Coco Superstar – oder was wirklich zählt 

Im Foyer der Oper Dortmund konnte das Publikum am 23. Mai 2026 die Premiere des Musicals „Coco Superstar“ von Sandra Engelhardt und Martin Maria Schulte erleben – ein partizipatives Projekt unter engagierter Beteiligung der „We Do Opera! – OpernKids“. Die Kinder und Jugendlichen erhielten dabei tatkräftige Unterstützung von den erfahrenen „We Do Opera! – OpernYoungsters“ Jacob Ambrosius, Lilli Bracklow und Sarah Heckner. Carlos Vázquez hatte die musikalische Gesamtleitung inne und begleitete das Geschehen leidenschaftlich live am Klavier. 



Zum Plot: Coco, der neueste Shootingstar am Casting-Himmel, gibt ein Konzert in der Stadt! Die Aufregung innerhalb der Schulgemeinschaft ist riesig. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, bietet Cocos Manager einer einzigen Person die Chance, den Star vor der Show backstage zu treffen. Für die Direktorin steht fest: Nur die oder der Beste kommt dafür infrage. Es entbrennt ein heftiger Wettstreit zwischen vier Gruppierungen: den Liebhabern der Naturwissenschaften, des Sports, der Sprachen und der Künste. Während die Direktorin derweil verblassten Träumen hinterherhängt, ist der Hausmeister irgendwie immer genau im richtigen Moment zur Stelle… 

Programmzettel der Premiere von: Coco Superstar.
Programmzettel der Premiere von: Coco Superstar.

Mit spürbarem Enthusiasmus und starkem Einsatz vertraten die OpernKids die Interessen ihrer jeweiligen Rollen. Das Stück beleuchtet dabei kritisch den überzogenen Hype um sogenannte „Superstars“ und den Wunsch vieler Jugendlicher, ebenso erfolgreich und beliebt zu sein. Eine Schülerin fühlt sich beispielsweise als Außenseiterin, weil sie vermeintlich „keine besonderen Talente“ besitzt. Am Ende zeigt das Musical, worauf es wirklich ankommt: jungen Menschen Raum für die Entfaltung ihrer eigenen Persönlichkeit zu geben. Dazu gehört untrennbar auch der gegenseitige Respekt vor den Beiträgen und Leistungen anderer. 

Man darf gespannt sein, wohin der Weg die talentierten OpernKids in Zukunft noch führen wird. 

Weitere Vorstellungstermine: 

So. 07.06.2026 & So. 21.06.2026 (jeweils um 11:15 Uhr im Rahmen des „Beyond Opera 26“-Festes 




Ein philharmonisches Konzert voller Virtuosität 

Im Zentrum des 7. Philharmonischen Konzerts am 19./20. Mai 2026 im Konzerthaus Dortmund standen instrumentale Virtuosität und pure Spielfreude. Besonders deutlich wurde dies beim zweiten, zeitgenössischen Programmpunkt: Mit „ad absurdum“ (Konzertstück für Trompete und kleines Orchester) von Jörg Widmann (*1973) wurden jedoch auch die Ambivalenz und die Schattenseiten dieser Virtuosität beleuchtet. Die historische Entwicklung der Virtuosität führte einerseits zu immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten und einem Spiel mit musikalischen Grenzen; andererseits drohte stets die Gefahr eines bloßen Schielens auf sinnentleerte, rein überwältigende Effekte für das Publikum. 



Die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Patrick Lange konnten schon zu Beginn bei der Musik zu Felix Mendelssohn Bartholdys „Ein Sommernachtstraum“ (op. 21 und op. 61) ihr virtuoses Können unter Beweis stellen. Die anspruchsvollen, flimmernden Streicherpassagen in der Ouvertüre zu Shakespeares Komödie waren dafür bereits ein prägnantes Beispiel. Die Musik des Komponisten ist geprägt von einer geheimnisvoll-romantischen, märchenhaften Stimmung, zwischen die sich immer wieder kraftvoll-ernste Momente mischen. 

Das folgende Werk „ad absurdum“ riss das Publikum mit Sergej Nakariakov (*1977 in Gorki, heute Nischni Nowgorod) als Meister an der Solotrompete und einer kleineren Orchesterformation in einen unglaublichen Strudel der Virtuosität. Um das Stück zu bewältigen, war eine extreme Atemtechnik des Trompeters notwendig – das Ganze grenzte phasenweise an die physische Schmerzgrenze. Zum Ende des Konzertstücks kam als Spitze der Absurdität eine mechanische, mit Lochstreifen betriebene Drehorgel von der Seite zum Einsatz. 

Der Solist des Abends: Sergej Nakariakov an der Trompete. (Foto: (c) Thierry Cohen)
Der Solist des Abends: Sergej Nakariakov an der Trompete. (Foto: (c) Thierry Cohen)

Die Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 von Ludwig van Beethoven (1770–1827) war nach der Pause mit ihrer gesteigerten, virtuosen Spielfreude ein wahrer Genuss und ein gelungener Abschluss. Sie entstand in einer äußerst produktiven und positiven Phase des Komponisten, noch vor dem vollständigen Verlust seines Gehörs. Nach dem beklemmenden Charakter der Einleitung zeugt diese Sinfonie im weiteren Verlauf von purem Elan, heiterer Stimmung und unbändiger Kreativität. Das zeigte sich vor allem im letzten Satz, der nur so vor guter Laune sprüht. 

Ein Programm, das den Akteuren alles abverlangte – und das Publikum begeisterte.