Barocke Musik modern visualisiert

Im Rahmen des Dortmunder Klangvokal Musikfestivals stand am 07.06.2024 im Orchesterzentrum / NRW Barockmusik vom Feinsten auf dem Programm. Das renommierte belgische Ensemble Vox Luminis präsentierte Henry Purcells (1659–1695) Semi-Oper „The Fairy Queen“ in einer poetischen und modern visualisierten Version zwischen Traum und Realität. Diese Aufführung feierte in unserer Stadt ihre Deutschland-Premiere.



Die Gesamtleitung lag in den Händen des Ensemble-Gründers Lionel Meunier. Für das Projekt hatte er den Videokünstler Mário Melo Costa, den Lichtdesigner Carney und den Regisseur Benoît De Leersnyder versammelt. Zudem entführte Emilie Lauwers mit ihren auf eine Leinwand projizierten Zeichnungen das Publikum in einen nächtlichen Wald, wo verschiedene Tiere der Liebeslust und dem Schmerz nachgingen.

Purcells Werk ist an Shakespeares „Sommernachtstraum“ angelehnt. Die halbszenische Aufführung der Musikkomödie um Liebeswirren und Mystik wurde durch eine Portion „Shakespeare-Humor“ sowie einige allegorische Figuren bereichert. Dazu gehörten die „Vier Jahreszeiten“, Nacht, Geheimnis, Heimlichkeit, Juno (Königin der Götter), Feenkönig Oberon, der Gott der Ehe, sowie ein komischer „Drunken Poet“. Ein Schauspieler (Simon Robson) fungierte als Erzähler.

Die Sängerinnen und Sänger sowie der Chor überzeugten mit ihren hervorragenden Stimmen und ihrer Spielfreude. Das Orchester sorgte mit seinen diversen Instrumenten (darunter das für die Barockzeit übliche Cembalo) auf technisch hohem Niveau für die angemessene musikalische Begleitung.

Die modernen Videoprojektionen führten zu einem besonderen Konzerterlebnis, das nur durch gewisse Längen in der Handlung etwas getrübt wurde. Nicht alle Menschen im Publikum hielten das dreieinhalbstündige (mit Pause) Barockereignis bis zum Ende aus.




Eine musikalische Wohlfühlreise mit Jördis Tielsch

Beim SOUNDZZ-Familienkonzert des Klangvokal Musikfestivals am Sonntag, den 02.06.2024, im Dortmunder Jazzclub domicil war die junge Künstlerin Jördis Tielsch mit ihren Kollegen Ian Alexander Griffiths (Gitarre, Gesang) und Bastian Hildebrandt (Schlagzeug) zu Gast.



Jördis beeindruckt nicht nur mit ihrer warmen und klaren Stimme, sondern beherrscht auch ihre Instrumente – Geige, Klavier, Keyboard und Gitarre – mit virtuoser Leichtigkeit. Alles hat sie von klein auf gelernt, wie die jungen Teilnehmenden des IMPRO:KIDS Projekts in einem kleinen Interview erfuhren. Sie ist zudem naturverbunden und liebt Pferde und Katzen.

Ihre begabten Kollegen lernte sie während ihres Studiums (Musik und Englisch auf Lehramt, Master im letzten Jahr abgeschlossen) in Köln kennen, und seitdem tritt sie mit ihnen auf.

Ihre Vorliebe für Irland, wo sie ein Jahr lebte, wird bei den temperamentvollen irischen Folk-Songs deutlich. Dazu gab es Informationen von den IMPRO:KIDS, und es wurden wunderschöne Bilder auf die Leinwand projiziert. Auch Country-Musik gehört zu Jördis Tielschs bevorzugten Musikrichtungen, und davon gab es im domicil einige Stücke zu hören.

Zudem schreibt sie auch eigene, sehr persönliche Texte, die zusammen mit ihrer Stimme das Publikum berühren oder manchmal auch mitreißen. Sie vermittelt pure Lebensfreude und die Fähigkeit, sich an den kleinen, wesentlichen Dingen des Lebens zu erfreuen.

Mit ihrer offenen und freundlichen Art begeisterte sie Jung und Alt. Die anwesenden Kinder hatten die Gelegenheit, das Konzert ganz nah vor der Bühne zu erleben.




Modern interpretierter traditioneller Fado

Beim Klangvokal Musikfestival Dortmund stand am 31.05.2024 portugiesische Fado-Musik der preisgekrönten Fadista Lina und ihrer sie mit Empathie begleitenden Freunde im „domicil“ auf dem Programm.



Lina kombiniert die traditionelle Musik Portugals mit modernen Elementen. Das war besonders bei ihrem aktuellen Programm zu hören. Mit viel Feingefühl interpretierte sie hier Texte des portugiesischen Nationaldichters Luis Vaz de Camōes, dessen 500. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird.

Neben ihrer Stimme nutzte die Künstlerin auch Bewegungen, in einem eleganten weißen Gewand gekleidet, als Ausdrucksmittel. Mit ihrer eindringlichen, starken Stimme berührt Lina sofort ihr Publikum.

Ausdrucksvolle und erstklassige musikalische Begleitung erhielt sie durch Ianina Khmelik Pacheco (Klavier, Synthesizer) und nach klassischer Art des Fado von Pedro Viana mit der portugiesischen Gitarre. Zusammen ergab das ein besonderes Klangerlebnis.

„Saudade“ – Sehnsucht, Schmerz oder Wehmut spielt eine wesentliche Rolle beim Fado, so auch bei diesem Programm. Die Anreicherung mit zeitgenössischen elektronischen Sounds ist eine effektvolle Bereicherung.

Die Bandbreite erstreckte sich von statischen Klangfarben bis hin zu Meeresrauschen (mit einer entsprechenden Wandprojektion). Die Musik besitzt die Kraft, die Zuhörenden in eine eigene Welt hinein abdriften und versinken zu lassen.

Dass Fado aber durchaus auch ein Gefühl von Lebensfreude vermitteln kann, konnte das Publikum bei drei Stücken erleben. Da war sogar Mitklatschen angesagt.

Wieder einmal ein gutes Beispiel für Vielfalt in der Weltmusik.




Dortmunder Ehrennadel auch für Andreas Gruhn

Nach Xin Peng Wang (Intendant Ballett) wurde nun auch dem Intendanten des Kinder- und Jugendtheaters (KJT), Andreas Gruhn, am 31.05.2024 im Dortmunder Rathaus von Oberbürgermeister Thomas Westphal die Dortmunder Ehrennadel überreicht.



Seit über 25 Jahren leitet Andreas Gruhn das KJT – eine halbe Ewigkeit. Zusammen mit seinem engagierten Ensemble und dem gesamten Team wurden zahlreiche fantasievolle Inszenierungen entwickelt. Für alle Altersgruppen, von kleinen Kindern bis zu Jugendlichen, wurden Stücke gespielt, die sich konstruktiv mit deren aktueller Lebenssituation auseinandersetzten. Es ging immer darum, freie Denkräume für junge Menschen zu öffnen und spielerisch darzustellen.

Andreas Gruhn, Intendant des Kinder- und Jugendtheaters Dortmund (Mitte), ist für seine Verdienste von OB Thomas Westphal mit der städtischen Ehrennadel ausgezeichnet worden. Links: Gruhns Ehefrau Bettina Zobel. © Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Andreas Gruhn, Intendant des Kinder- und Jugendtheaters Dortmund (Mitte), ist für seine Verdienste von OB Thomas Westphal mit der städtischen Ehrennadel ausgezeichnet worden. Links: Gruhns Ehefrau Bettina Zobel. © Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Oberbürgermeister Westphal würdigte Gruhn in seiner Laudatio als „echte Persönlichkeit“ mitten in der Stadtgesellschaft, die ihren Weg beharrlich verfolgt – auch wenn dieser nicht immer gerade ist.

In seiner berührenden Dankesrede erzählte der KJT-Intendant nicht nur von seinem Lebensweg, sondern betonte auch die Bedeutung der bedingungslosen Akzeptanz durch seine verstorbenen Eltern. Starke Unterstützung erhält er zudem von seiner Frau Bettina Zobel (Regisseurin, Schauspielerin, Autorin).

Es ist ihm ein großes Anliegen, auf die wesentliche Rolle von Kultur und Literatur für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen hinzuweisen.

Ein ganz persönliches „afrikanisches Gesangsgeschenk“ erhielt er von Gastschauspieler Mohammed Marouf Alhassan. Herzlichen Glückwunsch, Andreas Gruhn, und viel Kraft für die nächsten Jahre!




Klangvokal Musikfestival mit glanzvoller Operngala

In diesem Jahr musste das Klangvokal Musikfestival-Team in Dortmund für die beliebte Operngala am 30.05.2024 kurzfristig umdisponieren. Die beiden vorgesehenen Opernsängerinnen hatten aus persönlichen Gründen oder krankheitsbedingt abgesagt.



Mit Hilfe des italienischen Dirigenten Lorenzo Passerini konnte jedoch hochkarätiger Ersatz für einen speziellen italienischen Opernabend gewonnen werden: die Sopranistin Pretty Yende aus Südafrika und der Bariton Artur Ruciński. Die Neue Philharmonie Westfalen sorgte als Orchester unter der temperamentvollen Leitung Passerinis für eine professionelle musikalische Begleitung.

Pretty Yende und Artur Ruciński sorgten mit der Neuen Philharmonie Westfalen für einen gelungen Opernabend beim Festival Klangvokal. (Foto: Bülent Kirschbaum)
Pretty Yende und Artur Ruciński sorgten mit der Neuen Philharmonie Westfalen für einen gelungen Opernabend beim Festival Klangvokal. (Foto: Bülent Kirschbaum)

Nach der feierlichen Ouvertüre von Giuseppe Verdis (1813-1901) Oper „Nabucco“ begeisterten Yende und Ruciński das Publikum im Dortmunder Konzerthaus mit Arien und einem Duett aus Verdis „La Traviata“. Ihre kraftvoll-warmen Stimmen brachten die unterschiedlichen Stimmungen, von melancholisch-tragisch bis zu dramatisch steigender Intensität, wunderbar zur Geltung.

Die gesangstechnischen Herausforderungen meisterten sie auch nach der Pause bei den folgenden Arien und Duetten aus Vincenzo Bellinis (1801-1835) Oper „Norma“ sowie Gaetano Donizettis (1797-1848) „Lucia di Lammermoor“ mit scheinbarer Leichtigkeit. Das galt auch für anspruchsvollste Koloraturen, die die Sopranistin locker bewältigte.

Freunde der italienischen Oper kamen an diesem Abend voll auf ihre Kosten, und die Akteure wurden mit starkem Applaus für ihre Leistung belohnt.

Als humorvolle Zugabe gab es zum Schluss noch die italienische Fassung von Mozarts „Don Giovanni“ mit „Reich mir die Hand, mein Leben“ als kleines Dankeschön.




Alte Männer – eine Performance des Sprechchors Dortmund

Im Institut des Dortmunder Schauspiels traten am 28.05.2024 die fünf Männer der „Beuys Group“ (nach dem Künstler Joseph Beuys) des Sprechchors Dortmund mit ihrer Performance „Alte Männer“ in einem heimeligen Umfeld auf. Auf der Bühne saßen Jörg Karweick, Jürgen Luga, Jürgen Hecker, Roland Schröter-Liederwald und Udo Höderath.



Die einzelnen Personen der Beuys Group rezitierten abwechselnd kurze, mal nachdenkliche, dann wieder humorvoll-ironische Texte aus drei Jahrhunderten, die mit Bedacht ausgewählt wurden. Das Leben in all seiner Fülle, verpasste Chancen, Verluste und Wünsche, sowie der spezielle Umgang mit dem Altern wurden thematisiert.

Daneben spielten sie Situationen nach, die ältere Menschen gut kennen. So zum Beispiel ein Klassentreffen fast 50 Jahre nach dem Abitur, ein Schauspieler, der kurz vor dem Ende seiner Karriere in Erinnerungen schwelgt, oder das Vergleichen mit anderen Kurgästen in Baden. Mit Selbstironie und Melancholie wurde zudem der „Alzheimer“ getanzt.

Stichwort Überalterung der Gesellschaft

Die Lesung wurde fein pointiert gewürzt mit einer guten Portion Humor, Ernst und Skurrilität. Es war ein gelungener Wechsel von Rezitieren, Debattieren, ob laut tönend oder sich flüsternd verlierend. Mal einzeln, zu zweit oder im Chor.

Interessant und nachdenklich stimmend war zum Schluss ein kleiner Ausblick auf die Entwicklungsmöglichkeiten unseres Lebens im Zusammenhang mit den modernen Nanobiotechnologien.

Eine spannende Inszenierung in einer Zeit, da die Überalterung unserer Gesellschaft beständig zunimmt. Bleibt zu hoffen, dass diese Performance noch an verschiedenen Orten erlebt werden kann und auch im hiesigen Schauspiel nicht nur ein einmaliges Gastspiel bleibt.




Besinnliches Eröffnungskonzert beim KLANGVOKAL Musikfestival

Das KLANGVOKAL Musikfestival Dortmund wurde am 24.05.2024 in der St. Reinoldikirche in einem speziellen Rahmen eröffnet. Angesichts der aktuellen Konflikte und Kriege hat sich die Festivalleitung entschieden, statt einer Ansprache nur die Musik sprechen zu lassen.



Unter dem Motto „Da pacem – Gib uns Frieden“ lud man bewusst den Lettischen Rundfunkchor, einen der prominentesten Chöre Europas, unter der Leitung des bedeutenden lettischen Dirigenten Sigvards Kļava in die Reinoldikirche ein. Nach der Pause wurden sie von der im Jahr 2000 gegründeten Kammerakademie Potsdam musikalisch unterstützt.

Der Lettische Rundfunkchor und die Kammerakademie Potsdam eröffneten in der Reinoldikirche das KLANGVOKAL Festival. )Foto: Bülent Kirschbaum)
Der Lettische Rundfunkchor und die Kammerakademie Potsdam eröffneten in der Reinoldikirche das KLANGVOKAL Festival. )Foto: Bülent Kirschbaum)

Das baltische Lettland ist ein direkter Nachbar Russlands und befindet sich nah im Dunstkreis der von dort ausgehenden Bedrohungssituation. Die ausgewählten Kompositionen waren spirituell-religiös geprägt, und die Kleidung der 12 weiblichen und 12 männlichen Chormitglieder war dem Anlass und Ort angemessen.

Das Programm startete mit den „Vier Motetten“ (1861-1864) von Anton Bruckner (1824-1884). Es folgten die „Sieben Magnificat-Antiphonen“ (1988, 1991) des bekannten zeitgenössischen Komponisten des Baltikums Arvo Pärt (*1935) und das „Miserere“ (2009) von James MacMillan (*1959, Schottland).

Die großartigen Stimmen des Chores waren eindrucksvoll aufeinander abgestimmt. Die Akustik in der Kirche passte als atmosphärische Verstärkung wunderbar dazu. Im zweiten Teil sorgte der Chor zusammen mit den Musikern der Kammerakademie Potsdam für ein eindringliches Hörerlebnis. Es wurde das „Salve Regina“ (2010) von Arvo Pärt und als Abschluss „Da pacem, Domine“ (2016) und „Mein Herr und mein Gott“ (2016) von dem lettischen Komponisten Pēteris Vasks (*1946) gesungen und instrumental von der Kammerakademie Potsdam sensibel begleitet.

Ein stimmungsvoller Einstieg in das Festival. Trost und Hoffnung zu suchen, ob in einer Religion oder anderswo, ist legitim und verständlich. Wenn es jedoch bei „Da pacem, Domine“ heißt: „Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen, denn es gibt keinen anderen, der für uns kämpfen könnte…“, sollte doch angemerkt werden: Nur wir Menschen selbst können uns für eine friedliche Welt einsetzen und kämpfen. Diese schwere Aufgabe wird uns „kein höheres Wesen“ abnehmen können.




Ehrennadel für Ballett-Intendant Xin Peng Wang

Die Stadt Dortmund hat am 24.05.2024 im Rathaus dem langjährigen Ballett-Intendanten Xin Peng Wang feierlich die Ehrennadel für seine besonderen Verdienste verliehen.



Oberbürgermeister Thomas Westphal hob in seiner Laudatio die außergewöhnliche Persönlichkeit Wangs hervor, seine Leidenschaft und Akribie für das Ballett sowie seine Förderung des Nachwuchsbereichs, insbesondere des NRW-Juniorballetts. Der Intendant, der nun schon im einundzwanzigsten Jahr tätig ist, hat die Dortmunder Company nicht nur auf höchstes Niveau gebracht und ihr internationale Anerkennung verschafft, sondern auch seinem Publikum die Faszination der Bewegungsabläufe und Ausdruckskraft des Balletts vermittelt. Dabei ist er stets bescheiden geblieben.

Der Preisträger Xin Peng Wang (2.v.l.) und seine Gratulanten Tobias Ehinger (Direktor Theater Dortmund), Jochen Opländer (Opländer Stiftung) uind Oberbürgermeister Thomas Westphal.
Der Preisträger Xin Peng Wang (2.v.l.) und seine Gratulanten Tobias Ehinger (Direktor Theater Dortmund), Jochen Opländer (Opländer Stiftung) uind Oberbürgermeister Thomas Westphal.

Besonders begeistert haben mich seine verschiedenen Handlungsballette, wie „Der Zauberberg“ und „Traum der roten Kammer“. Innovative Ideen und Offenheit gegenüber modernen Technologien kennzeichnen sein aktuelles Wirken.

Im Laufe der Jahre hat sich bei Xin Peng Wang und seiner Familie eine enge Verbundenheit mit Dortmund und seinen Menschen entwickelt. Darauf wies er auch in seiner Dankesrede hin. Die Verleihung dieser Ehrennadel erfüllt ihn mit Freude und Stolz. Für seine Karriere waren die Jahre in Dortmund von großer Bedeutung, und es war für ihn ein großes Glück, mit dieser großartigen Company arbeiten zu dürfen. Gemeinsam haben sie sich für die Entwicklung des Balletts und dessen Bekanntheit in der Welt eingesetzt.

Herzlichen Glückwunsch, Xin Peng Wang! Wir freuen uns nun auf die letzte Spielzeit mit Ihnen als Ballett-Intendant.




Ein Konzertabend voller rhythmischer Vielfalt

Das 9. Philharmonische Konzert im Dortmunder Konzerthaus am 21. und 22. Mai 2024 stand unter dem Motto „Schmelztiegel der Kulturen“. In dieser Spielzeit wird „Wir im Ruhrgebiet“ thematisiert, was auch die kulturelle Diversität Dortmunds betont. Seit Jahrzehnten ist die Stadt ein Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen, die das gesellschaftliche Leben prägen. Die türkischstämmigen Einwanderer, zunächst als „Gastarbeiter“ angeworben, haben dabei einen bedeutenden Beitrag geleistet.



Die Dortmunder Philharmoniker, unter der humorvoll-temperamentvollen Leitung des erfahrenen britischen Dirigenten Howard Griffiths (*1950, verheiratet mit einer Türkin), präsentierten sich erneut in Höchstform. Das Programm begann mit der Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) aus dem Jahr 1786 und dem Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur, KV 453. Nach der Pause folgte die ausdrucksstarke „Istanbul-Sinfonie op. 28“ des türkischen Komponisten und Pianisten Fazil Say (*1970).

Mozarts Ouvertüre, die ursprünglich einen langsamen Mittelteil beinhaltete, begeistert das Publikum immer wieder durch ihre sprühende Vitalität, Lebensfreude und dynamische Kontraste. Für das anschließende Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur konnte die virtuose US-amerikanische Pianistin Claire Huangci (*1990) gewonnen werden. Während der erste Satz heiter geprägt ist, entwickelt sich im zweiten Satz eine melancholisch-nachdenkliche Stimmung. Der variationsreiche Schlusssatz bietet der Pianistin und dem Orchester die Gelegenheit, ihr Können eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Huangci begeisterte zudem mit einer rasanten Interpretation von Mozarts „Türkischem Marsch“.

Nach einer kurzen Pause entführte die „Istanbul-Sinfonie“ von Fazil Say das Publikum atmosphärisch in eine fremde Kultur. Traditionelle türkische Instrumente wie die Ney-Flöte (gespielt von Burcu Karadağ), die orientalische Kastenzither Kanun (gespielt von Hakan Güngör) und diverse türkische Schlaginstrumente (gespielt von Aykut Köselerli) sorgten für ein authentisches Klangbild. Die Sinfonie beginnt und endet mit einem eindrucksvollen instrumentalen Meeresrauschen des Marmarameers. In den sieben Abschnitten werden Sehenswürdigkeiten wie die „Blaue Moschee“ und die Romantik der „Prinzeninseln“ lebendig dargestellt, ebenso wie dramatische Ereignisse wie der Krieg im östlichen Mittelmeer um 1485 und religiöser Fanatismus. Diese Passagen erinnerten an die Musik von Dmitri Schostakowitsch. Das Chaos der Großstadt Istanbul wurde ebenfalls eindrucksvoll musikalisch umgesetzt, bevor die Sinfonie in einem ruhigen „Wellenabschluss“ endet.

Dieser musikalisch spannende und rhythmisch vielfältige Konzertabend bot eine wunderbare Verbindung zwischen klassisch-westlicher Sinfonieorchestertradition und türkischer Musik.




Bildreich-modernes Ballett auf höchstem Niveau

Im Dortmunder Opernhaus gastierte am 16. und 17. Mai 2024 das renommierte Schweizer „Béjart Ballet“ aus Lausanne. Diese Compagnie wurde 1987 von Maurice Béjart (1927-2007) gegründet und erfreut Ballettfreunde weltweit mit ihren sensationellen Inszenierungen. Béjart gilt als Erneuerer des neoklassischen Balletts. Ars tremonia durfte am 16. Mai 2024 dabei sein.



Mit drei unterschiedlichen Choreografien zeigten die Tänzerinnen und Tänzer sowohl ihr technisches Können (gute klassische Ausbildung) als auch eine wunderbar bildreiche Interpretation der jeweiligen Musik. Das ist modernes zeitgenössisches Ballett und perfekt auf Musik abgestimmter Ausdruckstanz, voll Emotion und Energie. Auch die sorgfältige Auswahl der jeweils passenden Kostüme spielte eine wichtige Rolle.

Bhakti III“ Foto: (c) BBL – Gregory Batardon
Bhakti III“ Foto: (c) BBL – Gregory Batardon

In unterschiedlichsten Konstellationen, ob Solotänzer*innen, Paare, Trios, Quartette oder die gesamte Compagnie, sorgten die Tänzer für ein abwechslungsreiches Programm.

Leichtigkeit und pure lebendige Tanzfreude, gerade nach Corona und sonstigen unruhigen Zeiten, verbreitete zu Beginn „Alors on danse…!“ mit der Choreografie von Gil Roman und Musik von John Zorn, Citypercussion sowie Bob Dylan.

Nach der Pause wurde das Publikum mit „Bhakti III“, Choreografie von Maurice Béjart, und traditioneller indischer Musik in eine mystisch-hinduistische Welt entführt. Die beiden Hauptakteure, eine Tänzerin und ein Tänzer, wurden hier von sechs Tänzern umrahmt. Durch die Liebe identifiziert sich der Anbeter mit der Gottheit Shiva, dem dritten Aspekt der hinduistischen Dreifaltigkeit (Brahma, Vishnu, Shiva). Shiva, der Gott der Zerstörung (auch Illusion und Persönlichkeit) sowie des Tanzes, wird in dieser Choreografie dargestellt. Seine Frau Shakti ist eigentlich seine Lebensenergie, die von ihm ausgeht und zu ihm zurückkehrt. Unbeweglich und doch ewig in Bewegung. Dies wurde durch eindringlichen Ausdruckstanz und transzendente Musik emotional transportiert.

Nach Griechenland entführt wurde das Publikum zum Schluss mit den „7 danses grecques“ (Choreografie Maurice Béjart und Musik von Mikis Theodorakis). Die Tänze begannen atmosphärisch stimmungsvoll mit Meeresrauschen und endeten schließlich auch damit. Die traditionelle griechische Musik von Theodorakis diente als Vorlage und Inspiration für eine gelungene tänzerische Transformation.

Die Akteure ließen das „griechische Lebensgefühl“ mit ihren tänzerischen Darbietungen in unterschiedlichsten Konstellationen lebendig werden.

Ein besonderer Ballettabend endete mit viel Applaus aus dem Zuschauerraum.