Meisterwerk-Miniaturen für das Streichquintett

Im Blickpunkt des 2. Kammerkonzert „Meisterwerk-Miniaturen“ der Dortmunder Philharmoniker im hiesigen Orchesterzentrum stand am 29.11.2021 das Streichquintett.

Das Programm bot mit dem Streichquintett Nr. 3 C-Dur KV 515 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1790) und dem Streichquintett F-Dur von Anton Bruckner (1821 – 1896) meisterliche Sinfonik zu fünft für das Publikum.

Die Streicher standen im Mittelpunkt des 2. Kammerkonzertes mit Musik von Mozart und Bruckner. (Foto: © Ri_ya / pixabay)
Die Streicher standen im Mittelpunkt des 2. Kammerkonzertes mit Musik von Mozart und Bruckner. (Foto: © Ri_ya / pixabay)

An der Geige (Violine) waren Oleguer Beltran Pallarée und Joowon Park, den Bratschen (Viola) Hindenburg Leka und Juan Ureña Hevia und am Violoncello Emanuel Matz zu hören. Die beiden Bratschen ermöglichen zusätzliche klangliche Möglichkeiten.

Der erste Satz (Allegro) in Mozarts Streichquintett Nr. 3 C-Dur ist zwar in Form eines Sonatensatzes komponiert, ist dabei aber ungewöhnlich strukturiert und vielschichtig mit überraschenden harmonischen Wegrichtungen.

Das tänzerische verspielt anmutende Menuett im zweiten Satz hat seine Gewichtung im Mittelteil. Der dritte Satz Andante bietet ein spannendes Duett zwischen erster Geige und erster Bratsche.

Beim Finale im letzten Satz (Allegro) ist fantasievoll und das heitere Rondo-Motiv wurde vom Komponisten kunstvoll ausgeschlachtet.

Das folgende Streichquintett F-Dur von Bruckner zeigt die Entwicklung um Jahrzehnte später. Kontrapunktisch abenteuerlich hat es im ersten Satz noch am ehesten Kammermusikcharakter. Deutlich sind die Elemente der „Miniatur-Sinfonik“. An – und Abschwellen der Lautstärke, Motiv-Wiederholungen, Steigerungen oder Pausen. Das Violoncello wird öfter als Zupfinstrument benutzt. Das Scherzo ist skurril, mal flott und tänzerische , dann wieder lyrisch und langsamer.

Besonders bewegend der dritte Satz (Adagio). Der vierte Satz entspricht nicht den üblichen Erwartungen an eine Rondo-Heiterkeit. Es kommt abenteuerlich, gelöst und spielerisch-luftig daher. Zum Ende hin wird es aber, wie bei einem wahren Sinfoniker erwartet hymnisch.

Es ist immer wieder interessant, bei einem Kammerkonzert (intimeren ) die Instrumentengruppen und die hervorragenden Solisten der Dortmunder Philharmoniker genauer kennenzulernen.




Eindringliches „Zwischen den Stürmen“

Am 27.11.2021 hatte im Dortmunder Schauspiel „Zwischen den Stürmen“ unter der Regie von Poutiaire Lionel Somé (Burkina Faso) seine bemerkenswerte Premiere.

Grundlage für die Inszenierung bildete einerseits Shakespeares „Der Sturm“, andererseits das 1969 von Politiker, Schriftsteller und Mitbegründer der Négritude-Bewegung Aimé veröffentlichte „Ein Sturm“. Dieser konzentrierte die Geschichte auf Prospero (von seinem Bruder vertriebene einstige Herzog von Mailand, der zusammen mit seiner Tochter Miranda auf eine einsame Insel strandete.). Als Herrscher der Insel (bei ihm Karibik) unterstützen ihn der Luftgeist Ariel und sein Diener Caliban. „Ein Sturm“ ist eine Art Überschreibung des und Hinterfragung des Originals und stellt Fragen nach Macht, Kolonialisierung und Kultur in den Vordergrund. Somé sucht eine aktuelle Auseinandersetzung mit beiden Autoren und ihren Texten.

Es wurde eine modernen, interdisziplinären Inszenierung mit eindrucksvollen Video-Installationen, starken Bildern und fantasievollen Kostümen. Das Geschehen wurde zudem passend begleitet durch die Musik von Abdoul Kader Traoré.

Sarah Yawa Quarshie als "Caliban"  (Foto: © Birgit Hupfeld)
Sarah Yawa Quarshie als „Caliban“ (Foto: © Birgit Hupfeld)

Eindrucksvoll war das, wenn nötig flexibel nach oben verschiebbare, runde Bühnenkonstrukt mit Stelen, die herausgenommen werden konnten. Die sieben Schauspielerinnen verliehen dem Thema Kolonialisierung und seinen Folgen bis heute eine zusätzliche Authentizität.

Die kurzfristig eingesprungene Marlena Keil spielte den etwas chaotischen, selbstverliebten und herrschsüchtigen Prospero mit viel Humor, Ironie und Temperament. Ariel, gespielt von Valentina Schüle, sehnt sich nach Freiheit und ist hier ein Verbündeter von Prosperos Tochter Miranda (Nika Mišković). Miranda, die seit früher Kindheit auf der Insel lebt, hat im Gegensatz zu Prospero Respekt vor Natur und der Kultur dort und fühlt sich hier frei. Ariel spielt Prospero einfach die Rolle des Ferdinands vor. Prospero wollte den Königssohn mit ihrer Tochter verkuppeln, um wieder Macht zu bekommen.

Selbstbestimmung und kulturelle Identität sucht Caliban (Sarah Yawa Quarshinie). Sein wachsendes Selbstbewusstsein zeigt sich deutlich, als er nur noch mit seinem wirklichen Namen Bamawo angesprochen werden will. Er ist der Sohn der als „Hexe“ verschrienen Sycorax (Storytelling / Co-Autorin Bernice Lysania Akouala). Diese kam Ursprünglich aus Algier, spricht mit ruhiger klarer Stimme und erzählt ihre Geschichte.

Yemaya wird in ihrer Kultur als die Göttin des Meeres und der Mutterschaft verehrt und man hat Respekt vor jeglichem Leben. Die Erde ist für sie nicht „tot“ und kann nicht nach Belieben durch Menschen wie Prospero oder andere Eroberer ausgeplündert werden.

Seine Macht ist gebrochen.

Gehen wir den Weg gegenseitigen Achtung oder der Ausbeutung und Zerstörung fremder Kulturen sowie der Natur? Es liegt an uns. Der nächste „Sturm“, ob gewalttätige Aufstände gegen Unterdrückung oder Umweltkatastrophen kommen sonst schneller als uns lieb ist.

Informationen zu weiteren Aufführungsterminen finden sie wie immer unter

www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50 27 222




Eine musikalische Reise zum Mittleren Osten

Das 2. Konzert für junge Leute entführte das Publikum am 22.1.2021 im Konzerthaus Dortmund unter dem Titel „Traveling through the Middle East“ in die Kultur des Mittleren Ostens.

Die Dortmunder Philharmoniker begab sich gemeinsam mit sieben Solist*innen des Babylon ORCHESTRA Berlin, der palästinensischen Sängerin und Komponistin Rasha Nahas sowie den Reiseblogger*innen Carolin Steig und Martin Merten (WE TRAVEL THE WORLD) in die arabischen Emirate, genauer gesagt: Dubai und Ras Al Khaimah.

Zunächst einmal trafen hier europäische zeitgenössische Musik und der des (urbanen) Nahen und Mittleren Ostens zusammen.

Wüstenromantik trifft auf knallharte Moderne: Dubai (Foto: © M.Hermsdorf / pixelio.de)
Wüstenromantik trifft auf knallharte Moderne: Dubai (Foto: © M.Hermsdorf / pixelio.de)

Dem aus insgesamt 15 Personen bestehenden Babylon ORCHESTRA aus verschiedenen Ländern (Syrien, Irak. Iran, Armenien, Frankreich, Italien u. a.) setzt sich für den Austausch zwischen den unterschiedlichen musikalischen Kulturen ein und damit für ein besseres Verständnis füreinander ein. Als „Reiseführerin“ und Moderatorin des Abends fungierte die Musikvermittlerin Andrea Hoever.

Der künstlerische Leiter und Arrangeur des Babylon ORCHESTRA Mischa Tangian brachte dem Publikum deren anders gestimmten Instrumente (iranische Violine, spezielle Zitter u. a.) näher und auf der großen Leinwand wurden zur Musik passende Bilder projiziert.

Rasha Nahhas überzeugte mit ihrer warmen und voluminösen Stimme. Die Songs musikalisch zwischen Rockabilly, Freejazz und Chanson drehen sich oft um den Konflikt in ihrem Heimatland und deren Folgen für die Menschen.

Die Dortmunder Philharmoniker trug klassisches mit Nikolai Rimski-Korsakows 1. Largo e maestoso aus der „Scheherazade op. 35 oder einen Auszug aus der Maurischen Rhapsodie (Engelbert Humperdinck) bei.

Ein starkes Zusammenspiel boten beide Orchester am Ende mit Isaac Albéniz (Arr. Mischa Tangian) aus der Suite espaňola op. 47 (Nr. 5 „Asturias“).

Die Reiseblogger Carolin und Martin erzählten zunächst etwas über sich und ihre Reisen nach Dubai und Ras Al Khaimah. Es folgte ein musikalisch begleiteter, auf Leinwand projizierter, Videoclip.

Es zeigte den Kontrast zwischen der grandiosen Wüsten, Gebirge mit ihrer Tierwelt und dem urban-glitzernden, auf immer mehr Luxus und Erlebnis-Touristen eingerichtetem Leben in Dubai. Dort zählen nur Superlativen wie zum Beispiel das größte Riesenrad, die längste Wasserrutsche und mehr.

Da bleiben zwiespältige Gefühle. Wie steht es in den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Beispiel aus mit den Frauenrechten oder den Rechten für Homosexuelle? Auch bei der Behandlung von Arbeitsmigranten sieht es – ähnlich wie im benachbarten Katar – problematisch aus.

Musikalisch jedoch bot der Abend ein interessantes Zusammentreffen der unterschiedlichen Kulturen auf hohem Niveau.




Fotokunst zwischen Illusion und Realität

In der Städtischen Galerie Torhaus Rombergpark haben Interessierte vom 21.11.2021 bis zum 12.12.2021 Gelegenheit, vierzehn großformatige fotografische Werke von Rolf Kluge aus den Jahren 2014 bis 2019 unter dem Titel „GegenÜberWelten“ zu sehen. Kluge arbeitet seit 1992 als Fotograf und Grafik-Designer in Lennestadt.

Während seiner diversen Reisen durch die Welt begeisterte ihn nicht nur die jeweilige Architektur in den verschiedenen Ländern und Städten, sondern die Bedeutung einzelner von ihm ausgewählten Fragmente in Bezug zu ihrer Umgebung.

Rolf Kluge vor seinen Arbeiten „Hongkong_2“ und „Guanghzou_2", beide von 2018.
Rolf Kluge vor seinen Arbeiten „Hongkong_2“ und „Guanghzou_2″, beide von 2018.

Mithilfe einer langen Brennweite ist es ihm möglich, aus der Entfernung einen Ausschnitt eines Gebäudes, Restaurants oder Schaufensters zu definieren. Er sieht beispielsweise eine Fassade, folgt seiner Intuition, sucht und definiert den Ausschnitt mit der Kamera. In den Flächen dieses Ausschnitts spiegelt sich das Gebäude oder eine Folie vielfach wider.

Es geht dabei darum, das scheinbar Unüberschaubare und die Details, die sich darin verstecken zu erkunden. Mit seinem visuellen Konzept entsteht eine spannende minimalistisch-abstrakte Formensprache, die von den Betrachtenden entschlüsselt werden muss. Diese werden eingeladen, sich auf Neues, Unerwartetes sowie Rätselhaft-Ungewohntes zu entdecken.

Der Künstler arbeitet mit Verzerrungen und Spiegelungen und bringt so lineare Strukturen in Bewegung. In Bangkok Airport (2015) erzeugen die Spiegelungen etwa den Effekt mehrerer übereinanderliegender Schichten. Hongkong (2018) und Hongkong 2 (2018) zeigen wiederum tanzende Fassaden aus lauter kleiner sich im Licht bewegender Bestandteile und völlige Auflösung der Linearität.

Kluge arbeitet (wie die alten Meister) dabei sehr detailgetreu und wenn er durch Gardinenstoffe oder andere Gitterstrukturen fotografiert, bekommt man als Betrachter das Gefühl, die unterschiedlichen Materialien spüren zu können.

Die Werke haben keinen speziellen Namen, sondern sind nach den jeweiligen Orten benannt.

Eine offizielle Vernissage wird es wegen der Corona-Situation nicht geben.

Das Torhaus ist geöffnet dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ein Rundgang durch die Ausstellung wird auch in der virtuellen Galerie präsentiert: www.virtuellegalerie-dortmund.de




Lebendige Lesung mit Christian Berkel

Im Rahmen des diesjährigen LesArt.Festivals in Dortmund las der bekannte Schauspieler und Autor Christian Berkel im Theater Fletch Bizzel am 06.11.2021 aus seinem neuen Roman „Ada“ (2018). Wegen Corona konnte die schon früher geplante Lesung erst jetzt stattfinden.

Nach seinem erfolgreichen autobiografischen Roman „Der Apfelbaum“ erschien als Folgeroman „Ada“. Im Mittelpunkt steht hier die Geschichte von Ada, die mit ihrer jüdischen Mutter Sala in der Nachkriegszeit zunächst nach Argentinien flieht und 1955 in ein ihr fremdes Deutschland nach Berlin zurückkehrt. In einem noch immer autoritären Land trifft sie auf den lang ersehnte Vater Otto (der war in Kriegsgefangenschaft). Das Familienglück bleibt jedoch aus. In einer „sprachlosen“ Gesellschaft stößt sie auf viel Schweigen (das betraf Opfer wie Täter) über die Kriegszeit und ihre jüdische Familienvergangenheit. Sie sehnt sich nach Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Christian Berkel (links) im Gespräch mit Matthias Bongard. (Foto: © Hartmut Salmen)
Christian Berkel (links) im Gespräch mit Matthias Bongard. (Foto: © Hartmut Salmen)

Der Roman ist gleichzeitig ein Abriss der politischen Entwicklung von der Adenauer-Ära über die 1968er Aufbruchstimmung und Studentenrevolten (Experimentieren mit Drogen, freier Sexualität) bis hin zum Mauerfall 1989.

Berkel begibt sich als Ich-Erzähler empathisch in die weibliche Person der Ada. Wie er während der Lesung erklärte, fühlte er sich am Anfang damit etwas unsicher, ob er so als Mann in eine andere Identität schlüpfen könnte. Seine Verlegerin und Lektorin beruhigten ihn aber, dass das in Ordnung sei.

Der Autor las nicht nur aus seinem Buch, sondern das Publikum (falls es seinen „Apfelbaum“ nicht gelesen hatte) erfuhr auch viel über seine Lebensgeschichte und jüdischen Familienhintergrund, und das er sich damals nicht „richtig und ganz“ gefühlt hatte.

Bereichert wurde der Abend durch ein anschließendes Interview vom WDR Fernseh- und Rundfunkmoderator Matthias Bongard mit Christian Berkel. Da wurden Themen wie etwa der aktuelle Antisemitismus, Verunsicherungen, Verschwörungstheorien, Angst vor dem Fremden und mehr behandelt.

Deutlich wurde wieder einmal, dass Demokratie und Freiheit nichts Selbstverständliches sind. Gerade in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltung ist es notwendig, sich dafür aktiv einzusetzen und sich gegen die Instrumentalisierung von rechten Politikern und Kräften sowie Verschwörungstheoretikern zu schützen und wehren.

Eine interessante und lebendige Lesung.




Musikalisch begleitete Lesung mit Ralf Sotschek

Der Journalist und Autor Ralf Sotscheck (*1954 in Berlin-Landwitz) ist einem breiteren Publikum seit 1991 vor allem durch seine montägliche witzig-skurrilen und manchmal auch makabre Kolumnen in der Berliner taz bekannt. Seit 1985 ist er zudem schon Auslandskorrespondent für Irland und das Vereinigte Königreich für die Zeitung. Er schreibt seit 1990 regelmäßig für das Irland Journal und lebt an der irischen Westküste.

Da kommt genug Stoff für seine Geschichten von Farmern, künstliche Besamung von Kühen, seinen diversen kleinen Abenteuer und Missgeschicke und politischen Inkorrektheiten und ähnlichem.

Friedrich Küppersbusch (links) lauscht den Geschichten von Ralf Sotschek. (Foto: © Hartmut Salmen)
Friedrich Küppersbusch (links) lauscht den Geschichten von Ralf Sotschek. (Foto: © Hartmut Salmen)

Davon gab er am 10.11.2021 im Rahmen des Dortmunder LesArt.Festivals in der Rotunde des hiesigen Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) zum Besten.

Musikalisch stimmungsvoll begleitet wurde er dabei von dem Journalisten, Autor und Fernsehproduzenten (heute-show) Friedrich Küppersbusch und seiner Bandfreud*innen. Neben Küppersbusch (Gitarre) gehörten zu ihr Jürgen Friesenhahn (Percussion), Guido Schlösser (Piano) sowie als Sängerin mit cooler Soul-Stimme, Claudia Zahn.

Dabei zeigte die Band mit einem speziellen Sound eine musikalische Bandbreite. Die ging von einer eigenen Version von „Blue Velvet“ (Bobby Vinton, The Moonglows) bis zu einer eindrucksvollen Interpretation des alten deutschen Song von Paul Kuhn „Schau mich bitte nicht so an.“ (gesungen etwa von Mireille Mathieu).

Eingeleitet und moderiert wurde der Abend von Autorin Frederike Jacob. Mit ihr lieferte sich Sotscheck ein kleines kulinarisches Duell. Während der in Irland beliebte Porridge (Haferbrei) bei dem Autor seit seiner früheren „Kinderverschickung“ nicht in guter Erinnerung ist, liebt Frederike Jacob das „Hafersüppchen“ nach dem Rezept ihrer Großmutter als wärmenden Trostspender.

Das Sotscheck nicht viel für den „Gutmenschen“ Bono (U2) übrig hat, machte er mit einer kleinen Anekdote deutlich.

Ein interessante und humorvoll-ironische musikalische Lesung, bei der nur etwas schade war, dass die kurzen Gespräche zwischen Küppersbusch und Sotscheck nur schwer zu verstehen waren.




MO Kunstpreis 2021 geht an den Künstler Lee Mingwei

Am Sonntag, dem 14.11.2021 um 11:00 Uhr wird schon zum achten Mal der MO Kunstpreis von den Freunden des Museum Ostwall e. V. im gleichnamigen Museum im Dortmunder U (MO, Schaufenster#28 MO) verliehen.

Dieser mit 10.000 Euro dotierte Preis wird alljährlich an eine oder einen Künstler*in verliehen, die/der in der Tradition oder Verwandtschaft der Fluxus-Bewegung arbeitet. Mit diesem Preisgeld wird von den Freunden des Museums ein Kunstwerk erworben, um den Sammlungsbestand mit Schwerpunkt Fluxus zu stärken und zeitgenössische Positionen zu erweitern. Seit 2020 fördert die Stadt Dortmund den Ankauf mit weiteren 10.000 Euro.

In diesem Jahr erhält der taiwanesische Künstler LEE Mingwei (* 1964, lebt in Paris und New York) den begehrten Preis. Die Besucher*innen haben vom 16.11.2021- 30.01.2022 die Gelegenheit, neben der erworbenen partizipatorischen Arbeit „Money for Art“ (2006/2020) auch noch die beiden Leihgaben „100 Days with Lily“ und „Stone Journey“ zu sehen und sich damit auseinander zu setzen.

MO-Kunstpreisträger LEE Mingwei vor einer seiner vom MO angekauften Arbeiten. (Foto: ©Torsten Tullius, Dortmund Agentur)
MO-Kunstpreisträger LEE Mingwei vor einer seiner vom MO angekauften Arbeiten. (Foto: ©Torsten Tullius, Dortmund Agentur)

Denn der Künstler schafft bewusst Situationen, in denen Menschen miteinander in Austausch treten und so einander aber vor allem auch sich selbst befragen können.

Seine emotional bewegenden Arbeiten sind zumeist als langjährige Projekte angelegt,

Das Projekt „Money for Art“ hatte schon in den 1990er Jahren seinen Ausgangspunkt. Es besteht unter anderem besteht aus fünf von ihm erschaffenen Origami-Skulpturen, die der Künstler aus 100-Dollar-Scheinen individuell gefaltet hat und in einem Objektkasten untergebracht hat sowie fünf begleitende Fotografien. Diese zeichnen das gleichnamige Projekt aus dem Jahr 1994 nach, bei dem LEE Mingwei der Frage nachging: Unter welchen Bedingungen kann man den Wert von Kunst in Geld bemessen? Damals bot er in einem Restaurant neun interessierten, ganz unterschiedlichen Menschen Origami-Skulpturen aus 10 Dollar-Scheinen unter der Bedingung, mit ihnen ein Jahr lang in Kontakt zu bleiben. Er wollte sehen, was in dieser Zeit aus den „Geld-Skulpturen“ geworden war. Interessant war, dass einige von ihnen die Skulpturen in Schuhe oder Essen veräußert haben, einem wurde sie gestohlen, aber gerade der Obdachlose John sie besonders wertschätzte und sie anderen Menschen zeigte.

Mingwei erzählte beim Pressegespräch, dass er immer noch Kontakt zu ihm hat und seine „10 Dollar-Schein-Skulpturen“ immer mal wieder erneuert hat. Das Spannungsfeld zwischen materiellem Wert und ideellem künstlerischen Wert steht hier im Mittelpunkt.

Bei seinem ersten Projekt „100 Days with Lily“ geht es in fünf großformatigen Fotografien um ein besonderes Ritual zur Verarbeitung des schmerzlichen Verlusts seiner Großmutter. Der Künstler ist dort über 100 Tage hinweg mit kurz geschorenen Haaren in grau gekleidet (an einen tibetanischen Mönch erinnernd) immer mit einer Narzisse zusammen zu sehen. Eine Blume, die im Leben seiner Oma sehr präsent gewesen war und die er mit ihr verband. Narzisse konnte er damals übrigens schwer aussprechen, deshalb „Lily“).

Für das Multiple „Stone Journey“ sammelte LEE Mingwei elf eiszeitliche Steine von Neuseelands Südinsel, von denen er jeweils ein Bronze-Replik erstellte.

Wer die beiden Steine erwarb, wurde aufgefordert, sich von einem der beiden Steine (Naturstein oder Replik) zu trennen und einen geeigneten Ort für ihn zu suchen. Was bedeutet es, etwas zu besitzen und zu entscheiden, was eigentlich kostbarer ist? Das ist hier die Frage.

Übrigens:

Dr. Sarah Hübschner und Elvira Neuendank vom Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaften und Berufspädagogik an der TU Dortmund haben mit ihren Studierenden als Begleitprogramm ein Vermittlungsprojekt entwickelt.

Vormerken können sich Interessierte schon einmal den 21.01.2022. Dann wird es eine Diskussion zum Thema „Rituale“ mit den Studierenden geben.

Zu sehen ist die Ausstellung im MO Schaufenster vom 16. November 2021 bis zum 30. Januar 2022.




Belebend frischer Wind beim Geierabend 2022

Dortmunds alternativer Ruhrpottkarneval „Geierabend“ findet am 06.01 2022 mit der Premiere unter dem passenden Motto „Den ham wa uns verdient“ wie gewohnt auf Zeche Zollern statt. Geplant sind 36 Vorstellungen bis Aschermittwoch. Mit einigen Neuerungen und frischen Elan geht das Ensemble die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie an.

Zunächst gibt es mit WortLautRuhr (Herne) einen neuen Veranstalter. Lea Zymny erklärte für diesen bei der Pressekonferenz am 11.11.2021 (bei Herr Walter , Do-Hafen), dass sie sich sehr über die gute Zusammenarbeit mit dem Geierabend-Ensemble freue.

Bereit für die kommende Session: (v.l.n.r.) Lea Zymny (Veranstalterin), Martin Kaysh (Geierabend-Ensemble), Sandra Schmitz (Geierabend-Ensemble), Murat Kayi (Geierabend-Ensemble), Präsident Henri Marczewski und Matthias Dornhege von der Geierabend-Band)
Bereit für die kommende Session: (v.l.n.r.) Lea Zymny (Veranstalterin), Martin Kaysh (Geierabend-Ensemble), Sandra Schmitz (Geierabend-Ensemble), Murat Kayi (Geierabend-Ensemble), Präsident Henri Marczewski und Matthias Dornhege von der Geierabend-Band)

Es gibt zudem ein frisches Regie-Team um Joey Gerome Porner und Björn Jung, dem auch Till Beckmann angehört.

Dazu kommen zwei neue Autor*innen mit Tobias Brodowy und Spiegel-Bestsellerautorin Sabine Bode aus Bochum sowie als neue Mitspieler*innen auf der Bühne Nina Mühlmann, Ute Einhaus und Angelo Enghausen Micaela.

Das verspricht neue Impulse und Ideen.

Murat Kayl vom Ensemble verriet, dass für die Zukunft einiges geplant ist. Es soll sich zum Beispiel auch intensiver um die Suche und Schulung von jungem Nachwuchs gekümmert werden. Und sich breiter in den Medien aufgestellt werden.

„Steiger“ Martin Kaysh freut sich auf die Inhalte des neuen Programms. Es soll eine bunte Mischung aus knallharten Kabarett, durchgedrehtem Klamauk und hinreißender Musik-Comedy werden. Eine Zukunftsvision von „Warten auf Godot“ soll beispielsweise dabei sein. Es wird sich auch „Verwandten“ von Politikern (etwa von Olaf Scholz) angenommen. Mal sehen, was die neue Regierungskoalition in nächster Zeit noch für Stoff anbietet.

Der „Pannekopp-Orden“ wird auch in dieser neuen Session ausgelobt. Stellvertreten für die vorgeschlagenen Personen oder Organisationen werden jeweils die Ensemble-Mitglieder gegeneinander mit „starken“ Argumenten antreten und das Publikum überzeugen.

Pandemie-bedingt finden alle Auftritte unter strikten Hygieneauflagen mit 2G (geimpft und genesen) statt. Das Kartenkontingent wurde pro Auftritt radikal von 430 auf 250 Personen herabgesetzt, um den nötigen Abstand einhalten zu können und sich sicher zu fühlen. Pro Block stehen nicht mehr fünf, sondern nur noch vier Biertische zu je zwölf Zuschauern. Statt 90 Gästen sitzen pro Abschnitt nur noch48 Personen.

Der Vorverkauf startet am 11.11.2021. Tickets gibt es an allen Vorverkaufsstellen und unter www.eventim.de .




Mäusekens Sehnsucht nach einem Mäuserich

Die Kulturbrigaden haben unter der Regie von Kathrin Brunner im Dortmunder Theater Fletch Bizzel am 07.11.2021 passend zur Vorweihnachtszeit das Puppenspiel „Mäuseken Wackelohr“ (ab 4 Jahren nach der Fabel von Hans Fallada) als Premiere auf die Bühne gebracht.

Alle Puppen im Stück wurden mit viel Engagement, Witz und Empathie von Bettina Stöbe geführt, gesprochen, gesungen und gespielt. Mitgespielt hatte sie unter anderem schon bei der Produktion „Piratenmolly Ahoi“.

Musikalisch begleitet wurde die Geschichte am Piano stimmungsvoll weihnachtlich oder dramatisch wie in einem Krimi von Dixon Ra (Musikalischer Leiter).

Happy End. Mäuseken und Mäuserich sind zusammen. (Foto: © Kulturbrigaden)
Happy End. Mäuseken und Mäuserich sind zusammen. (Foto: © Kulturbrigaden)

Auf drei flexibel drehbaren Gestellen auf Rädern waren liebevoll drei kleine Häuser aufgebaut. Die ließen sich nach Bedarf festlich beleuchten und in einem war sogar ein winziger Aufzug eingebaut, mit dem Mäuseken auf und ab fahren konnte.

Die Story spielt um die Weihnachtszeit und das Mäuseken Wackelohr fühlt sich besonders alleine und sehnt sich nach einem liebevollen Mäuserich. Den Namen Wackelohr bekam sie übrigens nach einer Attacke einer gefräßigen Hauskatze. Plötzlich sieht Mäuseken auf der anderen Straßenseite einen coolen Mäuserich, in den sie sich verliebt. Wie aber über die Straße gelangen, ohne von der Katze gefressen zu werden? Vermeintliche und nicht uneigennützige Hilfe bietet eine Ameise an. Wirkliche Unterstützung bekommt sie aber von ein einer Taube…

Am Ende sangen und tanzten Mäuseken und Mäuserich noch zwei coole Weihnachts-Raps.

Eine zauberhafte Geschichte für „kleine und große Kinder“ um die Macht der Liebe und über falsche, beziehungsweise richtige Freunde.

Weitere Aufführungstermine:

So. 05. Dezember, 11:00 und 15:00 Uhr

Mi. 15. Dezember, 10:00 Uhr

Mi. 22. Dezember, 10:00 Uhr

Eintritt: 8€

Mehr Informationen unter www.fletch-bizzel.de




Constanzes Befreiung in der Jungen Oper Dortmund

Mit „Constanzes Befreiung“ brachte die Junge Oper in Kooperation Dortmund am Samstag, dem 30.10.2021 um 15:00 Uhr „Die Entführung aus dem Serail“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1793) aus der Sicht des Raben Rik einem jungen Publikum (ab 6 Jahren) näher.

Auf der kleinen Bühne befand sich neben Christoph JK Müller als musikalischer Leiter am Klavier auch noch Dominik Kastl als Erzähler der Geschichte.

Ruth Katharina Peeck, Sooyeon Lee und Marcelo de Souza Felix bei einer Aufführung aus "Constanzes Befreiung" (Foto: © Björn Hickmann, Stage Pictures)
Ruth Katharina Peeck, Sooyeon Lee und Marcelo de Souza Felix bei einer Aufführung aus „Constanzes Befreiung“ (Foto: © Björn Hickmann, Stage Pictures)

Puppenspieler Udo Wodrich war nicht nur für den Raben Rik, sondern auch für die anderen Puppen zuständig, die fast identisch gekleidet waren wie ihre lebendigen Pendants auf der Bühne.

Die Constanze wurde von Anna Lucia Struck (Sopran), Belmonte von einer Ruth Katharina Peeck (Mezzosopran) und Osmin von Marselo de Souza Felix (Bariton) des Ensembles stimmgewaltig gesungen und lebendig dargestellt.

Der freche Rabe Rik möchte mithilfe von Dominik seine ganz „eigene Version“ der Geschichte von Mozarts Singspiel erzählen. Mit seiner forschen und witzigen Art bringt er zwischendurch das junge Publikum zum Lachen. In seiner Version liegt es an Belmonte, Constanze aus den Fängen ihres Entführers Osmin zu befreien. Mit dem ist nicht zu spaßen…

Die Kinder werden auch in das Geschehen mit einbezogen, als es etwa um die Frage geht, wie man Constanze am besten befreien könnte.

Interessant bei der Aufführung war, dass die Puppen gleichberechtigt neben den Sänger*innen agierten. Manchmal zusammen, manchmal getrennt.

Natürlich gibt es auch ein Happy End und Osmin muss erkennen, Constanze und Belmonte sind füreinander bestimmt und er lässt sie frei.

Zum Schluss stehen alle Sänger*innen zufrieden zusammen mit ihren Puppen-Pendants auf der Bühne.

Ein gelungener und guter Versuch, kindgerecht junge Menschen für die Oper zu interessieren.

Informationen zu weiteren Vorstellungen unter www.theaterdo.de oder Tel. 0231/5027222