Eindrucksvoll bildgewaltige Musik beim Philharmonischem Konzert

Mit seinem Motto „Unter Tage“ wurde beim 6. Philharmonischen Konzert am 13. Und 14.02.2024 in Dortmund wieder ein Bezug von klassischer Musik und Bergbauvergangenheit des Ruhrgebiets hergestellt.



Für die beiden Abende im Dortmunder Konzerthaus wurde vom hiesigen Orchester unter der emphatischen Leitung des estnischen Dirigenten Mihhail Gerts das Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58 von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) sowie aus der Musik zu Peer Gynt vom norwegischen Komponisten Edvard Grieg (1843 – 1907): Im Hochzeitshof und die Suiten Nr. 1 plus 2 aufgeführt.

Für Beethovens lyrisches und dramatisches Klavierkonzert konnte der virtuose Schweizer Pianist Louis Schwizgebel (*1987) gewonnen werden.

Ungewohnt ist der Beginn des Soloinstruments mit einer lyrisch- träumerischen Klangfarbe, dem sich langsam anschließenden Streichern, Bläsern und am Ende zu einem grandiosen Tutti das gesamte Orchester anschließen. Der Satz biete aber nicht nur das sanft Pochende Motiv, sondern zudem konflikthaft zugespitzte und anspruchsvoll-virtuose Passagen.

Im Gegensatz steht der von seinen Kontrasten lebende zweite Satz.  Er ist allein für das Solo-Klavier und die Streicher orchestriert. Auf der einen die Streicher mit ihren dramatisch-pulsierenden Klängen, auf der anderen Seite das mit seiner choralhaft-weichen Tönen flehend aufbegehrende Solo-Klavier. Das weckt durchaus Assoziationen zu dem Mythos des für die Befreiung von Eurydike flehenden Orpheus in der Unterwelt. Dieser verzauberte die Unterwelt mit der Macht seines Gesangs.

Mit einem überschäumenden Rondo wird das Publikum zum Schluss wieder zurück ins Jetzt geführt. Der Pianist begeisterte es mit seiner Virtuosität und Sensibilität am Klavier.

Nach der Pause stand Edvard Griegs Musik zu „Peer Gynt“ – beeinflusst von der Ausdruckskraft norwegischer Volkslieder und Sagen – im Mittelpunkt.

Nach dem Beginn mit der Ouvertüre „Hochzeitshof“ folgten die von ihm später aus rein musikalischen Gründen zusammengestellten Suite Nr. 1 op. 46 und Suite Nr. 2 op. 55

Zu Anfang der Suite Nr. 1 ist die bekannte (sogar zu werbezwecken benutzte) äußerst romantisch und eindrucksvolle „Morgenstimmung“ zu hören. Bei der Bühnenfassung erscheint diese erst im vierten Akt und ist in Marokko verortet.

Passenderweise lässt sie uns eher an den Sonnenaufgang im Norden denken. Es folgt eine musikalische Reise mit Peer Gynt. Unter anderem führt sie uns in „Die Halle des Bergkönigs“, der fantastischen Welt unter Tage ins Reich der Trolle, wo sich Peer Gynt der grotesken Töchter des Bergkönigs erwehren muss.  Die Musik ist entsprechend dramatisch. Auch mit der Unausweichlichkeit des Todes (Ăses Tod) wird sich auseinandergesetzt. Der Satz endet mit Anitras Tanz.

Die Suite Nr. 2 bietet mit Arabischen Tanzrhythmus, Brautklau (Ingrids Klage) oder am Ende das sehnsuchtsvolle Lied von Solveig viel Abwechslung und variationsreiche musikalische Elemente.

Eindringliche und bildgewaltige Musik, die wie so oft starke aufspielende Dortmunder Philharmoniker mit einem für das Konzert passenden Dirigenten und grandioser Solo-Pianist sorgten für ein bewegendes Erlebnis.




Die Tür nebenan – Witzig-kluge Beziehungskomödie im Dortmunder U

Das Dortmunder Theater im U hatte am 27.01.2024 wieder einmal  „austroPott“ mit der Premiere des neuen Zweipersonenstück „Die Tür nebenan“ von Fabrice Roger-Lacan (Deutsch von Pamela Knaack) zu Gast.



Viele Menschen haben sicherlich „Der Kontrabass“ oder auch „Kunst“ von „austroPott“ in guter Erinnerung, die immer noch auf dem Spielplan stehen.

In der neuen Komödie leben zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten in enger Nachbarschaft. Sie (Monika Bujinski) ist eine Psychologin, und er (Michael Kamp) in der Werbebranche für den Verkauf von Joghurt zuständig.

Jede Begegnung von ihnen endet schnell in einem Desaster. Anstatt auf dem Hausflur suchen sie im Internet nach der großen Liebe. Ist die möglicherweise nicht weit weg?

Die Protagonisten sind im wahren Leben ein gut eingespieltes Ehepaar und das spürt man auf der Theaterbühne.

Mit viel Witz, ironischen Anspielungen sowie lebendigem Gestik-Mimik Spiel verkörperten sie die beiden Charaktere mit ihren Widersprüchen, Vorurteile und der Suche nach Liebe.

Trotz schlagfertiger und aufreibender Wortgefechte suchen beide immer wieder die Nähe. Dem Publikum werden die Abgründe des modernen Singledaseins gezeigt. Klug, komisch, zwischendurch anrührend und dabei ohne übertriebene Sentimentalität.

Die Musikauswahl und Untermalung wurden passgenau eingesetzt.

Bei den häufigen Bühnenbildwechsel und Verschiebungen wurde den beiden Schauspieler*innen auch physisch einiges abverlangt.

Eine im besten Sinne unterhaltsame Boulevard-Komödie.

Tickets und Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie unter www.austropott.de oder Tel.: 0231/ 99 320 430




Operndrama um Treue, Verrat und falsche Heldenmythen

ars tremonia durfte am 19.01.2024 die zweite Aufführung des lyrischen Dramas „La Montagne Noire“ (Der schwarze Berg) in vier Akten und fünf Bildern der französischen Komponistin Augusta Holmès (1847 – 1903) in der Oper Dortmund miterleben.



Diese in Vergessenheit geratene Oper ist in verschiedener Hinsicht bemerkenswert. Sie ist von einer willensstarken und durchsetzungsfähigen Frau komponiert, die zudem auch noch das Libretto dazu verfasst. Da gibt es nicht so viele.

Anna Sohn (Héléna), Alisa Kolosova (Dara), Opernchor Theater Dortmund
(c) Björn Hickmann
Anna Sohn (Héléna), Alisa Kolosova (Dara), Opernchor Theater Dortmund
(c) Björn Hickmann

Die Regisseurin Emily Hehl ist mit ihrer Inszenierung in die Tiefen der ursprünglichen Fassung dieser Oper mit ihrem Bezug zur slawischen Literatur, epischen Gedichten und slawischen Volksliedern eingedrungen. Denn „La Montagne Noire“ stellt keine rein fiktive Dichtung dar. Symbole und Metaphern spielen eine große Rolle.

Neben der Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Motonori Kobayashi wurde deshalb von Anfang an extra eine (blinde) Gusla-Spielerin eingeführt. Die Tradition der Gusla ist hängt unmittelbar mit den alten epischen Volksliedern des Balkans und der Identitätsbildung der Montenegriner zusammen. Durch sie blickt das Publikum wie durch einen Filter auf das Geschehen. Eine wichtige unterstützende Funktion hat wieder einmal der Opernchor Theater Dortmund (und Projekt Extrachor) sowie die Statisterie des Theaters.

Hintergrund bildet der Unabhängigkeitskampf des christlich-orthodoxe Montenegro gegen das (muslimische) Osmanische Reich. Die montenegrinischen Krieger Mirko (Sergey Radchenko) und Aslar (Mandla Mndebele) schwören sich nach erfolgreicher Heimkehr ewige Treue und werden quasi „Blutsbrüder“. Das Ritual wird von dem Gründer der serbisch-orthodoxen Kirche Sava (Denis Velvet) durchgeführt.

Als sich Mirko in die gefangene Türkin Yamina (Aude Extrémo) verliebt, verlässt er seine Heimat. Er schwankt lange zwischen Yaminas orientalischer Verführung und der Loyalität zum Land, Aslar, seiner Verlobten Héléna (Anna Sohn) und Mutter Dara (Alisa Kolosova). Aslar will den Verrat des Bruders nicht hinnehmen, worauf beide am Ende den Tod finden.

Der Nachwelt wird auch Mirkos Tod als „ehrenvoll und heldenhaft im kriegerischen Kampf“ überliefert, obwohl er eigentlich mit seinem Bruder, Nation und Religion gebrochen hat.

Die beteiligten Ensemble-Mitglieder konnten nicht nur durch ihre starken Stimmen überzeugen, sondern konnten sich auch gut in ihre jeweiligen Charaktere und ihre Situation einfühlen.

Das in der vollständigen Opernfassung Yamina als starke und freie Frau überlebt, kann durchaus als Kritik der Komponistin an patriarchalen Strukturen zu ihrer Lebenszeit gesehen werden.

Musikalisch bietet die Oper eine anspruchsvolle Bandbreite von intensiv romantisch-gefühlvoll bis hin zu einem dramatischen Feuerwerk.

Die Komponistin war stark von Richard Wagner beeindruckt und beeinflusst. Das wird etwa an dem sich durchziehenden Gusla-Motiv oder dem relativ großen Pathos-Anteil deutlich.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen finden Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.:0231/ 50 27 222




Faszination Stadionstimmung und klassische Musik

Die Dortmunder Philharmoniker präsentieren in der Spielzeit 2023/2024 das Ruhrgebiet in seinen verschiedenen Facetten. Am 16./17.01.2024 wurde im hiesigen Konzerthaus eine spannende Verbindung zwischen der Faszination des Stadions und klassischer Musik geschaffen. Die Dortmunder Philharmoniker unter der temperamentvollen Leitung des jungen belgischen Dirigenten Martijn Dendievel hatte hierfür als Moderatoren Dr. Michael Stille (Orchesterdirektor) sowie BVB-Stadionsprecher Nobby Dickel eingeladen.



Als passender Einstieg (wie vor jedem Heimspiel) wurde auch hier „You’ll Never Walk Alone“ (Richard Roger/Oscar Hammerstein II) gesungen. Kammersänger Morgan Moody sorgte mit seinem kraftvoll-warmen Bassbariton für Gänsehaut-Feeling und ab der zweiten Strophe wurde (so gut es ging) mitgesungen. Einige Menschen aus dem Publikum ließen es sich nicht nehmen, ihre schwarz-gelben BVB-Schals zu tragen und selbst beim Orchester wurde eine entsprechende Devotionalie ausgelegt.

Nobby Dickel gab einige Fußball-Anekdoten und rückblickend humorvolle Erinnerungen zum Pokal-Endspiel 1989 zum Besten.

Die folgende „Suite und Fußballspiel“ aus dem Ballett „Das goldene Zeitalter op. 22“ von Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) boten sich als „verbindende“ klassische Musik idealerweise an. Der russische Komponist war nicht nur ein glühender Anhänger von Zenit St. Petersburg, sondern hatte sogar eine Schiedsrichter-Lizenz.

Die Handlung mit einer Fußballmannschaft im Mittelpunkt war wie für Schostakowitsch geschaffen. Allerdings wollte das Regime Stalins das musikalische Fußballspiel „sowjetischer Fußballverein gegen dekadenten kapitalistischen Westverein“ gerne für seine Zwecke instrumentalisieren. Wenig begeistert wegen der platten, propagandistischen Handlung changierte der Komponist zwischen sarkastischer Parodie, schrillen Modernismen, grotesken Witz und überhöhtem Pathos. Alle musikalischen Register wurden dann im Fußballspiel aus dem II. Akt gezogen, um die unterschiedlichen Stimmungslagen während eines Fußballspiels für das Publikum spürbar zu machen. Einzelne Instrumente hatten Gelegenheit, sich hier zu profilieren.

Ein besonderer Genuss für die Ohren war die folgende sportlich-dynamische „Carmen Fantasie“ über Themen aus der Oper „Carmen“ (Georges Bizet) von dem jüdischen Komponisten Franz Waxman (1906-1967). Inspiriert wurde der vor den Nazis bis in die USA geflohene Komponist hierzu von dem berühmten Geiger Jascha Heifetz. Die von der jungen Mira Foron (Violine) virtuos und gefühlvoll interpretierte Version der „Carmen Fantasien“ wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

Nach der Pause folgte die anspruchsvolle „Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47“ von Dimitri Schostakowitsch. Wichtig zu wissen ist hier, dass der Komponist im Laufe des Jahres 1936 immer mehr unter dem Druck des Stalin-Regimes stand.  Im Angesicht von Säuberungen und Schauprozessen fürchte er, jederzeit von der Polizei oder dem Geheimdienst abgeholt zu werden.

Unter diesem emotionalen Ausnahmezustand musste die Sinfonie musikalisch oberflächlich den Forderungen nach „Volksverbundenheit“ oder „Heroik“ genügen, aber gleichzeitig den Zuhörenden eine grundsätzlich oppositionelle Haltung verdeutlichen. Der letzte Satz steht exemplarisch für diese Doppelbödigkeit. Nach einer dramatisch explosiven Entwicklung findet die Musik ein nicht gelöstes, sondern aggressiv-bombastisches Ende in D-Dur.




Neujahrskonzert – Mit Musik aus dem Großraum Amerika in das Jahr 2024

Die Dortmunder Philharmoniker unter der temperamentvollen Leitung von GMD Gabriel Feltz schlug am 1. Januar 2024 bei ihrem Neujahrskonzert unter dem Motto „Americas“ einen musikalischen Bogen über beide Hälften des amerikanischen Doppelkontinents.



Der europäische Einfluss im 20. Jahrhundert kam vor allen durch die Migration jüdischer und andere Komponisten nach Amerika.

Schwungvoll ging es schon von Beginn an mit dem „Danzón Cubano“ (I. Moderately) von dem aus Litauen emigrierten Komponisten Aaron Copland (1900 – 1990) los.

Eine besondere Version der „Rhapsody in Blue“ von dem ebenfalls vor der Verfolgung der Juden aus Litauen nach Amerika immigrierten Komponisten George Gershwin konnte das Publikum danach erleben.

Als Virtuose auf dem Akkordeon sorgte der Litauer Martynas Levickis (*1990) mit seinem Soloinstrument mit starker Orchesterbegleitung für besonders tiefe Melancholie, Schwermut sowie aggressiv temperamentvolle Momente.

Begeistern konnte er auch bei den folgenden drei argentinischen Tangos von dem aus Italiennach Argentinien immigrierten Bandoneon-Spieler und Komponist Astor Piazolla (1921 – 1992).

Die Seele des Tangos wurde durch Levickis sensibles und virtuoses Akkordeonspiel beim Libertango (in den späten Siebzigern bekannt gemacht durch Grace Jones), Oblivion sowie Adios Nonino spürbar.  Stimmungsvoll war die sensible Begleitung durch die Streicherfraktion der Philharmoniker.

Wachgerüttelt wurden die Zuhörenden zum Schluss bei den vier Tänzen op. 8a Esteancia von dem argentinischen Komponisten Alberto Ginastera (1916 – 1983). Sein Vater stammte aus Spanien, seine Mutter aus Italien. Seine Musik für ein argentinisches Rinderfarm-Musical machte das Leben dort für das Publikum spürbar.

Als lustige Zugabe gab es noch eine eigenwillige Mischung der Musik aus „Carmen“ mit amerikanischen Klangelementen. Eine spezielle musikalische Verbindung Amerika-Europa. Ein schöner Einstieg in das Musikjahr 2024.




A Christmas Carol – Dickens in der verzauberten Backstube

Seit nun schon über 15 Jahren wird eine spezielle Variante der Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“ nach dem Roman von Charles Dickens (1812 – 1870) im Theater im Depot (Dortmund) auf die Bühne gebraucht. Regie führt dabei Thos Renneberg.



Am 16.12.2023 hatte das Publikum wieder die Möglichkeit, das besondere Kultstück um den vergrämten Geizkragen und reichen Geldverleiher Ebenezer Scrooge dort zu erleben. Wie vielen Menschen bekannt, ist der Kaufmann Scrooge rücksichtslos gegenüber Schuldnern, Angestellten, Verwandten, Kindern und auch zur Weihnachtszeit verbittert und kaltherzig. Durch den Einfluss von drei Geistererscheinungen, die ihm seine Vergangenheit, Gegenwart und trübe Zukunft vor Augen führen, wird er allmählich geläutert…

Bei dieser außergewöhnlichen Inszenierung wird der Klassiker humorvoll mit Herz und viel Fantasie „gegenwärtig“ von vier Bäcker*innen in ihrer verzauberten Backstube auf der Bühne erzählt.

Die vier wunderbar aufeinander eingespielten Darsteller*innen sind Cordula Hein, Jörg Hentschel, Thomas Kemper und Sandra Wickenburg.

Für eine heimelige Atmosphäre sorgt der Backofen und der entsprechende Backgeruch.

Die vier Protagonist schlüpfen nicht nur in verschiedene Rollen, sondern nutzen alle Requisiten (variable kleine Schränke auf Rollen, Lastenschieber, Eimer, Handpuppe) aber vor allem den Plätzchenteig ausdrucksstark und flexibel.

Neben dem bewegungsintensiven Spiel wird zwischendurch immer wieder nach dem Weckerklingeln auf die live gebackenen Plätzchen mit einem Aufschrei „Die Plätzchen“ geachtet.

Aus dem großen Dickens Romanbuch bekommt das Publikum nebenbei auch einzelne Abschnitte vorgelesen.

Mit viel Spielfreude und körperbezogenen Slapstick-Elementen wurden die Gefühlslagen „plastisch“ anschaulich auf die Bühne gebracht. Die Aufführung war für die beteiligten Personen physisch höchst anstrengend. Neben ihren komisch-ironischen Schauspieltalent konnten sie sich auch bewegungstechnisch voll austoben. Das Geschehen wurde musikalisch einfühlsam untermalt.

Der ernste Hintergrund mit der Frage nach sozialer Verantwortung und Werten einer Gesellschaft sind von zeitloser Aktualität.

Am Ende durften die gebackenen Plätzchen wie immer von allen Anwesenden probiert werden.

Bis zum Sonntag, den 26.12.2023 gibt es noch ein paar Termine, diese Inszenierung in der Originalbesetzung zu genießen.

Weitere Infos unter www.theaterimdepot.de

Jörg Hentschel und Thomas Kemper verabschieden sich nach dieser Saison schweren Herzens aus dem Kultstück. Verständlich wegen der körperlichen Anforderung. Ein bisschen Wehmut ist jedoch mit dabei.




Das NEINhorn in der Jungen Oper

Im Foyer des Dortmunder Opernhauses hatte „Das NEINhorn“ (eine Mobile Oper von Michael Essl, Libretto: Pamela Dürr) nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Marc-Uwe Kling am 13.12.2023 seine Uraufführung.



Dieses Auftragswerk (hiesige Oper) unter der von Regie Kristina Stahl wurde von den Ensemble-Mitgliedern der Jungen Oper Cosima Büsing (NEINhorn), Wendy Krikken und Franz Schilling (beide in mehreren Rollen) stimmgewaltig sowie bewegungsintensiv mit Leben erfüllt. Mit viel kindlicher Spielfreude brachten die Drei ihr junges Publikum (ab 4 Jahre) auf ihren Kissen zum Mitfiebern und lachen. Sie wurden am Ende auch zur Unterstützung in die Geschichte einbezogen. Das Geschehen wurde durch die sensible musikalische Leitung (Koji Ishizaka) begleitet.

Wendy Krikken, Cosima Büsing und Franz Schilling. Foto: (c) Björn Hickmann 
Wendy Krikken, Cosima Büsing und Franz Schilling. Foto: (c) Björn Hickmann 

Die Regisseurin war zudem für die „flauschige“ Bühnen sowie Puppengestaltung (Hund und Waschbär) sowie die passenden Kostüme verantwortlich.

Es geht um ein „trotziges“ junges Einhorn, dass sich von seiner schnuckeligen-süßen und flauschigen Herzwald-Welt (das alle Kinderträume zu erfüllen scheint) in das Nirgends verabschiedet und seine Ruhe sowie Freiheit haben möchte. Auf seiner Reise trifft es einen Waschbären (WASbär), der nicht richtig zuhört, einem Hund (NAhund), den nichts aus der Ruhe bringt und einer Königstochter (KönigsDOCHter), die ständig Widerworte gibt. Nachdem die Königstochter trotz der unterschiedlichen Persönlichkeiten gemeinsam befreit wurde, können alle zusammen herrlich bockig sein…

Seine eigene Persönlichkeit zu entfalten, Grenzen ausloten und sich mit anderen Individuen auseinandersetzen sind wichtig für den weiteren Lebensweg.

Die Musiktheatervermittlung lag in der Hand von Kristina Senne.

Das Opernfoyer bot einen intimen Rahmen, und die Kinder waren sehr nah am Geschehen. So werden auch später Berührungsängste zur Oper abgebaut.

Interessant war, diese Version für die Junge Oper im Vergleich zur Theaterversion im Fletch Bizzel (05.09.2022) zu erleben. Die zusätzliche Kraft des Gesangs und der Musik in der Oper auf der einen, und die schauspielerische Energie plus zeichnerische Begleitung auf der Leinwand im Theater auf der anderen Seite.

Infos zu weiteren Vorstellungterminen im Opernfoyer erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50 27 222 Für die Buchung der mobilen Vorstellungen wenden Sie sich bitte an das Team der Musiktheatervermittlung: jungeoper@theaterdo.de




Superstimmung bei Youngsters Unplugged

Im Operntreff der Dortmunder Oper feierte das partizipative Projekt am 06.12.2023 mit der Filmmusik-Revue „A Night with the Movies“ seine Premiere.



Mit zusätzlicher Unterstützung eines erfahrenen Ensemblemitglieds der hiesigen Oper brachte das Ensemble OpernYoungsters plus OpernKids eine gelungene musikalische Revue mit witzigen Moderationen nahe am Publikum auf die Bühne. Als „Special Guest“ kein geringerer als Sungho Kim vom Opernensemble mit seiner grandiosen Stimme auf.

Freddy Kutz und die OpernYoungsters, Foto: (c) Björn Hickmann
Freddy Kutz und die anderen OpernYoungsters, Foto: (c) Björn Hickmann

Musikalisch begleitet wurde das Programm souverän vom Projektorchester und-Band unter der Leitung von Karsten Scholz, der auch selbst am Piano mitspielte.

Ein großes Kompliment für die wunderbaren Arrangements gebührt Florian Koch sowie Student*innen der TU Dortmund.

Musikalisch wurde eine große Vielfalt an bekannten Songs aus Kino und Fernsehen der vergangenen Jahre bis hin zu aktuellen wie aus der Serie „Babylon Berlin“.

Viele der mitwirkenden jungen Nachwuchssänger*innen stellten überzeugten mit ihren starken Stimmen und Talent zum Entertainment. Auch die OpernKids bis hin zu ihrem Jüngsten waren mit Ernsthaftigkeit und Freude bei der Sache. Wir werden sicher in der Zukunft noch einiges von ihnen hören.

Am Ende hielt es das Publikum nicht mehr auf ihren Stühlen und sie wurden gemeinsam mit allen Beteiligten zum Mitmachen bei „Shout“ (Animal House) animiert.

Es zeigte sich wieder einmal, wie wichtig partizipative oder aber auch Crossover-Projekte für die Zukunft im Bereich Oper, Theater oder Ballett sind. Für über zwei Stunden konnte man die Sorgen und Krisen auf der Welt kurze Zeit vergessen.

Informationen für weitere Aufführungstermine erhalten Sie über www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222.

Sungho Kim wechselt sich übrigens mit seinem Kollegen und frisch gekürten Kammersänger Morgan Moody bei den Vorstellungen ab.




Eine humorvoll-satirische Adventslesung mit musikalischer Begleitung

Das konnte das Publikum am 02.12.2023 im Institut des Dortmunder Schauspielhauses unter dem Motto „Alle Jahre wieder…“ erleben.



Atmosphärisch-kulinarisch abgerundet wurde das Erlebnis mit frischen Waffeln. Auch die kleine Bühne war gemütlich weihnachtlich-festlich eingerichtet.

Thomas Ehrlichmann und Annika Hauffe auf dem Schlitten mit Raphael Westermeier und Lukas Beeler. (Foto: (c) Lisa Bunse)
Thomas Ehrlichmann und Annika Hauffe auf dem Schlitten mit Raphael Westermeier und Lukas Beeler. (Foto: (c) Lisa Bunse)

Die Schauspieler Raphael Westermeier und Lukas Beeler vom hiesigen Schauspielensemble ließen den „vorweihnachtlichen Wahnsinn“ mit seinen Überforderungen, Ritualen, Erwartungen, Stress, übervollen Städten, Weihnachtsmärkten und Arztpraxen mit Texten von Kurt Tucholsky bis Loriot mit humorvoller-Ironie lebendig werden. Besonders bei Loriots „Der Familienbenutzer- vielleicht weglassen?“ und „Uff Ächz schnief hust“ (Sandra Da Vina) konnten sie ihr schauspielerisches Können gut ausspielen.

Drei passend ausgesuchten Songs mit einem ironischen Augenzwinkern von Thomas Ehrlichmann und Annika Hauffe vom KJT Dortmund sorgten für gute Laune. Eine gelungen Crossover-Zusammenarbeit und gelungene Vor-Advents-Veranstaltung. Das Publikum ging mit guter Stimmung in den frühen Abend.

Gelegenheit, diese Adventslesung mit Musik zu erleben gibt es noch am Sonntag, den 10.12.2023 um 15:00 Uhr im Institut (Schauspiel Dortmund).

Karten und Infos erhalten Sie wie immer über www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50 27 222 eventuell an der Kasse des Schauspielhauses.




Schatten über dem Ruhrgebiet im Jahr 1816

In seinem neuen historischen Kriminalroman „Die Tote aus der Emscher“ entführt der Autor Peter Kersken (geboren 1952 in Oberhausen) die Leserinnen und Leser in das schwierige Jahr 1816 in die Umgebung um das damals neu erbaute Schloss Oberhausen. Es ist die Zeit des wieder erstarkenden und sich von französischer Herrschaft unter Napoleon Bonaparte befreienden Preußen unter Friedrich Wilhelm III.



Der Kriminalrichter Anton Demuth aus Werden muss 1816 den Mord an der aus der Emscher tot geborgenen heilkundigen Bauersfrau aufklären. In diesem Jahr sorgte ein Vulkanausbruch in Indonesien für eine gigantische Aschewolke, die die gesamte Nordhalbkugel in Düsternis hüllte. Es wurde so nass und kalt, dass Missernten zu Hunger und Unsicherheit unter der Bevölkerung führten. Die verzweifelte Bevölkerung nach klaren einfachen Erklärungen und nach jemanden, dem sie die Schuld für die Miesere geben konnten. So wurde die getötete kräuterkundige Anna Hasenleder von vielen Menschen rund um das Schloss Oberhausen als mit dem Satan verbundene Hexe angesehen, die für mit ihrem „Zauber“ für  Krankheit und Tot etwa eines kleinen Jungen verantwortlich sei. Natürlich hatte in ihren Augen „ein zürnender Gott“ nicht nur als Bestrafung für das die Wetterkatastrophe, sondern auch für die Bestrafung für die „Hexe“ gesorgt…

Kersken bietet den Lesenden nicht nur eine interessanten Kriminalfall, sondern taucht mit ihnen in die turbulente Zeit um 1816 ein.

 Es tauchen Namen bekannter Persönlichkeit wie etwa der Dichter Harry (Heinrich) Heine auf und es gibt zudem einen kleinen Geschichtsüberblick aus der Region in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Lebensumstände damals werden plastisch und lebendig vor Augen geführt.

Dieser historische Kriminalroman hat viel mit dem zu tun, was uns aktuell umtreibt. Der Klimawandel mit seinen Folgen andere existentiell bedrohliche Krisen machen uns zu schaffen. Verschwörungstheorien nutzen die Ängste und Verunsicherung vieler Menschen aus. Schuldige und Sündenböcke sind schnell gefunden und werden in den Plattformblasen der sozialen Medien heutzutage stark verbreitet. Das macht die Situation umso gefährlicher.

Eine wunderbare Geschenkidee zu Weihnachten oder Geburtstag.

Peter Kersken

Die Tote aus der Emscher

Köln: Emons Verlag 2023 Originalausgabe

ISBN 978-3-7408-1963-7         320 Seiten    14,00 Euro (D)