Ironisch, bissig, kultig: Geierabend 2025

Satire, Musik und Ruhrpott-Charme in Bestform: Der Geierabend ist wieder da – und begeistert 2025 unter dem Motto „Zart wie Kruppstahl“ mit einem scharf gewürzten Mix aus Humor, Gesellschaftskritik und musikalischem Können. In den historischen Hallen der Zeche Zollern feierte das alternative Karnevalsspektakel am 09. Januar seinen Auftakt und bewies erneut, warum es zu den kulturellen Highlights Dortmunds zählt.

Ein Programm mit Biss und Aktualität

Unter der Regie von Björn Jung und Joey Gerome Porner lieferte das Ensemble eine gut ausbalancierte Mischung aus satirischen Kabarettnummern, musikalischen Highlights und Ruhrgebiets-Slang, die das Publikum auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnahm. Politische und gesellschaftliche Themen wurden mit scharfer Zunge und treffsicherem Humor aufgegriffen: der Selbstoptimierungswahn, die Folgen des neuen Cannabisgesetzes, die Deutsche Bahn, Polizeikürzungen, aber auch der drohende erneute Einfluss von Donald Trump. Besonders beeindruckte eine melancholisch-komödiantische Nummer „Lady Liberty Lost 2.0“, die zwischen Lachen und Nachdenklichkeit balancierte.

Diese Session musste der Steiger (Martin Kaysh) ohne den Präsidenten auskommen. (Foto: (c) Anja Cord)
Diese Session musste der Steiger (Martin Kaysh) ohne den Präsidenten auskommen. (Foto: (c) Anja Cord)

Musikalisch stark begleitet von Stefan „Pele“ Götzer und seinen Kollegen Oleg Bordo, Bettina Hagemann und Andreas Ruhnke, bot das Programm ein breites Spektrum von Rock und Pop bis zu Musical. Die Arrangements waren dabei nicht nur unterhaltsam, sondern auch musikalisch hochwertig.

Neue Gesichter und bewährte Favoriten

Ein besonderer Blickpunkt in diesem Jahr war der Neuzugang Patrick Dollas. Mit seinem komödiantischen Talent und einer Elvis-Tanzeinlage zog er die Aufmerksamkeit auf sich. Ob als „Bundesadler, der auspackt“ oder in anderen Rollen – Dollas zeigte, dass er das Ensemble bereichert.
Neben ihm sorgten altbewährte Charaktere wie Martin Kaysh als charmant-ironischer „Steiger“, Sandra Schmitz als prollige Ruhrpott-Mama oder Silvia Holzhäuser als überkorrekte Frau vom Ordnungsamt für die gewohnt humorvolle Stimmung. Ein schmerzhafter Verlust war jedoch die Abwesenheit des langjährigen „Präsi“ Roman Henri Marczewski aus gesundheitlichen Gründen, dem das Publikum Genesungswünsche schickte.

Fantasievolle Inszenierung mit regionalem Flair

Wie jedes Jahr präsentierte der Geierabend eine neue Partnerstadt. 2025 fiel die Wahl auf Datteln, die als „Stadt der Wasserstraßen“ in einem augenzwinkernden Musical gewürdigt wurde. Neben der fantasievollen Kostümgestaltung und den beeindruckenden Choreografien trugen diese regionalen Anspielungen dazu bei, den typischen Ruhrgebiets-Charme des Programms zu bewahren.
Eine Besonderheit bleibt die Verleihung des „Pannekopp-Ordens“, für den das Publikum abstimmen darf. Nominiert sind 2025 Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des BVB, wegen seines Sponsoringvertrags mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall, und Prof. Ursula Gather, die mit ihrem umstrittenen Projekt „Kunst statt Kollegen“ Schlagzeilen machte. Bei der Premiere unterlag Watzke. Aber ob er am Ende doch die Nase vorn hat? Die weiteren Abstimmungen werden es zeigen.

Fazit: Der Geierabend bleibt Kult

Der Geierabend 2025 überzeugt mit einem scharfzüngigen, abwechslungsreichen Programm, das politischen Biss und musikalisches Können vereint. Die perfekte Balance aus Humor und Gesellschaftskritik macht die Show zu einem Muss für alle Freunde des alternativen Karnevals.
Weitere Aufführungstermine bis zum 04. März 2025 finden in der Zeche Zollern statt. Infos unter www.geierabend.de. Tickets sind bei allen Eventim-VVK-Stellen erhältlich.

Ein Musical über Datteln: (v.l.n.r.) Patrick Dollas, Silvia Holzhäuser, Angelo Enghausen Micaela und Sandra Schmitz. Foto: Anja Cord
Ein Musical über Datteln: (v.l.n.r.) Patrick Dollas, Silvia Holzhäuser, Angelo Enghausen Micaela und Sandra Schmitz. Foto: Anja Cord

 

Die Tücken der Selbstbedienungskasse. mit dem Ensemble des geierabends. (Foto: Anja Cords)
Die Tücken der Selbstbedienungskasse. mit dem Ensemble des geierabends. (Foto: Anja Cord)

 

Auch die Polizei in NRW muss sparen. (v.l.n.r.) Patrick Dollas und Silvia Holzhäuser. (Foto: Anja Cord)
Auch die Polizei in NRW muss sparen. (v.l.n.r.) Patrick Dollas und Silvia Holzhäuser. (Foto: Anja Cord)

 

Jessica Schmottke (Sandra Schmitz) durfte natürlich auch nicht fehlen. (Foto: Anja Cord)
Jessica Schmottke (Sandra Schmitz) durfte natürlich auch nicht fehlen. (Foto: Anja Cord)

 

Ebenfalls ein fester Bestandteil: Oppa (Angela Enghausen Micaela) und Nicki (Sandra Schmitz). Foto: Anja Cord
Ebenfalls ein fester Bestandteil: Oppa (Angela Enghausen Micaela) und Nicki (Sandra Schmitz). Foto: Anja Cord

 

Hat eine Stelle in Dortmund gefunden. Miss Liberty (Sandra Schmitz) flieht wieder vor Trump. (Foto: Anja Cord)
Hat eine Stelle in Dortmund gefunden. Miss Liberty (Sandra Schmitz) flieht wieder vor Trump. (Foto: Anja Cord)

 




Wiener Klassik aus habsburgischen Landen

Das zweite Konzert der Reihe Wiener Klassik der Dortmunder Philharmoniker stand am 16. Dezember 2024 unter dem Motto „Aus habsburgischen Landen“. Im Dortmunder Konzerthaus trat mit Nicolas Altstaedt einer der führenden Cellisten unserer Zeit auf. Der Sohn deutsch-französischer Eltern übernahm – wie im 18. Jahrhundert üblich – die Doppelrolle als Solist und Dirigent.

Altstaedt hatte ein Programm mit Werken von drei Komponisten zusammengestellt, die alle im damaligen Herrschaftsbereich der Habsburger geboren wurden.

Der Abend begann seelenvoll und virtuos mit dem Violoncellokonzert Nr. 1 in C-Dur, Hob. VIIb:1 von Joseph Haydn (1732–1809). Haydn, der Habsburger par excellence, war lange Zeit in den Diensten des Fürsten Esterházy in Eisenstadt tätig. Das anspruchsvolle Konzert für Solocello und Orchester begeistert mit rasanter Virtuosität und sensibler Ausdruckstiefe. Besonders hervorzuheben ist der zweite Satz, der durch seine seelenvolle Langsamkeit besticht.

Ein Abend voller Virtuosität und Ausdruckstiefe

Es folgten die „Vier transsilvanischen Tänze“ des in Transsylvanien (Siebenbürgen) geborenen Sándor Veress (1907–1992). Dieses Werk, entstanden während der schwierigen Kriegs- und Nachkriegszeit unter wechselnder Herrschaft, ist von der Volksmusik der Region geprägt. Der ausdrucksstarke erste Tanz beginnt ruhig, langsam und ergreifend. Der folgende Sprungtanz verbindet Volksmusik mit einer kunstvollen Form, unterlegt von einem gleichbleibenden Bass. Der dritte Tanz wirkt leicht und schwebend, während das Werk mit einem schweren Stampftanz endet. Trauer und Wehmut sowie der Wechsel zwischen langsamen und raschen Tempi prägen die gesamte Komposition.

Nicolas Altstaedt dirigierte und überzeugte als Solist. (Foto: (c) Marco Borggreve)
Nicolas Altstaedt dirigierte und überzeugte als Solist. (Foto: (c) Marco Borggreve)

Den Abschluss bildete die Sinfonie Nr. 7 in d-Moll, op. 70, von Antonín Dvořák (1844–1904). Dieses Werk des ungarischen Komponisten überraschte mit expressiver musikalischer Kraft, emotionalem Aufruhr und einer dramatischen Stimmung. Der erste Satz beginnt mit einem pessimistisch-brütenden, kreisenden Hauptthema. Der zweite Satz, gesanglich und wunderbar gestaltet, verdüstert sich im Verlauf. Der dritte Satz ist traditionell tänzerisch gehalten, wobei dieser Charakter auf eigenwillige Weise gebrochen wird. Der vierte Satz nähert sich in seiner Ausdruckshaltung dem Kopfsatz an und endet mit einer glanzvollen Coda.

Die Dortmunder Philharmoniker sowie der temperamentvolle Dirigent und Solist Nicolas Altstaedt konnten das Publikum mit ihrer Virtuosität und Ausdrucksstärke vollends begeistern.




A Musical Christmas – Eine Musicalgala voller Emotionen

Am 11. Dezember 2024 erlebte das Publikum im Opernhaus Dortmund einen besonderen vorweihnachtlichen Galaabend mit dem Titel „A Musical Christmas“, der unter der musikalischen Leitung von Stephan Kanyar stattfand. Die Bühne, festlich dekoriert mit zahlreichen Weihnachtsbäumen, bot die perfekte Kulisse für eine Mischung aus besinnlicher Atmosphäre und mitreißender Musicalpower.

Für den passenden musikalischen Rahmen sorgten die talentierten Bandmitglieder Julien Castanité (Gitarre), Bastian Ruppert (Gitarre/Keys), Stephan Schott (Drums) und Malte Winter (Bass). Im Zentrum des Abends standen jedoch die vier Musicalstars David Jacobs, Patricia Meeden (beide bekannt aus der Erfolgsproduktion RENT), Dominik Hees und Milica Jovanović, die mit ihren kraftvollen Stimmen und beeindruckenden Entertainer-Qualitäten das Publikum begeisterten.

Das abwechslungsreiche Programm bot eine gelungene Mischung aus traditionellen deutschen Weihnachtsliedern, humorvollen Santa-Claus-Songs und emotionsgeladenen Musicalhits, die Themen wie Liebe und Hoffnung aufgriffen.

Ein magischer Abend beim Musical Christmas

Besonders eindrucksvoll war der Moment, als Dominik Hees die Hymne „You’ll Never Walk Alone“ (Carousel) anstimmte und das Publikum ihn mit leuchtenden Handys begleitete – ein wahrer Gänsehautmoment. Die vier Künstler glänzten nicht nur bei ihren Soloauftritten, sondern harmonierten auch in Duetten und gemeinsamen Darbietungen perfekt miteinander. Die besondere Verbindung zwischen Dominik Hees und Milica Jovanović, die auch privat ein Paar sind, verlieh ihren gemeinsamen Auftritten zusätzliche Intensität und Authentizität.

A Musical Christmas“ bot eine gelungene Mischung aus vorweihnachtlicher Besinnlichkeit und mitreißender Bühnenkunst.
A Musical Christmas“ bot eine gelungene Mischung aus vorweihnachtlicher Besinnlichkeit und mitreißender Bühnenkunst.

„A Musical Christmas“ bot eine gelungene Mischung aus vorweihnachtlicher Besinnlichkeit und mitreißender Bühnenkunst. Das Publikum wurde auf eine emotionale Reise mitgenommen, die von berührenden Balladen bis zu energiegeladenen Musical-Hits reichte.

Den krönenden Abschluss bildete das gemeinsame Singen von „Stille Nacht“, das die Besucher in den festlich beleuchteten Dortmunder Stadttrubel entließ – ein Abend, der allen Musicalfans noch lange in Erinnerung bleiben wird.




Barocke musikalische Perlen des jungen Händel – Vox Luminis begeistert in Dortmund

Das renommierte Vokalensemble Vox Luminis aus Belgien stellte im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals Dortmund am 13. Dezember 2024 erneut seine außergewöhnliche Klasse unter Beweis. Im Reinoldihaus widmete sich das Ensemble drei Psalmvertonungen des jungen Georg Friedrich Händel (1685–1759), die zwischen 1705 und 1707 während seiner Italienreise entstanden. Diese barocken Meisterwerke, geprägt vom römischen Stil, zeugen von Händels beeindruckender vokaler und kontrapunktischer Kunstfertigkeit und enthalten zugleich Soloarien von besonderer Ausdruckskraft.

Den Auftakt bildete „Nisi Dominus“ (HWV 238), eine Komposition für Alt, Tenor, Bass, Chor und Streichorchester. In diesem Werk umrahmen zwei Chorsätze vier kurze Solosätze. Die klangliche Vielfalt von Vox Luminis, bestehend aus sieben Frauen- und acht Männerstimmen, bot eine ideale Grundlage für ein ausdrucksstarkes und facettenreiches Musikerlebnis. Chorleiter Lionel Meunier war dabei nicht nur als künstlerischer Leiter präsent, sondern auch als Bass-Solist zu hören.

Die instrumentale Begleitung, die wesentlich zur klanglichen Tiefe beitrug, umfasste zwei Violinen, zwei Violen, Violoncello, Kontrabass, zwei Oboen, zwei Fagotte, ein Cembalo und eine Orgel. Besonders hervorgehoben wurde die Orgel durch ein Zwischenspiel des Organisten Anthony Romaniuk, der ein Konzert für Orgel und Klavier mit fünf Sätzen meisterhaft darbot.

Vox Luminis überzeugte erneut mit Musik des jungen Händel. (Foto: (c) Fiona Bischof)
Vox Luminis überzeugte erneut mit Musik des jungen Händel. (Foto: (c) Fiona Bischof)

„Laudate Pueri“ und „Dixit Dominus“ – Höhepunkte im Programm von Vox Luminis

Nach „Nisi Dominus“ folgte Händels „Laudate Pueri“, dessen ursprüngliche Fassung er bereits in seiner Hamburger Zeit komponiert hatte. Die spätere Überarbeitung für eine größere Besetzung und einen fünfstimmigen Chor besticht durch überraschend „weltliche Züge“. Besonders beeindruckend war der Solo-Sopran von Perrine Devillers, die die anspruchsvollen Koloraturen des ersten Satzes mit beeindruckender Präzision und Leichtigkeit meisterte.

Nach einer Pause stand mit „Dixit Dominus“ das wohl bekannteste und monumentalste Werk des Abends auf dem Programm. Diese Psalmvertonung stellt eine große Herausforderung dar, sowohl für Sänger als auch Instrumentalisten, da sie ein Höchstmaß an Präzision, Vielseitigkeit, Ausdruckskraft und Energie erfordert. Doch Vox Luminis zeigte sich dieser Aufgabe mehr als gewachsen. Das Ensemble, unterstützt von seinen virtuosen Instrumentalisten, verschmolz zu einer beeindruckenden Einheit, die das Publikum mit ihrer Leidenschaft und Hingabe für die „Alte Musik“ begeisterte.

Ein Abend voller barocker Klangpracht, bei dem Vox Luminis nicht nur die Werke des jungen Händel zum Leuchten brachte, sondern auch eindrucksvoll zeigte, warum es zu den führenden Ensembles für historische Aufführungspraxis zählt.

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Die Pottrosen: Frecher Ruhrpott-Charme auf der Bühne

Die „Geschwister im Geiste“, Franziska Mense-Moritz (Kabarettistin, Sängerin, Schauspielerin) und Susan Kent (Parodistin, Sängerin, Schauspielerin, Entertainerin), gastierten am 08.12.2024 als die „Pottrosen“ mit ihrem Programm „Leise schnieselt das Reh“ im Dortmunder „Raum 17“ (Mönchengang 9).

Dass die beiden Künstlerinnen schon lange und mit viel Freude zusammenarbeiten, ist für das Publikum spürbar. Bei diesem Weihnachtsspezial sorgten sie bereits mit ihrem glanzvollen Auftakt – roten Glitzeroutfits und Fächern – für die passende optische Strahlkraft.

Franziska Mense-Moritz  und Susan Kent sind "Die Pottrosen". (Foto: (C) theatervolk)
Franziska Mense-Moritz und Susan Kent sind „Die Pottrosen“. (Foto: (C) theatervolk)

Ihr Programm ist eine spritzige Mischung aus Parodie, witzigen Gesangsnummern mit umgetexteten Songs, kleinen Spielszenen und viel frecher Ruhrpott-Schnauze. Besonders Susan Kent überzeugte mit ihrer Wandelbarkeit: So schlüpfte sie etwa mit charmantem Sächsisch in die Rolle einer Frau aus Leipzig, die sich extravagante Geschenke von „Santa-Clausi“ wünscht. Ihre Heidi-Klum-Parodie zeigte einmal mehr ihr parodistisches Talent. Franziska Mense-Moritz glänzte dagegen in ihrer Paraderolle als Frau im Morgenmantel mit Zigarette („Wo ich bin, is Raucherecke“) – ein Charakter, der stets für Lacher sorgt.

 

Zwischen Blödeleien und kritischen Tönen

Doch die „Pottrosen“ beschränkten sich nicht nur auf humorvolle Blödeleien. Ernste Themen wie Klimawandel, Rechtsextremismus, Hasskommentare im Netz und ihre Folgen oder das bigotte Verhalten der katholischen Kirche (Stichwort: Missbrauchsskandale) wurden kabarettistisch-ironisch aufgegriffen. Diese gelungene Balance zwischen Unterhaltung und Tiefgang macht das Duo besonders.

Dabei wird alles mit einer gehörigen Portion deftigem Ruhrpott-Charme serviert, wie man ihn heutzutage nur noch selten hört. Gerade dieser unverwechselbare Stil sorgt für den besonderen Reiz ihrer Auftritte. Mit ihren beeindruckenden Stimmen, ihrem gemeinsamen Sinn für Humor und einer geballten Portion Frauenpower ergänzen sich die beiden Künstlerinnen perfekt.

Fazit: Es bleibt zu hoffen, dass uns dieses kongeniale Comedy-Duo, die „Pottrosen“, noch lange erhalten bleibt – denn sie sind ein echtes Highlight der Ruhrpott-Comedy!




Adventliche Chormusik im Reinoldisaal Dortmund

Am 30. November 2024 verzauberte der Philharmonische Chor Dortmund gemeinsam mit Simon Daubhäußer am Flügel und einer Gruppe von Streichern der Dortmunder Philharmoniker das Publikum im festlichen Reinoldisaal. Unter dem Motto „Geh auf, o Sonn“ wurde ein hoffnungsvoll-besinnliches Ambiente geschaffen, das perfekt zur Adventszeit passte.

Ein abwechslungsreiches Programm unter erfahrener Leitung

Unter der souveränen Leitung von Granville Walker präsentierte der Philharmonische Chor Dortmund ein vielseitiges Programm, das Werke in deutscher, lateinischer und englischer Sprache umfasste. Zu den aufgeführten Komponisten gehörten Johann Sebastian Bach, Hans Leo Hassler, Johannes Eccard, C. V. Stanford, G. P. da Palestrina sowie Felix Mendelssohn-Bartholdy. Besonders beeindruckend war die Aufführung von Granville Walkers eigener Komposition „Geh auf, o Sonn mit deiner Pracht“.

Die harmonische Verbindung von kräftigen Chorstimmen mit der feinfühligen Begleitung durch Klavier und Streicher schuf ein klangliches Highlight. Einen besonderen Moment bot das „Allegro“ aus Mozarts Divertimento Es-Dur (KV 563), bei dem die Streicher Yang Li, Juan Ureña Hevia und Emanuel Matz ihr virtuoses Können eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Besinnliches Programm in der Vorweihnachtsszeit durch den Philharmonischen Chor Dortmund
Besinnliches Programm in der Vorweihnachtszeit durch den Philharmonischen Chor Dortmund

Granville Walker überzeugte nicht nur durch seine musikalische Leitung, sondern auch durch seinen britischen Humor, der zwischen den Stücken für heitere Momente sorgte. Den feierlichen Abschluss bildete die Zugabe der Bach-Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 140), die das Publikum in eine vorweihnachtliche Stimmung entließ.

Ein stimmungsvoller Ausklang

Nach dem Konzert gab es für alle Anwesenden einen geselligen Ausklang bei alkoholfreiem Sekt, Plätzchen und Salzgebäck. Dieses musikalische Erlebnis bot nicht nur einen klangvollen Nachmittag, sondern auch einen wohltuenden Kontrast zur hektischen Vorweihnachtsstimmung in der Dortmunder Innenstadt.

Der Philharmonische Chor Dortmund hat mit diesem Konzert erneut bewiesen, wie hervorragend er Tradition und musikalische Exzellenz vereint. Das Publikum konnte sich von der außergewöhnlichen Qualität des Chores überzeugen und erlebte einen unvergesslichen Einstieg in die Adventszeit.




Dornröschen und seine spannenden Traum-Erlebnisse

Mit „Dornröschen – Hundert Jahre im Land der Träume“ bringt Andreas Gruhn, der langjährige Intendant des Dortmunder Kinder- und Jugendtheaters (KJT), ein modernes Familienstück in der Vorweihnachtszeit auf die Bühne des Schauspielhauses. Am 22. November 2024 feierte diese frische Inszenierung des Märchenklassikers der Gebrüder Grimm ihre Uraufführung.

Eine opulente Ausstattung (Oliver Kostecka), fantasievoll gestaltete Kostüme, beeindruckende Hintergrundprojektionen und die atmosphärisch stimmige Musik von Michael Kessler machen das Stück zu einem Fest für Augen und Ohren. Im Gegensatz zur traditionellen Geschichte führt das Publikum hier eine Reise in die Welt der Träume.

Ein modernes Dornröschen für unsere Zeit

Andreas Ksienzyk begleitet als charmanter Erzähler durch die Handlung, während das Ensemble mit Spielfreude und Flexibilität in zahlreichen Rollen überzeugt. Sar Adina Scheer (u. a. als Königin), Jan Westphal (u. a. als König), Bianka Lammert, Johanna Weißert (als Fee Gunella), Rainer Kleinespel, Annika Hauffe (als Rosalinde/Dornröschen) und Thomas Ehrlichmann (u. a. als Prinz) zeigen Einfühlungsvermögen und Engagement. Besonders Annika Hauffe glänzt in der Hauptrolle und verleiht Dornröschen eine völlig neue Dimension.

Sar Adina Scheer, Johanna Weißert, Bianka Lammert und Jan Westphal in "Dornröschen" (Foto: (c) Birgit Hupfeld)
Sar Adina Scheer, Johanna Weißert, Bianka Lammert und Jan Westphal in „Dornröschen“ (Foto: (c) Birgit Hupfeld)

Diese Inszenierung interpretiert die bekannte Märchenfigur neu: Dornröschen, hier Rosalinde genannt, ist keine passive Prinzessin im schönen Kleid, die auf ihren Retter wartet. Stattdessen wird sie als kluges, selbstbewusstes und neugieriges Mädchen dargestellt, das sich für Naturwissenschaften und Astronomie begeistert. Rosalinde trägt kurze blonde Haare und Kleidung, die eher Jungen zugeordnet wird, wodurch stereotype Geschlechterrollen humorvoll aufgebrochen und in die Gegenwart übertragen werden.

Zudem thematisiert das Stück sensibel den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und unseren Lebensgrundlagen. Diese zeitgemäße Interpretation macht Dornröschen zu einer mutigen Identifikationsfigur für junge Mädchen, die zeigt, wie wichtig es ist, seine Träume zu verfolgen – auch gegen Widerstände.

Ein Theatererlebnis für die ganze Familie, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Weitere Informationen und Termine finden Sie auf www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231/50 27 222.




Die Vielfalt der romantisch-musikalischen Welten mit Timothy Ridout

Im Rahmen der Konzertreihe „Junge Wilde“ war am 19. November 2024 der britische Musiker Timothy Ridout, einer der herausragenden Bratschisten seiner Generation, im Dortmunder Konzerthaus zu Gast. Gemeinsam mit seinem temperamentvollen Klavierpartner Jonathan Ware, gebürtig aus Texas und heute in Berlin lebend, präsentierte er ein vielseitiges Programm, das die Zuhörer auf eine faszinierende Reise durch die unterschiedlichen Facetten der romantischen Musik mitnahm.

Der Abend begann mit den drei Romanzen op. 94 (1849) von Robert Schumann, die speziell für Viola und Klavier arrangiert wurden. Besonders die zweite Romanze entfaltete eine bemerkenswerte Innigkeit, sodass sich das Publikum in eine zauberhafte romantische Welt versetzt fühlte. Anschließend folgte ein echtes Juwel der Romantik: die Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 1 in e-Moll op. 38 (1865) von Johannes Brahms, die in einer Bearbeitung für Viola und Klavier dargeboten wurde. Timothy Ridout und Jonathan Ware schufen in den drei Sätzen – geprägt von ausdrucksstarken Übergängen – eine eindrucksvolle und bewegende Klangwelt. Besonders hervorzuheben ist das Menuett im zweiten Satz sowie die strahlende E-Dur-Schlussklanglandschaft, die durch ihre elegante Transformation des Hauptthemas beeindruckte.

Uraufführung und Abschluss mit César Franck

Nach der Pause wartete das Publikum gespannt auf die Uraufführung von Shadow Walkers, einem Werk der koreanisch-amerikanischen Komponistin Nahra Sol (*1991). Dieses fünfteilig angelegte Stück faszinierte durch den Kontrast zwischen meditativen und dynamischen Passagen, in denen avantgardistische Elemente die traditionellen Formen ergänzten. Diese geschickte Verbindung schuf eine Balance zwischen Licht und Schatten, die nicht vollständig greifbar, aber umso eindringlicher war. Es gelang dem Werk, eine besondere Tiefgründigkeit zu erzeugen, die die Zuhörer in ihren Bann zog.

Timothy Ridout faszinierte mit dem Spiel auf seiner Viola. (Foto: (c) Jiyang Chen)
Timothy Ridout faszinierte mit dem Spiel auf seiner Viola. (Foto: (c) Jiyang Chen)

Den krönenden Abschluss des Abends bildete César Francks berühmte Sonate für Violine und Klavier in A-Dur (1886), die in einer Bearbeitung für Viola und Klavier aufgeführt wurde. Dieses Meisterwerk begeisterte durch die motivische Verknüpfung aller vier Sätze. Nach einem ruhigen Beginn entwickelte sich die Sonate über leidenschaftliche Hymnen und träumerische Passagen bis hin zu einem lebhaften Rondo-Finale. Ridouts meisterhafte Interpretation und die einfühlsame Begleitung durch Ware verliehen der Aufführung eine mitreißende Intensität.

Dank der beeindruckenden Performance von Timothy Ridout und Jonathan Ware wurde das Publikum auf eine musikalische Reise mitgenommen, die nicht nur die Vielfalt romantischer Musik aufzeigte, sondern auch die außergewöhnliche künstlerische Qualität der beiden Musiker unterstrich. Der Abend bewies eindrucksvoll, warum diese „Jungen Wilden“ zu den spannendsten Künstlern ihrer Generation zählen.




Schuberts „Winterreise“ in einer besonderen Bearbeitung mit Daniel Behle

Startenor Daniel Behle begeistert erneut beim KLANGVOKAL Musikfestival

Am 17. November 2024 war Startenor Daniel Behle beim KLANGVOKAL Musikfestival im Dortmunder Reinoldihaus zu Gast. Der vielseitige Künstler, bekannt für seine Innovationsfreude, präsentierte eine außergewöhnliche Interpretation von Franz Schuberts Winterreise (op. 89, D 911), einem der bekanntesten Liederzyklen der Romantik mit Texten von Wilhelm Müller. Diesmal brachte er eine Bearbeitung für Tenor und Klaviertrio mit auf die Bühne, die er selbst arrangiert hat.

An seiner Seite musizierten Oliver Schnyder (Klavier), Andreas Janke (Violine) und Benjamin Nyffenegger (Violoncello). Diese Besetzung verlieh den 24 Liedern der Winterreise eine zusätzliche Klangdimension und hob besonders den Reichtum der Klavierstimme hervor. Die erweiterte Fassung, die Schubert aus den ursprünglich 12 „Wanderliedern“ zu einem umfassenden Liederzyklus ausbaute, wurde so in neuem Glanz präsentiert.

Ein musikalischer Zyklus voller Tiefe und Romantik

Die düstere, oft melancholische Grundstimmung der Winterreise ist eng mit ihrem zentralen Thema verknüpft: der Liebe, oder genauer gesagt, der unglücklichen Liebe eines Wanderers. Der Zyklus pendelt zwischen der Sehnsucht nach Erfüllung und der bitteren Enttäuschung über unerwiderte Gefühle. Die Lieder, geprägt von Wehmut, Schmerz, Einsamkeit und Visionen von Tod und Erlösung, ziehen das Publikum in ihren Bann. Besonders bekannt ist das Lied Der Lindenbaum, das als Symbol für Trost und Erinnerung gilt.

Tenor Daniel Behle mit dem Oliver Schnyder Trio. (Foto: (c) C. Spitzner)
Tenor Daniel Behle mit dem Oliver Schnyder Trio. (Foto: (c) C. Spitzner)

Das Wandermotiv spiegelt den romantischen Zeitgeist wider, in dem das Gehen durch die Natur als Heilmittel für seelische Wunden und als Aufbruch zu Neuem betrachtet wurde. Schuberts Kompositionen, überwiegend in Moll-Tonarten gehalten, unterstützen dieses Gefühl durch langsame, regelmäßige Rhythmen, die den Eindruck einer gleichmäßigen Wanderbewegung verstärken.

Daniel Behle und sein Ensemble beeindrucken mit emotionaler Tiefe

Daniel Behles facettenreiche Stimme brachte die Tiefen und Nuancen von Schuberts Musik eindrucksvoll zum Ausdruck. Darüber hinaus setzte er Gestik und Mimik gezielt ein, um die emotionale Wirkung zu verstärken. Das Zusammenspiel mit seinen musikalischen Partnern – Schnyder, Janke und Nyffenegger – war harmonisch und präzise. Gemeinsam schufen sie ein Klangerlebnis, das das Publikum von der ersten Note bis zum tragisch-romantischen Schlusslied Der Leiermann in den Bann zog.

Diese Interpretation von Daniel Behle hat bewiesen, dass Schuberts Winterreise auch in dieser besonderen Besetzung nichts von ihrer emotionalen Intensität verliert und immer wieder neu fasziniert. Ein Höhepunkt des Musikfestivals, der nachhaltig in Erinnerung bleibt.




DADADO: Lit – Dortmunder Reklamationen im Fletch Bizzel

Der Dadaismus war eine künstlerische und literarische Bewegung, die 1916 als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg in Zürich von Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck und Hans Arp gegründet wurde. Ihr Ziel war es, durch provozierenden Nonkonformismus, die Ablehnung bürgerlicher Ideale und den Einsatz von Satire und Unlogik eine neue, oft humorvolle und ironische Kunstform zu schaffen.

Am 14. November 2024 feierte die Dada-Community im Fletch Bizzel Dortmund das 3. DADADO: Lit – Dortmunder Reklamationen. Schon zu Beginn sorgte das „Ready Tape“-Video für gute Stimmung. Zu sehen waren tanzende Paare aus einer Tanzschule der 1960er Jahre, begleitet von humorvoller und fetziger Musik.

Dadaistische Darbietungen und Performances

Die Veranstaltung war eine Mischung aus Videos, Texten und Performances. Guido Schlösser begleitete die Darbietungen mit Akkordeonmusik, die immer wieder die kurzen Pausen unterbrach. Die humorvolle Moderation des Abends übernahm die Dortmunder Künstlerin Anette Göke.

Die dritte Ausgabe von DADADO: Lit fand am 14. November im Fletch Bizzel statt.
Die dritte Ausgabe von DADADO: Lit fand am 14. November im Fletch Bizzel statt.

Im typischen Dada-Stil überraschten die Beiträge mit ironischen Wortspielen und absurden Darbietungen. So flossen Musik, Performance und sogar Alltagsgegenstände wie „Der 4. Mann“ in die Darbietungen ein. Ein besonderer Höhepunkt war die Performance von Stefanie Augustin, die sich in einem schwarz-gelben BVB-Trikot als melancholischer „Regenpfeifer“ präsentierte.

Der Schriftsteller und Kulturpädagoge Thomas Kade würdigte mit Auszügen aus der Hinterlassenschaft des 2022 verstorbenen Jürgen „Kalle“ Wiersch dessen künstlerisches Erbe. Artur Nickel zeigte mit seinem Text „Hampel-Ampel“, dass Dada auch politisch und aktuell sein kann.

Beteiligung von Dortmunder Künstler*innen und Akteuren

Die Veranstaltung war geprägt von der Leidenschaft und Kreativität der Mitwirkenden. Neben den bereits genannten Künstler*innen waren auch das HampelsternTerzett (mit Kati im Video), Dieter Gawol, Christiane Köhne (mit einem Dada-Quiz), Hans Ulrich Heuser, Anne-Kathrin Koppetsch und Mitch Heinrich mit spannenden Beiträgen und Performances dabei.

Die DADADO-Veranstaltungen sind ein lebendiges Beispiel für die anhaltende Relevanz des Dadaismus in Dortmund. Die Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und politischem Diskurs, machen jedes Event einzigartig und überraschend.