43. Ballettgala in Dortmund: Ein Abend voll Poesie und moderner Fantasie

Am 26. September 2026 startete die Oper Dortmund mit der 43. Ballettgala in die neue Spielzeit. Traditionsgemäß führte Kammersänger Hannes Brock wieder mit spürbarem Herzblut durch das Programm.



Den Auftakt bildete eine exklusive Vorschau auf die kommende Dortmunder Eigenproduktion „Dracula“ in der Choreografie von Krzysztof Pastor. Als internationale Gäste überzeugten unter anderem Thomas Martino und Daniel Domenech vom Ballet de l’Opéra Nice Côte d’Azur.

Dr. Gerd Bollermann (1. Vorsitzender Ballettfreunde Dortmund e. V.), Sae Tamura; Auszeichnung „Tänzerin des Jahres 2026“ an Sae Tamura Foto: (c) Leszek Januszewski
Dr. Gerd Bollermann (1. Vorsitzender Ballettfreunde Dortmund e. V.), Sae Tamura; Auszeichnung „Tänzerin des Jahres 2026“ an Sae Tamura Foto: (c) Leszek Januszewski

Statt klassischem Spitzentanz und bravourösen Sprungfolgen setzten die meisten Stücke auf moderne Ausdrucksformen und experimentelle Klänge: Das Publikum erlebte eine dichte Abfolge poetischer Pas de deux und berührender Soli. Da die Compagnie „Les Ballets de Monte-Carlo“ ihren Auftritt kurzfristig absagen musste, sprangen hochkarätige Gäste aus Spanien sowie vom Bayerischen Staatsballett ein.

Besondere Akzente setzten zwei Tänzerinnen: Filipa de Castro (Companhia Nacional de Bailado) faszinierte sowohl mit „Horizon of Fado“ als auch mit einer feinsinnigen Interpretation zu Franz Schuberts „Du bist die Ruh’“. Zarina Stahnke glänzte mit der Uraufführung von „Sylphe“.

Ein feierlicher Höhepunkt war die Auszeichnung von Sae Tamura als „Tänzerin des Jahres 2026“. Der von den Ballettfreunden Dortmund initiierte Preis umfasst neben einer Urkunde und 5.000 Euro Preisgeld (gestiftet von der Sparkasse Dortmund) eine Skulptur, die an die Tänzerin auf der Dortmunder Opernkuppel angelehnt ist.

Zum furiosen Finale zog das Tempo noch einmal an: Mit einem energiegeladenen Auszug aus „Radio & Juliet“ zu den Klängen von Radiohead entließ das Ensemble die Zuschauer begeistert in die neue Spielzeit.




Mitsingen erwünscht: Das Konzerthaus Dortmund feiert das 1. Konzert für junge Leute

Gemeinsam singen, aufspringen, tanzen: Das Dortmunder Konzerthaus bot seinem Publikum aller Altersgruppen beim 1. Konzert für junge Leute am 21. September 2026 genau dazu die Gelegenheit.



Die musikalische Hauptrolle des Abends spielte das Projekt „SYMPHONIC SING ALONG“ mit Sängerin Leslie Jost, deren kraftvolle Stimme den Saal trug. Gemeinsam mit Miki Kekenj – Konzertmeister der Bergischen Symphoniker und an diesem Abend Dirigent sowie Moderator – brachte sie eine Playlist aus 14 Titeln auf die Bühne: ein dynamischer Bogen aus Klassik, Pop, Rock, Hip-Hop und Neuer Deutscher Welle. Beide führten mit viel Humor und spürbarer Spielfreude durch das Programm.

Sängrin Leslie Jost  Foto: Anke Doerschlen
Sängrin Leslie Jost Foto: Anke Doerschlen

Für den passenden orchestralen Rahmen sorgten die Dortmunder Philharmoniker, die unter Kekenjs Leitung einmal mehr ihre stilistische Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellten. Das Prinzip war einfach wie wirkungsvoll: Die Refrains wurden gut lesbar in roter Schrift auf eine Leinwand projiziert. Bestens von Kekenj eingestimmt, hielt es das Publikum bald kaum mehr auf den Stühlen: Bei ABBAs „Dancing Queen“ wurde getanzt, bei AC/DCs „Highway to Hell“ und den Ärzten („Schrei nach Liebe“) lautstark mitgegrölt. Spätestens bei der Toten-Hosen-Hymne „Tage wie diese“ stellte sich jenes Gemeinschaftsgefühl ein, das den gesamten Abend prägte.

Im Mittelpunkt stand die verbindende Kraft der Live-Musik. Nach zwei gefeierten Zugaben – dem 80er-Klassiker „Take On Me“ von a-ha und Leonard Cohens ergreifendem „Hallelujah“ – verließ das Publikum den Saal sichtlich beseelt.




Befreiung aus langem Schatten: Das Musical „Rebecca“ triumphiert im Opernhaus Dortmund

In Koproduktion mit den Vereinigten Bühnen Wien präsentierte die Oper Dortmund am 19. September 2026 die mit Spannung erwartete Neuinszenierung des Musical-Welterfolgs „Rebecca“. Regie-Routinier Gil Mehmert setzt das Erfolgsstück von Michael Kunze (Buch/Liedtexte) und Sylvester Levay (Musik/Orchestrierung) als bildgewaltigen Psychothriller in Szene. Für das orchestrale Fundament im Graben sorgen die Dortmunder Philharmoniker, die unter der feinfühligen Leitung von Carlos Vázquez die düster-romantische Partitur packend zum Leuchten bringen.



Die Vorlage lieferte Daphne du Mauriers berühmter Roman aus dem Jahr 1938: Eine mittellose, namenslose Gesellschafterin („Ich“) begegnet an der Côte d’Azur dem wohlhabenden Witwer Maxim de Winter. Die beiden heiraten überstürzt und ziehen auf seinen legendären Landsitz Manderley. Doch das herrschaftliche Anwesen wird vom Geist der verstorbenen Rebecca beherrscht. Allen voran lässt die verbitterte Haushälterin Mrs. Danvers die junge Nachfolgerin spüren, dass sie Rebeccas makellosem Mythos niemals das Wasser reichen kann. Während Maxim unter der Last finsterer Erinnerungen zerbricht, droht das tödliche Geheimnis um Rebeccas Tod auch die neue Ehe zu vernichten.

Das Ensemble von "Rebecca". Foto: (c) Björn Hickmann
Das Ensemble von „Rebecca“. Foto: (c) Björn Hickmann

Atmosphärisch dichte, wandelbare Bühnenbilder und opulente Kostüme tragen die psychologische Spannung bis zum dramatischen Finale samt spektakulärem Feuereffekt. Getragen wird der Abend von einer hochkarätigen Besetzung: Antonia Kalinowski überzeugt auf ganzer Linie und vollzieht die Wandlung von der unsicheren, scheinbar unbedeutenden jungen Frau zur selbstbestimmten Retterin ihres Mannes mit stimmlicher Finesse und dramaturgischer Reife. Mark Seibert verleiht Maxim de Winter die nötige Tragik eines zerrissenen, schuldgeplagten Aristokraten.

Als darstellerische Urgewalt erweist sich Bettina Mönch in der Paraderolle der Mrs. Danvers: Mit bedrohlicher Präsenz zelebriert sie ihren manischen Totenkult und spinnt im Verbund mit dem herrlich zwielichtigen Jack Favell (glänzend besetzt mit David Jakobs) ihre bösen Fäden. Für willkommene humoristische Akzente in dieser beklemmenden Atmosphäre sorgt Amani Robinson als geschwätzige Mrs. van Hopper.

Ein packender Abend, den das Publikum mit tosendem Premierenapplaus und Standing Ovations feierte. Viele der kommenden Vorstellungen sind bereits restlos ausverkauft – wer Manderleys Untergang noch miterleben möchte, sollte sich sputen.

Tickets und Vorverkauf: www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.




Tiere an die Macht: Gelungene Uraufführung von „Miau!“ im KJT Dortmund

Mit dem Auftragswerk „Miau!“ der renommierten Dramatikerin Anne Lepper (ab 8 Jahren) feierte das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) am 18. September 2026 eine fulminante Uraufführung. Ensemble-Mitglied Sar Adina Scheer gab dabei ein rundum überzeugendes Regiedebüt.



Frei nach Erich Kästners Klassiker „Konferenz der Tiere“ verwandelt sich die KJT-Bühne in den Tagungsort der „Vereinigten Tier- und Pflanzenkonferenz“ (VTUPFK) – und das junge Publikum wird kurzerhand zu stimmberechtigten Seepferdchen-Delegierten ernannt. Die Szenerie besticht durch fantasievolle Grün- und Rosatöne, ergänzt durch einen runden, multifunktionalen Bildschirm, über den sich bedrohte Tierarten aus aller Welt mit ihren Nöten live zuschalten.

Der Ernst der Lage ist greifbar: Angesichts von Umweltzerstörung, Klimakrise und Ausbeutung natürlicher Ressourcen scheint der Fall für die Delegierten unter Leitung des geschäftigen Hamsters (Fabi ten Thije) klar: Die Erde muss vor dem Menschen gerettet werden. Gemeinsam mit der pessimistischen Giraffe (Bianca Lammert), dem Löwen (Rainer Kleinespel) und einer sprechenden Pflanze beschließen die Tiere drastische Maßnahmen. Doch kurz vor dem Beschluss kriecht eine bedächtige Schnecke (Sonja Glade) ins Geschehen – im Schlepptau ein „Kindchen“ (Andreas Ksienzyk), für das sie ein Gnadengesuch einreicht: Der Junge soll stellvertretend beweisen, dass die Menschheit lernfähig ist. Scheitert er, setzt sich eine unerbittliche Maschinerie in Gang.

Miau!: v.l.n.r.: Sonia Glade, Fabi ten Thije, Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk
Foto: © Birgit Hupfeld
Miau!: v.l.n.r.: Sonia Glade, Fabi ten Thije, Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk
Foto: © Birgit Hupfeld

Bühne, Maske und Kostüme begeistern mit enormem Detailreichtum und treffsicherem Witz. Das spielfreudige Ensemble geht mit viel Humor in seinen Rollen auf, wobei Bianca Lammert als Giraffe auch gesanglich starke Akzente setzt. Besonders charmant gelingt die wiederholte Einbindung des Publikums: Dass die Kinder im Saal ganz konkret als Helfende gebraucht werden, demonstriert spielerisch den Wert von Gemeinschaft und Zusammenhalt.

So verhandelt „Miau!“ auf kindgerechte, aber niemals naive Weise existenzielle Fragen: Es geht um Verantwortung und Widerstand, vor allem aber um die Selbstbestimmung junger Generationen auf einem krisengeschüttelten Planeten.

Weitere Termine und Karten unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.




Künstlerisch starke Positionen zur Globalisierung: Die Kunsthalle Dortmund eröffnet im Dortmunder U

Mit „INDUSTRIAL: Seidenstraßen 3000“ hat die Kunsthalle Dortmund – ehemals Hartware MedienKunstVerein (HMKV) – auf Ebene 6 des Dortmunder U ihre erste Ausstellung unter neuem Namen eröffnet. Das Kuratoren-Duo Dr. Inke Arns und Thibaut de Ruyter knüpft damit programmatisch an die geschärfte Profilierung des bisherigen HMKV an.



Der Auftakt markiert zugleich einen bemerkenswerten Identitätswechsel: Pünktlich zum 30-jährigen Bestehen verabschiedete sich der renommierte Hartware MedienKunstVerein im Sommer von seinem traditionsreichen, eigensinnigen Namen und firmiert als Ausstellungsort im U nun schlicht als ‚Kunsthalle Dortmund‘. Was einerseits den Abschied von einer unverwechselbaren Marke bedeutet, begründet Leiterin Inke Arns pragmatisch: Medienkunst sei längst kein elitäres Spezialgenre mehr, sondern integraler Bestandteil internationaler Gegenwartskunst geworden. Der neue Name soll Barrieren senken – auch wenn Trägerverein und diskursfreudiger Anspruch dieselben bleiben. Dass die erste Schau unter neuer Flagge gleich globale Handelsströme und geopolitische Netzwerke seziert, beweist: Der Name mag braver klingen, der analytische Biss des Hauses bleibt.

Ida Kammerloch, "MADE IN CHINA", (Foto: Ida Kammerloch)
Ida Kammerloch, „MADE IN CHINA“, (Foto: Ida Kammerloch)

Ausgangspunkt der Schau ist Chinas seit 2013 vorangetriebene „Belt and Road Initiative“, besser bekannt als Neue Seidenstraße. Im Zentrum stehen globale Lieferketten, Logistikströme und die Frage, wie sich diese Verflechtungen auf das Leben konkreter Menschen an konkreten Orten auswirken. Die gezeigten Netzwerke spannen einen Bogen von Japan und China über Zentralasien, den Kaukasus und die Türkei bis mitten hinein ins Ruhrgebiet.

Auf den Ebenen 3 und 6 des Hauses [– genaue Quadratmeterzahl hier einsetzen –] inszeniert Thibaut de Ruyter passend zum Thema eine Szenografie aus mobilen, alltäglichen Objekten der globalisierten Warenwelt – darunter auch der ikonische weiße Monobloc-Plastikstuhl.

Die internationale Gruppenausstellung vereint Arbeiten von 23 Künstlerinnen und Künstlern aus 16 Ländern. Das Spektrum reicht von Videoinstallationen und Skulpturen über Fotostrecken bis hin zu dokumentarischen Arbeiten: Ein japanischer Blick auf traditionelle wie industrielle Seidenproduktion trifft auf gefälschte Markenartikel, Doppelgänger-Phänomene und den Pipelinebau in der Türkei. Eindrückliche Aufnahmen führen etwa in die chinesisch-russische Grenzstadt Manzhouli. Zugleich spart die Ausstellung die Schattenseiten der Konsumgesellschaft nicht aus: Wer möchte, kann in einer Videoarbeit die unbarmherzigen sieben Stunden eines regulär 14-stündigen Arbeitstags in der Billiglohn-Textil- oder Spielzeugproduktion nachverfolgen.

Am Ende schlägt die Ausstellung den Bogen zurück in die Region: Ulrike Frankes und Michael Loekens preisgekrönter Dokumentarfilm „Losers and Winners“ (2006) erinnert an den spektakulären Abbau der Dortmunder Kokerei Kaiserstuhl durch 300 chinesische Arbeiter und deren Verschiffung nach China. Ein historischer Meilenstein, der heute im Dortmunder Norden seine Fortsetzung findet – wo auf einstigen Industriebrachen die riesigen, hochautomatisierten Verteilzentren von IKEA oder Amazon den Takt der neuen Warenwelt vorgeben.

Begleitet wird die Schau von einem Rahmenprogramm aus öffentlichen Führungen, Fachdiskussionen und Familiensonntagen. Zu sehen ist „INDUSTRIAL: Seidenstraßen 3000“ bis zum 10. Januar 2027.




Oma Monika und das Kuddelmuddel im Kopf

Das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) ist am 4. September mit Milan Gathers feinfühligem Stück „Oma Monika – Was war?“ in die neue Spielzeit gestartet. Unter der Regie von Antje Siebers widmen sich Johanna Weißert (Oma Monika) und David Smith (Enkel Balthasar) einem schweren, aber zutiefst menschlichen Thema: Demenz.



Balthasar und seine Oma sind ein eingespieltes Team. Regelmäßig verbringen die beiden heitere Nachmittage bei Kuchen und Kreuzworträtseln in der Küche – wo mittlerweile auffällig viele Gedächtnisstützen und Zettel die Wände säumen. Doch als der Enkel einmal bei ihr übernachtet, lässt sich die Realität nicht mehr überspielen: Oma verwechselt Worte, sucht nach Begriffen, vergisst Dinge. Mit bewundernswerter Geduld begegnet Balthasar ihren Aussetzern. Gemeinsam reisen sie zurück in Monikas Vergangenheit: Wer war diese Frau, bevor das Vergessen ihren Alltag bestimmte?

„Oma Monika – Was war“ – David Smith und Johanna Weißert © Birgit Hupfeld

Johanna Weißert und David Smith füllen ihre Rollen mit enormem Feingefühl aus. Die Inszenierung balanciert gekonnt zwischen Situationskomik und leisen, nachdenklichen Momenten voller Zärtlichkeit. Besonders berührend: die gemeinsamen Lieder, stimmig arrangiert von Michael Kessler.

Ein wichtiges, sensibel erzähltes Stück für Kinder ab acht Jahren über ein Phänomen, das in unserer Gesellschaft immer präsenter wird – warmherzig, ohne pädagogischen Zeigefinger.

Termine & Tickets: Tel. 0231 / 50 27 222 oder unter theaterdo.de.




Musical-Statement für Toleranz und Vielfalt 

Im Dortmunder Opernhaus erlebte das Publikum am 17.06.2026 die deutsche Uraufführung des Musicals „Alle reden nur noch von Jamie“. Es ist ein partizipatorisches Projekt der der „Jungen Oper Dortmund“, dass sich in der Drag-Szene bewegt. 



Beteilig daran war das Ensemble der Opern Youngstes (We Do Opera!), Schüler*innen des Märkischen Gymnasiums Iserlohn & Gäste. 

Live begleitet wurde das Geschehen auf der Bühne sensibel von der YoungSymphonics Band (We Do Opera!) 

Grundlage war das Buch (und Gesangstexte) von Tom Macrae (Deutsch: Werner Sobotka), Musik von Dan Gillespie. Das Ganze entstand nach einer Idee von Jonathan Butterell. 

Dominik Kulczyński, Ensemble. Foto: (c) Björn Hickmann
Dominik Kulczyński, Ensemble. Foto: (c) Björn Hickmann

Zum Plot: Der 16-jährige Jamie New aus Sheffield, stark gesungen und gespielt von Dominik Kulczyński, hat einen großen Traum. Er möchte hoch hinaus und Drag-Queen werden. Tatkräftig unterstützt wird er nur von seiner Mutter Margret New (Marja Hennicke), deren beste Freundin Ray (Freddy Kutz). Sein Vater (Martin Lasche) lehnt in ab und hat eine neue Familie gegründet. In der Schule ist er Außenseiter wie seine gute Freundin Pritti Pasna (Lilly Sophie Kastner), eine ehrgeizige Muslima. Eine wichtige Person ist Hugo, die ehemalige Drag-Queen „Loco Chanelle“. Für diese Rolle konnte Ks. Hannes Brock gewonnen werden, der sie mit Spielefreude und seiner Persönlichkeit ausfüllte. Wir begleiten Jamie auf seinen schwierigen Weg zur Selbstfindung. 

Die Songs wurden mit ihren tiefen Emotionen vom Ensemble von der Bühne aus herübergebracht. Die jeweiligen Ortschaften per Leinwandprojektionen präsentiert. 

Die Fans der Drag-Szene kamen auf ihre Kosten. Es gab viele schillernde Kostüme (Nina Albrecht-Paffendorf) zu sehen und die Maskenabteilung hatte gute Arbeit geleistet. Es gab viel Zwischenapplaus und das Publikum reagierte impulsiv auf Handlung, den eindringlichen Gesang oder der gelungenen Choreografien (Jutta Maas). Der Abend wurde mit dreieinhalb Stunden (inklusive Pause) lang. 

Es war eine unterhaltsam-bewegende Coming-of-Age Geschichte, eine Hommage an die Drag-Szene, aber vor allem ein Plädoyer für Toleranz, Vielfalt und den Mut zur Selbstakzeptanz. 

Die weiteren Aufführungstermine erfahren Sie wie immer unter www.theaterdo.de der Tel.: 0231/ 50 27 222




Märchenhaft-fantasievolles philharmonisches Konzert 

Das 8. Philharmonische Konzert am 09. und 10.06.2026 im Dortmunder Konzerthaus war ganz von Fantasie und musikalischen Märchenwelten geprägt. Im 19. Jahrhundert rückte die Kindheit zunehmend als bedeutsame Entwicklungsphase in den Mittelpunkt des Interesses. Die Dortmunder Philharmoniker unter der feinfühligen Leitung von Nodoka Okisawa (geb. 1987) entführten das Publikum mit Werken von Ravel, Yoshimatsu und Mozart in eine ganz besondere Klangwelt. 



Maurice Ravel (1875–1937) war eine führende Stimme der damaligen jungen Generation. Mit seiner Suite „Ma mère l’oye“ („Meine Mutter Gans“) entwarf er eine stilisierte Welt der Kindheit. Die ersten beiden der fünf Sätze basieren auf den Märchen „Dornröschen“ und „Der kleine Däumling“, während der dritte Satz das fantasievolle Bild einer badenden chinesischen Herrscherin zeichnet, die von winzigen Dienern umgeben ist. Ravels Musik besticht dabei durch reizvolle Harmonien und einen enormen Reichtum an Klangfarben. 

Das anschließende zeitgenössische Fagottkonzert „Unicorn Circuit op. 36“ des japanischen Komponisten Takashi Yoshimatsu (geb. 1953) ist zwischen Lyrik und Mythologie angesiedelt. In drei Sätzen führt die Fantasiereise stimmungsvoll durch die Jahreszeiten Herbst, Winter und Frühling. Dabei ist die Musik von einem steten Wechsel zwischen traditioneller Tonalität mit ruhigen, meditativen Elementen und avantgardistisch-dissonanten Abschnitten geprägt. Die 1991 in Frankreich geborene Fagottistin Sophie Dervaux stellte hier eindrucksvoll ihr außergewöhnliches Können und ihre Virtuosität unter Beweis. 

Sophie Dervaux spielte das zeitgenössische Fagottkonzert „Unicorn Circuit op. 36“. Foto: (c) Marco Borggeve
Sophie Dervaux spielte das zeitgenössische Fagottkonzert „Unicorn Circuit op. 36“. Foto: (c) Marco Borggeve

Nach der Pause setzte die Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 („Jupiter-Sinfonie“) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) einen glanzvollen Schlusspunkt. Mit ihrer Klarheit, Präzision, kontrastreichen Themenführung und scheinbaren Leichtigkeit gilt sie als absoluter Höhepunkt der Schaffenskraft des Komponisten – und das in einer Zeit schwerer psychischer und finanzieller Belastungen. Das Werk bildet eine geniale Verbindung aus kontrapunktischer Fuge und klassischer Sinfonie, getragen von einer gelungenen Balance zwischen festen Strukturen und beweglichen Formgliedern. Das volkstümlich-barocke Leichte verschmilzt hier perfekt mit dem kompositorisch Schweren. Eine ganz besondere Ausdruckskraft entfaltet schließlich das grandiose Finale im vierten Satz, dessen ausgedehnte Fuge die Krone aufsetzt.




Grand opéra im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals 

Das Klangvokal Musikfestival Dortmund bot mit „La Favorite“ von Gaetano Donizetti (1797–1848) am 07.06.2026 wieder einmal ein besonderes konzertantes Opernerlebnis im hiesigen Konzerthaus. 



Dieses Werk ist geprägt von einer gelungenen Verbindung französischer theatraler Monumentalität und italienischer, ausdrucksstarker melodischer Schönheit. Gesungen wurde in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln. 

Im Zentrum von „La Favorite“ steht die dramatische Konstellation um den historischen König Alfons XI. von Kastilien, seine Mätresse Léonor de Guzmán und deren große Liebe zum jungen Fernand. Zwischen Klosterwelt, höfischer Macht, der Einflussnahme der katholischen Kirche und individueller Leidenschaft entwickelt sich ein packendes Drama. Standesunterschiede, Schuldgefühle, Missachtung und ein veralteter Ehrbegriff führen schließlich zu einem tragischen Ende. 

Die Solisten (v.l.n.r.) Angel Macias, Suzanne Jerosme und Bogdan Talos. (Foto: (c) Karen Elias)
Die Solisten (v.l.n.r.) Angel Macias, Suzanne Jerosme und Bogdan Talos. (Foto: (c) Karen Elias)

Die für das Konzert aufgebotenen internationalen Stars der Opernszene machten die verschiedenen Emotionen gesanglich, mimisch sowie gestisch spürbar. Als Léonor überzeugte die Mezzosopranistin Varduhi Abrahamyan (aus Jerewan), während der australisch-chinesische Tenor Kang Wang der Rolle des Fernand besondere Eindringlichkeit verlieh. Mit seinem warmen Bariton begeisterte zudem der aus Neapel stammende Vito Priante als König Alphonse XI. 

Ihr großes gesangliches Können bewiesen auch die französische Sopranistin Suzanne Jerosme als Inez (Vertraute), der in Mexiko geborene Tenor Angel Macias als Don Gasparo (Offizier des Königs) und Bogdan Talos mit seinem tiefen Bass in der Rolle des Balthazar (Prior des Klosters San Giacomo). 

Das Ensemble des WDR Funkhausorchesters unter der temperamentvollen Leitung des italienischen Belcanto-Dirigenten Antonino Fogliani sorgte für eine feinfühlige und je nach Ort der Handlung differenzierte musikalische Begleitung. Zudem untermalte der WDR Rundfunkchor (Einstudierung: Alexander Lüken) das Geschehen eindrucksvoll und stimmgewaltig aus dem Hintergrund. 

Sendehinweis: Der Konzertmitschnitt wird am 4. Juli 2026 um 20:00 Uhr auf WDR 3 und weiteren Sendern der ARD ausgestrahlt. 




Romeo-und-Julia-Motiv mit besonderem Blickwinkel 

Im Opernhaus Dortmund feierte am 30.05.2026 die Ballettchoreografie „Radio and Juliet“ von Edward Clug (Artist in Residence) mit dem NRW-Juniorballett ihre Premiere. Clug gelang vor über zwanzig Jahren mit dieser Choreografie in Maribor der internationale Durchbruch. In diesem Werk wird die bekannte tragische Liebesgeschichte von Romeo und Julia – geprägt von Familienzwist, Machtstrukturen und Rivalitäten – aus einem besonderen Blickwinkel erzählt: Der Fokus liegt ganz auf den inneren Empfindungen der weiblichen Protagonistin. Wie in einem Wachtraum wird das Publikum in die Gedanken und Emotionen von Juliet geführt. 



Schon zu Beginn werden die Anwesenden per Schwarz-Weiß-Videoclip (Janja Glogovac) behutsam in das Anwesen und die Gemächer von Juliet geleitet. Das Stück beginnt mit dem Erwachen von Juliet, die hier nicht gestorben ist. Gemeinsam mit ihr durchleben wir die vorherigen Geschehnisse: den Familienstreit, die wachsende Liebe zwischen ihr und Romeo, Gangrivalitäten sowie den Tod von Mercutio und Romeo. 

Das junge Ballett-Ensemble überzeugte mit solidem, präzisem Tanzhandwerk in Verbindung mit modernen künstlerischen Ausdrucksformen. Jede Geste sowie die kurzen Momente des abwägenden Innehaltens und der Besinnung besaßen eine tiefe Bedeutung. Was wäre, wenn man durch eine selbstbestimmte Handlung das scheinbar unausweichliche Schicksal ändern könnte? Das Stück zeigt einen zarten Widerstand und Zweifel gegen das endgültige „So ist es nun einmal und so muss es sein“. 

Liberty Fergus, Kaining Dong. Foto: (c) Leszek Januszewski
Liberty Fergus, Kaining Dong. Foto: (c) Leszek Januszewski

Die Frage nach alternativen, friedlichen Lösungen ist auch in unseren heutigen Krisenzeiten von aktueller Bedeutung. 

Ein Resonanzraum voll Emotionen wurde durch die sphärisch intensive, mal pulsierende, dann wieder melancholisch-nachdenkliche Musik von Radiohead eröffnet. Das Zusammenwirken von Körperbewegung und Musik führte zu einem berührenden Erlebnis zwischen Gefühlstiefe, Zerbrechlichkeit und spannungsgeladenen Momenten. 

Für das NRW-Juniorballett war dies eine große Herausforderung, die die Compagnie mit professioneller, jugendlicher Energie, großem Können und Engagement meisterte. 

Weitere Aufführungstermine finden Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231/50 27 222.