynamisch los.

Nicht nur die Dortmunder Philharmoniker , auch ars tremonia wünscht ein frohes neues Jahr 2020. (Foto: © Samkh/pixabay)
Nicht nur die Dortmunder Philharmoniker , auch ars tremonia wünscht ein frohes neues Jahr 2020. (Foto: © Samkh/pixabay)

Für die 1924 entstandene bekannte „Rhapsody in Blue“ (George Gershwin) konnte die in Frankreich lebende „junge Wilde“ Pianistin Lise de la Salle (*1988) gewonnen werden. Sie konnte im feinen Zusammenspiel mit der Dortmunder Philharmoniker ihr ganzes Können zeigen. Die Herausforderung der rasanten Passagen meisterte sie mit musikalischen Virtuosität, während die ruhigeren Abschnitt von ihr gefühlvoll vermittelt wurden.

Die hiesigen Philharmoniker unter der temperamentvollen Leitung von Gabriel Feltz gelang es dann, die entfesselnde Energie der „Rhapsody Espagnole“ (1908) von Maurice Ravel für das Publikum spürbar zu machen.

Ein Höhepunkt des Konzerts war sicherlich der legendäre „Boléro“ von Ravel(1928). Das fast meditative musikalische Grundthema, nur ab und zu variiert, entfaltete seine grandiose Wirkung. Begleitet von der „kleinen Trommel“, spielen zunächst verschiedene einzelne Blasinstrumente das musikalische Thema, wobei das Tempo stetig aber langsam erhöht wird. Später kommt die Streicherfraktion hinzu, bis das Ganze in einem fulminantem Showdown des gesamten Orchesters gipfelt.

Es zeigt sich hier besonders, wie wichtig das exakte Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente ist.

Das könnte man erfolgreich auf das gesellschaftliche Zusammenleben übertragen. Mehr ist im Zusammenspiel und -halt zu erreichen!

Zum Abschluss stand dann noch Leonard Bernsteins „Ouvertüre zu „Candide“ (1956) als schwungvolle Ergänzung auf dem Programm.

Diese verquere Ouvertüre mit seien wechselnden Taktarten und übereinanderliegenden Metren war ein anspruchsvolles musikalisches Stück, dass den Beteiligten noch einmal alles abverlangte.




Kriminalroman im Milieu von Kunst und Kunstfälschern

Thomas Salzmann (1960 in Pirmasens geboren, lebt heute im Mettmann) studierte ursprünglich Betriebswirtschaft und arbeitete danach längere Zeit in der Industrie. Seit fünf Jahren widmet er sich nun dem Schreiben.

Mit seinem Debütkrimi „Kohlenwäsche“ schickt er die Leser*innen sowie seine Protagonistin Hauptkommissarin Frederike Stier mitten ins Ruhrgebiet in einem Fall aus der Kunstszene, mit dubiosen Galeristen, Kunstberatern und Händlern, exzentrischen Künstlern und Sammlern.

Auf der Zeche Zollverein in Essen wird der Aktionskünstler Claude Freistein kurz vor dortigen Ausstellungseröffnung tot am Aufgang zur ehemaligen „Kohlenwäsche“ (eine Anlage zur Trennung von geförderter Kohle in verschiedene Qualitäten sowie störenden Bestandteilen) tot aufgefunden.

Aufregung in der Essener Kunstszene: "Kohlenwäsche" von Thomas Salzmann. (Cover: © emons Verlag)
Aufregung in der Essener Kunstszene: „Kohlenwäsche“ von Thomas Salzmann. (Cover: © emons Verlag) ISBN 978-3-7408-0675-0, (i4)_(0675-0) ebook: 978-3-96041-558-9, (e2)_(558-9)

Da kurz darauf auch sein Agent auf die gleiche Weise ermordet wird, ist die Aufregung in der Essener Kunstszene groß. Hauptkommissarin Frederike Stier sucht fieberhaft nach einem Motiv im Umfeld von Kunsthändlern und zwielichtigen Sammlern. Am Ende kommt sie dem Täter näher, als ihr lieb ist…

Die forsch auftretende Protagonistin Frederike Stier ist nicht nur durch Traumata aus der Vergangenheit, sondern auch durch ihre angeschlagene Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen.

Außerdem droht ihr durch ihren Vorgesetzten der vorzeitige Ruhestand. Ihre Arbeit gibt der verwitwete Frau neben ihren Zigarettenkonsum, ihrer Lieblingsmusik und guten Wein zur Zeit den einzigen Sinn und Struktur in ihrem Leben.

Salzmann gelingt es mit viel Sensibilität, dass Bild einer kämpferisch-starken, manchmal auch sturen Frau zu zeichnen, mit der sich manche Leserin in ähnlicher Lage identifizieren kann.

Ihr zu Seite stellt er als Gegenpol den jungen Kollegen Kowalczyk. Der ist ein optimistischer Mensch, der jung verheiratet ist und gerade Vater wird. Er ist loyal, aber auch darauf bedacht, seine Karriere nicht zu gefährden.

Wer psychologisch gut heraus gearbeitete Charaktere und einen Krimi mit steigendem Spannungsbogen mag, kommt bei „Kohlenwäsche“ auf seine Kosten.

Historische Einblicke in die Vergangenheit der „Zeche Zollverein“ gibt es obendrein. Der Deutsche Zollverein (der Name der Zeche ist daran angelehnt) kämpfte unter anderem damals gegen die bestehenden Zollgrenzen im Staatenbund aus vierzig Mitgliedern. Ein aktueller Aspekt mit einer kleinen politischen Spitze angesichts der nationalistischen, isolationistischen Bestrebungen einiger Staaten in unserer Zeit.

Ein spannendes Krimidebüt mit Ironie, trockenem Humor und Tiefgang.

Thomas Salzmann
Kohlenwäsche
Broschur
Köln: Emons Verlag 2019 ISBN: 978-3-7408-0675-0 336 Seiten
€ (D) 11,90 € (A) 12,30




Improshow der Theaterpartisanen im Schauspielstudio Dortmund

Der Jugendclub des Schauspiels Dortmund unter der Regie und Moderation von Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak lud wieder einmal zu ein Improshow in das Studio des Hauses ein. Bei dieser Show sind Spielfreude, Mut und Teamfähigkeit gefragt.

Die 16 jungen Nachwuchsschauspiel*innen (8 weibliche und acht männliche Jugendliche) zeigten nicht nur ihr schauspielerisches Talent und Schlagfertigkeit, sondern dem Publikum wurde auch vorgeführt, wie wichtig Improvisationsvermögen als Rüstzeug für einen Schauspieler ist.

Nach einer kurze Aufwärmphase wurden vom Publikum die auf Zetteln in einem Hut steckenden unterschiedlichen Impro-Spiele gezogen. Mit einem motivierenden zurück zählen von 5,4,3,2,1, Go!!! gingen die einzelnen Improvisationsspiele dann los.

Die jungen Theaterpartisanen wurden in die unterschiedlichsten Spielsituationen praktisch ins kalte Wasser geschmissen, und mussten schnell und schlagfertig auf die unterschiedlichsten Kommandos der anderen Mitspieler und vorgegebenen Orte oder Wetterbedingungen reagieren.

Die Teamfähigkeit und das Zusammenspiel der Theatergruppe wurden besonders bei dem sogenannten „Expertenspiel“ auf die Probe gestellt. Die Einzelnen von fünf Theaterpartisanen außer einem ausgewählten leitenden Moderator mussten auf Fragen jeweils nur mit einem Wort antworten. Die Worte mussten in einem witzigen und logischen Zusammenhang von den Beteiligten möglichst passend hintereinander gebracht werden.

Die Theaterpartisanen boten eine gelungene Improshow. (Foto: © Schauspiel Dortmund)
Die Theaterpartisanen boten eine gelungene Improshow. (Foto: © Schauspiel Dortmund)

Dem Theater-Nachwuchs war der Spaß am Schauspielen und bei vielen von ihnen auch ein gewisses Talent erkennbar. Gegen Ende bekam das vorwiegend junge Publikum wie immer die Gelegenheit, selbst einmal in das Improvisation einzugreifen und mit zu spielen.

Vielleicht hat ja der eine oder andere von ihnen auch Lust am Schauspielen und Theater bekommen.

Der Jugendclub Theaterpartisanen ist ein Improvisationstheater ab 14 Jahren. Dort werden unterschiedliche Formen des Theatermachens ausprobiert. Jede oder jeder kann dort mitmachen, der über 14 Jahre alt ist. Treffen ist immer mittwochs 17.00 bis 19:00 Uhr ( erst wieder im neuen Jahr 2020) im Schauspielhaus (Probebühne 3).

Für junge Erwachsene, Studenten und Auszubildende zwischen 19 und 27, die Improtheater kennenlernen möchten, gibt es das spezielle Angebot „Improtheater für Studis“. Hier kann ausprobiert und der Spaß am Spiel entdeckt werden. Zusätzlich kann an der eigenen Präsenz gearbeitet und neue Kompetenzen entwickelt werden.

Treffen: immer mittwochs 19:00 bis 21:00 Uhr im Schauspielhaus (Probebühne 3).




Dortmunder U zeigt Grenzräume in der zeitgenössischen irischen Kunst

Auf der sechsten Etage des Dortmunder U ist vom 20.12.2019 bis zum 17.03.2020 die Gruppenausstellung „The Other Side – Grenzräume in der zeitgenössischen irischen Kunst“ zu sehen.

Gleich drei in Nordirland und in der Republik Irland lebende Künstler*innen beleuchten mit ihren Fotografien, Collagen, Skulpturen und Videoinstallationen das brisante Thema Grenzen von verschiedenen Seiten. Das Thema „Grenzen“ und vor allem die aktuelle Situation zwischen Nordirland und der Republik Irland haben ja durch den drohend näher rückenden Brexit an besonderer Aktualität gewonnen.

1. Enda Bowe zum Beispiel gibt mit seinen vergrößerten Fotografien eindrucksvolle Einblick in das Leben von Jugendlichen auf beiden Seiten der sogenannten Friedensmauern in Belfast. Diese werden zum Teil aus Sicherheitsgründen nachts immer noch geschlossen.

2. In seinen Fotografien und Videoinstallationen erkundet Willie Doherty die Verankerung der traumatischen Vergangenheit in Landschaft und Orten, häufig in seinem Heimatort Derry. Dieser Ort erlangte durch das „Bloody sunday“-Massaker im Januar 1972 traurige Bekanntheit.

Kennen sich mit schwierigen Grenzerfahrungen nicht nur auf irischer Seite aus: (v.l.n.r.) Enda Bowe, Dragana Jurišić und Seán Hillen.
Kennen sich mit schwierigen Grenzerfahrungen nicht nur auf irischer Seite aus: (v.l.n.r.) Enda Bowe, Dragana Jurišić und Seán Hillen.

3. Die Videokünstlerin Jesse Jones verknüpft in „The Other North“ geschickt den militärischen Konflikt und die individuellen Erfahrungen und Traumata von Nordiren und Südkoreanern miteinander. Therapie-Gruppengespräche aus den 1970er Jahren von (Nord-)Iren wurden später von südkoreanischen Schauspielern nachgesprochen und auf Video nachgestellt.

4. Schon seit über 25 Jahren collagiert Seán Hillen eigene (schwarz-weiß) Fotografien der „Troubles“ und irische (farbige) Postkartenmotive. Dabei entstehen verwirrende und teils humorvolle Landschaften. Da überwindet auch schon mal ein Cowboy auf seinem Pferd die Grenze.

5. Kathy Prendergast hinterfragt mit ihren kartografischen Interventionen die Bedeutungshoheit und vermeintliche Objektivität von Karten und Globen. Sie zeigt so deutlich, das Ländergrenzen immer nur menschliche Konstrukte sind. Bedrückend und eindringlich steht bei ihrer Arbeit ein ganz in Schwarz gehülltes Haus. Einerseits eingebunden in das gesamte Gefüge, ist es doch auch geschlossen und abgeschottet.

6. Die in Dublin lebende serbisch-kroatische Fotografin Dragana Jurišić begibt sich in „YU_ The Lost Country“ auf eine fotografische Spurensuche in ihrer alten Heimat, die so nicht mehr existiert. Als Grundlage diente ihr dabei ein altes Reisebuch über Jugoslawien. Sie erinnert uns so daran, wie zerbrechlich der europäische Frieden sein kann.

Eine wichtige Ausstellung in Zeiten, wo zunehmende Abgrenzung und nationalistisches Denken zunimmt. Deutschland hat zumindest vor über dreißig Jahren die innerdeutsche Teilung friedlich überwunden, auch wenn das „Zusammenwachsen“ sich immer noch schwierig gestaltet.

Eintritt: 5,- Euro/ ermäßigt 3,- Euro.

Nähere Informationen erhalten Sie unter www.dortmunder-u.de oder tel.. (0231) 50-24723