Johann Sebastian Bachs Fugentechnik im Epochendialog
Unter dem Titel „Die Kunst der Fuge im Dialog“ luden die Dortmunder Philharmoniker zu ihrem 3. Kammerkonzert an einen besonderen Ort ein: Die hiesige Marienkirche bot am 23. April 2026 den idealen Rahmen für diesen musikalischen Abend. Das Ensemble – bestehend aus Nemanja Belej und Vera Plum (Violine), Minori Tsuchiyama und Pablo González (Fagott) sowie Ursula Hobbing am Cembalo – bescherte dem Publikum ein außergewöhnliches Hörerlebnis.
Johann Sebastian Bach (1685–1750) lotete in seinem Spätwerk „Die Kunst der Fuge“, das bis zu seinem Tod unvollendet blieb, die Grenzen der formalen Fugentechnik und des Kontrapunkts aus. Nach der Vorstellung des Themas durch die Exposition der ersten Stimme entwickelt sich ein komplexes Geflecht aus Themenaufnahmen in verschiedenen Tonarten und Variationen durch die weiteren Instrumente. Es entsteht ein Gefüge völlig selbstständiger und gleichwertiger Stimmen. Die Zuhörenden werden so Schicht für Schicht in die Tiefe des Werks gezogen, ohne dass eine einzelne Stimme die Oberhand gewinnt.
Das Programm war jedoch nicht rein monolithisch auf Bach ausgerichtet. Stattdessen traten seine Fugen in einen spannenden Dialog mit Werken unterschiedlicher Epochen. Die Auswahl reichte von Bachs direktem Vorbild Girolamo Frescobaldi (1583–1643) über den spätromantischen Virtuosen Eugène Ysaÿe (1858–1931) bis hin zu den zentralen sowjetischen Komponisten Sofia Gubaidulina (1931–2025) und Edison Denisov (1929–1996). Abgerundet wurde der Bogen durch den zeitgenössischen usbekischen Komponisten Jakhongir Shukur (*1981).

Alle ausgewählten Komponisten beziehen sich auf ihre jeweils eigene, oft kontrastreiche Weise auf Bachs Tonsprache. Für die Interpreten stellte dies eine reizvolle Herausforderung dar: Die warme, klare Ausdruckskraft der Fagotte harmonierte dabei hervorragend mit den eindringlichen Klängen der Violinen und des barocken Cembalos.
Insgesamt präsentierten die Philharmoniker ein abwechslungsreiches und mutig zusammengestelltes Programm. Die Kammerkonzerte erwiesen sich erneut als wunderbare Gelegenheit, die Musikerinnen und Musiker des Orchesters sowie ihre Instrumente in intimer Atmosphäre aus nächster Nähe zu erleben.