Viktorianischer Flair im Dortmunder Konzerthaus

Unter dem Titel „Hollywood Hits – Enchanting.indeed!“ am 20.09.2021 erlebte das Publikum ein in der Tat zauberhaftes 1. Konzert für Leute in diesem Jahr.

Im Mittelpunkt standen hier die aus Streaming Diensten wie Netflix oder Kino-Filmen bekannten und auch beim jüngeren Menschen beliebte Serien wie etwa „Bridgerton“ und ähnliche, bei der die gesellschaftliche Situation im Viktorianischen Zeitalter (1837 -1901) thematisiert werden. Da wurden junge heiratswillige adelige Damen in die Society eingeführt, um entsprechende Männer kennenzulernen.

Romantisch ging es zu beim 1. Konzert für junge Leute. (Foto: © Michelle Piras)

Eine solche Veranstaltung wurde nun kurzerhand in den feierlich mit Kerzenständern und Kronleuchtern geschmückten Konzertsaal in unserer Stadt verortet.

Das Konzert war eine Mischung aus Musik, Tanz und Schauspiel. Die bestens aufgelegte Dortmunder Philharmoniker trat größtenteils stilecht mit Perücken auf. Selbst Dirigent Generalmusikdirektor Gabriel Feltz machte da keine Ausnahme.

Auf der erhobenen Chortribüne thronte als „Gastgeberin“ im feinen Reifrock Lady Whistleton (Andrea Hoever), die das geschehen auch per „Society Paper“ der geneigten Leserschaft feierlich und leicht ironisch näher brachte.

Sarah Honnen und Kokebnesh Lemma machten zu Anfang eine tänzerische Einführung. Zwischen der von ihrer adeligen Familie erwarteten standesgemäßen Heirat und Sehnsucht nach der „wahren Liebe“.

Es traten in ihren pastellfarbenen Ballkleidern an: Zwei unterschiedliche Schwestern: Die extrovertierte Susan (Nadja Karasjew) und die schon zum zweiten antretende Charlotte (Sabine Krack). Die schöne und kluge Jane (Gabriele Burkhardt) als starke Frau. Der angesehenste Junggeselle Austin, der neue Duke of Hastings (Alexander Sasanowitsch), der zunächst eigentlich gar nicht vorhat zu heiraten, muss erst nach und nach von Jane überzeugt werden.

Musikalisch begleitet wird das Geschehen einfühlsam von der Dortmunder Philharmoniker und ihrem Dirigenten. Ob zur Einführung klassisch mit der Sonate 10 in G-Dur, Andante von Jean Baptiste Barrière, Barock Henry Purcell (Rondeau aus Abdelazer Suite), den dramatisch oder sentimentalen Film und Serien-Musik etwa Benjamin Brittons (Four Sea Interludes from Peter Grimes – 2. Sunday Morning), Themen aus Stolz und Vorurteil, Downtown Abby, Bridgerton oder die bekannte Titanic-Suite. Eindrucksvoll war ein Violinensolo aus Tschaikowskys Schwanensee.

Voll Inbrunst wurde „Land of Hope and Glory“ (Edgar Elgar) intoniert und von Austen gesungen. Das Ganze auch mit einem kleinen ironischen Augenzwinkern.

Die Sängerin Bonita Niessen, eingeführt als letztjährige Ballkönigin, begeisterte das Publikum mit ihrer kraftvollen starken Stimme mit „Never Enough“ aus The greatest Showman 2017) und als Zugabe „Let it be love“ (Lady Antebellum).

Ein musikalisch und konzeptionell gelungener Abend, an dem die Dortmunder Philharmoniker samt Dirigent mit Einwürfen Humor bewiesen.




Internationales Spitzenballett vor (wieder) vollem Haus

Die XXXIII. Internationale Ballettgala unter der künstlerischen Gesamtleitung von Ballettintendant Xin Peng Wang hatte am Samstag, dem 18.09.2021 (auch noch 19.09.2021) in Dortmund seine Premiere unter Pandemie-Bedingungen.

Die Plätze im Opernhaus waren seit langem zum ersten Mal wieder mit voller Publikumsbelegung gefüllt. Bei einigen mischte sich deshalb neben der großen Vorfreude sicherlich auch noch ein etwas mulmigen Gefühl.

Kammersänger Hannes Brock führte wie immer humorvoll durch das mit international renommierten Solist*innen besetzte Programm.

Mayara Magri und Matthew Ball vom Royal Bellet verzaberten das Publikum. (Foto: © André Uspenski)
Mayara Magri und Matthew Ball vom Royal Bellet verzaberten das Publikum. (Foto: © André Uspenski)

Pandemie bedingt bestand es hauptsächlich aus Pas de deux und Duetten. Ein sinnlich-besinnliches Programm aber mit einem hohen Grad an Perfektion und Ausdruckskraft der Tänzer*innen wurde zusammen gestellt.

Das Ballett Dortmund bewies das schon am Anfang bei „The Vertiginous Thrill of Exactitude“ (Musik: Franz Schubert, Choreografie: William Forsythe).

Als Gäste vom britischen Royal Ballet präsentierten Mayara Magri und Matthew Ball neben einem Grand Pas de deux auch noch beim abstrakten Ballett „Infra“ von Wayne McGregor und zeigten ihr technisches Können sowie viel Einfühlungsvermögen.

Infra begeisterte vor allem durch die starke Verbindung von Live-Tanz und modernen Licht-Effekten.

Elena Vostrotina und Alexander Jones vom Ballett Zürich verzauberten mit ihrer sensiblen Tanz-Interpretation zu den Klassikern Schwanensee von Tschaikowski ebenso wie bei „Nocturne“ von Chopin.

Bei „Duet“ (Choreograf: Christopher Wheeldon) und „Delibes Suite“ (José Carlos Martinez) zeigen Anna Tsygankova und Constantine Allen vom niederländischen Het Nationale Ballet viel technisches Können und Harmonie.

Ein Höhepunkt war sicherlich der Auftritt von dem gefragten Gaststar Friedemann Vogel und seiner Tanzpartnerin Elisa Badenes (beide Stuttgarter Ballett.

Ihr aktuelles Duett „Nachtmerrie“ (Albtraum) erhielt durch den persönlichen Stil des Choreografen Marco Goecke eine ganz besondere Ausdruckskraft. Bewegungen werden hier in ihre Einzelzeile zerlegt und ermöglichen so eine neue Sicht auf den Menschen. Dabei wurden sämtliche Körpergliedmaßen sowie sämtliche Muskeln wurden beansprucht. Ein starker Auftritt.

Die junge Primaballerina Maria Horvath (Ballett St. Petersburg) bewies als Solistin ihre Ausdrucksstärke, denn der Programmpunkt „Diamonds“ wegen Einreiseschwierigkeit ihres Tanzpartners Xander Parish nicht in der geplanten Form stattfinden konnte.

Zum Abschluss gab es mit „Cosmic“ noch eindrucksvolle Einblicke in die Uraufführung vom dritten Teil „Paradiso“ aus Dantes Göttlicher Komödie vom Ballett Dortmund mit der Choreografie von Xin Peng Wang.

Viel Applaus gab es vom Publikum für alle Beteiligten und ein Glücksgefühl, wieder live Ballett-Künstler*innen erleben zu dürfen.




Oper Tosca als brisant-melodramatischer Psycho-Thriller

Giacomo Puccinis (1858 – 1924) fünfte Oper „Tosca“ unter der Regie von Nikolaus Habjan (Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica) feierte am 11.09.2021 in der Oper Dortmund vor noch mit freien Zwischenplätzen (Schattenplätzen) nicht voll besetzten Rängen seine Premiere. Zur großen Freude des Hauses konnte die Dortmunder Philharmoniker unter der sensiblen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz das Geschehen in voller Besetzung begleiten.

Obwohl die Oper ursprünglich um 1800 (Napoleonisches Zeitalter) in Rom verortet ist, macht die Inszenierung ihren zeitlosen Charakter deutlich. In diesem Psychothriller geht es neben einer Liebesgeschichte samt Eifersucht zwischen Tosca und dem freiheitsliebenden Maler Mario Cavaradossi auch um persönliche und politische Machtspiele. Das Volk steht unter dem Diktat von Religion und Staatsgewalt. Kontraste und Konflikt werden musikalisch und szenisch auf die Bühne und die Charaktere dem Publikum nahegebracht.

Inga Kalna (Floria Tosca), James Lee (Mario Cavaradossi) Foto: Björn Hickmann, Stage Picture
Inga Kalna (Floria Tosca), James Lee (Mario Cavaradossi) Foto: Björn Hickmann, Stage Picture

Schon das düstere Bühnenbild von Heike Vollmer mit der zerstörten Kirchenstruktur weist auf die Folgen der kriegerischen Handlungen („Kirchenstaat“ gegen „Römische Republik“) hin. Als Kontrast ist auf der Bühne auch ein großes Gemälde von Maria Magdalena von Hugues Merle (1886), das mich etwas an Maria Furtwängler erinnerte. Sie strahlt eine gewisse Erotik aus und es gab in der Religion viele Spekulationen und Aufregung um sie. Eine Art kleine Provokation. Zusätzlich arbeitet die Inszenierung geschickt mit unterschiedlicher Beleuchtung.

In der Handlung steht Tosca, leidenschaftlich und emotional gesungen von Gastsängerin Inga Kalna, als starke, aber verletzliche Frau im Mittelpunkt. Cavaradossi, mit starker Stimme von James Lee verkörpert, wird durch seinen alten Freund Cesare Angelotti, ehemaliger Republikanischer Konsul zum Handel und Stellung beziehen gezwungen. Baron Scarpia, von Gastsänger Noel Bouley gesungen, spielt den Typus skrupelloser Politiker und Intriganten mit vollen Einsatz. Triumphale Gesten und Grisen als er sich seiner Sache mit Tosca sicher ist.Morgan Moody verkörpert den Aktivisten Angelotti mit fester Haltung und Stimme. Der Mesner (Denis Veles), Polizeiagent Spoletta (Fritz Steinbrecher) oder Kerkermeister Sciarrone (Carl Kaiser) spielen teilweise aus Angst wie Marionetten Werkzeuge ihres brutalen Chefs.

Scarpias „Schutzgarde“ ist nach Vorbild der Schweizer Garde gekleidet und tritt martialisch auf.Stimmungsvolle Bereicherung waren der Opernchor Theater Dortmund, Knabenchor der Chorakademie Dortmund und die Kinderstatisterie Theater Dortmund.

Eine eindrucksvolle Premiere für alle Opernfreund*innen nach der langen Pause.

Die nächsten Vorstellungen sind mit voller Publikumszahl (1000 Personen) geplant. Informationen über weitere Aufführungstermine erhalten Sie unter www.theaterdo.de




Er-Sie-Es – Porträts von Wibke Brandes im Kunstbonbon

Im Jahr 2019 präsentierte das Dortmunder Kunstbonbon (Chemnitzer Str. 11) die „Stadtgesichter“ (knappe, kolorierte Zeichnungen und Malereien von Gesichtern der Menschen im Alltag) der Künstlerin Wibke Brandes. Unter dem Titel „Er-Sie-Es“ sind nun vom 18.09.2021 (15:00 Uhr) bis zum 23.10.2021 völlig andere Porträts der Künstlerin zu sehen, die von Fotos inspiriert sind. Gearbeitet sind sie auf Leinwand und Papier.

Brandes nähert sich den Menschen behutsam unter Einsatz von Farben und Mustern. Wie sie selbst sagt, ist es ihr bei manchen Gesichtern wichtig, sie nicht einfach abzupausen und dann „nur“ auszumalen, sondern sie Stück für Stück selbst zu erschließen, die Person kennenzulernen. Es entsteht so eine Art Verbundenheit mit der eigentlich unbekannten Person. Gefühle, Stimmungen entstehen, und Geschichten werden erzählt. Spannend für Brandes ist, dass sie beim Porträt malen nicht immer von Beginn an weiß, was passieren wird. Ein anderes Mal geht es nicht um eine fotorealistische Abbildung, sondern um einen flüchtigen Eindruck der Personen, einen Bild als Impuls.

Bilderesche von Wibke Brandes (© Wibke Brandes)
Bilderesche von Wibke Brandes (© Wibke Brandes)

Der Spaß am Experimentieren mit verschiedenen Materialien spielt eine wichtige Rolle. Der Einsatz von Farben und Mustern verleiht den Menschen Lebendigkeit sowie etwas Spielerisches. Man merkt bei jedem Bild, dass Wibke Brandes genau hingesehen hat.

Eingeladen dazu sind auch herzlich die Besucher*innen der Ausstellung. Natürlich gibt es auch wieder einige von den Magneten mit den schrägen Gestalten, die die Künstlerin erschaffen hat, zu bewundern.

Brandes wurde an der Königlichen Akademie für Schöne Künste in Antwerpen (Belgien) ausgebildet, hat ein Diplom für Grafik, Design, Schwerpunkt Illustration. Seit 1997 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin für verschieden Verlage und hat ein Atelier in Bochum.

Das Kunstbonbon freut sich über interessierte Besucher (die bitte nachweislich geimpft, genesen oder notfalls frisch getestet sein sollten!). Im Kunstbonbon gilt selbstverständlich Maskenpflicht und es kann wegen der relativ kleinen Räumlichkeiten ggf. zu Wartezeiten kommen.

Die Vernissage findet am 18.09.2021 um 15:00 Uhr statt.

Öffnungszeiten: Dienstag 13–18 Uhr, Freitag 15–18 Uhr, Samstag 12–15 Uhr




gegenüber – Begegnung von Gegenwart und Geschichte im Dortmunder MKK

Das hiesige Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) präsentiert nun zum zweiten Mal vom 10.09.2021 bis zum 03.10.2021 eine künstlerische Intervention in der eigenen Dauerausstellung.

Zwölf Künstler*innen des Westfälischen Künstlerbundes Dortmund e. V. wurden eingeladen, sich mit einzelnen Exponaten oder thematischen Abteilungen des Hauses auseinanderzusetzen. Unter dem Titel „gegenüber“ zeigen sie ihre persönlichen künstlerischen Reflexionen zu den ausgewählten historischen Objekten. Beide Werke werden direkt „gegenüber“ gestellt und konfrontiert. Es entsteht so ein kreativer Dialog zwischen Gegenwart und Geschichte, was neue Perspektiven für die Betrachtung eröffnet.

Diese Ausstellung in der Sammlung des MKK geht über vier Etagen und die unterschiedlichen Abteilungen des Museums. Es lohnt, sich Zeit für einen Besuch zu nehmen. Exemplarisch ein paar Beispiele:

Claudia Karweick setzte sich mit dem Bildnis der Herzogin Luise von Sachsen Weimar auseinander. (Foto: © Gerd Schmedes)
Claudia Karweick setzte sich mit dem Bildnis der Herzogin Luise von Sachsen Weimar auseinander. (Foto: © Gerd Schmedes)

Der Künstler Thomas Autering hat sich mit den Objekten der barocken Tafelkultur beschäftigt und zu seiner Arbeit „Fast Food“ inspirieren lassen. Er greift die Ästhetik der Fayencemalerei auf, um kritisch, aber auch mit einem Augenzwinkern, auf die heutige Zurschaustellung von Lebensmitteln in Einwegverpackungen hinzuweisen.

Marc Bühren wiederum reagiert auf das Triumphkreuz aus der Georgskirche in Dortmund-Aplerbeck mit seinem dreidimensionalem roten Kreuz. Die technische Entwicklung (manuelle 3-D Technik) ermöglicht ihm, die Eindimensionalität der Linie zu überwinden. Seine plastische Installation ermöglicht nicht nur ein Spiel aus Licht und Schatten, sondern schafft auch neue Perspektiven auf zeichnerische Arbeiten.

Brigitte Felician Siebrecht hat sich in der Abteilung christliche Kunst mit der Legende des „vera ikon“ und der daraus resultierenden Frage nach der Wahrheit des Bildes beschäftigt. Ihre Videoinstallation führt uns gut vor Augen, dass wir nicht immer glauben sollen, was wir sehen. In Zeiten der Informations- und Bilderflut im digitalen Netz eine wichtiger künstlerischer Beitrag.

Der Künstler Andi Knappe hat sich gleich die ganze Abteilung „Vermessung der Erde und des Himmels“ für seinen Beitrag ausgewählt. Seine drei Bilder an der Decke sind spannende künstlerische Blicke in die Unermesslichkeit des Universums.

[Edit: Ergänzung der weiteren Künstlerinnen und Künstler.
Zwei Köpfe, doch unterschiedliche Herangehensweisen. Einem römischen Kopf stellt Walter Hellenthal eine zeitgenössische Eisengussarbeit als Kontrast gegenüber. Noch weiter zurück in die Steinzeit geht der Bildhauer Christoph Ihrig. Frühsteinzeitliche Alltagsgegenstände verändert er in Materialität und Proportion, um so dem Betrachter einen neuen Blickwinkel auf die Objekte zu geben.

Claudia Karweick setzte sich mit dem Bildnis der Herzogin Luise von Sachsen Weimar auseinander. Historisch interessant ist auch die Arbeit von Petra Böttcher-Reiff. Sie bezieht sich auf das Gemälde „Das Ruhrtal bei Herdecke“ von Christian Rohlf und zeigt, wie sich die Landschaft in 100 Jahren verändert hat. Noch etwas abstrakter hat sich Mathias Schubert mit dem Bild der Trollhättanfälle auseinandergesetzt. Dennoch lässt seine Interpretation das Original erkennen.

Neben Knappe haben sich noch Axel M. Mosler sowie Irmhild Koeniger-Rosenlecher mit dem Thema der Vermessung auseinandergesetzt. Mosler benutzt eine Skyline von Dortmund als Ausgangsobjekt für seine fotografische Arbeit. Sein „Dortmunder U“ hat er mit verschiedenen Programmen bearbeitet und so erscheint die Landmarke sehr verschwommen und vage. Mit den ausgestellten Waffen des Mittelalters im MKK hat sich Koeniger-Rosenlecher auseinandergesetzt. Zwei Arbeiten aus ihrem Zyklus „Wider dem Krieg“ stehen für die ständige Wiederkehr von militärischen Konflikten.

Ein mittelalterliches Gemälde, die „Muttergottes mit Kind“ war Ausgangspunkt für die „Lauretanische Liternei“ von Philipp Pohl. Er schuf 16 Variationen auf das Ursprungsbild, die das Original für den Betrachter schwer erkennbar machen.]

Zur Intervention erscheint eine Publikation, die gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro zum Verkauf angeboten wird.

Geplant sind zudem Führungen an drei Sonntagen.

Informationen unter dortmund.de/mkk




Kirsas besondere Musik in der Jungen Oper

Am 05.09.2021 hatte die Mobile Oper „Kirsas Musik“ von Thierry Tidrow (musikalische Leitung) und Ilaria Lanzino (Regie, Bühne und Kostüme) im Operntreff des Dortmunder Opernhauses seine Premiere. Weiterhin aus Sicherheitsgründen nach strengen Corona-Vorgaben.

Mobile Oper bedeutet, dass „Kirsas Musik“ nicht nur im Opernhaus zu sehen sein wird, sondern auch als mobile Produktion in den hiesigen Kindergärten unter jungeoper@theaterdo.de gebucht werden kann.

„Kirsas Musik“ ist das erste Stück, das der Composer in Residence, Thierry Tidow, für das neue Ensemble der Jungen Oper (Spielzeit 2019/2020) komponiert hat. Es ist eine a-capella-Oper, bei der die Stimmen und Charaktere im Mittelpunkt stehen.

(v.l.n.r.) Anna Lucia Struck, Marcelo de Souza Felix und Ruth Katharina Peeck (Foto: © Björn Hickmann, Stage Picture)
(v.l.n.r.) Anna Lucia Struck, Marcelo de Souza Felix und Ruth Katharina Peeck (Foto: © Björn Hickmann, Stage Picture)

Von den beteiligten Sänger*innen war neben ihren guten Stimmen auch ein lebendiges Mienenspiel und ein gutes Rhythmus-Gefühl gefordert. Die drei Beteiligten konnten hier überzeugen.

Warum geht es? Die Freundinnen Tara (Anna Lucia Struck) und Mara (Ruth Katharina Peeck) freuen sich über ihre vielen Gemeinsamkeiten und ähnlichen Interessen. Das äußern sie auch in lustigen Wortspielen. Da taucht jemand Neues auf. Kirsa ist nicht nur ein Junge, hat eine dunklere Hautfarbe und ist so anders als alle Kinder, die sie bisher kennengelernt haben. Zudem hat er andere Interessen. Er ist jemand mit ganz eigener Persönlichkeit, einer besonderen „Musik“.

Am Anfang machen sich die beiden Mädchen über den sonderbaren Jungen lustig, und er zieht sich zurück. Dann nähert sich zunächst Mara ihm langsam an, während Tara ihn weiter links liegen lässt. Sie ist einerseits eifersüchtig auf die sich anbahnende Freundschaft von Mara und Kirsa, andererseits von den festgefahrenen Vorurteilen ihrer Eltern beeinflusst. Erst am Ende wird eine Annäherung angedeutet.

Die Kostüme für Tara und Mara hat Ilaria Lanzino als einen bunten „Mädchentraum“ in Pink, Lila und Türkis und Gelb ausgewählt. Dieses typische Mädchenbild wird natürlich durch ihr Spielzeug, ihnen nachgebauten Puppen, verstärkt. Kirsa erscheint sportlich elegant mit hipper gelber Brille. Er ist sportlich, hat viel Rhythmus-Gefühl und liebt fangen oder verstecken.

Diese a-capella-Oper kann schon Kindern ab 4 Jahren auf sensible musikalische Art helfen, die Angst vor dem „unbekannten Anderen“ zu nehmen, sondern immer neugierig und offen auf neues zuzugehen. Es könnte sich lohnen und eine Bereicherung sein!

Weitere Vorstellung im Opernhaus am Samstag, dem 11.09.2021 um 15:00 Uhr.




Kinder von Auschwitz im Mittelpunkt einer Ausstellung

Im Dortmunder Dietrich-Keuning-Haus (DKH) ist vom 02.09.2021 bis zum 02.10.2021 unter dem Titel „Vergiss deinen Namen nicht“ (Die Kinder von Auschwitz) nach dem gleichnamigen Buch von Filmemacher und Autor Alwin Meyer zu sehen.

Der Förderverein der Gedenkstätte zeigt in Kooperation mit dem städtischen Kulturzentrum (DKH) und dem Jugendring-Projekt „Botschafter*innen der Erinnerung“ diese Ausstellung. Schirmherr ist Oberbürgermeister Thomas Westphal. Durch das Programm der Ausstellungseröffnung führten die Schauspielerin und Sängerin Tirzah Haase und der AWO-Aktivist Georg Deventer.

Auf fast 40 großformatigen Bild- und Schrifttafeln sehr persönliche unterschiedlichste Lebens- und Leidensgeschichten von Kindern erzählt, die Auschwitz und das Unvorstellbare überlebt haben. Sie bekommen so nicht nur ein Gesicht und Namen, sondern legen davon ab, was Menschen anderen Menschen antun können.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Alwin Meyer. Das Foto stammt aus dem Umschlagbild seines Buches "Mama, ich höre dich".
Ausschnitt aus dem Vortrag von Alwin Meyer. Das Foto stammt aus dem Umschlagbild seines Buches „Mama, ich höre dich“.

Deutlich wurde bei der illustrierten Einführung in die Ausstellung durch den Autor bei deren Eröffnung, dass gravierende Folgen die Überlebenden begleiten. Ihr Leben bewegt sich im Spannungsfeld zwischen ihren Ängsten, der Schwierigkeit zu vertrauen, und dem Versuch, in der Zukunft glücklich zu werden. Die traumatischen Erlebnisse wirken bis in die nächsten Generationen hinein.

Mit einem bewegenden illustrierten Vortrag führte der Autor bei der Eröffnung in die Ausstellung ein. Über Jahrzehnte hatte Alwin Meyer nach Kindern von Auschwitz gesucht. Nachdem er ihr Vertrauen erlangt hatte, erzählten sie ihm vom Lagerleben und von einer Kindheit, in der der Tod ständig präsent und nie natürlich war. Die Ausstellungseröffnung überzeugte mit einem abwechslungsreichem mit Bedacht erstelltem Programm.

Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Thomas Westphal und einem Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund folgte der eindrucksvolle Vortrag des Autors. Das kulturelle Rahmenprogramm wurde zum einen von Tirzah Haase sowie der Kindertanzgruppe „Harimon“ (Granatapfel) unter der Leitung von Marina Evel gestaltet. Einfühlsam bot Haase eine passende Auswahl von Liedern und Texten deutsch-jüdischer KomponistInnen und SchriftstellerInnen. Die temperamentvolle Kindertanzgruppe machte Hoffnung für die Zukunft.

Das Statement der „Botschafter*innen der Erinnerung“ brachte es auf den Punkt. Sie machten deutlich, dass gerade heute, wo Rechtspopulismus, Diskriminierung, Antisemitismus zunehmen, Widerstand und Wachsamkeit besonders notwendig sind.

Die Ausstellung im DKH ist dienstags – samstags von 10:00 – 22:00 zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Gruppen werden um vorherige Anmeldung beim Förderverein unter: gus.deventer@arcor.de oder Mobiltelefon: 0172–271 48 63




Cartoons von Holga Rosen im Dortmunder Comic-Schauraum ausgestellt

Seit der Eröffnung des Dortmunder Comic-Schauraums 2019 stehen vom 04.09.2021 bis zum 09.01.2022 zum ersten Mal unter dem titel „Ganz schön Rosen!“ die Werke eines hiesigen Cartoonisten im Mittelpunkt. Der als feste Größe in der Cartoon-Landschaft bekannte Holga Rosen (Jahrgang 1970) hat sich in den vergangenen Jahrzehnten hier und darüber hinaus als witzig- bissig-ironischer, begleitender, genauer Beobachter des Geschehens in der Stadtgesellschaft einen Namen gemacht.

Schon mit 17 Jahren erschien in den Ruhr Nachrichten seine Cartoon-Serie „Ronni Reinoldi“ (1988 – 1989). Fast zehn Jahre später (1998) folgte die Kolumne „StadtneuRosen“, die bis heute jeden Dienstag ein aktuelles Thema aufs Korn nehmen. Ab 2021 zeichnet Rosen die Serie „Robert und wie er die Dinge sieht“ für die Kinderseite der Zeitung.

In sechs Kapiteln stellt die Ausstellung Rosens Figuren, Serien sowie Einzelcomics vor, die regelmäßig in lokalen und regionalen Medien wie zum Beispiel die Titanic, der Eulenspiegel, die Zeit, Stern u. a. erschienen sind. Seine Cartoons sind bunt, die Figuren haben mit aufgerissenen Mündern mit drei großen Zähnen einen bleibenden Erkennungswert. Darüber hinaus veröffentlichte er einige Bücher, die im Schauraum auch ausgestellt sind.

Holga Rosen begleitet das Geschehen in der Stadtgesellschaft, aber auch allgemein gesellschaftliche Themen interessieren ihn.
Holga Rosen begleitet das Geschehen in der Stadtgesellschaft, aber auch allgemein gesellschaftliche Themen interessieren ihn.

Themen sind sowohl regionale Ereignisse – vom BVB, über den Phönix-See und anderen Bauprojekten, wie auch allgemein politische oder gesellschaftlich relevante, so aktuell die Corona-Krise. Im Jahr 2020 wurde sein Cartoon „Wie wir uns möglicherweise an das Jahr 2020 erinnern werden“ im Herbst den zweiten Platz beim Deutschen Cartoon-Preis.

Die technische Weiterentwicklung lässt sich an seinen Arbeiten erkennen. Angefangen mit einfache Finelinern (Schwarz-Weiß-Zeichnungen), über Buntstiftzeichnungen, Cartoons mit Filzschreibern, Aquarell, Wasserfarben oder Pastellkreide. Seit 2017 entstehen seine arbeiten ausschließlich digital. Selbst seine älteren Zeichnungen hat er inzwischen digitalisiert und teilweise neu gezeichnet.

Holga Rosen verriet beim Pressegespräch, dass er eigentlich Filmemacher werden wollte. „Ich arbeite gerne mit Bildern und erzähle gerne Geschichten“, so Rosen. In Zukunft will er seinen Schwerpunkt dort hinverlegen. Da passt auch seine Tätigkeit als Filmvorführer und inzwischen Kinobetreiber im hiesigen Roxy-Kino. Seine Serie „Die Roxyaner“ (1998- 2004) erschien monatlich im Programmheft des Kinos.

Im Schauraum ist ein Video-Zeichentrickfilm mit 1500 Einzelbildern zu sehen. Der Eintritt zum Schauraum ist frei, sonntags sind jeweils um 13:00 Uhr Führungen durch die Ausstellung geplant. Außerdem sind auch Lesungen vorgesehen.

Übrigens: Über Bluetooth-gesteuerte Beacons können sich die Besucher*innen in der Ausstellung auf ihrem Smartphone Hintergründe zu den Themen der Cartoons anzeigen lassen.

Die Ausstellung ist geöffnet: Dienstag, Mittwoch, Samstag und Sonntag 11:00 bis 18.00 Uhr. Donnerstag und Freitag 11.00 bis 20:00 Uhr. Montag geschlossen!

Nähere Informationen unter www.dortmund.de/schauraum




MKK zeigt WELTGEIST-Ausstellung von René Schoemakers

Das Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt vom 20.08.2021 bis zum 09.01 2022 die provokante und fotografisch genaue Malerei von René Schoemakers unter dem Titel WELTGEIST. Schoemakers ist 1972 in Kleve geborenen und lebt mit seiner Familie (Frau sowie fünf Kindern) in Kiel. Es ist mit 70 Werken (Acryl auf Leinwand) auf knapp 170 Leinwänden eine große beeindruckende Ausstellung. Mit dem „Weltgeist“ setzt sich der Künstler auf seine ganz eigene Weise auseinander.

Visuell Eindeutig und mit fast altmeisterlicher Genauigkeit, jedoch im Kontrast dazu mit verstörender Symbolik thematisiert er die das Individuum vereinnahmenden Ideologien jedweder Art , ob rechten oder linken Extremismus oder religiösen Fundamentalismus. Was machen sie mit den Menschen?

Ein zentraler Punkt in seinen Arbeiten ist das Verhältnis von Banalität und Brutalität. Um es sichtbar zu machen, spielt der Künstler mit dem Mittel der Verfremdung und absurd wirkenden Szenarien. Diese werden sorgfältig gebaut, fotografiert und danach präzise und sehr aufwendig gemalt. So entstehen oft ganze Bildserien, bei der die gesamte Familie einbezogen wurde.

René Schoemakers neben seiner Arbeit "ABOUT". Gut zu sehen ist, dass die Kugel mit "brauner Brühe" gefüllt ist.
René Schoemakers neben seiner Arbeit „ABOUT“. Gut zu sehen ist, dass die Kugel mit „brauner Brühe“ gefüllt ist.

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Beschäftigung mit der rechten Szene. Sein Werk enthält mehr oder weniger deutlich-drastische, mal auf den ersten Blick nicht so leicht zu erkennende Anspielungen auf Terroristen und geistige Brandstifter. Es zeigt einige bekannte Protagonisten, die aus Sicht des Künstlers einiges verbindet. Zu nennen sind da beispielsweise Martin Luther, die Rechtsradikalen Karl-Heinz Hoffmann, Horst Mahler oder Anders Breivik.

Ein zentrales Motiv der aktuellen Ausstellung ist die Figur des rosaroten Panthers. Er führte auf perfide Art und Weise in den NSU-Bekennerbriefen zu deren Opfern. Schoemakers schlägt Paulchen Panther den Kopf ab und sitzt mit „Trophäe“ samt bluttriefendem Schwert auf einen Thron der Selbstgerechtigkeit. Eindrucksvoll sind die auf einer grauen Seitenwand stilisierten zahlreichen rechten Memes.

Diese Ausstellung weckt so oder so Reaktionen beim Publikum und lässt jedem , der sich darauf einlässt, viel Rum für eigene Assoziationen.

Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog (35,- Euro) erschienen. Des weiteren sind auch ironisierende Postkarten im Stile der Partei „Die Rechte“ erhältlich.

Infos zu geplanten Führungen (jeden Sonntag 11:00 Uhr) oder mehr unter

weltgeist-mkk.de, mkk.dortmund.de, facebook.com/mkkdortmund oder instagram.com/mkk_dortmund,




Achtes Kulturfestival „Djelem Djelem“ in Dortmund

Schon zum 8. Mal findet nun in Dortmund das Roma Kulturfestival „Djelem Djelem“ (21. bis 29. August 2021) statt. Das in unserer Stadt etablierte Festival möchte nicht nur den Reichtum der Kunst- und Kulturtradition für die Stadtgesellschaft erlebbar machen, sondern auch Berührungsängste und Vorurteile abbauen. Diskriminierung und Zuweisung einer „Sündenbockfunktion“ in ihren Herkunftsländern (und nicht nur dort) sind leider immer noch verbreitet, wie Kulturdezernent Jörg Stüdemann beim Pressegespräch erläuterte.

Eine große Veranstaltungsgesellschaft, darunter die AWO Dortmund, das Theater im Depot, das Kulturbüro, Grünbau, Carmen e.V und Romano Than – Haus der europäischen Roma sorgen für ein vielfältiges Programm. Sie laden an verschiedenen Orten in Dortmund zu Musik, Tanz und Theater, Lesung, Film, Fortbildung (Workshops), Sportevent und Begegnungen mit der reichhaltigen Romakultur ein.

Zu den Veranstaltungsorten gehören unter anderem das Dietrich-Keuning-Haus und Keuningpark, das Dortmunder U (Kino), das Orchesterzentrum, die Auslandsgesellschaft sowie das Theater im Depot. Zu einzelnen Events sind auch Gäste aus Rumänien Bulgarien (Plovdiv) oder Barcelona eingeladen.

Die Organisatoren vom diesjährigen "Djelem Djelem" versammelten sich im Dietrich-Keuning-Haus.
Die Organisatoren vom diesjährigen „Djelem Djelem“ versammelten sich im Dietrich-Keuning-Haus.

Das Programm startet mit dem Balkan Familienfest mit spartenübergreifenden Musikkulturen am 21.08.2021 (18.00 -22.00 Uhr) im Keuningpark vor dem Dietrich- Keuning-Haus, Leooldstr. 50-58. Wegen der unsicheren Corona-Situation dürfen wahrscheinlich nur 300 – 500 Personen an der Veranstaltung teilnehmen. Als Acts dabei sein werden Denorecords und seine Freunde, Sefer Osmanos, Alex, Skennybeatz, Balkan Brass Band und viele mehr.

Anmeldung (wie auch zu allen anderen Events) beim jeweiligen Veranstalter.

Programm-Flyer und Plakate liegen an den jeweiligen Kulturorten aus!

Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist frei.

In diesem Jahr ist zum erstmals das Internationale Frauen Filmfestival für die Organisation des Kinoprogramms mit an Bord. So ist am 29.08.2021 um 20:00 Uhr im Kino im U „Far From You I Grew (OmU)“ zu sehen. Im Mittelpunkt steht die Lebensgeschichte des jenischen Jungen Nicolas.

Genauere Informationen zum umfangreiche Programm erfahren Sie über den Flyer oder über facebook.com/DJELEM.DJELEM.Dortmund