Heide Kemper – Glaskunst mit aktueller Brisanz

Die Städtische Galerie Torhaus Rombergpark zeigt vom 19.11.2017 bis zum 10. 12.2017 in ihren besonderen Räumlichkeiten die neue Ausstellung „Zehn Milliarden“ von der Dortmunder Glaskünstlerin Heide Kemper.

Inspiration für ihre Ausstellungsschau war das Buch „Zehn Milliarden“ des Wissenschaftler Stephen Emmott. Darin zeichnet er ein zusammenhängendes und aktuelles Bild über die Lage unseres Planeten. Umweltzerstörung, Klimawandel, Kampf um Ressourcen und Überbevölkerung sind das Thema. Vertreibung und Flucht vieler Menschen sind die Folge.

Damit beschäftigt sich auch Kemper mit ihren künstlerischen Werken. Es geht ihr aber insbesondere um die Bewahrung unseres Planeten mit all seinen Lebewesen.

Gezeigt werden Objekte, Installationen und „Glasbilder“ mit modernem Phototransfer-Verfahren, eingeschlossenen natürlichen Objekten (Asche von in Glas eingeschmolzenen Blättern aus dem Rombergpark).

Heide Kemper zeigt unter anderem Glasarbeiten, die mit der Fusing-Technik entstanden sind.
Heide Kemper zeigt unter anderem Glasarbeiten, die mit der Fusing-Technik entstanden sind.

Sie arbeitet mit viel Experimentierfreude mit verschiedenen Techniken, Sandstrahlen, Ofen- und Sandguss oder das Glasfusing. Diese Technik bezeichnet das Verschmelzen von Glas mit unterschiedlichen Farben und Formen in einem speziellen Brennofen bei über 800 Grad Celsius. Das transparente Material hat sie schon sehr früh fasziniert.

In der Mitte des Raumes ist eine eindrucksvolle Flüchtlingsbarke aus hunderten verformter Flaschen platziert. Sie stammen eigentlich aus ihrer ersten Arbeit mit verbogenen Flaschen aus dem Jahr 1996 („Fliehende“) anlässlich der Verfolgungen in Ruanda.

Mit ihren großformatigen Fusing-Arbeiten widmet sie sich der Zerstörung des Regenwalds sowie Reichtum und Armutsflucht.

Kleine Spiegelkästen (mit vier Spiegeln), die von außen aussehen wie offene Geschenkpakete ermöglichen uns den Blick auf eine unendliche Projektion von Menschen und Ressourcen.

Die Vernissage ist am Sonntag, den 19.11.2017 um 11:00 Uhr in der Städtischen Galerie Dortmund Torhaus Rombergpark.

Einführung: Dr. Rudolf Preuss

Die Künstlerin ist anwesend.




Zweites Philharmonisches Konzert – Musik voll Ekstase

Die Dortmunder Philharmoniker führten das Publikum am 14. und 15.11.2017 im hiesigen Konzerthaus unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz eindrucksvoll in eine musikalische Welt voller Ekstase, Exzessen, Wahnsinn und absoluter Liebe bis in den Tod.

Unter dem Titel „hoffnungs_schimmer“ wurden passend dazu Werke zweier Protagonisten der Spätromantik und eines zeitgenössischen Komponisten geboten.

Los ging es mit Richard Wagners (1813-1883) Ouvertüre zu „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“.

Hier steckt schon alles an Emotionen der Oper. Angefangen von Tannhäusers Zerrissenheit zwischen exzessiver Liebeslust, kreativer Schöpferkraft (Sinnbild: Venus und „sündiger Venusberg“) und der „wahren, reinen Liebe“ zu Elisabeth (Norm und Moral). Nur ihr Opfertod bietet scheinbar Erlösung und Hoffnung.

Die Thematik lag Wagner auch wegen seiner eigenen Biografie mit einer Geliebten am Herzen.

Im Grenzbereich von Ekstase und Tod komponierte sein Schwiegersohn Franz Liszt (1811-1886) den virtuosen „Totentanz“, eine Paraphrase über „Dies irae“ für Klavier und Orchester. Dieser gregorianische Hymnus galt damals als Chiffre für den Tod schlechthin und war Grundlage für das Werk. Die unterschiedlichen Facetten des Todes werden in verschiedenen Variationen musikalisch dargestellt. Mal von Trauer getragen und kraftvoll brachial, dann wieder grüblerisch oder diabolisch. Die rasanten und immer komplexer werdenden Herausforderungen für das Klavier verlangen einem Pianisten alles ab. Ein Glücksfall ist es, dass man mit Nikolai Tokarev einen so hervorragenden Klavier-Solisten für das Konzert verpflichtet hatte. Dieser glänzte gerade erst bei der Premiere von Xin Peng Wangs neue Choreographie Rachmaninow / Tschaikowski.

Richard Wagner stand im Mittelpunkt des 2. Philharmonischen Konzertes. (Foto: © Andreas Stix / pixelio.de)
Richard Wagner stand im Mittelpunkt des 2. Philharmonischen Konzertes. (Foto: © Andreas Stix / pixelio.de)

Nach der Pause wurde als mutiger Kontrast das Orchesterwerk „Asyla“ op. 17 des zeitgenössischen britischen Komponisten Thomas Adès (*1971) aufgeführt.

Es ist im Grunde genommen als eine Sinfonie in vier Sätzen konzipiert. Sechs Schlagzeuger, die mehrere Instrumente bedienen sorgen für den besonderen Sound Ungewöhnlich sind außerdem die beiden Pianisten, von denen einer ein Klavier bediente, das einen Viertelton tiefer gestimmt ist. Das teilweise ältere Publikum musste sich an etwas ungewöhnliches Klangbilder aus Technobeats, vor allem im dritten Satz (Ecstasio), oder fremden „Kuhglocken-Klängen“ gewöhnen. Ein spannendes Erlebnis.

Der Abend endete mit Richard Wagners mit dem Vorspiel und dem Liebestod aus „Tristan und Isolde“. Nach dem ekstatischen Vorspiel, das den die Sehnsucht nach der absoluten Liebe „über den Tod hinaus“ und dessen Tragik durch den speziellen „Tristan-Akkord“ symbolisiert wird, sang, begleitet vom Orchester, keine geringere als Emily Newton ( Oper Dortmund) mit ihrem klaren Sopran Isoldes Liebestod. Der Text ist dabei, wie bei Wagner oft, eher sehr schwülstig ausgefallen.