Junge Wilde mit Julia Hagen & dem Hagen Quartett 

Im Dortmunder Konzerthaus fand am 30.04.2026 ein besonderes Streicherkonzert mit der renommierten jungen Cellistin Julia Hagen aus Salzburg und dem Hagen Quartett statt. Julia Hagen brachte an diesem Abend gleich einen Großteil ihrer musikalischen Familie mit in den Konzertsaal. 



Ihre Tante Veronika Hagen (Viola), ihr Vater Clemens Hagen (Violoncello), ihr Onkel Lukas Hagen (Violine) sowie Rainer Schmidt (Violine) bilden schon seit vier Jahrzehnten ein erfolgreiches Streichquartett und beenden in diesem Jahr ihre lange Karriere. Sie sind ein Vorbild für viele junge Streichquartette. 

Zu Beginn stellte Julia Hagen ihr Einfühlungsvermögen und technisches Können bei der anspruchsvollen Suite für Violoncello solo Nr. 1 G-Dur BWV 1007 (ca. 1720) von Johann Sebastian Bach (1685–1750) unter Beweis. Sehr ausdrucksvoll bringt schon das Prélude das Klangspektrum des Cellos zur Geltung. Eine Besonderheit ist die plötzliche Unterbrechung in der Mitte des Satzes. Komplexe harmonische Wechsel sind zudem auch bei den folgenden Tanzsätzen eine Herausforderung für jeden Cellisten. 

Der Programmflyer für das Konzert von Julia Hagen
Der Programmflyer für das Konzert von Julia Hagen

Liebenswürdig und anmutig erklingt das folgende Streichertrio B-Dur D 471 (1816) von Franz Schubert (1797–1828). Das einleitende Allegro moderato in Sonatenform wird ganz von einem an Mozart erinnernden Hauptthema der Violine beherrscht. Mit seinem lieblichen Violinthema berührt das Andante. Ein wunderbares Zusammenspiel des Trios. 

Als Kontrast stand danach der „Langsame Satz“ für Streichquartett (1905) von Anton Webern (1883–1945) auf dem Programm. Deutlich vom Einfluss seines Lehrers Arnold Schönberg geprägt, werden hier an der Schwelle zum 20. Jahrhundert immer gewagtere Harmonien (Dissonanzen) und opulente Klangfarben hörbar. Melodien, die fast wie ein gesprochener Satz wirken, werden durch stetige Tempowechsel gekennzeichnet. 

Nach der Pause wurde von allen fünf Instrumentalkünstlern das kammermusikalische Spätwerk „Streichquintett C-Dur D 956“ (1828) von Franz Schubert dargeboten. Nach einem langen ersten Satz folgt das bekannte Adagio mit seiner dreiteiligen Liedform A-B-A. Trotz seines stürmischen Mittelteils überwiegt der elegisch-gefühlvolle Charakter. Auf ein rasantes Scherzo folgt am Ende ein lebhaft-feuriges Rondo. 

Eine starke Ausdruckskraft der Streichinstrumente, gepaart mit der technischen Klasse der Interpreten.




Fülle im Supermarkt

Super – der Markt für alle im Kinder- und Jugendtheater Dortmund

Die Bühne ist voll. Regale mit Verpackungen, eine Auslage für Gemüse, Supermarktkasse, Pfandautomat und das ganze Equipment der Live-Band füllen den Raum. Alles ist am Anfang aber nur diffus zu erkennen, denn noch hat der Markt der Möglichkeiten nicht geöffnet.



Aus dem Off begleitet das Publikum die Stimme von Sina (gespielt von Sar Adina Scheer), die sich beeilen muss, an ihrem ersten Arbeitstag nicht zu spät zu kommen. Sie springt in die volle U- oder Straßenbahn auf der Bühne, die das Ensemble mit wenig Aufwand entstehen lässt. Alles ist unterwegs an diesem Morgen in der Großstadt. Und das erste Lied ist bereits gesungen, denn das Stück ist als Musical angekündigt.

Im Supermarkt geht es direkt in die Vollen, für die Neue bleibt kaum Zeit zum Atmen, alles muss schnell gehen, doch ein zartes Interesse bei einem Kollegen ist geweckt. Wird sich da etwas entwickeln?

Die erste Kundschaft ist da. Ein schlecht gelaunter BVB-Fan auf der Suche nach dem Super-Knüller-Hammer-Sonderangebot. Die gestresste Mutter auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Später kommen noch ein Fitnesstrainer, ein erfolgreicher Banker, der Flaschensammler, der gut situierte Privatier, die Rollstuhlfahrerin in den Markt.

Man erfährt ein wenig über die strenge Marktleiterin, ihren Konkurrenten und andere, und man amüsiert sich über die kleinen Finessen wie das „Tüdelit“ der Kassiererin (Bianka Lammert), die ihr eigener Scanner ist. Und die auch ganz wunderbar als Cheerleaderin mit zwei Staubwedeln im Hintergrund agiert.

v.l.n.r.: Bianka Lammert und Jan Westphal. © Lena Liedmann
v.l.n.r.: Bianka Lammert und Jan Westphal. © Lena Liedmann

Für die Choreographien wird der Raum gut genutzt, manchmal ist es ein wenig eng. Aber die Songs machen gute Laune. Und es treten nicht nur die Figuren auf, die im Supermarkt arbeiten oder einkaufen, nein, auch das Gemüse wird lebendig. Wenn der Brokkoli, der Spinat und die Tomate ihre Vorzüge darstellen, macht das Spaß, wobei die Tomatenqueen gewinnt. Sehr kraftvoll hier Anna Reizbikh.

In solchen Szenen kommt die Botschaft vom gesunden Essen locker an, doch manchmal tritt der erhobene Zeigefinger auch arg zutage. Selbst Sina, die ihren Aushilfsjob antritt, stellt sich im Verlauf als Ökotrophologin, als Expertin für Ernährung und Haushaltswissenschaften, vor. Am stärksten zeigt sich dies jedoch in einem kurzen Block zum Fleischkonsum, der auch direkt als Infoteil angekündigt wird. Zwar werden unter anderem ein paar Quizfragen gestellt, die auflockern sollen, aber die Sequenz stört den Fluss des Stückes und wird durchaus drastisch geschildert. Die Botschaft ließe sich sicherlich auch anders vermitteln.

Wohingegen zur Raucherpause keine Stellung genommen wird. Da gehörte noch eine kritische Anmerkung hin, wenn man nicht sogar lieber eine Frühstückspause daraus machen sollte. So kommt das Rauchen reichlich positiv herüber.

Musik (Michael Kessler) und Choreographien (Joeri Burger) machen unter der Regie von Andreas Gruhn Freude. Insgesamt muss man feststellen, dass nicht nur die Bühne voll ist, auch in das Stück wurde relativ viel hineingepackt. Eine Fülle an Ideen, Figuren und Botschaften in einer Aneinanderreihung von Monologen, durch die geeilt wird, statt der Erzählung einer Geschichte, der man mehr Raum wünschen würde. Auch der kleine rote Faden der sich andeutenden Liebesgeschichte wird nur sporadisch aufgegriffen und erfährt erst zum Ende hin eine größere Bedeutung. Hier ganz zauberhaft der Tanz mit dem Wischmopp des leidenden jungen Liebenden, gespielt von David Smith.

Weitere Termine im KJT unter www.theaterdo.de