Was ADHS mit Betroffenen und ihrem Umfeld macht

Am Freitag, den16.09.2022 stand als Premiere im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) in der neuen Saison 2022/23 mit „Wild!“ (Stück von Evan Placey, ab 8 Jahren) ein Thema mit emotionaler Brisanz auf dem Spielplan. Regie hatte Milan Gather.



Die Diagnose ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) wird bei immer mehr Kindern von Ärzten diagnostiziert.

Die betroffenen Kinder können sich schlecht konzentrieren, können schlecht zuhören, nicht lange ruhig sitzen und haben einen starken Bewegungsdrang.

Sie lassen sich von ihren Gedanken und Dingen, die in der Umgebung passieren leicht ablenken. Dabei sind viele auch recht kreativ. Ihre Familie und ihr weiteres Umfeld (etwa Schule) stellen sie vor große Herausforderungen und werden selbst oft zu Außenseitern.

Zur Behandlung stehen Therapien und Medikamente (bekannt: Retalin) zur Verfügung. Die Medikamente wirken jedoch nicht auf Dauer, machen müde und wirken verändernd auf die Persönlichkeit.

Zum Stück: Bei Billy (gerade 11 Jahre alt) summen die Gedanken wild in seinem Kopf herum. Auf ihn treffen alle oben genannten ADHS-Symptome zu. Besonders nah fühlt er sich den Bienen aus dem Bienenstock seines Vaters, der die Familie anscheinend verlassen hat und woanders wohnt. Sie sind scheinbar chaotisch und wild, haben jedoch alle ihre wichtige Funktion.

Die Mutter sieht eigentlich ein, dass ihr Sohn Hilfe braucht. In der Schule ist er auffällig, seine Mitschüler nennen ihn „Billy Biene“. Wenn sein Vater einmal da ist, streiten seine Eltern. Das Verhältnis zum ist gestört. Billy möchte vor allem seinen Vater beweisen, was er kann. Er wünscht sich nicht nur, dass sein Vater zu seinem Geburtstag kommt, sondern kämpft um dessen Beachtung und Zuneigung….

„Wild“ ist ein Solo- Schauspielstück mit musikalisch passender Klang-Begleitung.

Der KJT-Schauspieler Thomas Ehrlichmann schlüpfte sensibel in die Person des Billy sowie zusätzlich noch in die Rolle der Mutter, des Nachbarjungen Justus, Therapeuten oder die des Bruders.  

Auch körperlich verausgabte er sich voll auf die Klettergerüst-Umrahmung des auf der Bühne aufgestellten kleinen Hauses.

Die Schuldgefühle seiner Eltern, die Verzweiflung des Billy – besonders als er erklärt, dass er sich als „beobachtetes Versuchsobjekt“ fühlt, wurden eindrucksvoll dargestellt.

Stark war auch sein kongenialer musikalischer Partner Lukas Joachim an verschiedenen Instrumenten.

Rainer Kleinespel und Bianca Lammert (KJT) liehen Vater und Mutter ihre Stimmen.

Weitere Aufführungstermine erfahren Sie unter www.theaterdo.de




Fiona Banner und das künstlerische Spiel mit Gegensätzen

Auf der 3. Etage des Dortmunder U hat der Hardeware MedienKunstVerein (HMKV) sein Zuhause. In den nächsten Monaten, vom 17.09.2022 bis 29.01.2023 können dort Besucherinnen und Besucher die Ausstellung „Pranayama Typhoon (Soft Parts Wing Flap Fin)“ der britischen Künstlerin Fiona Banner aka (genannt) The Vanity Press sehen und erleben.



Wie Dr. Inke Arns beim Pressegespräch verriet, wurde sie bei eben dieser Ausstellung der Künstlerin im April dieses Jahres in einer Kirche aufmerksam.

Das Fiona Banner (*1966) mit Gegensätzen spielt, wird schon beim Titel deutlich. Das Wort „Pranayama“ ist eine uralte Atemtechnik, während „Typhoon“, ein immer häufiges auftretendes Naturphänomen, aber gleichzeitig den Namen eines hochmodernen Kampfflugzeuges beinhaltet.

Die Ambivalenz manifestiert sich auf besondere Weise in die „kalten Tötungsmaschinen“ und dem „weichen Stoff“ der Attrappen. Assoziationen zu (aktuellen) Kriegen kommen da manchen Betrachtenden wohl in den Sinn.

Die Künstlerin nutzt unterschiedliche Medien als Ausdrucksform.

So befinden sich mitten im Raum (3. Etage HMKV) aufgeblasene graue Flugzeugteile in Originalgröße (Außenhülle, Planen) als gemütliche weiche Sitzgelegenheiten. Das weiche Material steht hier wieder als Gegensatz zum martialischen Kampfflugzeug.

Frontal ist das ungefähr zehnminütige Video „Pranayama Organ (2021), gedreht an der südenglischen Küste (am Kanal) auf einer großen Leinwand zu sehen. Es zeigt zwei aufblasbare Flugzeug-Attrappen in Originalgröße, eine Typhoon und eine Falcon. Im Morgengrauen tauchen zwei Figuren auf, gekleidet als die beiden Kampfflugzeuge. Sie sind in eine Art kämpferischer Bindung gefangen. Gleichzeitig treibt sie ein unerfülltes Verlangen nach Intimität. Es ist ein Ritual aus Balz und Kampf. Die in einer Londoner Kirche aufgenommen Orgelklänge (verweisen auf den Kult-Song „Wild ist the Wind“) sowie Geräusche des Winds unterstreichen die Spannung des Werks.

An der rechten Seite befindet sich ein „atmende“ aufgeblasene Kampfflugzeug-Attrappe in Originalgröße.

Verteilt über den Raum sind unter dem Titel „Fallstop Sea Scapes (2020-20222) fünf kleine gefundenen Gemälde, die das Meer zeigen zu sehen. Banner hat hier die ursprünglichen Motive, Seeschiffe, Schlachtschiffe oder Zerstörer, übermalt und stattdessen durch schwarze, in Öl gemalte Punkte (Interpunktion) ersetzt. Das sorgt für eine besondere Strukturierung.

„Runway“ (September 2021) stammt aus einer Serie für die koreanische Vogue, als die Künstlerin für Seoul ausstellte. Sie nutzt das Magazin-Format als skurrile, Performance-Raum, indem sie aufblasbare Flugzeuge als Ersatz für Kostüme und Requisiten einsetzt. Sie verweist so auf den Laufsteg als theatralischen Mode-Raum und zudem als Startrampe für ein Fluggeräte.

„Dear Bathos, Love…“ (2022), ein Film auf einem Monitor, zeigt eine ISBN-Nummer (2009 gab sich die Künstlerin selbst eine ISBN-Nummer und registrierte sich als Publikation unter ihrem eigenen Namen) auf einer Art Liedtafel wie sie es in Kirchen gibt. Es wurde der Verlauf des Sonnenlichts auf der Tafel im Laufe des Tages beim Dreh in ihrem Atelier aufgezeichnet. Ein verweis auf einen Zustand oder Gefühl.

Die Ausstellungseröffnung findet am Freitag, den 16.09.2022 um 17:00 -22.00 Uhr auf der 3. Etage des Dortmunder u statt.

Führungen: Immer am Sonntag um 16:00 Uhr! Online-Führungen immer zweimal im Monat.

Weitere Infos zur Ausstellung auf der Seite des HMKV.




Facettenreiche Internationale Ballettgala XXXV

Die 35. Internationale Ballettgala fand im Dortmunder Opernhaus am 10.09.2022 (zweiter Termin 11.09.2022) wieder einmal vor (nahezu) vollem Haus statt. Darüber waren alle Beteiligten in diesen turbulenten Zeiten glücklich.



Der Intendant des Dortmunder Balletts Xin Peng Wang und sein Team haben es wieder einmal geschafft, ein vielseitiges Programm mit Ballettgrößen aus New York, Toronto, London, Paris, Madrid, Lissabon, Hamburg oder München in unsere Stadt zu locken. Die Dortmunder Compagnie brachte Auszüge aus den Produktionen von Wang (Faust II, Faust I, Tschaikowsky) und zum Schluss das trotz aller schlimmen Nachrichten optimistische „Full of Life“ (Choreografie: Xin Peng Wang) auf die Bühne.

Durch das Programm führte wie immer mit Charme und Humor Kammersänger Hannes Brock.

Die Bandbreite der Vorführungen war groß. So waren etwa das klassische Ballett mit „Don Quixote“ mit den technischen Perfektionisten Maria Kochetkova und Osiel Gouneo ((Bayrisches Staatsballett München) oder Tschaikowskys Pas de deux (Skylar Brandt, Herman Cornejo).

Einen großen Raum nahm das moderne zeitgenössische Ausdrucks-Ballett ein.

Drei starke Beispiele waren da „The Gust“ Choreografie und Tanz: Sebastian Kloborg, Dänemark) oder „Rush for Full“ (Maria Kochetkova, Sebastian Kolborg) oder „12“ Filipa de Castro, Carlos Pinillos, Portugal).

Das man Tradition und modernes Ballett wunderbar verbinden kann, bewiesen bei der ersten Uraufführung des Abends „In progress?“ Juliette Hilaire und Caroline Osmont. Unterstützt wurden sie von Osiel Gouneo. Später begeisterten sie bei „Body and Soul“.

Ein großes Vergnügen war, das NRW Juniorballett bei der dynamischen Uraufführung von „Exhale“ unter der Choreografie von Márcio Barros Mota zu erleben.

Traditioneller Gesang (Midori Marsh) mit Live-Begleitung am Flügel (Michal Bialk) musste bei der Uraufführung von „Lúa descoloriada“ ohne Verbindung mit Ausdruckstanz seinen Reiz entfalten. Evan McKie (The National Ballet Canada) war wegen einer Lebensmittelvergiftung.

Gesangbegleitung gab es auch bei „Seda“. Maria Berasate begleite mit ihrem traditionellen Gesang eifühlsam die ausdrucksstarken Bewegungen von Iratxe Ansa und Igor Bacovich.

Die letzte Uraufführung des Abends bildete „Matilda Dulzura“. Auch hier konnten Filipa de Castro und Carlos Pinillos.

Für romantischte Momente sorgten Alina Cojocaru und Alexandr Trusch (Hamburg Ballett) beim Programmpunkt „Kameliendame“ mit viel Feingefühl zu der Musik von F. Chopin.

Die Leistungen wurden vom Publikum mit viel Applaus belohnt.




MO Kunstpreisträgerin 2022 heißt Hannah Cooke

Am Sonntag, dem 11.September 2022 verleihen die Freunde des Museum Ostwall e.V. nun schon zum neunten Mal den mit 10.000 Euro dotierten MO_Kunstpreis für dieses Jahr im Dortmunder Museum Ostwall im U (Schaufenster). Mit dem Preisgeld wird ein Kunstwerk für die Sammlung des MO erworben. Seit 2020 unterstützt die Stadt Dortmund den Ankauf mit weiteren 10.000 Euro.



Das Ziel ist, den Fluxus-Schwerpunkt der Sammlung zu stärken, und um zeitgenössische Positionen zu erweitern.

In diesem Jahr geht der begehrte Preis an die Künstlerin Hannah Cooke (Jahrgang 1986, Karlsruhe). Ihr Bezug zu Fluxus liegt in ihrer (kritischen) Auseinandersetzung mit Themen des täglichen Lebens. Sie erforscht mit ihren Arbeiten sensibel gesellschaftliche Schieflagen.

Wie sie selbst sagt, steht am Anfang die Idee. Mit Sorgfalt und Akribie recherchiert Cooke ihre Werke zu Themen wie institutionelle Hierarchien und Strukturen (auch innerhalb des Kunstbetriebs) oder Genderfragen. Danach setzt sie sie mit Humor in Performance, Videos, Fotografien oder Installationen um. Dabei bietet sie keine einfachen Lösungen an, sondern regt die Betrachtenden subtil an, ihre Sinne für die erkannten Schieflagen zu schärfen.

Im Anschluss an die Preisverleihung am 11.09.2022 um 11:00 Uhr wird im Mo_Schaufenster (5. Etage im Dortmunder U) eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin eröffnet. Zu sehen sind u.a. ihre angekauften Videoinstallationen „Ada vs. Emin“ und „Ada vs. Abramović“ zu sehen.

In ihren beiden rekonstruktiven Videoinstallationen stellt sie zusammen mit ihrer 2018 geborene Tochter Ada (damals noch Säugling) mit ihrer unterschiedlichen Position den beiden einflussreichen Künstlerinnen Tracey Emin und Marina Abramović gegenüber. Im Gegensatz zu ihr vertreten die beiden vorgeblichen Feministinnen die Position, das es nicht möglich ist, gleichzeitig eine gute Mutter und erfolgreiche Künstlerin zu sein.

Eindrucksvoll ist auch ihr Wandteppicharbeit „Bitter Pills“ (100 % Schurwolle, Spiegel). Der von Hannah Cooke handgetuftete Wollteppich zeigt in der Mitte eine übergroße Vulva (Symbol für die Bedeutung des weiblichen Körpers für das Gebären von Leben). Die Hyänen an den vier Ecken weisen auf die von der Psychoanalyse zugeordneten „Hysterie“ hin. Die vielen bunten Pillen auf die Belastung des weiblichen Körpers zum Beispiel durch die „Anti-Baby-Pillen“.

Jenseits der Gynäkologie nehmen Mediziner und Pharmakologen lieber den männlichen, als den „zu komplexen“ Körper der Frauen als Grundlage für ihre Forschungsarbeiten. Dies hat weitreichende Folgen für die medizinische Versorgung für den weiblichen Teil der Bevölkerung.

Das nur als kleiner Anreiz für einen Besuch der Ausstellung. Es gibt auch wieder ein umfangreiches Begleitprogramm. Mehr darüber erfahren Sie über die internet-Seite des Museum Ostwall im U.

Die Ausstellung läuft vom 13. September 2022 bis zum 8. Januar 2023.




Der Produktionsprozess als Kunstwerk

Die Künstlervereinigung „Dortmunder Gruppe“ zeigt vom Sonntag, den 11.09.2022 bis zum 02.10.2022 zum letzten Mal in den Räumlichkeiten der BIG Gallery (Dortmund, Rheinische Straße 1) eine Performance und Ausstellung „MNZ“.

Pia Bohr und Alexander Pohl berichtete beim Pressegespräch über den Hintergrund diese besonderen Performance-Ausstellung.



Schon seit einiger Zeit wurden die Bedingungen für die Künstlergruppe in der BIG Gallery wohl immer schwieriger. Am Ende fühlte man sich mit den jährlichen Ausstellungen der Bilder und Skulpturen eher als schmückendes Beiwerk für Meetings beispielsweise im Haus.

Die Städtische Galerie Torhaus Rombergpark reicht alleine nicht aus. Nun ist man auf der Suche nach einem geeigneten Ort für die Künstlervereinigung.

Günstige Discounterkunst auf der einen, super teure, im Augenblick gefragte „hippe Kunst“ machen es örtlichen Kunstschaffenden schwer, ihre Werke zu verkaufen. Die Künstler*innen der „Dortmunder Gruppe“ spielen in ihrer Performance „MNZ“ mit diesen traurigen Blüten der Kunstwelt.

Der Ausstellungsraum der BIG Gallery wird zur Produktionsstraße, jeder der beteiligten Künstler*innen ein Rädchen in der Kunstmaschine und Diener des Produktionsprozesses.

Vierzig identische Bilder werden nach einer typischen Dortmunder Bildvorlage (Siegelpils-Flasche) auf eine Leinwand im Format 60×80 cm in einer kollektiven, seriellen Produktion hergestellt. Das Ergebnis wird direkt im Anschluss im Ausstellungsraum gehängt. Es kann vor Ort reserviert und für 19,98 Euro käuflich erworben werden.

Neun Künstler*innen sind um einen langen mit Malerfilz abgedeckten langen Tisch gruppiert mit Stationen wie am Fließband. Vorne bei Station 1 kommt eine identische reproduzierte Vorlage hinein, die von Station zu Station mit verschiedenen Farben akribisch ausgemalt werden.

Immer dieselben Farben und Striche, über mehrere Stunden. Am Ende kommt eine Serie von Kopien ein und desselben Bildes als Ergebnis eines kollektiven Prozesses heraus. Dieser wird von vier Personen am Tischende sorgfältig und genau beobachtet. Antreibende Musik läuft im Hintergrund. Bei kleineren Auszeiten bei diesem Marathon sind „Springer“ zur Stelle.

Jede Kopie ein Original! Es stellt sich die Frage. Was ist Kunst?

Eine sich Kunst und kulturbeflissene darstellende Stadt wie Dortmund sollte sich überlegen, mehr für die hiesigen bildenden Künstler*innen zu tun. Die Performance beginnt am Sonntag, den 11.09.2022 um 11:00 Uhr und geht bis ca. 17:00 Uhr.




Das NEINhorn – Kindertheaterstück um Schwierigkeit des Neinsagens

Im freien Dortmunder Theater Fletch Bizzel gastierte am 04.09.2022 das Duisburger KJT KOM’MA mit dem „NEINhorn“ (nach dem Buch von Marc-Uwe Kling). Regie führte Rene Linke und aus dem Ensemble spielten Christina Wouters und Sascha Bauer.



Bei der Geschichte geht es um ein Einhorn, das in einer traumhaften Welt, in der es alles gibt, was sich Kinder so wünschen (Glücksklee und Zuckerwatte). Alle wollen nur kuscheln und tanzen. Darauf hat da Einhorn keine Lust und sagt zu allem „Nein!“. Das Wort weckt Zauberkräfte und kann die anderen Menschen (Eltern und Freunde) vor den Kopf stoßen und nerven. Manchmal ist diese N-Wort aber auch ein Irrgarten und eine Sackgasse. Das NEINhorn muss sich mit einem Waschbären (will nicht zuhören, einem Hund (ihm ist alles schnuppe), und einer Prinzessin, die immer Widerworte gibt, auseinandersetzen.…

Das Schauspiel fand auf zwei Ebenen statt. Auf der einen Seite waren da beiden Schauspieler*innen, die mit viel Lust an ein wenig Albernheit und Spaß am Spiel in ihren weißen Overalls mit Handpuppen, Requisiten (Einhorn, Krone und Prinzessinnenrock) auf der Bühne agierten. Sie schafften schnell einen guten Draht zu den Kindern im Publikum, die begeistert jede Gelegenheit nutzten, zum Beispiel bei den Wortspielen oder mit Zwischenrufen sich rege zu beteiligen.

Im Hintergrund war zudem noch eine Leinwand aufgebaut. Die Geschichte wurde dort mit wunderbar witzigen Illustrationen von Karl Uhlenbrock begleitet.

Es ist eine lebendige und mitreißende Geschichte um die Schwierigkeit und wichtige Bedeutung des Neinsagens. Nur so können wir eigenen Bedürfnisse und Wünsche kennenlernen und uns eventuell vor unerwünschten Übergriffen schützen. Sie erzählt, wie schnell man sich dabei verrennen kann, zudem jedoch, wie man mit Spielspaß und Phantasie aus einer Sackgasse herauskommen kann.

Wir leben nicht allein auf der Welt und Rücksichtnahme auch auf die Bedürfnisse der anderen Erdbewohner sind für ein friedliches Zusammenleben notwendig.




Künstlerische Arbeiten zum Thema „Lost Paradises“

In der Städtischen Galerie Torhaus Rombergpark in Dortmund sind vom 21.08.2022 bis zum 11.09.2022 unter dem Titel „Lost Paradises“ 39 Arbeiten (Malerei /Collage /Plastiken) der Lüdenscheider Künstlerin Gabriele Püttmann ausgestellt. Die Werke entstanden 2004 bis aktuell 2022.

Wenn man die spezielle Örtlichkeit der Galerie des Torhauses am idyllischen Rombergpark betritt, fallen einem sofort die farbenfrohen abstrakt-surrealen Bilder auf Leinwand (Acryl, Ölmalerei, Strukturspachtel bearbeitet, teilweise Schichtungen von Papier auf Folie) ins Auge. Der Bezug zu paradiesischen Arkaden-Gärten und Landschaften drängt sich dem betrachtenden Menschen auf. Gleichzeitig wird die Bedrohung „des Paradieses“ spürbar materialisiert. Die Landschaften werden durch die Interpretation der Künstlerin expressiv überformt.



Ihre Plastiken (Keramik) stellen stilisierte Personen oder Gegenstände in Zuständen des Wartens, des gebunden oder losgelöst Seins, oder der Bewegung in Zeit und Raum dar. So werden etwa einem aneinander gebundenen ein losgelöstes Paar neben einander gestellt. Das assoziiert den Wunsch nach Nähe und gleichzeitig Eigenständigkeit der Personen. Ein Reduktionsbrand mit Oxiden verleiht den Oberflächen der Objekte einen archaischen Touch.

Symbolkraft steckt zum Beispiel auch in einem löchrigen Bootswrack (Keramik, Rauchbrand).  Damit kommt man nicht weit und es weckt Assoziationen an die vielen Flüchtlingsboote…

Eindrucksvoll steht in der Mitte des Raumes ein großer, herausgearbeiteter Teller aus Fichtenholz mit übereinander gekreuzten Riesenlöffeln aus Holz. Da stellt sich die Frage. Wieviel bekommt wer von diesem der Gesellschaft ab?

Die Arbeiten sind sowohl ein Entwurf von Wirklichkeit als auch die Erinnerung an diese in Bildern.

Öffnungszeiten:

dienstags – samstags, 14:00-18:00 Uhr

sonn- und feiertags, 10:00-18:00 Uhr

Der Eintritt ist frei.




Roman um Emanzipation, Mut, Schuld und politische Manipulation

In ihrer ersten Romanveröffentlichung „Wenn alle schweigen“ erzählt die in Dortmund beheimatete Autorin Cornelia Ertmer (Jahrgang 1953) mit schonungsloser Direktheit und viel Empathie die Geschichte dreier Frauen vor dem Hintergrund der Kaiserzeit, dem I. und II. Weltkrieg bis in Nachkriegszeit hinein.

Erna, Tochter Martha und Enkelin Clara sind jeweils unter den gegebenen Umständen auf der Suche nach Glück, Liebe und einem selbstbestimmten, eigenständigem Leben.

Familiengeschichte um Emanzipation durch die Jahrzehnte. (Cover © OCM Verlag)
Familiengeschichte um Emanzipation durch die Jahrzehnte. (Cover © OCM Verlag)

Während Erna als Frau eines Heuerlings im Münsterland in den engen und starren politischen wie religiösen Grenzen des ausgehenden 19. Jahrhunderts gefangen ist, versucht sich ihre vergewaltigte und ausgestoßene Tochter Martha sich so gut es geht dagegen zu wehren und findet Mitstreiterinnen in ihrem bestreben nach Eigenständigkeit.

Erst Ernas Enkelin Clara gelingt es, sich aus den Fesseln der traditionellen Geschlechterrolle und geltenden Konventionen zu befreien. Sie könnte ein glückliches Leben führen, wären da nicht die Schicksalsschläge, die ihr ihren Mann und ihre Tochter rauben. Ihre verstorbene Mutter hat das Geheimnis um ihren leiblichen Vater mit ins Grab genommen. Erst nach dem II. Weltkrieg gelingt es ihr , die Spurensuche nach dem Vater wieder aufzunehmen.

Das Schweigen aus Scham oder anderen Gründe spielt eine große Rolle in dem Roman. Die Autorin lässt ihre Leser*innen anhand wichtigen und prägenden Jahreszahlen für die für die Romanhandlung bedeutenden Personen teilhaben. Dabei wird das gesellschaftspolitische Leben zwischen 1895 bis in die Nachkriegsära unter Adenauer sichtbar und die Auswirkungen von gezielter Propaganda und Krieg vor Augen geführt. Die zunehmende Entmenschlichung und persönliche Kampf dagegen wird in den Textzeilen spürbar.

Cornelia Ertmers Roman ist ein Plädoyer gegen stumpfes schwarz-weiß denken und eine Aufforderung, mutig seinen kritischen Verstand zu gebrauchen. Auch heutzutage müssen Frauen immer noch um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Ausbeutung und einiges mehr kämpfen.

Die Stammbäume der beiden Familien, die für den Romans von Bedeutung sind, wurden am Anfang und Ende im Deckblatt zum besseren Verständnis der Zusammenhänge aufgezeichnet.

Keine leichte, heitere Lektüre, aber ein interessantes geschichtliche Zeitdokument, dass uns auch für unsere heutige Zeit einiges zu sagen hat.

Cornelia Ertmer
Wenn alle schweigen
OCM Verlag, ISBN 978-3-949902-01-7, 286 Seiten

Auch als E-Book erhältlich.




Der kurze Moment vor dem Einschlafen

Das Kunstbonbon in Dortmund (Chemnitzer Str. 11) zeigt in seinen Räumlichkeiten vom 06.08.2022 bis 10.09.2022 unter dem Titel „Vom Liegen und Lieben“ in einer neuen Ausstellung verschiedene Bilder von Virginia Novarin.

Virginia Novarin stellt im Kunstbonbon aus.
Virginia Novarin stellt im Kunstbonbon aus.

Die Künstlerin beschäftigt sich bei diesem Projekt mit dem spannenden kurzen Augenblick vor dem Einschlafen. Nachdem sie sich und ein paar Mitmenschen gefragt hatte, was sie vor diesem Moment empfunden haben. Gibt es spezielle Rituale und Umstände, die diesen besonders schön machen?

Mit den Erzählungen, Fragen und Antworten im Hinterkopf verarbeitete Novarin das Thema künstlerisch in ihren diversen Bildern.

Macht es einen Unterschied, ob man alleine schläft, entspannt lesend in ein Buch versinkt, oder welche Rolle spielen schöne Düfte, Geräusche wie Meeresrauschen, Erinnerungen und vieles mehr.

Auf einem Bild liegt zum Beispiel ein Mensch in sich versunken, nachdenklich oder schlafend auf einer sommerlich anmutenden, geblümten Decke. Da möchte man als betrachtende Person gern seinen Platz einnehmen.

Eine Ausstellung, die sicherlich zum innehalten, hinein-versenken und zu eigenen Assoziationen anregt.

Ab dem 06.08.2022 um 15 Uhr beginnt die Ausstellung im Kunstbonbon.

Interessierte und neugierige Gäste werden dort mit Freude erwartet.

Zu den Öffnungszeiten (dienstags 13-18, freitags 15-18 und samstags 12-15 Uhr) können die Werke von Virginia Novarin natürlich nicht nur betrachtet, sondern natürlich auch käuflich erworben werden.




Kunst aus dem Münsterland in der BIG gallery

n den Räumlichkeiten der BIG gallery in Dortmund (Westentor) ist vom 24.07.2022 bis zum 02.09.2022 die aktuelle Sommer-Ausstellung des Bundersverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Westfalen e.V. /Bezirk Münsterland zu sehen.

Es ist ein Querschnitt der vielfältigen Kunst von 15 professionellen Kunstschaffenden (8 Frauen, 7 Männer) aus dem Münsterland mit insgesamt 39 Werken zu bewundern und erkunden. Jeder der Künstler*innen hat 2-3 Werke zur Ausstellung beigetragen. Das Spektrum reicht von Malerei, Objekte, Radierung, Aquarell, Zeichnung, Skulptur und Video.

Geschäftsführer Christoph Mandera und Brigitte Bailer (1. Vorsitzende) vom BBK Westfalen präsentieren Kunstschaffende aus dem Münsterland.
Geschäftsführer Christoph Mandera und Brigitte Bailer (1. Vorsitzende) vom BBK Westfalen präsentieren Kunstschaffende aus dem Münsterland.

Ausgestellt sind miniaturisierte keramische Arbeiten von Karin Hansmann, expressive Bilder (Acryl auf Leinwand) von Ursula Hierholzers, klassische Stilleben-Acrylmalerei auf Leinwand mit üppiger Früchtepracht von Mechthild Komeske.

Die an die expressionistischen Werke der Künstler der „Brücke“ erinnernden Arbeiten (Mischtechnik auf Leinwand) von Marc- Gustav Lindemann sind ebenfalls zu sehen wie die interessanten Radierungen von Martina Lückener und filigranen Handzeichnungen von Michel M., die viel Raum für Fantasie lassen.

Nadias Pereira Benavente zeigt surreale Keramikobjekte, leuchtend intensiv-farbige Arbeiten (Ölfarben auf Leinwand) von Eddy Pinkes mit ihren assoziativen organischen Formen haben ebenfalls ihren Platz wie die den aufstrebenden Menschen repräsentierenden, nach oben weisenden Skulpturen (Holz, Leinen, Ultramarin) von Norbert L. Rumpke.

Wasser-Stillleben mit glitzernden Oberflächen und Camouflage-Muster präsentiert Beate Schlör, scheinbare „Leibspeisen-Malerei“ (Ölfarben auf Sperrholz) in Folie verpackt von Elke Seppmann werfen einen kritischen Blick auf vermeintliche Frische und verführerische Optik und die Vermüllung unserer Umwelt.

Manfred Talaricos Video-Werk (Marker auf Sperrholzplatte) verknüpft zufällige Ereignisse, Zahlen, historische Daten, biographische Angaben seiner Familie mit denen von Künstlern und berühmten Persönlichkeiten auf atemberaubende Weise. Besucher können sich über den Link oder QR-Code einloggen

Heitere, lebensfrohe Arbeiten (Acryl, Lack auf Leinwand sowie Siebdruck) von Martina Wichmann sind ebenfalls zu sehen wie eine dreiteilige Beton-Eisen-Skulptur von Dirk Zache, angelehnt an Dantes göttlicher Komödie (Hölleneintritt). Beton, Eisen als Werkzeuge der „Hölle“. Gezeigt wird auch Aquarell-Öl-Malerei von Igor Zhuk, mit zarten Frauengestalten, die mit ihrer Umgebung scheinbar verschmelzen.

Die Ausstellung „Münsterland“ wird am Sonntag, den 24.07.2022 in der BIG gallery , Rheinische Straße 1, 44137 Dortmund eröffnet.