Wir Tiere! Theater, das alle Sinne weckt!

Das Stück „Wir Tiere“ (ab 4 Jahren) feierte als Kooperation mit der Jungen Bühne Bochum (JuBB) am 27.02.2026 im KJT Dortmund (Theater für junges Publikum) seine Premiere. Ars tremonia hatte die Gelegenheit, bei einem weiteren Aufführungstermin am 01.03.2026 dabei zu sein.

Zum Kooperationskollektiv gehörten aus dem KJT-Ensemble Andreas Ksienzyk, Bianca Lammert und Jan Westphal sowie Manuel Loos (Musiker, Klangschrauber, Spieler) und die Musikerin und Performerin Maria Trautmann. Für eine eindrucksvolle Choreografie (z. B. als Baum) sorgte Lea Kallmeier (JuBB).

Im Eingangsbereich des Theaters wurden die Kinder sowie die Erwachsenen zunächst von den sechs als „Natur“ auftretenden Schauspieler*innen in Empfang genommen. Die eine Hälfte des Publikums bekam jeweils einen Stein in die Hand, die andere ein Stück Rinde. Die Stein-Gruppe ging zuerst, geführt von „Naturfrau“ Bianca Lammert, in den KJT-Theaterraum, um den Tieren und Pflanzen auf der Erde auf die Spur zu kommen.

Ein semitransparentes weißes Zelt diente als ideale Projektionsfläche. Im Zusammenwirken mit der eingespielten Geräuschkulisse entstand das Gefühl, als würden die Anwesenden mit den Tieren (Fuchs, Falke, Bienen u. a.) durch den Wald streifen. Mithilfe von Erzählungen, der Erzeugung von Geräuschen (Klangschalen, Fingerschnipsen und mehr) und visuell eindringlichen Naturprojektionen wurden die verschiedenen Sinneswahrnehmungen von Tieren sowie die komplexen Naturzusammenhänge fühl- und erlebbar. Besonders das junge Publikum wurde immer wieder mit gezielten Fragen in das Geschehen einbezogen.

v.l.n.r.: Manuel Loos (Junge Bühne Bochum), Maria Trautmann (Junge Bühne Bochum), Jan Westphal, Bianka Lammert© Birgit Hupfeld
v.l.n.r.: Manuel Loos (Junge Bühne Bochum), Maria Trautmann (Junge Bühne Bochum), Jan Westphal, Bianka Lammert
© Birgit Hupfeld

Danach ging es – wie schon für die Rinde-Gruppe zuvor –, geführt von Andreas Ksienzyk, die Treppe hinunter „unter die Erde“ (Bereich Café). Ein schwarz gehaltener Bereich war (wie schon oben im Theater) mit Sitzgelegenheiten am Rand – für die nicht mehr ganz so jungen Personen – sowie mit Sitzkissen in der Mitte für die Kinder gestaltet. Liebevoll und fantasievoll waren im Raum viele künstliche Baumwurzeln (die an helle Ankerleinen erinnerten) und „Regenwürmer“ platziert. Ksienzyk berichtete von der wichtigen Funktion von Wurzeln, Regenwürmern oder Maulwürfen und deren besonderen Fähigkeiten. Ein aus einem Wurzelgestrüpp entstiegener Baum (Lea Kallmeier) unterstützte ihn dabei aus seiner eigenen Perspektive.

Oben im Theater trafen sich beide Gruppen zu einem akustisch-visuellen Showdown. Während imposante Projektionen von Naturgewalten oder Vogelschwärmen am Zelthimmel zu sehen waren, spielten die Protagonist*innen des Stücks an einem langen Tisch passend dazu Klänge auf fünf Glockenspielen – elektronisch verstärkt durch Manuel Loos.

Eine schöne Möglichkeit für Stadtkinder, sich für einen Augenblick in die Tiere hineinzuversetzen und etwas über Naturkreisläufe und Zusammenhänge zu erfahren.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.

 




Zwei musikalische Gipfelwerke der Romantik

Das 5. Philharmonische Konzert am 24./25.02.2026 im Dortmunder Konzerthaus unter dem Titel „Brahms/Elgar“ entführte die Anwesenden musikalisch in die Zeit der Romantik an der Wende zum 20. Jahrhundert. Zwei Werke – variationsreich, tiefsinnig, reichhaltig in der formalen Gestaltung und von hoher emotionaler Ausdruckskraft – standen auf dem Programm.
Die erste Hälfte gehörte dem Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms (1833–1897). Hierfür hatten die großartig aufgelegten Dortmunder Philharmoniker die renommierte italienisch-amerikanische Geigerin Francesca Dego als Solistin gewinnen können. Die musikalische Leitung der beiden Abende übernahm der amerikanische Dirigent Kenneth Woods. Dieser hat, ebenso wie der britische Komponist Edward Elgar (1857–1934), eine enge Verbindung zur englischen Stadt Worcester. Ein besonderer Bezugspunkt.

Die Violonistin Francesca Dego begeisterte das Publikum im Konzerthaus (Foto: (c)  Davide Cerati )
Die Violonistin Francesca Dego begeisterte das Publikum im Konzerthaus (Foto: (c) Davide Cerati )

Das Violinkonzert von Brahms entfaltet oft eine helle, idyllische Grundstimmung, die von Francesca Dego empathisch vermittelt wurde. Im ersten Satz mit der Kadenz von Ferruccio Busoni (als Reminiszenz an die Kadenz von Beethoven) wird die Violine von der Pauke begleitet. Der zweite Satz ist musikalisch mit einer gelungenen Balance zwischen Orchester und Soloinstrument intensiv-romantisch ausgestaltet. Brahms’ Violinkonzert entstand am Wörthersee. Diese schöne Natur fand durch die Horninstrumente eine besondere Ausdrucksform. Der temperamentvolle, an ungarische Tänze erinnernde dritte Satz verlangte der Solovioline höchste Virtuosität und großes Können ab. Dego gelang es wunderbar, tiefe Empfindsamkeit, Melancholie und Dramatik über ihr Instrument zu transportieren.
Nach der Pause wurde das Publikum mit Edward Elgars „Enigma-Variationen über ein Originalthema op. 36“ in die Zeit des Britischen Empires an der Wende zum 20. Jahrhundert geführt. Enigma bedeutet „Rätsel“. Der Komponist hat in den Variationen Porträts der verschiedenen Charaktere von Bekannten und Verwandten musikalisch verschlüsselt. Auch ein Selbstporträt soll darunter sein. Es bleibt ein geheimnisvolles Werk. Die Musik der einzelnen Variationen ist dementsprechend sehr vielfältig: manchmal romantisch-melancholisch, dann wieder sprunghaft oder aufbrausend. Dies war eine große Herausforderung für das gesamte Orchester, die hochprofessionell und mit viel Herzblut gemeistert wurde.




Ein intensiver Ballettabend für Frida Kahlo

Im Opernhaus Dortmund konnten Ballettfreunde am 13.02.2026 die Erstaufführung von „Frida“ erleben. Die Choreografie stammt von Annabelle Lopez Ochoa (Artist in Residence) und wurde vom Ballett Dortmund unter Beteiligung des NRW Juniorballetts eindrucksvoll umgesetzt.

Im Mittelpunkt dieser Produktion stehen Liebe, Leiden und Leidenschaft im Leben der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo (1907–1954). Das Stück beleuchtet, wie sie nach schweren gesundheitlichen Schicksalsschlägen – Kinderlähmung und ein verheerender Busunfall – zur Malerei fand. Ihr Leben war geprägt von körperlichen Schmerzen, mehreren Fehlgeburten sowie der Untreue ihres Ehemannes, des Malers Diego Rivera (1886–1957). Dieser war in Mexiko vor allem durch seine politisch motivierten Wandmalereien (Murales) berühmt geworden.

Das Malen bot Frida die Möglichkeit, ihren Schmerz in Kunst zu verwandeln. Auch ihre Fluchten in Affären mit Männern und Frauen änderten bis zu ihrem Tod nichts an ihrer tiefen Verbundenheit zu Diego.

Filip Kvačak als Diego und Sae Tamura als Frida (Foto: (c) Leszek Januszewski)
Filip Kvačak als Diego und Sae Tamura als Frida (Foto: (c) Leszek Januszewski)

Die Agierenden, allen voran Sae Tamura als Frida und Filip Kvačak als Diego, machten die tiefen Emotionen mit Präzision und Ausdruckskraft tänzerisch spürbar. Die besondere Sicht der Mexikaner auf den Tod, der dort als Teil des täglichen Lebens verstanden wird, wurde durch die ständige, beinahe selbstverständliche Präsenz von Skeletten verdeutlicht. Fridas Volksverbundenheit spiegelte sich in den farbenprächtigen Tehuana-Gewändern und dem charakteristischen Blumenschmuck wider – eine Tracht, in der sich die Künstlerin zeitlebens gern präsentierte.

Ihre schwierige Lage wird symbolisch durch einen schwarzen Kasten dargestellt, in dem sie oft wie „gefangen“ wirkt. Durch ihr Alter Ego, den Geist des Rehs (Liberty Fergus), wird sie zur heilenden Kraft der Malerei geleitet. Überhaupt spielen Tiere wie Vögel, Hirsche oder Affen eine zentrale Rolle in ihrer Lebenswelt. Fridas berühmte Selbstporträts wurden durch farbenfrohe Visionen des Ensembles, schillernde Kostüme und eine von oben herabschwebende Pflanzenpracht visualisiert.

Neben der wunderbaren Kostümauswahl überzeugte die passende Musik zur dramatischen Geschichte. Ein von Olivia Lee-Gundermann sensibel geleitetes Ensemble der Dortmunder Philharmoniker sorgte für die emotionale Begleitung. Dabei kamen auch Instrumente aus dem lateinamerikanischen Kulturraum zum Einsatz. Die Komposition stammt von Peter Salem (* 1958). Zusätzlich wurden melancholische Toneinspielungen von Chavela Vargas – einer engen Freundin Kahlos – verwendet.

Das Ballett bietet berührende, nonverbale Einblicke in das Leben einer besonderen Künstlerpersönlichkeit, ohne explizit auf ihr politisches Wirken einzugehen. Es zeigt eine starke Frau zwischen Verzweiflung, schöpferischer Kraft und unbedingtem Selbstbehauptungswillen. Über allem steht ihr Motto: „Viva la vida“!

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231 / 50 27 222.

 




Eine Reise durch Jahrhunderte amerikanischer Musikgeschichte

Das Klangvokal Musikfestival Dortmund lud am 30. Januar 2026 zu einem besonderen Abend in das Reinoldihaus: Das renommierte Vokalensemble Chanticleer präsentierte sein Programm „OUR AMERICAN JOURNEY“. Der Anlass könnte kaum passender sein, begehen die Vereinigten Staaten in diesem Jahr doch ihren 250. Unabhängigkeitstag.

Das 1978 in San Francisco gegründete und mit einem Grammy ausgezeichnete Ensemble steht unter der Leitung von Tim Keeler. Es setzt sich aus sechs Countertenören, drei Tenören sowie drei Bässen bzw. Baritonen zusammen.

Die Sänger führten das Publikum auf eine abwechslungsreiche Reise durch mehrere Jahrhunderte und diverse Musikstile. Der Abend begann mit Werken aus spanischen und mexikanischen Chorbüchern des 17. Jahrhunderts, gefolgt von Klängen, die ihren Ursprung in den englischen Kolonien Nordamerikas haben. Auffällig war dabei die Stimmführung, die sich nur selten den strengen Regeln des formalen Kontrapunkts unterwarf.

Einen besonders tiefen Eindruck hinterließ vor der Pause das Stück „Un-Covered Wagon“, das Brent Michael Davids 2002 eigens für Chanticleer komponierte. Es nimmt Bezug auf den Stummfilm „The Covered Wagon“ (1923), der einen Siedlertreck von 1848 aus einer glorifizierenden Pionier-Perspektive zeigt. Davids bricht mit dieser einseitigen Sichtweise und dem Mythos der „unbewohnten Landschaft“. Stattdessen lenkt er den Blick – und das Gehör – auf die Ureinwohner, indem er indigene Musikelemente kunstvoll in das Werk integriert.

Das Programmhelft von Chanticleer."
Das Programmhelft von Chanticleer.“

Breiten Raum nahmen zudem der Shape-Note-Gesang sowie Spirituals und Gospels der afroamerikanischen Gemeinschaft ein. In den protestantisch-methodistischen Kirchen entwickelten sich diese Stile einst zu einem lebendigen Ausdruck der Freiheit für ehemals versklavte Menschen.

Mit „Hee-oo-oom-he“ von Toby Twining bot das Ensemble spannenden experimentellen Gesang: Markante Klänge, wechselnde Metren, Polyrhythmen sowie Techniken wie Vocal Fry, Jodeln und Hecheln forderten die Sänger heraus. Den Abschluss bildete ein Ausflug in die moderne Welt des Jazz und Pop.

Chanticleer glänzte nicht nur durch starke Solisten, sondern auch durch perfekte Intonation und klangliche Reinheit im Zusammenspiel der Stimmlagen – ein vielschichtiges und anspruchsvolles Programm, das meisterhaft umgesetzt wurde.




Kammerkonzert mit Ausnahmewerken der Klassik

Die Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund war am 29.01.2026 der ausgewählte Ort für das 2. Kammerkonzert „Ausnahmewerke“.

Zwei Ausnahmewerke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) und Johannes Brahms ((1833 – 1897), zeigten einer Streichergruppe der Dortmunder Philharmoniker ihre virtuose Beherrschung des Instruments unter Beweis zu stellen. Das Publikum hatte Gelegenheit, den großen musikalischen Klangzauber nah zu erleben.

Am Anfang stand Mozarts umfangreichstes anspruchsvolles Instrumentalwerk „Divertimento Es-Dur KV 563 mit sechs vielschichtige, lebendig abwechslungsreich und fantasievoll gestaltete Sätze auf dem Programm.

Yang Li (Violine) sowie ihre beiden Kollegen Juan Ureña Hevia (Viola) und Emanuel Matz (Violoncello) boten in fluktuierenden, nicht statisch fest zugewiesenen Rollen ein kongeniales dreistimmiges Zusammenspiel.

Nach der Pause folgte Johannes Brahms „Streichquintett Nr. 2 G-Dur-op 111“.

Die Musiker des Kammerkonzerts (Foto: (c) Stina Wirth)
Die Musiker des Kammerkonzerts (Foto: (c) Stina Wirth)

Das Streichertrio wurde hierbei von Joowon Park (Violine) und Hindenburg Leka (Viola) engagiert unterstützt. Das viersätzige Werk beginnt mit einem kraftvollen Cellothema vor quasiorchestralem Hintergrund. Im weiteren Verlauf kam Brahms‘ Liebe zum Walzer zur Geltung. Der zweite Satz (Adagio) ist nicht nur ungewöhnlich harmonisiert, sondern zeichnet sich durch freie und unkonventionelle Variationen aus. Typisch für Brahms erscheint dann das Scherzo, das schattenhaft dahinhuschend und volkartigem Mittelteil daherkommt. Der Letzte Satz ist voll Übermut und weist auf die Faszination für ungarische Tänze hin. Er beendet das an Vielseitigkeit reiche Werk.

Eine besondere Zugabe gab es noch mit der sensiblen instrumentalen Interpretation des Schlafliedes „Guten Abend, gut Nacht“ (Brahms).




Pop-Fassade und toxische Weiblichkeit

Im Studio des Schauspiels Dortmund feierte am 23.01.2026 die musikalische, queere Sitcom „I wanna be a Gurrrlband“ unter der Regie von Shari Asha Crosson ihre Uraufführung.

Die Girlband „Poly Pockets“ steht im Mittelpunkt des Geschehens. Die vier Frauen – Jeanne (Sarah Quarsie), Alice (Push Abdellaoui), Demmi (Rose Lohmann) und Salome (Hannah Müller) – vertreten unter dem Slogan „All we need is Girl Power“ ein queeres Selbstverständnis. Mit dabei ist auch Demmis Hund Kylo, der das Geschehen als Beobachter mit bissig-frechen Kommentaren begleitet.

Der Bruch der Fassade

Als ihr innen komplett rosaroter Tourbus in der Wüste liegen bleibt, zerbricht in der Hitze die glitzernde Pop-Fassade. Eine toxische Mischung aus subtilen Machtspielen, Begehren, Erschöpfung und der Suche nach Authentizität bricht hervor. Konkurrenzdruck, Perfektionismus (befeuert durch die sozialen Medien) sowie Eifersucht treten offen zutage. Es zeigt sich: Auch Frauen können patriarchale Strukturen weitertragen.

v.l.n.r.: Sarah Quarshie, Rose Lohmann, Hannah Müller und Puah AbdellaouiFoto: ©Birgit Hupfeld
v.l.n.r.: Sarah Quarshie, Rose Lohmann, Hannah Müller und Puah Abdellaoui
Foto: ©Birgit Hupfeld

Die vier Band-Mitglieder tragen Namen, die auf weibliche Rollenbilder der Geschichte verweisen:

  • Jeanne: Die Frontfrau ist nach der Kriegerin Jeanne d’Arc benannt und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Unabhängigkeit, Macht und Nähe.
  • Salome: Sie verweist auf die biblisch-mythologische Verführerin (Verbindung von Begehren, Macht und Tod) und schützt sich durch eine Fassade aus Ironie und Zynismus.
  • Alice: Sie wandelt wie „Alice im Wunderland“ zwischen Traum und Realität.
  • Demmi: Sie verkörpert die müde, desillusionierte, aber fürsorgliche Demeter-Figur.

Ausbruch aus Narrativen

Die Managerin Sharly Mannson (Shari Asha Crosson) lenkt das gewünschte Verhalten der Band per Video; es geht allein um Profitinteressen. Solange die Frauen im Sinne des Systems „funktionieren“ und Erfolg haben, sind sie „sichtbar“. Die Figuren versuchen jedoch, sich aus festgefahrenen Narrativen zu befreien und ihre Geschichte selbst in die Hand zu nehmen. Das Ende – so viel sei verraten – verweigert allerdings ein klassisches Happy End.

Die Inszenierung räumt der Musik von Girlbands wie den „Spice Girls“ und anderen viel Platz ein. Dies ist nicht nur gesanglich eine Herausforderung für das Quartett auf der Bühne: In passenden Outfits bewältigen sie scheinbar mühelos eine anspruchsvolle, frech-frivole Choreografie.

Die queer-feministische Sitcom richtet sich, auch sprachlich, vor allem an ein jüngeres Publikum.

Infos zu den weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel. 0231 / 50 27 222.

 




Lucie Horsch und die Vielfalt der Blockflötenkunst

Erneut gastierte die niederländische Star-Blockflötistin Lucie Horsch (* 1999 in Amsterdam) am 22.01.2026 im Rahmen der Reihe „Junge Wilde“ im Dortmunder Konzerthaus. An ihrer Seite brillierte diesmal als kongeniale Begleitung das 2005 in Gent gegründete B’Rock Orchestra, ein Ensemble aus 13 Musikerinnen und Musikern. Das Orchester verbindet seine Leidenschaft für Barockmusik mit modernen, zeitgenössischen Interpretationen.

Das Programm bot eine vielseitige musikalische Reise durch mehrere Jahrhunderte, die häufig die facettenreichen Gefühlswelten der dunklen Nacht thematisierte. Dabei gingen die einzelnen Beiträge fast fließend ineinander über.

Von barocker Pracht zu moderner Abstraktion

Im Spiegel des Barocks erklangen anspruchsvoll-virtuose Arrangements von Antonio Vivaldi (1678–1741), Arcangelo Corelli (1653–1713) und Pietro Antonio Locatelli (1695–1764). Kontrastiert wurden diese durch die komplexen Klangwelten Béla Bartóks (1881–1945), die meditativ-reduzierte Musik Isang Yuns (1917–1995) sowie die abstrakten musikalischen Frequenzen von György Kurtág.

Lucie Horsch (Foto: Simon Flowler)
Lucie Horsch (Foto: Simon Flowler)

Ein besonderer Höhepunkt war das nach der Pause präsentierte Werk „Airs, Riffs & Runs“, das Robert Zuidam eigens für diesen Anlass für Lucie Horsch komponiert hatte. Nach einem lyrischen Beginn steigert sich das Stück in eine kinetische Ekstase, um schließlich in einem rockigen Scherzo zu münden.

Virtuosität und Ausdruckskraft

Die charismatische Solistin begeisterte durch die meisterhafte Beherrschung ihres Instruments, wobei ihr ganzer Körper die Musik sichtlich mitgestaltete. Da sie während des Konzerts immer wieder zwischen verschiedenen Flöten wechselte, kam die gesamte Bandbreite und Ausdruckskraft der Blockflöte zur Geltung.

Auch das B’Rock Orchestra stellte sein Können und Einfühlungsvermögen unter Beweis, insbesondere beim theatralischen Concerto grosso für Streicher und Basso continuo Es-Dur op. 7 Nr. 6 von Locatelli. In zehn kurzen Sätzen vertonte der Komponist hier auf originelle Weise die Gefühlswirren der verlassenen mythologischen Figur Ariadne.

Dass Lucie Horsch zudem über eine starke Stimme verfügt, bewies sie eindrucksvoll bei einer Arie als Zugabe.




Wiener Melange im Pott – Jordan de Souza bittet zum Walzer

Es muss nicht immer der Goldene Saal in Wien sein: Zum Jahresauftakt 2026 verwandelten die Dortmunder Philharmoniker das Konzerthaus in einen Ballsaal. GMD Jordan de Souza bewies bei seinem Neujahrs-Debüt, dass er nicht nur den Taktstock, sondern auch das Publikum fest im Griff hat – mit Verve, Charme und einem klaren Verzicht auf militärischen Marsch-Pomp.

Wer am Neujahrstag ins Konzerthaus kam, erwartete Tradition, bekam aber glücklicherweise keine Routine. Jordan de Souza, der neue Generalmusikdirektor, nutzte sein erstes Heimspiel zum Jahreswechsel, um das Motto „Wiener Gäste“ wörtlich zu nehmen: Er lud das Publikum ein, die österreichische Hauptstadt nicht als Museum, sondern als lebendigen, pulsierenden Ort zu erleben.

Vom Puszta-Feuer zur geigerischen Intimität

Dass der Weg nach Wien historisch oft über Ungarn führte, machte der Auftakt deutlich. Bei den Ungarischen Tänzen von Brahms verzichtete de Souza auf plumpe Effekthascherei und setzte stattdessen auf rhythmische Schärfe. Das Orchester folgte seinem Chef mit hörbarer Spielfreude, wechselte ansatzlos von melancholischer Schwere in jenes feurige Tempo, das den Puls für den Abend vorgab.

Arabella Steinbacher spielte Max Bruchs Violinkonzert. (Foto: Co Merz)
Arabella Steinbacher spielte Max Bruchs Violinkonzert. (Foto: Co Merz)

Den emotionalen Ankerpunkt setzte jedoch Arabella Steinbacher. Wer bei Max Bruchs erstem Violinkonzert nur virtuose Fingerübungen erwartet, wurde eines Besseren belehrt. Steinbacher, längst eine feste Größe auf den Weltbühnen, suchte in dem oft gespielten Gassenhauer nicht den großen Effekt, sondern das intime Gespräch. Ihr Ton – mal sehnend, mal energisch zupackend – verschmolz mit dem Orchester, statt bloß darüber zu schweben. Dass sie für den tosenden Applaus eine Zugabe von Fritz Kreisler aus dem Ärmel schüttelte, war nur folgerichtig: technische Brillanz mit einem augenzwinkernden Lächeln.

Walzer ohne Staubschicht

Nach der Pause dann das, wofür man am 1. Januar ins Konzert geht: Der Dreivierteltakt. Doch Jordan de Souza lief nicht Gefahr, in Kitsch abzudriften. Strauss’ Rosen aus dem Süden blühten üppig, aber diszipliniert, und die Pizzicato-Polka geriet zum humoristischen Kabinettstückchen, bei dem die Streicher ihre Instrumente fast als Schlagwerk behandelten. Als schließlich die Schöne blaue Donau durch den Saal floss, war der „Wiener Schmelz“ auch in Westfalen angekommen.




Geierabend 2026 startet in eine kurze, knackige Session

Für die Freunde des kultigen Dortmunder Ruhrpott-Karnevals gibt es gute Nachrichten. Auch im Jahr 2026 wird auf der historischen Zeche Zollern – diesmal für eine ultra-kurze Session (02.01. – 17.02.2026) – wieder der „Geierabend“ zelebriert.

Das rundum neue Programm bietet erneut eine schräge Mischung aus bissigem Humor mit politischen Seitenhieben und viel Lokalkolorit. Musikalisch wird es – so Geierabend-Legende Sandra Schmitz – „laut und rockig“ mit einer bunten Bandbreite von Gangnam Style über Britney Spears bis Richard Wagner. Bandleader Pele Götzer führt als musikalischer Kopf durch den Abend.

Neben den bewährten Kräften Sandra Schmitz, Martin Kaysh (Steiger), Silvia Holzhäuser, Patrick Dollas und dem „Präsi“ Roman Marczewski stoßen mit dem Theater- und Filmschauspieler Benjamin Werner sowie dem gebürtigen Herdecker Stefan Peters zwei „Neue“ dazu.

Das Plakat der Session 2026 des Geierabends. (Foto: Tania Reinicke)
Das Plakat der Session 2026 des Geierabends. (Foto: Tania Reinicke)

Das Ensemble vermählt unter anderem die Erotik von New-Adult-Romanen mit der Resopal-Romantik ruhrpotttypischer Eckkneipen, und die SPD beschwört nach der Kommunalwahl beim Trauerseminar die Geister erfolgreicher Jahre. Außerdem jagt die WaPo Phoenixsee ein Seeungeheuer und vieles mehr. Klassiker wie etwa Publikumsliebling Jessica Schmottke (als mehrfach Alleinerziehende) dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Hinter den Kulissen arbeitet erneut ein Team aus einigen der renommiertesten Satire-Autorinnen und Autoren Deutschlands. Zu nennen wären da Jana Fischer (Autorin: Carolin Kebekus Show), Thomas Rogel (Heute-Show) sowie Markus Henning (ZDF-Magazin Royale).

Auch kulinarisch wird das Publikum wie gewohnt gut versorgt (nicht nur mit der besten Currywurst des Ruhrgebiets). Es empfiehlt sich, sich möglichst schnell Karten zu sichern!

Erhältlich unter www.geierabend.de

Vorstellungen: Donnerstags bis sonntags, in der Karnevalswoche zusätzlich am Mittwoch sowie an Weiberfastnacht.




Eine Feier der inklusiven Kunstpraxis

Das Schauspiel Dortmund lud gemeinsam mit dem mixed-abled Kollektiv „I can be your translator“ vom 12. bis 14.12.2025 zum Festival „Hurra, Theater für Viele!“ ein. Das Team von Ars tremonia besuchte am Samstag, den 13.12.2025, Linda Fisahns „Sommer-nachts-traum“ (Oder was immer dich durch die Nacht bringt) im Institut des Schauspiels.

Nach „Romeo und Julia“ hat sie sich nun mit einem besonderen Fokus auf die Liebe und die Natur Shakespeares Sommernachtstraum angenommen. Auf der Bühne standen Linda Fisahn selbst als Feenkönigin Titania, kongenial begleitet von Anton Berman (Schauspielkomponist am Keyboard) als Elfenkönig Oberon sowie Rose Lohmann (neues Ensemblemitglied im Schauspiel Dortmund) als Dienerin der Feenkönigin. Alle waren dem Anlass entsprechend festlich gekleidet.

Kostmprobe zu "Ein Sommernachtstraum". Foto: (Jonas Fromme)
Kostmprobe zu „Ein Sommernachtstraum“. Foto: (Jonas Fromme)

Emotionen und Stimmungen spielten hier eine wesentliche Rolle. Das wurde dem Publikum schon beim Einlass ins Institut verdeutlicht. Dort wurden von den drei Darstellenden über einen längeren Zeitraum verschiedene Tierstimmen (Schweinegrunzen, Vogelgezwitscher u.a.) des Waldes imitiert. So wurden die Anwesenden atmosphärisch in die zauberhaft-mystische Welt der Elfen, Feen und des Puck entführt. Der besondere Liebeszauber der Blume „love-in-idleness“ kam auch in dieser Inszenierung nicht zu kurz.

Was kann Liebesgefühle besser transportieren als Musik? Mit viel Herzblut sang Titania etwa „Durch den Monsun“ (Tokio Hotel) oder „Dein ist mein ganzes Herz“ (H.R. Kunze). Am Ende wurde getanzt und man konnte sich gut gelaunt mit den drei glücklichen Protagonisten freuen.