Bewegende Abschiedsgala des alten Schauspielhauses Dortmund

Einen besonderen Moment in der nun schon über fünfzig Jahre andauernden Geschichte des Schauspiels Dortmund konnte das anwesende Publikum am 26.03.2026 (oder alternativ am Sonntag, dem 29.03.2026, um 18:00 Uhr) miterleben.



Mit der feierlich-bewegenden Gala „Glitzer, Glamour und Goodbye“ verabschiedete sich das Schauspiel von seiner großen Bühne am Hiltropwall. Es war ein emotionaler Abend mit Unterhaltung, humorvollen Rückblicken, viel Musik und Gesang sowie hoffnungsvollen Ausblicken in die Zukunft.

Zum Programmheft der Abschiedsgala gab es auch Sammelbilder zum Einkleben.
Zum Programmheft der Abschiedsgala gab es auch Sammelbilder zum Einkleben.

Durch das Programm, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geschickt miteinander verband, führten mit Charme und humorvoller Ironie die Diversitätsmanagerin Ella Steinmann sowie das Ensemblemitglied Viet Anh Alexander Tran. Es wurden nicht nur unvergessliche Szenen aus Publikumserfolgen wie „Das Kapital: Das Musical“, „Was ihr wollt“ oder „On Air“ auf der Bühne zum Besten gegeben, sondern es wurden auch zahlreiche Ensemblemitglieder – vom jüngsten Neuzugang (Luis Quintana) bis zum Dienstältesten (Ekkehard Freye) – zu ihren persönlichen Erfahrungen und prägenden Erlebnissen in diesem Haus befragt.

Eingespielt wurden zudem Videobotschaften von nicht anwesenden Ensemblemitgliedern sowie den wichtigen Kräften im Hintergrund (Gewerke, Technik, Beleuchtung u. a.). Die Lieblingssongs des Ensembles (z. B. „Let Me Entertain You“ und „I Will Survive“) wurden mit kraftvollen Stimmen dargeboten und luden zum Mitklatschen und Mitsingen ein. Eine Live-Band – bestehend aus Klara Brandi, Björn Netten und Martin Engelbach – begleitete die Auftritte musikalisch.

Zudem gab es kleine, interessante Einblicke in die kommenden Premieren von „Nachrichten an meinen Sohn“ und „Die Dreigroschenoper“ (samt einer Kartenauslosung). In einem humorvollen Video führte „Frau Kunstmann“ (Antje Prust) auf einem E-Scooter die Anwesenden zum neuen Standort für das Jahr 2027, der aktuell noch eine Baustelle ist.

Der Betrieb im Studio und im Institut wird mit Produktionen wie „Angst essen Seele auf“ oder „Winterreise“ weitergeführt. Dort wird das Publikum auch künftig zu neuen Formaten, Workshops und Lesungen eingeladen. Ab April 2026 wird der Spielbetrieb vorübergehend auf dem Gelände der Kokerei Hansa fortgeführt (unter anderem mit Brechts „Dreigroschenoper“ ab dem 4. Juni oder Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“).

Die mobile Bühne im Stadtraum, die „Ape(lina)“, macht auch weiterhin jede Woche an einem anderen Ort mitten in der Stadt Halt. Für 2027 ist schließlich der Umzug an den neuen Standort (im ehemaligen C&A-Gebäude) geplant.

Mit viel Power soll es nun in die Zukunft des Schauspiels gehen.




Festliche Operngala mit großer musikalischer Bandbreite

Im Opernhaus Dortmund erlebten die Freunde des Genres am 29.03.2026 die Premiere einer festlichen Operngala.



Musikalisch begleitet wurde der Abend ausdrucksstark von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Motonori Kobayashi. Moderiert wurde die Gala unter dem Titel „Mein lieber Schwan“ humorvoll von dem Entertainer Götz Alsmann. Dieser betrat passend dazu aus einem „Schwan“ heraus die Bühne.

Götz Alsmann und der titelgebende Schwan. Foto: (c) Björn Hickmann
Götz Alsmann und der titelgebende Schwan. Foto: (c) Björn Hickmann

Das Publikum wurde in zwei Programmteilen auf eine besondere musikalische Reise mit großer Bandbreite mitgenommen. Zunächst wurden vor der Pause drei berühmte Faust-Vertonungen aus dem französisch-italienischen Raum kombiniert: Hector Berlioz’ „La damnation de Faust“ (1846), Arrigo Boitos „Mefistofele“ (1868) sowie Charles Gounods „Margarethe“ (1859).

Als Interpret*innen der Arien glänzten mit ihren starken Stimmen Artyom Wasnetsov (Bass), Sungho Kim (lyrischer Tenor), Anna Sohn (Sopran) sowie Daegyun Jeong (Bariton, als Vertretung für den erkrankten Mandla Mndebele). Der Opernchor Theater Dortmund (Einstudierung: Fabio Mancini) erwies sich dabei sofort als wichtige Unterstützung. Zudem konnte er mit „Va, pensiero“ (aus „Nabucco“ von Verdi) beeindrucken.

Der zweite Teil der Gala war gleich mehreren Jubiläen gewidmet. Im Jahr 2026 feiern die Bayreuther Festspiele nämlich ihren 150. Geburtstag mit Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Auch Amilcare Ponchiellis Oper „La Gioconda“ und Edvard Griegs Schauspielmusik zu „Peer Gynt“ erlebten 1876 ihre Uraufführung. Giacomo Puccinis 1926 uraufgeführte Oper „Turandot“ feiert immerhin auch schon ihren 100. Geburtstag.

Die Orchesterstücke „Walkürenritt“ von Wagner und „Morgenstimmung“ aus „Peer Gynt“ wurden eindrucksvoll von den Dortmunder Philharmonikern interpretiert. Musik aus Daniel-François-Esprit Aubers „La muette de Portici“ (1828) wurde von Sungho Kim und Daegyun Jeong einfühlsam dargeboten.

Mit seinem eindringlichen Tenor begeisterte Aaron Cawley nicht nur bei Wagners „In fernem Land“ und „Cielo e mar“ aus „La Gioconda“ (Ponchielli), sondern zum Ende auch bei der bewegenden Arie „Nessun dorma“ aus „Turandot“ (Puccini).

Weitere Vorstellungstermine erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.

Übrigens: Die Vorstellung am 16. Mai 2026 findet im Rahmen des Wagner-Kosmos VII statt und ist eine Gala-Aufführung zum 60. Geburtstag des Dortmunder Opernhauses (Moderation: Intendant Heribert Germeshausen).




Bildgewaltig und klangsinnlich: Ein Konzerterlebnis der Dortmunder Philharmoniker

Die Dortmunder Philharmoniker luden am 17. und 18.03.2026 unter der lebendigen Leitung von GMD Jordan de Souza zum 6. Philharmonischen Konzert in das Konzerthaus Dortmund ein. Klangsinnlichkeit und Bildhaftigkeit prägten das Programm mit Werken von Claude Debussy (1862–1918), Thierry Escaich (*1965) sowie Modest Mussorgski (1839–1881) in der Orchestrierung von Maurice Ravel (1875–1937).



Den stimmungsvollen Auftakt bildete Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“. Künstlerische Individualität, souveräne Gestaltung und harmonische Freiheit prägen dieses Werk, dem ein Gedicht von Stéphane Mallarmé aus dem Jahr 1876 zugrunde liegt. Es thematisiert Begehren und Sinnlichkeit, projiziert auf einen mythologischen Faun – ein Mischwesen aus Mensch und Tier. Besonders die Flöten, Streicher und Harfen ließen die traumhafte Atmosphäre dieses Schlüsselwerks des Impressionismus lebendig werden.

Komponist und Organist Thierry Escaich. (Foto: (c) Marie Rolland)
Komponist und Organist Thierry Escaich. (Foto: (c) Marie Rolland)

Als besonderer Gast trat anschließend der französische Komponist und Organist Thierry Escaich (Titularorganist an Notre-Dame de Paris) auf. Als Solist interpretierte er sein Orgelkonzert Nr. 3: „Quatre Visages du temps“. Escaich, ein Meister der Klangfarben, entwarf in diesem groß angelegten, viersätzigen Werk einen Gang durch die Musikgeschichte. Die Komposition führt in freier Gestaltung von der barocken Passacaglia bis hin zu Disco-Beats und Jazzelementen. Souverän leitete er das Publikum durch den vielschichtigen Ablauf – von träumerischen Passagen bis hin zu aufbrausenden Dissonanzen. Die Energie schien gegen Ende fast zu versiegen, bevor das Werk mit einer heftigen, auffahrenden Geste schloss. Als Überraschung gab es eine virtuose Orgel-Improvisation über die BVB-Hymne „Leuchte auf, mein Stern Borussia“.

Nach der Pause stand Mussorgskis berühmter Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ in der glanzvollen Orchesterfassung von Maurice Ravel auf dem Programm. Das Werk entstand 1874 unter dem Eindruck einer Gedächtnisausstellung für den verstorbenen Maler Viktor Hartmann, einen engen Freund Mussorgskis. Der als Rundgang konzipierte Zyklus umfasst elf musikalische Charakterstudien – mal quirlig-verspielt, mal abgründig tief –, die durch wiederkehrende Zwischenmusiken (Promenaden) miteinander verbunden sind. Das Konzert endete furios mit dem majestätischen „Großen Tor von Kiew“.

Begleitend zum Konzert ließen sich Teilnehmende eines Volkshochschulkurses im Alter von 15 bis 65 Jahren von der Musik zu eigenen Bildern inspirieren. Die Ergebnisse dieser kreativen Auseinandersetzung sind derzeit im Foyer des Konzerthauses zu bewundern. Ravels Instrumentation versinnbildlicht dabei nicht nur seine Bewunderung für Mussorgski, sondern steht stellvertretend für den großen Einfluss der russischen Musik auf die französische Moderne nach 1900.




Eindringlicher Desert-Rock beim Klangvokal Musikfestival

Im Jahr 1975 zwang der Westsahara-Konflikt zehntausende Sahrauis zur Flucht. Diese Auseinandersetzung – ein Resultat der Dekolonisierung und der verweigerten Selbstbestimmung dieses Volkes – ist bis heute ungelöst. Die Westsahara gilt nach wie vor als Territorium ohne Selbstverwaltung.



Aziza Brahim (*1976 in Tindūf, Westalgerien) wuchs in einem der dortigen Flüchtlingslager auf. Früh wurde die Musik für sie zum entscheidenden Mittel, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten; durch die universelle Sprache des Gesangs schöpfte sie Kraft. Nach ihren Jugendjahren in Kuba zog sie im Jahr 2000 nach Spanien, von wo aus sie ihre internationale Karriere startete.

Gemeinsam mit ihren Musikerkollegen Ignasi Cussó (E-Gitarre), Guillem Aguilar (Bass) und Andreu Morena (Schlagzeug) trat sie am 13.03.2026 im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals im Dortmunder Reinoldihaus auf. Ihr besonderer „Desert-Rock“ verbindet Elemente aus Rock, Funk, Electro und Afro-Blues mit traditionellen saharauischen Klängen. Inhaltlich erzählen ihre Lieder von Heimat, Widerstand und Hoffnung. Dabei nutzt Brahim nicht nur ihre klare, ausdrucksstarke Stimme, sondern setzt auch die traditionelle Tablatrommel (ein Membranophon) als künstlerisches Ausdrucksmittel ein.

Aziza Brahim und Band im Reinoldihaus in Dortmund. (Foto: (c) Karen Elias)
Aziza Brahim und Band im Reinoldihaus in Dortmund. (Foto: (c) Karen Elias)

Live vermittelte das Ensemble ein Stück der Seele ihrer Heimat, kombiniert mit Jazz-Energie und mitreißenden Rhythmen – mal melancholisch, mal temperamentvoll und voller Zuversicht. Sowohl die Instrumentalisten als auch die Sängerin erhielten ausreichend Raum, ihr virtuoses Können zu entfalten. Ein gelungenes Beispiel für die völkerverbindende Kraft der Musik über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg.




Künstlerischer Blick auf die ostdeutsche Industriegeschichte

Vom 14. März bis zum 26. Juli 2026 präsentiert der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) im Dortmunder U (3. Etage) seine neue Ausstellung „Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz“. Die Schau entstand in Kooperation mit der GfZK – Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, wo sie bereits bis zum 22. Februar 2026 unter dem Titel „Robotron. Code und Utopie“ zu sehen war.

Das Industriekombinat „Robotron“ aus der ehemaligen DDR dürfte vielen Menschen ein Begriff sein. Der als „dritte industrielle Revolution“ bezeichnete, weltverändernde Siegeszug der Computer und Mikroelektronik, der in den 1960er-Jahren auch in Ostdeutschland stattfand, ist im Westen hingegen noch immer relativ unbekannt.

Zwanzig Künstler*innen setzen sich in der Ausstellung auf vielfältige Weise mit diesem Thema auseinander – sei es durch Fotografien, Videos, Skulpturen, Zeichnungen, figurative Ölgemälde oder Diagramme.

Ein Blick in die Ausstellung "Robotron" des HMKV (Foto: (c) Heinrich Holtgreve)
Ein Blick in die Ausstellung „Robotron“ des HMKV (Foto: (c) Heinrich Holtgreve)

Der Ausstellungstitel „Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz“ verweist auf das fast 14 Meter breite, monumentale Wandgemälde von Werner Tübke. Das 1973 im Auftrag der SED entstandene Werk ist bis heute fest in der Universität Leipzig installiert. Es sollte das Zusammenwirken von „Arbeiterklasse und Intelligenz“ veranschaulichen. Im Zentrum stehen der Großrechner Robotron R 300 sowie führende Manager des Kombinats, umgeben von Angestellten, Ingenieuren und Bauarbeitern – ein Sinnbild der technologischen, sozialistischen Moderne. Eine fünf Meter breite Ölskizze dieses Wandgemäldes ist im Zentrum der Ausstellung zu sehen.

Darüber hinaus thematisiert die Ausstellung die Rolle der Kybernetik, den massiven, umweltbedrohenden Wasserverbrauch der wachsenden Chip-Produktion, die Folgen des CoCom-Embargos der 1950er- und 1960er-Jahre sowie Wirtschaftsspionage und die Tücken der Planwirtschaft.

In einer modern-witzigen „Robotron – A Tech Opera“ nimmt eine der Künstlerinnen das Publikum mit auf eine Reise direkt in das Industriekombinat. Tina Bara dokumentiert eindringlich und musikalisch untermalt die 1988 heimlich in den Buna-Werken aufgenommenen Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörungen. Franca Hunger untersucht die statistische Sprache der DDR-Bürokratie und entlarvt sie als quasi hypnotisierenden Verwaltungsapparat.

Antye Guenther wiederum greift mit ihrer Arbeit „Operation Zwiebelmuster“ den Toshiba-Skandal der 1980er-Jahre auf: Japanische Manager schmuggelten damals geheime Informationen über Computer-Chips in die DDR und wurden unter anderem mit edlem Meissener Porzellan bezahlt. In Guenthers Werk verschmelzen die Baupläne eines 1-Megabit-Chips mit dem traditionellen blau-weißen Zwiebelmuster, wodurch das Porzellan zum Träger einer verborgenen Mikroelektronik-Geschichte wird.

Es gibt also viel zu entdecken! Tiefergehende Erklärungen zur Geschichte von Robotron und zum Verständnis unserer technologisch geprägten Gegenwart liefern die Wandessays von Jan Wenzel, dem Verleger und Mitbegründer des Leipziger Verlags „Spector Books“.

Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen zu den Öffnungszeiten sowie zum umfangreichen Rahmenprogramm (darunter Buchvorstellungen & Talks zum Katalog „Robotron“, Künstler*innen-Aktionen, Lesungen, Yoga, Führungen und vieles mehr) finden Sie unter: www.hmkv.de

Übrigens: Am 24. Juli 2026 ist auf der Bühne vor dem Dortmunder U (20:00–22:00 Uhr) eine große Jubiläumsparty anlässlich des 30-jährigen Bestehens des HMKV geplant!




Wir Tiere! Theater, das alle Sinne weckt!

Das Stück „Wir Tiere“ (ab 4 Jahren) feierte als Kooperation mit der Jungen Bühne Bochum (JuBB) am 27.02.2026 im KJT Dortmund (Theater für junges Publikum) seine Premiere. Ars tremonia hatte die Gelegenheit, bei einem weiteren Aufführungstermin am 01.03.2026 dabei zu sein.

Zum Kooperationskollektiv gehörten aus dem KJT-Ensemble Andreas Ksienzyk, Bianca Lammert und Jan Westphal sowie Manuel Loos (Musiker, Klangschrauber, Spieler) und die Musikerin und Performerin Maria Trautmann. Für eine eindrucksvolle Choreografie (z. B. als Baum) sorgte Lea Kallmeier (JuBB).

Im Eingangsbereich des Theaters wurden die Kinder sowie die Erwachsenen zunächst von den sechs als „Natur“ auftretenden Schauspieler*innen in Empfang genommen. Die eine Hälfte des Publikums bekam jeweils einen Stein in die Hand, die andere ein Stück Rinde. Die Stein-Gruppe ging zuerst, geführt von „Naturfrau“ Bianca Lammert, in den KJT-Theaterraum, um den Tieren und Pflanzen auf der Erde auf die Spur zu kommen.

Ein semitransparentes weißes Zelt diente als ideale Projektionsfläche. Im Zusammenwirken mit der eingespielten Geräuschkulisse entstand das Gefühl, als würden die Anwesenden mit den Tieren (Fuchs, Falke, Bienen u. a.) durch den Wald streifen. Mithilfe von Erzählungen, der Erzeugung von Geräuschen (Klangschalen, Fingerschnipsen und mehr) und visuell eindringlichen Naturprojektionen wurden die verschiedenen Sinneswahrnehmungen von Tieren sowie die komplexen Naturzusammenhänge fühl- und erlebbar. Besonders das junge Publikum wurde immer wieder mit gezielten Fragen in das Geschehen einbezogen.

v.l.n.r.: Manuel Loos (Junge Bühne Bochum), Maria Trautmann (Junge Bühne Bochum), Jan Westphal, Bianka Lammert© Birgit Hupfeld
v.l.n.r.: Manuel Loos (Junge Bühne Bochum), Maria Trautmann (Junge Bühne Bochum), Jan Westphal, Bianka Lammert
© Birgit Hupfeld

Danach ging es – wie schon für die Rinde-Gruppe zuvor –, geführt von Andreas Ksienzyk, die Treppe hinunter „unter die Erde“ (Bereich Café). Ein schwarz gehaltener Bereich war (wie schon oben im Theater) mit Sitzgelegenheiten am Rand – für die nicht mehr ganz so jungen Personen – sowie mit Sitzkissen in der Mitte für die Kinder gestaltet. Liebevoll und fantasievoll waren im Raum viele künstliche Baumwurzeln (die an helle Ankerleinen erinnerten) und „Regenwürmer“ platziert. Ksienzyk berichtete von der wichtigen Funktion von Wurzeln, Regenwürmern oder Maulwürfen und deren besonderen Fähigkeiten. Ein aus einem Wurzelgestrüpp entstiegener Baum (Lea Kallmeier) unterstützte ihn dabei aus seiner eigenen Perspektive.

Oben im Theater trafen sich beide Gruppen zu einem akustisch-visuellen Showdown. Während imposante Projektionen von Naturgewalten oder Vogelschwärmen am Zelthimmel zu sehen waren, spielten die Protagonist*innen des Stücks an einem langen Tisch passend dazu Klänge auf fünf Glockenspielen – elektronisch verstärkt durch Manuel Loos.

Eine schöne Möglichkeit für Stadtkinder, sich für einen Augenblick in die Tiere hineinzuversetzen und etwas über Naturkreisläufe und Zusammenhänge zu erfahren.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.

 




Zwei musikalische Gipfelwerke der Romantik

Das 5. Philharmonische Konzert am 24./25.02.2026 im Dortmunder Konzerthaus unter dem Titel „Brahms/Elgar“ entführte die Anwesenden musikalisch in die Zeit der Romantik an der Wende zum 20. Jahrhundert. Zwei Werke – variationsreich, tiefsinnig, reichhaltig in der formalen Gestaltung und von hoher emotionaler Ausdruckskraft – standen auf dem Programm.
Die erste Hälfte gehörte dem Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms (1833–1897). Hierfür hatten die großartig aufgelegten Dortmunder Philharmoniker die renommierte italienisch-amerikanische Geigerin Francesca Dego als Solistin gewinnen können. Die musikalische Leitung der beiden Abende übernahm der amerikanische Dirigent Kenneth Woods. Dieser hat, ebenso wie der britische Komponist Edward Elgar (1857–1934), eine enge Verbindung zur englischen Stadt Worcester. Ein besonderer Bezugspunkt.

Die Violonistin Francesca Dego begeisterte das Publikum im Konzerthaus (Foto: (c)  Davide Cerati )
Die Violonistin Francesca Dego begeisterte das Publikum im Konzerthaus (Foto: (c) Davide Cerati )

Das Violinkonzert von Brahms entfaltet oft eine helle, idyllische Grundstimmung, die von Francesca Dego empathisch vermittelt wurde. Im ersten Satz mit der Kadenz von Ferruccio Busoni (als Reminiszenz an die Kadenz von Beethoven) wird die Violine von der Pauke begleitet. Der zweite Satz ist musikalisch mit einer gelungenen Balance zwischen Orchester und Soloinstrument intensiv-romantisch ausgestaltet. Brahms’ Violinkonzert entstand am Wörthersee. Diese schöne Natur fand durch die Horninstrumente eine besondere Ausdrucksform. Der temperamentvolle, an ungarische Tänze erinnernde dritte Satz verlangte der Solovioline höchste Virtuosität und großes Können ab. Dego gelang es wunderbar, tiefe Empfindsamkeit, Melancholie und Dramatik über ihr Instrument zu transportieren.
Nach der Pause wurde das Publikum mit Edward Elgars „Enigma-Variationen über ein Originalthema op. 36“ in die Zeit des Britischen Empires an der Wende zum 20. Jahrhundert geführt. Enigma bedeutet „Rätsel“. Der Komponist hat in den Variationen Porträts der verschiedenen Charaktere von Bekannten und Verwandten musikalisch verschlüsselt. Auch ein Selbstporträt soll darunter sein. Es bleibt ein geheimnisvolles Werk. Die Musik der einzelnen Variationen ist dementsprechend sehr vielfältig: manchmal romantisch-melancholisch, dann wieder sprunghaft oder aufbrausend. Dies war eine große Herausforderung für das gesamte Orchester, die hochprofessionell und mit viel Herzblut gemeistert wurde.




Ein intensiver Ballettabend für Frida Kahlo

Im Opernhaus Dortmund konnten Ballettfreunde am 13.02.2026 die Erstaufführung von „Frida“ erleben. Die Choreografie stammt von Annabelle Lopez Ochoa (Artist in Residence) und wurde vom Ballett Dortmund unter Beteiligung des NRW Juniorballetts eindrucksvoll umgesetzt.

Im Mittelpunkt dieser Produktion stehen Liebe, Leiden und Leidenschaft im Leben der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo (1907–1954). Das Stück beleuchtet, wie sie nach schweren gesundheitlichen Schicksalsschlägen – Kinderlähmung und ein verheerender Busunfall – zur Malerei fand. Ihr Leben war geprägt von körperlichen Schmerzen, mehreren Fehlgeburten sowie der Untreue ihres Ehemannes, des Malers Diego Rivera (1886–1957). Dieser war in Mexiko vor allem durch seine politisch motivierten Wandmalereien (Murales) berühmt geworden.

Das Malen bot Frida die Möglichkeit, ihren Schmerz in Kunst zu verwandeln. Auch ihre Fluchten in Affären mit Männern und Frauen änderten bis zu ihrem Tod nichts an ihrer tiefen Verbundenheit zu Diego.

Filip Kvačak als Diego und Sae Tamura als Frida (Foto: (c) Leszek Januszewski)
Filip Kvačak als Diego und Sae Tamura als Frida (Foto: (c) Leszek Januszewski)

Die Agierenden, allen voran Sae Tamura als Frida und Filip Kvačak als Diego, machten die tiefen Emotionen mit Präzision und Ausdruckskraft tänzerisch spürbar. Die besondere Sicht der Mexikaner auf den Tod, der dort als Teil des täglichen Lebens verstanden wird, wurde durch die ständige, beinahe selbstverständliche Präsenz von Skeletten verdeutlicht. Fridas Volksverbundenheit spiegelte sich in den farbenprächtigen Tehuana-Gewändern und dem charakteristischen Blumenschmuck wider – eine Tracht, in der sich die Künstlerin zeitlebens gern präsentierte.

Ihre schwierige Lage wird symbolisch durch einen schwarzen Kasten dargestellt, in dem sie oft wie „gefangen“ wirkt. Durch ihr Alter Ego, den Geist des Rehs (Liberty Fergus), wird sie zur heilenden Kraft der Malerei geleitet. Überhaupt spielen Tiere wie Vögel, Hirsche oder Affen eine zentrale Rolle in ihrer Lebenswelt. Fridas berühmte Selbstporträts wurden durch farbenfrohe Visionen des Ensembles, schillernde Kostüme und eine von oben herabschwebende Pflanzenpracht visualisiert.

Neben der wunderbaren Kostümauswahl überzeugte die passende Musik zur dramatischen Geschichte. Ein von Olivia Lee-Gundermann sensibel geleitetes Ensemble der Dortmunder Philharmoniker sorgte für die emotionale Begleitung. Dabei kamen auch Instrumente aus dem lateinamerikanischen Kulturraum zum Einsatz. Die Komposition stammt von Peter Salem (* 1958). Zusätzlich wurden melancholische Toneinspielungen von Chavela Vargas – einer engen Freundin Kahlos – verwendet.

Das Ballett bietet berührende, nonverbale Einblicke in das Leben einer besonderen Künstlerpersönlichkeit, ohne explizit auf ihr politisches Wirken einzugehen. Es zeigt eine starke Frau zwischen Verzweiflung, schöpferischer Kraft und unbedingtem Selbstbehauptungswillen. Über allem steht ihr Motto: „Viva la vida“!

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231 / 50 27 222.

 




Eine Reise durch Jahrhunderte amerikanischer Musikgeschichte

Das Klangvokal Musikfestival Dortmund lud am 30. Januar 2026 zu einem besonderen Abend in das Reinoldihaus: Das renommierte Vokalensemble Chanticleer präsentierte sein Programm „OUR AMERICAN JOURNEY“. Der Anlass könnte kaum passender sein, begehen die Vereinigten Staaten in diesem Jahr doch ihren 250. Unabhängigkeitstag.

Das 1978 in San Francisco gegründete und mit einem Grammy ausgezeichnete Ensemble steht unter der Leitung von Tim Keeler. Es setzt sich aus sechs Countertenören, drei Tenören sowie drei Bässen bzw. Baritonen zusammen.

Die Sänger führten das Publikum auf eine abwechslungsreiche Reise durch mehrere Jahrhunderte und diverse Musikstile. Der Abend begann mit Werken aus spanischen und mexikanischen Chorbüchern des 17. Jahrhunderts, gefolgt von Klängen, die ihren Ursprung in den englischen Kolonien Nordamerikas haben. Auffällig war dabei die Stimmführung, die sich nur selten den strengen Regeln des formalen Kontrapunkts unterwarf.

Einen besonders tiefen Eindruck hinterließ vor der Pause das Stück „Un-Covered Wagon“, das Brent Michael Davids 2002 eigens für Chanticleer komponierte. Es nimmt Bezug auf den Stummfilm „The Covered Wagon“ (1923), der einen Siedlertreck von 1848 aus einer glorifizierenden Pionier-Perspektive zeigt. Davids bricht mit dieser einseitigen Sichtweise und dem Mythos der „unbewohnten Landschaft“. Stattdessen lenkt er den Blick – und das Gehör – auf die Ureinwohner, indem er indigene Musikelemente kunstvoll in das Werk integriert.

Das Programmhelft von Chanticleer."
Das Programmhelft von Chanticleer.“

Breiten Raum nahmen zudem der Shape-Note-Gesang sowie Spirituals und Gospels der afroamerikanischen Gemeinschaft ein. In den protestantisch-methodistischen Kirchen entwickelten sich diese Stile einst zu einem lebendigen Ausdruck der Freiheit für ehemals versklavte Menschen.

Mit „Hee-oo-oom-he“ von Toby Twining bot das Ensemble spannenden experimentellen Gesang: Markante Klänge, wechselnde Metren, Polyrhythmen sowie Techniken wie Vocal Fry, Jodeln und Hecheln forderten die Sänger heraus. Den Abschluss bildete ein Ausflug in die moderne Welt des Jazz und Pop.

Chanticleer glänzte nicht nur durch starke Solisten, sondern auch durch perfekte Intonation und klangliche Reinheit im Zusammenspiel der Stimmlagen – ein vielschichtiges und anspruchsvolles Programm, das meisterhaft umgesetzt wurde.




Kammerkonzert mit Ausnahmewerken der Klassik

Die Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund war am 29.01.2026 der ausgewählte Ort für das 2. Kammerkonzert „Ausnahmewerke“.

Zwei Ausnahmewerke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) und Johannes Brahms ((1833 – 1897), zeigten einer Streichergruppe der Dortmunder Philharmoniker ihre virtuose Beherrschung des Instruments unter Beweis zu stellen. Das Publikum hatte Gelegenheit, den großen musikalischen Klangzauber nah zu erleben.

Am Anfang stand Mozarts umfangreichstes anspruchsvolles Instrumentalwerk „Divertimento Es-Dur KV 563 mit sechs vielschichtige, lebendig abwechslungsreich und fantasievoll gestaltete Sätze auf dem Programm.

Yang Li (Violine) sowie ihre beiden Kollegen Juan Ureña Hevia (Viola) und Emanuel Matz (Violoncello) boten in fluktuierenden, nicht statisch fest zugewiesenen Rollen ein kongeniales dreistimmiges Zusammenspiel.

Nach der Pause folgte Johannes Brahms „Streichquintett Nr. 2 G-Dur-op 111“.

Die Musiker des Kammerkonzerts (Foto: (c) Stina Wirth)
Die Musiker des Kammerkonzerts (Foto: (c) Stina Wirth)

Das Streichertrio wurde hierbei von Joowon Park (Violine) und Hindenburg Leka (Viola) engagiert unterstützt. Das viersätzige Werk beginnt mit einem kraftvollen Cellothema vor quasiorchestralem Hintergrund. Im weiteren Verlauf kam Brahms‘ Liebe zum Walzer zur Geltung. Der zweite Satz (Adagio) ist nicht nur ungewöhnlich harmonisiert, sondern zeichnet sich durch freie und unkonventionelle Variationen aus. Typisch für Brahms erscheint dann das Scherzo, das schattenhaft dahinhuschend und volkartigem Mittelteil daherkommt. Der Letzte Satz ist voll Übermut und weist auf die Faszination für ungarische Tänze hin. Er beendet das an Vielseitigkeit reiche Werk.

Eine besondere Zugabe gab es noch mit der sensiblen instrumentalen Interpretation des Schlafliedes „Guten Abend, gut Nacht“ (Brahms).