A Musical Christmas – Stimmungsvolle Gala in der Vorweihnachtszeit im Opernhaus Dortmund

Schellen läuten den Abend ein. Man hört sie nur. Zu sehen und bestaunen ist das üppige, festliche Bühnenbild mit Schlitten und übergroßen Geschenken, Tannenbäumen und rotem Teppich (Staging und Lichtdesign: Fabian Schäfer). Ganz in Rot schreiten auch die Sängerinnen die Showtreppe herunter, die mit ihrem Kollegen den Abend gestalten. Grün, Rot, Gold. Der weihnachtliche Musical-Abend kann beginnen.

Patricia Meeden, Bettina Mönch, Amani Robinson und Kammersänger Morgan Moody wünschen gleich mit dem ersten Lied eine „Wonderful Christmas Time“, bevor sie mit launigen Moderationen locker in die nächsten Soli einführen. Starke Stimmen allesamt, die ein Programm mit bekannten Musical-Melodien bieten, aber auch mit einigen Songs, die nicht aus Musicals stammen, aufwarten. Mit dabei der Elvis-Klassiker „Can’t help falling in love“ aus dem Musikfilm „Blue Hawaii“ von 1961, schön zartschmelzend interpretiert vom Bass-Bariton Morgan Moody. Das langjährige Dortmunder Ensemblemitglied hat damit die Herzen des weiblichen Publikums mit Sicherheit erreicht, aber als Hahn im Korb lieben ihn seine Kolleginnen auf der Bühne sicherlich auch. Wenn man von den leicht ironischen Zwischentexten ausgehen kann. Was sich neckt, das liebt sich.

Sehr einfühlsam interpretiert dann das klassische Weihnachtslied „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ von Patricia Meeden, die bereits im vergangenen Jahr die weihnachtliche Musical-Gala mitgestaltete.

Neben dem King of Rock ’n‘ Roll kommt auch der King of Pop zu Gehör: Den ersten Teil beenden die vier mit dem Appell des Michael-Jackson-Hits „Heal the world“. „Make it a better place for you and for me and the entire human race.”

Mit diesem Wunsch begibt sich das Publikum zu Gesprächen in die Pause und freut sich auf die zweite Hälfte. Während es in einer Reihe „So schnell?“ heißt. Nun, vielleicht hat es der eine oder die andere auch gedacht, dabei ist bereits mehr als eine Stunde verflogen. Die Dame, die dies ausrief, hat allerdings mit ihrer Begleitung die Reihe eine Viertelstunde zu spät in Unordnung gebracht, sodass alle anderen ihr einiges an Genuss voraushaben.

Das Programmblatt zu "A Musical Christmas"
Das Programmblatt zu „A Musical Christmas“

Zurück aus der Pause kämpfen sie und die neben und hinter ihr Sitzenden mit ihrem voluminösen Mantel, der offensichtlich kein freies Schließfach mehr gefunden hat, bevor man sich wieder auf das Bühnengeschehen konzentrieren kann. Die fünf Musiker der Band unter der Leitung von Stephan Kanyar am Klavier wechseln nur hin und wieder ihre Instrumente, aber nicht die Bekleidung, die Sängerinnen und der Sänger läuten nun in glitzernden Kleidern und Jackett den zweiten Part ein.

Das Publikum ist gut eingestimmt und geht im zweiten Teil gern mit. Manchen hält es vor Begeisterung nicht und er bekundet seine Freude auch mitten in den Liedern, sodass der Würdigkeit des Abends zum Trotz nicht der himmlische Lobgesang, sondern irdische Zwischengeräusche erschallen. So auch bei dem Solo von Bettina Mönch mit „Nothing compares 2 U“ (Prince), die in Dortmund schon mehrfach in Produktionen mitgespielt hat, so in „Cabaret“, „Rent“ oder „Sweeney Todd“. In der nächsten Spielzeit wird sie in dem Musical „Rebecca“ zu sehen sein.

Ein Swing-Medley führt noch einmal alle zusammen, bevor weitere Soli und ein Duett der „unzertrennlichen Schwestern“ Patricia Meeden und Amani Robinson ins Finale führen.

Und was mit Schellen begann, klingt nach über zwei Stunden mit dem gemeinsam gesungenen „Jingle Bells“ und viel begeistertem Applaus aus. Nicht ohne einen weiteren Hinweis auf das geplante Musical „Rebecca“ in der kommenden Spielzeit, die an diesem Abend noch weit entfernt scheint.

Aber nach den Festtagen ist das neue Jahr schon da und die Zeit vergeht so schnell, wie die Dame mit dem auch für großzügige Theatersitze massigen Mantel bereits zur Pause wusste.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in das Neue Jahr, das pünktlich beginnen wird ;).

 

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