Fotoausstellung mit transzendentaler Bildwirkung im Studio des MKK

Nach der achtwöchigen Corona-Zwangspause freut sich das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in seinem auch von außen gut einsehbaren Studio bis zum 25. Oktober 2020 die Fotoausstellung „The Elements of Transcendence“ der innovativen, in Bamberg 1969 geborenen, Fotokünstlerin Astrid Lowack zeigen zu können.

Wie Dr. Jens Stöcker (Direktor des MKK) verriet, ist diese Fotoausstellung als Gesamtkunstwerk gestaltet. Zu sehen sind farbintensive großformatige und experimentelle Fotografien zwischen abstrakter Momentaufnahme und Realität. Die insgesamt acht, wie gemalt wirkenden Fotografien mit ihren Wirbeln und Strudeln in starken Farben Rot, Gelb, Blau und Grün, ist in die Bodeninstallation eines Flusses eingebettet, an deren Ende als Highlight die Arbeit „Tatendrang“ (2019, 200 x 200 cm) wartet. Die Betrachter werden in die Werke regelrecht hineingezogen. Immer neue Assoziationen entstehen, je länger man die Werke betrachtet. Figuren oder andere Einzelheiten werden nach und nach aus dem Unbewussten hervor gerufen.

Natürlich mit Mundschutz: Dr. Jens Stöcker (Direktor des Musuems für Kunst und Kulturgeschichte) und die Künstlerin Astrid Lowack vor ihrem Bild "Tatendrang".
Natürlich mit Mundschutz: Dr. Jens Stöcker (Direktor des Musuems für Kunst und Kulturgeschichte) und die Künstlerin Astrid Lowack vor ihrem Bild „Tatendrang“.

Die Künstlerin sagt: „Ich fotografiere das, was es nicht gibt“. Sie experimentiert mit Licht, Wasser und Bewegung und erschafft so Welten, die sie mit dem Medium Fotografie spontan einfängt. Die Foto-Arbeiten entstehen meist in der Natur und beschäftigen sich mit dem Spiel der Elemente.

Wichtig ist dabei der Moment. Die jeweiligen Gefühl und Stimmungen müssen aus ihr dann heraus, so Lowack. Eine Kommunikation mit den betrachteten Dingen und Einflüssen von außen und eine Art Selbstreflexion. Für die Künstlerin ist es das Festhalten von Vergänglichem als Momentaufnahme. Der Entstehungsprozess ist dabei am wichtigsten.

Obwohl die Arbeiten als Orientierung Titel wie etwa „Firebird“ (Feuervogel, 2017) haben, können und sollen die Besucherinnen und Besucher sie individuell auf sich wirken lassen. Es lohnt sich, in diese vieldeutigen Werke jenseits vertrauter Sinneserfahrungen einzutauchen.

Die Fotos sind nicht bearbeitet, in einem Fall aber künstlerisch zusammen geschnitten.

Im Juni ist ein kurativer Vortrag geplant und ebenfalls noch ein Workshop. Zu der Ausstellung ist übrigens ein Katalog für 19,90 Euro im MKK erhältlich. Genaueres erfahren Sie in diesen unsicheren Zeit über die (sozialen) Medien.

Es gilt wie überall: Nur mit Gesichtsmaske ins Museum!




Neue Ausstellung im Kunstbonbon nach Corona-Zwangspause

Endlich ist es wieder so weit. Das kleine, aber feine Kunstbonbon in der Chemnitzer Str. 11 lädt nach einer Coronabedingten Zwangspause vom 16.05.2020 bis 20.06.2020 zu einer neuen Ausstellung unter dem Titel „Die macht mit Draht und so“ – Drahtcollagen, Drahtobjekte und Malerei von Claudia Dröge ein.

Schon beim „Bunten Teller“ im Kunstbonbon konnte das Publikum die interessanten und ausgefallenen Drahtzeichnungen bewundern. Einige gerahmte und ungerahmte Malereien und Drahtobjekte der Künstlerin sind ab dem 16. Mai 2020 zu sehen. Je nach Lichteinfall verändern sich deren ungewöhnlichen Schattenspiele.

Die Leinwandbilder von Dröge beinhalten zumeist alte Abrisspapiere von Werbetafeln, die bei der Einarbeitung verschiedener malerischer und typographischer Element schöne Schichtungen bilden. So wird ein tiefen-räumliches Empfinden geschaffen.

Beispielarbeiten von Claudia Dröge. (Foto: © Claudia Dröge/kunstbonbon)
Beispielarbeiten von Claudia Dröge. (Foto: © Claudia Dröge/kunstbonbon)

Die vielschichtigen Materialien und farbigen Elemente in neuer Kombination der einzelnen Abrisse wecken die Neugier des Betrachters.Trotz der teilweise farbintensiven Element und Vielschichtigkeit sind die Bilder harmonisch für das Auge.

Da die Räumlichkeiten recht klein sind, sollten sich Besucherinnen und Besucher auf Wartezeiten einrichten.

Wegen der Corona-Pandemie dürfen nur maximal zwei Personen gleichzeitig die Galerie betreten, natürlich mit Gesichtsmaske.

Die Ausstellungseröffnung findet am Samstag, den 16.05.2020 um 15:00 Uhr im Kunstbonbon statt. Die beliebten Schaumküsse und „offenen Getränke“ werden dieses mal fehlen.

Vorläufige Öffnungszeiten ab dem 19.05.2020 dienstags von 13.00 bis 18.00 Uhr, freitags (NEU) von 15:00 bis 18.00 Uhr und samstags von12:00 bis 15:00 Uhr.




Premiere von Blutmond unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Am Freitag, den 20.03.2020 um 20:00 Uhr sollte die Premiere „Blutmond“ (About fear and fun, love and loss) von artscenico e.V. im Dortmunder Theater im Depot unter der Regie von Rolf Dennemann „normal“ mit Publikum stattfinden. Der Coronavirus macht einen Strich durch die Rechnung.

Beim Pressegespräch verkündeten die Organisatoren nun, dass die Premiere wie geplant zum Termin unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt werden soll.

Vorgesehen sind eine Videoaufzeichnung und eventuell ein Streaming in den sozialen Medien.

Blutmond (Blue Moon) ist im englischen Sprachgebrauch die Bezeichnung für einen zweiten Vollmond innerhalb eines Monats im gregorianischen Kalender und ein seltenes Ereignis. Eine Metapher für Sehnsüchte. Die Performance spielt assoziativ mit den Themen Angst, Verlust, Unsicherheit aber auch mit Liebe und Spaß. Es geht um Transformationen, Träume und das Leben. Es sollen kleine Bilder im Kopf der Zuschauenden entstehen.

Mit "Blutmond" probiert artscenico andere Wege: Die Premiere wird gestreamt. gespannt sind (v.l.n.r.) Elisabeth Pleß (Performerin), Rolf Dennemann (arscenico), Regieassistentin Maya Porat und Joanna Stanecka (Performerin).
Mit „Blutmond“ probiert artscenico andere Wege: Die Premiere wird gestreamt. gespannt sind (v.l.n.r.) Elisabeth Pleß (Performerin), Rolf Dennemann (arscenico), Regieassistentin Maya Porat und Joanna Stanecka (Performerin).

Die „organisch surreal“ anmutenden Inszenierungen von artscenico passen gut in diese Zeit. Unsere Realität wirkt gerade jetzt surreal unwirklich. Die Inszenierung enthält Elemente aus Tanz, Performance, Video und Musik und fügt sie zu einem Gesamtkonzept zusammen.

Beteiligt sind drei Performerinnen (Elsa Marschall, Elisabeth Pleß, Joanna Scanecka) eine Live-Band (2 Gitarren, Kontrabass, Sängerin) mit Swing und Gypsy-Sol Musik (zum Beispiel „Fly me to the moon). Dazwischen wird es als Kontrast auch brachiale Musik und kurze Texte (etwa von Stanislaw Lem) eingebaut.

Zu spüren ist die Unsicherheit der Situation für alle Beteiligten. Genaue Planungen sind nicht möglich. Positiv ist das Gefühl des Zusammenhalts der Künstler*innen, sowie der Wille von allen, die Widrigkeiten zu meistern und ihre Arbeit zu einem guten Ende zu führen.

Achten Sie auf aktuelle Informationen in den (sozialen) Medien!




Die Stumme von Portici in den Fängen des Coronavirus

Die Premiere von Daniel-Franҫois-Esprit Aubers (1782 – 1871) „Die Stumme von Portici“ (Libretto: Augustin Eugène Scribe und Germain Delavigne) in deutscher und französischer Sprache mit deutschen Untertiteln (Bettina Bartz) in der Inszenierung von Peter Konwitschny sollte am 13.03.2020 im Opernhaus Dortmund stattfinden. Doch der Coronavirus machte einen Strich durch die Rechnung.

An diesem Termin wurde aber eine Generalprobe II mit 26 Journalistinnen und Journalisten als Zuschauer durchgeführt. Es war eine „Premiere“ unter besonderen Umständen und besonderer Atmosphäre. Ars tremonia war auch mit dabei.

Sara Wilken hatte die schwere Aufgabe, die Rolle der stummen Fischertochter Fenella (aus Portici bei Neapel) übernommen. Der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi verliehen ihren „nicht gesungenen Worten“ sensibel musikalisch Ausdruck. Wilken spielte ihre Rolle eindrucksvoll mit Gesten oder den Einsatz von Requisiten (etwa einen Schal).

Die Grand opéra ist strukturiert und wie ein Baukastensystem mit „Schaufenstern“ in fünf kleinen Akten systematisch aufgebaut. Regie, Orchester, Chor, Statisterie und Kinderstatisterie, Bühne, Kostüme. Sänger*innen bilden ein ganzheitliches Gefüge. Die Musik ist mal anrührend, dann wieder aufrührerisch aufregend.

Es geht hoch her bei der "Stummen von Portici". Mirko Roschkowski (Masaniello), Mandla Mndebele (Pietro), Sarah Willken (Fenella), Anna Sohn (Elvire), Sunnyboy Dladla (Alphonse). Foto: ©Thomas Jauk, Stage Picture
Es geht hoch her bei der „Stummen von Portici“. Mirko Roschkowski (Masaniello), Mandla Mndebele (Pietro), Sarah Willken (Fenella), Anna Sohn (Elvire), Sunnyboy Dladla (Alphonse). Foto: ©Thomas Jauk, Stage Picture

Die Geschichte spielt zur Zeit der Besatzung durch die Spanier. Der Sohn des Vizekönigs Alphonse (Sunnyboy Dladla) hatte die arme stumme Fischertochter (Fenella) verführt und dann verlassen. Während die Hochzeit mit der „standesgemäßen“ Elvire (Anna Sohn) ansteht, platzt die aus ihrer Gefangenschaft durch den Vizekönig geflohene Fenella hinein und sucht Schutz. Das Verhältnis von Alphonse mit ihr wird öffentlich. Die enttäuschte Elvire zeigt Empathie und Frauensolidarität gegenüber der Stummen und verzeiht ihrem Bräutigam. Als Fenellas Bruder Masaniello (Mirko Roschkowski) von deren Situation erfährt, wird aus der schon politisch aufgeheizten Atmosphäre unter den armen Fischern Neapels durch den Wunsch nach persönlicher Rache der Anfang eines revolutionären Aufstands gegen die Besatzer. Die Gewalt ist nicht mehr unter Kontrolle und Masaniello versucht verzweifelt, dem Morden Einhalt zu gebieten. Er bietet Alphonse und Elvire seinen Schutz, wird dann aber selbst als „Verräter“ von den eigenen Leuten verfolgt. Als auch noch der Vesuv ausbricht, gibt es kein „Happy End“ …

Der Graben zwischen spanischen Besatzern und armer Bevölkerung wird nicht nur durch die Kleidung, auch durch die Sprache demonstriert. Die gesungene Sprache der Herrscher ist Französisch, die des Volkes deutsch. Der berechtigte Unmut der Bevölkerung wird ebenso gezeigt, wie der nicht zu kontrollierende Spirale der Gewalt. Auch die Gefahr der Instrumentalisierung der Unzufriedenheit und eines übersteigerten Nationalismus werden deutlich. Eine Oper mit zeitloser Brisanz. Nicht umsonst hat die Oper tatkräftig zur Entstehungsgeschichte Belgiens beigetragen. Das überwiegend katholische Land befand sich seit 1815 unter der Herrschaft der meist protestantischen Niederlande. 1830 kam es in Brüssel bei der Aufführung der Oper zu Tumulten, die sich in einem Aufstand entluden und am Ende Belgien als unabhängigen Staat schufen.

Die Sängerinnen und Sänger überzeugten mit ihren Stimmen und der Darstellung der Personen. Auch der Opernchor Theater Dortmund sowie die Statisterie und Kinderstatisterie (Theater Dortmund) oder natürlich die Dortmunder Philharmoniker trugen zu einem gelungenen Gesamtbild bei.

Die ausgefallene Premiere ist nun für den 08.05.2020 angesetzt.

Informationen erhalten Sie wie immer unter 0231/5027222 oder https://www.theaterdo.de/detail/event/20694/




Emanzipatorische Kunst und weiblicher Blickwinkel

Unter dem Titel „Formen, Muster, Erinnerungen“ sind vom 08.03.2020 bis zum 29.03.2020 im Torhaus Rombergpark Zeichnungen, Illustrationen, Skulpturen oder Fotografien von der freischaffenden Künstlerin Anna Hauke zu sehen.

Für das Verständnis ihrer Arbeiten zwischen Realität und Phantasie (Surrealität) ist ihr Lebensweg von zentraler Bedeutung.

Die Künstlerin wurde 1986 in Polen (ehemals Oberschlesien) in ein streng katholisches Elternhaus hinein geboren. Die negative Einstellung zur Gleichstellung von Mann und Frau, Sexualität, insbesondere Homosexualität sowie der religiöse Macht in Polen erlebte sie von Kindheit an. Auch die Konflikte und Feindseligkeiten zwischen Polen und Deutschen war spürbar. Mit der Pubertät wuchs ihre Konflikt mit dem religiösen Dogmen. 2005 wanderte sie nach Deutschland aus aus, schloss ihr Studium der Pädagogik (Schwerpunkt Kunst- und Theaterpädagogik) ab und lebt seit 2014 als freischaffende Künstlerin in der Dortmunder Nordstadt.

Das Cover der Einladungskarte zeigt eine Arbeit der Künstlerin Anna Hauke.
Das Cover der Einladungskarte zeigt eine Arbeit der Künstlerin Anna Hauke.

Sie verarbeitet in ihren Illustrationen Elemente aus ihrer alten Heimat. So sind deutlich Frauen in polnischer Tracht auch in Kontrast zur urbanen aktuellen Wirklichkeit zu erkennen. Wie Anna Hauke beim Pressegespräch erklärte, ist sie inzwischen aus der Kirche ausgetreten. Das dies ein befreiender Akt war, zeigt sich in ihrer Arbeit „Warum ich aus der Kirche austrat“ mit einer glücklich aussehenden Frau (in Tracht) auf einer Blumenwiese.

Interessant ist auch ihr partizipatorisches „Mind-Stempel-Mappin“Projekt (Acryllack, Tusche), wo an die zwanzig Personen „Koseworte“ für das weibliche Geschlecht (zum Beispiel „Pflaume“, „Maultasche“ u.s.w.) mit Stempel aufdrücken durften.

Ein besonderes Statement mit ihren duftenden Skulpturen aus handgemachter Seife. Dort wurden Abdrucke von verschiedenen weiblichen Geschlechtsorganen verewigt. Die „saubere Seife“ wurde in in die oft in die Schmuddelecke verbannten weiblichen Geschlechtsorgane gebracht.

Aus der Serie Kindheitserinnerungen „Kinder und Fische haben keine Stimme“ ist eine künstlerisch gelungene Anspielung auf ein altes polnisches Sprichwort.

Anna Hauke ist aber auch begeistert von der Farbe Indigo. Da sie gerne mit verschiedenen Techniken experimentiert, benutze sie sowohl Webtechnik, japanische Shibori-Technik, Origami- Falttechnik auf Stoff und echter Indigo-Farbe.

Die Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, dem 08.03.2020 um 11:00 Uhr in der Galerie Torhaus Rombergpark statt.

Die Künstlerin ist selbstverständlich anwesend.

Einführung: Angelika von Ammon (M.A. Kulturanalyse und Kulturvermittlung).

Soundperformance: Trio Randale




Jubiläums-Veranstaltungsreihe: 50 Jahre Werkkreis Literatur der Arbeitswelt

Am 07. März 1970 gründete sich als Nachfolgevereinigung der „Gruppe 61“ um Max von der Grün und Fritz Hüser der „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ (Vereinigung schreibender Arbeiterinnen, Arbeiter und angestellter).

Das umfangreiche Jubiläumsprogramm unter dem Titel „works & circles- 50 Jahre Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ findet vom März bis November 2020 in Dortmund und darüber hinaus statt. Gefeiert wird mit Performances, Lesungen, Videoinstallationen, Tagungen, Diskussionen, Schreib-Wettbewerben und diversen Veranstaltungen in allen Kunstsparten. Das ganze Programm wird von der Kunststiftung NRW, der LWL-Kunststiftung sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW gefördert.

Der Nachlass des Werkkreises befindet sich im Friz-Hüser-Institut (FHI). Das Veranstaltungsprogramm erinnert nicht nur an die Anfänge, Motive, Themen und Wirkungen des Werkskreises, sondern die Veranstaltungsreihe ist durchaus breit ausgerichtet, und hat die heutige und Arbeitswelt der Zukunft im Blick. Die Probleme sind ja immer noch brisant. Umwelt, Migration, Armut, prekäre Arbeitsverhältnisse ungerechte Vermögens-und Eigentumsverhältnisse und so weiter, um nur einige Felder anzusprechen. Interessant ist das Programm also auch für junge Menschen. Ein wichtiges Ziel war es damals, nicht nur in Werkstätten die Fähigkeiten und Lust am Schreiben von Arbeiter- und Angestellten in den Betrieben zu fördern, sondern vor allem authentische Stimmen aus dieser Arbeitswelt mit ihren oft schwierigen Bedingungen. Vor allem der dokumentarische Chrarakter war dabei von Bedeutung.

Stellten das Jubiläumsprogramm vor (v.l.n.r.) Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL-Kulturdezernentin), Dr. Iuditha Balint (Leiterin Fritz Hüser Institut), Jannette Eggert (Mitarbeiterin Projekt), Erasmus Schöfer (Mitbegründer des Werkkreises), Jörg Stüdemann (Kulturdzernent Stadt Dortmund), Kimberly Becker (Mitarbeiterin Projekt) und Michaela Wiegand (Mitarbeiterin Projekt).
Stellten das Jubiläumsprogramm vor (v.l.n.r.) Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL-Kulturdezernentin), Dr. Iuditha Balint (Leiterin Fritz Hüser Institut), Jannette Eggert (Mitarbeiterin Projekt), Erasmus Schöfer (Mitbegründer des Werkkreises), Jörg Stüdemann (Kulturdzernent Stadt Dortmund), Kimberly Becker (Mitarbeiterin Projekt) und Michaela Wiegand (Mitarbeiterin Projekt).

Der Dortmunder Kulturdezernent Jörg Stüdemann wies beim Pressegespräch auf die große emanzipatorische und politische Wirkung auf die Gesellschaft hin. Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL Kulturdezernentin) bestätigte die Wirkung weit über Dortmund hinaus. Querdenken und Bewusstsein zu schaffen, war damals auch ein politischer Anspruch.

Ersasmus Schöfer (Mitbegründer des Werkkreises) erzählte lebhaft über die Anfänge: Unter dem Dach des Werkkreises entstanden in den 1970iger Jahren in der ganzen Bundesrepublik Werkstätten, in denen Arbeiter (oder Angestellte) unter professioneller Unterstützung von Schriftstellern und Wettbewerben ihre Arbeitswelt und deren Bedingungen in eine künstlerische Form zu bringen. Die vorgelegten Schriften wurden zunächst intern diskutiert und dann zur Veröffentlichung (im Fischer-Verlag) frei gegeben.

Die feierliche Eröffnung findet am Samstag, den 07.03.2020 (18:00 Uhr) im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) mit Podiumsdiskussion und einer Performance statt.

Die eigens für das Jubiläum gestalteten Videoinstallationen werden an verschiedenen Orten am 09.03.2020 enthüllt. Zu sehen etwa in der Bersword-Halle, der Stadt- und Landesbibliothek oder der Thier-Galerie.

Das komplette Jubiläumsprogramm und weitere Informationen erhalten Sie unter www.fhi.dortmund.de




Das Auerhaus und die schwierige Lebensbewältigung

Die neue Jugendclubproduktion „Auerhaus“ unter der Regie, Choreografie und Dramaturgie von Milena Kowalski & Lioba Sombetzki hatte am 29.02.2020 im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) seine von allen Beteiligten mit Spannung erwartete Premiere. Grundlage für die Stückentwicklung war der gleichnamige Roman von Bov Bjerg (Stückfassung von Robert Koall). Akteure auf der Bühne waren sechs junge Schauspieler*innen des Jugendclubs.

Zum Stück: Der achtzehnjährige Frieder (Anis Alfakhouri) landet nach einem misslungenen Suizidversuch mit den Tabletten seiner Mutter zunächst in der Psychiatrie. Damit er nach seiner Entlassung nicht alleine lebt, wohnt er mit zunächst mit Höppner (Lea Zimmermann), der mahnenden Vera (Julia Kubensky) und Cäcilia (Mareike Stötzel) im „Auerhaus“ (nach „Our house“ von Madness).

Der Einkaufswagen wurde bei "Auerhaus" nicht nur zum Einkaufen benutzt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Der Einkaufswagen wurde bei „Auerhaus“ nicht nur zum Einkaufen benutzt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Später ziehen auch noch die Pyromanin Pauline (Gianna Pellarin) und der etwas flippige Harry (Sadoun Alsinou) ein. Dort leben sie ein richtiges Leben mit Aufstehen, Frühstücken, Einkaufen (oder auch Klauen), Kochen und Aufpassen auf den selbstmordgefährdeten Frieder. Es geht um Party feiern, Freundschaft, Liebe, Eifersucht, Einsamkeit und Tod. Wie geht Leben, was bleibt am Ende? Nach dramatischen Ereignissen gerät die Lage außer Kontrolle und das gemeinsame Leben im „Auerhaus“ findet ein Ende. Welche Lebensperspektiven erfüllen sich für die Jungen Leute kurz vor dem Abitur?…

Die Kleidung und Musik waren stark an die 80er und 90er Jahre angelehnt. Stühle, Kartons, Discokugeln in verschiedenen Größen, Schwämmchen, silberne Pompons oder ein Einkaufswagen wurden geschickt multifunktional genutzt,

Einfallsreiche Tanzchoreografien zum Beispiel am Anfang zu „Our house“, oder später nach „Tom‘s Diner“ (Suzanne Vega) und „Barbie Girl“ (Aqua) sorgten für gute Stimmung.

Die jungen Schauspieler*innen überzeugten durch einer besonderen Leichtigkeit in ihrem Spiel. Dabei beeindruckten sie sowohl in den ernsten Momenten mit tiefgehenden Gesprächen, wie auch beim WG- und Party-Spaß. Im „Auerhaus“ sind sie füreinander da. Jedoch um eins klarzustellen: Bei diesem Stück gibt es kein Hollywood-Ende.

Lea Zimmermann hatte mit der Rolle den jungen Erwachsenen Höppner als Frau die besondere Herausforderung, sich nicht nur in einen Mann hinein zu versetzen, sondern auch glaubhaft auf der Bühne darzustellen. Sie meisterte diese Aufgabe mit Lockerheit.

Die verschiedenen Charaktere wurden von den Schauspieler*innen gut verkörpert.

Die nächste Gelegenheit das Stück für Jugendliche ab 14 Jahren zu erleben, gibt es am 07.03.2020 (20:00 Uhr).

Infos erhalten Sie wie immer unter https://www.theaterdo.de/detail/event/auerhaus/ und Tel.: 0231/ 50-27222.




Konzert Wiener Klassik mit Werken dreier Großmeister

Die Dortmunder Philharmoniker lud am 24.02.2020 unter dem Titel „Im Puls von Kolja Blacher“ im Rahmen der Wiener Klassik Reihe in das hiesige Konzerthaus. Für dieses Konzert wirkte der renommierte Violinist Kolja Blacher als „Pulsgeber“ sowohl in einer Doppelfunktion als Musiker und Dirigent. Auf dem Programm standen die Werke dreier berühmter Komponisten, die in einem eigenen Bezug zu Wien standen.

Die Sinfonie D-Dur KV 385 „Haffner“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) entstand zu einer arbeitsintensiven Zeit für den Komponisten. Auch privat war es eine aufregende Zeit für Mozart. Er lebte 1782 bei seinen künftigen Schwiegereltern Weber und die Hochzeit mit deren Tochter Constanze war im vollen Gange.

Die Auftragsarbeit der reichen und einflussreichen Familie Haffner aus Salzburg zur Feier der Erhebung des Sohnes in den Adelstand. Im Jahr 1777 hatte Mozart schon eine sechssitzige Serenade für den Vater (Sigmund Haffner) komponiert. Diese wurde für die „Haffner“ Sinfonie auf vier Sätze gekürzt, Mozart tilgte Wiederholungen und fügte Flöten sowie Klarinetten hinzu. Das Werk zeugt von der großen musikalisch-dramatischen Kunst des Komponisten. Im zweiten Satz sind die Anklänge an die Serenade zu erkennen. Die typische „Verspieltheit“ des Komponisten durfte natürlich in der Sinfonie auch nicht fehlen. Blacher führte sich mit seiner Violine als gleichwertiger Teil der Philharmoniker gut in das Orchester ein.

Kolja Blacher glänzte nicht nur als Musiker an der Violine, sondern auch als Dirigent. (Foto: © Anna Marenčáková auf Pixabay)
Kolja Blacher glänzte nicht nur als Musiker an der Violine, sondern auch als Dirigent. (Foto: © Anna Marenčáková auf Pixabay)

Das folgende Violinkonzert D-Dur op. 61 von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) für einen befreundeten Geiger (Franz Clement) wurde 1806 in Wien präsentiert und setzte Maßstäbe für die Ewigkeit. Es gibt weniger dynamische Zuspitzungen, dafür passiert motivisch und thematisch so einiges. Allein das außergewöhnliche pochende Motiv der Pauken wird in verschiedenster Weise variiert. Mal steht die Solo-Geige, mal das Orchester im Vordergrund. Kolja Blacher konnte sein Können und Einfühlungsvermögen in dieser „gleichberechtigten“ Beziehung voll zur Geltung bringen. Außerdem fungierte er zwischendurch immer wieder als Dirigent und hatte das ganze Orchesterkonzept im Blick.

Nach der Pause folgte die 104. Sinfonie D-Dur von Joseph Haydn (1732 – 1806). Der Komponist weite nach dem Tod seines Mäzens Prinz Nikolaus Esterházy in Wien. Von dort aus lockte ihn der Ruf (1791 – 1792) nach London. Der Geiger und Impresario Johann Peter Salomon machte ihm ein Vertragsangebot für eigentlich sechs Sinfonien. Es war der Beginn einer großen Begeisterung der Londoner (Briten) für die Musik Haydns.  Diese Sinfonie ist ein gutes Beispiel für die Fähigkeit des Komponisten, raffinierten Kontrapunkt mit volkstümlich-gängigen musikalischen Themen variationsreich zu verbinden. Auch bei dieser Sinfonie wurde Kolja Blacher mit seiner Violine wieder zu einem bereichernden Bestandteil der Dortmunder Philharmoniker.




Geierabend freut sich über große Zuschauerresonanz

Die Session für den alternativen Ruhr-Karneval Geierabend 2020 neigt sich dem offiziellen Ende zu. Am Dienstag, den 25.02.2020 findet die letzte Vorstellung auf Zeche Zollern statt. Der Geierabend-Veranstalter Horst Hanke-Lindemann freute sich mit dem gesamten Ensemble über 36 so gut wie immer ausverkaufte Vorstellungen mit 15.000 Besucherinnen und Besuchern.

Bei der Pressekonferenz berichtete Kabarettist Murat Kayi rückblickend über Innovationen wie starke Videosequenzen, üppig Absurdes, aktuelle Themen und Inhalte.

Von den politischen Ereignisse der letzten Tage und Wochen blieb auch der Geierabend und sei Programm nicht unberührt. Schnell musste die Szene mit Annegret Kramp-Karrenbauer nach dem Erfurter Demokratiedebakel komplett erneuert werden, der Programmpunkt mit den „Kriminellen Clans und Shisha-Bars unter besonderer Polizeibewachung“ musste letztendlich gestrichen werden, nachdem ein psychisch kranker rechter Rassist (das ist ja nicht unbedingt ein Widerspruch) in zwei Shisha-Bars in Haunau neun Menschen ermordet und sich dann sich selbst erschossen hatte.

Die kostenlosen Grußkarten des Geierabends für die Zuschauer wurden kurzerhand zu einer Protestaktion an die Thüringer FDP umfunktioniert und an sie adressiert.

Der Geierabend musste aufgrund aktueller Ereignisse sein Programm an manchen Stellen umändern. (vorne Martin Kaysh und Murat Kayi, im Hintergrund (v.r.n.l.) Horst Hanke-Lindemann, Roman Marczewski und Sandra Schmitz)
Der Geierabend musste aufgrund aktueller Ereignisse sein Programm an manchen Stellen umändern. (vorne Martin Kaysh und Murat Kayi, im Hintergrund (v.r.n.l.) Horst Hanke-Lindemann, Roman Marczewski und Sandra Schmitz)

Sandra Schmitz berichtete über die Schwierigkeit mit der Toleranz des Dortmunder Publikums in Bezug auf die Partnerstadt des Geierabends 2020 Gelsenkirchen. Die Rivalität zwischen Dortmund „BVB 09“ und „Schalke 04“ sei doch sehr groß. Der Anspruch des Geierabend ist es aber, nicht nur für Dortmund, sondern für das gesamte Ruhrgebiet satirisch zu sprechen. An der Verlosung für „Schalke-Freikarten“ fand trotzdem einen regen Zuspruch.

Leider heißt es nun Abschied nehmen von den langjährigen Ensemblemitgliedern „Franzi“ Mense-Moritz und Hans-Peter Krüger als Erzkomiker und Publikumslieblinge. Vor allem Mense-Moritz wird als Seele des Geierabends fehlen. Wenn es nicht so abgedroschen klingen würde, könnte man sagen: In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.

Murat Kayi verkündete für die Zukunft sei man mit 3-5 Personen als Zuwachs für das Bühnenteam in guten Gesprächen. Gewartet wird mit Konkretem aber bis zum Ende der „Transferliste“.

Am 25.02.2020 wird im Rahmen der letzten Vorstellung der „Pannekopp-Orden 2020“ für „besondere“ Verdienste ums Ruhrgebiet vergeben. Er geht, wie der Steiger verriet, mit 35:0 Veranstaltungsstimmen an den Schalker Ehrenrat als Eskimo des Rassismus. Begründung: Wegen seiner laschen „Bestrafung“ von Schalke-Boss Clemens Tönnies hat sich der Schalker Ehrentat diesen „Orden“ redlich verdient.

Die Schalker antirassistische Fan-Initiative hat angekündigt, personell bei der letzten Vorstellung und somit der Ordensverleihung vertreten zu sein.




Sensibles Melodrama um Enoch Arden

Im Studio des Schauspiels Dortmund hatte „Enoch Arden“ (nach dem Versepos von Alfred Tennyson aus dem Jahre 1864) in der Inszenierung von Bjarne Gedrath am 23.02.2020 seine Premiere. Die Vertonung von Richard Strauss (1897) wurde von Oliver Siegel mit seinen musikalischen Arrangements frei adaptiert und als atmosphärische Begleitung auf die Bühne gebracht.

Viele kleine Deckenlampen wurden der Stimmung angepasst und jeweils ein oder ausgeschaltet. Auf der Bühne wurde ein mit etwas Wasser gefülltes niedriges schwarzes Wasserbassin angelegt. Auf einer Pritsche lag Enoch Arden (gespielt von Uwe Rohbeck). Das Wasser im Bassin stand symbolhaft für das Leben des Seemanns Enoch Arden.

Kurz vor seinem Tod zieht das Leben vom Seemann und Fischer Enoch Arden noch einmal an ihm vorbei. Seine Geschichte ist nicht nur tragisch für ihn, sondern sie betrifft auch in einem großen Maße seine große Liebe Annie (gespielt von Marlena Keil) und seine Kinder. Beide kannten sich schon seit Kindestagen und waren gut befreundet mit Philipp, den Sohn eines Müllers. Im Kampf um die Zuneigung und Liebe zieht der schüchterne Philipp den kürzeren. Enoch Arden und Annie heiraten und bekommen drei Kinder. Nach einem Unfall fürchtet der Protagonist, seine Familie nicht mehr genügend finanziell unterstützen zu können. Seine Kinder sollen es doch einmal besser haben. Er beschließt, mit einem Handelsschiff auf eine längere Reise in ferne Länder zu schippern und so viel Geld zu verdienen. Seine Frau kommt mehr schlecht als recht über die Runden.Ihr kaufmännisches Geschick, die Hoffnung, dass er schnell heimkehrt zerschlägt sich, als er auf einer Insel im Nirgendwo strandet und allein überlebt. Ganze zehn Jahre ist er verschollen. Die Stimmung der verzweifelte Annie wechselt zwischen Hoffen und Bangen. Das dritte kränkelnde Kind stirbt. Der finanziell gut stehende Philipp bietet an, die Schulbildung der Kinder von Annie zu finanzieren. Nach langen Zögern gibt Annie dem Liebesdrängen von Philipp nach und heiratet ihn schließlich. Die beiden bekommen auch noch einen Sohn. Doch dann kehrt Enoch Arden in seine alte Heimat zurück und muss eine schwere Entscheidung treffen…

Enoch Arden (Uwe Rohbeck) möchte sich seiner Annie (Marlena Keil) nicht offenbaren. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Enoch Arden (Uwe Rohbeck) möchte sich seiner Annie (Marlena Keil) nicht offenbaren. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Marlena Keil und Uwe Rohbeck gelang es wunderbar, die Gefühlslagen von Annie und Enoch gegenüber zu stellen. Die tiefe Einsamkeit, Liebe, Hoffnung und Verzweiflung aus beider Sichtweisen und Erlebnissen prallen aufeinander. Arden wollte das Beste für seine Familie und glaubte daran, schnell zu ihr zurück zu kommen. Sie hatte über viele Jahre die Ungewissheit über das Schicksal ihres Mannes und die Verantwortung für ihre Kinder zu tragen. So ähnlich erging es wohl den Frauen nach den Kriegen, wenn sie nicht wussten, ob ihre Männer noch lebten und jemals nach Hause kommen würden.

Die Text aus dem 19. Jahrhundert waren von eindringlicher Kraft und wurden oft vom Textblättern, die aus einer alten Schreibmaschine gezogen wurden, vorgelesen (und im Wasser versenkt). Trotz seines gebrochenem Herzen war Enoch am Ende das Glück von Annie wichtiger als sein eigenes.

Gelegenheit, dieses Stück im Studio zu erleben, gibt es noch am 28.02.2020 und am 06.03.2020 jeweils um 20:00 Uhr.

Infos gibt es wie immer unter www.theaterdo.de oder tel.. 0231/50 27 222