Theaterabenteuer im Klassenzimmer

Agentin Emma Stern (Bianka Lammert) recherchiert, wo alles Zucker drin ist. (Foto: Birgit Hupfeld(
Agentin Emma Stern (Bianka Lammert) recherchiert, wo alles Zucker drin ist. (Foto: Birgit Hupfeld)

Mit der Premiere von „Zuckeralarm“ (für die Klassen 2 bis 5) von Ulrike Willberg am 02.12.2016 um 18:00 Uhr im ehemaligen Robert-Schumann-Berufskolleg startet das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater ihr neues Theaterstück fürs Klassenzimmer, die Schulküche und andere Einraumwohnungen.

Neben den Sondervorstellungen in den Kollegräumen können Schulen dieses Stück auch mobil buchen. Regisseurin Isabel Stahl erklärte vorab, worum es geht: „Wir wollen mit diesem Stück auf eine lustige „unpädagogische“ Art einfach darauf aufmerksam machen, wo überall Zucker versteckt ist. Das ist uns oft gar nicht so bewusst.“ „Es geht uns nicht darum, Zucker zu verteufeln“, fügte Dramaturgin Lioba Sombetzki hinzu.

Zum Stück: Emma Stern, gespielt von Bianka Lammert vom KJT-Ensemble, ist Agentin der Agentur für Weltverbesserungspläne aus der Sektion „lecker“. Sie möchte den Menschen nach einem Zuckerschock in ihrem Leben Appetit auf gesundes Essen machen und der „Zuckermafia“ den Kampf ansagen und aufklären. Diese Mafia verfolgt sie und ist ihr auf den Fersen. Die Zeit ist also knapp.Es bleiben ihr nur ungefähr 45 Minuten, um etwas leckeres zu kochen und Co-Agenten für ihr Anliegen zu gewinnen. „Dabei spielt ein Koffer (Kochplatte) sozusagen die zweite Hauptrolle“, verriet Stahl.

Das Stück ist als rasantes und humorvolles Abenteuer konzipiert. Emma erzählt aus ihrem Leben, ist in Bewegung und am Ende entsteht auch noch etwas leckeres zum Essen.

Mobile Buchungen für Schulkassen unter: www.theaterdo.de

Die Vorstellungstermine im ehemaligen Robert-Schuhmann-Berufskolleg:

So, 22.01.2017, 16:00 Uhr

So, 26.02.2017, 16:00 Uhr

So, 05.03.2017, 16:00 Uhr

So, 26.0302017, 16:00 Uhr

Die Premiere am 02.12.2016 ist schon so gut wie ausverkauft.

Informationen unter www.theaterdo.de




Kunstintegration im Westfälischen Schulmuseum

Jürgen Mans zeigt seine Werke im Westfälischen Schulmuseum und verbindet seine Kunstwerke mit der dortigen Dauerausstellung.
Jürgen Mans zeigt seine Werke im Westfälischen Schulmuseum und setzt seine seine Kunstwerke mit der dortigen Dauerausstellung in Bezug.

Mit der Ausstellung „Das Schulmuseum – künstlerisch betrachtet“ vom 18. November 2016 bis zum 29. Januar 2017 fügt der Künstler Jürgen Mans (Jahrgang 1959) dem Westfälischen Schulmuseum in Dortmund-Marten eine weitere integrative Ebene hinzu.

Er integriert seine Bilder, Skulpturen und Rauminstallationen in die Dauerausstellung des Schulmuseums zur Schul- und Kindheitsgeschichte des späten Mittelalters, der Zeit Kaiser Wilhelms II. Und der NS-Zeit sowie der aktuellen Sonderausstellung „und Stricken für‘s liebe Vaterland“ (22. März 2015 bis 30. Dezember 2018).

In dem Raum der Sonderausstellung ist auch eine der auffälligsten Installationen zu sehen und akustisch zu hören. Aus einem großen Trichter fließt tropfenweise Wasser auf eine heiße Platte in einer länglichen Vitrine und verpufft als Zeichen der Vergänglichkeit.

„Ich möchte mich zu den Dingen die ich in den Räumen vorfinde, künstlerisch äußern“, so Mans.

Besonders die letzten Raum der Dauerausstellung des Museums mit dem Titel „Verführung zur Unfreiheit“ ausgestellten NS-Bücher verursachten Zorn und Übelkeit bei dem Künstler und waren ein wichtiger Impuls für ihn, an diesem Ort auszustellen. Als Nachkriegsgeneration sind ihm die Auswirkungen der Nazizeit noch sehr präsent.

Eindrucksvoll ist eine dem Mahnmal von Karel Niestrath für die Opfer des Nazi-Terrors in der Bittermark nachempfundene, teils offen begehbare Raumskulptur. Dunkle, harte Materialien aus Stein und Metall machen die Gräuel und den Schrecken assoziativ lebendig. „Ich will den ausgestellten Dingen die Realität gegenüber stellen“, erklärte Mans.

Der Künstler kann gut damit leben, dass seine seine oft aus verschiedenen Materialien zusammengesetzten Werke nicht „schrill und plakativ“ im Raum zu erkennen sind. Sie sollen als integrativer Bestandteil den Betrachter zu individuellen Assoziationen anregen.

Rüdiger Wulf, Leiter des Westfälischen Schulmuseums, freut sich über das große Engagement des Künstlers und viele „spannende Fremdkörper“, die geschaffen wurden.

Westfälisches Schulmuseum

An der Wasserburg 1

44379 Dortmund

Öffnungszeiten:

Dienstag-Sonntag 10.00-17.00 Uhr

– In den Sommerferien geschlossen

Information: www.museendortmund.de

schulmuseum@stadtdo.de




Ein apokalyptisches Oratorium

Am Samstag, den 12.11.2016 wurde in der Dortmunder St. Reinoldi Kirche das Oratorium „Das Buch mit sieben Siegeln“ von dem österreichischen Komponisten Franz Schmidt (1874–1939) aufgeführt. Ein seltenes Erlebnis in Deutschland.

In Zusammenarbeit mit dem Klangvokal Musikfestival dieser Stadt, dem Dortmunder Bachchor an St. Reinoldi und der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Klaus Eldert war dies ein beeindruckendes musikalisches Ereignis und eine Anspruchsvolle Aufgabe. Die schwierigen Gesangparts übernahmen der Tenor Luca Martin als Johannes, Sopranistin Martina Schilling (Wesen, Engel, Tochter), Altstimme Maria Hilmes (Wesen, Engel, Mutter), Tenor Markus Francke (Wesen, Engel, Überlebender) und als als tiefer Bass Philipp Meierhofer (Stimme des Hern, Wesen, schwarzer Ritter, Überlebender). Das Zusammenspiel wurde dem Publikum die gesamte Facette der Offenbarung musikalisch vor Augen geführt.

Der Seher Johannes sieht als eine Vision vor Gottes Thron Christus als Lamm. Nur dieses Lamm ist würdig, das siebenfach versiegelte Buch mit den Offenbarungen über zukünftige Geschehnisse aus Gotteshand entgegenzunehmen und sie zu öffnen. Nach der ersten sechs Siegel zeigt sich, dass die Menschheit immer mehr in Dunkelheit, Krieg, Krankheit und großer Verzweiflung verfällt. Die wenigen Gläubigen Menschen hören von Gott nur den Rat, noch weiter durchzuhalten und auf Gerechtigkeit am Tage de jüngsten Gerichts zu verharren und zu vertrauen. Das ganze geschehen wird musikalisch eindringlich ausgemalt.

Im zweiten Teil wird das siebte Siegel geöffnet und nach kurzer musikalischer Stille blasen die sieben „Posaunenengel“ mit einem infernalisch-schaurigem Appell zum Jüngsten Gericht. Die „Gerechten“ erlangen danach das „ewige Leben“ und der Weg ist frei für „einen neuen Himmel und eine neue Erde“. Nun beruhigt sich auch der musikalische Hintergrund langsam und Gott verspricht am Ende allen überlebenden „Gerechten“ die Überwindung von Tod und jedwedem Leid.

Musikalisch grandios ist das „Das Buch mit sieben Siegeln“ inhaltlich jedoch durchaus fragwürdig

Mag für gläubige Menschen die Hoffnung auf ein jüngstes Gericht in der Zukunft, dass alles Leiden auf der Welt beendet tröstlich sein, verführt diese fatalistische Einstellung doch zu einem passiven Ausharren.

Die „sündigen und vom Teufel verführten“ Menschen werden als von Gotteswillen abhängig gesehen, die unvermeidlich der „Götterdämmerung“ entgegen gehen. In der Historie gibt es viele Beispiel für Berechnungsversuche der Apokalypse.

Menschen sind hier nicht selbstbewusste, selbstbestimmte und aufgeklärte Wesen, die ihr Schicksal und die Verhältnisse auf ihrem Planeten auch mitbestimmen können. Wie heißt da noch im Text der Internationale?

„Es rettet uns kein hö’hres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!




Orientalische Märchenwelt

Die Sultanin (Bettina Zobel) ist nicht überzeugt, dass "Omar" (Philip Pelzer) der richtige Sohn ist. Im Gegensatz zum Sultan (Andreas Ksienzyk). Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Sultanin (Bettina Zobel) ist nicht überzeugt, dass „Omar“ (Philip Pelzer) der richtige Sohn ist. Im Gegensatz zum Sultan (Andreas Ksienzyk). Foto: © Birgit Hupfeld)

In diesem Jahr entführte der Leiter des Dortmunder Kinder-und Jugendtheaters Andreas Gruhn und sein Ensemble mit seinem neuen Weihnachtsmärchen „Der falsche Prinz“ nach Wilhelm Hauff für die ganze Familie (ab 6 Jahre) in eine fremde, geheimnisvolle orientalische Welt. Die Premiere war am 11. November 2016.

Das Schauspielhaus fiel diesmal als Ort für das beliebte Weihnachtsmärchen aus den bekannten Gründen aus und so wurde das KJT nach vielen Jahren wieder einmal zum Aufführungsort.

Da passen zwar weniger Menschen hinein, aber die Besucher/innen sind auch ganz nah am Geschehen. Es wird sozusagen noch besser in die Handlung hineingezogen.

Nicht nur frontal sondern auch von der Seite konnte das Publikum in nächster Nähe verfolgen.

Der Aufführungsraum verbreitete mit orientalischen Wandteppichen behangen ein Ambiente wie aus 1000 und eine Nacht. Die Besucher hatten das Gefühl, in einem Beduinenzelt zu sein. Die schönen orientalischen Kostüme wurden von Oliver Kostecka mit viel Sorgfalt ausgesucht.

Das Märchen spielt im arabischen Raum in Ägypten. Es ist die Geschichte von zwei jungen Männern. Omar, ein geborener Prinz, der wegen eines bedrohlichen Orakels zweiundzwanzig Jahre außerhalb des elterlichen Palastes aufwuchs. Auf der anderen Seite der junge Schneider und Träumer Labakan, der sich genauso gut wie ein Prinz fühlt. Mit mit einer prächtigen von ihm geschneiderten Kleidung verschwindet er und sucht sein Glück. Die Wege der beiden jungen Männer kreuzen sich und Labakan nimmt eine Chance wahr, die Identität des „wahren Prinzen“ anzunehmen. Fällt der Schwindel auf? Zumindest das Mutterherz der Sultanin zweifelt, besonders als der wahre Prinz kurze Zeit später vor ihr steht. Um Sicherheit zu gewinnen, wer der rechtmäßige Prinz ist, werden beide auf die Probe gestellt. Zudem spielen Machtintrigen und die Liebe auch noch eine Rolle. Gibt es Vergebung und finden beide jungen Männer ihr Glück…?

Der Humor kam nicht zu kurz bei diesem Weihnachtsmärchen. So zum Beispiel, wenn Prinz Omar (Thorsten Schmidt) und Labakan (Philip Pelzer) mit einer Kordel in der Hand einen Ritt durch die Wüste auf Pferden sehr komisch simulieren. Die kleinen Zuschauer/innen waren auch besonders von der Kampfchoreographie (Klaus Lassert) zwischen zwei Räubern und den beiden jungen Männern angetan.

Auch wenn Labakan, der Sohn eines Lastenträgers, immerhin den ehrenwerten Beruf eines Schneiders lernt, stößt die Moral des Märchens ein wenig auf. In den Niederlanden gibt es den Spruch „Als je als dubbeltje geboren bent word je nooit een kwartje“. Übersetzt: Wenn du als 10-Cent-Münze geboren bist, wirst du niemals eine 25-Cent-Münze. In Deutschland ist das wenig märchenhafte Realität. Du bleibst, was du bist. Die soziale Herkunft entschiedet sehr stark, welche Chancen man später hat.

Alles in allem ist „Der falsche Prinz“ ein gelungenes Weihnachtsmärchen mit gut aufgelegten Schauspielerinnen und Schauspielern, vor allem Thorsten Schmidt als „Omar“ und Philip Pelzer als „Labakan“ glänzen in ihren Rollen. Kinder ab sechs Jahren werden einen Riesenspaß bei der Reise in den Orient haben.

Weitere Termine finden Sie unter www.theaterdo.de




Gabenbringer und andere Weihnachtswesen

Christkind, Weihnachtsmann oder Tomte? Spannende Geschichten können (v.l.n.r.) Daniela Brechensbauer (Leiterin Museumspädagogik MKK), Cathleen Tasler (Kuratorin) und Dr. Jens Stöcker (Museumsdirektor MKK) erzählen.
Christkind, Weihnachtsmann oder Tomte? Spannende Geschichten können (v.l.n.r.) Daniela Brechensbauer (Leiterin Museumspädagogik MKK), Cathleen Tasler (Kuratorin) und Dr. Jens Stöcker (Museumsdirektor MKK) erzählen.

Schon zum sechzehnten Mal ist vom 05.11.2016 bis zum 05.02.2017 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund eine Weihnachtsausstellung zu sehen. Das Thema in diesem Jahr ist „Morgen kommt der …?

Hier widmet sich das MKK mit der Kuratorin Cathleen Tasler den verschiedenen christlichen und heidnischen Gabenbringern, anderen Weihnachtswesen sowie ihren Begleitern.

In Deutschland sind ja vor allem das Christkind, der Nikolaus mit Knecht Ruprecht und der Weihnachtsmann bekannt. Diese Ausstellung gibt einen interessanten historischen Überblick über die internationalen Bräuche in Europa von Russland bis Spanien.

Der neue Museumsdirektor Dr. Jens Stöcker zeigt sich von der Ausstellung angetan: „Mir gefällt vor allem, dass die Besucher praktisch wie von Objekt zu Objekt getragen werden.“

Die Kuratorin verriet vorab: „Wir haben mehr als 180 Objekte aus über 11 europäischen Ländern mit 12 Gabenbringern und verschiedenen Weihnachtswesen wie etwa die heilige Barbara, die schwedische Lichtgestalt Lucia oder dem Rotkehlchen (England) zusammengestellt.“

Die Ausstellung ist in sechs Abteilungen gegliedert:

1.Kulturgeschichte der Weihnachtwesen

2. Gabenbringer der katholischen und protestantischen Länder

3. Gabenbringer der orthodoxen Länder

4. Gabenbringer am 6. Januar, zum Beispiel die Heiligen Drei Könige in Spanien

5.Gabenbringer in Skandinavien mit ihren Trollen, Tomte oder dem Julbock

6. Die Begleiter der Gabenbringer: Das sind oft den Kindern angst einflößende Personen und Gestalten wie Knecht Ruprecht oder der in den Alpenländern Österreich und Schweiz bekannten „Krampus“ mit seiner gruseligen Maske.

Daneben gibt es auch noch einen Gabentisch hinter Vitrine zu bewundern und es werden zwei Filmdokumente zu den Begleitern der Gabenbringer gezeigt.

Es gibt viel zu entdecken und im Foyer vor dem Ausstellungsraum dürfen die Besucherinnen und Besucher auch selber weihnachtliche Dekoration basteln.

Unter der Leitung der Museumspädagogin Daniela Brechensbauer wurde auch in diesem Jahr wieder ein Begleitprogramm für Kitas, Schulklassen und für die ganze Familie zusammengestellt. Hier können gemeinsam zum Beispiel lustige Tomte (eine Art Wichtel oder Heinzelmann) gebastelt werden. Die Bastelwerkstatt für Jedermann findet am 04.12. und am 11.12.2016 von 15.00 bis 16.30 statt. 5 € Materialkosten (inkl. Eintritt) fallen an.

Am 10.12.2016 und 18.12. 2016 finden ab 16.00 zudem die Weihnachtslesungen mit Gedichten und Märchen mit Hans-Martin Stork (Sa) und Elisabeth Stark-Reding (So) statt. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen und Anmeldungen von Schulklassen entweder direkt im Museum für Kunst und Kulturgeschichte: Hansastr. 3 , 44137 Dortmund oder unter www.mkk.dortmund.de




Hoffnung auf Erlösung!?

Faust (Marlon Dino) im Banne von Helena (Lucia Lacarra). Foto: ©Bettina Stöß, Stage Picture
Faust (Marlon Dino) im Banne von Helena (Lucia Lacarra). Foto: ©Bettina Stöß, Stage Picture

Nach „Faust I – Gewissen“ hat sich Ballettdirektor Xin Peng Wang als erster Choreograf nun an „Faust II – Erlösung!“ heran getraut. Er tat dies mit einen auffallend klaren Bezug zu unserer aktuellen globalen Realität. Verzweifelte Flüchtlingen, die um ihr Leben kämpfen und oft genug bei ihren gefährlichen Überfahrten elendig ertrinken. Die Bilder sind uns allen vor Augen. Die Fragestellung in Goethes Alterswerk „Faust II“ ist von nicht nur (gerade) heute von aktueller Brisanz. Schafft es der Einfluss des „Bösen“ (etwa Profitgier auf Kosten anderer, Vergnügungssucht), repräsentiert von Mephisto; den Menschen, in diesem Fall Faust, von dem Weg der selbstbewusst-selbstlosen Mitmenschlichkeit für immer fern zu halten?

Faust gelingt dies erst nach einer langen traumhafte Odyssee durch verschiedene Zeitepochen und und einem ernüchternden Liebeserlebnisses mit der schönen Helena. Erst im hohen Alter und kurz vor seinem Tod überwindet Faust seinen Egoismus. Er hat die Vision, den Meer Land für die Besitzlosen Flüchtenden abzutrotzen und einen Deich bauen zu lassen.

Eine der emotionalen Highlights war die Menschwerdung des „Homunculus“ als Symbol der Entfremdung von der Natur. Diese wurde musikalisch live auf der Bühne vom Cello begleitet.

Eine geniale Idee von Wang war allerdings die Zusammenarbeit mit dem renommierten chinesischen Lichtkünstler Li Hui. Seine gezielt und nicht überfrachtend eingesetzten Lichtinstallationen waren beeindruckend und sorgten mehrfach für einen Wow-Effekt.

So wurde für das Publikum zum Beispiel durch Lasereffekt der Eindruck von „realen Wellen“ auf der Bühne vermittelt, in denen flüchtende Menschen um ihr Leben rangen.

Gelungen war die Darstellung der „Walpurgisnacht“ als Mephistos Traum:. Eine Gesellschaft von als Affen verkleideter Tänzer und Tänzerinnen, die in der Glückswarteschleife eine Dauerparty feiert. Ein Festival mit verschiedenen Musikfragmenten und Musikparodien. Musikalisch wurde „Faust II“ live begleitet von der Dortmunder Philharmoniker und geleitet mit viel Feingefühl von Philipp Armbruster.

Das Zusammenspiel von klassischer und moderner Ballettkunst, gelungener Musikauswahl von Hans Abrahamsen, Lois Andriessen, Lucioan Berio, Michael Gordon, David Lang Pēteris Vasks und den Lichtinstallationen von Hui sorgte ein ganz besonderes emotionales Erlebnis für das Publikum.

Die Beteiligten von der Dortmunder Ballett-Compagnie zeigten wieder einmal ihr Können.

Daneben hatte Wang aber auch glänzende international renommierte Solisten wie Lucia Lacarra als Helena (Margrethe), Marlon Dino als Faust, Dann Wilkinson, Giacomo Altovino als Homunculus und das Sonnenkind Denise Chiarioni für seine Faust II – Inszenierung gewinnen können.

Einen berührenden Auftritt hatte Madita Herzog, die symbolisch stand für alle Kinder, die während ihrer Flucht gestorben sind. Wer denkt da nicht an den kleinen Aylan, der tot an den Mittelmeer-Strand angespült wurde. Was bedeuten uns die Werte-Ideale von Goethe? Ist das sogenannte Abendland und ins besondere die privilegierte reiche Oberschicht bereit, den Schutzsuchenden und der ärmeren Bevölkerung Überlebensräume und Lebensperspektive zu schaffen?

Es war ein ganz besonderes Ballett-Erlebnis.

Informationen zu weiteren Terminen und Karten für weitere Aufführungen unter: www.theaterdo.de




Zwischen Show und Realität

Noch zeigt Katja (Merle Wasmuth) dem Journalisten Pierre (Carlos Lobo) die kalte Schulter. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Noch zeigt Katja (Merle Wasmuth) dem Journalisten Pierre (Carlos Lobo) die kalte Schulter. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Am 21.10.2016 hatte der junge Regisseur Maximilian Lindemann sein Debüt mit dem Stück „Das Interview“ von Theodor Holman nach dem gleichnamigen Film (2003) von Theo van Gogh im Dortmunder Megastore.

Fans des „Studios“ können sich freuen. „Das Interview“ bringt die besondere Atmosphäre der Bühne in den Megastore. Das spannende Kammerspiel zwischen dem 26-jährigen Soap-Star Katja, gespielt von Merle Wasmuth und dem Politik-Journalisten Pierre Petersen (45 Jahre), gespielt von Calos Lobo, findet vor ein kargen Bühne mit zwei geräumigen Ledersesseln und einer langen Ledercouch statt und die übrige Wohnung wird von einem glitzer-behangenem, durchgängigen Vorhang verborgen.

Der Reiz dieses Stoffes liegt vor allem an dem Zusammenprall dieser beiden unterschiedlichen Charaktere. Beide sind dabei absolute Medienprofis. Es geht immer um die Frage, wie komme ich hinter der Oberfläche? Das Stück wirkt wie eine Art Boxkampf mit Worten. Jeder versucht den anderen aus seiner Deckung zu locken, und wie es beim Boxkampf häufig vorkommt, tragen beide am Ende Narben davon.

Katja ist der von einem Millionen-Publikum bewunderte, junge und schöne Star im Showbusiness. Ihr ist klar, dass ihre äußere Hülle das besondere Kapital für ihre Karriere ist. Um ihr Gesicht nicht zu verlieren, setzt sie wie der Journalist immer wieder neue Masken auf. Sie kokettiert dabei geschickt mit Rollenerwartungen und Klischees, so zum Beispiel Drogen, Silikonbrüste oder ständiges Handygebimmel. Sie kann jeden Mann haben, den sie will.

Ihr unterschwelliger Wunsch nach Respekt und Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit blitzt dazwischen immer wieder durch.

Pierre ist ein angesehener investigativer Politik-Journalist mit Erfahrung im Balkan-Krieg. Den Unfalltod seiner damals neunjährigen Tochter hat ihn tief getroffen. Nur durch Zufall und Ersatz für einen Kollegen nimmt er eher mit Widerwillen an. Ist dieses Interview nicht unter seiner Würde?

Schon bei ihrer ersten Begegnung sehen sich die beiden Protagonisten sehr lange abschätzend an.

Die (anfängliche) Ignoranz des Journalisten, der den Soap-Star kaum kennt, weiß Katja schlagfertig zu kontern. Es entwickelt sich ein witzig-bissiger Schlagabtausch zwischen den beiden Personen. Wahrheit und Lüge sind da bald nicht mehr zu unterscheiden. Langsam kommt es auch zu einer vorsichtigen Annäherungen zwischen diesen unterschiedlichen Menschen.

Nicht nur ihre Einsamkeit, sondern auch ihre dunklen Geheimnisse kommen am Ende ans Tageslicht.

Merle Wasmuth spielt die schlagfertige Schauspielerin mit Sexappeal in all ihren Facetten glaubwürdig. Das gilt für die witzig-ironischen Momente genau so wie in ihrer Traurigkeit.

Carlos Lobo im edlen Zwirn überzeugt als Politik-Journalist, der hin und her gerissen ist zwischen seinen anfänglichen Ignoranz dem wachsenden Interesse an der Person Katja.

Es ist schon eine schwierige und beachtliche Leistung über anderthalb Stunden das Publikum zu unterhalten und bei der Stange zu halten.

Informationen und Karten für die weiteren Vorführungen erhalten sie unter www.theaterdo.de




Hohe Wellen im Konzerthaus

Am 18. und 19. Oktober 2016 luden die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz zum 2. Philharmonischen Konzert unter dem Thema „wasser_spiele“ in das Dortmunder Konzerthaus. Für Teil zwei des Abends mit fünf orchestrierten Schubert-Liedern, konnte der renommierte dänische Bariton Bo Skovhus als Gesangssolist gewonnen werden. Ars tremonia war am 19. Oktober dabei.

Mit der Ouvertüre zu „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner (1813–1883) ging es schon von Anfang an emotional bewegend und dramatisch los. Die Streicher, Bläser und Trommelwirbel übertrugen die gespenstische Stimmung auf dem Schiff des „fliegenden Holländers“ mit den brausenden Emotionen für das Publikum im Konzertraum. Wie bekannt, musste der „Holländer“ nach sieben Jahren auf See zur Erlösung durch die Liebe an Land kommen. Das Englischhorn kündigt den Auftritt von Senta, die die Ankunft eines Erlösers hofft mit leiseren und sanfteren Tönen an. Das traurige Ende der Geschichte ist bekannt. In dieser Ouvertüre steckt schon die ganze Dramatik und emotionalen Höhen und Tiefen dieser Wagner-Oper.

Bo Skovhus überzeugte mit warmen und kraftvollen Bariton danach mit seiner Interpretation der für das Orchester bearbeiteten fünf Lieder von Franz Schubert (1797-1828).

Die von dem Dänen Karl Aage Rasmussen (geb. 1947) für das Orchester instrumentierte Version des „Taucher“ hatte überhaupt erst am 12.März 2012 in Groningen Premiere gehabt.

Bei der Geschichte taucht ein mutiger Jüngling nach einem goldenen Becher, den der König in die tosenden Wellen der See geworfen hat und danach noch ein zweites Mal um einem Ring und die Hand der Königstochter. Da verschlingen ihn die Fluten. Es geht also um emotionale und sprichwörtliche „Wasserwellen“.

Danach folgen der mystische „Prometheus“ (Instr. Carl Nielsen), das an den „Sturm und Drang“ beeinflusste „An Schwager Kronos“,(Intr. Johannes Brahms) sowie das ebenfalls von Brahms instrumentierte „Geheimes“. Hier spielen Horn und Streicher eine besondere Rolle bei der Vermittlung eines pulsierenden Schlagens des verliebten Herzens.

Die bekannte Ballade von Johann Wolfgang von Goethe, der „Erlkönig“ in der dramatischen Bearbeitung von Hector Bérlioz bildeten den stimmungsvollen Abschluss.

Nach der Pause führten die Philharmoniker und ihr Dirigent das Publikum durch das musikalisch emotionale Wechselbad der Sinfonie Nr.7 von Antonin Dvořák.

Der kämpferische 1. Satz: Allegro maestoso beginnt musikalisch eher ruhig aber bedrohlich-düster. Das zweite Thema des Satzes ist klanglich optimistischer, jedoch immer im Kampf mit dem düsteren Motto-Thema. Das verlangt vom Orchester und Dirigent vollen (körperlichen) Einsatz.

Die kraftvolle und kämpferische Stimmung kennzeichnet auch den 2. Satz: Poco adagio.

Das sanfte, von den Holzbläsern dominierte Hauptthema wird immer wieder unterbrochen und sich als kraftvolle Eruption des gesamten Orchesters steigert.

Der 3. Satz: Scherzo Vivace ist von folkloristisch-böhmisch mit tänzerischen Klangelement geprägt und im kämpferischen Moll gehalten.

Der 4. Satz: Finale Allegro führt nach einer emotionalen Achterbahn zu einer fulminanten Coda, einer dramatischen ausklingenden musikalischen Bedeutungseinheit.

Steht am Anfang ein rhythmisches, starkes Streicher-Motiv, folgt danach immer drängender und optimistischer werdende Hauptthema. Doch die düstere Grundstimmung versucht sich immer wieder mit geballter Kraft bis zu leicht zuversichtlichem Ende durchzusetzen.

Ein bewegender Konzertabend.




Anders sein als Bereicherung

Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)

Am 30. September 2016 war Premiere für „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ ( ab 10 Jahre) nach dem Preisgekrönten Jugendroman von Andreas Steinhöfel in der Bühnenfassung von Felicitas Loewe im Kinder-und Jugendtheater Dortmund. Regisseurin Antje Siebers und das Schauspiel-Ensemble des KJT gelang es mit Sensibilität und Humor, die von Steinhöfel liebevoll und ohne erhobenen Zeigefinger gezeichneten verschiedenen Figuren auf die Bühne zu bringen.

Einzelne Zimmer verschiedener Etagen eines Wohnhauses in Berlin-Kreuzberg wurden auf der Bühne für das Publikum offen einsehbar. So konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer auch das parallele Geschehen beobachten. Der 11-jährige Rico Doretti (Thorsten Schmidt) lebt mit seiner allein erziehenden Mutter Tanja (Bianca Lammert), einer Geschäftsführerin in einem Nachtclub in einem Haus in Berlin-Kreuzberg. Rico ist anders als die meisten Kinder. Er hat ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom), kann sich schlechter konzentrieren, ist hibbelig und im Denken etwas langsamer. Dabei geht er offen auf die Menschen zu, und kommt zu besonderen Überlegungen, wenn er in seinem Lexikon nach Begriffserklärungen sucht.
Heute würde man sagen, er lebt in prekären Verhältnissen. Aber seine Mutter wird als sehr liebevoll dargestellt. Die ebenfalls im Haus wohnende Frau Dahling (Fleischverkäuferin) besucht Rico oft. Sie gucken zusammen Liebesfilme oder Krimis und essen Leberwurstbrote. Ab und zu zeigt sich aber doch, das Rico sich alleine fühlt.Bettina Zobel spielt Frau Dahling als Berliner Schnauze mit viel Herz fast wie aus einer vergangenen Zeit. Im Haus wohnt auch der Nachbar Fitzke. Er ist Rentner, oft am motzen und ein Fiesling. Wunderbar gespielt von Andreas Ksienzyk. Dann ist da noch der smarte Kommissar Simon Westbühl (Philip Pelzer). Er zieht neu als Nachbar der Dorettis ein. Welche Rolle spielt der der humorvoll-skurrile Marrak (Rainer Kleinespel), Inhaber einer Sicherheitsfirma?

Die Geschichte: Ein Kindesentführer, Mister 2000, macht die Gegend unsicher. Sein Name rührt daher, weil er von den Eltern nur 2.000 € für die Freilassung ihrer Kinder verlangt. Inzwischen lernt der „tiefbegabte“ Rico den „hochbegabten“ Oskar (Talisa Lara) kennen. Der ist übervorsichtig, und hat immer einen Helm zum Schutz vor eventuellen Unfällen auf. Wie sich die beiden unterschiedlichen Jungen nach anfänglichen Vorurteilen und Schwierigkeiten annähern, gegenseitig voneinander lernen und profitieren, wird in seiner Entwicklung behutsam dargestellt. Als auch Oskar entführt wird, ist Rico gefordert und schließlich wird auch das Geheimnis der „Tieferschatten“ gelüftet und am Ende auch die Geschichte des Todes von Ricos Vater.

Die eigens für das Stück komponierte Musik von Michael Kessler und passende Geräusche wurden atmosphärisch gut eingesetzt.

Die Aufführung des engagierten Ensembles mit viel Humor wurde vom Publikum mit viel Applaus bedacht.




Zwei Außenseiter werden Freunde

Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ nach dem gleichnamigen, preisgekrönten Jugendbuches von Andreas Steinhöfel (Bühnenfassung von Felicitas Loewe) steht im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater ein echter Blockbuster auf dem Programm.

Regisseurin Antje Siebers verriet vorab zur Dramatisierung des Stoffes: „Das ist eine Geschichte von zwei Außenseitern. So unterschiedlich sie sind, vereint sie, dass sie oft alleine sind. Es ist eine Freundschaftsgeschichte und parallel dazu ein Krimi.“

Rico ist 11 Jahre und nach eigenen Angabe „tiefbegabt“, etwas langsamer und hat Konzentrationsschwierigkeiten. Man könnte sagen, er hat ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS). Zusammen mit seiner liebevollen Mutter Tanja, Geschäftsführerin eines Nachtclubs, lebt er in einem Wohnhaus in Berlin-Kreuzberg. Im Haus leben auch einige skurrile Bewohner. Zu ihnen hat Rico jeweils unterschiedliche Kontakt.

Rico ist ein Junge mit viel Fantasie und emotionaler Intelligenz. Er schließt Freundschaft mit dem hochbegabten und über-vorsichtigen Oskar. Als Schutz vor potentiellen Gefahren trägt dieser sogar einen Schutzhelm. Plötzlich verschwindet Oskar und es besteht der Verdacht, dass er von Mister 2000 entführt wurde. Dieser treibt seit einiger Zeit sein Unwesen in Berlin und verlangt immer genau 2000 Euro Lösegeld. Nun hat Oskar die schwere Aufgabe, seinen Freund zu befreien und gleichzeitig das Geheimnis der Tieferschatten zu lösen…

„An Steinhöfel schätze ich vor allem seine liebevollen Beschreibung der einzelnen Typen ohne diskriminierend zu werden,“ so Siebers. Anders sein ist hier kein Makel, sondern Bereicherung.

Das Stück wird musikalisch von der speziell für die Aufführung von Michael Kessler komponierten Musik begleitet werden. Auf der Bühne wird ein einsehbares Wohnhaus stehen und Rico im Zentrum jeder Szene zu sehen sein.

Die Premiere des Stücks am Freitag, den 30. September 2016 um 19:00 Uhr ist schon ausverkauft. Für die zweite Aufführung am 2. Oktober 2016 um 16:00 Uhr im KJT gibt es aber auf alle Fälle noch Karten. Informationen zu weiteren Aufführungsterminen gibt es unter www.theaterdo.de