Oper Tosca als brisant-melodramatischer Psycho-Thriller

Giacomo Puccinis (1858 – 1924) fünfte Oper „Tosca“ unter der Regie von Nikolaus Habjan (Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica) feierte am 11.09.2021 in der Oper Dortmund vor noch mit freien Zwischenplätzen (Schattenplätzen) nicht voll besetzten Rängen seine Premiere. Zur großen Freude des Hauses konnte die Dortmunder Philharmoniker unter der sensiblen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz das Geschehen in voller Besetzung begleiten.

Obwohl die Oper ursprünglich um 1800 (Napoleonisches Zeitalter) in Rom verortet ist, macht die Inszenierung ihren zeitlosen Charakter deutlich. In diesem Psychothriller geht es neben einer Liebesgeschichte samt Eifersucht zwischen Tosca und dem freiheitsliebenden Maler Mario Cavaradossi auch um persönliche und politische Machtspiele. Das Volk steht unter dem Diktat von Religion und Staatsgewalt. Kontraste und Konflikt werden musikalisch und szenisch auf die Bühne und die Charaktere dem Publikum nahegebracht.

Inga Kalna (Floria Tosca), James Lee (Mario Cavaradossi) Foto: Björn Hickmann, Stage Picture
Inga Kalna (Floria Tosca), James Lee (Mario Cavaradossi) Foto: Björn Hickmann, Stage Picture

Schon das düstere Bühnenbild von Heike Vollmer mit der zerstörten Kirchenstruktur weist auf die Folgen der kriegerischen Handlungen („Kirchenstaat“ gegen „Römische Republik“) hin. Als Kontrast ist auf der Bühne auch ein großes Gemälde von Maria Magdalena von Hugues Merle (1886), das mich etwas an Maria Furtwängler erinnerte. Sie strahlt eine gewisse Erotik aus und es gab in der Religion viele Spekulationen und Aufregung um sie. Eine Art kleine Provokation. Zusätzlich arbeitet die Inszenierung geschickt mit unterschiedlicher Beleuchtung.

In der Handlung steht Tosca, leidenschaftlich und emotional gesungen von Gastsängerin Inga Kalna, als starke, aber verletzliche Frau im Mittelpunkt. Cavaradossi, mit starker Stimme von James Lee verkörpert, wird durch seinen alten Freund Cesare Angelotti, ehemaliger Republikanischer Konsul zum Handel und Stellung beziehen gezwungen. Baron Scarpia, von Gastsänger Noel Bouley gesungen, spielt den Typus skrupelloser Politiker und Intriganten mit vollen Einsatz. Triumphale Gesten und Grisen als er sich seiner Sache mit Tosca sicher ist.Morgan Moody verkörpert den Aktivisten Angelotti mit fester Haltung und Stimme. Der Mesner (Denis Veles), Polizeiagent Spoletta (Fritz Steinbrecher) oder Kerkermeister Sciarrone (Carl Kaiser) spielen teilweise aus Angst wie Marionetten Werkzeuge ihres brutalen Chefs.

Scarpias „Schutzgarde“ ist nach Vorbild der Schweizer Garde gekleidet und tritt martialisch auf.Stimmungsvolle Bereicherung waren der Opernchor Theater Dortmund, Knabenchor der Chorakademie Dortmund und die Kinderstatisterie Theater Dortmund.

Eine eindrucksvolle Premiere für alle Opernfreund*innen nach der langen Pause.

Die nächsten Vorstellungen sind mit voller Publikumszahl (1000 Personen) geplant. Informationen über weitere Aufführungstermine erhalten Sie unter www.theaterdo.de




Neustart. Jetzt aber wirklich

Nein, man kann nicht sagen, dass die neue Intendantin des Schauspielhauses, Julia Wissert, einen einfachen Stand hatte. Corona kam, der Lockdown ebenfalls und die neuen Ideen und Stücke mussten erst einmal warten. Nach ein paar Monaten gab es Wochen der Hoffnung, an denen auch einiges stattfand wie „2170 – Was wird die Stadt gewesen sein, in der wir leben werden?“, aber November 2020 kam der erneute Lockdown, dann die Sommerferien und nun befinden wir uns schon im zweiten Jahr der Intendanz.

Jetzt soll es endlich losgehen mit Wiederaufnahmen und vielen Premieren der ersten und zweiten Spielzeit. In einer Bühnenpräsentation stellte Chefdramaturgin Sabine reich das neue Programm vor. Die Dortmunderinnen und Dortmunder können gespannt sein.

Alle Akteure hoffen, dass die Bühne endlich wieder mit Leben gefüllt werden kann.
Alle Akteure hoffen, dass die Bühne endlich wieder mit Leben gefüllt werden kann.

Was wird von der Menschheit bleiben, wenn sie mal ausgestorben ist wie die Dinosaurier? Diese Frage stellt sich „Happy. We lived on a planet“ in der Regie von Mervan Ürkmez. Das theatrale Requiem sucht die Hoffnung und Schönheit in der Vergänglichkeit.

Mit dem Thema der Aufstiegsmöglichkeiten beschäftigt sich „Der Platz“ unter der Regie von Julia Wissert am 30. Oktober 2021. Gibt es diese Aufstiegsmöglichkeiten überhaupt noch oder sind die Grenzen bereits wieder festgezurrt?

Superhelden scheinen sehr beliebt zu sein, ob Kino oder Steamingdienst, überall wimmelt es von Batmans, Spidermans und Avengers. Jetzt sind sie auch im Dortmunder Schauspiel aktiv. In dem Stück „5G – die Rückkehr der Superheld*innen“ kämpfen, tanzen und singen ab dem 04. November 2021 vier Superheld*innen für Dortmund.

Eine Melange aus mehreren Werken zeigt „Zwischen zwei Stürmen“ am 27. November 2021 in der Regie von Lionel P. Somé. Die Basis für das Stück ist einerseits „Der Sturm“ von Shakespeare, zum anderen „Ein Sturm“ von Aimé Césaire. Hinzu kommen Texte von Bernice Ekoula Akoual. Erzählt wird die klassische Geschichte als zeitgenössische Interpretation von Macht und Kolonialisierung.

Es klingt wie eine romantische Komödie: Sartres „Das Spiel ist aus“ handelt von einem Mann und einer Frau, die gestorben sind, aber die Chance erhalten, zurückzukehren und sich innerhalb von 24 Stunden zu verlieben. Regisseurin Azeret Koua inszeniert das Stück mit der Frage, wofür es sich zu Leben lohnt. Premiere ist am 20. Januar 2022.

Kann man aus Kafkas „Die Verwandlung“ etwas komödiantisches herausziehen. Ich denke ja und Regisseur Milan Peschel ist der gleichen Meinung. Sein „Head in the door“ stellt Fragen wie „Warum sollten wir nicht einfach liegenbleiben, wenn der Wecker klingelt“ oder „Wer ist eigentlich das Ungeziefer?“ Die Antwort gibt es ab dem 29. Januar 2022 (Premiere).

Im Mittelalter gab es ab dem 14. Jahrhundert ein Phänomen: die Tanzwut. Menschen tanzten, bis sie erschöpft zusammenbrachen und sogar starben. Das Stück „Und ihr wolltet tanzen, also: Tanzt!“ ist eine Hommage an Raves, Clubs und Dancefloor. Das Stück findet mit dem Publikum gemeinsam auf der großen Bühne statt und ob es eine gemeinsame Ekstase geben wird? Wir lassen uns überraschen. Am 26. Februar 2022 (Premiere) Tanzschuhe anziehen.

Die Pandemiezeit war vor allem problematisch, wenn man ein Kind ist. In der Produktion „Im Jahre X…Vom außergewöhnlichem Horror, ein Kind zu sein“ zeigen Jugendliche ihre Videos und werden in Form einer Talk-Show gebeten ihre Erlebnisse zu berichten. Die Premiere ist am 19. März 2022.

Bei „Cherchez La Femme“ dreht sich alles über die Performativität von Feminität in Kunst und Kultur. Dafür verantwortlich ist das Kollektiv „Operation Memory“, das in einer Residenz nicht für das Stück auf die Bühne bringt, sondern auch zwei offene Werkstattformate anbieten wird. Die Premiere von „Cherchez La Femme“ ist am 23. April 2022.

Natürlich gibt es auch ein Projekt, das in die Stadt selbst wirken soll. Es heißt „105 Mal 68. Wir regeln das“. 105 × 68 ist die Größe eines Fußballfeldes und mit Fußball kennt sich Dortmund ja aus. An zwei Orten sollen zwei Freiräume in dieser Größe entstehen, die gemeinsam mit den Anwohner*innen bespielt werden. Unter dem Thema Regeln – theoretisch, praktisch, spielerisch sollen diese Orte als praktische Utopie unter dem Konzept von Christiane Hütter entstehen. Die Premiere wird am 04. Juni 2022 sein.

Mehr Informationen gibt es unter www.theaterdo.de