Multimediale Ausstellung mit Perspektivwechsel

Der Hardware MedienKunstVerein (HMKV) auf der Ebene 3 im Dortmunder U zeigt vom 11.03.2023 bis zum 31.07.2023 in seinen Räumen die multimediale Ausstellung „We grow, grow and grow, we’re gonna be alright and this is our show“. Die beiden hiesigen Künstler*innen Jana Kerima Stolzer und Lex Rütten haben innerhalb eines Jahres diese „begehbare Multimedia-Show“ künstlerisch entwickelt.



Sie geben der für unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wichtigen Bedeutung nichtmenschlicher Organismen (wie Bakterien, Polypen, Korallen, Pilze) durch ihre sieben Charaktere eine eigene Stimme.

Kooperation als Überlebensstrategie

Das große Thema ist hier Ökologie, Klima und die Anpassungsfähigkeit und Kraft durch Symbiosen. Die soziale Komponente wird hier deutlich. Nicht das oft von Charles Darwin einseitig beanspruchte und interpretierte „Überleben des Stärkeren“ hat die Welt sich weiterentwickelt, sondern die Kooperation verschiedener Organismen als Überlebensstrategie.

Key Visual der Ausstellung „Jana Kerima Stolzer & Lex Rütten – We grow, grow and grow, we're gonna be alright and this is our show“, HMKV im Dortmunder U, 11. März 2023 – 30. Juli 2023. Bild: Jana Kerima Stolzer & Lex Rütten, „Micro”, 2023, (Pattern). Gestaltung: e o t. Berlin.
Key Visual der Ausstellung „Jana Kerima Stolzer & Lex Rütten – We grow, grow and grow, we’re gonna be alright and this is our show“, HMKV im Dortmunder U, 11. März 2023 – 30. Juli 2023. Bild: Jana Kerima Stolzer & Lex Rütten, „Micro”, 2023, (Pattern). Gestaltung: e o t. Berlin.

Mit ihren eindrucksvollen Video-Installationen, zum Thema passend mit bedruckten dünnen Fließstoff gestalteten Teppichböden, den großen Mikroorganismen (ummantelt von Fließstoff) und anderen Gegenständen lassen sie die besuchenden in eine spezielle Welt eintauchen. Zusätzlich kann man im Eingangsbereich einen Kopfhörer mit Fernbedienung als akustische Begleitung mitnehmen.

Wachstum und Vergangenheit

Als Charaktere spricht zum Beispiel die als Superorganismus bekannte Algenform „Azolla“ (Symbiose aus Farn und Cyanobakterium). Sie ist nicht nur in der Lage, sich rasant zu vermehren (grow, grow), sondern kann auch nach ihrem Absterben und Sedimentation im Meeresgrund sehr viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden. In einem Aquarium ist dieses „Maskottchen für die Technologien der CO2-Einsparung zu sehen.

Xtract erzählt von der Extraktion der Gesteine in der Vergangenheit. Die VR-Installation nimmt uns mit in die Zeit, als Kohle noch Biomasse war über ihre spätere Nutzung als Energielieferant (Aufklärung). Zur gleichen Zeit wurden die für Naturbewahrung eintretenden Hexen oder Hexenmeister verfolgt.

Pionea berichtet von den besonders anpassungsfähigen Pionierpflanzen zur Besiedlung noch vegetationsfreier Gebiete. Neophyten sind wiederum invasive Pflanzen, die sich mit Hilfe der Menschen in einem „nichtheimischen“ Bereich etabliert haben. Das „Heimische“ wird hier relativiert.

Extinct widmet sich den ausgestorbenen Arten und gedenkt ihren „unruhigen Geistern“. Die Vergänglichkeit als normaler Prozess, der zum Leben gehört.

Spekulative Zukunft

Symbiotechnica berichtet im Setting eines Gewächshauses, wo künstlich Orchideen reproduziert werden, die in der Natur eine Symbiose mit einem Pilz benötigen. Der Glaube an die technische Herstellbarkeit einer künstlichen Natur im Angesicht einer toxisch gewordenen Biosphäre wird hier zur Disposition gestellt.

Hydra generiert den Traum vom „ewigen Leben“ am Beispiel von der Symbiose von Polypen und Korallen. Dieser vielköpfige Korallenorganismus wird nur durch die sich unbegrenzt regenerierenden Zellen des Polypen „unsterblich“. Das System ist durch die Klimaveränderung gefährdet (z.B. Great Barrier Riff).

Micro erzählt von der Technosphäre sowie der zentralen Rolle der Symbiose für die Evolution. Es wird ein neuartigen Superorganismus imaginiert, der in enger Symbiose mit unseren technischen Geräten lebt. Bakterien, Mikroorganismen oder Pilze, die sich auf der glatten Oberfläche unserer Handys befinden, gehen eine Verbindung mit Schweiß und Strahlungswärme ein.

Ein Leseraum mit Stoff zu der Thematik lädt zum Verweilen und Stöbern ein.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am 10.03.2023 um 19:00 Uhr vor Ort statt. Die Finissage mit Musik und Essen am 31.07.2023.

Nähere Informationen zu Öffnungszeiten, dem umfangreichen Begleitprogramm gibt es unter www.hmkv.de




Weiterer Meilenstein zur Sicherung des Wilsing-Werkes

Mit der Wiederentdeckung der sich seit dem Jahr 1930 in Besitz des Schuhmann-Hauses Zwickau – Dortmunds Partnerstadt – befindenden Sinfonie D-Dur des Hörder Komponisten Daniel Friedrich Eduard Wilsing (1809-1893) ist ein weiterer verborgener Musikschatz ans Licht gebracht worden.



Der Einsatz von Gerhard Stranz, zusätzlich das große Engagement des Herausgebers Johannes Guido Joerg, des Verlegers Christoph Dohr (Köln) ermöglichten es, dass dieser Beitrag aus Dortmund für die „Musikwelt verfügbar gemacht werden konnten. Für die Realisierung des Gesamtprojekts setzen sich zudem verschiedene Organisationen, Stiftungen und die Stadt Dortmund ein.

Dr. Stefan Mühlhofer erläuterte den musikgeschichtlichen Hintergrund Dortmunds. (Foto: (c) Oliver Schaper)
Dr. Stefan Mühlhofer erläuterte den musikgeschichtlichen Hintergrund Dortmunds. (Foto: (c) Oliver Schaper)

191 Jahre nach der Fertigstellung und 182 Jahre nach der wahrscheinlichen Uraufführung wurde die musikkritische Erstausgabe (Verlag Dohr) im Festsaal der Gesellschaft Casino Dortmund (Betenstraße 18) am 3. März 2023 präsentiert. Per Musiksoftware wurden auch ein erster musikalischer Eindruck gewährt.

Der Ort und das Datum dieser Präsentation wurden nicht zufällig gewählt.

Das Dortmunder „Liebhaber-Concert“ (Vorläufer des Musikvereins) führte am 3. März 1841 genau dort (damals ein Konzertsaal) die Sinfonie des Komponisten auf.

Nach der Begrüßung und einleitenden Worten durch Prof. Dr. Hans J. Sclosser (Gesellschaft Casino Dortmund) und Gerhard Stranz erfuhren die Anwesenden einiges zur musikgeschichtlichen Entwicklung in Dortmund vom Mittelalter bis heute durch Dr. Stefan Mühlhofer (Stadt Dortmund).

Dr. Raphael von Hoensbroech (Intendant und Geschäftsführer Konzerthaus Dortmund) betonte den wichtigen Beitrag zur Sicherung der Musiktradition in unserer Stadt und den Wunsch, Wilsings Sinfonie wieder erlebbar zu machen.

Der Verleger Christoph Dohr gab Einblicke in ausgewählte Abschnitte des Werks in Notenbild (Leinwand) und Klangbeispielen aus den vier Sätzen der Sinfonie D-Dur (1832 fertig gestellt von Wilsing).

Einflüsse durch Komponisten wie etwa Beethoven, besonders im zweiten Satz von der Romantik (Schubert) waren erkennbar, aber durchaus auch eine individuelle jugendliche Kraft.

Guido Johannes Joerg (Herausgeber) verschaffte Überblicke zu Notizen zur Entstehung und Aufführung sowie zum Verbleib der Handschrift (samt einem Einblick in die Arbeit des Herausgebers einer Erstausgabe). Zu besichtigen waren neben der Gesamtpartitur auch die Einzelstimmen.

Geplant ist ja die Wiederaufführung der der Sinfonie im Jahr 2024 (Konzerthaus Dortmund) durch das Jugendorchester Dortmund.

Achim Fiedler (Leiter des Dortmunder Jugendorchesters) berichtete über die Herausforderung und Chance für junge Musizierenden bei einem „neuentdeckten musikalischen Schatz“.

Wir dürfen gespannt auf das Ergebnis sein.




Berührendes Maskentheater im Fletch Bizzel

Am 24.02.2023 gab es im Dortmunder Theater Fletch Bizzel mit „LONELY HEARTS CLUB“ eine besondere Premiere. Die vier Darsteller*innen führten das ganz neue Genre des nonverbalen Musiktheaters unter der Regie von Björn Leese ein. Der Regisseur hat im Bereich Maskentheater schon einige Erfahrung (z.B. Familie Flöz).



Da die Gesichtsmimik wegen der Masken und die Sprache als Ausdrucksmittel wegfallen, spielen Gesten und genaues Timing der Akteure eine wesentliche Rolle. Als zusätzlicher „emotionaler Vermittler“ dient die Musik. Passgenau eingesetzt vom musikalischen Leiter Dixon Ra.

Der Lonely Hearts Club. Alle vier DarstellerInnen auf einen Blick. (Foto: (c) Fletch Bizzel)
Der Lonely Hearts Club. Alle vier DarstellerInnen auf einen Blick. (Foto: (c) Fletch Bizzel)

Nicht nur, dass die Schauspielenden – für sie ungewohnt – keine vorgegebenen Texte lernen mussten, sondern zudem mit Atmung und Orientierung durch ihre Masken zu kämpfen hatten. Eine physisch starke Beanspruchung. Außerdem spielten die Darstellenden nicht nur eine Rolle, sondern meisterten die Aufgabe, sich gleich in mehrere Charaktere hinein zu versetzten.

Ort der Handlung war eine zeitlose, liebevoll Retro (etwa mit zwei alten Telefonen mit Wählscheibe, oder einer Musik-Box) eingerichtete Bühne als „Club“. Dieser spezielle Ort im Bahnhofsviertel hat schon bessere Zeiten gesehen. Die Kostüme sorgfältig ausgewählt.

Die (couragierte) Chefin Frau Hartmann spielte Rada Radojčić , zusätzlich noch den Gast Siggi. Ihre Nichte Dzaki Radojčić die Reinigungskraft Heidi und eine alte Dame. Cristiane Wilke begab sich in die Rollen des Geschäftsführers Fritz, einer schönen Dame in Blau sowie in die des Schlägers Carlo. Mika Kuruc übernahm die Rolle des Barkeepers Ernie und als albanischer Mafiosi. Allen gelang es gut, sich in die emotionalen Lagen ihrer Charaktere einzufühlen und für das Publikum rüber zu bringen.

Das Maskentheater changiert zwischen Komik und Tragik. Das erinnert uns an den Clown aus unserer Kindheit. Die ganz Palette der Gefühle, ob heimliche Liebe, Ängste, Melancholie oder Sucht fanden auf der Bühne ihren Platz. Scheitern mit Chance als Option inklusive.

Die verschiedenen Personen, die Angestellten, heimische Gäste oder auf der Durchreise verbindet die Sehnsucht nach Abenteuer und nach dem Tanz ihres Lebens.

Es blieb der Raum für die ganz persönlichen Interpretationen und wie es Björn Reese formulierte „Spiegelungen der eigenen Seele“.

Ein wunderbares Theatererlebnis über alle Sprachgrenzen hinweg. Ein kleiner Gegenpol zum  „Action-Trend“.  Informationen über weitere Aufführungstermine erhalten Sie unter www.fletch-bizzel.de oder Telefon: 0231/ 14 25 25




800 Jahre Kunst auf 800 Quadratmeter

Ab dem 24.02.2023 beginnt die große Ausstellung im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) unter dem Titel „REMIX. 800 Jahre Kunst entdecken“. Die Ausstellung arbeitet ausschließlich mit Werken aus der eigenen Sammlung und ist Sonderausstellung und Sammlungspräsentation zugleich.



Als Erneuerungsauftakt während notwendiger Sanierungarbeiten in den kommenden Jahren werden der Dortmunder Stadtgesellschaft erstmals verdichtet als eine spannende Zeitreise durch die Epochen bekannte und unbekanntere „Kunstschätze“ (etwa 230 Gemälde, 110 Skulpturen) präsentiert.

Blick in die Ausstellung „REMIX. 800 Jahre Kunst entdecken“,
©MKK Dortmund, Foto: Gaye Suse Kromer
Blick in die Ausstellung „REMIX. 800 Jahre Kunst entdecken“,
©MKK Dortmund, Foto: Gaye Suse Kromer

Kuratiert wurde die Ausstellung von Sammlungsleiter Dr. Christian Walda.

Sie wurde aus den Schätzen der großen Kunstsammlung der Region ausgewählt. Durchaus als besondere Wertschätzung zu verstehen.

In jedem In jedem Raum in der 8oo Quadratmeter großen Ausstellungshalle im MKK spiegeln die Gemälde und Skulpturen gesellschaftliche historischen Entwicklungen und Mentalität ihrer Entstehungszeit wieder. Es ist eine Art zeitgeschichtlicher künstlerischer Exkurs, der die die jeweiligen Lebensanschauungen und Welt-Bilder widerspiegelt.

Den Besucher*innen werden nicht nur neue Zugänge zu den Werken ermöglicht, sondern die Ausstellung stellt auch Bezüge der Arbeiten untereinander her. Zudem werden Erkenntnisse der Sammlungsforschung vorgestellt.

Die für Bildung und Vermittlung zuständige Ann-Kathrin Mäker verriet beim Presserundgang am 22.02.2023 etwas über das interaktive Begleitprogramm.

So können Besuchende etwas über den Prozess der Kunstleihgabe auf einem Bildschirm per Kopfhörer erfahren, oder mit einer Lupe den Geheimnissen hinter den Bilderrahmen zu erforschen.

Die Zeitspanne von REMIX reicht von etwa 1130 bis 1936 und beginnt mit dem spirituellen und Sorgfalt gekennzeichnetem Mittelalter. Der Raum ist atmosphärisch stark in einem dunklen Blau gehalten, dem Forscherdrang der der Neuzeit, dem Rückzug ins Innere in der Romantik als Folge der Ängste nach der Französischen Revolution (1789). Hier ist die Raumfarbe passend hell-ockerfarben gestaltet. Die Epoche des Realismus mit seiner Sachlichkeit bis hin zum Jugendstil an der Wende zum 19. Zum 20. Jahrhundert, der als umfassende Reformbewegung alle Lebensbereiche durchdrang und Ästhetik und Schönheit in den Lebensalltag bringen wollte. Die Hoffnung war, dass eine schöne Welt den Frieden fördern würde.

Als Grundstock soll die Ausstellung im Wesentlichen erhalten bleiben. Sonderausstellungen zu speziellen Themenbereichen (z.B. Fotografie, Niederländische Künstler) soll es laut dem Direktor des MKK Dr. Jens Stöcker weiter geben.

Öffentliche Führungen jeden 2. Und 4. Sonntag im Monat (14 – 15 Uhr), jeden Donnerstag im Monat (18 Uhr) sowie jeden 2. Mittwoch im Monat (Kuratorenführung, 18 Uhr9. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kosten 3 Euro.

Sonst ist der Eintritt zur Ausstellung frei!

Einblicke im Internet über www.remix-dortmund.de

Infos: info.mkk@stadtdo.de




Klassik und Jazz vereint beim vierten Kammerkonzert

Das 4. Kammerkonzert in der Spielzeit 2022/23 im Dortmunder Orchesterzentrum am 20.02.2023 stand unter dem Motto „Klassik und Jazz vereint“. Das hatte auch etwas mit den Blechblasinstrumenten zu tun, die an diesem Abend im Mittelpunkt standen. Die Trompete und Posaune spielten sowohl während der musikalischen Barockepoche wie auch beim Jazz eine bedeutende Rolle.



Mit Daniel Hufnagl (Trompete, Flügelhorn) und seinem Bruder Berndt Hufnagl (Posaune) von der Dortmunder Philharmoniker standen zwei hervorragende Solisten auf ihrem Instrument für das umfangreiche Programm zur Verfügung. Unterstützt wurden sie tatkräftig von Karsten Scholz (Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung beider Philharmoniker).

Berndt und Daniel Hufnagel (Foto: (c) Paul Galke)
Berndt und Daniel Hufnagel (Foto: (c) Paul Galke)

Barock und Jazz haben die klare Formsprache, Rhythmus und Struktur gemeinsam.

Der Schwerpunkt des Konzerts lag auf den aus den Vereinigten Staaten herübergeschwappten Jazz. Das wurde schon bei den ersten beiden Programmpunkten deutlich klar. Das sehr variationsreiche und jazzlastige  Concerto in A Dur (für Trompete, Posaune und Klavier) des dänischen Komponisten Julius Jacobsen (1915-1990) sowie das folgende „Arrows of Time“ (für Posaune und Klavier) des amerikanischen Komponisten Richard Peaslee (1930-2016)

Der einzige echte im Programm vertretene Komponist aus dem 18. Jahrhundert war Georg Philipp Telemann (1681-1767) mit der Triosonate c-Moll TWV 42: c2, arrangiert für Flügelhorn, Posaune und Klavier. Dahinter folgte noch eine Interpretation von Tomaso Albinonis Adagio g-Moll durch Remo Giazotto (1910-1999) gefühlvoll arrangiert für Posaune und Klavier.

Bei George Gershwins (1898-1937) „Three Preludes“ und der bekannten „Rhapsody in Blue“ konnte Daniel Hufnagl mit sensibler Klavierbegleitung sein Können auf seiner Trompete voll ausspielen.

Eine besondere Herausforderung zu meistern musste Berndt Hufnagl bei dem rasanten Stück „Doolalllynastics“ von Brian Lynn (`*1958). Eine 7-Minuten Tortur!

Bei „Fly or Die“ von Gilles Rocha (*1988) kam es zu einem amüsanten musikalischen Duell zwischen Klavier und Posaune.

Zwei Arrangements zweier Songs von John Lennon und Paul McCartney für Trompete, bzw. Flügelhorn und Klavier sowie von den beiden Brüdern mit Klavierbegleitung gespielte „Cousins“ von Herbert I. Clarke (1867-1945) rundeten den Abend mit Polkaklängen ab.

Als Zugaben für das begeisterte Publikum gab es noch eine berührende Interpretation von Eric Claptons (Tears in Heaven) und eine „Schmankerl“ aus der österreichischen Heimat der beiden Brüder Hufnagl.

Ein Kammerkonzert, bei dem das Publikum ausreichend Gelegenheit hatte, die Vielseitigkeit und Intensität der Blechblasinstrumente zu erleben. 




Eduard Wilsing im Kontext seiner musikalischen Vorbilder

Im Hörder Bürgersaal der Stadt Dortmund fand am 19.02.2023 das dritte Konzert in einer kleineren Reihe zum Hörder Komponist Daniel Friedrich Eduard Wilsing (1809 – 1893) statt.



Im Mittelpunkt des Klassik-Konzerts stand dieses Mal die musikalische Verbindung und die Verbundenheit des Komponisten mit seinen musikalischen Vorbildern. Die unermüdliche Recherche von Gerhard Stranz bringt immer wieder interessante „Schätze“ im Zusammenhang mit Wilsing hervor.

In ausdrucksstarker Aktion: Die Mezzosopranistin Pia Viola Buchert wird von der Pianistin  Tatjana Dravenau begleitet. (Foto: (c) Oliver Schaper)
In ausdrucksstarker Aktion: Die Mezzosopranistin Pia Viola Buchert wird von der Pianistin Tatjana Dravenau begleitet. (Foto: (c) Oliver Schaper)

Nach seiner humorvollen Begrüßung und Einführungen, dem Grußwort des Hörder Bürgermeister Michael Depenbrock, gab es noch eine kurze persönliche Einleitung von Dr. Thomas Synofzik (Leiter des Schumann-Hauses, Zwickau).

Als Produkt mit unser Partnerstadt Zwickau ist soeben erst der Erstdruck von Wilsings Jugendsinfonie erschienen, die im Jahr 2024 in Zwickau und Dortmund uraufgeführt werden soll.

Als Künstlerinnen auf der Bühne standen die hervorragende Pianistin und mit Wilsings Werken gut vertraute Tatjana Dravenau sowie die stimmgewaltige Mezzosopranistin Pia Viola Buchert.

Den Anfang machte die vielseitige und musikalisch forschende Fantasie d-moll, KV 397 von Wolfgang Amadeus Mozart. Der vierte Satz aus Wilsings „Fantasie op. 10 wurde als Klammer mit etwas Abstand kurz vor der Pause dargeboten. Der Einfluss von Mozart auf das Werk von Eduard Wilsing war hier spürbar.

Das gleich galt für die Vertonungen der hebräischen Gesänge, die lyrische Jugenddichtung Lord Georg Gordon Byron – 6. Baron Byron (1810 -1856) – (1788–1824). Ihm wurde zum Schluss die „Drei Gesänge op. 95 sowie die hebräischen Gesänge op. 25.15 von Robert Schumann in einem Kontext gestellt.  Ausdrucksstark und mit kraftvoller Stimme von Pia Viola Buchert gesungen, war der Text von viel Pathos und Melancholie getragen.

Auch Komponistinnen hatten durchaus einen prägenden Einfluss, wie die „Drei Lieder op. 1.-1-3“ von Fanny Hensel (geb. Mendelssohn Bartholdy, 1805–1847 verdeutlichen). Sie hatte es schwer, sich als begnadete Pianistin und Komponistin durchzusetzen.

Die frühe Prägung durch Johann Sebastian Bach durch die von seinem Urgroßvater Johann Gottlieb Preller vererbten Sammlung von Bach-Handschriften, zeigt sich im Aufbau der der Fuge E-Dur von Wilsing und Johann Sebastian Bachs (1685 – 1750) Präludium und Fuge E-Dur, BWV 878

Das temperamentvolle und emotionsgeladene „Caprice à la Boléro, op. 5.2 von Clara Wieck (später Clara Schumann) und Eduard Wilsings „Caprice op. 6“ machen eine musikalische Verbundenheit hörbar.

Ein interessantes und unterhaltsames Konzertprogramm ging nach zwei Stunden zu Ende.




Das relative Empfinden der Zeit

Als erste Premiere in diesem Jahr hatte das KJT Dortmund (Sckelly)  am 17.02.2023 „Time out“ (Ein Spiel um Geschwindigkeit) von Christina Kettering unter der Regie von Antje Siebers auf seinem Programm.



Das Stück für Kinder ab 6 Jahre behandelt fantasievoll das Thema Zeit.

Eine*r (Sar Adina Scheer), mit schwarzem Hut und dunkler Kleidung (an Brust und einer Seite kariert gemusterte Jacke), ist da und wartet schon länger voll Ungeduld, als Noch Eine*r (Andreas Ksienzyk) endlich kommt.  Noch Eine*r ist nicht nur genau wie Eine*r jedoch spiegelverkehrt angezogen und eher der gemütliche Typ.

Sar Adina Scheer (li) und Andreas Ksienzyk in Time Out. Foto: (c) Birgit Hupfeld

Das Thema Zeit und Relativität wird von den Beiden mit Humor, Abenteuerlust und Spielfreude dargestellt.

Es geht unter anderem um die Frage, warum sich Zeit so lange „zieht“, wenn wir uns langeweilen oder auf irgendetwas lange warten müssen. Lohnt es sich manchmal Zeit für bestimmte Dinge zu lassen als immer nur von einer Sache zur nächsten zu hetzen? Vergeht die Zeit schneller, wenn wir sie vergessen (zum Beispiel beim Spielen, Natur beobachten, einem schönen Essen, Musik oder beim Theater)? Ist es wichtig, was wird aus der Zeit machen? Wäre es manchmal schön, sie anhalten zu können?

Der Einfluss von Tag (Sonne) und Nacht (Mond) oder Jahreszeiten wurden sensibel vermittelt.

Mehrere weiße Holzklötze werden als variable Spielfläche wie Bauklötze aus der Kindheit in unterschiedlicher Weise geschickt eingesetzt, egal ob als zum Bau eines Renn-Parcours, Haus, Garten oder Baum.

Mit passgenauem Einsatz der Beleuchtung sowie Musik & Soundeinsatz durch Michael Kessler sorgten für die entsprechenden Stimmungen.

Einfache Mittel, etwa der Einsatz eines Luftballons als wachsender Mond, und das ausdruckstarke Spiel der Schauspieler*innen bot viel Raum für die Fantasie. Das ist wohl nicht nur für Kinder wichtig.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222




Liebesglück beflügelt die Musik

Am 07. und 08.02.2023 stand das 6. Philharmonische Konzert im Dortmunder Konzerthaus unter dem Motto „Glück in der Liebe“. Ars tremonia durfte am 08.02.2023 bei diesem Erlebnis mit dabei sein.



Die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten Leitung von GMD Gabriel Feltz hatte sich dafür zwei passende Werke von Robert Schumann (1810 – 1856) und Gustav Mahler (1860 — 1911) ausgesucht.

Der romantische Komponist Schumann hatte frisch verliebt und verheiratet für seine Frau Clara (geborene Wieck) das Klavierkonzert a-Moll op. 54 entwickelt. Der Schaffensprozess dauerte ähnlich lange (1841 – 1845) wie auch der schwierige Weg ihrer Liebe. Querelen mit dem Vater von Clara erschwerten die Beziehung.

Robert Schuhmann nahm sich im Jahr 1845 die 1841 für seine frisch angetraute Ehefrau Clara (eine berühmte Pianistin) komponierte und zugeschnittene Phantasie für Klavier und Orchester in a-Moll wieder vor. Er ergänzte sein Manuskript und fügte zwei Sätze zu einem traditionell aufgebauten Solokonzert. Dabei entstand der wunderbare dritte Satz zuerst. Dem kurzen ausdrucksstarke zweite Satz und schließlich folgte die verbindende kunstvolle Überleitung zwischen den beiden Sätzen.

Für das Klavierkonzert konnte die hervorragende chinesische Pianistin Ying Li gewonnen werden. Mit dem starken Orchester im Hintergrund, gelang es ihr mit Virtuosität und Empathie nicht nur Akzente zu setzen, sondern auch die Verwobenheit mit diesem musikalisch zu vermitteln.

Eine Art Liebeserklärung macht schon zu Beginn das Thema mit der Tonfolge

C – H – A – A (Chiara/Clara) deutlich klar. Das Thema erscheint nicht nur mehrfach in Variationen (mal langsam oder vorantreibend forsch aufgewühlt) in diesem Satz, sondern wird auch zwischen Satz zwei und drei als Erinnerung an den Ersten aufgegriffen. Das zeigt die Verzahnung und Verbundenheit zwischen Soloinstrument und Orchester. Das begeisterte Publikum entließ die Pianistin erst nach zwei Zugaben von der Bühne.

Nach der Pause wurde das ganz große Orchester (z.B. acht Kontrabass) für Gustav Mahlers 5. Sinfonie aufgefahren. (Uraufführung 1904).

Die schon wegen des großen Altersunterschiedes etwas konfliktbeladene Liebe zu Alma Schindler machte sich auch musikalisch bemerkbar. Die Gebrochenheit seines Stils, seine ständigen Änderungen an dem Werk, die innere Widersprüchlichkeit sind hier zu erkennen.

So deutet zu Anfang der Sinfonie mit einer Trompetenfanfare etwas Triumphales an, um dann in tiefe Schwärze abzustürzen. Außer im fünften Satz, dem wunderschön emotionale und verinnerlichten Adagietto (bekannt aus Viscontis : Tod in Venedig), das man als Liebesbezeugung für Alma werten kann, setzen sich die Wechsel von ruhigeren Passagen bis hin zu aufbrausenden musikalischen Explosionen bis zum Ende dieser Achterbahnfahrt vom Trauermarsch hin zum Licht des Finalen musikalischen Jubels.

Ein bemerkenswertes Philharmonisches Konzert auf hohem Niveau.




Kunst von FJH Schneider – „Das Leben ist so bunt, wie man es malt“

Ein neues „erstes Mal“ im Kunstbonbon! Es gibt Werke eines bereits am 17.06.2000 verstorbenen Künstlers zu sehen, der am 10.03.2023 seinen 100sten Geburtstag feiern würde.



FJH Schneider war Dortmunder mit teils französischen Wurzeln, lehrte Kunst und hat Zeit seines Lebens gemalt. Sogar im Krieg war ein Skizzenbüchlein immer dabei und es entstanden berührende und erschreckende Zeichnungen dessen, was er um sich herum wahrnahm.

Nach dem Krieg studierte er zunächst 1946/47 in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste und von 1947 bis 1952 an der Kunstakademie Karlsruhe. Trotz vieler traumatischer Erlebnisse fand FJH Schneider in seiner späteren Kunst zu einer enorm lebendigen Farbigkeit.

Der Flyer zur Ausstellung über FJH Schneider im Kunstbonbon.
Der Flyer zur Ausstellung über FJH Schneider im Kunstbonbon.

Viele seiner Werke entstanden in seinem französischen Atelier und wurden unter anderem in renommierten Pariser Galerien ausgestellt. In Dortmund gab es im Jahr 2003 in der Gedenkstätte Steinwache die Ausstellung „Deutsche Schicksalslinien“ mit 120 Skizzen und Zeichnungen von FJH Schneider und im Jahr 2006 waren viele seiner Arbeiten in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund zu sehen.

Aus dem riesigen Fundus wurden nur die Themen „Menschen“ und „Stillleben“ gewählt, da die Räume des Kunstbonbons für ein breiteres Spektrum seines Schaffens einfach nicht ausreichend sind. Verwaltet und gepflegt wird die Werksammlung des Künstlers von seinem jüngsten Sohn, dem Schauspieler Raphael Schneider, der für die Ausstellungsvorbereitungen eigens von Berlin nach Dortmund kam und der bei der Vernissage (und Finissage, die am 10.03. zum 100sten Geburtstag von FJH Schneider stattfinden wird) sicherlich gern Näheres zu den einzelnen Exponaten sagen wird.

Wir können uns freuen auf farbenfrohe Bilder, die Menschen aller Hautfarben und Kulturkreise darstellen und auf Stillleben, die u.A. auch die reichhaltige Sammlung von allerlei Gefäßen zeigen, die der Künstler besaß und die er mit Früchten und Pflanzen arrangierte.

Neben den farbprallen Malereien werden auch Skizzen und Tuschezeichnungen zu sehen sein, die klar machen mit wie wenigen Strichen der Künstler eine Szene festhalten und dabei die Stimmung des Augenblicks transportieren konnte.

Die Betrachtenden werden erfahren, dass auch furchtbare Erlebnisse so weit verarbeitet werden können bis der Blick auf die Schönheiten des Lebens und der Welt wieder klar ist. Dass das Leben wieder genossen werden muss und die schönen Momente im gemalten Bild für sich und die Nachwelt festgehalten werden können.

Vernissage: 11.02.2023 um 15 Uhr / Finissage: 10.03.2023 um 18 Uhr




Abschluss der Zeitinsel Gubaidulina im Konzerthaus Dortmund

Mit dem Konzert für Viola und Orchester (1996) der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina (*1931), Sinfonie 16 op.131 von Mieczyslaw Weinberg (1919 – 1996) sowie der „Der Zorn Gottes“ (Gubaidulina 2019) fand am 05.02.2023 im Konzerthaus Dortmund die Zeitinsel zu dieser avantgardistischen russischen Komponistin ihr emotionales Ende.



Für das Konzert stand mit dem renommierten ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der Leitung des britischen Dirigenten Duncan Ward ein großes Orchester auf der Bühne. Die Solo-Viola wurde von dem hervorragenden französischen Bratschisten Antoine Tamestit einfühlsam und mit viel Ausdruckskraft gespielt.

Gleich bei dem einsetzenden Monolog spielten die Töne D und Es als besondere Reminiszenz an Dimitri Schostakowitsch eine bedeutende Rolle. Die Streicher und Bläse und pochende Pauken sorgten von Beginn an für eine bedrohliche Stimmung.  In dieser Stimmung suchte sich die Bratsche mal vorsichtig ängstlich, mal mutig-verzweifelt vorantreibend, sich seinen musikalischen Weg durch eine unwirkliche Welt ohne Trost und Hoffnung zu bahnen. Es entspinnt sich eine ausdrucksstarke, tief gehend Klangtragödie.

Bratschist Antoine Tamestit und das ORF Radio-Sinfonieorchester. (Foto: (c) Petra Coddington)
Bratschist Antoine Tamestit und das ORF Radio-Sinfonieorchester. (Foto: (c) Petra Coddington)

Am Ende blieb Stille. Ein rührender Moment noch, als Tamestit als Zugabe ein ukrainisches Wiegenlied spielte.

Die folgende Sinfonie Nr. 16 op.131 von dem polnisch-jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg war geprägt von den Ängsten vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und später den Sowjets geprägt. Er war ein Bewunderer von Schostakowitsch, der für ihn auch ein gutes Wort bei den Sowjetstellen einlegt, als er wegen angeblicher „zionistischer Agitation“ 1953 verhaftet wurde. Solche existenzbedrohenden Erlebnisse hatten ihre Auswirkung auf seine Sinfonie.

Der schleppende Anfang des Werks zu einem monotonen Pochen der Pauke wirkt ähnlich bedrohlich wie bei dem Konzert davor. Es fühlte sich an, als würde der Weg zum Schafott führen. Die beklemmende Wucht, mit einsamen, flirrenden, fast flehenden Klängen mit zeitweise schneidenden Ausbrüchen berührt Seele und Herz. Das musikalische Drama endet mit einem Glockenklingen.

Mit dem neuen Werk „Der Zorn Gottes“ nimmt Gubaidulina nicht nur Bezug auf Beethovens Streichquartett op. 135 F-D, das mit den Worten „Muss es sein – es muss sein“ unterlegt ist auseinander.

Sie stellt dem ein trotziges „Ja – es muss!“ entgegen.  Im Angesicht des zunehmenden Hasses in der Welt lässt die gläubige Komponistin musikalisch eindringlich den „Zorn Gottes“ als wütende Mahnung erklingen. Das ganze Orchester mit Tuben, Pauken, Bläsern, Klavier, Flötenklängen, den Streichen werden darin bis zu einem schrillen Höhepunkt (bis zur Schmerzgrenze) im Zusammenspiel eindrucksvoll eingebunden. Den Schlusspunkt setzten wieder die Glockenklänge.