Ein philharmonisches Konzert voller Virtuosität 

Im Zentrum des 7. Philharmonischen Konzerts am 19./20. Mai 2026 im Konzerthaus Dortmund standen instrumentale Virtuosität und pure Spielfreude. Besonders deutlich wurde dies beim zweiten, zeitgenössischen Programmpunkt: Mit „ad absurdum“ (Konzertstück für Trompete und kleines Orchester) von Jörg Widmann (*1973) wurden jedoch auch die Ambivalenz und die Schattenseiten dieser Virtuosität beleuchtet. Die historische Entwicklung der Virtuosität führte einerseits zu immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten und einem Spiel mit musikalischen Grenzen; andererseits drohte stets die Gefahr eines bloßen Schielens auf sinnentleerte, rein überwältigende Effekte für das Publikum. 



Die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Patrick Lange konnten schon zu Beginn bei der Musik zu Felix Mendelssohn Bartholdys „Ein Sommernachtstraum“ (op. 21 und op. 61) ihr virtuoses Können unter Beweis stellen. Die anspruchsvollen, flimmernden Streicherpassagen in der Ouvertüre zu Shakespeares Komödie waren dafür bereits ein prägnantes Beispiel. Die Musik des Komponisten ist geprägt von einer geheimnisvoll-romantischen, märchenhaften Stimmung, zwischen die sich immer wieder kraftvoll-ernste Momente mischen. 

Das folgende Werk „ad absurdum“ riss das Publikum mit Sergej Nakariakov (*1977 in Gorki, heute Nischni Nowgorod) als Meister an der Solotrompete und einer kleineren Orchesterformation in einen unglaublichen Strudel der Virtuosität. Um das Stück zu bewältigen, war eine extreme Atemtechnik des Trompeters notwendig – das Ganze grenzte phasenweise an die physische Schmerzgrenze. Zum Ende des Konzertstücks kam als Spitze der Absurdität eine mechanische, mit Lochstreifen betriebene Drehorgel von der Seite zum Einsatz. 

Der Solist des Abends: Sergej Nakariakov an der Trompete. (Foto: (c) Thierry Cohen)
Der Solist des Abends: Sergej Nakariakov an der Trompete. (Foto: (c) Thierry Cohen)

Die Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 von Ludwig van Beethoven (1770–1827) war nach der Pause mit ihrer gesteigerten, virtuosen Spielfreude ein wahrer Genuss und ein gelungener Abschluss. Sie entstand in einer äußerst produktiven und positiven Phase des Komponisten, noch vor dem vollständigen Verlust seines Gehörs. Nach dem beklemmenden Charakter der Einleitung zeugt diese Sinfonie im weiteren Verlauf von purem Elan, heiterer Stimmung und unbändiger Kreativität. Das zeigte sich vor allem im letzten Satz, der nur so vor guter Laune sprüht. 

Ein Programm, das den Akteuren alles abverlangte – und das Publikum begeisterte. 




Eine intensive und zärtliche Chronik des Vaterseins 

Uraufführung im Studio Schauspiel Dortmund

In der intimen Atmosphäre des Studio Schauspiel fand am 13.05.2026 die Uraufführung des Solo-Programms „Nachrichten an meinen Sohn“ statt. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alejandro Zambra (* 1975 in Santiago de Chile). Es erzählt die Geschichte des Vaterseins in kurzen Erinnerungen, Briefen und Momentaufnahmen des Autors an seinen Sohn Silvestre.

Ein Darsteller mit vielen Talenten

Susanne Lange übersetzte den Roman aus dem Spanischen, während Leonard Dick für Regie und Ausstattung verantwortlich zeichnete. Als Solo-Schauspieler brachte Ekkehard Freye vom Dortmunder Ensemble dem Publikum diese zärtliche Lebensgeschichte näher. Er tat dies mit einer sehr lebendigen und humorvollen Art. Zudem zeigte er nicht nur sein schauspielerisches Können, sondern am Klavier auch sein musikalisches Talent. Daher stehen abwechselnd zwei Beziehungen im Fokus: die liebevolle Bindung des Autors zu seinem Sohn und das Verhältnis zum eigenen Vater.

Nachrichten an meinen Sohn: Ekkehard Freye (Foto: (c) Birgit Hupfeld)
Nachrichten an meinen Sohn: Ekkehard Freye (Foto: (c) Birgit Hupfeld)

Alte Rollenbilder im Wandel

Alejandro bricht mit den alten, starren Rollenbildern. Deshalb begleitet er jeden Schritt seines Sohnes mit großer Freude und Unterstützung. Darüber hinaus führt er eine gleichberechtigte Beziehung mit Jazmina, der Mutter des Kindes. Sein eigener Vater steckt dagegen noch im traditionellen „Machismo“ fest. Dieser prägt mit seinen festen Regeln für Mann und Frau das Leben in der Familie.

Bücher und Fußball auf der Bühne

Der Wunsch, das Beste für die Kinder zu tun, verbindet jedoch alle Eltern. Ebenso kennen fast alle die angstvolle Sorge, Fehler zu machen. Die gemeinsame Liebe zu Büchern sorgt schließlich für eine langsame Annäherung zwischen den Generationen.

Dass Literatur hier eine große Bedeutung hat, zeigen auch die vielen Bücher auf dem Bühnenboden. Das Stück beschreibt zudem sehr begeistert, wie das Vorlesen des ersten Kinderbuches auf Silvestre wirkt. Neben der Literatur greift die Inszenierung auch die gemeinsame Liebe zum Fußball auf – konkret zum chilenischen Club Colo-Colo.

Gezielt eingespielte spanische Original-Tonaufnahmen (Ton: Björn Netten) und passende Musik (Andrej Agranovski) begleiten das Geschehen auf der Bühne sehr eindringlich. Am Ende belohnte das Publikum diese starke und intensive Darbietung mit reichlich Applaus.


  • Weiterer Vorstellungstermin (unter anderem): Fr., 19. Juni 2026 um 20:00 Uhr
  • Nähere Infos: wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231 / 50 27 222



Brahms-Zyklus im Konzerthaus Dortmund

Am 28. und 29. April 2026 fand im Konzerthaus Dortmund ein besonderer Brahms-Zyklus statt. Sinfonien von Johannes Brahms stehen zwar landauf, landab auf den Konzertprogrammen, doch die Gelegenheit, alle vier Werke im unmittelbaren, ungestörten Zusammenhang eines Zyklus zu erleben, ist selten. Die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Generalmusikdirektor Jordan de Souza nutzten diesen Anlass, um den tiefen Verbindungen zwischen den Werken nachzuspüren und die musikalische sowie persönliche Entwicklung des Komponisten greifbar zu machen.
Ein gemeinsamer Beitrag von Lisa und Michael Lemken



Erster Abend: Sinfonie Nr. 1 und 2 (28. April 2026)

Der dramatische Durchbruch: Die 1. Sinfonie

Der Weg, den Brahms bis zu seiner ersten Sinfonie zurücklegen musste, war lang und steinig. Er fühlte stets den „Riesen“ Beethoven hinter sich marschieren. Die 1. Sinfonie ist ein Werk des Durchbruchs im doppelten Sinn: Sie markiert nicht nur Brahms’ eigenen Durchbruch als Sinfoniker, sondern thematisiert diesen Prozess auch in der Musik selbst.

Der Abend begann bereits dramatisch mit einem Paukenschlag. Das Werk besticht durch zwei gewichtige Einleitungen und eine durchgehend dramatische Grundhaltung. Im Finalsatz, der sich kontrapunktisch dem Zitat der „Jupiter“-Sinfonie von Mozart nähert, schien die alte Europahymne aus dem Barock auf, bevor der Durchbruch am Ende durch die majestätische Wiederkehr eines Chorals gelang.

Der helle Gegenpol: Die 2. Sinfonie

Die 2. Sinfonie bildet einen völligen Gegensatz zur Ersten. Wo dort Düsternis und Dramatik herrschten, dominieren hier Helle und Idylle. Beide Werke stehen jedoch nicht unverbunden nebeneinander, sondern bilden ein widersprüchliches Gefüge. Die Sinfonie beginnt mit einer vorsichtig tastenden Einleitung, in der die Musik noch auf dem Weg zu sich selbst ist.

Ein Dirigent der Kontraste

Geleitet wurden die Dortmunder Philharmoniker von Jordan de Souza, der sich als vielseitiger und international renommierter Dirigent präsentierte. Seine stilistische Bandbreite und interpretatorische Tiefe halfen dabei, die feinen Nuancen und historischen Bezüge präzise herauszuarbeiten. Das Publikum verabschiedete die Musiker nach diesem ersten Teil mit großem Applaus und Standing Ovations.

Zwei intensive Abende mit Musik von Johannes Brahms.
Zwei intensive Abende mit Musik von Johannes Brahms.

Zweiter Abend: Sinfonie Nr. 3 und 4 (29. April 2026)

Ein origineller und traditionsverhafteter Aufbau: Die 3. Sinfonie

Auch an diesem zweiten Tag meisterten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Jordan de Souza die technischen und physischen Herausforderungen mit Bravour. Der erste Satz der 3. Sinfonie begann erneut mit einem Paukenschlag. Das bedrohlich Dunkle ist hier kontrastreich zur lebhaften, hellen Stimmung gesetzt und musikalisch im Hintergrund präsent, wodurch die komplexe Persönlichkeit des Komponisten mit all ihren Widersprüchen spürbar wird. Eine bedeutende Rolle für Brahms spielte dabei die hohe Messlatte von Beethovens 9. Sinfonie sowie seine Konkurrenz zum neuen Giganten Richard Wagner.

Im zweiten Satz erscheint der „Grazioso“-Typus, eine Kreuzung zwischen einem langsamen Satz und einem Scherzo. Eine große Überraschung bietet der dritte Satz: Das traditionelle Scherzo wird durch eine in die Tiefe gehende, wehmütige Romanze ersetzt. Dieser emotionale Teil spiegelt Brahms’ Persönlichkeit und sein Leben wider – man denke nur an seine komplizierte Beziehung zu Clara Schumann.

Ambivalenz und barocke Strenge: Die 4. Sinfonie

Die 4. Sinfonie enthält – als Zeichen der Ambivalenz und trotz ihrer negativen Grundstimmung – an dieser Stelle das einzige echte Scherzo des Zyklus. Dieser Satz strotzt förmlich vor guter Laune und Übermut. Der gesangliche zweite Satz entspricht dagegen dem Charakter des langsamen Satzes der 1. Sinfonie.

Eine entscheidende Neuerung bietet der vierte Satz: Dieses Finale wurde vom Komponisten als barocke Passacaglia (ein Variationssatz mit beibehaltenem Thema im Bass) konzipiert. Dies stellt eine scheinbar ungewöhnliche Rückbesinnung auf Johann Sebastian Bach dar, war aber zugleich eine radikale Neuerung in der Ausdrucksebene. Brahms gestaltet so eine spannungsvolle Musik von schonungsloser Negativität. Es ist ein illusionsloses Finale, das im starken Kontrast zu Beethovens letzter Sinfonie mit ihrer Ode an die Freude steht.

Fazit

Es war ein furioser Zyklus, der dem Publikum nicht nur die Musik von Johannes Brahms, sondern auch den Menschen dahinter ein Stück nähergebracht hat.




Johann Sebastian Bachs Fugentechnik im Epochendialog

Unter dem Titel „Die Kunst der Fuge im Dialog“ luden die Dortmunder Philharmoniker zu ihrem 3. Kammerkonzert an einen besonderen Ort ein: Die hiesige Marienkirche bot am 23. April 2026 den idealen Rahmen für diesen musikalischen Abend. Das Ensemble – bestehend aus Nemanja Belej und Vera Plum (Violine), Minori Tsuchiyama und Pablo González (Fagott) sowie Ursula Hobbing am Cembalo – bescherte dem Publikum ein außergewöhnliches Hörerlebnis.



Johann Sebastian Bach (1685–1750) lotete in seinem Spätwerk „Die Kunst der Fuge“, das bis zu seinem Tod unvollendet blieb, die Grenzen der formalen Fugentechnik und des Kontrapunkts aus. Nach der Vorstellung des Themas durch die Exposition der ersten Stimme entwickelt sich ein komplexes Geflecht aus Themenaufnahmen in verschiedenen Tonarten und Variationen durch die weiteren Instrumente. Es entsteht ein Gefüge völlig selbstständiger und gleichwertiger Stimmen. Die Zuhörenden werden so Schicht für Schicht in die Tiefe des Werks gezogen, ohne dass eine einzelne Stimme die Oberhand gewinnt.

Das Programm war jedoch nicht rein monolithisch auf Bach ausgerichtet. Stattdessen traten seine Fugen in einen spannenden Dialog mit Werken unterschiedlicher Epochen. Die Auswahl reichte von Bachs direktem Vorbild Girolamo Frescobaldi (1583–1643) über den spätromantischen Virtuosen Eugène Ysaÿe (1858–1931) bis hin zu den zentralen sowjetischen Komponisten Sofia Gubaidulina (1931–2025) und Edison Denisov (1929–1996). Abgerundet wurde der Bogen durch den zeitgenössischen usbekischen Komponisten Jakhongir Shukur (*1981).

Bach und Co. - Die Kunst der Fuge in Jahrhunderten.
Bach und Co. – Die Kunst der Fuge in Jahrhunderten.

Alle ausgewählten Komponisten beziehen sich auf ihre jeweils eigene, oft kontrastreiche Weise auf Bachs Tonsprache. Für die Interpreten stellte dies eine reizvolle Herausforderung dar: Die warme, klare Ausdruckskraft der Fagotte harmonierte dabei hervorragend mit den eindringlichen Klängen der Violinen und des barocken Cembalos.

Insgesamt präsentierten die Philharmoniker ein abwechslungsreiches und mutig zusammengestelltes Programm. Die Kammerkonzerte erwiesen sich erneut als wunderbare Gelegenheit, die Musikerinnen und Musiker des Orchesters sowie ihre Instrumente in intimer Atmosphäre aus nächster Nähe zu erleben.




Junge Wilde – Randell Goosby im Dortmunder Konzerthaus

Im Rahmen der Reihe „Junge Wilde“ waren am 20.04.2026 im Konzerthaus Dortmund der amerikanische Geiger Randall Goosby, die junge Cellistin Minjoung Kim und Zhu Wang am Klavier zu Gast.

Auf dem Programm standen drei Klaviertrios von unterschiedlichen Komponisten aus verschiedenen Jahrzehnten.



Zu Beginn erklang das Klaviertrio e-Moll (1893) des eher unbekannten Komponisten Samuel Coleridge-Taylor (1875–1912). Dieser hatte nicht nur – wie beispielsweise sein Kollege Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) – damit zu kämpfen, im Schatten des übermächtigen „Musik-Titanen“ Ludwig van Beethoven (1770–1827) zu stehen, sondern erfuhr als Sohn eines schwarzen Vaters aus Sierra Leone zudem gesellschaftliche Widerstände. Mit großer musikalischer Sensibilität vermittelte das Trio dem Publikum die Dramatik des ersten Satzes sowie die weitere Entfaltung des thematischen Materials mit all seinen Wendungen bis hin zum temporeichen Finale.

Das darauffolgende Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1839) ist geprägt von einem eher ungewöhnlichen Beginn mit einer langgezogenen, sich entwickelnden Kantilene. Das Klavier führt hierbei virtuose Gedanken in den Dialog der Instrumente ein. Im Andante stellt das Tasteninstrument das sich liedhaft entfaltende thematische Material vor, das fließend von einer Wellenbewegung der Streicher getragen wird und sich am Ende zur Elegie ausweitet. Das anschließende Scherzo weckt Assoziationen an Waldgeister oder Elfentänze.

Randell Goosby spielte im Konzerthaus. (Foto; (c) Kaupo Kikkas)
Randell Goosby spielte im Konzerthaus. (Foto; (c) Kaupo Kikkas)

Das unscheinbare, jedoch tiefgründige Klaviertrio Nr. 7 B-Dur op. 97 „Erzherzog“ (1811) – von Beethoven seinem Gönner Erzherzog Rudolph gewidmet – weist keinen dramatischen Unterton auf. Vielmehr bietet es einen eher unbekümmerten und ausladenden Klanggesang, der sich flächig ausbreitet. Erstmals lässt der Komponist das Klavier ein Trio allein beginnen – ein Zeichen der Nicht-Unterordnung dieses Instruments. Immer wieder sind volkstümliche Weisen zu hören, besonders im wienerischen Scherzo, das wie ein kleiner Walzer anmutet. Im Andante wird gekonnt mit unterschiedlichen Charakteren gespielt. In diesem etwas sperrig klingenden Satz dauert es einige Zeit, bis alle Instrumente die Melodien voll aussingen dürfen. Der Schlusssatz beginnt zunächst harmonisch, hält gegen Ende jedoch noch einige musikalische Überraschungen bereit.




Bewegende Abschiedsgala des alten Schauspielhauses Dortmund

Einen besonderen Moment in der nun schon über fünfzig Jahre andauernden Geschichte des Schauspiels Dortmund konnte das anwesende Publikum am 26.03.2026 (oder alternativ am Sonntag, dem 29.03.2026, um 18:00 Uhr) miterleben.



Mit der feierlich-bewegenden Gala „Glitzer, Glamour und Goodbye“ verabschiedete sich das Schauspiel von seiner großen Bühne am Hiltropwall. Es war ein emotionaler Abend mit Unterhaltung, humorvollen Rückblicken, viel Musik und Gesang sowie hoffnungsvollen Ausblicken in die Zukunft.

Zum Programmheft der Abschiedsgala gab es auch Sammelbilder zum Einkleben.
Zum Programmheft der Abschiedsgala gab es auch Sammelbilder zum Einkleben.

Durch das Programm, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geschickt miteinander verband, führten mit Charme und humorvoller Ironie die Diversitätsmanagerin Ella Steinmann sowie das Ensemblemitglied Viet Anh Alexander Tran. Es wurden nicht nur unvergessliche Szenen aus Publikumserfolgen wie „Das Kapital: Das Musical“, „Was ihr wollt“ oder „On Air“ auf der Bühne zum Besten gegeben, sondern es wurden auch zahlreiche Ensemblemitglieder – vom jüngsten Neuzugang (Luis Quintana) bis zum Dienstältesten (Ekkehard Freye) – zu ihren persönlichen Erfahrungen und prägenden Erlebnissen in diesem Haus befragt.

Eingespielt wurden zudem Videobotschaften von nicht anwesenden Ensemblemitgliedern sowie den wichtigen Kräften im Hintergrund (Gewerke, Technik, Beleuchtung u. a.). Die Lieblingssongs des Ensembles (z. B. „Let Me Entertain You“ und „I Will Survive“) wurden mit kraftvollen Stimmen dargeboten und luden zum Mitklatschen und Mitsingen ein. Eine Live-Band – bestehend aus Klara Brandi, Björn Netten und Martin Engelbach – begleitete die Auftritte musikalisch.

Zudem gab es kleine, interessante Einblicke in die kommenden Premieren von „Nachrichten an meinen Sohn“ und „Die Dreigroschenoper“ (samt einer Kartenauslosung). In einem humorvollen Video führte „Frau Kunstmann“ (Antje Prust) auf einem E-Scooter die Anwesenden zum neuen Standort für das Jahr 2027, der aktuell noch eine Baustelle ist.

Der Betrieb im Studio und im Institut wird mit Produktionen wie „Angst essen Seele auf“ oder „Winterreise“ weitergeführt. Dort wird das Publikum auch künftig zu neuen Formaten, Workshops und Lesungen eingeladen. Ab April 2026 wird der Spielbetrieb vorübergehend auf dem Gelände der Kokerei Hansa fortgeführt (unter anderem mit Brechts „Dreigroschenoper“ ab dem 4. Juni oder Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“).

Die mobile Bühne im Stadtraum, die „Ape(lina)“, macht auch weiterhin jede Woche an einem anderen Ort mitten in der Stadt Halt. Für 2027 ist schließlich der Umzug an den neuen Standort (im ehemaligen C&A-Gebäude) geplant.

Mit viel Power soll es nun in die Zukunft des Schauspiels gehen.




Festliche Operngala mit großer musikalischer Bandbreite

Im Opernhaus Dortmund erlebten die Freunde des Genres am 29.03.2026 die Premiere einer festlichen Operngala.



Musikalisch begleitet wurde der Abend ausdrucksstark von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Motonori Kobayashi. Moderiert wurde die Gala unter dem Titel „Mein lieber Schwan“ humorvoll von dem Entertainer Götz Alsmann. Dieser betrat passend dazu aus einem „Schwan“ heraus die Bühne.

Götz Alsmann und der titelgebende Schwan. Foto: (c) Björn Hickmann
Götz Alsmann und der titelgebende Schwan. Foto: (c) Björn Hickmann

Das Publikum wurde in zwei Programmteilen auf eine besondere musikalische Reise mit großer Bandbreite mitgenommen. Zunächst wurden vor der Pause drei berühmte Faust-Vertonungen aus dem französisch-italienischen Raum kombiniert: Hector Berlioz’ „La damnation de Faust“ (1846), Arrigo Boitos „Mefistofele“ (1868) sowie Charles Gounods „Margarethe“ (1859).

Als Interpret*innen der Arien glänzten mit ihren starken Stimmen Artyom Wasnetsov (Bass), Sungho Kim (lyrischer Tenor), Anna Sohn (Sopran) sowie Daegyun Jeong (Bariton, als Vertretung für den erkrankten Mandla Mndebele). Der Opernchor Theater Dortmund (Einstudierung: Fabio Mancini) erwies sich dabei sofort als wichtige Unterstützung. Zudem konnte er mit „Va, pensiero“ (aus „Nabucco“ von Verdi) beeindrucken.

Der zweite Teil der Gala war gleich mehreren Jubiläen gewidmet. Im Jahr 2026 feiern die Bayreuther Festspiele nämlich ihren 150. Geburtstag mit Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Auch Amilcare Ponchiellis Oper „La Gioconda“ und Edvard Griegs Schauspielmusik zu „Peer Gynt“ erlebten 1876 ihre Uraufführung. Giacomo Puccinis 1926 uraufgeführte Oper „Turandot“ feiert immerhin auch schon ihren 100. Geburtstag.

Die Orchesterstücke „Walkürenritt“ von Wagner und „Morgenstimmung“ aus „Peer Gynt“ wurden eindrucksvoll von den Dortmunder Philharmonikern interpretiert. Musik aus Daniel-François-Esprit Aubers „La muette de Portici“ (1828) wurde von Sungho Kim und Daegyun Jeong einfühlsam dargeboten.

Mit seinem eindringlichen Tenor begeisterte Aaron Cawley nicht nur bei Wagners „In fernem Land“ und „Cielo e mar“ aus „La Gioconda“ (Ponchielli), sondern zum Ende auch bei der bewegenden Arie „Nessun dorma“ aus „Turandot“ (Puccini).

Weitere Vorstellungstermine erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.

Übrigens: Die Vorstellung am 16. Mai 2026 findet im Rahmen des Wagner-Kosmos VII statt und ist eine Gala-Aufführung zum 60. Geburtstag des Dortmunder Opernhauses (Moderation: Intendant Heribert Germeshausen).




Bildgewaltig und klangsinnlich: Ein Konzerterlebnis der Dortmunder Philharmoniker

Die Dortmunder Philharmoniker luden am 17. und 18.03.2026 unter der lebendigen Leitung von GMD Jordan de Souza zum 6. Philharmonischen Konzert in das Konzerthaus Dortmund ein. Klangsinnlichkeit und Bildhaftigkeit prägten das Programm mit Werken von Claude Debussy (1862–1918), Thierry Escaich (*1965) sowie Modest Mussorgski (1839–1881) in der Orchestrierung von Maurice Ravel (1875–1937).



Den stimmungsvollen Auftakt bildete Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“. Künstlerische Individualität, souveräne Gestaltung und harmonische Freiheit prägen dieses Werk, dem ein Gedicht von Stéphane Mallarmé aus dem Jahr 1876 zugrunde liegt. Es thematisiert Begehren und Sinnlichkeit, projiziert auf einen mythologischen Faun – ein Mischwesen aus Mensch und Tier. Besonders die Flöten, Streicher und Harfen ließen die traumhafte Atmosphäre dieses Schlüsselwerks des Impressionismus lebendig werden.

Komponist und Organist Thierry Escaich. (Foto: (c) Marie Rolland)
Komponist und Organist Thierry Escaich. (Foto: (c) Marie Rolland)

Als besonderer Gast trat anschließend der französische Komponist und Organist Thierry Escaich (Titularorganist an Notre-Dame de Paris) auf. Als Solist interpretierte er sein Orgelkonzert Nr. 3: „Quatre Visages du temps“. Escaich, ein Meister der Klangfarben, entwarf in diesem groß angelegten, viersätzigen Werk einen Gang durch die Musikgeschichte. Die Komposition führt in freier Gestaltung von der barocken Passacaglia bis hin zu Disco-Beats und Jazzelementen. Souverän leitete er das Publikum durch den vielschichtigen Ablauf – von träumerischen Passagen bis hin zu aufbrausenden Dissonanzen. Die Energie schien gegen Ende fast zu versiegen, bevor das Werk mit einer heftigen, auffahrenden Geste schloss. Als Überraschung gab es eine virtuose Orgel-Improvisation über die BVB-Hymne „Leuchte auf, mein Stern Borussia“.

Nach der Pause stand Mussorgskis berühmter Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ in der glanzvollen Orchesterfassung von Maurice Ravel auf dem Programm. Das Werk entstand 1874 unter dem Eindruck einer Gedächtnisausstellung für den verstorbenen Maler Viktor Hartmann, einen engen Freund Mussorgskis. Der als Rundgang konzipierte Zyklus umfasst elf musikalische Charakterstudien – mal quirlig-verspielt, mal abgründig tief –, die durch wiederkehrende Zwischenmusiken (Promenaden) miteinander verbunden sind. Das Konzert endete furios mit dem majestätischen „Großen Tor von Kiew“.

Begleitend zum Konzert ließen sich Teilnehmende eines Volkshochschulkurses im Alter von 15 bis 65 Jahren von der Musik zu eigenen Bildern inspirieren. Die Ergebnisse dieser kreativen Auseinandersetzung sind derzeit im Foyer des Konzerthauses zu bewundern. Ravels Instrumentation versinnbildlicht dabei nicht nur seine Bewunderung für Mussorgski, sondern steht stellvertretend für den großen Einfluss der russischen Musik auf die französische Moderne nach 1900.




Eindringlicher Desert-Rock beim Klangvokal Musikfestival

Im Jahr 1975 zwang der Westsahara-Konflikt zehntausende Sahrauis zur Flucht. Diese Auseinandersetzung – ein Resultat der Dekolonisierung und der verweigerten Selbstbestimmung dieses Volkes – ist bis heute ungelöst. Die Westsahara gilt nach wie vor als Territorium ohne Selbstverwaltung.



Aziza Brahim (*1976 in Tindūf, Westalgerien) wuchs in einem der dortigen Flüchtlingslager auf. Früh wurde die Musik für sie zum entscheidenden Mittel, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten; durch die universelle Sprache des Gesangs schöpfte sie Kraft. Nach ihren Jugendjahren in Kuba zog sie im Jahr 2000 nach Spanien, von wo aus sie ihre internationale Karriere startete.

Gemeinsam mit ihren Musikerkollegen Ignasi Cussó (E-Gitarre), Guillem Aguilar (Bass) und Andreu Morena (Schlagzeug) trat sie am 13.03.2026 im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals im Dortmunder Reinoldihaus auf. Ihr besonderer „Desert-Rock“ verbindet Elemente aus Rock, Funk, Electro und Afro-Blues mit traditionellen saharauischen Klängen. Inhaltlich erzählen ihre Lieder von Heimat, Widerstand und Hoffnung. Dabei nutzt Brahim nicht nur ihre klare, ausdrucksstarke Stimme, sondern setzt auch die traditionelle Tablatrommel (ein Membranophon) als künstlerisches Ausdrucksmittel ein.

Aziza Brahim und Band im Reinoldihaus in Dortmund. (Foto: (c) Karen Elias)
Aziza Brahim und Band im Reinoldihaus in Dortmund. (Foto: (c) Karen Elias)

Live vermittelte das Ensemble ein Stück der Seele ihrer Heimat, kombiniert mit Jazz-Energie und mitreißenden Rhythmen – mal melancholisch, mal temperamentvoll und voller Zuversicht. Sowohl die Instrumentalisten als auch die Sängerin erhielten ausreichend Raum, ihr virtuoses Können zu entfalten. Ein gelungenes Beispiel für die völkerverbindende Kraft der Musik über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg.




Künstlerischer Blick auf die ostdeutsche Industriegeschichte

Vom 14. März bis zum 26. Juli 2026 präsentiert der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) im Dortmunder U (3. Etage) seine neue Ausstellung „Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz“. Die Schau entstand in Kooperation mit der GfZK – Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, wo sie bereits bis zum 22. Februar 2026 unter dem Titel „Robotron. Code und Utopie“ zu sehen war.

Das Industriekombinat „Robotron“ aus der ehemaligen DDR dürfte vielen Menschen ein Begriff sein. Der als „dritte industrielle Revolution“ bezeichnete, weltverändernde Siegeszug der Computer und Mikroelektronik, der in den 1960er-Jahren auch in Ostdeutschland stattfand, ist im Westen hingegen noch immer relativ unbekannt.

Zwanzig Künstler*innen setzen sich in der Ausstellung auf vielfältige Weise mit diesem Thema auseinander – sei es durch Fotografien, Videos, Skulpturen, Zeichnungen, figurative Ölgemälde oder Diagramme.

Ein Blick in die Ausstellung "Robotron" des HMKV (Foto: (c) Heinrich Holtgreve)
Ein Blick in die Ausstellung „Robotron“ des HMKV (Foto: (c) Heinrich Holtgreve)

Der Ausstellungstitel „Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz“ verweist auf das fast 14 Meter breite, monumentale Wandgemälde von Werner Tübke. Das 1973 im Auftrag der SED entstandene Werk ist bis heute fest in der Universität Leipzig installiert. Es sollte das Zusammenwirken von „Arbeiterklasse und Intelligenz“ veranschaulichen. Im Zentrum stehen der Großrechner Robotron R 300 sowie führende Manager des Kombinats, umgeben von Angestellten, Ingenieuren und Bauarbeitern – ein Sinnbild der technologischen, sozialistischen Moderne. Eine fünf Meter breite Ölskizze dieses Wandgemäldes ist im Zentrum der Ausstellung zu sehen.

Darüber hinaus thematisiert die Ausstellung die Rolle der Kybernetik, den massiven, umweltbedrohenden Wasserverbrauch der wachsenden Chip-Produktion, die Folgen des CoCom-Embargos der 1950er- und 1960er-Jahre sowie Wirtschaftsspionage und die Tücken der Planwirtschaft.

In einer modern-witzigen „Robotron – A Tech Opera“ nimmt eine der Künstlerinnen das Publikum mit auf eine Reise direkt in das Industriekombinat. Tina Bara dokumentiert eindringlich und musikalisch untermalt die 1988 heimlich in den Buna-Werken aufgenommenen Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörungen. Franca Hunger untersucht die statistische Sprache der DDR-Bürokratie und entlarvt sie als quasi hypnotisierenden Verwaltungsapparat.

Antye Guenther wiederum greift mit ihrer Arbeit „Operation Zwiebelmuster“ den Toshiba-Skandal der 1980er-Jahre auf: Japanische Manager schmuggelten damals geheime Informationen über Computer-Chips in die DDR und wurden unter anderem mit edlem Meissener Porzellan bezahlt. In Guenthers Werk verschmelzen die Baupläne eines 1-Megabit-Chips mit dem traditionellen blau-weißen Zwiebelmuster, wodurch das Porzellan zum Träger einer verborgenen Mikroelektronik-Geschichte wird.

Es gibt also viel zu entdecken! Tiefergehende Erklärungen zur Geschichte von Robotron und zum Verständnis unserer technologisch geprägten Gegenwart liefern die Wandessays von Jan Wenzel, dem Verleger und Mitbegründer des Leipziger Verlags „Spector Books“.

Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen zu den Öffnungszeiten sowie zum umfangreichen Rahmenprogramm (darunter Buchvorstellungen & Talks zum Katalog „Robotron“, Künstler*innen-Aktionen, Lesungen, Yoga, Führungen und vieles mehr) finden Sie unter: www.hmkv.de

Übrigens: Am 24. Juli 2026 ist auf der Bühne vor dem Dortmunder U (20:00–22:00 Uhr) eine große Jubiläumsparty anlässlich des 30-jährigen Bestehens des HMKV geplant!