Tänzerisch auf den Spuren von Pablo Picasso

Das JugendTanzTheater des Ballett Dortmund, unter der Choreografie von Justo Moret, feierte am 3. Juli 2024 im hiesigen Opernhaus seine Premiere mit dem neuen Projekt „Picasso“, einer Stückentwicklung im Rahmen des Projektes PlayOn!. In Kooperation mit der Akademie für Theater und Digitalität erhielt der Tanz eine zusätzliche digitale Dimension durch eindrucksvolle Leinwandprojektionen. Die eigens für die Produktion von Tommy Finke, langjähriger musikalischer Leiter im Schauspiel, komponierte Musik sorgte für ein eindringliches Erlebnis.

Multimediales Gesamtkunstwerk

Für dieses Projekt begaben sich die jungen Tänzerinnen und Tänzer – etwa 30 Personen, darunter ein Mann – auf eine Spurensuche. Sie beschäftigten sich längere Zeit mit dem Ausnahmekünstler Pablo Picasso, einem Künstler mit absolutem Gespür für Schönheit, Maß, Farben und vor allem für neue Formen der Moderne. Malerei war für ihn kein ästhetisches Unterfangen, sondern ein Mittler zwischen der fremden, feindlichen Welt und uns Menschen.

Pi*cas*so: Ein Teil des Ensembles des JugendTanzTheaters. Foto: (c) Leszek Januszewski
Pi*cas*so: Ein Teil des Ensembles des JugendTanzTheaters. Foto: (c) Leszek Januszewski

Die Kostüme, bestehend aus lockeren weißen Anzügen mit kurzen Ärmeln und unterschiedlichen blau-violetten Zeichnungen, waren mit Bedacht ausgewählt. Es wurden sieben Schwerpunkte herausgearbeitet: Zunächst suchte sich das Chaos im Kopf einen Weg auf die Leinwand. Requisiten wie Malerkittel und Pinsel wurden in die Choreografie integriert und auch live zum Malen verwendet. Die Tanzenden entwickelten ein zunehmendes Tempo mit ihren wie Pinseln schwingenden Armbewegungen.

Emotionen im Wandel der Zeit

Es folgte die tiefe Traurigkeit nach dem Tod eines Freundes, repräsentiert durch die Figuren der Blauen Periode. Diese wurde von der Melancholie und Entsagung der Rosa Periode abgelöst. Der Bruch mit allen Konventionen zeigte sich im Kubismus, wo Gesichter zu Masken und Körper zu geometrischen Figuren wurden. Eine kurze, harmonische, ruhige Sommer-Strand-Atmosphäre voller heiterer Leichtigkeit folgte.

Unvermittelt brach Picassos bekanntes Kriegsbild „Guernica“ in die Szenerie ein, mit Dunkelheit, wildem Chaos, Zerstörung und Lärm. Ob als Einzelpersonen, zu zweit, in kleiner Gruppe oder als Gesamtensemble, die junge Gruppe begeisterte das Publikum durch ihren starken modernen Ausdruckstanz und ihre Dynamik.




Modern Times: Stummfilmerlebnis mit Live-Orchesterbegleitung

Bereits im Jahr 2018 konnte das Publikum in Dortmund ein Stummfilmkonzert zu Charlie Chaplins Meisterwerk „Modern Times“ genießen. Am 2. Juli 2024 bot sich erneut die Gelegenheit, dieses besondere Erlebnis eines pantomimisch ausdrucksstarken Stummfilms mit der passenden Live-Orchestermusik im Dortmunder Konzerthaus zu erleben.



Meisterhafte Inszenierung durch die Dortmunder Philharmoniker

Die bestens aufgelegten Dortmunder Philharmoniker, unter der professionellen Leitung von Adrian Prabava, sorgten mit viel Feingefühl dafür, dass „Modern Times“ in restaurierter Fassung eine besondere Lebendigkeit erfuhr. In seiner letzten Rolle als tollpatschig-sympathischer Tramp läuft Charlie Chaplin zur Hochform auf, um soziale Verelendung und den Optimierungswahn in Produktionsprozessen offen zu legen und anzuprangern. Damals, zur Zeit der großen Weltwirtschaftskrise, war der Film eine treffende Satire. Leider hat er nichts von seiner Aktualität eingebüßt und wechselt ständig zwischen Tragik und Komik.

Der gutherzige Tramp gerät von einem ungewollten Fettnäpfchen ins nächste, kommt aber immer wieder durch glückliche Umstände auf die Beine und findet seine Liebe. Obwohl die prekären Zustände mit unverblümter Direktheit dargestellt werden, steht am Ende das Motto „Immer wieder Aufstehen“. Mit seiner Fähigkeit, jeder Gefühlsregung durch Gesicht und Gesten Ausdruck zu verleihen, drückt Chaplin dem Film seinen unverwechselbaren Stempel auf, trotz der ebenfalls herausragenden Darsteller.

Musikalische Brillanz und perfektes Timing

Den Dortmunder Philharmonikern gelang es wunderbar, jede Stimmungslage, ob Verzweiflung und Entsetzen über die Zustände, Dramatik oder bittersüße Romanze, durch ihre Instrumente musikalisch fühlbar zu machen. Die Wirkung des Films beruht auf dem exakten Zusammenspiel von Filmbildern und Musik, was ein präzises Timing des Orchesters erforderte.

Obwohl ich bereits 2018 das Stummfilmkonzert erlebt hatte, war es auch dieses Mal wieder eine ganz besondere Erfahrung.




Marcin Dudek: Künstlerische Auseinandersetzung mit der Ultra- und Hooliganszene

Eine andere Sichtweise auf das Fußballspektakel bietet der Künstler Marcin Dudek (*1979) mit seinen Installationen, Videos und Performances im Schaufenster (Ebene 5) des Dortmunder Museums Ostwall (MO) vom 05.07.2024 bis zum 03.11.2024.



Von der Hooligan-Szene zur Kunst

Dudek, aus einem Arbeiter-Milieu stammend, gehörte in seiner Krakauer Jugend selbst der dortigen Hooligan-Szene an. Der Wunsch nach „Sichtbarwerden“ (auch mit der Farbe Orange) spielte dabei eine große Rolle. Es geht um das Gefühl von Bedeutung, Gleichheit in der Masse und Sicherheit nach außen sowie innerhalb des Menschenrings.

Marcin Dudek und Kuratorin Christina Danick vor der kinetischen Skulptur „Ekipa“ (der Titel der Ausstellung) im MO_Schaufenster.
Foto: © Stadt Dortmund / Silke Hempel
Marcin Dudek und Kuratorin Christina Danick vor der kinetischen Skulptur „Ekipa“ (der Titel der Ausstellung) im MO_Schaufenster.
Foto: © Stadt Dortmund / Silke Hempel

Er kehrte der Szene schnell den Rücken und beschäftigt sich heute künstlerisch damit. Dabei nutzt er gebrauchte oder gefundene Materialien, um sie zu detailreichen und ausdrucksvollen Kompositionen neu zu arrangieren. Die Ausstellung mit dem Titel „EKIPA“ (Gruppenname) ist in drei Bereiche aufgeteilt.

Einblicke in die Ultra- und Hooliganszene

Beim Betreten des MO-Schaufensters sehen die Besucher eine interessante Videozusammenstellung aus dem Internet, die Einblicke in die Ultra- und Hooliganszene bietet. Deutlich werden die unterschiedlichen Rituale und Ausprägungen dieser speziellen Fankultur weltweit.

In der Abteilung „Sektor“ steht ein großer Stahlkäfig, der die abgrenzenden Zäune der gegnerischen Gruppen bei einem Fußballspiel symbolisiert und fast ein Gefühl von Gefangenschaft vermittelt. Wie im echten Stadion wird auch ein Flutlicht simuliert.

Auf mehreren Ebenen hängen dekonstruierte Bildwerke mit besonderen Erinnerungsbezügen herunter. Auf dem Boden sind orangefarbene Bildcollagen kunstvoll wie ein orientalischer Teppich arrangiert. An den Stahlgerüsten sind Acryl-Spuren von Händen zu sehen, die an das Rütteln am Zaun erinnern. Dies ist ein Zeichen der Energieentladung bei den Hooligans.

Auf der zum Fenster hinzeigenden Seite befinden sich bei der Installation „Nest Man“ vier kinetische Skulpturen, die Kleidungsstücke aus dem ehemaligen Hooliganleben des Künstlers mit deutlichen Pyrotechnikspuren tragen. In Abständen bewegen sich die Figuren rhythmisch wie bei einem echten Fußballspiel. Mit den „Gesichtern“ zum Fenster wenden sie dem Publikum den Rücken zu. Dieses Verhalten ist bei der Unzufriedenheit der Fans mit der eigenen Mannschaft zu beobachten.

Mit seiner Ausstellung beleuchtet Dudek das Verhältnis von Ritualen und Gruppendynamik sowie Masse und Individuum mit künstlerischen Mitteln. Die Eröffnung der Ausstellung findet am Donnerstag, dem 04.07.2024, um 18:30 Uhr mit einer Performance und der Zündung einer Rauchbombe vor dem Dortmunder U statt. Treffpunkt ist das Foyer im Erdgeschoss.




Messa di Gloria als stimmgewaltiges Konzerterlebnis

Giacomo Puccini (1858-1924) ist vor allem für seine ausdrucksstarken und melodramatischen Opern bekannt. Doch als Abschlussprojekt seines Studiums komponierte er die „Messa a quattro voci“, heute besser bekannt als „Messa di Gloria“, für Orchester und Chor (SATB) sowie solistische Tenor- und Baritonstimmen. Diese stand am 30. Juni 2024 im Konzerthaus Dortmund im Mittelpunkt einer beeindruckenden Aufführung. Der Philharmonische Chor, unter der Leitung von Granville Walker, bildete das stimmgewaltige Fundament, sensibel begleitet von den Dortmunder Philharmonikern, ebenfalls unter Walkers Dirigat.



Mit Sungho Kim (Tenor), Kenneth (Bariton) und Denis Velev (Bass) war höchste Qualität bei den Solo-Stimmen gewährleistet. Das Konzert begann jedoch zunächst mit „A Raffaello Divino (Inno)“ von Marco Enrico Bossi (1861-1925). Einem Werk, das ursprünglich zum 400. Todestag des berühmten Architekten der italienischen Hochrenaissance, Raffaello Sanzio da Urbino, komponiert wurde. Granville Walker hatte das Stück für Orchester und Chor neu instrumentalisiert, sodass es als Chorwerk mit Orchestrierung seine besondere Klangpracht entfalten konnte.

Der Aufbau des Werkes war interessant gestaltet: Zunächst spielte das Horn solistisch, nach und nach setzten die Bläser und Streicher ein. Nachdem das Orchester verstummte, begannen erst die Frauenstimmen, gefolgt von den Männerstimmen. Mit dem erneuten Einsatz des Orchesters entstand ein meisterhaft komponiertes Crescendo.

Das darauffolgende grandiose „Intermezzo Sinfonico“ zum dritten Akt von Puccinis „Manon Lescaut“ ließ die Trauer und Verzweiflung von Des Grieux, der seine geliebte Manon zu einer Strafkolonie in Louisiana verschifft sieht, musikalisch spürbar werden. Die anschließende „Messa di Gloria“ ist eine vollständige Vertonung des Messordinariums in mehreren Teilen.

Bereits beim „Kyrie“ entfalteten die schön und melodisch geführten Stimmen ihre volle Ausdruckskraft – mal unterordnend, mal hervorhebend. Die Eröffnungsmelodie des „Gloria“ bestach durch ihren mitreißenden Schwung, während das anschließende „Credo“ melodisch ernster gehalten war.

Das „Incarnatus“ bietet bei Puccini etwas Spezielles: Der Chor singt – das einzige Mal in der gesamten Messe – a cappella und aus dem Chorsatz löst sich der Solo-Tenor. Die Musik ist dabei von einer verblüffend klaren Einfachheit. Das beeindruckende „Agnus Dei“ schwang sanft, fast wie ein Kinderlied, zunächst in C-Dur zwischen Tonika und Subdominante hin und her. Die zweite Anrufung wiederholte den Ablauf von der Tonika zur parallelen a-Moll und die dritte intensivierte das Geschehen zunehmend, als die zwei Solo-Stimmen (Tenor und Bass) die Melodie wohlklingend übernahmen und der Chor eine rhythmische, leicht aufgelöste Antwort gab.

Die Aufführung im Konzerthaus Dortmund war ein stimmgewaltiges Konzerterlebnis, das die Vielseitigkeit und Tiefe von Puccinis musikalischem Schaffen eindrucksvoll zur Geltung brachte.




Seniorentanztheater: Eine Bestandsaufnahme des Lebens

Seit über 13 Spielzeiten ist das Seniorentanztheater ein fester Bestandteil des Ballett Dortmund und sorgt mit seinen speziellen Choreografien für Aufmerksamkeit. Dabei sind die 17 Seniorinnen in der Mehrzahl. Die beiden Männer (Manfred Bechstein und Jürgen Huber) spielen jedoch ebenfalls eine wichtige Rolle im Gesamtgefüge.

Im Dortmunder Schauspielhaus feierten sie mit der neuen Produktion „Und Seide wasche ich bei 90 Grad“ ihre Uraufführung. Für die wunderbaren Choreografien sorgte wie immer Marc Hoskins, die Gesamtleitung lag in den erfahrenen Händen von Barbara Huber. Der Programmtitel zeugt von trotziger Entschlossenheit und Energie, denn jedes Kind weiß, dass man Seide eigentlich nicht bei 90 Grad waschen sollte.

Eine breitgefächerte Musikauswahl, die von Barock über englischen 70er-Jahre-Pop bis hin zu minimalistischer Moderne reicht, und passende Leinwandprojektionen im Hintergrund sorgten für starke unterstützende Begleitung.

Beim Tanztheater kommt es neben den Tanzbewegungen auch auf die Gestik und Mimik als Ausdrucksmittel an. Worte oder Sätze werden nur sparsam eingebracht. Die Akteure auf der Bühne trugen einheitlich schwarze, grün gemusterte Kleider und benutzten gezielt unterschiedliche Gegenstände wie Koffer, Nordic-Walking-Stöcke und bunte Hüte. Die Kleidung war passend zur „Lebenswanderreise“ ausgewählt und in die Choreografie eingebunden.

Die Bestandsaufnahme unseres Lebens zwischen Alltag, Höhenflügen und den Enttäuschungen von Hoffnungen wurde von den Beteiligten mit viel Humor, Energie und Sensibilität dargestellt. Die Seniorinnen und Senioren begeisterten das Publikum sowohl zu zweit, paarweise als auch als gut miteinander eingespielte Gruppe. Als Statement gab es die Zugabe „Hurra, wir leben noch“ (Milva).




Ausstellungs-Parcours zur Bewegung im städtischen Raum

Auf der Ebene 2 im Dortmunder U, der uzwei (Zentrum für kulturelle Bildung), können Kinder und Jugendliche ab etwa 12 Jahren auch in der Urlaubszeit vom 21.06.2024 bis 01.09.2024 etwas Spannendes erleben. Unter dem Titel „Cooler Move“ wird die dortige Ausstellungsfläche zum städtischen Parcours.



Die Ausstellung ist kreativ und interaktiv gestaltet und thematisiert die Bewegung im Stadtraum. Wem begegnen wir und wer hat wie viel Platz? Wie wird der Raum genutzt? Ein wichtiges Thema ist das Miteinander von Menschen und Tieren. Im Ruheraum „Huddle“ lädt eine 3-4 Meter lange Stoffratte, zusammen mit vielen kleinen Stoffratten, zum Kuscheln und Chillen ein. Ergänzend dazu gibt es Informationen über Ratten in der Stadt.

Kuratorin der Ausstellung Aldina Okerić und Lioba Sombetzki von der uzwei kuscheln mit der Riesenratte in der Ausstellung "Cooler Move" im Dortmunder U. Foto: (c) © Stadt Dortmund / Roland Goreck
Kuratorin der Ausstellung Aldina Okerić und Lioba Sombetzki von der uzwei kuscheln mit der Riesenratte in der Ausstellung „Cooler Move“ im Dortmunder U. Foto: (c) © Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Den Tauben, trotz ihres schlechten Rufs, wird ein Schrein gewidmet. Im Ruhrgebiet gibt es eine lange Tradition der Taubenzucht, und einige Taubenschläge werden vorgestellt. Die Fotografien der Künstlerin Evelyn Bracklow zeigen Ameisen aus einer Kleingartenanlage.

Als Ergebnis eines Workshops aus dem letzten Herbst entstand der „Dackelclub“. Es wurden Rollbretter mit Stoffdackeln gebaut, die sogar bellen können. Mit diesen wurden Spaziergänge durch die Stadt unternommen, deren Reaktionen auf einer Leinwand zu sehen sind. Besucherinnen und Besucher können mit den Dackeln durch die Ausstellung spazieren.

Hohe gelbe „Straßenlampen“ signalisieren, dass etwas passiert, wenn man an ihnen vorbeikommt. Ein interaktiver Mülleimer reagiert auf die Besucherinnen und Besucher und pöbelt sie von der Seite an. Mit Finger-Skateboards können sie zudem durch einen Miniatur-Skatepark sausen, der liebevoll dem ehemaligen, selbstorganisierten Skatepark „Utopia“ (neben dem U) nachgebaut wurde.

Im „Trash Yard“ haben die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich mit Hilfe einer VR-Brille im digitalen Raum zu bewegen und Graffitis zu sprühen, die im Ausstellungsraum auf eine Plakatwand projiziert werden. Das VR-Graffiti wird am Wochenende angeboten, samstags und sonntags jeweils von 12:00 bis 17:00 Uhr.

In der „Speed-Zine“-Abteilung sind Collagen aus verschiedensten Materialien (zerrissene Plakate, Sticker an Stromkästen und Laternen, gekleisterte Bilder, Obstschalen und mehr) als Ergebnis eines Workshops zu sehen. Eine Tischtennisplatte bietet sich zum Rundlauf an und kann mit unterschiedlichen Bildprojektionen bestückt werden. Die Ausstellung bietet Interaktion sowie Raum für Humor und Nachdenklichkeit




Achtziger-Jahre-Feeling zum Klangvokal-Abschluss

Mit einer 80er-Jahre-Musikparty endete das Klangvokal Musikfestival Dortmund am 16.06.2024 im hiesigen Konzerthaus. Das Orchester „Neue Philharmonie Westfalen“ unter der Leitung von Rasmus Baumann (auch am Piano) sorgte mit Unterstützung einer vierköpfigen Band (darunter Rockkeyboarder Marcus Schinkel) für ein ganz besonderes Klangerlebnis.



Mit Bonita Niessen, Viviane Essig, Ruud van Overdijk und Henrik Wager konnten ausdrucksstarke Stimmen für das Konzert gewonnen werden. Als Background-Sängerinnen fungierten Anja Günther, Laetitia Stengel und Nadine Trefzer. Charmant und humorvoll führte Dominik Freiberger durch den Abend.

Internationale Hits von Musikgrößen wie Madonna, Michael Jackson, Whitney Houston, Tina Turner, Pink Floyd, Prince, The Police, Elton John und anderen standen auf dem Programm. Bei „Another Brick in the Wall“ (Pink Floyd) und „We Are the World“ (Michael Jackson, Lionel Richie) brachte sich der Kinderkonzertchor der Chorakademie (Einstudierung: Raphael Arnault) effektvoll ein.

Marcus Schinkel und seine Kollegen konnten sich zwischendurch als Solisten in den Vordergrund spielen, etwa bei „Jump“ (Van Halen). Die Sänger*innen überzeugten sowohl solo als auch im Duett oder als Gruppe. Die beiden Frauen brachten zusammen bei „Simply the Best“ von Tina Turner den Konzertsaal richtig in Stimmung. Ruud van Overdijk hatte seinen ersten großen Auftritt bei „Another Brick in the Wall“. Henrik Wager begeisterte vor allem bei dem anspruchsvoll zu singenden „Take on Me“ (a-ha).

Als dann am Ende die Vier „Sweet Dreams“ (Eurythmics) anstimmten, gab es auf den Publikumsrängen kein Halten mehr. Alles stand und machte mit. Ein wunderbarer Abschluss für ein vielseitiges Musikfestival.

Die Konzertsaison folgt vom 11. Oktober 2024 bis 28. März 2025.




Dynamisch-ausdrucksvolle Performance des NRW Juniorballetts

Im Opernhaus Dortmund hatte das NRW Juniorballett am 14.06.2024 seine Premiere des Projekts „Da Vinci Mode“ mit speziellen Eigenkreationen für diese Company. Das Juniorballett feiert in diesem Jahr zudem sein zehnjähriges Bestehen.



Beteiligt daran waren gleich vier renommierte Choreografen. Wie der Titel andeutet, geht es um die Verbindung von Bildkunst, Ausdruckstanz und dazu passender Musik.

Jane Crow, Jihan Jung, António Ferreira, Milivoje Andrejević („Troupe“) Foto: (c) Leszek Januszewski 
Jane Crow, Jihan Jung, António Ferreira, Milivoje Andrejević („Troupe“) Foto: (c) Leszek Januszewski 

Die erste Choreografie „Proportions in Palette“ von Gaj Zmavc (Slowenien) wurde inspiriert von den großartigen Farbpaletten der Werke von Leonardo Da Vinci. Der Choreograf sorgte auch für die Musikauswahl und Visual Effects. Die sieben beteiligten Tänzer*innen vermittelten die Farbpalette ausdruckstark mit ihren Körpern in allen Schattierungen. Ihre minimalistisch-einfarbigen Kostüme verstärkten die Wirkung und Konzentration auf Bewegungen und Musik.

Beeindruckt von Edvard Munchs Gemälde „Der Schrei“ war der niederländische Choreograf Marijn Rademaker. Seine Choreografie „The Full Length“ stellt sich die Frage: Was macht das Bild mit uns? Wir nehmen uns und alles so ernst und möchten ständig so viel (das Höchste) erreichen. Es geht um innere Kämpfe und Balance im Leben. Munchs „Der Schrei“ löst unterschiedliche Gefühle wie etwa Angst oder Neugierde aus. Die Suche nach dem Sinn des Lebens sollte mit einer Portion Leichtigkeit angegangen werden. Dem trug diese Choreografie als Tanzkomödie mit der bewegenden Musik von Peter Tschaikowsky und der Dynamik Rechnung. Es ist erstaunlich, welche innovative Power das moderne zeitgenössische Ballett besitzt.

Inspiration für die dritte Choreografie „Troupe“ von Douglas Lee bot Pablo Picassos „L’acrobate“. Akrobatik und Tanz haben bemerkenswerte Ähnlichkeit. Beide können ihr Publikum in den Bann ziehen. Das bewiesen die vier Tänzer*innen in ihren farbigen, hochgeschlossenen Kostümanzügen zur surrealistischen Musik von Nicolas Savva.

Den Abend beendete die Dortmunder Erstaufführung von „Blushing“ des Choreografen Marco Goecke. Inspiriert von den individuellen, inneren Bildern, die unser Äußeres zum Erröten bringen, wurde eine Alltagssituation herangezogen (Begegnung mit Tänzer oder Tänzerin im Studio) und in eine eigene Bewegungssprache übersetzt. Es wurde nicht nur die spezielle Musik von Tom Waits, Garbage und anderen genutzt, sondern auch mit Geräuschen (Trampeln, Klatschen, auf Knien rutschen) gearbeitet. Das Ganze mit einer gewissen unterschwelligen Aggressivität und Hetze.

Ein wunderbares Erlebnis für die Freunde des modernen Balletts in all seiner Vielseitigkeit.

Infos über weitere Aufführungstermine erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/5027 222.




Ein interdisziplinäres Kunsterlebnis im Fletch Bizzel

Im Dortmunder Theater Fletch Bizzel können die Besucher*innen vom 16.06. bis 25.08.2024 unter dem Motto „DAS DOPPELTE GEHEIMNIS“ (Arbeitstitel: „Faces“) die besondere Verbindung von darstellender und bildender Kunst erleben.



Dieses Theater unter der Leitung von Rada Radojčić ist für viele bildgewaltige, energiegeladene und intensive Produktionen bekannt. Dasselbe gilt auch für die fotografischen Werke von Klaus Pfeiffer und die Arbeiten von Marina Markgraf (aus Papier, Leinwand, Kohle, Tusche, Druck sowie Kaffeesatz). Der Mensch und seine Suche nach Bindung stehen im Mittelpunkt ihrer Arbeiten.

Bereiten alles für die Vernissage am 16. Juni im Fletch Bizzel vor: Marina Markgraf und Klaus Pfeiffer.
Bereiten alles für die Vernissage am 16. Juni im Fletch Bizzel vor: Marina Markgraf und Klaus Pfeiffer.

Für Markgraf ist es die erste größere Ausstellung. Einige ihrer elf, gemeinsam mit den sechs von Pfeiffer im Foyer des Theaters zu sehenden, Bilder sind expressiv und mit schnellen Strichen erstellte Collagen. Ihre Bilder zeichnen sich durch Ausdruckskraft und viel Raum für persönliche Deutungen aus. Gerne nutzt sie für ihre Arbeiten getrockneten Kaffeesatz.

Der Theaterpädagoge und Regisseur Klaus Pfeiffer beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit der experimentellen Fotografie und ihrer Verbindung zur Malerei. Seine Arbeitsweise ähnelt der von Marina Markgraf (eigentlich Lehrerin im Sabbatjahr) und sie ergänzen sich gut. Energie, Intensität, Zufall, Mensch – das gehört auch zum Wesentlichen des Theaters. Und an genau diesem Ort verbinden sich nun die Energien von bildender und darstellender Kunst.

Die Vernissage zur Ausstellung findet am Sonntag, dem 16. Juni 2024 um 11:00 Uhr im Theater Fletch Bizzel (Humboldtstr. 45, Dortmund) statt.




Festliche Belcanto-Operngala mit Musik von Gaetano Donizetti

Die Dortmunder Operngala „Viva la Diva“ mit Ausschnitten aus Belcanto-Opern von Gaetano Donizetti am 09.06.2024 im hiesigen Opernhaus stand ganz im Zeichen dieser geschmeidig-emotionalen Musik und ihren imposanten Frauenfiguren. Der italienische Komponist trug maßgeblich zur Herausbildung des Typus der Primadonna assoluta bei.



Passend dazu standen unter anderem Sooyon Lee und Anna Sohn, zwei hervorragende Sopranistinnen, für die Gala zur Verfügung. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi (1. Kapellmeister und stellvertretender GMD) sorgten für die einfühlsame instrumentale Begleitung. Unterstützt wurden die Sänger*innen auf der Bühne tatkräftig vom Opernchor Theater Dortmund unter der Choreinstudierung von Fabio Mancini.

Alex Martini, Ks. Morgan Moody, Anna Sohn, Sungho Kim Foto: (c) Björn Hickmann
Alex Martini, Ks. Morgan Moody, Anna Sohn, Sungho Kim Foto: (c) Björn Hickmann

Opernintendant Heribert Germeshausen führte durch den Abend und bot das nötige Hintergrundwissen zu den vier Donizetti-Opern des Programms. Im ersten Teil standen neben den Ouvertüren Musikszenen aus den beiden komödiantischen Opern „Don Pasquale“ und „L’elisir d’amore“ (Der Liebestrank) auf dem Programm.

Hier konnten bereits zu Beginn Kammersänger Morgan Moody (Don Pasquale), Anna Sohn (Norina), Alex Martini (Dottore Malatesta), Sungho Kim (Ernesto) sowie Jean Vendassi (Un Notaro) neben starken Stimmen ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen.

Bei einer Primadonna kommt es nicht nur auf das gesangliche Können an, sondern auch darauf, die unterschiedlichsten Gefühlslagen für das Publikum transparent und spürbar werden zu lassen. Das gelang Anna Sohn als erst scheue, dann selbstbewusst keck auftretende Norina und beim „Liebestrank“ Sooyeon Lee als Adina wunderbar. Bei „L’elisir d’amore“ waren zudem Denis Velev (Dulcamara), Sungho Kim (Nemorino) sowie der Opernchor Theater Dortmund beteiligt.

Nach der Pause wurde mit „Wahnsinnsarien“ aus „Lucia di Lammermoor“ und „Roberto Devereux“ eine neue Facette des Belcantos aufgezeigt. Auch hier war der Opernchor bis zum Ende eine emotionale Unterstützung. Berührend war das „Percorrete…“ aus dem ersten Akt (Coro e Scena) mit der eindringlichen Tenorstimme von Sungho Kim.

Die teils auf historische Begebenheiten bezogenen dramatischen Opernszenen waren nicht nur technisch höchst anspruchsvoll für Sooyeon Lee (Lucia) und Anna Sohn als Königin Elisabetta (Roberto Devereux). Die ganze Tragik mussten sie auch körperlich glaubhaft vermitteln. Natascha Valentin (Opernchor Theater Dortmund) konnte als Sara (Roberto Devereux) erneut ihr Können als Sängerin zeigen.

Neben der bewegenden Musik war es ein ergreifendes Erlebnis für die Anwesenden. Die Akteure erhielten vom Publikum viel Beifall für ihre Leistung.