Stadtschreiberin Anna Herzig auf Entdeckungsreise in Dortmund

Die neue „Stadtschreiberin für Dortmunder“ und Literaturstipendiatin Anna Herzig befindet sich seit Ende April 2021 in unserer Stadt. Bis Ende Oktober 2021 hat die 33-jährige Österreicherin noch die Gelegenheit, den Menschen hier und der Stadt auf den Grund zu gehen. Das Stadtschreiber-Stipendium wird jährlich vergeben und setzt sich inhaltlich mit Transformationsprozessen in Dortmund auseinander.

Wie die Kosmopolitin (geboren in Wien, Mutter Kanadierin, Vater Ägypter) beim Pressetermin verriet, ist sie von den offenen, freundlichen und zugänglichen Menschen in Dortmund sowie der guten Kooperation mit den hiesigen Kulturinstitutionen, wie etwa dem Kulturbüro, angetan.

Kulturdezernent (und Jury-Mitglied) Jörg Stüdemann betonte die Bedeutung des Literaturförderungsstipendiums gerade für die jungen Schreibenden, damit diese ungestört arbeiten können. Anna Herzig begann schon mit 14 Jahren mit dem Schreiben, wurde aber erst so richtig 2018 mit „Herr Rudi“ und dem „Sommernachtsreigen“ bekannt.

Kulturdezernent Jörg Stüdemann freut sich auf die neue Stadtschreiberin Anna Herzig.
Kulturdezernent Jörg Stüdemann freut sich auf die neue Stadtschreiberin Anna Herzig.

Zwischenmenschliche Interaktionen, menschliche Tiefen und Abgründe sowie Fragen der Identität/Herkunft spielen bei ihr thematisch eine wichtige Rolle. Erzählungen, Essays und Romane der Autorin zeichnen sich durch einen humorvoll-ironischen und hintergründigen Schreibstil aus.

In Dortmund arbeitet Herzig an ihrem neuen Roman „Die Auktion“ weiter – eine dystopische Parabel, die im Intercity auf dem Weg zwischen Wien und Dortmund aber auch in Dortmund selbst angesiedelt ist. Es ist eine ironische Auseinandersetzung mit Geschlechter- und Rollenbildern. Wie Hartmut Salmen vom Literaturhaus erklärte, sind in den nächsten Monaten einige Lesungen vorgesehen.

Aktueller Stand:

Virtuelle Matinee mit Anna Herzig:

Am Sonntag, den 20.06.2021 um 11.00 Uhr kann man Anna Herzig bei einem „Meet &Greet“ kennenlernen. Die lädt zu einer virtuellen Matinee. Moderiert wird das ganze vom Salzburger Comedian Sebastian Hochwallner. Mit ihm plaudert die Autorin über ihr bisheriges Schaffen und zukünftige Planungen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu einem (virtuellen) Dialog mit ihr. Der Link zur Teilnahme: https://bit.ly/3vsWCRa

Lesungen im Literaturhaus:

Anna Herzog wird drei Lesungen mit Autorinnen ihrer Wahl moderieren.Dabei sollen sein die Österreicherin Irene Diwiak (Roman „Malvita“) am 24. 07.2021 um 19.30 Uhr, die Berliner Autorin Olivia Kunderewski (Debüt-Roman „Lux“) am 20.08.2021 um 19.30 Uhr, sowie die Bamberger in Nova-Eugenie Gomringer am 02.10.2021 um 19.30 Uhr mit einen Lyrik-Abend.

Creative Writing-Kurse mit Anna Herzig bei der VHS Dortmund

(Bitte bei der VHS (https://vhs.dortmund.de/) nach Terminen fragen)




Spannender Krimi im Umfeld von Zeche Zollverein

Thomas Salzmann hat nach seinem gelungenen Krimi-Debüt „Kohlenwäsche“ den zweiten Roman „Doppelbock“, ebenfalls im Umfeld des Weltkulturerbes Zeche Zollverein (Essen) verortet. Das Welterbe mit viel kulturellem Hintergrund hat es ihm als Ort für seine Krimis angetan.

Die schon aus „Kohlenwäsche ans Herz gewachsene Ex-Hauptkommissarin Frederike Stier wird damit konfrontiert, dass der Essener Umwelt-Aktivist Alexander von ihr am Doppelbock-Fördergerüst (Zeche Zollverein) erschlagen aufgefunden wird. Sie hatte das Opfer wie auch ihre frische Liebe Hartmut während ihrer Reha kennen gelernt.

Autor: Thomas Salzmann
Titel: Doppelbock
Reihe: Kriminalroman, Region: NRW
ET: April 2021
ISBN 978-3-7408-1148-8, (i4)_(1148-8)
ebook: 978-3-96041-742-2, (e2)_(742-2)

Auch im ungewohnten „Ruhestand“ möchte sie den Fall aufklären. Es geht um einen Freund.

Alexander war einem Umweltskandal im Zusammenhang mit den Spätfolgen des Steinkohlebergbaus auf der Spur und hatte sich nicht nur Freunde gemacht.

Eine gefährliche und anstrengende Aufklärungsarbeit beginnt, die auch ihre neue Beziehung auf eine harte Probe stellt…

Salzmann hat in einem spannenden Kriminalroman die brisante Thematik um Ewigkeitslasten aus unserer industriellen Vergangenheit, Klimaveränderung sowie rücksichtsloser Umweltverschmutzung sensibel eingebracht.

Mit viel Empathie beschreibt er auch die verschiedenen Charaktere mit ihren Stärken, Widersprüchen, Ängsten und Hoffnungen.

Es gelingt ihm auch dieses Mal, den Spannungsbogen bis zum Ende hin zu steigern.

Trotz des ernsten und nachdenklich machendem Hintergrund ist es eine unterhaltsame Lektüre, die Leserinnen und Leser immer mehr in seine Geschichte hineinzuziehen vermag.

Kriminalroman. Doppelbock

Autor: Thomas Salzmann

287 Seiten Preis: 13,00 €

Emons Verlag GmbH ISBN 978-3-7408-1148-8




Kunstbonbon zeigt besondere Pflanzenaquarelle

Ab 15.00 Uhr am 29.05.2021 bis zum 24.07.2021 zeigt das Kunstbonbon in der Chemnitzer Straße 11 ausdrucksstarke Pflanzenaquarelle von dem in unserer Region bekannten Künstler Günter Rückert.

Obwohl die Galeristin Karin Schmidt ursprünglich keine „Tulpen-, Mohn- oder andere Blumenaquarelle“ im Kunstbonbon ausstellen wollte, überzeugten sie Rückerts farbintensiven und besonderen Charaktere der verschiedenen Gewächse.

Es gelingt dem Künstler, das nur oberflächlich Unscheinbare und Ungewöhnliche heraus zu heben. Alles hat eine Bedeutung, die sich einem oft erst beim genaueren Hingucken erschließt.

Farbintensive Pflanzen von Günter Rückert sind im Kunstbonbon zu sehen. (Foto: Flyer)
Farbintensive Pflanzen von Günter Rückert sind im Kunstbonbon zu sehen. (Foto: Flyer)

Zu erwerben ist außerdem der druckfrische Katalog mit den neueren Werken von Günter Rückert.

Die Ausstellungseröffnung wird wahrscheinlich noch sehr von Corona-Auflagen beschränkt sein. Die Ausstellungsdauer wurde kurzentschlossen um ein paar Wochen verlängert. Eventuell besteht so die Chance, irgendwann noch eine Lesung von und mit dem Künstler veranstalten zu können so die Hoffnung.

Falls bis zum 29.05.2021 die Zahlen entsprechend gesunken sind und die Galerien wieder unter Auflagen öffnen dürfen, sind interessierte Menschen, die diese Mühen auf sich nehmen (ggf. getestet, geimpft, genesen, maskiert und desinfiziert ab 15.00 Uhr) herzlich zu einem Besuch eingeladen.

Danach ist die Ausstellung – wenn möglich – auch zu normalen Öffnungszeiten

di 13-18, fr 15.18, sa 12-15 Uhr zu sehen.




Land NRW verleiht Staatskunstpreise im Konzerthaus Dortmund

Seit 1991 wird alle zwei Jahre unter der Schirmherrschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Wechsel jeweils in Köln und Dortmund der mit insgesamt 60.000 Euro hoch dotierte Staatspreis für das hiesige Handwerk in sechs Kategorien verliehen.

Am 24.04.2021 wird dieses Mal (11:00 Uhr) im Dortmunder Konzerthaus sechs Preisträger*innen aus Münster, Düsseldorf, Kerken, den Kreisen Kleve, Coesfeld und dem Märkischen Kreis für ihre kreativen Werke von hoher kunsthandwerklicher Qualität von NRW-Wirtschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart ausgezeichnet.

Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) ist seit dem 10.04.2021 bis zum 27.06.2021 die Sonderausstellung „MANUFACTUM 2021“ mit den Werken aller 121 Nominierten einschließlich der Staatspreisträger*innen zu sehen.

Für die durchführenden Organisatoren verriet Beate Amrehn (Formgebungsberaterin der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg der Handwerkskammer Aachen) beim Pressetermin, dass die gestalterische innovative Qualität der zur Wahl stehenden Arbeiten hoch war. Als Anker für alle Beteiligten gilt: Alle Kunsthandwerke müssen selbst entworfen und selbst gefertigt worden sein.

Präsentieren die 121 Nominierten des Staatspreises für Kunsthandwerk auch im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (v.l.n.r.) Beate Amrehn, Formǵebungsberaterin der Akademie für Handwerksdesign, Dr. Jens Stöcker, Direktor des MKK, und Birgit Müller vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW.
Präsentieren die 121 Nominierten des Staatspreises für Kunsthandwerk auch im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (v.l.n.r.) Beate Amrehn, Formǵebungsberaterin der Akademie für Handwerksdesign, Dr. Jens Stöcker, Direktor des MKK, und Birgit Müller vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW.

Die Preisträger*innen:

Kategorie Bild- und Druckmedien: Jan Göller (Fotograf aus Kerken)

Kategorie Kleidung und Textil: Sharokina Golpashin (Düsseldorf)

Kategorie Möbel: Oliver Trepper (Münster)

Kategorie Objekt und Skulptur: Maria Pohlkemper (keramikerin Billerbeck

Kategorie: Schmuck: Carola Kosche (Lüdenscheid)

Sonderpreis Bild- und Druckmedien: Theresa Wedemeyer (Münster)

Die Ausstellung zeigt die große Vielfalt und gestalterische künstlerische Kraft des NRW-Kunsthandwerks in all seinen interessanten Facetten. Umwelt- und gesellschaftliche Problem werden dabei nicht ausgespart.

Jan Göller etwa führt uns mit seinen aus vielen Einzelaufnahmen zusammengesetzten und bearbeiteten und auf circa 1,60 m Fotografien (an Drucke aus dem 18. Jahrhundert erinnernden) vergrößerten Algen nicht nur deren Faszination vor Augen. Die sich rasant vermehrenden Algen in unseren Meeren zeugen von der zunehmenden Verschmutzung unserer Gewässer und deren fragilen Zustands.

Parallel zur Ausstellung ist zudem auch ein dazu entstandener Katalog erworben werden.

Die Preisverleihung am Samstag, den 24.04.2021 im Konzerthaus ist im Internet (ab 11 Uhr) kann unter dem Link www.staatspreis-manufactum.de/stream verfolgt werden.




Bonbonrosa oder Schönfärberei im Dortmunder Kunstbonbon

Das „Kunstbonbon“ in der Dortmunder Chemnitzer Str. 11 zeigt vom 10.04.2021 (15 Uhr) bis zum 15.05.2021 in seinen Räumlichkeiten die diesjährige Gemeinschaftsausstellung von 15 teilnehmenden hiesigen KünstlerInnen unter dem Motto „Bonbonrosa oder Schönfärberei“.

Die Farbe „Rosa“ bietet den Beteiligten einerseits in all seinen Facetten ein interessantes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten. Schon in früheren Zeiten wurde Bonbonrosa genutzt, um von düsteren, beängstigenden Sachverhalten abzulenken. So eine Art „Zuckerguss“ für die Gesellschaft.

Rosa war in der Vergangenheit mal die Farben für Jungen, und für die Mädchen war das „Himmelblau der Jungfrau Maria“ vorgesehen. Das hat sich das später geändert und Rosa wird heute als der Kleinmädchentraum schlechthin betrachtet und früh (auch von manchen Eltern und der Werbung) geprägt.

Eine rosa Brille ermöglicht es, die kleinen und größeren Übel dieser Welt „schön zu färben“. Dabei in seinen verschiedenen Schattierungen ruft in uns verschiedene Gefühle aus. Ein zartes Puderrosa etwa als elegant, grelles Pink aufdringlich oder ordinär. Bonbonrosa wirkt oft kitschig oder verharmlosend.

Die Ausstellung im Kunstbonbon steht ganz in der Farbe Rosa.
Die Ausstellung im Kunstbonbon steht ganz in der Farbe Rosa.

Rosa ist sicherlich eine Farbe, die nur wenige KünstlerInnen gerne und großflächig benutzen und somit eine besondere Herausforderung. In diesem Jahr bekam jede/r Künstler/in noch die spezielle Aufgabe, für das Schaufenster ein Regalfach von ca. 30 x 30 zum Ausstellungsthema zu gestalten.

So gibt es auch bei geschlossenem Kunstbonbon immer etwas zu sehen.

Wie immer die Regelungen ab 10.04.2021 sein sollten – ob nun mit negativen Testergebnis und den üblichen Hygienemaßnahmen oder nur mit telefonischer Terminvereinbarung zu den Öffnungszeiten unter 01629889005…

Es soll auch eine virtuelle „Bonbonrosa“-Ausstellung geben, die dann auf den entsprechenden Seiten verlinkt wird.

Öffnungszeiten: di 13-18, fr 15-18, sa 12-15 Uhr.

(Eventuelle Änderungen auf der Facebookseite des Kunstbonbons unter www.kunstbonbon.de ).




Nathan der Weise als Online-Format im KJT Dortmund

Am 18.03.2021 hatte in diesen Corona-Zeiten das Drama um Toleranz und Humanismus von Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781) seine Premiere als Online-Format im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater (KJT). Unter der Regie seines langjährigen Leiters Andreas Gruhn übertrug sein Ensemble die Geschichte um den reichen jüdischen Nathan in unsere virtuelle Gegenwart. In ihrem Internet-Blog erzählt Nathans Tochter Recha (Ann-Kathrin Hinz) ihre Geschichte und bedient sich der heutigen digitalen Möglichkeiten wie Google und Facebook. So werden die ZuschauerInnen an ihren Computern auf spannende Weise direkt in das Geschehen des Dramas eingeführt. Recha brennt darauf, nicht nur ihren Retter aus dem brennenden Haus, einen christlichen Ritter (eindringlich von Max Ranft gespielt), zu finden, sondern auch eine Antwort darauf zu finden, an was sie glauben soll.

Der Bühnenhintergrund ist minimalistisch nüchtern gehalten. Die aktuelle Brisanz des Themas wird schon durch die zeitgenössische Kleidung (Max Ranft etwa trägt eine militärische Tarnhose und als christliches Symbol ein Kreuz) deutlich, dem entgegen ist die Sprache die des Aufklärungs-Dramas von Lessing.

Das in vielen Schulklassen schon über einen langen Zeitraum vermittelte Statement für Toleranz, Gleichwertigkeit aller Religionen und Humanismus (Sinnbildhaft vor allem in der berühmten „Ring-Parabel“) sowie gegen fundamentalistische Gewalt und Machtansprüche, hat leider nichts von seiner Bedeutung verloren. Anschaulich werden in dem Online-Format Bilder von den brutalen Folgen unterschiedlicher religiös-fundamentalistischen Machtkriegen unserer Zeit eingeblendet.

 Rainer Kleinespel als Nathan mit Max Ranft als christlicher Tempelherr. Foto: (c) Birgit Hupfeld
Rainer Kleinespel als Nathan mit Max Ranft als christlicher Tempelherr. Im Hintergrund lauscht Daja (Bettina Zobel) Foto: (c) Birgit Hupfeld

Das gesamte Ensemble überzeugte in der Darstellung ihrer verschiedenen Rollen und Charakteren.

Alle außer Nathan der Weise (Rainer Kleinespel) haben alle zunächst mehr oder weniger mit ihren (menschlichen) Vorurteilen zu kämpfen.

Die Akzeptanz der Gleichwertigkeit aller Menschen, egal was sie glauben (oder nicht) ist für ein friedliches Zusammenleben von essentieller Bedeutung.

Zum Abschluss der Premiere kam auch noch ein betroffener Zeitzeuge im andauernden Palästina-Israel Konflikt zu Wort. Auch wenn die Hoffnung auf eine friedliche Lösung zwischen den Parteien sehr gering ist, gibt es dort Menschen die sich weiter dafür einsetzen.

Das Komplexe Werk von Lessing wurde auf eine unmittelbare Weise und in seiner Bedeutung für unsere Gegenwart auf die Bühne gebracht.

Es bleibt zu hoffen, dass es bald wieder möglich ist, wieder live als Zuschauerin und Zuschauer Theater zu erleben!

Das Online-Format richtet sich an ein Publikum ab 16 Jahren. Die nächsten Termine nach der Premiere sind finden am 19.21.23.24. und 25. März 2021 statt. Weitere Termine ab Ende April 2021.

Online-Tickets für 5,- Euro können ab Freitag, den12. März über den Webshop auf der Homepage des Theater www.theaterdo.de gebucht werden.




MO-Kunstpreis 2020 geht an VALIE EXPORT

Der 7. MO-Kunstpreis (Museum Ostwall, Dortmunder U) „DADA, Fluxus und die Folgen“ geht in diesem Jahr an die österreichische Feministin, Pionierin der Medien-Performance und Filmkunst VALIE EXPORT (Waltraud Stockinger, 1940 in Linz geboren). Die Freunde des Museum Ostwall und Initiatoren des Preises haben sich passend zu ihrem 80. Geburtstag für diese besondere Künstlerin entschieden.

Im MO-Schaufenster (Ebene 5) können Besucherinnen und Besucher die vielseitigen Werke der radikalen und und direkt mit ihrem Körper arbeitenden Künstlerin vom 04.12.2020 bis 02.05.2021 auf sich wirken lassen. Die Bandbreite geht dabei von Gedicht, Fotografien, Skulpturen und Video- und anderen Installationen.

Die Ausstellung mit dem bezeichnenden Titel „Irritationen des Blicks“ sagt viel darüber, worum es der Künstlerin geht.

Sie möchte irritieren und arbeitet mit dem Mittel der Verfremdung, oft im öffentlichen Raum in direktem Kontakt mit den Menschen. Mit ihren Performances und Filmkunst thematisiert VALIE EXPORT (Name inspiriert durch Zigarettenmarke „Smart Export“) den gesellschaftlichen, männlichen und medialen Blick auf unser Körperbild. Welchen Einfluss haben Umgebung, Sprache oder Herkunft auf unseren Körper? Stereotype werden hinterfragt.

Benjamin Sieber (Vorsitzender der Freunde des Museum Ostwall),  Dr. Stefan Mühlhofer (Kommissarischer Direktor des Museum Ostwall im Dortmunder U), Regina Selter, stellvertretende Direktorin und Natalie Çalkozan (wissenschaftliche Mitarbeiterin des MO) in der Ausstellung im MO Schaufenster.
Benjamin Sieber (Vorsitzender der Freunde des Museum Ostwall), Dr. Stefan Mühlhofer (Kommissarischer Direktor des Museum Ostwall im Dortmunder U), Regina Selter, stellvertretende Direktorin und Natalie Çalkozan (wissenschaftliche Mitarbeiterin des MO) in der Ausstellung im MO Schaufenster.

Ihre Arbeit ist im Kontext ihres beginnenden künstlerischen Wirkens in den 1960iger und 1970iger Jahren zu sehen. Eine gesellschaftliche Zeit des politischen Aufbruchs und Widerstands in einer konservativ geprägten Zeit. Die Frauenbewegung kämpfte für das Recht Selbstbestimmung, Das betraf etwa auch die Frage der Abschaffung des § 218.

Der Körper war dabei ein Terrain der Auseinandersetzung. Die angekaufte Foto-Dokumentation von „HOMO METER II“ (1976) zeigt dies deutlich. Bei dieser Straßenaktion band sich die Künstlerin einen Brotleib vor ihren Bauch und bot den Passant*innen in Wien an , sich mit einem scharfen Brotmesse davon ein Stück abzuschneiden. Das Brot war dabei ein Symbol für Erde, leben, Ernährung und Mutterschaft.

Schon 1970 ließ VALIE EXPORT mit „Weiblichkeitssymbolen“ auseinander und lässt sich öffentlich ein Strumpfband auf den Oberschenkel tätowieren.

Seit 1972 fotografiert und setzt sie sich auch immer wieder in Bezug zur Architektur.

In ihren „Körperkonfigurationen“ (1982) diente ihr Körper als Messinstrument, mit dem sie repräsentative Bauten nachzeichnete. Mit Körperhaltungen machte sie Formen sichtbar und eroberte sich so männlich dominierte Architektur zurück.

Mit ihrer Skulptur die „Scherentänzerinnen“ (2008) zeigt sie ein (Fluxus)-Kernprinzip ihrer Arbeiten. Gegenstände des Alltäglichen Gebrauchs wurden aus ihrem alltäglichen Zusammenhang gerissen. Jeweils zwei Scheren wurden wie „Tänzerinnen“ miteinander verwoben, grazil und bedrohlich abweisend zugleich.

Wegen der Corona-Pandemie kann der mit 20.000 Euro dotierte Fluxus-Preis (Hälfte von den Freunden des MO, andere Hälfte Kulturbetriebe) erst im nächsten Jahr am 16. April 2021 verliehen werden. Zur gegebenen Zeit gibt es noch genaue Informationen.




Bunter Teller – Eine Art Weihnachtsmarkt im Kunstbonbon

Das kleine, aber feine „Kunstbonbon“ in der Chemnitzer Str. 11 in Dortmund bietet für das Publikum auch in Zeiten von Corona vom 20.11.2020 bis 13.02.2021 unter dem Motto „Bunter Teller“ eine Art Weihnachtsmarkt zum Stöbern und der Möglichkeit für Ideen und den Kauf kleiner besonderer Geschenke für ihre Lieben. Vierzehn Künstlerinnen und Künstler stellen ihre Malerei, Objekte, Skulpturen, Schmuck, Zeichnungen, Bücher, Kalender, Drucke, Collagen, Karikaturen, Assemblagen und Fotografien aus.

Für jeden Geldbeutel ( von 1,50 Euro aufwärts) und Geschmack ist etwas dabei.

Folgende Künstler*innen sind mit ihren Werken dabei: Laura Dröge, Thomas Dröge, Michaela Düllberg, Markus Jöhring, Claudia König, Ingrid Lacher, Hendrik Müller, Virginia Novarin, Ari Plikat, Günter Rückert, Almut Rybasch-Tarry, Karin Schmidt, Lotte Wagner und Michael Wienand.

Die Galerie "Das Kunstbonbon" bietet eine Art Weihnachtsmarkt für Kunstliebhaber an.
Die Galerie „Das Kunstbonbon“ bietet eine Art Weihnachtsmarkt für Kunstliebhaber an.

Die Eröffnung zum Besuch des „Bunten Teller“ findet am Freitag, dem 20.11.2020 ab 15:00 Uhr im Kunstbonbon statt.

Da die Räumlichkeiten relativ begrenzt sind, können wegen den Corona-Bestimmungen maximal zwei Personen gleichzeitig eintreten und müssen sich dann in den beiden Räumen etwas aufteilen. Mund-Nasen-Schutz ist natürlich Pflicht und die Besucher müssen sich in eine Liste eintragen. Desinfektionsmittel ist genug vorhanden und es wird gebeten, diese auch zu nutzen.

Trotz all der Auflagen sollten sich die neugierigen Besucher nicht den Spaß an den Exponaten und der Möglichkeit, ein ausgefallenes Weihnachtsgeschenk zu ergattern nehmen lassen.

Öffnungszeiten: dienstags 13-18, freitags 15-20 und samstags 12-15 Uhr




Blick in die Psyche eines Reichsbürgers

Im Schatten des drohenden erneuten Lockdowns wegen der steigenden Corona-Fallzahlen im November hatte „Der Reichsbürger“ von Konstantin und Annalena Küspert unter der Regie von Jens Dornheim als neue Produktion des freien Theaters glassbooth am 30.10.2020 im Theater im Depot seiner Uraufführung.

Die Thematik und wachsende Problematik der sogenannten „Reichsbürger“ ist wieder ein kontroverser Stoff und dabei hoch aktuell. Trotz ihrer uneinheitlichem diversen Erscheinungsformen und Auftretens eint sie, dass sie die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennen. Für sie ist das Land seit dem Kriegsende nicht wirklich souverän und nur eine GmbH, deren Gesetze für die Reichsbürger nicht gelten.

Der Protagonist in der als Reichsbürger-Monolog konzipierten Inszenierung wird von Schauspieler Sebastian Thrun eindrucksvoll und fast erschreckend glaubhaft auf der Bühne dargestellt. Er bezeichnet sich als „Selbstverwalter“ und provoziert das Publikum gleich zu Anfang mit der ironischen Bemerkung, wegen ihm müssten die Zuschauer*innen keinen Mund-Nasenschutz tragen.

Sebastian Thrun überzeugte als wortgewandter "Reichsbürger" im gleichnamigen Stück. (Foto: © Oliver Mengedoht)
Sebastian Thrun überzeugte als wortgewandter „Reichsbürger“ im gleichnamigen Stück. (Foto: © Oliver Mengedoht)

Von Beruf Elektriker, könnte der Protagonist aber ein sehr guter Verkäufer auf einer Werbeveranstaltung sein. Er kommt als wortgewandter Menschenfreund daher, der eigentlich nur seine Ruhe will, nicht plump aggressiv.

Er stellt provokative Fragen, weist geschickt auf Missstände (marode Straßen, kein Geld für Bildung, „Migranten-Kriminalität“ u.s.w.) hin, gegen die man doch etwas tun müsse. Das Recht auf Waffenbesitz eines jeden Bürgers ist ihn ein selbstverständliches „Recht“ um sich und seine Familie zu schützen. Dass der freie Waffenbesitz etwa in den USA vielen Menschen das Leben kostet, wird wohlweislich ignoriert.

Widersprüche zwischen gespielter Toleranz, Naturverbundenheit, Humanität und offen zur Schau getragenen Überlegenheit des „Deutschen“ gegenüber dem „Fremden“ werden nicht zur Diskussion gestellt. So beruft er sich auf unter anderem auf Albert Einstein als als einer der „großen Deutschen“, um dann eine herablassende Bemerkung gegen Juden loszulassen. Obwohl er wohl auch gerne mal beim „Syrer, Chinesen, Türken oder anderen“ essen geht, wird die Bereicherung unseres Lebens durch fremde Kulturen geleugnet.

Der „Selbstverwalter“ hat den Durchblick und weiß, wer im Hintergrund die Strippen zieht. Kanzlerin Angela Merkel wird nur als „IM“ Merkel bezeichnet. Offen bekennt er im Gegensatz zu den „Linksliberalen“ einfache Erklärungen und Lösungen für komplexe Zusammenhänge zu haben.

Wie alle Rattenfänger versucht er, Menschen bei ihren Ängsten und Befürchtungen zu packen und sie für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Die Vorteile (Rosinen) des abgelehnten Staatssystems nimmt er jedoch gerne für sich in Anspruch, wenn es ihm zu pass kommt.

Eine starke Leistung von Thrun, die Zuschauerinnen und Zuschauer aber auch mit einem ambivalenten Gefühl zurück lässt.

Die Inszenierung verdeutlicht, wie sehr wir aufpassen müssen, kritisch zu reflektieren und nicht auf einfach Lösungen oder „Heilsbringer“ herein zu fallen.




Eindrucksvolle Porträts von Holocaust-Überlebenden

Im Dortmunder Westfalenpark säumen vom 24.10.2020 bis zum 09.11.2020 den Weg vom Eingang Ruhrallee bis zum Florianturm 80 überlebensgroße Porträts von Überlebenden der NS-Verfolgung unter dem Titel „Gegen das Vergessen“. Der Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano (Mannheim) traf seit 2014/2015 (bewegt auch durch das Flüchtlingsdrama) weltweit mehr als 400 dieser Holocaust-Überlebenden.

Begegnungen gab es zum Beispiel in Deutschland, den USA, Österreich, der Ukraine, Russland, Israel, den Niederlanden oder Weißrussland. Das Spektrum reichte von verfolgten Juden, politisch unliebsamen Personen, Zwangsarbeiter*innen bis zu Sinti-und Roma. Jede und jeder der Porträtierten hat seine ganz individuelle Lebens- und Leidensgeschichte. Diesen Menschen soll unter dem Titel „Gegen das Vergessen“ ein Gesicht gegeben werden. Die Opfer werden, so Klaus Kaiser (Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW) beim Pressetermin, aus ihrer Anonymität geholt.

Auf Initiative des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW präsentiert Toscano sein großes multimediales Erinnerungsprojekt nach erfolgreicher „Tournee“ zum Beispiel in Washington (und anderen Städten) im Dortmunder Westfalenpark. Koordiniert wird die Ausstellung von der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache.

Neben dem Porträt von Horst Sommerfeld stehen (v.l.n.r.) Luigi Toscano (Fotograf und Filmemacher), Markus Günnewig (Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache) und Klaus Kaiser (Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen).
Neben dem Porträt von Horst Sommerfeld stehen (v.l.n.r.) Luigi Toscano (Fotograf und Filmemacher), Markus Günnewig (Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache) und Klaus Kaiser (Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen).

Für eine Patenschaft konnte Schüler*innen des hiesigen Westfalenkollegs für die Dortmunder Schau gewonnen werden. Toscano betonte wie wichtig es vor allem ist, die junge Generation für die Thematik zu sensibilisieren und sie dazu zu bewegen, sich für den Erhalt unserer Demokratie einzusetzen.

Er hätte hunderte bewegende Geschichten zu erzählen. Etwa die von dem inzwischen verstorbenen Horst Sommerfeld (geb. in Flatow), dessen gesamte Familie in Auschwitz ermordet wurde. Sein Porträt befand sich einer Ausstellung von Luigi Toscano zufällig neben dem des heute in Stockholm lebenden Walter Frankenstein. In der einzigen deutschen Zeitung, die Frankenstein in Stockholm las, sah er ein Porträtfoto der Ausstellung von Horst Sommerfeld neben seinem eigenen. Sie kannte sich beide aus ihrer Vergangenheit in Flatow. Anders als bei Sommerfeld hatte seine Familie den Holocaust überlebt. Es kam nur noch zu einem telefonischen Kontakt zwischen ihnen, da Sommerfeld inzwischen verstorben war.

An jedem Porträt ist eine kleine Gedenktafel mit den wichtigsten Daten angebracht. Über einen QR-Code können Besucher*innen vertiefende Informationen zu den Persönlichkeiten erhalten.

Die Ausstellungs-Eröffnung findet am Samstag, den 24.10.2020 um 14:00 Uhr am Florianturm (bei Unwetter: Café im Florianturm) statt. Nach Grußworten des Parlamentarischen Staatssekretärs Klaus Kaiser und von Bürgermeister Manfred Sauer stellt Luigi Toscano sein Ausstellungsprojekt vor. Anschließend gibt es einen Beitrag von Schüler*innen des Westfalenkollegs Dortmund.

Es moderiert Markus Günnewig, Leiter der Gedenkstätte Steinwache. Es wird um Anmeldung unter gegen-das-vergessen@fulfil.de gebeten.