Schöner Abschluss für Klangvokal Festival

Mit „Von Wien nach New York“ im Dortmunder Konzerthaus endete am 12.06.2016 das Klangvokal Festival 2016 mit einer musikalischen Mischung aus Oper, Operette und Musical.

Mit der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung des erfahrenen Dirigenten Friedrich Haider, der renommierten Sopranistin Elsa Dreisig und den in unserer Stadt beliebten Tenor Lucian Krasznec hatte man für dieses Programm eine gute Wahl getroffen. Ausgewählt wurde Musik von Gioacchino Rossini, Franz Lehár, Johann Strauß Sohn und Leonard Bernstein.

Eine instrumentale Einführung der Musik der Komponisten wurde durch das Orchester jeweils voran gestellt. So zu Beginn spritzig-temperamentvolle italienische Musik von Rossini, die Ouvertüre zur Oper „Semiramide“ (1823). Bei der „Cavertine der Semiramide „Bel raggio lusinghier“ konnte eine strahlende Elsa Dreisig gleich ihr Können beweisen.

Lucian Krasznec zeigte bei bei Rossinis „La Danza“ seine temperamentvolle Seite. Die folgenden Arie des Octavio aus Franz Lehárs Giuditta „Freunde, das Leben ist lebenswert!!“ sang er mit starker Inbrunst und Überzeugung.

Mit viel Gefühl wurde von Dreisig das Lied der Hanna Glawary (Vilja-Lied) gesungen. Das folgende Duett „Lippen Schweigen aus der Lustigen Witwe war einer der romantisch-emotionalen Höhepunkte des Nachmittags. Melancholisch wurde es kurz vor der Pause mit dem „Wolgalied“ aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauß Sohn. Berührend gesungen von Krasznec.

Nach der Pause ging es zunächst weiter mit der Österreich-ungarisch geprägten Musik von Johann Strauß Sohn zwischen Walzerklängen und Zigeunermusik. Das Lied der Saffi „So elend und so treu“ aus dem Zigeunerbaron, zeugt von einem ambivalenten Verhältnis zu den „Zigeunern“. Das folgende Duett „Wer uns getraut“ aus dem Zigeunerbaron hat etwas ironisch komisches.

Der letzte Abschnitt war der Musik von Leonard Bernsteins aus dem New York der 1950er Jahre gewidmet. Das 1956 kurz vor seiner „West Side Story“ !957) entstandene „Candide“, eine Mischung aus Operette, Opern-Persiflage und Musical, dürfte einigen im Publikum nicht so bekannt gewesen sein. Die fröhlich unbeschwerte Ouvertüre zu „Candide“ ist jedoch das meistgespielte konzertante Werk Bernsteins.

Mit „Candide´s Lament“ und dem Duett „Oh, Happy We“ wurden dem Publikum zwei Stücke aus „Candide“ näher gebracht. Mit den bekannten Stücken aus der West Side Story „I feel pretty“ und und dem Duett von Maria und Tony (Balkonszene) mit „Tonight, tonight“ endete das offizielle Programm.

Das begeisterte Publikum ließ die Akteure natürlich nicht ohne Zugaben von der Bühne. Lucian Krasznec ließ es sich nicht nehmen, für „Dein ist mein ganzes Herz“ aus „Land des Lächelns“ von Lehár eine junge Dame aus der ersten Reihe als Partnerin auf die Bühne zu holen.

Wunderbare Stimmen, ein gut aufgelegtes Orchester und ein insgesamt gut zusammengestelltes Programm bildeten ein würdigen Abschluss für das Klangvokal Festival.




Dem Vergessen entrissen – De profundis

Als Sonderkonzert der Dortmunder Philharmoniker im Rahmen des Klangvokal Festivals unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz wurde das 2012 angedachte Projekt „De Profundis“ im Konzerthaus verwirklicht. Der Hörder Historiker Willig Garth ist auf den Hörder Komponisten Eduard Wilsing aufmerksam geworden, hat nachgeforscht und die Fragmente von De Profundis zusammengetragen. Diese ganze Arbeit ist dann unter anderem im Rahmen der Schriftenreihe des Heimatvereins Hörde veröffentlicht worden.

Das zweiteilige Konzert mit sechs beteiligten Chören ( 300 Sängerinnen und Sänger) und fünf renommierten Solo-Sängern widmete sich im ersten Teil Felix Mendelssohn Batholdys „Die erste Walpurgisnacht“ und als Erstaufführung nach der Pause dem Musikwerk „De profundis“ des weniger bekannten geistlichen Tonsetzers Daniel Eduard Wilsing (1809 – 1893).

.Beide waren Schüler von Ludwig Berger. Eine gute Idee und keine leichte Aufgabe, das großartige geistlich Chorwerk von Wilsing in seiner heimatlichen Umgebung aufzuführen und so dem Publikum zugänglich zu machen und vor dem Vergessen zu entreißen.

Mendelssohn Bartholdys „Die erste Walpurgisnacht“ nach einer Ballade von J.W. Goethe stellt die frömmelden „Paffenchristen“ den den Heiden gegenüber, die troz Verbot an ihrem Frühlingsfest festhalten. Sie inszenieren einen spektakulären Spuk, um ihre christlichen Gegenspieler möglichst fern zu halten. Der Kammerchor der TU Dortmund und Klangfarben-Konzertchor Dortmund und die stimmgewaltigen Gerardo Garciacano (Bariton), Roman Payer (Tenor), Luke Stoker (Bass) sowie Natascha Valentin (Alt) setzten das Spektakel mit tatkräftiger Unterstützung der Dortmunder Philharmoniker grandios in Szene.

Nach der Pause war es schon alleine beeindruckend, wie die 300 Sängerinnen und Sänger der sechs Chöre nach und nach die gesamte Bühne und der Chorempore ihre Plätze besetzten. Verstärkt wurde „De profundis“ noch durch die Sopranistin Ashley Thouret und wieder von dem Tenor Roman Payer. Es war ein gewaltiges, eindrucksvolles und emotional berührendes Klangerlebnis, das mit einem gemeinsamen „Amen“ aller beteiligten sein grandioses Ende fand.

Das überzeugende wechselseitige Zusammenspiel von den Musikern, Chören und Solo-Sängern begeisterte auch das Publikum im Konzertsaal.




Movie Stars ihrer Jugendzeit

Die Beteiligten des Seniorenclubs 60+ bei der Probe. (Foto © Schauspiel Dortmund)
Die Beteiligten des Seniorenclubs 60+ bei der Probe. (Foto © Schauspiel Dortmund)

Die acht jung gebliebenen Akteure vom Seniorenprojekt 60+ am Schauspiel Dortmund widmeten sich unter der Leitung von Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak unter dem Titel „Movie Star“ den Lieblingsfilmen und Schauspielern ihrer Jugendzeit. Im Institut des Schauspiel Dortmund stellten sie am 09. Juni 2016 ihre ganz individuellen Lieblingsschauspieler und Filme und deren besondere Bedeutung und Persönlichkeit vor.

Das Institut war liebevoll mit Zeitungsausschnitten der Schauspieler und Schauspielerinnen geschmückt und auf dem Tresentisch prangte ein kleines goldenes Bambi. Die Filmschätze wurden in Form einer Bambi-Preisverleihung humorvoll vorgestellt.

Ein witziger Einfall zu Anfang: Felicitas Foegen stellte ihrer Lieblings-Schauspielerin Liselotte Pulver (Das Wirtshaus am Spessart) als „Bild der Frau-Reporterin“ Fragen und Heinrich Fischer antworte als Liselotte Pulver. Fischer begeisterte vor allem die selbstbewusste direkte Art von Lilo Pulver. Das ansteckende Lachen wurde durch Filmausschnitten auf der Leinwand belegt.

Annegret Albert begeisterte sich für „Doktor Schiwago“ mit Omar Sharif und Julie Christie. Da konnte man bei den langen Einstellungen und Szenen in Emotionen schwelgen.

Helga Brinkmann Hempel verfiel dem vor-weihnachtlichen zu Herzen gehenden Rührstück „Der kleine Lord“ mit Alec Guiness. Tröstlich, dass Menschen sich verändern können.

Johst Bernd Henseler , gekleidet im Hauptmann-Kostüm, zeigte sich beeindruckt von der Schönheit und dem Glamour der „Sissy-Filme“ und erzählte von der vielschichtigen Persönlichkeit der Romy Schneider.

Der erkrankte Rainer Kirchner konnte seinen Lieblingsfilm „Der Hauptmann von Köpenick“ mit Heinz Rühmann nicht selber vorstellen. Der für Ton/Licht/Video zuständige Tolga Güclü antwortete der schwärmenden Inge Nieswand aus dem Hintergrund.

Inge Nieswand selbst wurde durch den Antikriegsfilm „Die letzte Brücke“ mit Maria Schell, Barbara Rütting und Bernhard Wicki zu ihrem politischen Engagement angeregt.

Zu der Kategorie Anti-Kriegsfilm gehörte auch der Vorschlag von Heinrich Fischer „08/15“ mit Joachim Fuchsberger, von dessen Persönlichkeit, interessantem Leben und Karriere er berichtete.

Als Befreiung vom bürgerlichen Mief und Verlogenheit schätzte Beate Cassau „Die Reifeprüfung“ mit Dustin Hoffmann (und Anne Bancroft).

Bei allen unterschiedlichen Vorlieben konnten sich am Ende alle auf den Vorschlag von Ursula Fehlberg „Pretty Woman“ mit Julia Roberts als kleinsten gemeinsamen Nenner einigen.

Die Vorstellung überzeugte mit einer gelungenen Mischung aus Tanz-Choreografien, interessanten Hintergrunderzählungen zu Schauspielern und Filmen, kurzen Filmausschnitten und Musik-Einlagen wie „Movie Star“ von Harpo. „Mrs. Robinson“ (Simon & Garfunkel) der als Abschluss „Pretty Woman“. Das Ganze garniert mit Humor und Spielfreude der Beteiligten.




Beeindruckendes Flüchtlingsprojekt

Elias singt über den Verlust seines Freundes. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Elias singt über den Verlust seines Freundes. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit „Say it loud – Stories from the brave new world“ hatte am 03.06.2016 ein bemerkenswertes Projekt mit Flüchtlingen (ab 14 Jahren) im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater Premiere.

In Kooperation mit dem VMDO, Grone Bildungszentren NRW gGmbH, Haus der Vielfalt, Adlerhaus Dortmund arbeiteten Regisseur Andreas Wrosch, Theaterpädagogin Inga Waizenegger und mit Hilfe des Sprachcoaching von Dr. Ulrike Eichenauer seit August 2015 zusammen mit zunächst 17 damals frisch in unserer Stadt gestrandeten Flüchtlingen aus 5 verschiedenen Ländern.

Von diesen 17 Flüchtlingen wagten sich letztendlich zwei junge Mädchen und sieben junge Männer auf die Bühne. Das beweist ihre starke Persönlichkeit trotz ihrer traumatischen Erlebnisse und schwierigen Lebensbedingungen.

Mit einem Symbolischen pochenden Herzschlag begann die Aufführung, dann Musik und acht der Flüchtlinge kriechen aus ihren Schlafsäcken und Zelten. Auf der Bühne befinden sich acht flexibel einsetzbare Euro-Paletten, wo sie sich hinsetzen oder hinstellen können.

Oamile, Firas, Iman, Elias, Mamet, Ekrem, Osama, Ayam und Mohamad erzählten von ihrem Leben vor der Flucht, ihre Träume und Sehnsüchte, ihre Traurigkeit und Hoffnungen. Neben den anschaulichen Spielszenen und Erzählungen wurde die Aufführung durch Musik, Tanzeinlagen und akrobatischen Kunststücken aufgelockert. Eindrucksvoll berührende Lieder voll trauriger Melancholie wurden in der Heimatsprache gesungen und auf einer Leinwand projiziert in deutscher Sprache für das Publikum übersetzt.

Die neun Menschen kamen aus fünf verschiedenen Ländern (Nordsyrien, Mazedonien, Kosovo, Palästina und Marokko). Im Mittelpunkt stand die schreckliche Situation in den zerstörten Städten in Syrien, wo Assad (unterstützt von Russland und dem Iran ) einen Krieg gegen das eigene Volk führt, im Mittelpunkt. Unter die Haut gingen die authentischen Berichte über Folter, Armut, Angst und Hoffnungslosigkeit. Bilder der völlig zerstörten Stadt Homs waren auf der Leinwand zu sehen.

In Saudi Arabien, Katar, Jordanien oder Libanon gab es keine Hoffnung auf Aufnahme. So führt sie ihr Weg nach Europa. Nur ein System aus Bestechung führt sie dort hin.

Das Publikum bekam auch Einblicke in das strenge Schulwesen in Syrien, wo sich Schüler mit „kleinen Gefälligkeiten“ Erleichterung und bessere Behandlung durch die Lehrer erkaufen können.

An ihre emotionalen Grenzen kamen die aus Syrien geflüchteten jungen Männer, als sie von ihren getöteten Verwandten und Freunden sprachen, deren Bilder auf der Leinwand zu sehen waren.

Am Ende hatten die Flüchtlinge Fragen zu den Ängsten der Menschen in Deutschland und eine eindringliche Bitte an das Publikum und die Politiker.. Helft mit, die Fluchtursachen wie Krieg und Not zu beseitigen! Alle lieben ihre Heimat und wollen eigentlich so schnell wie möglich zurück.

Der Projektleiter Wrosch und Theaterpädagogin Waizenegger gaben noch ein paar Anekdoten über die teils schwierige, aber auch lustige Zusammenarbeit mit den Flüchtlingen zum Besten.

Wie wichtig das Projekt auch von der Stadt Dortmund gesehen wird , zeigte die Anwesenheit von Oberbürgermeister Ullrich Sierau, der vor der Aufführung „DORTBUNT“-Anstecker verteilte.

Werbung für mehr ein wenig mehr Verständnis für die Flüchtlings-Ursachen auf einer direkten, persönlichen Ebene.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten sie unter www.theaterdo.de




Wüstenklänge und Pop-Musik

Im Rahmen des Musikfestivals Klangvokal trat am 02.06.2016 die Marokkanerin Hindi Zahra mit ihrer Band auf. Im Mittelpunkt stand ihr aktuelles Programm „Homeland“.

Jérôme Plasseraud und Paul Salvagnanc, beide Gitarre, David Dupuis Keaboards, Trompete, Flöte, Aurélien Calvel am Bass, Mathieu Gayout Drums und Zé Luis Sascimento standen ihr zur Seite.

Das taten sie nicht nur als Begleiter im Hintergrund. Bei einigen Solo-Parts konnten sie ihr Können eindrucksvoll beweisen.

Die Festival-Organisatoren hatten sich entschieden, auf die im Programmheft angekündigte Teilbestuhlung zu verzichten. Um dem Publikum im Innenraum Platz für Bewegung zum „Mit-der-Musik-gehen“ zu bieten. Glücklich, wer von den erstaunten Menschen im Publikum, (manche ja nicht mehr ganz so jung) frühzeitig vor dem Konzert erschienen war. Sie konnten sich an den Seiten und dem hinteren Bereich einen Platz zum Hinsetzen ergattern.

Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme verbindet Hindi Zahra verschiedene Musikstile zu einem ganz eigenen Klangerlebnis. Oft innerhalb eines Songs. So wird Pop-Musik mit psychedelischen orientalischen Klängen verbunden. Beeinflusst wurde sie durch Berbermusik sowie indischer und ägyptischer Musik. Auch die psychedelischen Einflüsse von Bob Marley oder Led Zeppelin sind bei ihren Songs erkennbar.

Die Songs, wenige in französischer, die meisten in englischer Sprache gesungen, handeln von Liebe und Sehnsucht nach Freiheit. Mit Melancholie, Leidenschaft und großen Gesten vorgetragen. Ihre Stimme erinnerte ein wenig an Norah Jones oder Sally Oldfield. Der einzigartige Reiz und das Spannende ihrer Musik liegt in der Verschmelzung verschiedener Musikstile, die immer überraschende Wendungen bietet.




Italienische Operngefühle im Konzerthaus

Es war sicherlich einer der Höhepunkte des Klangvokal Festivals 2016 in Dortmund: Die nicht oft aufgeführte Oper von Giacomo Puccini (1858 – 1924), „Edgar“ (Libretto Ferdinando Fontana), wurde am 28.05.2016 im Rahmen des Festivals im Dortmunder Konzerthaus mit international renommierter Besetzung aufgeführt. Es war gleichzeitig eine Deutschlandpremiere der Mailänder Urfassung aus dem Jahr 1889 mit dem zwischenzeitlich der Kürzung zum Opfer gefallenen vierten Akt.

Für den erkrankten Kristian Benedikt sprang der argentinische Tenor Gustavo Porta für die Rolle des Protagonisten Edgar ein. Den Part der Tigrana übernahm die italienische Sopranistin Rachele Stanisci für die ebenfalls erkrankte Nino Surguladze. Das tat der gesanglichen Qualität der Aufführung keinen Abbruch.

Bei dieser Oper spielen die Chöre eine große Rolle, die SängerInnen wurden von einem großartigen WDR Rundfunkchor Köln (Einstudierung: Robert Blank) und durch den Kinderchor der Chorakademie Dortmund (Einstudierung: Bianca Kloda) unterstützt. Mit dem WDR Funkhausorchester unter der Leitung von Alexander Joel, stand ein Puccini-erfahrenes Orchester zur Verfügung. An der Orgel spielte die musikalische Assistentin Ann-Katrin Stöcker. Eine aufwendige konzertante Aufführung im feierlichem Rahmen.

Ähnlich der Grundkonstellation bei Bizets „Carmen“ oder Wagners „Tannhäuser“ steht der Titelheld Edgar zwischen der treuen, „engelsgleichen“, liebevollen Fidelia, die er schon lange kennt, und der lebenshungrigen, verführerischen, „verruchten“ Tigrana, eigentlich die Freundin von Fidelias Bruder Frank. Für Tigrana ist Frank ein Langweiler.

Wahre Liebe oder die Verlockungen eines ausschweifenden Lebens – das ist die Entscheidung. Die erhoffte Erlösung gibt es auch hier nicht bei den Lebenden. Ein Happy End ist ihnen nicht vergönnt.

Die Geschichte wurde von Puccini in das Jahr 1302, der Zeit des Flämischen Unabhängigkeitskampfes gegen Frankreich verlegt. Den anti-französischen, nationalistischen Tendenzen zur damaligen Zeit wurden durch den Komponisten Rechnung getragen.

Die Topsänger, allen voran die amerikanischen Latonia Moore (Fidelia), Gustavo Porta (Edgar), die temperamentvolle italienische Sängerin Rachele Stanisci (Tigrana), und der Bariton Evez Abdulla (Frank) sowie der rumänischen Bassist Bogdan Taloş (Vater von Fidelia) begeisterten das Publikum mit ihren starken und einfühlsamen Stimmen.

Die jeweiligen Stimmungslagen wurden vom Orchester in gutem Zusammenspiel im Einklang mit den SängerInnen in den Konzertraum projiziert. Bei den Liebesarien waren zum Beispiel schmeichelnde Klänge der Harfe, Querflöten und Streichern zu hören, und beim Eintreffen der Soldaten erklang Trommelwirbel und Trompetenrufe. Eine eindrucksvolle Stimme gaben die Chöre der bäuerlichen und bürgerlichen Zivilgesellschaft.

Ein wunderbarer Abend für die Freunde der italienischen Oper.




Flüchtlingsprojekt „Say it loud“

In Kooperation mit dem Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine e.V. Dortmund (VMDO), – Grone Bildungszentren NRW gGmbH, Haus der Vielfalt und Adlerhaus Dortmund hat das Kinder-und Jugendtheater ein besonderes Projekt ins Leben gerufen. Bei der Premiere von „Say it loud – Stories from the brave new world“ am Freitag, den 03.06.2016 um 19 Uhr, nehmen im Augenblick zehn Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Norden von Syrien, Mazedonien, Kosovo, Palästina und Marokko teil. Es geht um ihre persönlichen Fluchtgründe und Traumata, ihre Wünsche sowie Erfahrungen in Dortmund. Neben dem ernsten Hintergrund soll aber auch die humorvoll-ironischen Momente nicht zu kurz kommen.

Andreas Gruhn, Direktor des KJT, verriet im Vorgespräch, dass die Idee zu einem Flüchtlingsprojekt schon vor zwei Jahren angedacht wurde. Also noch vor dem massiven Zustrom im seit dem letzten Jahr aufgrund der verheerenden Krisen und Kriegssituation in vielen Teilen der Welt. Seit August 2015 gab es dann erste Kontakte zu den verschiedenen Kooperationspartnern und Flüchtlingen. Die Menschen sind immer noch die selben Menschen. Die Situation in den Ländern hat sich nicht geändert. Wir wollen den einzelnen Menschen mit ihren Wünschen, Ängsten und Hoffnungen Raum für ihre Geschichten geben“, so Gruhn. Dabei geht es um Kommunikation ohne Anspruch auf einfache Lösungen.

Ümit Koşan (VMDO) wies darauf hin, dass dieses Projekt den Flüchtlingen die Möglichkeit einer sinnvollen Beschäftigung und Auseinandersetzung mit ihrer Situation bietet. Wichtig ist dabei die gemeinsame Arbeit an einem Projekt von Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit und Öffnung des KJT für Flüchtlinge ist geplant, fügte Gruhn hinzu.

Der Projektleiter und Regisseur Andreas Wrosch lobte die Unterstützung der Stadt. Mit dabei sind seit Anfang zwei Sprachlehrer, darunter Dr. Ulrike Eichenauer. „Die zur Zeit zehn jungen Menschen aus fünf verschiedenen Ländern sprechen inzwischen so verständlich Deutsch, dass wir sie authentisch möglichst ohne Übersetzung sprechen lassen wollen“, so Wrosch.

Mit leichtem Schmunzeln spricht er von der Schwierigkeit für die Flüchtlingen, notwendigerweise pünktlich zu den Proben zu erscheinen.

Ernster wird er, als es um den schwierigen Umgang mit zum Teil auch schwer traumatisierten Menschen geht. „Die jungen Leute bekommen ja über ihre Smartphones und Handys mit, wie schlecht es ihren Angehörigen in der Heimat geht“, weiß der Projektleiter. Von den anfänglich siebzehn Teilnehmen sind zur Zeit nur noch zehn beidem Projekt dabei. Leider keine mehr aus Eritrea und dem Irak.

„Wichtig bei der Arbeit ist uns deshalb immer, zwischendurch zu lachen“, erklärte Theaterpädagogin Inga Waizenegger. Es geht bei dem Stück nicht darum , schockierende „Betroffenheitsbilder“ zu zeigen, sondern um Verständnis und Kontakt.

„Wir planen auch eine Partnerschaft mit ähnlichen Projekten in Frankreich (Calais), Schweden und eventuell in Portugal. Im September 2016 geht es zunächst nach Calais“, verriet Gruhn zum Schluss. Dann könnte sich zeigen, ob Europa nur eine Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft ist, oder uns auch humanistische Ideale verbinden.




Road-Movie in die Walachei

Am 20.05.2016 war im Kinder-und Jugendtheater Premiere für „Tschick“ nach dem Jugendbuch von Wolfgang Herrndorf unter der Regie von Andreas Gruhn. Der Direktor des KJT inszenierte das Stück mit Einsatz von modernen Medien. So wurden Filmsets und Miniaturkulissen auf drei verschiebbare Leinwände projiziert. Die Protagonisten Maik und Tschick machen schließlich einen Video-Blog über ihre „Ferien-Tour“. Auf der Bühne stehen nur wenige Requisiten, wie etwa eine Zinn-Badewanne.

Maik Klingenberg, 14-jähriger Sohn eines Immobilienmaklers und einer alkoholkranken Mutter aus Berlin-Marzahn erzählt im Rückblick von seinem bisherigen Leben als „Langweiler“ oder wahlweise „Psycho“. Oberflächlich wird die Fassade durch den zu Gewaltausbrüchen neigenden Vater aufrecht erhalten. Die Mutter wird offiziell ab und zu auf Urlaub in eine „Beauty-Farm“ zum Entzug geschickt, während der Vater sich mit seiner „Assistentin“ vergnügt.

So auch wieder zu Ferienanfang. Maik bekommt Geld in die Hand gedrückt und wird alleine gelassen. Gerade jetzt, wo er verzweifelt ist, weil Klassenschönheit Tatjana ihn, wie auch den neuen Mitschüler Tschick, einen schon öfter als Kleinkriminellen aufgefallenen „Assi-Russen“ (sowie nur noch den „Nazi“) nicht zu ihrer Geburtstagsfete eingeladen hat.

Plötzlich steht Tschick, mit einem „geborgten“ Lada vor der Tür und überredet Maik zu einer Ferientour in die Walachei, wo sein Großvater wohnt. Es beginnt eine wild-romantische , interessante Reise durch die brandenburgische Landschaft. Sie treffen einige skurrile Menschen, und am Ende bekommen die beiden Jugendlichen ein anderes Verhältnis zur Natur und Maik lernt durch die „Streunerin“ Isa die Liebe kennen…

Es ist eine typische „Coming of Age“ Geschichte vom Erwachsen werden, sexueller Identitätsfindung, Wunsch nach Abenteuer sowie Freiheit und Selbstbestimmung. Lockere Sprüche verdecken Einsamkeit und Unsicherheit.

Die Wandlung von Maik vom unsicheren „Langweiler“ bringt Philip Pelzer humorvoll-ironisch auf die Bühne. Thorsten Schmidt überzeugt als vordergründigen „Macho-Typen“ mit coolen Sprüchen und „weichem Kern“, Talisa Lara als lebenskluges starkes junges Mädchen.

Lara hatte genau wie Bettina Zobel (Mutter) und Rainer Kleinespel (Vater) die große Herausforderung, mehrere Rollen und verschiedene Charaktere zu spielen. Es war schon erstaunlich, wie schnell sie sich nicht nur umziehen konnten, sondern auch wie auf „Knopfdruck“ in die andere Personen verwandeln konnten. Die Gewaltneigung des Vaters und die Alkoholkrankheit der Mutter wurden eindringlich dargestellt.

Die Musik spielte eine untergeordnete Rolle. Neben rockigen Klängen, wie z.B. von den „White Stripes“ begleitete die Reisenden die romantischen Klänge auf einer im Auto gefundenen Kassette von Richard Claydermann.

Der Aufführung gelang eine gute Balance zwischen Humor, Ironie auf der einen Seite, und leise Sensibilität vor allem bei Entwicklung der Freundschaft der beiden Protagonisten und der zarten Liebesgeschichte zwischen Maik und Isa und dessen Beziehung zu seiner Mutter.

Die starke Leistung des Ensembles wurde am Ende mit Standing Ovations belohnt.

Nähere Informationen zu weiteren Terminen dieser Aufführung unter : www.theaterdo.de




Mutige Ronja Räubertochter

Viele Menschen sind mit Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ (1981), der Geschichte um zwei verfeindete Räuberbanden und der klugen und mutigen Tochter Ronja groß geworden. Die Premiere dieses Stoffes als Familienoper in Dortmund von Jörn Arnecke mit dem Libretto von

Holger Potocki, Regie Johannes Schmid fand am 22.05.2016 statt. Es handelt sich um eine Kooperation des Theaters Dortmund mit der Deutschen Oper am Rhein und dem Theater Bonn im Rahmen des Projekts „Junge Oper Rhein-Ruhr“.

Worum geht es? Zwischen den beiden rivalisierenden Räuberbanden von Mattis und Borka herrscht seit vielen Jahren Streit. Deren Kinder, Ronja und Birki, lernen sich im Mattiswald kennen und befreunden sich langsam. Ronja will nicht die Nachfolgerin ihres Vaters werden. Sie möchte keine Menschen berauben und hat genug Gewalt, Streit, gegenseitigem Bekämpfen und dem rüpelhaftem Leben. Die beiden Väter sind mit der Freundschaft ihrer Kinder nicht einverstanden, doch Ronja und Birk halten wie „Bruder und Schwester“ zusammen und wohnen gemeinsam wie naturverbunden, ähnlich wie Adam und Eva, im Mattiswald.

Die Probleme mit der Nahrungssuche beginnen mit dem nahenden Winter, und die Freunde streiten öfter miteinander. In einer bedrohlichen Situation kommt Mattis zu Hilfe, um seine Tochter zurück zu holen. Er bereut inzwischen, dass er seine Tochter aus Enttäuschung verstoßen hatte. Außerdem liegt der alte, treue Räuber Glatzen-Per im Sterben….

Das Schloss mit den verschiebbaren Wänden auf der Bühne ist dem Original aus der Geschichte von Lindgren nach empfunden. Die Aufführung beginnt in bedrohlicher Atmosphäre von Blitz und Donner mit der Geburt von Ronja. Die Räuberbande von Mattis haben bis auf Glatzen-Per rote Haare und natürlich alle ihre „Räuberkleidung“ an. Seit dem Blitz-Einschlag geht ein Riss durch die Mattis-Burg. In den Nord-Teil werden sich die Borka-Räuber Jahre später einnisten.

Zur Charakterisierung der Räuber-Gesellschaft werden schon zu Anfang Wolf-Metaphern benutzt. So wird das Baby mit einem Wolf-Wiegenlied in den Schlaf gesungen, die Gemeinschaft mit einem „Wolfsrudel“ verglichen und am Ende Stirbt der „alte Wolf“.

Ein schneller Zeitsprung, und Jahre später steht Ronja als pubertierendes Mädchen auf der Bühne. Sie ist Vaters ganzer stolz, beginnt sich aber schon gedanklich gegen die Vorstellungen von Mattis aufzulehnen. Die beiden verfeindeten Gruppen sind auch optisch gut zu unterscheiden. Die Räuberbande von Mathis haben rote, die Borka-Bande alle blonde Haare.

Ein großes Kompliment für das wunderbar fantasievolle Bühnenbild und grandiosen Projektionen und die speziellen Effekte. Der Moos bewachsene Hügel tauchte schon bei „Hänsel und Gretel“ auf. Besonders Eindrucksvoll, das unheimliche Erscheinen der „Unterirdischen“.

Die Kinder sind in Lindgrens Geschichte die Einzigen, die offen sind für neue Wege. Neben „Glatzen-Pit“ sehen sie ein, dass es besser ist. zusammen gegen die Landvogte zu halten, als zu rauben und sich gegenseitig zu bekämpfen. Sie emanzipieren sich von den Vorstellungen „der Erwachsenen“ und überwinden symbolische Gräben (Höllenschlucht). Es lohnt sich, mit kindlich-unverstellten offenen Blick neue Wege zu beschreite. So gibt es im Unterschied zu „Romeo und Julia“ ein Happy -End.

Die zeitgenössische Musik von Jörn Arnecke, stellte sowohl für alle Sängerinnen und Sänger, wie auch für die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Ingo Martin Stadtmüller vor eine große Herausforderung. Mit viel Einfühlungsvermögen gelang ihnen, diese zu meistern.

Es waren keine eingängigen Gassenhauer zu hören, sondern die Musik war ein Spiegel der verschiedensten Stimmungslagen.

Ileana Mateescu als Ronja und Tamara Weimerich als Birk waren ein gut eingespieltes Team. Schließlich haben sie ja schon bei „Hänsel und Gretel“ zusammen gesungen und gespielt.

Als Gast aus dem Dortmunder Schauspiel-Ensemble konnte Andreas Beck mit seiner starken Präsenz als „Glatzen-Pit“ überzeugen.

Obwohl oft oft düster und beängstigend für zarte Gemüter angelegt, sorgen das das glückliche Ende, das Können und Engagement des Ensembles für ein gelungenes Familien-Erlebnis mit zeitloser Aktualität.

Mehr Information über weitere Aufführungs-Termine unter: www.theaterdo.de




Songs aus einem multikulturellem Schmelztiegel

Am zweiten Tag des Festivals „klangvokal“ stand im domicil „Songs of Thessaloniki“, präsentiert von der charismatischen Sopranistin Savina Yannatou und „Primavera de Salonico“ (sechs Instrumentalisten), auf dem Programm. Das griechische Thessaloniki war in den letzten Jahrhunderten ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen.

Jüdisch-spanische, türkische, griechische, armenische, orientalische oder arabische Kulturen sowie Einflüsse aus dem Balkan haben in dieser Stadt Spuren und ihr altes Liedgut hinterlassen.

Um diesen musikalischen Schatz zu neuem Leben zu erwecken, begleiten die Musiker Yannatou mit Kontrabass, Violine, Percussion, Akkordeon, aber auch mit traditionellen Instrumenten wie der Kurzhalslaute Oud, der Kastenzither Kanun, der arabischen Ney-Flöte oder der Rahmentrommel.

Dabei werden die alten Lieder unterschiedlicher Völker, angesiedelt in unterschiedlichen Epochen, auf eine respektvolle und sensible Art neu arrangiert.

Den meisten Songs handeln von Liebe, Leid und Sehnsucht auf ein besseres Leben. So wundert es nicht, das eine schwermütige Klangfarbe bei den Liedern vorherrscht. Auch wenn das Publikum die Texte in den verschiedenen Sprachen nicht wörtlich versteht, wird deren Aussagekraft durch die betörende Stimme und Gesten von Yannatou sowie der instrumentalen Begleitung und Umsetzung fühlbar. Manchmal ist da weniger mehr, wie zum Beispiel bei dem einem türkischen Bektaschi-Sufi. Es genügt hier eine sparsame Begleitung mit der arabischen Ney-Flöte und einer Rahmentrommel. Beeindruckend war die Interpretation des sephardischen Volksliedes „La Cantiga del Fuego“, Es handelt vom gewaltigen Feuer 1917 im jüdisch geprägten Stadtzentrum von Thessaloniki.

Ein besonderer kultureller Einfluss sei hier noch erwähnt: Das irische Lied „Salonika“ aus der bedrückenden Zeit des ersten Weltkriegs. Mit seinem bitteren Text erinnert die neuen Fassung der griechischen Musiker den Moritaten von Berthold Brecht.

Savina Yannatous Gesang überzeugt sowohl bei den leisen-sphärisch sakralen, wie auch bei den intensiv-kraftvollen Songs. Die sechs Instrumentalisten konnten ihr Können auch bei den Solo-Partien beweisen.Ohne Zugaben kamen die Künstler natürlich nicht von der Bühne.

Das Publikum bekam einen interessanten Einblick in den reichhaltigen Einfluss der unterschiedlichen Kulturen und deren besondere und oft positiven Wirkung auf das Leben in Thessaloniki.