Ein intensiver Ballettabend für Frida Kahlo

Im Opernhaus Dortmund konnten Ballettfreunde am 13.02.2026 die Erstaufführung von „Frida“ erleben. Die Choreografie stammt von Annabelle Lopez Ochoa (Artist in Residence) und wurde vom Ballett Dortmund unter Beteiligung des NRW Juniorballetts eindrucksvoll umgesetzt.

Im Mittelpunkt dieser Produktion stehen Liebe, Leiden und Leidenschaft im Leben der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo (1907–1954). Das Stück beleuchtet, wie sie nach schweren gesundheitlichen Schicksalsschlägen – Kinderlähmung und ein verheerender Busunfall – zur Malerei fand. Ihr Leben war geprägt von körperlichen Schmerzen, mehreren Fehlgeburten sowie der Untreue ihres Ehemannes, des Malers Diego Rivera (1886–1957). Dieser war in Mexiko vor allem durch seine politisch motivierten Wandmalereien (Murales) berühmt geworden.

Das Malen bot Frida die Möglichkeit, ihren Schmerz in Kunst zu verwandeln. Auch ihre Fluchten in Affären mit Männern und Frauen änderten bis zu ihrem Tod nichts an ihrer tiefen Verbundenheit zu Diego.

Filip Kvačak als Diego und Sae Tamura als Frida (Foto: (c) Leszek Januszewski)
Filip Kvačak als Diego und Sae Tamura als Frida (Foto: (c) Leszek Januszewski)

Die Agierenden, allen voran Sae Tamura als Frida und Filip Kvačak als Diego, machten die tiefen Emotionen mit Präzision und Ausdruckskraft tänzerisch spürbar. Die besondere Sicht der Mexikaner auf den Tod, der dort als Teil des täglichen Lebens verstanden wird, wurde durch die ständige, beinahe selbstverständliche Präsenz von Skeletten verdeutlicht. Fridas Volksverbundenheit spiegelte sich in den farbenprächtigen Tehuana-Gewändern und dem charakteristischen Blumenschmuck wider – eine Tracht, in der sich die Künstlerin zeitlebens gern präsentierte.

Ihre schwierige Lage wird symbolisch durch einen schwarzen Kasten dargestellt, in dem sie oft wie „gefangen“ wirkt. Durch ihr Alter Ego, den Geist des Rehs (Liberty Fergus), wird sie zur heilenden Kraft der Malerei geleitet. Überhaupt spielen Tiere wie Vögel, Hirsche oder Affen eine zentrale Rolle in ihrer Lebenswelt. Fridas berühmte Selbstporträts wurden durch farbenfrohe Visionen des Ensembles, schillernde Kostüme und eine von oben herabschwebende Pflanzenpracht visualisiert.

Neben der wunderbaren Kostümauswahl überzeugte die passende Musik zur dramatischen Geschichte. Ein von Olivia Lee-Gundermann sensibel geleitetes Ensemble der Dortmunder Philharmoniker sorgte für die emotionale Begleitung. Dabei kamen auch Instrumente aus dem lateinamerikanischen Kulturraum zum Einsatz. Die Komposition stammt von Peter Salem (* 1958). Zusätzlich wurden melancholische Toneinspielungen von Chavela Vargas – einer engen Freundin Kahlos – verwendet.

Das Ballett bietet berührende, nonverbale Einblicke in das Leben einer besonderen Künstlerpersönlichkeit, ohne explizit auf ihr politisches Wirken einzugehen. Es zeigt eine starke Frau zwischen Verzweiflung, schöpferischer Kraft und unbedingtem Selbstbehauptungswillen. Über allem steht ihr Motto: „Viva la vida“!

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231 / 50 27 222.

 




Eine Reise durch Jahrhunderte amerikanischer Musikgeschichte

Das Klangvokal Musikfestival Dortmund lud am 30. Januar 2026 zu einem besonderen Abend in das Reinoldihaus: Das renommierte Vokalensemble Chanticleer präsentierte sein Programm „OUR AMERICAN JOURNEY“. Der Anlass könnte kaum passender sein, begehen die Vereinigten Staaten in diesem Jahr doch ihren 250. Unabhängigkeitstag.

Das 1978 in San Francisco gegründete und mit einem Grammy ausgezeichnete Ensemble steht unter der Leitung von Tim Keeler. Es setzt sich aus sechs Countertenören, drei Tenören sowie drei Bässen bzw. Baritonen zusammen.

Die Sänger führten das Publikum auf eine abwechslungsreiche Reise durch mehrere Jahrhunderte und diverse Musikstile. Der Abend begann mit Werken aus spanischen und mexikanischen Chorbüchern des 17. Jahrhunderts, gefolgt von Klängen, die ihren Ursprung in den englischen Kolonien Nordamerikas haben. Auffällig war dabei die Stimmführung, die sich nur selten den strengen Regeln des formalen Kontrapunkts unterwarf.

Einen besonders tiefen Eindruck hinterließ vor der Pause das Stück „Un-Covered Wagon“, das Brent Michael Davids 2002 eigens für Chanticleer komponierte. Es nimmt Bezug auf den Stummfilm „The Covered Wagon“ (1923), der einen Siedlertreck von 1848 aus einer glorifizierenden Pionier-Perspektive zeigt. Davids bricht mit dieser einseitigen Sichtweise und dem Mythos der „unbewohnten Landschaft“. Stattdessen lenkt er den Blick – und das Gehör – auf die Ureinwohner, indem er indigene Musikelemente kunstvoll in das Werk integriert.

Das Programmhelft von Chanticleer."
Das Programmhelft von Chanticleer.“

Breiten Raum nahmen zudem der Shape-Note-Gesang sowie Spirituals und Gospels der afroamerikanischen Gemeinschaft ein. In den protestantisch-methodistischen Kirchen entwickelten sich diese Stile einst zu einem lebendigen Ausdruck der Freiheit für ehemals versklavte Menschen.

Mit „Hee-oo-oom-he“ von Toby Twining bot das Ensemble spannenden experimentellen Gesang: Markante Klänge, wechselnde Metren, Polyrhythmen sowie Techniken wie Vocal Fry, Jodeln und Hecheln forderten die Sänger heraus. Den Abschluss bildete ein Ausflug in die moderne Welt des Jazz und Pop.

Chanticleer glänzte nicht nur durch starke Solisten, sondern auch durch perfekte Intonation und klangliche Reinheit im Zusammenspiel der Stimmlagen – ein vielschichtiges und anspruchsvolles Programm, das meisterhaft umgesetzt wurde.




Kammerkonzert mit Ausnahmewerken der Klassik

Die Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund war am 29.01.2026 der ausgewählte Ort für das 2. Kammerkonzert „Ausnahmewerke“.

Zwei Ausnahmewerke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) und Johannes Brahms ((1833 – 1897), zeigten einer Streichergruppe der Dortmunder Philharmoniker ihre virtuose Beherrschung des Instruments unter Beweis zu stellen. Das Publikum hatte Gelegenheit, den großen musikalischen Klangzauber nah zu erleben.

Am Anfang stand Mozarts umfangreichstes anspruchsvolles Instrumentalwerk „Divertimento Es-Dur KV 563 mit sechs vielschichtige, lebendig abwechslungsreich und fantasievoll gestaltete Sätze auf dem Programm.

Yang Li (Violine) sowie ihre beiden Kollegen Juan Ureña Hevia (Viola) und Emanuel Matz (Violoncello) boten in fluktuierenden, nicht statisch fest zugewiesenen Rollen ein kongeniales dreistimmiges Zusammenspiel.

Nach der Pause folgte Johannes Brahms „Streichquintett Nr. 2 G-Dur-op 111“.

Die Musiker des Kammerkonzerts (Foto: (c) Stina Wirth)
Die Musiker des Kammerkonzerts (Foto: (c) Stina Wirth)

Das Streichertrio wurde hierbei von Joowon Park (Violine) und Hindenburg Leka (Viola) engagiert unterstützt. Das viersätzige Werk beginnt mit einem kraftvollen Cellothema vor quasiorchestralem Hintergrund. Im weiteren Verlauf kam Brahms‘ Liebe zum Walzer zur Geltung. Der zweite Satz (Adagio) ist nicht nur ungewöhnlich harmonisiert, sondern zeichnet sich durch freie und unkonventionelle Variationen aus. Typisch für Brahms erscheint dann das Scherzo, das schattenhaft dahinhuschend und volkartigem Mittelteil daherkommt. Der Letzte Satz ist voll Übermut und weist auf die Faszination für ungarische Tänze hin. Er beendet das an Vielseitigkeit reiche Werk.

Eine besondere Zugabe gab es noch mit der sensiblen instrumentalen Interpretation des Schlafliedes „Guten Abend, gut Nacht“ (Brahms).




Pop-Fassade und toxische Weiblichkeit

Im Studio des Schauspiels Dortmund feierte am 23.01.2026 die musikalische, queere Sitcom „I wanna be a Gurrrlband“ unter der Regie von Shari Asha Crosson ihre Uraufführung.

Die Girlband „Poly Pockets“ steht im Mittelpunkt des Geschehens. Die vier Frauen – Jeanne (Sarah Quarsie), Alice (Push Abdellaoui), Demmi (Rose Lohmann) und Salome (Hannah Müller) – vertreten unter dem Slogan „All we need is Girl Power“ ein queeres Selbstverständnis. Mit dabei ist auch Demmis Hund Kylo, der das Geschehen als Beobachter mit bissig-frechen Kommentaren begleitet.

Der Bruch der Fassade

Als ihr innen komplett rosaroter Tourbus in der Wüste liegen bleibt, zerbricht in der Hitze die glitzernde Pop-Fassade. Eine toxische Mischung aus subtilen Machtspielen, Begehren, Erschöpfung und der Suche nach Authentizität bricht hervor. Konkurrenzdruck, Perfektionismus (befeuert durch die sozialen Medien) sowie Eifersucht treten offen zutage. Es zeigt sich: Auch Frauen können patriarchale Strukturen weitertragen.

v.l.n.r.: Sarah Quarshie, Rose Lohmann, Hannah Müller und Puah AbdellaouiFoto: ©Birgit Hupfeld
v.l.n.r.: Sarah Quarshie, Rose Lohmann, Hannah Müller und Puah Abdellaoui
Foto: ©Birgit Hupfeld

Die vier Band-Mitglieder tragen Namen, die auf weibliche Rollenbilder der Geschichte verweisen:

  • Jeanne: Die Frontfrau ist nach der Kriegerin Jeanne d’Arc benannt und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Unabhängigkeit, Macht und Nähe.
  • Salome: Sie verweist auf die biblisch-mythologische Verführerin (Verbindung von Begehren, Macht und Tod) und schützt sich durch eine Fassade aus Ironie und Zynismus.
  • Alice: Sie wandelt wie „Alice im Wunderland“ zwischen Traum und Realität.
  • Demmi: Sie verkörpert die müde, desillusionierte, aber fürsorgliche Demeter-Figur.

Ausbruch aus Narrativen

Die Managerin Sharly Mannson (Shari Asha Crosson) lenkt das gewünschte Verhalten der Band per Video; es geht allein um Profitinteressen. Solange die Frauen im Sinne des Systems „funktionieren“ und Erfolg haben, sind sie „sichtbar“. Die Figuren versuchen jedoch, sich aus festgefahrenen Narrativen zu befreien und ihre Geschichte selbst in die Hand zu nehmen. Das Ende – so viel sei verraten – verweigert allerdings ein klassisches Happy End.

Die Inszenierung räumt der Musik von Girlbands wie den „Spice Girls“ und anderen viel Platz ein. Dies ist nicht nur gesanglich eine Herausforderung für das Quartett auf der Bühne: In passenden Outfits bewältigen sie scheinbar mühelos eine anspruchsvolle, frech-frivole Choreografie.

Die queer-feministische Sitcom richtet sich, auch sprachlich, vor allem an ein jüngeres Publikum.

Infos zu den weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel. 0231 / 50 27 222.

 




Lucie Horsch und die Vielfalt der Blockflötenkunst

Erneut gastierte die niederländische Star-Blockflötistin Lucie Horsch (* 1999 in Amsterdam) am 22.01.2026 im Rahmen der Reihe „Junge Wilde“ im Dortmunder Konzerthaus. An ihrer Seite brillierte diesmal als kongeniale Begleitung das 2005 in Gent gegründete B’Rock Orchestra, ein Ensemble aus 13 Musikerinnen und Musikern. Das Orchester verbindet seine Leidenschaft für Barockmusik mit modernen, zeitgenössischen Interpretationen.

Das Programm bot eine vielseitige musikalische Reise durch mehrere Jahrhunderte, die häufig die facettenreichen Gefühlswelten der dunklen Nacht thematisierte. Dabei gingen die einzelnen Beiträge fast fließend ineinander über.

Von barocker Pracht zu moderner Abstraktion

Im Spiegel des Barocks erklangen anspruchsvoll-virtuose Arrangements von Antonio Vivaldi (1678–1741), Arcangelo Corelli (1653–1713) und Pietro Antonio Locatelli (1695–1764). Kontrastiert wurden diese durch die komplexen Klangwelten Béla Bartóks (1881–1945), die meditativ-reduzierte Musik Isang Yuns (1917–1995) sowie die abstrakten musikalischen Frequenzen von György Kurtág.

Lucie Horsch (Foto: Simon Flowler)
Lucie Horsch (Foto: Simon Flowler)

Ein besonderer Höhepunkt war das nach der Pause präsentierte Werk „Airs, Riffs & Runs“, das Robert Zuidam eigens für diesen Anlass für Lucie Horsch komponiert hatte. Nach einem lyrischen Beginn steigert sich das Stück in eine kinetische Ekstase, um schließlich in einem rockigen Scherzo zu münden.

Virtuosität und Ausdruckskraft

Die charismatische Solistin begeisterte durch die meisterhafte Beherrschung ihres Instruments, wobei ihr ganzer Körper die Musik sichtlich mitgestaltete. Da sie während des Konzerts immer wieder zwischen verschiedenen Flöten wechselte, kam die gesamte Bandbreite und Ausdruckskraft der Blockflöte zur Geltung.

Auch das B’Rock Orchestra stellte sein Können und Einfühlungsvermögen unter Beweis, insbesondere beim theatralischen Concerto grosso für Streicher und Basso continuo Es-Dur op. 7 Nr. 6 von Locatelli. In zehn kurzen Sätzen vertonte der Komponist hier auf originelle Weise die Gefühlswirren der verlassenen mythologischen Figur Ariadne.

Dass Lucie Horsch zudem über eine starke Stimme verfügt, bewies sie eindrucksvoll bei einer Arie als Zugabe.




Wiener Melange im Pott – Jordan de Souza bittet zum Walzer

Es muss nicht immer der Goldene Saal in Wien sein: Zum Jahresauftakt 2026 verwandelten die Dortmunder Philharmoniker das Konzerthaus in einen Ballsaal. GMD Jordan de Souza bewies bei seinem Neujahrs-Debüt, dass er nicht nur den Taktstock, sondern auch das Publikum fest im Griff hat – mit Verve, Charme und einem klaren Verzicht auf militärischen Marsch-Pomp.

Wer am Neujahrstag ins Konzerthaus kam, erwartete Tradition, bekam aber glücklicherweise keine Routine. Jordan de Souza, der neue Generalmusikdirektor, nutzte sein erstes Heimspiel zum Jahreswechsel, um das Motto „Wiener Gäste“ wörtlich zu nehmen: Er lud das Publikum ein, die österreichische Hauptstadt nicht als Museum, sondern als lebendigen, pulsierenden Ort zu erleben.

Vom Puszta-Feuer zur geigerischen Intimität

Dass der Weg nach Wien historisch oft über Ungarn führte, machte der Auftakt deutlich. Bei den Ungarischen Tänzen von Brahms verzichtete de Souza auf plumpe Effekthascherei und setzte stattdessen auf rhythmische Schärfe. Das Orchester folgte seinem Chef mit hörbarer Spielfreude, wechselte ansatzlos von melancholischer Schwere in jenes feurige Tempo, das den Puls für den Abend vorgab.

Arabella Steinbacher spielte Max Bruchs Violinkonzert. (Foto: Co Merz)
Arabella Steinbacher spielte Max Bruchs Violinkonzert. (Foto: Co Merz)

Den emotionalen Ankerpunkt setzte jedoch Arabella Steinbacher. Wer bei Max Bruchs erstem Violinkonzert nur virtuose Fingerübungen erwartet, wurde eines Besseren belehrt. Steinbacher, längst eine feste Größe auf den Weltbühnen, suchte in dem oft gespielten Gassenhauer nicht den großen Effekt, sondern das intime Gespräch. Ihr Ton – mal sehnend, mal energisch zupackend – verschmolz mit dem Orchester, statt bloß darüber zu schweben. Dass sie für den tosenden Applaus eine Zugabe von Fritz Kreisler aus dem Ärmel schüttelte, war nur folgerichtig: technische Brillanz mit einem augenzwinkernden Lächeln.

Walzer ohne Staubschicht

Nach der Pause dann das, wofür man am 1. Januar ins Konzert geht: Der Dreivierteltakt. Doch Jordan de Souza lief nicht Gefahr, in Kitsch abzudriften. Strauss’ Rosen aus dem Süden blühten üppig, aber diszipliniert, und die Pizzicato-Polka geriet zum humoristischen Kabinettstückchen, bei dem die Streicher ihre Instrumente fast als Schlagwerk behandelten. Als schließlich die Schöne blaue Donau durch den Saal floss, war der „Wiener Schmelz“ auch in Westfalen angekommen.




Geierabend 2026 startet in eine kurze, knackige Session

Für die Freunde des kultigen Dortmunder Ruhrpott-Karnevals gibt es gute Nachrichten. Auch im Jahr 2026 wird auf der historischen Zeche Zollern – diesmal für eine ultra-kurze Session (02.01. – 17.02.2026) – wieder der „Geierabend“ zelebriert.

Das rundum neue Programm bietet erneut eine schräge Mischung aus bissigem Humor mit politischen Seitenhieben und viel Lokalkolorit. Musikalisch wird es – so Geierabend-Legende Sandra Schmitz – „laut und rockig“ mit einer bunten Bandbreite von Gangnam Style über Britney Spears bis Richard Wagner. Bandleader Pele Götzer führt als musikalischer Kopf durch den Abend.

Neben den bewährten Kräften Sandra Schmitz, Martin Kaysh (Steiger), Silvia Holzhäuser, Patrick Dollas und dem „Präsi“ Roman Marczewski stoßen mit dem Theater- und Filmschauspieler Benjamin Werner sowie dem gebürtigen Herdecker Stefan Peters zwei „Neue“ dazu.

Das Plakat der Session 2026 des Geierabends. (Foto: Tania Reinicke)
Das Plakat der Session 2026 des Geierabends. (Foto: Tania Reinicke)

Das Ensemble vermählt unter anderem die Erotik von New-Adult-Romanen mit der Resopal-Romantik ruhrpotttypischer Eckkneipen, und die SPD beschwört nach der Kommunalwahl beim Trauerseminar die Geister erfolgreicher Jahre. Außerdem jagt die WaPo Phoenixsee ein Seeungeheuer und vieles mehr. Klassiker wie etwa Publikumsliebling Jessica Schmottke (als mehrfach Alleinerziehende) dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Hinter den Kulissen arbeitet erneut ein Team aus einigen der renommiertesten Satire-Autorinnen und Autoren Deutschlands. Zu nennen wären da Jana Fischer (Autorin: Carolin Kebekus Show), Thomas Rogel (Heute-Show) sowie Markus Henning (ZDF-Magazin Royale).

Auch kulinarisch wird das Publikum wie gewohnt gut versorgt (nicht nur mit der besten Currywurst des Ruhrgebiets). Es empfiehlt sich, sich möglichst schnell Karten zu sichern!

Erhältlich unter www.geierabend.de

Vorstellungen: Donnerstags bis sonntags, in der Karnevalswoche zusätzlich am Mittwoch sowie an Weiberfastnacht.




Eine Feier der inklusiven Kunstpraxis

Das Schauspiel Dortmund lud gemeinsam mit dem mixed-abled Kollektiv „I can be your translator“ vom 12. bis 14.12.2025 zum Festival „Hurra, Theater für Viele!“ ein. Das Team von Ars tremonia besuchte am Samstag, den 13.12.2025, Linda Fisahns „Sommer-nachts-traum“ (Oder was immer dich durch die Nacht bringt) im Institut des Schauspiels.

Nach „Romeo und Julia“ hat sie sich nun mit einem besonderen Fokus auf die Liebe und die Natur Shakespeares Sommernachtstraum angenommen. Auf der Bühne standen Linda Fisahn selbst als Feenkönigin Titania, kongenial begleitet von Anton Berman (Schauspielkomponist am Keyboard) als Elfenkönig Oberon sowie Rose Lohmann (neues Ensemblemitglied im Schauspiel Dortmund) als Dienerin der Feenkönigin. Alle waren dem Anlass entsprechend festlich gekleidet.

Kostmprobe zu "Ein Sommernachtstraum". Foto: (Jonas Fromme)
Kostmprobe zu „Ein Sommernachtstraum“. Foto: (Jonas Fromme)

Emotionen und Stimmungen spielten hier eine wesentliche Rolle. Das wurde dem Publikum schon beim Einlass ins Institut verdeutlicht. Dort wurden von den drei Darstellenden über einen längeren Zeitraum verschiedene Tierstimmen (Schweinegrunzen, Vogelgezwitscher u.a.) des Waldes imitiert. So wurden die Anwesenden atmosphärisch in die zauberhaft-mystische Welt der Elfen, Feen und des Puck entführt. Der besondere Liebeszauber der Blume „love-in-idleness“ kam auch in dieser Inszenierung nicht zu kurz.

Was kann Liebesgefühle besser transportieren als Musik? Mit viel Herzblut sang Titania etwa „Durch den Monsun“ (Tokio Hotel) oder „Dein ist mein ganzes Herz“ (H.R. Kunze). Am Ende wurde getanzt und man konnte sich gut gelaunt mit den drei glücklichen Protagonisten freuen.




Weihnachtsoratorium zwischen Tradition und Moderne

Im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals Dortmund konnte das Publikum am 05.12.2025 im Reinoldihaus die Uraufführung eines zeitgenössischen armenischen Weihnachtsoratoriums unter dem Titel „Light The Candle“ erleben.

In der Kultur Armeniens sind die Geschichte der Geburt Christi und die Religion seit zwei Jahrtausenden fest verankert. Zahlreiche Dichter des Landes haben über die Epochen hinweg poetische Texte über Verkündigung, Geburt und die Erscheinung des Herrn verfasst. Der amerikanisch-armenische Komponist John Hodian hat diese historischen Erzählungen gemeinsam mit dem Naghash Ensemble in ein Oratorium mit musikalischer Tiefe zwischen Vergangenheit und Moderne verwandelt. Hier verbinden sich traditionelle armenische Musik und ein Gesang voll Mystik und teils orientalischer Spiritualität mit der Kraft von Rock-Pop und Jazz-Elementen am Piano. An diesem Instrument sorgte Hodian höchstpersönlich für energetische Impulse.

Das Naghash-Ensemble. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)
Das Naghash Ensemble. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)

Eine wichtige Rolle spielte der intensive Gesang von Hasmik Baghdasaryan und Tatevik Movsesyan (beide Sopran) sowie Shahane Zalyan (Alt). Sie überzeugten sowohl als starke Solostimmen als auch im Ensemble – mal mystisch-meditativ, dann wieder rhythmisch treibend. Das Zusammenspiel mit den charakteristischen Klängen des armenischen Holzblasinstruments Duduk (Harutyon Chkolyan), der in Indien und Armenien gespielten zweifelligen Röhrentrommel Dhol (Tigran Hovhannisyan) sowie der Kurzhalslaute Oud (Aram Nikoghosyan) war dabei für die Gesamtwirkung von wesentlicher Bedeutung.

Die zugrundeliegenden Texte aus mehreren Jahrhunderten wurden dem Publikum vorab jeweils mit Pathos in der deutschen Übersetzung dargeboten. Ein ganz spezielles Oratoriums-Erlebnis.

 




Musik voll Melancholie, Zweifel und euphorischer Zuversicht

Das 3. Philharmonische Konzert am 02.12.2025 im Dortmunder Konzerthaus stand ganz im Zeichen der Romantik.
Der 1979 in London geborene Dirigent Alexander Shelley führte die gut gestimmten Dortmunder Philharmoniker empathisch und souverän durch den Abend.

Neben zwei Werken bekannter romantischer Komponisten wie Robert Schumann (1810–1856) und Peter Tschaikowsky (1840–1893) eröffnete das neoromantische Orchesterwerk This Midnight Hour (I. Ferocious with drive, Viertel = 136) der britischen Komponistin und Malerin Anna Clyne (*1980) das Programm.
Die Komponistin verbindet traditionell wirkende konsonante Harmonik und romantische Melodik mit Einflüssen aktueller Musik (z. B. John Adams). Clyne möchte ihr Publikum vor allem emotional ansprechen und lässt sich häufig von bildender Kunst oder Literatur inspirieren (u. a. Gerhard Richter, Rilke).

Für dieses Werk diente ein Gedicht des spanischen Dichters Juan Ramón Jiménez (1881–1958) als Ausgangspunkt. Darin wird die Musik als nackte Frau beschrieben, die „wie verrückt durch die reine Nacht hetzt“.
Dies spürt man als Zuhörerin oder Zuhörer von Beginn an: tief flirrende Streicher, pochende Pauken und eine insgesamt bildgewaltige, packende musikalische Sprache. Immer wieder führt die Musik in romantische Gefühlswelten, um unvermittelt in dramatische Passagen umzuschlagen.

das 3. Philharmonische Konzert führte in die Romantik.
das 3. Philharmonische Konzert führte in die Romanti

Es folgte das Klavierkonzert a-Moll op. 54 von Robert Schumann – ein Prototyp der romantischen Klavierliteratur. Das seiner geliebten Frau Clara Schumann (1819–1896) gewidmete Werk enthält die berühmte Tonbuchstabenfolge C-H-A-A (für Chiara / Clara). Der französische Pianist David Fray (*1981) interpretierte das Konzert virtuos und zugleich sensibel, stets in enger dialogischer Verbindung mit dem Orchester.

Nach der Pause erlebte das Publikum die gesamte musikalische Intensität und emotionale Spannweite in Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64.
Jeder der vier Sätze besitzt ein eigenes charakteristisches Profil: Während der Kopfsatz von einem dramatischen Auf und Ab der Stimmungen geprägt ist, entfaltet sich der zweite Satz als weitgespannte lyrische Szene.
Der dritte Satz im Walzertakt führt in eine heiter-gesellschaftliche Atmosphäre, bevor der optimistische und kraftvolle Finalsatz zu einem glanzvollen Abschluss führt.

Ein Gefühlsrausch der besonderen Art für das Publikum.