Ein philharmonisches Konzert voller Virtuosität
Im Zentrum des 7. Philharmonischen Konzerts am 19./20. Mai 2026 im Konzerthaus Dortmund standen instrumentale Virtuosität und pure Spielfreude. Besonders deutlich wurde dies beim zweiten, zeitgenössischen Programmpunkt: Mit „ad absurdum“ (Konzertstück für Trompete und kleines Orchester) von Jörg Widmann (*1973) wurden jedoch auch die Ambivalenz und die Schattenseiten dieser Virtuosität beleuchtet. Die historische Entwicklung der Virtuosität führte einerseits zu immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten und einem Spiel mit musikalischen Grenzen; andererseits drohte stets die Gefahr eines bloßen Schielens auf sinnentleerte, rein überwältigende Effekte für das Publikum.
Die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Patrick Lange konnten schon zu Beginn bei der Musik zu Felix Mendelssohn Bartholdys „Ein Sommernachtstraum“ (op. 21 und op. 61) ihr virtuoses Können unter Beweis stellen. Die anspruchsvollen, flimmernden Streicherpassagen in der Ouvertüre zu Shakespeares Komödie waren dafür bereits ein prägnantes Beispiel. Die Musik des Komponisten ist geprägt von einer geheimnisvoll-romantischen, märchenhaften Stimmung, zwischen die sich immer wieder kraftvoll-ernste Momente mischen.
Das folgende Werk „ad absurdum“ riss das Publikum mit Sergej Nakariakov (*1977 in Gorki, heute Nischni Nowgorod) als Meister an der Solotrompete und einer kleineren Orchesterformation in einen unglaublichen Strudel der Virtuosität. Um das Stück zu bewältigen, war eine extreme Atemtechnik des Trompeters notwendig – das Ganze grenzte phasenweise an die physische Schmerzgrenze. Zum Ende des Konzertstücks kam als Spitze der Absurdität eine mechanische, mit Lochstreifen betriebene Drehorgel von der Seite zum Einsatz.

Die Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 von Ludwig van Beethoven (1770–1827) war nach der Pause mit ihrer gesteigerten, virtuosen Spielfreude ein wahrer Genuss und ein gelungener Abschluss. Sie entstand in einer äußerst produktiven und positiven Phase des Komponisten, noch vor dem vollständigen Verlust seines Gehörs. Nach dem beklemmenden Charakter der Einleitung zeugt diese Sinfonie im weiteren Verlauf von purem Elan, heiterer Stimmung und unbändiger Kreativität. Das zeigte sich vor allem im letzten Satz, der nur so vor guter Laune sprüht.
Ein Programm, das den Akteuren alles abverlangte – und das Publikum begeisterte.








