Korsische Weltmusik zwischen gestern und heute

Am 06.062023 stand im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals Dortmund (domicil) wieder einmal Weltmusik im Mittelpunkt.



Das korsische Ensemble L’Alba (erstmal zu Gast in unserer Stadt) sind in der musikalischen Tradition ihrer Heimat tief verwurzelt, gleichzeitig nehmen sie Elemente aus dem Balkan, Griechenland, Italien, Portugal oder Italien auf. Sie erzeugen zudem Stimmungen, die die Zuhörenden in afrikanische oder orientalische Klangwelten entführen.

Beim Konzert war der meditative, altüberlieferte dreistimmige Männergesang Korsikas in verschiedenen Konstellationen zu hören. Der Gruppe ist es aber gut gelungen, die Musik ihrer Heimat immer mehr zu verfeinern und weiter zu entwickeln. So wartete das Ensemble auch mehrfach mit solistischem Gesang und Anleihen von Folk (bis hin zu leichten Jazz-Elementen) aus verschiedenen mediterranen Ländern auf.

Themen waren etwa die Liebe im Allgemeinen oder zur Natur mit einem leicht melancholischen Unterton. Es wurde jedoch auch viel positive Energie verbreitert.

 Das Publikum wurde nicht nur durch den speziellen Gesang in eine Art Trancezustand geführt. Das Zusammenspiel der der Instrumente und deren Zusammensetzung tun ihr übriges.

Cecce Guironnet sang nicht nur, sondern spielte an diesem Abend gleich mehrere Instrumente bei verschiedenen Songs. Neben der Klarinette sorgte er mit unterschiedlichen Flöten oder einer Art Steinbockhorn für besonderen Klangfarben und Stimmungen.

Neben ihm waren seine gleichwertigen Kollegen Laurent Barbolosi (Violine & Gesang), Sébastien Lafarge (Harmonium & Gesang), Chjuvan Francescu Mattei (Gitarre & Gesang) sowie Éric Ferrari (Bass & Gesang) auf der Bühne engagiert am Start. L’Alba waren gute Musikbotschafter und haben so hoffentlich etwas für den Erhalt dieses immateriellen Kulturerbes Korsikas beigetragen.




Melodramatische Opernrarität voll emotionale Kraft und Energie

Das Klangvokal Musikfestival Dortmund überrascht immer wieder mit speziellen musikalischen Raritäten, gerade auch im Bereich Oper.



Am 03.06.2023 wurde im Rahmen des Festivals so ein „seltener Schatz“ mit der konzertanten Oper „Il Giuramento“ (Das Gelübde) des italienischen Komponisten Saverio Mercadante (1795 – 1870) im Dortmunder Konzerthaus aufgeführt. Das Libretto stammt von Gaetano Rossi (nach der Tragödie „Angelo, tyran de Padoue“ von Victor Hugo).

Das Melodrama hat es in sich und bietet gleich vier dankbare Hauptrollen. Elaísa (Sopran) liebt Viscardo (Tenor), dessen Zuneigung jedoch Bianca (Mezzosopran) gilt. Die wiederum hatte in politisch schwierigen Zeiten dem Vater von Elaísa das Leben gerettet. Als Biancas Mann Manfredo (Bariton) Verdacht schöpft und seine Frau für untreu hält, beschließt er, sie zu vergiften. Dabei hat er selber ein Auge auf Elaísa geworfen. Diese rettet Bianca, indem sie das Gift gegen ein Schlafmittel austauscht. Sie verzichtet auf ihr eigenes Liebesglück. Viscardo denkt fälschlicher Weise, das Bianca von Elaísa ermordet wurde und ersticht diese. Erst als Bianca wieder aufwacht, erkennt er seinen Irrtum….

Neben dem WDR Rundfunkchor als emotionaler Verstärker, wurde die Handlung vom WDR Funkhausorchester unter der lockeren Leitung durch den italienischen Paolo Carignani musikalisch begleitet. Einzelne Instrument aus dem Orchester hatten zwischendurch die Möglichkeit, besondere Akzente zu setzen.

Renommierten Sänger*innen wie Roberta Mantegna (Elaísa), Germán E. Alcántara (Manfredo), Teresa Iervolino (Bianca), Jean-François Borras (Viscardo), sowie in Nebenrollen John Heuzenroeder (Brunoro) und Ivana Rusko (Isaura) überzeugten mit ihren ausdrucksstarken Stimmen.

Das Libretto bietet ihnen viele Möglichkeiten, ihr Können und Sensibilität bei den Kavatinen, Arien, Duetten und Ensembleszenen zu beweisen.

Die Sängerdominanz wurde bei dieser „Reformoper“ zugunsten der Handlung durchbrochen.

Die Partitur besticht vor allem durch die schwärmerischen Tenor- und Bariton-Kantilenen (ähnlich bei Donizetti) oder dramatischen Koloraturen (ähnlich Rossini).

Höchste Emotionalität und dramatische Zuspitzungen erinnern an Verdis späteren Werke.

Es war ein besonderes Gesangsfest, welches vom Publikum mit viel Applaus bedacht wurde.




Weltmusik und die abenteuerlichen Reisen des Leo Africanus

Viele Menschen müssen aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimatländer verlassen und versuchen, durch Flucht in für sie sichere Länder ihre Freiheit und Leben zu sichern. Heute wie auch damals.



Im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals Dortmund stand am 01.06.2023 im hiesigen Orchesterzentrum Weltmusik um diesen Themenbereich auf dem Programm.

Der Sänger, Musiker und Komponist Rebal Alkhodari (verließ 2011 Syrien) widmete sich in diesem Jahr gemeinsam mit Orpheus XXI NRW, dem Amaan Choir XXI sowie weiteren musikalischen Gästen der Musik aus gleich mehreren unterschiedlichen Ländern. Darunter Marokko, Ägypten, Mali, Saudi-Arabien, Syrien, Türkei, Italien oder Frankreich. Dabei kamen auch traditionelle Instrumente wie die afrikanische Kora oder der arabische Kanun zum Einsatz.

Die Sänger*innen und Instrumentalist*innen wandeln zu jeweils passenden Videoprojektionen und kurzen Texterklärungen (deutsch) auf den Pfaden des Diplomaten und Forschers Leo Africanus (geboren ca. 1488 als Abu Hassan al-Wazzan in Andalusien). 

Dieser war schon als Kind gezwungen, gemeinsam mit seiner Familie seine Heimat zu verlassen. Nach einer Odyssee durch verschiedene arabische und afrikanische Länder auf seiner Reise wurde er schließlich von europäischen Piraten gefangen genommen und danach dem Papst in Rom als Sklave übergeben. Um frei leben zu können, konvertiert Leo Africanus zum Christentum und erhielt so seinen neuen Namen. Wie auch bei den heutigen Flüchtlingen war die Sehnsucht nach Heimat bis zuletzt immer dabei.

Die Instrumente hatten eine ganz besondere Atmosphäre und einen arabischen Flair. Die wunderbaren Stimmen gaben den oft religiösen, von der Liebe zur Natur oder Heimatsehnsucht getragenen Texten Tiefe und Ausdruckskraft. Der afrikanische Rhythmus begeisterte beim Auftritt von Ibou Kalaama.

Weltmusik als Plädoyer für Toleranz und Verständnis.

Nicht nur unter den Religionen, sondern den Menschen in ihrer Vielfalt im Allgemeinen.




Halbwache Geister – Stück über Demenz und den Kreislauf des Lebens

Der Dortmunder Sprechchor hat sich inzwischen als Ensemblemitglied des hiesigen Theaters gut etabliert. Regine Anacker (Sprechchor) hat nun unter der Regie von Ludwig Robert Jung und Ekkehard Freye ein besonderes Stück geschrieben, das sich mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft immer brisanter werdenden Thema Demenz sowie den Kreislauf des Lebens befasst. Sie spielt auch selbst als Psychologin darin eine Rolle.



Am 26.05.2023 hatte „Halbwache Geister – ein Abend im Heim“ seine Uraufführung im Studio des Schauspiels Dortmund.

Das Publikum wird zusammen mit einigen Bewohner*innen von der Psychologin (Gruppe) am Einlass abgeholt. Das Heimleben zwischen Langeweile und Hilferufe wird von einer Pflegerin geregelt. Fichte (Jörg Karweick) und Anna (Sylvia Reusse) werden der Ordnung und Ruhe halber gerne in die Ecke zur Fake-Bushaltestelle geschickt. Da wird gewartet.  Vielleicht auf einen Brief von den Liebsten oder die Rückfahrkarte nach Hause.

Der Sprechchor bei "Halbwache Geister" (Foto: (c) Florian Dürkopp
Der Sprechchor bei „Halbwache Geister“ (Foto: (c) Florian Dürkopp

Die Bewohner*innen des Heimes leisten sich Gesellschaft beim Vergessen und der von ein wenig Hoffnung getragenen Spurensuche im Trümmerhaufen der Erinnerungen. Das Erinnern geht tief in die evolutionäre Vergangenheit. Die alte Heimkatze, wunderbar performt von der Künstlerin Gudrun Kattke, nimmt die Erinnerungsspuren früher wahr als die anderen.

Der Sprechchor (51 Personen) spielt, spricht, singt und summt in diesem absurden, komisch-tragischen Theater in verschiedenen Konstellationen. Als Bewohner*innen, Pflegerin oder Psychologin (jeweils in kleinen Gruppen).

Musik und Sounddesign des Stückes hat Roman D. Metzner atmosphärisch passend übernommen und sich zudem live auf der Bühne unter die Bewohner*innen gemischt.

Eine spezielle Rolle kommt dabei auch den sich in Liebeserinnerungen verlierenden Herrn (Roland Schröter-Liederwald) und die Dame gegenüber (Sabine Bathe-Kruse) oder Waltraud (Waltraud Grohmann) im Rollstuhl zu. In lichten Momenten tun sie ausdrucksstark ihren Unmut und „Missbilligung“ kund. Am Ende bleibt der Wunsch, nach Hause zu kommen.

Eine Collage von bunten Textpassagen unterschiedlicher Autor*innen wird vom Sprechchor zielgenau eingesetzt.

Vergessen ist aber auch lebensnotwendig und nicht nur beängstigend.

Wir nehmen die Dinge selektiv wahr. Das ist für uns existenziell wichtig, um Raum zu schaffen für Neues, als einen produktiv-kreativen Prozess. Wir sortieren „wichtiges von nicht so wichtigem“.

Die Balance zwischen Erinnern und Vergessen hält dabei einiges aus – ehe das Vergessen überwiegt.

Ein berührender-nachdenklicher Theaterabend mit situativ komischen Momenten.

Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer über www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50 27 222




Stummfilmkonzert als besonderes Erlebnis

Die Reihe „Stummfilmkonzerte“ der Dortmunder Philharmoniker erfreut sich nicht ohne Grund großer Beliebtheit. In dieser Spielzeit stand am 23.05.2023 im hiesigen Konzerthaus die deutsche Fassung von Charles Chaplins „The Circus“ in voller Länge auf dem Programm.



Der Film aus dem Jahr 1925 wurde von der Dortmunder Philharmoniker und Tatjana Prushinskaya am Klavier unter der Leitung von Adrian Prabava live mit dem starken Original-Soundtrack untermalt. Dabei überzeugten sie wieder einmal mit viel Feingefühl und gutes Timing. Emotionale Regungen und Gesten wurden ausdrucksvoll verstärkt.

Dieser letzte Stummfilm von Chaplin hat einen etwas bitteren Grundton. Soziale Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch aber auch selbstlose Liebe.

Ein Außenseiter und Tramp (Chaplin) landet durch Zufall beim Zirkus und wird wegen seiner ungewollten Komik zum ausgenutzten Kassenschlager. Er verliebt sich in die Tochter des autoritären Direktors. Seine Chancen bei der hübschen Akrobatin stehen zunächst gut. Dann taucht ein smarter Seiltänzer als Konkurrent auf. Am Ende verzichtet der Tramp zugunsten seiner Angebeteten auf sein persönliches (Liebes-) Glück und geht weiter seines Weges. 

Der Stummfilm voll tragisch-komischen Momenten ist ein Meisterwerk an grotesk- komischen Einfällen, waghalsiger Akrobatik, scharfen Bildern, überraschend moderner Trickfilmtechnik und echten Löwen.

Die Musik im Vaudeville-Stil passte wunderbar zum „Circus“ und die Situationskomik brachte das Publikum im Konzertsaal trotz des tragisch-ernsten Hintergrunds oft zum Lachen.

Es darf sich schon auf Chaplins „Modern Times“ in der nächsten Spielzeit freuen.




„Das kleine Tusch-Orchester“ – Leise Striche und laute Töne

Zeichnungen von Jan Golebiowski, Lotte Wagner und Ari Plikat im Kunstbonbon

Am 27.05.2023 um 15 Uhr wird es ein wenig lauter vor dem Kunstbonbon! Zur Vernissage der 65. Ausstellung hat einer der Künstler, nämlich Jan Golebiowski (Hornist bei den Dortmunder Philharmonikern), ein paar Kollegen eingeladen, die um ca. 15 Uhr ein wenig musizieren. Da sie danach aber noch arbeiten müssen, sollten Interessierte nicht zu spät kommen, denn es wird nur ein kurzer Auftritt sein.



Wie man dem Ausstellungstitel entnehmen kann, ist das Thema „Musik“.

Jan Golebiowski zeichnet schon lange und zwar oft direkt mitten im Orchester während der Pausen zwischen seinen Einsätzen. Da entstehen dann herrliche Karikaturen, die die momentane Situation betreffen oder auf das zu spielende Stück bezogen sind. Um diese Zeichnungen zu genießen braucht man keine musikalische Vorbildung, aber vielleicht kann man mit einer solchen noch viel mehr Facetten in den Bildern entdecken.

Details sind ja bekanntermaßen die Spezialität von Lotte Wagner und sicherlich gibt es auch bei ihr kaum eine Illustration, die man mit einem Blick erfassen kann und es findet sich auch beim fünften Angucken immer noch eine neue witzige Kleinigkeit. Da auch sie sehr musikaffin ist, können wir uns auf wundersame Instrumente und ungewöhnliche Musikanten freuen. Im Vorfeld gab es bereits einen Blick auf eine herrliche „Gurkentruppe“, die eine ausführliche Betrachtung wert ist und einige Schwarzweißzeichnungen, die umgehend das Kopfkino aktivieren.

Ari Plikat wirft eher einen Blick auf die Musikkonsumenten oder Leute, die „auch mal Musik machen wollen“ und wie könnte es anders sein – es wird lustig! Und sicherlich auch mal kritisch, denn es wäre nicht Ari Plikat, wenn die Menschheit ungeschoren davon kommt,  aber lachen muss man doch (vielleicht sogar über sich selber…), wenn da jemand mit einem Ghettoblaster, aus dem Vogelgezwitscher kommt durch die Gegend läuft. Offen bleibt, ob das in der Stadt passiert und sich der Mensch nach Vogelgesang sehnt oder ob es in der Natur stattfindet und das Wesen es einfach nicht mehr gewohnt ist, sich ohne künstliche Beschallung fortzubewegen….aber vielleicht ist auch einfach das Gerät defekt und er hat es als Vogelhäuschen zur Verfügung gestellt?

Die Besucher bekommen also eine schöne Auswahl bester Illustration gezeigt und werden gut unterhalten, denn alle drei Künstler:innen werden am 27.05.2023 ab 15 Uhr anwesend sein.

Die Ausstellung endet am 24.06.2023 und danach geht das Kunstbonbon in die alljährliche „Kunstpause“ bis zum 29.07.2023.




Musikalisch-literarische Revue über Frauengeschichte

Am 13.05.2023 gab die Schauspielerin und Sprecherin Jutta Seifert mit ihrem frech-humorvollem Programm „Angebissen!“, eine literarisch-musikalische Revue rund um die Frauenfrage, die Liebe, das Leben und die Gewürze dazwischen, ein Gastspiel im Dortmunder Theater Fletch Bizzel.



In 70 Minuten führte sie das Publikum durch die letzten hundert Jahre Frauengeschichte in Deutschland. 

Revue über Frauengeschichte mit Jutta Seifert. (Foto: (c) M. Bischoff)
Revue über Frauengeschichte mit Jutta Seifert. (Foto: (c) M. Bischoff)

Scheinbar mühelos, mit wenigen Accessoires und passender Gestik, Mimik und Bewegungen schlüpfte Seifert in verschiedene Charaktere. Ob als Diva und Vamp der 1920er-Jahre, als die Frauen sich von dem beengenden Korsett befreiten, oder in die Rolle als „Gebärmaschinen für den Führer“, kennzeichnend für Zeit des Nationalsozialismus. In den 1950er-Jahren zogen jungen Frauen Petticoats an und tanzten Rock ’n’ Roll. Gleichzeitig wurden sie in die Rolle des „Hausmütterchens“ gedrängt, die für Wohlbefinden bei Mann, Haushalt und Familie zu sorgen hatte.

Erst Ende der 1960er-Jahre kämpften sie für das Recht auf eigener Berufswahl, Gleichberechtigung und Abtreibungsmöglichkeit unter legalen Bedingungen.

Klischees, witzig-ironisch interpretierten Songs, Texte von Djuna Barnes bis Lisa Fitz, oder Tucholsky bis Katja Kulmann beleuchten nicht nur das Frauenleben.  Auch die Männerwelt wird bei dieser Revue ironisch und teilweise mit Galgenhumor betrachtet.

Diese bissig-komische Zeitreise zeigt am Ende aber auch, dass die Frauen von heute sich immer noch für gleiche Bezahlung bei derselben Arbeit wie die Männer einsetzen müssen.

Sie stoßen oft an „gläserne Decken“, die ihnen das Leben schwer machen.

Interessant und eindrucksvoll waren die eingeschobenen O-Töne aus der damaligen Zeit.

Für Play-back und Technik verantwortlich war Roland Klare.




Klingendes Spiel für die Jüngsten im Operntreff Dortmund

Am 11.05.2023 wurden die Jüngsten (ab 2 Jahre) zusammen mit ihren Eltern (oder Großeltern) zur Uraufführung des Auftragswerks „RIESEN RIESELN“ unter der Regie von Julia Dina Heße in das Dortmunder Opernhaus ein. Zusammen mit der Komponistin Kathrin A. Denner und dem gesamten künstlerischen Team wurde im Opernfoyer die Größenverhältnisse gehörig auf den Kopf gestellt.



Auf der kleinen Bühne agierten in einer fantasievoll gestalteten Umgebung mit viel Spielspaß und Stimmvolumen von der Jungen Oper Dortmund Wendy Krikken, Marcelo de Souza Felix sowie Natascha Valentin. Sie vermessen mal als grölende Ries*innen, dann wieder als flüsternde Winzlinge die Welt um sich. Das Geschehen findet im Spannungsfeld von Groß und Klein, Laut und Leise oder Schnell und Langsam statt. Die Gegenstände waren in verschiedenen Größen auf dem Bühnenboden verteilt und multifunktional verwendbar.

Wendy Krikken, Natascha Valentin, Marcelo de Souza Felix
(c) Björn Hickmann
Wendy Krikken, Natascha Valentin, Marcelo de Souza Felix
(c) Björn Hickmann

Ob etwas groß oder klein ist, hängt immer von der Perspektive ab. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Alles Große besteht aus vielen kleinen Teilchen.

Die drei Sänger*innen nehmen das „große Ganze“ unter anderem mit Hilfe von selbstgebauten Instrumenten und Geräuschemachern auseinander, bei dem „Papierkonzert“ wird beispielsweise den kleinen Zuhörer*innen klar: Es entstehen durch das Reißen eines großen Papierbogens nicht nur Geräusche, sondern der Bogen besteht aus vielen winzigen Papierschnipseln, die auf den Boden oder in ein Gefäß (wahlweise Hände) rieseln können.

In bunte Trichter konnten die Kinder am Ende dann nach Herzenslust und mit sichtbarem Vergnügen kleine Nudel „rieseln“ lassen und mit auf die Bühne kommen.

Die verschiedenen Temperamente des sehr jungen Publikums (ein Paar vielleicht nicht einmal 2 Jahre?) konnte gut beobachtet werden. Egal ob mutig neugierig oder eher zurückhaltend, sie hatten viel Freude an diesem Musiktheater.

Weitere Vorstellungstermine: Sa.:10.06.2023 um 11:00 Uhr

Für die vorgesehenen mobilen Vorstellungen wenden Sie sich bitte an das Team der Musikvermittlung jungeoper@theaterdo.de




Piano Klassik – Wilsing mit viel Genuss

Der vierte und letzte Teil der kleinen Konzertreihe um den Hörder Komponisten Daniel Friedrich Eduard Wilsing (1809 – 1893) am 14.05.2023 im Hörder Bürgersaal, stand unter dem Motto „Piano-Klassik – Wilsing mit Genuss“.



Durch hartnäckige Recherchen von Gerhard Stranz kommen immer weitere neue „Schätze“ und interessante Neuigkeiten zum Wirken dieses, noch bis vor einiger Zeit in Vergessenheit geratenen, Komponisten ans Tageslicht.

Der Genuss bezog sich nicht nur auf das musikalische Programm, sondern auch auf die Möglichkeit zur Teilnahme an einem „Wilsing Schmaus“ im (Cabaret) Queue nach dem Konzert.

Die Dortmunder Philharmoniker servierten zunächst mit den Spitzen-Pianist*innen Tatjana Prushinskaya und Karsten Scholz (beides Repetitoren bei den Dortmunder Philharmonikern) einen musikalischen Hochgenuss.

Nach Grußworten von Jochen Deschner (Vorsitzende Hörde International e.V.), Michael Depenbrock (Bezirksbürgermeister Hörde) sowie Dr. Michael Stille (Orchesterdirektor der Dortmunder Philharmoniker) begann das Programm.

Es begann Gefühlvoll mit den lyrischen Werken von Franz Peter Schuberts (1797 -1828) Impromptu Ges-Dur op. 90 Nr. 3 und As-Dur op. 90 Nr.4 (Karsten Scholz am Piano), sowie der „Suite bergamasque“ von Claude Debussy (1862 – 1918) mit Tatjana Prushinskaya am Klavier.

Mit der Fuge 1, B-Dur aus den „Drei Fugen für das Pianoforte“ von Wilsing, gespielt von T. Prushinskaya, wurde die Vertrautheit mit und Achtung vor Johann Sebastian Bach durch den Hörder Komponisten deutlich.

Eine ganz eigene dynamische Kraft entwickelte sich durch die musikalische Bearbeitung von Ludwig van Beethovens (1770 – 1827) für Klavier zu vier Händen von Daniel F. E. Wilsing. Hier wurden von Beethoven geltende Konventionen und Humor miteinander verbunden.

Das gekonnte Zusammenspiel von Prushinskaya und Scholz begeisterte das Publikum.

Musik von Wilsing kann am 24.06.2023 im Orchesterzentrum (NRW Dortmund) und am 4.8.2023 in der Probsteikirche in unserer Stadt weiter genossen werden.

Übrigens: Das „Revier“ und seine Bewohner als Anregungsquelle für musikalische Entdeckungen haben sich die Dortmunder Philharmoniker für die Spielzeit 2023/2024 vorgenommen.




Sammlungspräsentation: Kunst –> Leben –> Kunst im Museum Ostwall

Bei der neuen Sammlungspräsentation (Ebene 5) im Museum Ostwall (MO) im Dortmunder U geht es um das wechselseitige Verhältnis von Kunst –> Leben –> Kunst. Der Eintritt ist frei.

Die Sammlung umfasst rund 280 Werke der MO-Sammlung von Expressionismus, Fluxus oder Kunst der 1960er-Jahre bis zur Gegenwart.



Die Sammlung ist in drei Kapitel aufgeteilt:

Das Kapitel 1 handelt von Kunst und die Dinge des Alltags.

Die Museumsleiterin Leonie Reygers sah nach dem Zweiten Weltkrieg die Hauptaufgabe des Museums nicht nur in der Verbindung von Kunst und Lebensalltag der Bevölkerung. Sie wollte der von den Nazis geächteten Kunst des Expressionismus Geltung verschaffen, aber auch durch Ausstellung moderner Möbel, Design-Ausstellungen und Architektur in die hiesige Stadtgesellschaft einwirken.

Installationsansicht „Kunst -> Leben -> Kunst. Das Museum Ostwall gestern, heute, morgen“. Sammlungspräsentation Museum Ostwall im Dortmunder U, 2023 © Museum Ostwall im Dortmunder U/ Jürgen Spiler
Installationsansicht „Kunst -> Leben -> Kunst. Das Museum Ostwall gestern, heute, morgen“. Sammlungspräsentation Museum Ostwall im Dortmunder U, 2023 © Museum Ostwall im Dortmunder U/ Jürgen Spiler

Umgekehrt ließen sich Künstler*innen in den 1960er-Jahren vom Alltag inspirieren. Heute hat das Museum einen Schwerpunkt auf Fluxus. Kunstschaffende der Gegenwart widmen sich in unterschiedlichen Medien der Versuchung, gewohnte Sehweisen zu durchbrechen.

Im Kapitel 2 hat das Thema: Selbst machen. Das eigene Leben mit Mitteln der Kunst betrachten. Es geht hier um die Rolle von sogenannten „Laien-Künstler*innen“. Auch das fand schon bei Leonie Reygers große Beachtung. Die Werke von Laien werden derzeit wieder häufiger in Kunstaktionen gezeigt.

Die Fluxus-Kunst bietet die Möglichkeit, sich mit alltäglichen Handlungen, Spielen und Gegenständen auseinanderzusetzen und einen neuen Blickwinkel auf außereuropäische Kunst zu gewinnen.

Kapitel 3 widmet sich der Frage: Wie das Leben das Sammeln prägt. Kunst entsteht nicht in einem luftleeren Raum. Sie ist immer auch von politischen und gesellschaftlichen Einflüssen in der jeweiligen Zeit beeinflusst. Das zeigt diese Sammlungspräsentation eindrucksvoll.

Neben den drei Kapiteln werden Einblicke in den aufwendigen und notwendigen internationalen Leihverkehr, Restaurationsarbeiten und die Vermittlungskunst geboten.

Es gibt für die Besuchenden auch Möglichkeiten zur Interaktion.

Eine besondere Bedeutung (und eigene Räumlichkeit) hat der vor einem Monat gegründete MO-Beirat. Dieser besteht aus acht Menschen aus der Stadtgesellschaft, die ihre Funktion für vier Jahre ausfüllen. Der Beirat soll ergründen, in welchem Verhältnis die Kunst im MO zum Lebensalltag der Besuchenden steht, über Neueinkäufe und Präsentationsformen debattieren, sowie „Schwellenängste“ bei bisher nicht so kunstaffinen Menschen überwinden zu helfen.

Weitere Informationen zu speziellen Events, Workshops und über den Katalog zur Sammlungspräsentation finden Sie unter: https://dortmunder-u.de/museum-ostwall/