Schon ein Blick auf das Cover des neuen, nun schon 26., Krimis um die engagierte „Bierstädter“ (Dortmunder) Polizeireporterin Maria Grappa von Gabriella Wollenhaupt mit dem Titel „Grappa greift durch“ zeigt anschaulich, um welches aktuell brisante Thema es darin geht; Das Gesicht einer bis auf die geschlossenen Augen schwarz verschleierten Frau.
Ausgerechnet Anneliese Schmitz, als Bistro-Besitzerin und gute Bekannte von Polizeireporterin Maria Grappa, muss in der Nähe ihrer Wohnung auf einem Spielplatz eine schwarz verschleierte Frau entdecken, die ihr totes Kleinkind schaukelt. Die kleine Öslem ist keines natürlichen Todes gestorben, und die junge Mutter Duru Sahin ist geschockt und nicht ansprechbar. Es stellt sich heraus, das der Vater des Kindes ein gesuchter IS-Terrorist ist. In einem Klima der Verunsicherung, vor allem nach den Anschlägen in Paris und Brüssel verpasst Chef Berthold Schnack der Journalistin einen Maulkorb. Was darf den Lesern zugemutet werden? Da muss Maria mit etwas Druck durchgreifen.
Es stellen sich einige Fragen. Ist Durus Vater , ein bekannter Iman in Bierstadt wirklich so ein toleranter und gemäßigter Moslem, wie er tut? Schließlich hat er seiner Zuflucht suchenden Tochter samt Enkelin diesen nicht gewährt.Dann gibt es da noch die moderne, aufgeschlossene und freiheitsliebende Freundin PerihanTercanli. Die ist in großer Sorge wegen ihres jüngeren Bruders Erkan, der in den Sog der radikalen Salafisten geraten ist. Dazu kommen noch Konflikte zwischen den braunen Mob und Flüchtlingen.Zwei weitere Morde geschehen und sowohl Fotograf Wayne Pöppelbaum wie auch Grappa und Freund Friedemann Kleist (Anti-Terror-Task Force) geraten in ernste Gefahr….
Neben gewohnt humorvoll-ironischen Bemerkungen zeichnet sich der Kriminalroman durch eine nachdenkliche Stimmung aus. Wollenhaupt gelingt es gut, die Stimmung der Verunsicherung aufzufangen. Sie vermeidet ein einfaches schwarz-weiß Denken ohne zu verharmlosen. Es wird ganz klar: Es gibt weder „Sicherheit-Garantien“ noch einfache Lösungen für das Flüchtlingsproblem, den IS-Terror und braunen Populismus. Wichtig sind aber Offenheit, Aufmerksamkeit, Respekt und Achtsamkeit sowie keinen verschleierten Blick für die gesellschaftliche Problem.
Eine spannende Urlaubslektüre für die kommende Urlaubszeit.
Theatermacher und Mediziner Tuğsal Moğul rückt mit seinem Stück „Der goldene Schnitt“ ein brisantes Thema in den Blickpunkt in der Öffentlichkeit. Während die weibliche Genitalverstümmlung, besonders nach der Veröffentlichungen des autobiografischen Buches „Wüstenblume“ (Waris Dirie) und dessen Verfilmung wegen seiner offensichtliche schmerzhaften dauerhaften Folgen für die Betroffenen weltweit mehrheitlich geächtet ist, ercheint die Diskussion um die Beschneidung (Zirkumzision) von minderjährigen Säuglingen oder Jungen aus religiösen Gründen verhaltener.
Seit 2012 ein Gesetz verabschiedet wurde, dass eine „medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen“ als „grundsätzlich zulässig“, stehen sich zwei Lager unvereinbar gegenüber. Die Vertreter der jüdischen und muslimischen Gemeinden sowie die koptischen Christen fordern ihr Grundrecht auf Religionsfreiheit ein, auf der anderen Seite das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit steht. Eine wissenschaftlich fundierte Diskussion über das Thema mit allen beteiligten Gruppen im Interesse des Kindeswohls, wie in einer Petition vom Humanistischen Verband, Kinderschützern, Jugendhilfe, verschiedener Ärztegruppen und weiterer Experten vor der Gesetzesverabschiedung damals gefordert, konnte es nicht verhindern.
Mit der Premiere vom „Der goldene Schnitt“ am 16.04.2016 im Studio des Dortmunder Schauspiels wird das Publikum teil einer großen Feier zur Beschneidung von Ismail (Levin Can Engin), den zehnjährigen Sohn von Judith (Jasmina Musić) und Ibrahim (Murat Seven). Bevor die Zuschauer den festlich mit einer Ballon-Girlande geschmückten Raum eintreten, bekommen sie eine türkische Süßigkeit in die Hand gedrückt, die Sitze sind rund herum angeordnet.
Die Eltern, in betont freudig-aufgeregter Stimmung, begrüßen humorvoll ausgiebig ihre zahlreich aus dem In-und Ausland angereiste Verwandtschaft. Die Eltern, er mit türkisch-muslimischem Hintergrund, sie mit väterlicherseits jüdischen Wurzeln, sind beide Mediziner und haben alles aufs Beste vorbereitet. Alles , auch die notwendige Narkose für den Jungen.
Wie üblich, werden dem Kind vor der Beschneidung noch besondere Wünsche erfüllt, wie eine rasante Autofahrt mit dem Onkel zu interessanten Stätten wie etwa das Fußball-Museum erfüllt.
Während die Zeit bis zur Ankunft des Kindes schnell vergeht, schlägt die fröhliche Stimmung vor allem beim Vater um. Der Junge kommt wie ein kleiner Prinz mit weißem Anzug und Kopfbedeckung mit einem kleinen roten Flitzer in das Studio gefahren und wird reichlich beschenkt. Die Freude darüber ist ihm im Gesicht anzusehen. Wie bei einem Fest üblich, wird auch getanzt und – begleitet vom Kind mit der Gitarre – gesungen. Dennoch kommen seinem Vater immer mehr Zweifel, ob die Beschneidung des eigenen Sohnes die richtige Entscheidung ist. Das Publikum erfährt von traumatischen Erlebnissen Ibrahims. Die schief gegangenen Anästhesie bei einer Routine Operation vor drei Jahren und das Erlebnis seiner eigenen Beschneidung. Er bezeichnet sie als „symbolische Kastration“ und verweist auch auf die wirtschaftlichen Interessen hinter dem Spektakel.
Seine Frau vertritt vehement die Argumente der religiösen Gemeinschaft. Gerade in der aktuell islamkritischen Stimmungslage suche sie nach Heimat. Ihre besonderen Rituale sollen ihnen nicht auch noch genommen werden.
Das kleine rote Auto mit dem Namen des Jungen wird zu einem Operationstisch umfunktioniert, Ismail vorbereitet. Im Hintergrund läuft auf der Leinwand eine Filmszene über eine Beschneidung. Ob Ismail nun tatsächlich beschnitten wird, bleibt letztlich unklar, denn am Ende zerstört der Junge die Ballon-Girlande.
Die Inszenierung ist eine gute Grundlage für eine notwendige Auseinandersetzung mit dem Thema.
Denn abgesehen von dem gesundheitlichen, medizinischen Risiko des Eingriffes, hat die Vorhaut durchaus eine wichtige Funktion. So ist das innere Vorhautblatt mit 20.000 Nervenendungen und Tatkörperchen durchzogen, die für das sexuelle Empfinden von großer Bedeutung sind. Außerdem hat die die Vorhaut eine Rolle als Gleitlager und hält die Eichel feucht. Das innere Blatt enthält auch Drüsen, die mit verschiedenen Enzymen, unter anderem Lysozym eine antibakterielle Wirkung haben. Die psychischen Folgen einer Zirkumzision sind noch gar nicht vollständig untersucht.
Mehr und umfassendere Information bietet die Broschüre „Das große Zirkumpendium“vo MOGiS e.V. /Eine Stimme für Betroffene (sei 2009).
Weitere Vorstellungstermine und Information unter www.theaterdo.de
Doppelte Premiere in Dortmund. Am 09. 04. 2016 hatte nicht nur Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes“ Premiere, es war sogar das erste Mal, dass der britische Komponist in Dortmund aufgeführt wurde. Sicherlich ist „Peter Grimes“ keine leichte Kost und garantiert nicht sofort volle Opernhäuser wie etwa die eingängigen italienischen Opern, Mozart oder Wagner. Es ist zu begrüßen, dass nun mutig gegen den „Mainstream-Geschmack“ endlich auch in Dortmund eine Britten-Oper aufgeführt wird.
Peter Grimes ist eine düstere Oper mit ein wenig britischen schwarzen Humor, geprägt von der rauen See. Ort der Handlung ist die Ostküste Englands, die Heimat des Komponisten. Das einfache Bühnenbild zeigte ein heruntergekommenes Fischerdorf mit einem Pub und Kiosk in düsterer Beleuchtung. Regisseur Tilman Knabe lässt das Publikum wie durch ein Guckloch auf das Geschehen sehen. Die ursprüngliche Handlung verlegt er von den 30iger Jahren des 19. Jahrhundert der Kleidung nach zu Urteilen in die 80iger des 20. Jahrhunderts. Eine Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs und hartem Überlebenskampf der Fischer. Eine Welt von Korruption, Drogen- und Kinderhandel und Prostitution.
Der Fischer Peter Grimes ist ein gewalttätiger Sonderling und Außenseiter, der sich Kinder aus einem Armenhaus als Lehrlinge kauft, um sie zu misshandeln, auszubeuten und zu missbrauchen. Jedem in der Ortschaft ist das klar. Aber es wird weggesehen. Nur die Mrs. Sedley eine Art Opiumsüchtige Miss Marple und der Alkoholabhängige Methodist Bob Boles erheben ihre Stimme nach dem Tod eines Lehrlings bei einer Verhandlung gegen Grimes. Der stellt das Geschehen als ein Unglücksfall dar.
Mit Hilfe der Lehrerin Ellen Orford, eine Frau mit Helfersyndrom und in ihn verliebt, kommt er an einen neun Jungen als Lehrling. Der Traum von einen gemeinsamen Neuanfang und Heirat zerplatzt wie eine Seifenblase. Der Junge John wird schon bald vermisst und der erzürnte Mob jagt Grimes. Dem bleibt nur ein Ausweg….
Die Inszenierung stellt die ambivalente Persönlichkeit des Peter Grimes als Täter und gleichzeitig Opfer in den Mittelpunkt. Er ist ein gewalttätiger Mörder, der als einsamer Sonderling mit pädophiler Neigung aber auch keine Hilfe bekommt. In seiner Verzweiflung ist der Freitod für ihn die einzige Lösung. Gleichgültigkeit und Verrohung der Mehrheitsgesellschaft in seinem verarmten Heimatort entspricht der Gewalt und Unberechenbarkeit der Natur des Meeres.
Der Regisseur setzt in der Aufführung keine plakativ offensive Zeichen, aber klare symbolhafte. So lässt er den wütenden Mob mit Fackeln durch die Gegend laufen, ohne sie aber direkt (wie in Karlsruhe) als Faschisten zu kennzeichnen. Auch die pädophilen Neigungen des Peter Grimes werden nur mit Gesten angedeutet. Für Knabe ist Peter Grimes eher jemand, der seine sadistischen Triebe nicht unter Kontrolle hat, unter denen auch Ellen zu leiden hat.
Peter Marsh, Gastsänger aus Frankfurt, sang und spielte den Peter Grimes mit seiner kräftigen Statur in all seiner Ambivalenz und seiner Verzweiflung in allen Nuancen eindrucksvoll und sensibel. Emily Newton als Ellen Orford steht ihm in ihrer vielschichtigen Charakterdarstellung und Stimme in nichts nach. Die Sängerinnen und Sänger in den wichtigen Nebenrollen, ohne sie jetzt alle einzeln zu nennen, gingen in ihre verschiedenen Charakteren auf und trugen zur Veranschaulichung des gesellschaftlichen Gesamtbildes bei. Sangmin Lee hat als Kapitän Balstrode so eine Art Beschützerfunktion als „Leader of the pack“.
Der Opern und der Extrachor unter der Leitung von Manuel Pujol hatten bei der Aufführung eine herausragende Funktion. Sie waren praktisch immer auf der Bühne präsent und bildeten einen kraftvollen „Mob“.
Eine große und wesentliche Rolle spielt bei der Oper das Orchester als kommentierende Begleiter der verschiedenen Emotionen und Bedrohungen. Während der vier „Sea Intercludes“ gelang es außerdem der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz, die Gewalt der See und der Natur in all ihren verschiedenen Ausformungen und Nuancen vor dem Auge des Publikums lebendig werden zu lassen. Sie schafften eine Einheit von Musik, Gesang und Darstellung.
Leider hat das „Nicht-Wissen-wollen“ und nicht genau hinsehen auch heutzutage nichts an Aktualität verloren.
Mit Standing Ovations und „Bravo-Rufen“ wurde die gelungene Premiere vom Publikum gefeiert.
In Kooperation mit dem Schauspiel Dortmund hatte das inklusive Künstlerkollektiv I CAN BE Your TRANSLATOR mit der Musiktheaterproduktion „Einstein“ am 02.04.2016 Premiere im Studio des Hauses. Unter der künstlerischen Leitung von Lis Marie Diehl und Christoph Rodaz und der fachkundigen Beratung von Prof. Dr. Metin Tolan setzte sich das Künstlerkollektiv, bestehend aus einer gemischten Gruppe von acht Personen mit dem Thema „Relativität und Zeit“ und den Berührungspunkten für unser persönliches Leben auseinander.
Die Gruppe, je nach Behinderung oder eben nicht Behinderung, bieten ganz individuelle Bezüge auf ihrer Suche nach Berührungspunkten von objektiver und subjektiver Zeit. Das Gefühl von Zeit, Raum , Geschwindigkeit und Kommunikation ist ja nicht bei jedem deckungsgleich.
Zu Beginn der Vorstellung sitzen die acht schwarz gekleideten, mit weißen aufgedruckten Zeichen eine gewisse Zeit im Dunklen vor dem Publikum. Jeder der Beteiligten hat einen Kopfhörer, die an den Seiten auf einer Station befestigt waren. Nebelmaschinen werden eingesetzt, und das Publikum kann die Richtung der Nebelteilchen im Scheinwerferlicht verfolgen.
Das Publikum wird vom Kollektiv in die Suche nach Berührungspunkten von objektiver und subjektiver Zeit sowohl mit visuellen, aber auch mit akustischen und musikalischen Mitteln hineingezogen. Vom Piano bis zur Querflöte wurden die verschiedensten Instrumente eingesetzt. Jeder in der Gruppe wurde mit einbezogen. Hinter einem Tisch wurde ein Mischpult bedient. Auch ein Tonbandgerät mit zwei Spulen, mit einem Text von Einstein wurde effektvoll im wahrsten Sinne des Wortes mit „eingebundenen“. Ebenso eindrucksvoll war das zeitversetzte Sprechen des gleichen Textes von den einzelnen Personen und musikalisch das Zusammenführen von klassischer Musik von J.S. Bach und der minimal music von Philip Glass (Metamorphosis)
Mit Humor und Ironie wurde dargestellt, was wäre, wenn ein Zwilling mit Lichtgeschwindigkeit für nur zwei Wochen in das Weltall fliegen würde, und zwei Wochen später zurückfliegt und seinen Zwilling fünfzig Jahre älter wieder trifft. (Zwillingsparadoxon).
Nein , der Humor kam nicht zu kurz. So wurde zum Beispiel im Dunklen in aller Ausführlichkeit erklärt, wie eine „Sofi-Brille“ (Sonnenfinsternis-Brille) do-it-yourself hergestellt wird.
Nach „Displace Marylin Monroe“ wieder eine gelungene Produktion des Künstlerkollektivs, dass durch das harmonische Zusammenwirken dieser sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und deren Spielfreude gekennzeichnet ist.
Wenn es um aktuelle Probleme des Ruhrgebiets geht, hat Thomas Schweres die Nase vorn. In seinem dritten Ruhrgebiets-Kriminalroman mit Zentrum Dortmund „Die Abdreher“ nach „Die Abtaucher“(2014) und „Die Abräumer“ (2015) schreibt der Autor und Journalist über die momentan Herausforderungen der Städte im Ruhrpott.
In „Die Abdreher“ kämpfen Mafia, Neonazis wie IS-Terroristen um lukrative Geldquellen. Neben Drogen oder Diebstahl stehen da besonders Immobilien im Blickpunkt der Interessen. So verwundert es nicht, dass es schnell Tote gibt, wie zum Beispiel in einem Haus über einer Apotheke in der Dortmunder Nordstadt. Der Apotheker ist auch Eigentümer der Wohnungen und steht unter Druck „interessierten Gruppen“.
Die Hauptrolle spielt wieder der erste Kriminalkommissar Georg Schüppe, der für eine Stadt wie Dortmund einen schweren Makel hat: Er ist Schalke-Fan und hat imDortmunder Polizeipräsidium einen schweren Stand. Dazu ist er immer noch durch eine Knieverletzung gehandicapt und ischluckt Schmerztabletten. Nun muss er sich nicht nur mit den grausamen Morden in der Nordstadt befassen. Sein ehemaliger Stellvertreter Holger Krokowski, offiziell im Knast, ist als „Undercover Agent“ bei den Rechten eingesetzt. Härter trifft es ihn aber noch, dass er den freundschaftlich mit ihm verbundenen Polizeireporter und Redaktionsleiter von Broadfacts.TV Tom Balzack, als Lockvogel für eine gnadenlose Auftragskillerin, unter anderem für radikale Islamisten, ausnutzen muss. Die Frau war Balzack unter anderem Namen aus einem früheren Fall bekannt und er ihr gefühlsmäßig zugetan. Was hat es mit dem Brandanschlag in ihrer ehemaligen Wohnung in Essen und ihrem Verschwinden auf sich? Fragen über Fragen. Schüppe stellt sich die Frage. Wieso wurde ein Mann aus der rechten Szene erschossen, obwohl Krokowski das Ziel war? Oder welche Rolle spielt ein dubioser Schönheitschirurg aus dem Libanon? Aus Gründen der Sicherheitsinteressen des Landes ist größte Geheimhaltung geboten und die Vertrauensbasis wird auf eine harte Probe gestellt…
Es ist durchaus von Vorteil, aber nicht Voraussetzung, wenn die potentiellen Leser die beiden ersten Krimis von Schweres gelesen haben. Alte Bekannte aus den ersten Krimis kommen in dem neuen Roman vor. Aber es gibt in „Die Abdreher“ kurze Erläuterungen, die auch den unbedarften Leser das Verständnis erleichtern. Schweres entwickelt ein spannendes Gestrüpp aus dem privaten Leben der Protagonisten und ihren Verwicklungen und der politischen Gefahrenlage um sie herum. Dabei kommen auch dunkle Geheimnisse von Schweres Kollegin an das Tageslicht.
Die Handlungsstränge fügen sich bis zum spannenden Showdown nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen. Die Verbindung von Salafisten und Rechten, Bedrohung von kritischen Journalisten, Korruption und Vetternwirtschaft, Attentatsdrohung bei einem Fußballspiel, alles ist hier Thema.
Die Charaktere werden sensibel dargestellt und mit einer Prise trockenem Humor die düstere und bedrückende Thematik aufgelockert. Eine spannende und Auseinandersetzung mit der Realität.
Der Krimi zeigt, dass dies durchaus unterhaltsam möglich ist.
Der Krimi ist als Taschenbuch im grafit-Verlag erschienen.
Bei der Premiere von „Watch me!“ am 12.03.2016 von und mit dem Jugendclub „Theaterpartisanen 16+“ im Studio des Schauspiel Dortmund wurde schon schon das Eingangsfoyer des Schauspielhauses mit in die Inszenierung einbezogen. Da wurde schon ein wenig jongliert, Spenden für den Zirkus gesammelt und der Boden vor dem Kassenbereich gescheuert.
Beteiligt an der Stück-Entwicklung waren unter der erfahrenen Leitung von Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak und Dramaturg Thorsten Bihegue sieben weibliche und zwei männliche Theaterpartisanen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren. Es spielten: Frauke Becker, Tolga Güçlü, Nadine Hövelmann, Rabea Kern, Maximilian Kurth, Savannah Sonntag, Marlene Unterfenger, Alina Vogt und Esther Wegelin.
Musikalisch begleitet wurde das Programm von einer besonderen, extra für diesen Zirkusabend engagierten Combo vom Gesamtkunstwerk e.V. / inklusive Projekte. Wie bei einem richtigen Zirkus durften Tusch und Trommelwirbel natürlich nicht fehlen. Die drei Bandmitglieder unterstützten die Vorstellung beherzt und engagiert in ihrer schwarzen Kleidung und leuchten roten Jacketts. Stichwort Kostüme: Die Kostüme und Masken für die Schauspieler/innen waren mit Bedacht und fantasievoll ausgewählt.
In dem Stück setzten sich die jungen Theaterpartisanen mit existenziellen Fragen und Problemen in fünfzehn Nummern sowohl verbal, gesanglich und mit Zauberei auseinander. Konkurrenzdruck, Zickenkrieg zwischen den Trapezkünstlerinnen, falsche Sehnsüchte, ein unzufriedenes (wg. ihrer schweren Kindheit) verhätscheltes Ensemblemitglied und ein Zirkusdirektor, der den Laden im Angesicht der prekären finanziellen Situation am Laufen halten will. Die jungen Darsteller mussten dabei auch in verschiedene Tierrollen schlüpfen, bei denen es auch nicht nur harmonisch zu ging. Immer zwischen Dressur, Konkurrenz und Teamgeist.
Eine Zentrale Frage war der Wert des Geldes in unserer Gesellschaft. Wie weit sind wir bereit, für Geld zu gehen? So fragt eine der Beteiligten sich, ob sie wohl für 10.000 Euro nackt durch die Nordstadt laufen würde.
Schon bei der ersten „Schlangen-Nummer“ zeigte sich, dass die jungen Leute bei ihrem Zirkus-Workshop im Vorfeld einiges gelernt hatten. Dem Publikum wurde ein gelungener Bauchtanz geboten, wobei am Ende die dominante Haltung gegenüber den dressierten „Schlangen“ (als „Würmer“ am Boden betrachtet) deutlich wurde. Das Programm bot eine gute Mischung aus tragikomischen Clowns-Nummern, Akrobatik, Musikeinlagen und nachdenklich-philosophischen Überlegungen der Jugendlichen.
Humorvoll wurden die Tücken der modernen Welt zum Beispiel bei der Suche nach einem klingelnden Handy, oder aber bei der verzweifelten Versuch, mit fünf verschieden gestellten Weckern, die das zu spät kommen verhindern sollen, dargestellt.
Auch das Publikum wurde in das Geschehen aktiv einbezogen. Ob als Beteiligte einer Wette oder einem Schokokuss-Wettessen. Ernsthafter und provozierend sollte gegen Ende das Publikum mit ihrem Applaus entscheiden, wer von den sieben Zirkus-Angestellten wegen der prekären Situation als entbehrlich entlassen werden sollte. Zum Schluss, so viel sei verraten, siegt der Teamgeist.
Die gelungene Gesamtleistung aller Beteiligten von „Watch me“ macht neugierig auf das nächste Jugendclub-Projekt. Weitere Termine unter www.theaterdo.de.
Das Musical „Next to Normal (Fast normal“ von Tom Kitt (Uraufführung 2008 Washington) behandelt ein tabuisiertes Thema von psychischen Störungen und ihre Folgen für den Betroffenen und die Auswirkungen auf die gesamte Familie. Also keine normale „Musical-Thematik“.
Unter der Regie von Stefan Huber, bekannt durch seine „Funny Girl“ Inszenierung, hatte das Musical begleitet von einer sechsköpfigen Band unter der Leitung von Kai Tietje in seiner deutschsprachigen Fassung am Samstag, den 05.02.2016 in der Oper Dortmund Premiere.
Die Geschichte um die „Bürgerliche Durchschnittsfamilie“ Goodman, in der Mutter Diana seit 16 Jahren an einer diagnostizierten bipolaren Störung leidet, bietet genügend Zündstoff.
Der vor über 17 Jahren verstorbene Sohn Gabe ist wie ein Phantom im Haus präsent. In ihren Halluzinationen sieht Mutter Diana ihren Sohn. Vater Dan, ein Architekt, ist darauf fixiert, einerseits seiner geliebten Frau zu helfen, und in dem Chaos ein „normales Leben“ zu zelebrieren.
Die musikalisch begabte Tochter Natalie kommt bei dem in der Familie allgegenwärtigen toten Bruder zu kurz und fühlt sich einsam und nicht beachtet. Ihr Schulfreund Henry versucht mit allen Mitteln, ihr Sicherheit und Geborgenheit zu geben und sie von seiner Liebe zu überzeugen.
Diana war schon bei verschiedenen Psychiatern und hat viele Medikamente geschluckt. Die lähmenjedoch ihre Gefühle. In einem Befreiungsakt vernichtet sie die Tabletten.
Nach einem Zusammenbruch versucht es der neue Psychiater mit Hypnose und nach ihrem Suizidversuch mit Elektroschock-Therapie. Dan hilft seiner Frau aus Angst nur halbherzig, ihr verlorenes Erinnerungsvermögen nach dieser Therapie wieder zu gewinnen. Was an den verstorbenen Sohn erinnern könnte, ist tabu. Diana bleibt hartnäckig und kommt der traurigen Wahrheit auf der Spur. Langsam nähert sie sich wieder ihrer Tochter an. Am Ende trifft sie eine Entscheidung und auch Dan stellt sich dem Trauma des gestorbenen Sohnes….
Die Band spielte auf der Bühne, und das Geschehen fand auf dem erhöhten Orchestergraben statt. Eine einfach gestaltete doppelstöckige und offene Häuserfront bildete den Hintergrund. Die Wände ließen sich geschickt verschieben. So konnte das Publikum die gleichzeitigen Handlungen auf den verschiedenen Ebenen gut verfolgen. Sonst war im Vordergrund nur eine weiße Couch und ein weißer Tisch mit vier Stühlen zu sehen.
Sprache und Songs gingen nahtlos ineinander über und war der emotionalen Situation angepasst. Die Spannbreite reichte von ruhig-melodiösen, bis hin zu wütend-temperamentvollen Rock-Balladen. Auch Klassik und Jazz war mit im Repertoire. Dennoch war die Musik für ein „Rock-Musical“ insgesamt zu sehr balladenhaft, vor allem als gegen Ende des Stückes stark auf die Tränendrüse gedrückt wurde.
Die sechs Personen des Musical-Ensembles überzeugten mit starken Stimmen und Sensibilität in der Darstellung ihrer Figuren. Maya Hakvoort als Diana, Rob Fowler als ihr Mann Dan, Johannes Huth als Gabe, Eve Rades als Natalie und in seiner Doppelrolle als Dr. Fine/Dr. Madden Jörg Neubauer ließen die Charaktere in ihrer Emotionalität auf der Bühne lebendig werden.
Komische Elemente und ironische Sprüche lockerten die thematisch ernste Handlung auf. Die komische Rockstar-Einlagen des Dr. Madden sind da nur ein Beispiel.
Besonders eindrucksvoll wurde die Figur des Gabe dargestellt. Zunächst nur von der Mutter wahrgenommen, erinnerte die Situation an den Film „Sixth Sense“, zumal alle anderen im Haus Gabe nicht sehen. Der tote Sohn ist im Prinzip die personifizierte Form der unbewältigten Trauer, die auch Dan zum Schluß erfasst, als er Gabe erkennt. Denn Dan hat den Tod seines Sohnes ebenfalls nicht verkraftet.
Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit Hans-Joachim Thimm und der LWL Klinik für Psychiatrie in Aplerbeck. Das hat dem Ensemble sehr geholfen, sich in die Situation von psychisch Kranken und ihren Angehörigen hineinzuversetzen.
Vielleicht trägt „Next to normal“ dazu bei, etwas mehr Verständnis für Menschen mit psychischen Störungen zu entwickeln. Depressionskranken ist mit einem „Kopf hoch, wird schon!“ nicht geholfen. Dennoch darf es nicht dazu führen, dass sich das Klischee bildet „Menschen mit einer bipolaren Störung sehen Tote“ ähnlich wie „Autisten können nicht mit Menschen umgehen, aber sehr gut mit Computern“. Jede psychische Erkrankung ist individuell wie ein Mensch eben individuell ist. Behandlungsmethoden können funktionieren oder auch nicht.
Das Publikum feierte das Ensemble und die Inszenierung mit stehenden Ovationen. Wer sich für Musical-Themen jenseits von Phantomen, Katzen oder Superstars interessiert, sollte einen Besuch im Opernhaus wagen. „Next to normal“ ist nicht normal, aber auf jeden Fall sehenswert.
In diesem Jahr läuft das Landesprogramm „Kulturrucksack NRW“ in Dortmund nun schon zum fünften Mal. Das Ziel ist immer noch, bei Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren das Interesse für Kunst- und Kultur zu wecken und ihnen die aktive Teilnahme an Tanz, Theater, Kunst, Fotografie und Musik-Projekten kostenlos zu ermöglichen. Dafür wurden 2016 vom Land NRW 110.000 Euro bewilligt. Die Hälfte davon geht an eigene Projekt und Aktionen des Kulturbüros, und 55.000 Euro sind für Projekte von diversen Kulturschaffenden und Kultureinrichtungen in unserer Stadt vorgesehen.
Es gab mehr als 30 Anträge für Kulturprojekte von Dortmunder Kulturschaffenden und Kultureinrichtungen für dieses Landesprogramm. Zwanzig davon wurden von einer Jury ausgewählt, um verschiedene Genres abdecken zu können. „Eine schwere Entscheidung, da sich alle Projekte durch hohe Qualität ausgezeichnet haben“, erklärte Susanne Henning, die Dortmunder Kulturrucksackbeauftragte.
Diesmal liegt ein besonderes Augenmerk mit „Nordwärts“ auf der Nordstadt oder Westerfilde. So gibt es zum Beispiel am 13.08.2016 von 14-18 Uhr ein „Geocaching durch die Nordstadt“. Eine digitale Schatzsuche und spannende Entdeckungsreise durch die Nordstadt.
In den Osterferien 2016 ist in der Jugendfreizeitstätte Westerfilde „Kess“ (Wenemarstr. 15, 44357 Dortmund) mit Freddy Schreiber „Kess rappt“ geplant. Rap-Interessierte können dort kostenlos unter Anleitung eines Profis eigene Texte schreiben und etwas über Beats und Rhythmus lernen. Am Ende steht der eigenen Rap-Song.
„Ein wichtige Aufgabe in diesem Jahr ist die Teilhabe und Integration der Flüchtlingskinder und Jugendlichen mit Bleiberecht. Da haben wir einen guten Kontakt zu „Willkommen“, verriet Martina Bracke, die stellvertretende Leiterin des Kulturbüros und Leiterin der Kontaktstelle Bildung.
Im März ist unter dem Motto „Kinderwelt“ geplant, dass Kinder rund um den Hörder Neumarkt ihr eigenes Magazin produzieren können. Begleitet werden sie bei den Dreharbeiten von Ulrike Korbach, Gründerin des dort ansässigen Vereins „Kunstreich im Pott“. Anmeldungen unter : ulrikekorbach@web.de Eine Gelegenheit auch für die Kinder und Jugendlichen der dortigen Flüchtlingsunterkunft zu erkunden, was in Hörde los ist.
Es werden auch verschiedene Workshops angeboten. Zum Beispiel in der UZWEI im Dortmunder U am 21.03.2016 bis 02.04.2016, jeweils 10:30 -16:30 Uhr. Findet ein multimediales Tanztheaterprojekt unter dem Titel „Alles so schön bunt hier, Die Vielfalt der Farben“. Leitung: Birgit Götz und vier Dozenten. Bei diesem aufwendigen Workshop fallen ausnahmsweise eine Teilnehmergebühr von 15,00 € an.
Es gibt aber auch altbewährte die Kinder und Jugendbörse „Young Stars“ im Dietrich-Keuning-Haus am 24.11.2016. Am Vormittag können 150 Kinder aus zehn verschiedenen Workshops ihren Favoriten wählen. Nachmittags wird geschnuppert und das Ergebnis auf der Bühne präsentiert.
Im Vorfeld werden die verschiedene Schulformen angesprochen. Je vier Klassen können teilnehmen.
Des weiteren werden wieder Stadtrundfahrten zu ausgewählten Kulturorten angeboten.
Interessant ist sicherlich auch „DortBunt“ . Dort werden in der Nähe des Platz von Leeds am 7. und 8. Mai 2016 jeweils von 12-16 Uhr Tagtool (eine Art digitales Zeichnen), Parkour und mehr am Kulturrucksackstand angeboten.
Ein besonderes Angebot bietet eine „Fahrt zu Urbanatix“ am 19.11.201.
Bustransfer zur Streetartshow in die Jahrhunderthalle in Bochum. (Kosten reduziertes Ticket mit KulturCard).
Mehr über die Projekte und die genauen Termine erfahren sie über: www.kulturrucksack-dortmund.de und den einzelnen beteiligten Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden.
Mit Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ hatte ein umfangreiches historisches Schauspiel unter der Regie von Johanna Weißert am 26.02.2016 Premiere im Kinder und Jugendtheater in Dortmund.Sie nahm die Herausforderung an, dieses zeitlose Drama um den Freiheit und Selbstbestimmung auch für Jugendliche verständlich und unterhaltsam auf die Bühne zu bringen.
Den Hintergrund dieses Stückes bildet der Unabhängigkeitskampf der Schweizer Urkantone Schwyz, Uri und Unterwalden, die unter der brutalen Besatzungsmacht der Habsburger zu leiden haben. Der Freiheit- und Naturliebende Wilhelm Tell hilft mutig Verfolgten, wo er kann. An einem Aufstand gegen die Besatzer will der zunächst auf Geduld setzende Tell sich nicht beteiligen. Der Eidesschwur der Vertreter der drei Kantone auf der Rütliwiese am Vierwaldstädter See findet so ohne ihn statt.
Als Tell sich weigert, sich zu erniedrigen und dem Hut des Reichsvogtes Gessler die Ehre zu erweisen, zwingt Gessler ihn, mit einem Armbrustschuss den Apfel auf dem Kopf seines eigenen Sohnes zu treffen, um beider Leben zu retten. Er schießt letztendlich und trifft. Jedoch muss er danach gestehen, das er mit einem zweiten Pfeil Gessler ins Herz geschossen hätte, wenn sein Sohn beim ersten Schuss gestorben wäre. Er kommt, entgegen dem Versprechen des Reichsvogtes, in Haft . Erst bei einer Fahrt über den See kann er fliehen. Er kann sich nicht mehr aus dem politischen Geschehen heraus halten.
Das Bühnenbild und die Kostüme von Ulrich Leitner waren zum großen Teil naturalistisch gehalten. Gewaltige Holzstämme bestimmten das Bühnenbild. Die Kleidung der Landbevölkerung war einfach, gleichförmig und volkstümlich gehalten. Reichsvogt Gessler trug eine Militäruniform, die Besatzer trugen Uniformen, die an den Ersten Weltkrieg erinnerten. Die beiden jungen Personen im Stück, Rudenz und Berta von Bruneck, trugen dagegen bunte und modernere Kleidung. So waren die unterschiedlichen Welten auch äußerlich klar voneinander zu unterscheiden.
Im Gegensatz zum naturalistischen Bühnenbild wirkten die aus dem Baumarkt zusammengestellten Alpenhörner mit Schlauchaufsatz wie ein ironischer Bruch.
Die Akustischen und Licht-Effekte bildeten einen gelungenen atmosphärischen Hintergrund. Sturm, Regen, Gewitter, alles wurde für das Publikum erlebbar. Der Einsatz von Kuhglocken passte in das naturalistische Bild.
Der Musikeinsatz von Peter Kirschke war hauptsächlich rhythmisch–akustischer Natur . Nur einmal war die Schweizer Nationalhymne als Symbol der nationalen Einheit zu vernehmen.
Außer Rainer Kleinespel als Wilhelm Tell hatten die fünf anderen Schauspieler/innen gleich mehrere Rollen, sogar als Schaf oder Kuh, zu bewältigen. Sie taten dies mit mit Humor und schau-spielerischem Einfühlungsvermögen.
Rainer Kleinespel überzeugte als freiheitsliebender Tell, dem seine Familie über alles geht. Man sieht ihm die Verzweiflung an, zu einer Gewalttat getrieben worden zu sein.
Andreas Ksienzyk spielte den Reichsvogt in all seiner Arroganz und Grausamkeit, dem es nur darauf ankommt, den freien Willen zu brechen. Bettina Zobel zeigte ebenso wie Philip Pelzer ihre Vielseitigkeit in den Unterschiedlichen Rollen.
Erfrischend in ihrem Spiel waren die jungen Darsteller Talisa Lara und Thorsten Schmidt als Liebespaar. Schmidt als der junge Rudenz mit Verachtung für das festgefahrene Leben auf dem Land und mit Sympathie für das „modernere“ Stadtleben. Erst die Liebe zu Berta von Bruneck bringt einen Sinneswandel bei ihm.
Als Quintessenz wird über dem Stück könnte J.J. Rousseaus Spruch stehen: Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.
Das 6. Philharmonische Konzert im Konzerthaus Dortmund am 23. und 24. Februar 2016 stand unter dem Motto „traum_welten“. Das bedeutet nicht nur die traumhaft-ekstatische positiven Seite, sondern auch die dunkle Seite, der Albtraum dahinter.
Besonders deutlich wird das bei Maurice Ravel (1879 – 1937) bei seinem „La Valse, Poème choréographique zu Beginn des Abends. Im Jahr 1916 als Hommage Johann Strauß von Ravel zunächst unter dem Titel „Wien“ konzipiert, wurde der Name nach seinen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg in „La Valse“ geändert.
Was bei Thomas Manns „Zauberberg“ eine literarische Auseinandersetzung mit dem „Fin de Siècle“ ist, gelingt Ravel beeindruckend auf musikalischer Ebene.
Der Dortmunder Philharmoniker unter der sensiblen und energischen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz gelang es hervorragend, dieunterschiedlichen Stimmungen des Stücks bis in die feinen Nuancen für das Publikum lebendig werden zu lassen.
Am Anfang die wie durch einen Nebel gesehenen ausgelassenen Walzerklänge eines höfischen Balls, die immer ekstatischer werden. Zwischendurch sind aber schon bedrohliche Paukenschläge zu hören. Am Ende steigert wie bei einen „Tanz auf dem Vulkan“ in einen hysterischen Taumel bis zur Katastrophe hinter dem Abgrund.
Es folgte das technisch anspruchsvolle 2. Klavierkonzert g-Moll op. 13 von Camille Saint-Saëns ( 1835 – 1921). Die junge Schweizer Pianistin Beatrice Berrut meisterte die Herausforderung der Melange verschiedener stilistischer Einflüsse mit einer scheinbar spielerischen Leichtigkeit. So zum Beispiel in den Solopartien mit der formalen Strenge J.S. Bach, oder dann im plötzlichen Wechsel leicht mit einem romantischen Anklang an Schuhmann im erste Satz „Andante sostenuto“. Das Zusammenspiel mit dem begleitenden Orchester war von großer Harmonie geprägt.
Der zweite. Satz, das „Allegro scherzando“ war melodiös und von beschwingter Leichtigkeit gekennzeichnet.
Der dritte Satz mit dem Finale:Presto (alla breve) nimmt mit einer schwungvollen Tarantella noch einmal gehörig an Fahrt auf hin bis zu den fulminanten Orchesterakkorden am Ende.
Für das begeisterte Publikum gab es von der Pianistin noch eine Zugabe von J.S. Bach.
Nach der Pause folgte das Trauma des russischen Komponisten Sergej Rachmaninow (1873-1943), die 1. Sinfonie d.Moll op. 13.
Nach der Uraufführung am 27. März 1897 wurde sie zunächst gnadenlos von der Presse verrissen. Das führte bei Rachmaninow zu einer Depression. Hinzu kam noch seine unglückliche Liebe zu Anna Lodyzhenska, der Frau eines Moskauer Kaufmanns. Ihr hatte Rachmaninow die Sinfonie gewidmet und von diesem Schmerz ist sie geprägt. Düster, wuchtig, melancholisch und kraftvoll. Nur kurz heiter beim Volksfest der Zigeuner.. Das Mottothema wie das gesamte Werk von Rachmaninow basiert auf der Tonfolge des „Dies Irae“-Chorals der lateinischen Totenmesse.
Einen persönlichen Bezug zu seiner unglücklichen Liebe zeigen auch die an die Zigeunermusik anklingende musikalischen Elemente. Die Eltern von Anna waren Zigeuner (Roma -Sinti ?).
Temperamentvolle Tarantella und Volksfeststimmung wechselt mit ruhigeren Passagen bis zum gewaltigen Höhepunkt mit dem Schlag eines Tamtams, um dann wieder zum umfassenden Motto des ersten Satzes zurück zu finden.