Eine schwierige Vater-Sohn Beziehung

André Wülfing gab den Thomas Mann. (Foto: © Carlo Feick)
André Wülfing gab den Thomas Mann. (Foto: © Carlo Feick)

Beim Leseabend „Vater.Sohn.Mann.“ im Dortmunder Theater im Depot am 13. Oktober 2013 beleuchteten der Erzähler André Wülfing als Schriftsteller Thomas Mann und der Künstler Michael Em Walter als dessen Sohn Klaus Mann deren schwierige und ambivalente Beziehung.

Dazu benutzten Tagebuchaufzeichnungen von Thomas Mann und Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen Vater und Sohn, um ein wenig Licht in das Verhältnis der beiden Schriftsteller zu bringen. Außerdem lasen sie Auszüge aus deren Werken und ließen zwischendurch über ein altes Radio auch die original Stimmen von Erika Mann, Golo Mann oder Thomas Mann einfließen. Auch kurze Musikeinspielungen, zum Beispiel Wagner oder die amerikanische Nationalhymne, wurde geschickt zur Untermalung der Stimmungen, Vorlieben und passend zur Situation eingesetzt. Im Blickpunkt stand dabei der Zeitraum 1918 bis zu Klaus Manns Freitod im Jahr 1949.

Wülfing schlüpfte mit hellem Anzug, Oberlippenbart, Brille und Haare und mit der etwas gestelzten Sprache beim Lesen bis hin zur Mimik verblüffend glaubwürdig in die Rolle von Thomas Mann. Dabei amüsierte er mit leicht ironischer Überzeichnung. Er zeigte Mann als disziplinierten, etwas eitlen, in seinen Alltagsabläufen fast pedantischen Menschen mit einer Portion Ironie. Ein Mensch, der das Schreiben auch dazu benutzte, um seine homoerotischen Neigungen, die er sich nicht gestattete, auszuleben und dichterisch zu sublimieren. Das wird schon bei seinem Roman „Der Zauberberg“ aus dem Jahr 1924 deutlich.

Michael Em Walter zeichnete ein sensibles Bild von Klaus Mann, der immer um die Gunst und Anerkennung seines berühmten Vaters kämpfte und immer versuchte , aus dessen Schatten zu treten. Der exzentrische älteste Sohn ist ein lebenshungriger Mensch bis hin zur Selbstzerstörung mit Todesfantasien. Er lebt exzessiv und bereist mit seiner Schwester Erika in seinen jungen Jahren auch die Welt. Klaus lebt im Gegensatz zu seinem Vater seine Homosexualität aus und bekennt sich offen zu ihr.

Das Dilemma ist. Eigentlich bewundert Thomas Mann unterbewusst einen Sohn für sein Mut zur offenen Homosexualität und seinem offenen politisches Engagement. Auch sein schriftstellerische Werk findet nach und nach bei ihm an Beachtung. Für Thomas Mann ist es schwer, Klaus als Schriftsteller-Konkurrent, aber vor allem als homosexuellen Mann distanzlos und liebevoll gegenüber zu treten. Er wird durch seinen Sohn mit seiner eigenen homoerotischen Neigung und mit einem Leben konfrontiert, dass seine Persönlichkeit sich selbst zu gestatten. Am deutlichsten wird das distanzierte Verhältnis der beiden am Schluss, als Thomas Mann nach dem Freitod seines Sohnes sagt: „Das hätte er ihnen (Erika und seiner Mutter ) nicht antun dürfen.“

Wichtig ist zudem der gesellschaftspolitische Hintergrund der Zeit vor und bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch da zeigen sich die Unterschiede zwischen Vater und Sohn. Klaus steht dem Nationalsozialismus schon früh kritisch und ablehnend gegenüber. Kritische Schriften aus den Niederlanden und sein Kabarett mit Schwester Erika, die „Pfeffermühle“ bezeugen das ein ja eindeutig. Sein Vater stellt sich erst spät offen gegen die Nationalsozialisten und Emigriert.

Ein gelungener Leseabend, dem man noch mehr Publikum wünschen möchte.




Doppel-Lesung im Studio B

DSC_0742Am Montag, den 14. Oktober 2013 findet um 19.30 Uhr im Studio B der Stadt-und Landesbibliothek am Max-von-der-Grün-Platz 3 eine besondere Lesung statt. Gleich zwei Dortmunder Autorinnen stellen ihre neuen Krimis als Buchpremiere vor.

Die Gemeindepfarrerin und Autorin Anne-Kathrin Koppetsch liest aus ihrem neuen Kriminalroman „Linienstraße“. In Vertretung für die leider erkrankte Autorin Christina Füssmann wird die Schauspielerin Jutta Seifert aus deren neuen Justiz-Krimi „Mörderspur“ vorlesen. Praktischer Weise kennen sich beide Autorinnen auch schon von den „Bloody Marys“- einem Zusammenschluss von Krimiautorinnen in Dortmund, die regelmäßig Benefiz-Lesungen veranstalten.

 

Koppetsch verriet zu ihrem neuen Buch „Das ist ein Nachfolgeroman meines Kriminalromans „Kohlenstaub“ (2012) mit der Dortmunder Pastorin Martha Gerlach als Protagonistin.“ Entführte die Autorin ihre Leser/innen dort in das Jahr 1965, befinden sie sich in „Linienstraße“ am Ende der 60-iger Jahre. Die Zeit ist geprägt von „Flowerpower“, APO (Außerparlamentarische Opposition) oder Ereignisse wie der bevorstehende amerikanische Mondlandung. Da entdeckt Pastorin Gerlach in ihrer Kirche einen Säugling. Wenig später wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ist sie die Mutter des Findelkindes? Die Spuren führen direkt zu Dortmunds Bordellstraße. Doch noch etwas anderes erschüttert Marthas Weltbild zutiefst….

„Besonders spannend bei dem Buch finde ich, dass hier die beiden Welten „Bordell“ und „Kirche“ aufeinanderprallen“, erklärte die Autorin.

„Linienstraße“ ist im Hermann-Josef Emons Verlag erschienen und für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

 

Christina Füssmanns Justiz-Krimi „Mörderspur“ führt die Leser in die Zeit Ende der 80-iger Jahre. Modernste wissenschaftliche Methoden der Verbrechensbekämpfung und neue Möglichkeiten der Überführung mittels des sogenannten genetischen Fingerabdrucks spielten eine große Rolle. Mit Hilfe eines DNA-Abgleichs konnten die wahren Verbrecher nun auch Jahre später noch überführt werden.

Die Autorin hat in ihrem Buch einen waren Kriminalfall in eine fiktive Romanhandlung eingebunden. Im Mai 1982 wird in Dortmund eine junge Frau tot aufgefunden. Es deutet alles auf einen Ritualmord hin, und ein Student gerät schnell als Täter in Verdacht. Nach jahrelangen erfolglosen Ermittlungen gegen ihn bietet ein neues modernes wissenschaftliches Verfahren scheinbar eine bis dahin ungeahnte Möglichkeit der Täterüberführung. Begleitet wird der Fall von der Gerichtsreporterin Judith Faßberg. Kann der Mordfall aufgeklärt werden? „Der Roman zeigt die Gefahren auf, wenn ehrgeizige Ermittler und übereifrige Wissenschaftler voreilig fehlerhafte Rückschlüsse ziehen“, so Elke Neumann vom OCM-Verlag.

 

Hilfreich für den Kriminalroman war sicherlich, dass Füssmann selbst jahrelang als Gerichtsreporterin gearbeitet hat.

 

„Mörderspur“ ist im OCM-Verlag erschienen und für 11,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

 

Der Eintritt für die Lesung kostet wie immer drei Euro.




Drama Queens im Liebestaumel

Schafft es Romeo seine Juklia noch einmal runzukriegen? (v.l.n.r.) Andreas Beck, Eva Verena Müller, Peer Oscar Musinowski, Sebastian Graf, Merle Wasmuth und Bettina Lieder. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Schafft es Romeo seine Julia noch einmal runzukriegen? (v.l.n.r.) Andreas Beck, Eva Verena Müller, Peer Oscar Musinowski, Sebastian Graf, Merle Wasmuth und Bettina Lieder. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Bei der Premiere des Lieder-abends mit Live-Musik „Drama Queens“- neue Songs aus der Kantine“, nach einer Idee von Christian Quitschke am 6. Oktober 2013 stand die Musik voll im Mittelpunkt. Gesprochen wurde von den drei Weiblichen und drei männlichen Schauspielern „Drama Queens“ noch weniger als bei „La Cantina Adrenalina“ aus der letzten Spielzeit.

Regisseur und Schauspieler Andreas Beck gelang es zusammen mit Quitschke, Dramaturg Thorsten Bihegue und der musikalischen Leitung von Paul Wallfisch hervorragend, dem Publikum das Geschehen auch ohne viel Worte mit einer gelungenen und passenden Musikauswahl nahe zu bringen.

Paul Wallfisch wurde mit seinen Kollegen Gregor Kerkmann am Bass, Martell Beigang am Schlagzeug und Marcus Scheltinga gleich am Anfang live und „unplugged“ mitten auf der Bühne in die Handlung eingebunden. Später begleiteten die Musiker das Geschehen professionell und gekonnt wie schon bei „La Cantina“ auf einer erhöhten Plattform links.

Nach der Premierenfeier von „Hamlet“ aus „La Cantina“ stehen sofort die neuen Proben für „Romeo und Julia“ von Shakespeare an. Natürlich wegen Schwierigkeiten wieder in der Kantine.

Kantinenwirtin ist immer noch Bettina Lieder, die noch ein wenig ihrer alten Liebe, dem ehemaligen Regieassistenten nachtrauert, aber gleich für den neuen, gut gebauten und zunächst etwas tollpatschigen Assistenten (Oscar Musinowski) entbrennt. Mit viel Sexappeal und erotischen Spielchen umgarnt die Kellnerin nach allen Regel der Kunst den neuen Regieassistenten. Das führt zu wunderbar komischen Situationen. Musinowki entwickelt in seiner Rolle im Laufe des Abends ein immer größeres Selbstbewusstsein.

In den Stück wird gleich klar, die weiblichen „Drama Queens“ ziehen die Fäden. Das gilt zunächst für die neue Regisseurin aus den USA, gespielt von Eva Verena Müller. Musikalisch hinterließ sie innerhalb des musikalischen Ensembles als Soul-Queen einen besonderen bleibenden Eindruck. Dass die Regisseurin auf Frauenpower steht (bei ihr heißt das Stück nur „Julia“), sorgt gleich für Komplikationen.

Somit knirscht es auch im Gebälk der Beziehung zwischen dem Schauspieler (Sebastian Graf) und der Schauspielerin (Merle Wasmuth) als Julia. Wasmuth spielte und sang mit viel Liebreiz und Bestimmtheit.

 

Gegen Ende wird „Romeo und Julia“ aufgeführt, wobei Andreas Beck auch in einer Frauenrolle zu sehen ist, ein großartiger Moment in einer sowieso großartigen Inszenierung.

Musikalisch stehen die 70er und 80er im Vordergrund. Von ABBA über Kraftwerk bis hin zu den Ramones. Natürlich durften die Dire Straits mit „Romeo and Juliet“ nicht fehlen.

 

Das Publikum tobte vor Begeisterung. Zurecht. „Drama Queens“ hat das Zeug zu einem Kultklassiker.

 

Die weiteren Termine für „Drama Queen“ sind der 9- November sowie der 13. und 31 Dezember 2013.

 

Infos und Karten erhalten Sie unter: Tel. 0231/50 27 222 oder www.theaterdo.de .




Wie umgehen mit der Opferrolle?

Funktioniert der Deal? Das Opfer will nicht immer Opfer bleiben. (Foto: © Hans Jürgen Landes)
Funktioniert der Deal? Das Opfer will nicht immer Opfer bleiben. (Foto: © Hans Jürgen Landes)

18 Stunden allein im Kartenraum der Schule, eingesperrt von seinen eigenen Klassenkameraden. Nur Karten, keine Toilette. Was tun? Es war der eindringlichste Moment im Klassenzimmerstück „Erste Stunde“, als Jürgen Rickert, eindrucksvoll gespielt von Götz Vogel von Vogelstein, seine damalige Notsituation schilderte.

Die Premiere von „Erste Stunde“ von Jörg Menke-Peitzmeyer fand am 3. Oktober unter der Regie von Johanna Weißert passenderweise in einem Klassenzimmer des Robert-Schuman-Berufskolleg statt, in der direkten Nachbarschaft des Kinder-und Jugendtheaters. Während für die Jüngeren im Publikum die Situation im Klassenzimmer nichts ungewöhnliches war, kamen bei den älteren Zuschauern einige Erinnerung an ihre vergangene Schulzeit hoch. Das Stück um das Thema Mobbing wird eigentlich vor Schulklassen ab Jahrgangsstufe 8 aufgeführt.

 

Wie ist die Ausgangssituation: Jürgen Rickert kommt als neuer Schüler in die Klasse. Er stellt sich sofort vor die Mitschüler/innen und konfrontiert und verblüfft sie mit einem Angebot. Seine neuen Mitschüler dürfen fünf Minuten lang alles mit ihn machen. Etwa seinen Rucksack klauen, oder ihn beschimpfen. Danach sollen sie ihn in Ruhe lassen. Das ist der Deal.

 

Mit dieser mutigen und riskanten Offensive spricht der Neue die Zuschauer direkt an, und greift in die Gruppendynamik der Klasse ein. Sie müssen sich gegenüber ihm aber auch untereinander verhalten. Was gibt es für Auswege?

 

Die Situation bei der Premiere war natürlich eine Besondere. Der Schauspieler hatte ja keinen Klassenverband mit festen Strukturen vor sich, sondern bunt zusammengewürfelte Menschen und mit unterschiedlichem Alter. Götz Vogel von Vogelstein alias Jürgen Rickert bot alles auf, um dem Publikum zu zeigen, weshalb er eventuell das geeignete „Mobbing-Opfer“ wäre. Schnell macht er aber auch deutlich, dass die Opfer eigentlich selbstsicher, mutig und schlau sein müssen, um in diesem Dschungel zu bestehen.

Jeden kann zum Opfer werden, denn jeder ist irgendwie anders. Ob zu klein, mit Segelohren, zu Schön, zu dumm, oder zu klug und für die Anderen ein Streber. Opfer können zu Tätern werden, und Täter zu Opfern. Ergebnis: Erst das Anderssein macht den Menschen zu etwas besonderen. Das sollte uns Selbstbewusst und stark genug gegen „Täter-Opfer“machen, die nur jemanden suchen, um von sich abzulenken und die eigenen Ängste zu kaschieren.

 

 

Die nächsten Termine sind der 18. und 25. November, interessierte Schulen können sich unter 0231- 50 22 416 melden.




Drama Queens – musikalischer Blick hinter die Theaterfassade

Drama, Baby! Dramaturg und Regisseurin in Unilook. (Foto: ©  Schauspiel Dortmund)
Drama, Baby! Dramaturg und Regisseurin in Unilook. (Foto: © Schauspiel Dortmund)

Wer schon von „La Cantina Adrenalina“ aus der letzten Spielzeit begeistert war, hat wieder Grund zur Freude. Es gibt mit der Premiere von „Drama Queens – Neue Songs aus der Kantine“ am Sonntag, dem 6. Oktober um 18 Uhr eine Fortsetzung der heiter-melancholischen musikalischen Einblicke in den alltäglichen Wahnsinn zwischen Proben und Premiere im Theater. Hier geht’s zum Premierenbericht… Regie bei der Fortsetzung führt der Schauspieler Andreas Beck. Er hat auch zusammen mit Dramaturg Thorsten Bihegue das Konzept entwickelt.

„Wie alle anderen Menschen spielen auch die Schauspieler, die Kantinenchefin, die Regisseurin u.s.w. ihre „Rolle. Hinter der Fassade sieht es ja oft ganz anders aus“, so Beck. Zum Stück: „Drama Queens“ schließt nahtlos an die Premierenfeier nach der Hamlet-Inszenierung von „La Cantina Adrenalina“ an“, erklärte Bihegue. Nun steht die Inszenierung von Shakespeares „Romeo und Julia“ vor der Tür. Liebe und Eifersucht spielen im Stück natürlich wieder eine große Rolle. Neben den bekannten Schauspielern und Figuren aus La Cantina gibt auch einige Veränderungen. Die Schauspielerin Eva Verena Müller wird zum Beispiel zur Regisseurin befördert. Der alte Regieassistent (Christoph Jöde) ist weg und wird durch einen neuen (Oscar Musinowski) ersetzt. Mit Merle Wasmuth gibt es auch eine neue Schauspielerin.

 

„Wir haben uns bemüht, die Dialoge zu minimieren, Das Geschehen und die Übergänge sollen hauptsächlich von den Songs erklärt und bestimmt werden“, so Beck. Das musikalische Repertoire ist umfangreich und geht von „Romeo und Julia“ von Udo Lindenberg, „Romeo and Juliet“ von den Dire Straits bis hin zu „Die Roboter“ von Kraftwerk.

 

Die musikalische Leitung übernimmt wieder Paul Wallfisch am Keyboard und Gitarre. Ihm zur Seite stehen Gregor Kerkmann (Bass), Martell Beigang am Schlagzeug und Marcus Scheltinga an der Posaune sowie an der Gitarre. Sie werden dieses Mal am Anfang sogar mit auf auf der Bühne stehen.

 

Bei „Drama Queens“ gibt es noch etwas ganz besonderes.

Bei jeder Aufführung wird es einen überraschenden Gastauftritt geben, der den Knef-Titel „Für mich soll’s Rote Rosen regnen“ zum besten gibt.. Für die Premiere steht dieser schon fest. Für alle weiteren Vorstellungen haben mutige Interessierte die Gelegenheit, ihr Gesangstalent zu beweisen und diesen Song auf der Bühne live zu präsentieren. Interessenten können sich bei homayoun@theaterdo.de melden.

 

Die weiteren Termine für „Drama Queen“ sind der 9- November sowie der 13. und 31 Dezember 2013. Restkarten für die Premiere am 6. Oktober und für die anderen Termine sind noch zu haben.

 

Infos und Karten erhalten Sie unter: Tel. 0231/50 27 222 oder www.theaterdo.de .




„The Blog House“ – neue Late-Night im Institut

Ab Samstag, den 5. Oktober 2013 um 22.00 Uhr wird im Institut des Dortmunder Schauspiels eine neue Late-Night von dem Internetblog ruhrbarone.de in Kooperation mit dem Schauspielhaus präsentiert.

Dramaturg Alexander Kerlin verriet. „Die Idee hierzu war uns nach einer Veranstaltung vor einem halben Jahr gekommen. Wir wollen uns neuen Kanälen öffnen. Auch dort gibt es Literatur. Das war der Ausgangspunkt. Die Ruhrbarone hatten sich bereit erklärt dabei mitzumachen.“ „Es gibt ja nicht nur die hohe Schreibkunst à la Günther Grass“, fügte Dramaturg , Autor und Blogger Thorsten Bihegue. „ Das soll ein unterhaltsam und offener Abend werden. Mit gut dosierten Texten und Musik. Ein Raum um Literatur zu hören und der Möglichkeit, im Anschluss gemeinsam in lockerer Atmosphäre zu diskutieren“, so Kerlin.

 

Ruhrbarone-Mitbegründer Stefan Laurin moderiert die Late-Night und präsentiert Blogger aus dem Revier. Sie lesen ihre Texte, Statements, Essays und Romanfragmente.

 

Für den 5. Oktober 2013 sind zum Start der Dortmunder Sozialarbeiter Sascha Bisley, bekannt mit seinem Blog www.dortmund-diary.de und Thorsten Bihegue, Dramaturg am Schauspiel Dortmund. Er schreibt auf „My Own Private Irgendwo“ über seine Leidenschaft, die experimentierfreudige Rap-Musik. Außerdem mit von der Partie ist der Berliner Schriftsteller und Sportjournalist Martin Krauss. In seinem Blog martinkrauss.de berichtet er Hintergründiges über aktuelle politische und kulturelle Debatten.

 

Über thematisches an diesem Abend wollte Bisley nicht viel verraten. Nur soviel deutete er an. Es wird ins Gesicht und geradeaus sein.Die Themen sind nicht festgelegt. Die Autor stehen im Mittelpunkt.„Wir sind gespannt und wollen mal sehen was passiert“, so Laurin.

 

Der Termin für einen zweiten Abend steht schon fest. Der 7. Dezember 2013.

 

Der Eintritt beträgt 5 Euro und es gibt noch Restkarten für „The Blog House“ am 5. Oktober 2013.

 

Karten gibt es unter www.theaterdo.de oder Tel: 0231 / 50-22 390.




Ring-Show um das Thema Liebe

Wer von uns kennt es nicht? Die Unsicherheit und Verwirrung, wenn wir zum ersten Mal verliebt sind und total neben uns stehen. Oder die Angst vor dem „ersten Mal“. Wie verhalte ich mich richtig? Um das Verliebtsein, die Liebe und das erste Mal geht es in dem Lust-Spiel „Scharf!“ von Klaus Schuhmacher. Die Haus-Regisseurin im Kinder-und Jugendtheater (KJT) Antje Siebers ging das Lust-Spiel offen, unverkrampft und mit Humor an.



Bei der Premiere von „Scharf!“ am 27. September 2013 im KJT erwartete die Zuschauer in der Mitte der Bühne eine mit buntem Würfelmuster besetzter Show-Ring. An den Wandseiten boten Leinwände die Möglichkeit, das spätere Geschehen visuell passend zu begleiten. Erhöht an der Vorderseite waren vier freie schwarze Sitze zu sehen. Links daneben gab die Spielleiterin und Musikerin Bärbel schwarz in verschiedenen fetzigen Outfits den Takt auf ihrem Schlagzeug oder den Gitarren an. Wie bei einem Boxkampf schickte sie die Schauspieler mit einem Gong in die verschiedenen „Runden“.

Desirée von Delft (Anne), Bianka Lammert (Pia), Götz Vogel von Vogelstein (Christian) und Steffen Happel (David) mussten dabei viel Flexibilität an den Tag legen.

Die Vorstellung bewegte sich nämlich auf verschiedenen Ebenen. Ersten spielten sie in ihren Rollen mit deren Empfindungen. Pia und David spielten daneben noch die „Coaches“ von Anne und Christian. Sozusagen als „innere Stimme“. Außerdem spielten alle Vier auch noch sich selbst. Mit einer Kamera Zeigen sie gnadenlos und mit Ironie auf ihre kleinen Makel und begrüßen einzelne Zuschauer im Raum.

Die größte Verwandlung gelingt ihnen aber als die vier alten „Weisen“, Mit speziellen Masken sitzen sie mit karierten Decken auf den vier Sesseln an der Vorderseite und sinnieren vor dem Hintergrund einer Berglandschaft (auf der Leinwand) mit humorvollem Augenzwinkern über ihr früheres Liebesleben.Vom erstes kribbeln im Bauch, Unsicherheit und Bauchgrimmen, der erste Sex, Verhütung, Angst vor Schwangerschaften bis hin zum Thema Homosexualität wird alles angesprochen.

Das Thema Selbstbewusstsein spielt bei der Vorstellung eine große Rolle. Im laufe des Abends werde die Personen selbstbewusster und schmeißen die bestimmende Spielleiterin kurzzeitig sogar raus. Den Schauspielern kann man beim Lust-Spiel die Lust am Spielen anmerken. Ein paar von den Schauspielern gesungene Songs unterstreichen das Geschehen auf der Bühne.

Fazit: Liebe ist etwas Schweres aber auch sehr Schönes. Ohne sie wäre die Welt nicht nur um einiges langweiliger und ärmer, sondern die Menschheit würde auch aussterben. Zu jeder Zeit haben die Menschen dabei die gleichen Ängste und es gibt keine Patent-Rezepte für ein glückliches, erfolgreiches Liebesleben. Das mögliche Scheitern ist inbegriffen, aber es lohnt sich immer wieder, offen zubleiben und sich auf eine neue Liebe einzulassen.

Das Ensemble wurde mit viel Applaus vom Publikum belohnt.

Weitere Termine 29. September 2013, 30. September 2013, 06. Oktober 2013, 07. Oktober 2013, 08. Oktober 2013, 09. Oktober 2013, 10. Oktober 2013, 08. November 2013, 17. November 2013, 19. November 2013, 20. November 2013, 21. November 2013 und 22. November 2013.

Karten unter 0231 5027222 oder www.theaterdo.de.




Wie raus aus der Opferrolle?

Die öffentliche Premiere des Klassenzimmerstücks „Erste Stunde“ von Jörg Menke-Peitzmeyer findet konsequenter Weise am 3. Oktober 2013 um 19.00 Uhr nicht im Kinder-und Jugendtheater, sondern direkt daneben im im Robert-Schuman-Berufskolleg in der Sckellstraße statt. Menke-Peitzmeyer bekam schon 2006 für „Erste Stunde“ den Autorenförderpreis der Landesbühnen. Die Aufführung hier ist eine Kooperation des KJT mit „Hilfe, bevor es brennt e.V.“, Phönixgymnasium.



Johanna Weißert, langjährige Regisseurin im KJT, erklärte zum Stück: „Ein Schauspieler des Hause, Götz Vogel von Vogelstein geht als neuer Schüler Jürgen Rickert in eine Klasse (ab 8. Klasse). Jürgen hat in den vergangenen Jahren schon viele Erfahrungen als „Mobbing-Opfer“ gemacht. Nun macht er den Mitschülern einen verblüffenden Vorschlag, um sich aus seiner passiven Opferrolle zu befreien. Er versucht es mit einer aktiven Offensive, die Schüler zu einer Auseinandersetzung mit der Thematik herausfordert. Dabei fordert er die Schüler zum Mitdenken auf. Wie wird man zum Beispiel zum Täter oder was macht einem zum Opfer? Welche Charaktereigenschaften machen einem zum aktiven , welche zum passiven Täter?“

Die Aufführung geht wie eine Schulstunde über 45 Minuten. Die zweite „Schulstunde“ ist für die Diskussion mit den Schülern und Lehrern vorgesehen. Moderiert wird das Ganze von einer Theaterpädagogin. „Danach müssen aber die Pädagogen das Thema weiter bearbeiten. Da haben wir dann keinen Einfluss mehr darauf“, so Weißert.

Für den jungen Schauspieler ist jeder neue Besuch in einer Schule eine große Herausforderung und Abenteuer. Er muss zunächst herausbekommen, wie die Gruppendynamik in der Klasse ist und funktioniert. Götz Vogel von Vogelstein verriet: „Du weißt nie, was dich erwartet. Wir sind schon zur Probestunden in 4 verschiedenen Schulen und 5 Klassen gewesen. Es gab dort starke Reaktionen von den Schülern.“

Weißert ergänzte: „Es war spannend zu Erleben, wie von den Schülern zunächst oft gesagt wird, es gäbe bei ihnen kein Mobbing-Problem. Später kam dann doch einige Probleme in der Klasse zutage.“ Andreas Gruhn, Leiter des KJT, erläuterte: „Mobbing war auch schon früher ein Thema. Mit den sozialen Netzwerken haben sich die Auswirkungen auf die Opfer aber heute erheblich verstärkt.“

Für interessierte Pädagogen gibt es vorab wieder einen Themenabend am Dienstag, den 1. Oktober 2013 um 17.30 im KJT Dortmund in der Sckellstraße (Café).

Für die Aufführung am 3. Oktober gibt es eventuell noch Restkarten! Nachfragen! Das Stück ist konzipiert für SchülerInnen ab 13 Jahre.

Die nächsten Termine sind der 18. und 25. November, interessierte Schulen können sich unter 0231- 50 22 416 melden.




Als die Lettern laufen lernten

Die interaktive Medienausstellung „Moving Types – Lettern in Bewegung“ zeigt auf der Ebene 6 des Dortmunder U bis vom 28. September 2013 bis zum 3. März 2014 in vielfältiger Weise eine Retrospektive von den Anfängen des Films 1893 bis heute mit Blick auf die Zukunft.



Veranstaltet wird die Ausstellung von der U2_ Kulturelle Bildung im Rahmen des New Industries Festival. „Wir sehen uns hier als Schnittstelle von Kunst und Digitaler Welt“, erklärte Kurt Eichler, Geschäftsführer der Kulturbetriebe Dortmund.

Konzipiert, gestaltet und umgesetzt wurde die schon mehrfach ausgezeichnete Ausstellung vom Zentrum Zeitbasierte Gestaltung, ein Verbund des img der FH Mainz und der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd in Kooperation mit dem Gutenberg-Museum Mainz im Rahmen „Stadt der Wissenschaft 2011“.

Prof. Anja Stöffler (FH Mainz), eine der Kuratoren der Ausstellung verriet: „ Den Besucher erwartet unter anderem eine Retrospektive von den Anfängen des Films bis heute. Neben Kurz- und Kinderfilmen, Vor- und Abspännen oder Filmauschnitten finden sie bei uns auch rein computeranimierte Buchstabenwelten. Neben informativen haben die zirka 300 gezeigten Arbeiten auch viele unterhaltende Moment“.

Ein besonderes Highlight ist sicherlich der 16-minütige, prämierte französische Kurzfilm „Logorama“ aus dem Jahr 2009. Der computeranimierte Trickfim zeigt anschaulich die Entwicklung des Kapitalismus und Auswüchse der deregulierten Finanzmärkte.

Herzstück und Mittelpunkt der Ausstellung ist die Medienlounge, in der unzählige Informationen auf rund 200 leuchtenden QR-Codes versehenden Würfel im Raum zu schweben scheinen. Am Eingang bekommen die Besucher iPads, mit deren Hilfe sie die filmischen Exponate einlesen und anschauen können.  Aber nicht nur das. Man kann seine QR-Codes auch mit anderen Menschen, zum Beispiel teilen, so Prof. Ralf Dringenberg. „So kann ein sinngebender Umgang mit den neuen Medien erfahren werden“, fügte Stöffler hinzu.

Zum begleitenden Bildungsprogramm „Ideen in Bewegung“ vor allem für die jungen Besucher/innen erläuterte Mechthild Eickhoff, die Leiterin der U2_Kulturelle Bildung: „Die Kinder -und Jugendlichen sollen auf spielerische Weise an die bewgten Lettern herangeführt werden. Sie erfahren allgemeines über Druckverfahren und moderne digitale Techniken. Sie sollen aber auch angeregt werden, sich selbst einzubringen. Nicht nur bewegte Lettern lesen, sondern selber eigene Filme, Fotos, mediale Kurzbotschaften zuzufügen.“

Es gibt drei Formate: „Moving Hands- vom Druck zum Trickfilm“ oder D+U=DU – Bewegte Zeichen – Fotoserien“ und „Die Welt ist nicht genug – Performence und Film“.

Für jung und alt gibt im „Lautsprecher“ die Gelegenheit, eigene Texte visuell sichtbar zu machen.

Im Kino im U werden Filmabende mit thematisch passende Werken sowie Typografie-Clips von Studierenden mit der Vorstellung von Berufsbildern im Bereich Gestaltung, wie zum Beispiel am 5. Dezember 2013 zu sehen sein.

Ein kostenloser Kurzführer bietet einen Überblick über den Aufbau und die Stationen der Ausstellung. Ein ausführlicher Katalog mit „eingebautem Kino“ ist darüber hinaus käuflich zu erwerben.

Außerdem werden ab November 2013, sonntags um 11.30 Uhr regelmäßig Führungen angeboten.




Auf der Suche nach Identität

Sebastian Graf, Julia Schubert, Thomas Truax, Bettina Lieder, Oscar Musinowski, Friederike Tiefenbacher und Uwe Rohbeck (v.l.) (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Sebastian Graf, Julia Schubert, Thomas Truax, Bettina Lieder, Oscar Musinowski, Friederike Tiefenbacher und Uwe Rohbeck (v.l.)
(Foto: ©Birgit Hupfeld)

Am 28. September 2013 ist um 19.30 Premiere (Premierenbericht hier) für Henrik Ibsens „Peer Gynt“ im Schauspielhaus Dortmund. Die traumhafte Märchenparabel mit Bezug zur Nordische Mythologie schrieb Ibsen in der Mitte des 19. Jahrhunderts als dramatisches Gedicht.

Zur Geschichte:

Der Bauernsohn und Träumer Peer Gynt belügt seine Mutter, entführt die Braut eines anderen, gibt alles auf und flieht vor den Leuten aus dem Dorf. Auch Solveig, in die er sich verliebt und die als einzige zu ihm steht, verlässt er. Die halten ihn für einen Aufschneider und Phantasten. Es beginnt eine abenteuerliche Reise zu den Trollen bis zur Irrenanstalt in Kairo. Gynt schlüpft in verschiedene Rollen. Er ist Waffenhändler, skrupelloser Geschäftsmann, und verliert zwischendurch all seinen finanziellen Reichtum. Alles tat er, um der Welt zu beweisen, das etwas Großes aus ihm werden kann. Wie sinnbildlich bei einer Zwiebel streift er sich verzweifel Hülle um Hülle ab, ohne zu sich selbst zu kommen. Er macht sich auf den Heimweg nach Norwegen. Findet er dort zu sich selbst? Oder zu Solvejg, die immer noch auf ihn wartet?

 

Regisseur Kay Voges stellt Peer Gynts Suche nach seinem wahren Ich, seinem eigentlichen „Kern“in den Mittelpunkt seiner Inszenierung. „Es um Identität und Wiederholung. Was bedeutet gerade heute in einer Welt der steten Beschleunigung.? Wir spielen alle in unserem Leben.verschiedene Rollen, ob zum Beispiel im Beruf, als Vater, als Liebhaber u.s.w. Was ist da das eigentliche Ich? Wir spalten Peer Gynt in seine verschiedenen Facetten. Die sechs Schauspieler/innen sind auf der Suche nach der Identität. Zeigt sich das wahre Ich vielleicht nur in der Reflexion mit anderen?“,erläuterte Voges.

 

Zum Bühnenbild verriet er: „Die Bühne wird mit acht Tonnen Wasser zu einer permanenten , riesigen Reflexionsfläche umgewandelt und bietet Platz für die verschiedenen variablen Identitäten.“ 8.000 Liter entsprechen ungefähr 40 volle Badewannen, also die Schauspieler stehen bis zum Knöchel im Wasser.

 

Alle Schauspieler spielen Peer Gynt und symbolisieren verschiedene Identitäten mit Hilfe von Farbe , Lehm oder einfachem Spiel mit dem Wasser. „Das Wasser ist sowohl Reflexionsfläche als auch ein unsicherer Untergrund“, so Dramaturg Thorsten Bihegue. „Das wird ein sinnliches, archaisches Stück ohne Technik und Video“, erklärte Voges.

 

Dazu passt es, dass etwas erhöht auf der Bühne der amerikanische Musiker Thomas Truax live auf seinen selbst entwickelten Instrumenten die Verwandlungen entsprechend musikalisch begleiten wird. Einige werden Truax von seinen Auftritten im Rahmen der Small-Beast-Reihe von Paul Wallfisch kennen.

 

Die nationalromantische Musik zum Schauspiel von Edvard Grieg passt nicht besonders gut zu Ibsens modernen Drama. Grieg selbst hatte in mehreren Briefen geäußert, dass Peer Gynt nie seine Sympathien gewinnen werde. „Es wird bei der Vorstellung jedoch zwei Momente geben, die Grieg-Freunde wiedererkennen werden“, so Bihegue.

 

Ars Tremonia führte ein Interview mit dem Dramaturgen Thorsten Bihegue: [youtuber youtube=’http://www.youtube.com/watch?v=hhlx_epjZ5I‘]

 

Das Stück geht über 90 Minuten und für die Premiere am 28. September 2013 gibt es noch Restkarten. Weitere Termine: 04. Oktober 2013, 18. Oktober 2013, 02. November 2013, 17. November 2013, 04. Dezember 2013, 21. Dezember 2013, 16. Januar 2014 und 22. März 2014.

 

Karten gibt es unter www.theaterdo.de oder telefonisch 0231 5027222.