Lazgi -Tradition verbunden mit modernem Tanz

Am 06.12.2022 zum Nikolaus, hatte „Lazgi- Dance of Soul and Love“ im Dortmunder Opernhaus seine beeindruckende Europa-Premiere mit dem „National Ballet of Uzbekistan“ unter der Choreografie von Raimondo Rebeck.



Der Lagzi hat eine auf 3000 Jahre zurückgehende Tradition mit unterschiedlichen Ausprägungen. Faszination der Seidenstraße sowie Magie und Farbenpracht des Orients sind ebenso kennzeichnend wie symbolhaft starke Bewegungen von Händen und Armen.

Es geht um Stärke, Liebe, Freude, Trauer oder Natur. Auch Zucken und Vibrieren gehören dazu. Der Tanz ist von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Rebeck verbindet in seiner Produktion in vier Szenen diese alte Tanztradition und ihre Mythen mit klassischem und zeitgenössischem modernen Tanz.

Die Musik dazu kam vom Sound-Designer und Tänzer Davidson Jaconello, die atemberaubend-spektakulären Bühnenbilder und Lichteffekte von der anerkannten japanischen Multimediakünstlerin Yoko Seyama.

Die erst Szene (Eine Oase auf der Seidenstraße) gab einen guten Einblick in einen Mythos der Entstehung des Lagzi. Eine Frau (weiblicher Naturgeist) bricht erschöpft in der Wüste zusammen. Reisende entdecken sie und eilen zur Hilfe herbei. Erst durch den Rhythmus der sich verändernden Musik bekommt die Frau neue Lebenskraft. Der Anführer einer Nomadenkarawane (Ulugbek Olimov) bittet sie in sein Zelt, verliebt sich und ist verzaubert von der Anmut ihrer Bewegungen. Es ist der Beginn der Liebe zur tanzenden Seele. Die Geschichte wird von einer Generation zur anderen weitergegeben.

Die nächste Szene führt in die Gegenwart. In einem Museum versinkt die Liebe (Elmira Yusupova) dort in die Betrachtung zweier Exponate. Ein anwesender Schamane (Radion Isyanov) erweckt ihr zweites ich aus der Vergangenheit und die historischen Figuren werden in der Jetztzeit lebendig.

Liebe und Seele (Nadira Khamraeva) bleiben am Ende allein zurück und verschmelzen in Erinnerungen zu einer Person.

Bei der dritten Szene kommen die Gegenwart mit ihrem Lärm des Alltags und der Priorität der Ökonomie sowie der Fixierung auf die Zukunft, die den Blick auf die Geschichte und Kultur in Verbindung.  Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft treffen für einen Augenblick aufeinander. Modern Dance und Musik, schwarze Anzüge und Bürostühle wurden hier geschickt zur Darstellung der Gegenwart eingesetzt.

Besonders beeindruckend war die letzte Szene, wo die Ballett-Company umgeben von 1600 Kerzenlichter fast schwebend über den Boden tanzte. Seele und Liebe durchschreiten aus der Vergangenheit kommend die Gegenwart auf ihren Weg in die Zukunft. Sie stehen symbolisch für Schönheit, ewiges Licht und den Sinn des Lebens. Sie werden zu einer spirituellen Einheit, die ihren Ausdruck im Lagzi findet.

Ein wunderbarer Ballettabend und ein Fest für die Sinne.




5×5 – Projekt zum 25. Geburtstag des Dortmunder Konzerthauses 2027

Unterstützt von der Kulturstiftung unserer Stadt und unter der Schirmherrschaft des NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst ist unter dem Engagement des Gründungsintendanten und Kulturstiftungsvorstand Ulrich Andreas Vogt sowie dem aktuellen Intendanten des Dortmunder Konzerthauses Dr. Raphael von Hoensbroech ein spezielles Projekt in Gang gesetzt worden.



Viele Menschen kennen sicher das große Triptychon für das Komponistenfoyer und die bisher zehn eindrucksvollen Porträts bekannter Persönlichkeiten, so etwa die Geigerin Anne-Sophie Mutter, Leonard Bernstein, Paul Bernhard und andere von ihren Besuchen im Konzerthaus. Sie sind das Werk des Hausmalers Oliver Jordan.

Gerade erst wurde das 20-jährige Bestehen des Hauses gefeiert. Im letzten Jahr entstand die Idee für das Projekt „5 mal 5“. Dr. Raphael von Hoensbroech erklärte beim Pressegespräch, dass da noch etwas nicht vollendet war. Es sollen nun bis 2027, also in 5 Jahren 5 neue Porträts durch den Hausmaler entstehen und ihren Platz im Konzerthaus finden. Es geht um Persönlichkeiten, die für das stehen, was das Konzerthaus in der heutigen Zeit ausmacht und für die aktuelle Entwicklung steht.

Herr Vogt betonte, dass so Geschichte im Foyer erzählt werden. Nun will die Dortmunder Stadtgesellschaft mit „5 mal 5“ durchstarten.

Für das erste neue Porträt ist die international bekannte junge Dirigentin Mirga Gražynitė-Tyla (geb. 1986) vorgesehen.

Um seine eruptiven, mit hohem Risiko entwickelten Porträt-Gemälden erfolgreich bis zum Ende erfolgreich zu gestalten, muss er eine besondere Verbindung zu der Person aufbauen können. Er malt mit vielen Ölfarben-Schichtungen und Spachteltechnik. Inzwischen arbeitet er auch schon mal mit den Händen und Kohlefarbe. Die neuen Porträts werden wohl noch bunter werden.

Natürlich kostet so ein Projekt eine Menge Geld (im unteren sechsstelligen Bereich). Deshalb findet im Westfälischen Industrieclub der Startschuss für das Projekt mit einer Art Spendengala statt. Anmelden kann man sich dafür leider nicht mehr, aber zusätzlich soll es einen Spendenaufruf geben.




Gräfin Mariza – Operette zwischen Traumland und trister Realität

Im Opernhaus Dortmund hatte am 03.12.2022 die Operette „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán (1882 – 1953) unter der Regie von Thomas Enzinger seine Premiere.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Olivia Lee-Gundermann.



Der auf Operetten spezialisierte Regisseur hat sich auch diesmal wieder etwas Besonderes             für seine Inszenierung einfallen lassen. Gesehen wird die Geschichte mit den Augen eines Kindes (Liselotte Thiele) und ihren Fragen an den Erzähler. Eine große Rolle als atmosphärische Verstärkung trugen die Swings (Elisa Fuganti Pedoni und James Atkins) bei, die die Gesangseinlagen mit ihren Tänzen begleiteten. Außerdem begeisterten bei den Festtänzen und beim Charleston oder „Tabarin Step“ international renommierte Gast-Tänzer das Publikum.

Die Operette spielt in den 1920iger Jahren. Die Monarchie ist Vergangenheit und die Inflation macht auch dem Adel zu schaffen. Der hochverarmte Graf Tassilo arbeitet unter falschem Namen als Verwalter bei der reichen, nach außen lebenslustigen, aber launischen Gräfin Mariza. Sie ist verletzt, weil alle Männer es ja immer nur auf ihr Geld abgesehen haben. Tassilo fühlt sich wiederum erniedrigt und in seinem Stolz gekränkt.  Der Ausgangspunkt für eine Liebesgeschichte zwischen Traumland und Realität, nicht nur für diese beiden Menschen…

Mit vielen Wechsel des Bühnenbildes und schönen Installationen im Hintergrund werden melancholische-sentimentale Stimmungen oder durch das Handeln der Charaktere Wut, Streitereien, Liebe oder Verlustängste hervorgerufen. Mit überhöhter Bildsprache kommen auch Standesdünkel und Arroganz der Großstadt-Besucher und des Adels gegenüber der einfachen Landbevölkerung und den sogenannten „Zigeunern“ dargestellt.

Was wäre diese Operette ohne die temperamentvolle oder melancholische Musik des Komponisten. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das einfühlsame Spiel des Geigers Wojciech Wieczorek. Er durfte immer aufspielen, wenn es den Herrschaften gefiel.

Tanja Christine Kuhn als Gräfin Mariza und Alexander Geller überzeugten mit ihren Stimmen und empathischen Spiel, Christian Pienaar als treuer Diener Tschekko (und Erzähler für das Kind).

Das Komödiantische kam nicht zu kurz. Fritz Steinbrecher als vermeintlicher Verlobte Baron Kolomán Zsupán und Morgan Moody als hartnäckiger Verehrer Fürst Moritz Dragomir Populescu gingen voll Spielfreude und Gesangkunst in ihre dargestellten Persönlichkeiten auf. Soyoon Lee, bekannt eher als ernsthafte Opernsängerin, betrat dagegen als Tassilos etwas liebevoll-naiv-komische Schwester Lisa ein unbekannteres Terrain.

Besonders humorvoll wurde es dann beim letzten Akt mit dem Auftritt von Johanna Schoppa als durch Schönheitschirurgie jung erhaltene reiche Tante und Retterin Tassilos. Ihr armer Kammerdiener, gespielt von Kammersänger Hannes Brock, musste die ihr verloren gegangene Mimik auf der Bühne darstellen. Das tat er mit Vergnügen und Inbrunst.

Nicht zu vergessen ist die grandiose Leistung und Begleitung durch den Opernchor (Theater Dortmund), eistudiert von Fabio Mancini und der Statisterie (Theater Dortmund).

Ein schönes Erlebnis für alle Operettenfreunde.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel..0231/50 27 222




Gott des Gemetzels mit viel Witz und Sarkasmus

Was tun, wenn ein geplantes Stück im Schauspiel Dortmund wegen einer Krankheit des Regisseurs nicht auf aufgeführt werden kann? Zum Glück erklärte sich die Regisseurin Anna Tenti bereit, in kürzester Zeit mit vier Schauspieler*innen des hiesigen Ensembles und allen sonst noch notwendigen Helfern eine der bekanntesten Wohnzimmerschlachten auf die Bühne zu bringen. Am 26.11.2022 hatte „Der Gott des Gemetzels“ (von Yasmina Reza) seine Premiere im Schauspielhaus.



Das gefällige Bühnenbild mit gutbürgerlichen Wohlfühlflair konnte von der zunächst geplanten Produktion übernommen werden.

Bei diesem Komödienhit treffen zwei sich die beiden gutsituierten Elternpaar mit der Absicht, einen Konflikt zwischen ihren beiden elfjährigen Söhnen (der einem der Kinder zwei Schneidezähne kostete) zu friedlich und erwachsen kultiviert zu bereinigen. Man ist ja tolerant.

Die disziplinierte Vermögensberaterin Annette Reille (Linda Elsner) und ihr Mann, der hauptsächlich an Geld und Erfolg interessierte Anwalt Alain Reille (Christopher Heissler) stehen natürlich auf der Seite des „Täters“, ihres Sohnes Ferdinand. Die Mutter des „Opfers“ Bruno ist die Schriftstellerin und Kunstliebhaberin Veronique Houillé (Lola Fuchs), die mit hohen Moralansprüchen Gerechtigkeit einfordert. An ihrer Seite ist der zunächst freundliche Ehemann und Nihilist Michel Houillé (Linus Ebner). Fragen nach den Hintergründen der Tat, verborgenen Eheproblemen und die Schuldfrage heizen die Atmosphäre langsam auf. Es bilden sich abwechselnd verschiedene Allianzen.

Alkohol enthemmt die vier Personen immer mehr. Die bürgerliche Fassade bröckelt immer mehr und die Situation eskaliert… 

Die Paare waren schlicht-elegant gekleidet, und durch gleiche Haarfarben auch optisch als zusammengehörig leicht erkennbar.

Die Schauspieler*innen hatten sichtlich Freude daran, sich in die widersprüchlichen Charaktere hinein zu versetzen und die dunklen verborgenen Seiten mit Humor und Ironie sichtbar zu machen. Die bitterbösen Wortgefechte bereiteten ihnen einen Riesenspass.

Nebelschwaden und akustische Geräusche sorgten zwischendurch für Dramatik.

Mehr als nur ein „Ersatzstück“, dass vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen finden Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50 27 222




Humorvoll-absurdes Theater ums „Über Leben“

Im Studio des Schauspiel Dortmund hatte am 25.11.2022 das Stück „ÜBER LEBEN“ (von Annalena und Konstantin Küspert) unter der Regie von Ruven Bircks seine Premiere. Dem Regisseur interessieren hier die Wendepunkte, Grenzerfahrungen durch verschiedene Krisen und was dann mit der Gesellschaft passiert. Die wichtige frage stellt sich. Wie wird die Menschheit erinnert und oder überdauert werden?



In unterschiedlichsten Szenarien (Experimenten) werden utopische Bilder von der Vergangenheit bis in die Zukunft menschlicher Lebensformen verhandelt.

Etwa vom Untergang der mystischen Insel Atlantis, der Titanic, Verhalten bei Bärenangriffen, Hungersnöten, Kriegen, Flugzeugabstürzen bis zur Voyager Raumsonde. Die Voyager verschickt bedeutende Informationen aus verschiedenen Bereichen menschlichen Lebens in den Weltraum. Das Ganze in der Hoffnung, dass sich entfernte Lebensformen sie entdecken und sich so ein Bild von der Menschheit machen können.

Die Studio-Bühne wurde zum Simulationsraum, und die Schauspieler*innen Alexander Darkow, Ekkehard Freye, Nika Mišković und Sarah Quarshie begaben sich in ein „Überlebens-Bootcamp“ mit passender Kleidung. Begleitet wurden sie mit einer Live-Kamera von Daniela Sülwold. Mit viel Spielfreude begaben sich die vier Schauspieler*inne auf der Bühne in unterschiedliche Rollen (der Geschlechter). Auch physisch wurde ihnen einiges abverlangt. Dabei wurden sämtliche Emotion von der Kamera für das Publikum nah abgelichtet.

Musikalisch wurde das Geschehen von der Performerin houaïda. Diese ist nicht nur Musikerin, Performerin sondern auch Astrophysikerin.

Live sang eindrucksvoll Ekkehard Freye den Song „Space Oddity“ (David Bowie).

Eine humorvoll-ironische, absurd und manchmal groteske Aufführung, welche die Mittel des modernen Theaters (Live-Kamera, Video-Projektionen von Elizaweta Veprinskaja) geschickt ausnutzte.

Es bietet zudem gerade in unsere turbulenten Krisenzeiten genug Stoff zum Nachdenken. Für die starke Leistung gab es viel Applaus vom Publikum.

Infos zu weiteren Vorstellungsterminen erfahren Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50 27 222




Neues vom Geierabend mit viel Ruhrpottherz

Im Jahr 2023 kann Dortmunder Geierabend ab dem 5. Januar bis zum 21. Februar hoffentlich nach zweijähriger Zwangs-Abstinenz wegen Corona (außer alternatives Sommer-Specials) wie gewohnt durchstarten.  Es steht unter dem passenden Motto: „Den ham wa uns verdient“.



Geplant sind derzeit 30 Vorstellungen auf Zeche Zollern II/IV (LWL-Industriemuseum Dortmund-Bövinghausen) des beliebten hiesigen alternativen Karnevals.

„Der Steiger“ Martin Kaysh freut sich wie alle anderen vom Geierabend-Ensemble (und viele Menschen), endlich wieder gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen.

In einem gewissen Sinne ist es auch ein Neustart. Neben alten Bekannten wie etwa der „Steiger“, der Präsi“ Roman , Sandra Schmitz z.B. als Miss Annen oder Enkelin Nicki mit  ihrem Opa /BVB Südtribüne) sind auch neue junge Kolleg*innen dazu gekommen, die neue Ideen und eigene Charaktere einbringen. Mit frischem Engagement dabei sind Angelo Engelhausen-Micaela, Nina Mühlmann, Sebastian Thrun und Silvia Holzhäuser. Es soll eine soll eine bunte Mischung aus bewährten und völlig neuen „schrulligen und liebenswürdigen“ Figuren auf der Bühne darstellen.

Mit viel Ruhrpottherz widmen sich die Geier mal heiter-ironisch, dann wieder nachdenklich und kritisch den großen und kleinen aktuellen Themen unserer Zeit. So lehrt beispielsweise Mehrfachmutter Jessica S. in Krisenzeiten Reichen das Shoppen beim Discounter, auf der Südtribüne machen sich die Fans Gedanken über die tiefen Mentaltäler des BVB, oder Militärs verballern 100 Milliarden für Sonderausstattungen im Leo II….

Regie führt der deutsche Schauspieler, Komiker, Hörspielsprecher und Theaterproduzent Björn Jung unterstützt wurde er tatkräftig von Joey Porner und für die Choreo ist Claudia lau zuständig.

Musikalisch begleitet wird der Abend von den Bandmitgliedern Oleg Bordo, Matthias Dornhege, Roman Krämer und Andreas Ruhnke.

Für das Catering ist wie immer „Tante Amanda“ zuständig.

Wer diesmal für den „Pannekopp-Orden“ nominiert ist und welche Stadt die Partnerstadt für den Geierabend 2023 ist, wurde bei der Pressekonferenz im Bodo-Laden noch nicht verraten.

Der Geierabend verzichtet aus Sicherheitsgründen wegen der noch vorhandenen Corona-Pandemie auf 20% der bisherigen Plätze.

Der Vorverkauf für den Geierabend 2023 startet am 26.11.2022 um 9:00 Uhr in ausgewählten Vorverkaufsstellen. Ab 10:00 Uhr gibt es die Tickets dann online über die Homepage www.geierabend.de und in allen Ticketmaster-Vorverkaufsstellen.

Es wird empfohlen, möglichst schnell Tickets zu ordern!

Wir dürfen gespannt auf das neue Programm sein.




Armin Mueller-Stahl und seine Porträts jüdischer Freunde

Im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) im inneren Foyer sind vom 24.11.2022 bis 29.01.2023 dreißig Gemälde auf Papier aus der Serie „Jüdische Freunde“ des international bekannten Schauspielers, Schriftstellers, Musikers und Malers Armin Mueller-Stahl (Jahrgang 1930) ausgestellt.

Es handelt sich ausschließlich um Porträts jüdischer Künstler oder Politiker, denen sich Mueller-Stahl verbunden fühlt. Darunter etwa Woody Allen, Hannah Arendt, Susan Sontag, Walter Rathenau oder Franz Kafka.



Alle Gemälde zeichnen sich durch den Wunsch des Künstlers aus, dass „Gesicht hinter dem Gesicht“ darzustellen und den besonderen Charakter der Persönlichkeiten in einer abstrahierten Form lebendig werden zu lassen.

Das Armin Mueller-Stahl ein begnadeter Redner und Erzähler ist, bewies er wieder einmal beim Pressegespräch am 23.11.2022 im MKK.

Er berichtete, dass Weichenstellungen für sein Leben wesentlich durch Juden bestimmt wurden. Sein Talent zum Malen hatte sich schon früh entwickelt und gibt ihm heute mit seinen besonderen Ausdrucksmöglichkeiten eine große Befriedigung. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es, so auch bei Mueller-Stahl, einen großen Hunger nach Kultur, die für seine vielseitige künstlerische Entwicklung von Bedeutung.

Ein wesentlicher Antrieb für diese Ausstellung war zudem die Sorge wegen des zunehmenden Antisemitismus sowie der übersteigerten Nationalismen in der Welt.

 Angesprochen darauf, wie sich die Nationalspieler angesichts der Restriktion der FIFA (One-Love-Binde) bei der umstritten Fußball WM in Katar verhalten sollten, antwortete er: „Lieber ein Knick in der Karriere als im Rückgrat“. Es sei aber letztendlich die Gewissens-Entscheidung jedes Einzelnen, wie er sich dazu verhält.

Außerdem hat Armin Mueller-Stahl Cover-Bild zum freirhythmischen Lyrikband „Leaves of grass/ Grashalme mit einem Porträt des Autors Walt Whitman gestaltet. Die Buchvorstellung des studentischen Übersetzungsprojekts der Amerikanistik an der TU Dortmund, beteiligt waren 80 Studierende, mit Armin Mueller-Stahl wurde am 23. November (16:00 Uhr) im Audimax der TU bei einer Podiumsdiskussion mit dem Hollywood-Star u.a. vorgestellt.




Dortmunder U 2023 – Kollektive, Kooperation und Kollaboration

Das Dortmunder U stellte am 14.11.2022 im lockeren Rahmen das umfangreiche Jahresprogramm 2023 ihrer verschiedenen Abteilungen vor.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kunst, Kultur, und Wissenschaft (neue Technologien) steht im Mittelpunkt. Allgemein geht es um den Mehrwert von Kollektiven und Kollaboration als mögliches Zukunftsmodell.



Ein kleiner Einblick in Highlights:

 Auf der Hochschul-Etage, im „Campus-Stadt“ der TU Dortmund arbeiten Studierendenden interdisziplinär zusammen. Unter dem Motto „Engineering meets art – make it sound“ zeigen sie vom 3. März bis 18. April 2023 Objekte an der Schnittstelle zwischen Kunst und Technik (z.B. klingendes Insulin, leuchtende Bakterien odersichtbare Luft). Spannend ist sicher auch die Ausstellung „Was Statistik über den Sport erzählt“ (21.04 – 29.05.2023). Das Projekt wurden gemeinsam von Datenjournalist*innen und Statistiker*innen erarbeitet.

Experimentell und Kollaborativ ist die Arbeit schon länger das storyLab KiU (Leitung Harald Opel) auf der Ebene 1 sowie im Fulldome und dem Immersiven Raum im Foyer (Dortmunder U). Zukunftsorientiert wird bei deren Forschungsprojekten mit der Fachhochschule, Museen der Akademie für Digitalität und Theater sowie dem neu gegründeten Koproduktionslabor) zusammengearbeitet.

Auf der uzwei (Leitung Mirjam Gaffran) forscht eine Gruppe von Jugendliche und jungen Erwachsenen (15 -20 Jahre) nach der Unbeschwertheit, die gerade vielen Kindern -und Jugendlichen während der Pandemie oder in Folge des Krieges in der Ukraine verloren gegangen ist. Etwa abschalten bei Techno-Musik oder sich verkriechen oder kurz mal abtauchen.  Die interaktive Ausstellung „Unbeschwert“ ist vom 3. Februar bis 28. Mai 2023 zu erleben. Im Herbst wird die uzwei zur Plattform für die schon fünfte Ausgabe von „Emerging Artists“ (Kooperation und Professionalisierung junger Künstler*innen). Im Sommer sind die Ergebnisse diversen Workshops zu bewundern.

Um das Verhältnis von Umwelt und Mensch geht es unter anderem auf der 3. Etage im HardwareMedienKunstverein (HMKV) unter der Leitung von Dr. Inke Arns. Bei der Ausstellung „We grow, grow,grow, we`re gonna be alright and this is our show” der Dortmunder Künstler*innen Jana Kerima Stolzer und Lex Rütter um die Frage der symbiotischen Beziehungen in der Natur und das Phänomen des Wachsens (11. März bis 30. Juli 2023).

Eine besondere Ausstellung steht dann vom 09.09.2023 bis 28.01.2024 mit „IRWIN – Collective before Collectives“ auf dem Programm. Das slowenische Künstlerkollektiv IRWIN gehörte zusammen mit der Musikgruppe Laibach zu den Gründungsmitgliedern des Meta-Kollektivs Neue Slowenische Kunst (NSK).

Mit ihren künstlerischen Projekten setzt sich das Kollektiv mit dem ambivalenten künstlerischen Erbe (sowjetisch aber auch südslawisch), der Avantgarde und ihren totalitären Nachfolgern auseinander. Seit den 1990iger Jahren auch kritisch mit dem „westlichen Modernismus“ im Gegensatz zum „östlichen Modernismus“ (Retroavantgarde).

Ein Highlight bietet das Museum Ostwall im U (Leitung: Dr. Florence Thurmes und Regina Selter) mit der Sonderausstellung „Nam June Paik: I Expose the Music“ (17.03 – 27.08.23). das MO widmet sich hier den Live- Momenten in den Arbeiten des international bekannten Medienkünstlers Nam June Paik. Gezeigt werden rund 100 Arbeiten (Installationen, Skulpturen, Audio -und Videoarbeiten, ungewöhnliche Partituren und mehr. Besucherinnen und Besucher können sich auch selber partizipatorisch einbringen.

Paik (20. Juli 1932 – 29. Januar 2006) hatte zu Lebzeiten immer wieder unterschiedlichen Künstler*innen (z.B. Stockhausen, Cage) kooperiert.

Teil der Ausstellung sind vier Arbeiten zeitgenössischer Künstler*innen, die sich auf Paik beziehen in einem eigenen Raum. Sie zeigen die Bedeutung der Ideen Medienkünstlers für unsere Gegenwart.

Ein Höhepunkt ist die Deutschlandpremiere der „Sistine Chapel (1993). Die Besucher*innen werden mit auf eine aufregende, bild- und soundgewaltige raumfüllende Reise mitgenommen.




Ein besonderer fotografischer Blick auf Indien

In der Städtischen Galerie Dortmund Torhaus Rombergpark gibt die Ausstellung „INDIA“ der Fotokünstlerin Anja Bohnhof (*1974) vom 13.11.2022 bis zum 04.12.2022 Einblick in vier ihrer Projekte, entstanden in den vergangenen zwölf Jahren in Indien zu sehen.



Mit ihrer starken Bildsprache und realistisch-dokumentarischen großformatigen Fotografien ermöglicht sie uns „europäischen“ Menschen, dieses riesige und unbekannte Land mit anderen Augen zu sehen. Dabei arbeitete Bohnhof immer mit viel Respekt vor den Persönlichkeiten vor ihrer Kamera. Die Fotografie regen zum Nachdenken, geben Raum für eigene Gedanken und weit über Indien hinausgehende gesellschaftliche Kritikpunkte.

Die Künstlerin arbeitet viel mit improvisierten oder mobilen Fotostudios.

Auszüge aus dem Projekt „BOOKS FOR SALE (2009)“ zeigen eindrucksvoll das große Verlagshandelszentrum rund um das Universitätsviertel in Kolkata (Kalkutta). Obwohl Indien drittgrößter Softwareexporteur ist, ist die Liebe zum Lesen und zum Buch dort groß.

Das Projekt „KRISHAK (2018)“zeigt Kleinbauern, die auf kleinsten Flächen den größten Teil aller Lebensmittel produzieren. Dies steht im Kontrast zur parallel laufenden Entwicklung immer größerer, energie- und rohstoffintensiver Bewirtschaftungsformen.

Bekannt sind in Indien beliebten „Daily Soaps“. Sie werden in den „Set Constructions“ in den Filmstudios produziert. Darin Einblick bietet das Projekt „DAILY CONSTRUCTIONS (2015)“. Es zeigt den „Lifestyletrend“ in der Mittel- und Oberschicht Indiens.

Das Projekt „BAHAK (2012) zeigt das harte Leben der Lastenträger und Tagelöhner aber auch den Stolz dieser Menschen, die Anja Bohnhof mit Hilfe eines improvisierten Studios aufgenommen hat.

Am Herzen liegt der Künstlerin aber ihr Langzeitprojekt über Lebens- und Wirkstationen Mahatma Gandhis, vor allem sein Weg des passiven Wiederstands.

Eine spannende Fotoausstellung mit einem diversen Blick auf das große südasiatische Land.

Die Vernissage findet am Sonntag, den 13.11.2022 um 11.00 Uhr im Torhaus Rombergpark statt.




Dortmunder Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert

Die Schauspielerin, Kabarettistin und Autorin Uta Rotermund gastierte am 06.11.2022 im Fletch Bizzel (Dortmund) mit ihrem neuen Programm „Dieser Mensch war ich“. Es ist kein gewöhnliches Kabarettprogramm, wie man es von ihr sonst kennt.



Inspiriert wurde sie unter anderen durch ihre Tätigkeit als Trauerrednerin in letzter Zeit. Viele Gespräche mit Menschen vor allem im Dortmunder Kreuzviertel bildeten die programmatische Grundlage. Rotermund selbst kennt das Viertel wegen ihrer eigenen Lebensgeschichte sehr gut.

Das zum größten Teil ältere Publikum brachte seine eigenen Erinnerungen an vergangene Zeiten in unserer Stadt ins Fletch Bizzel.

Uta Rotermund schlüpfte in die Rolle der über 90 Jahre alten Angelika, die eigentlich schon tot ist und samt Urne die Bühne betritt.

Sie blickt auf fast das ganze 20. Jahrhundert in ihrer Heimatstadt Dortmund zurück. Dabei erzählt sie ihre persönliche Geschichte und die ihrer Familie im Kontext der damaligen gesellschaftspolitischen Bedingungen. Kriegsgrauen des Zweiten Weltkriegs, Einfluss der katholischen Kirche, Wiederaufbau, der Errichtung der Mauer usw. sowie deren Einfluss auf die Menschen. Mit ein wenig Wehmut berichtet sie von dem alten Kolonialwarenladen, der Bäckerei Feldkamp sowie anderen kleinen Geschäften, die es nicht mehr gibt. Auch der Kampf starker Frauen um ihre Rechte wird teils humorvoll-ironisch thematisiert.

Wie alle Menschen stellt sich Angelika wichtige existentielle Fragen: Was bleibt von meinem Leben? Was wäre aus mir unter anderen Bedingungen und zu anderen Zeiten geworden? Was ist der Sinn des Lebens?

Ihre Antwort darauf: Unser Leben hat nur den Sinn, den wir ihm selber geben. Das ist manchmal anstrengend und erfordert Stärke und Kraft.

Es ist Zufall, in welche Zeit, Ort oder unter welchen Verhältnissen wir geboren werden. Das Beste aus seinen Lebensmöglichkeiten zu machen, darauf kommt es an. Wichtig ist, wenn möglich, die glücklichen Momente auch bewusst zu genießen und mit Mut auch neue Wege zu gehen.

Insgesamt vier großformatige Familienbilder oder Porträts bilden den Bühnenhintergrund. Sie dienen sowohl als persönlicher wie geschichtlicher Rückblick in ein vergangenes Jahrhundert.

Ein nachdenkliches, manchmal auch witzig-ironisches Solo-Programm über eine Frau, die ihre Geschichte mit vielen Frauen ihrer Generation im Ruhrgebiet teilt.