Buntes und Unbuntes von Bettina Brökelschen

Die Artothek der Stadt- und Landesbibliothek stellt bis zum 05. Juli Arbeiten der Dortmunder Künstlerin Bettina Bröckelschen unter dem Titel „Schwarz/weiß und ein bisschen Bunt“ aus. Zu sehen sind die bekannten Dortmund Bilder der Künstlerin, abstrakte Arbeiten sowie Kohlezeichnungen.

Bekannt ist Bettina Brökelschen durch ihre Dortmund Bilder, von denen auch einige zu sehen sind. Ihre farbfrohen Arbeiten zeigen häufig Menschen, die in Cafés sitzen, der Ort ist für Dortmunder meist leicht erkennbar.

In eine andere Richtung gehen ihre abstrakten Werke. Diese Reihe heißt „Menschen auf dem Weg“. Hier arbeitete die Künstlerin nebend er akstrakten Malerei noch Figuren hinein, die die Bildaussage verstärken. Ob es nun eine turbulente Zeit oder ein romantische Szene ist, Brökelschen gibt den Farben und Formen mit den kleinen Figuren eine weitere Dimension. In den meisten Bildern dieser Serie taucht eine Spirale auf. Für die Künstlerin steht die Spirale für „eine neue Sichtweise, für Eingesogenes und Neugeborenenes.“

Der dritte Teil der Ausstellung widmet sich den schwarz-weißen Kohlezeichnungen bekannter Musiker aus Rock, Jazz und klassischer Musik.

Italienische Operngefühle im Konzerthaus

Es war sicherlich einer der Höhepunkte des Klangvokal Festivals 2016 in Dortmund: Die nicht oft aufgeführte Oper von Giacomo Puccini (1858 – 1924), „Edgar“ (Libretto Ferdinando Fontana), wurde am 28.05.2016 im Rahmen des Festivals im Dortmunder Konzerthaus mit international renommierter Besetzung aufgeführt. Es war gleichzeitig eine Deutschlandpremiere der Mailänder Urfassung aus dem Jahr 1889 mit dem zwischenzeitlich der Kürzung zum Opfer gefallenen vierten Akt.

Für den erkrankten Kristian Benedikt sprang der argentinische Tenor Gustavo Porta für die Rolle des Protagonisten Edgar ein. Den Part der Tigrana übernahm die italienische Sopranistin Rachele Stanisci für die ebenfalls erkrankte Nino Surguladze. Das tat der gesanglichen Qualität der Aufführung keinen Abbruch.

Bei dieser Oper spielen die Chöre eine große Rolle, die SängerInnen wurden von einem großartigen WDR Rundfunkchor Köln (Einstudierung: Robert Blank) und durch den Kinderchor der Chorakademie Dortmund (Einstudierung: Bianca Kloda) unterstützt. Mit dem WDR Funkhausorchester unter der Leitung von Alexander Joel, stand ein Puccini-erfahrenes Orchester zur Verfügung. An der Orgel spielte die musikalische Assistentin Ann-Katrin Stöcker. Eine aufwendige konzertante Aufführung im feierlichem Rahmen.

Ähnlich der Grundkonstellation bei Bizets „Carmen“ oder Wagners „Tannhäuser“ steht der Titelheld Edgar zwischen der treuen, „engelsgleichen“, liebevollen Fidelia, die er schon lange kennt, und der lebenshungrigen, verführerischen, „verruchten“ Tigrana, eigentlich die Freundin von Fidelias Bruder Frank. Für Tigrana ist Frank ein Langweiler.

Wahre Liebe oder die Verlockungen eines ausschweifenden Lebens – das ist die Entscheidung. Die erhoffte Erlösung gibt es auch hier nicht bei den Lebenden. Ein Happy End ist ihnen nicht vergönnt.

Die Geschichte wurde von Puccini in das Jahr 1302, der Zeit des Flämischen Unabhängigkeitskampfes gegen Frankreich verlegt. Den anti-französischen, nationalistischen Tendenzen zur damaligen Zeit wurden durch den Komponisten Rechnung getragen.

Die Topsänger, allen voran die amerikanischen Latonia Moore (Fidelia), Gustavo Porta (Edgar), die temperamentvolle italienische Sängerin Rachele Stanisci (Tigrana), und der Bariton Evez Abdulla (Frank) sowie der rumänischen Bassist Bogdan Taloş (Vater von Fidelia) begeisterten das Publikum mit ihren starken und einfühlsamen Stimmen.

Die jeweiligen Stimmungslagen wurden vom Orchester in gutem Zusammenspiel im Einklang mit den SängerInnen in den Konzertraum projiziert. Bei den Liebesarien waren zum Beispiel schmeichelnde Klänge der Harfe, Querflöten und Streichern zu hören, und beim Eintreffen der Soldaten erklang Trommelwirbel und Trompetenrufe. Eine eindrucksvolle Stimme gaben die Chöre der bäuerlichen und bürgerlichen Zivilgesellschaft.

Ein wunderbarer Abend für die Freunde der italienischen Oper.

Flüchtlingsprojekt „Say it loud“

In Kooperation mit dem Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine e.V. Dortmund (VMDO), – Grone Bildungszentren NRW gGmbH, Haus der Vielfalt und Adlerhaus Dortmund hat das Kinder-und Jugendtheater ein besonderes Projekt ins Leben gerufen. Bei der Premiere von „Say it loud – Stories from the brave new world“ am Freitag, den 03.06.2016 um 19 Uhr, nehmen im Augenblick zehn Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Norden von Syrien, Mazedonien, Kosovo, Palästina und Marokko teil. Es geht um ihre persönlichen Fluchtgründe und Traumata, ihre Wünsche sowie Erfahrungen in Dortmund. Neben dem ernsten Hintergrund soll aber auch die humorvoll-ironischen Momente nicht zu kurz kommen.

Andreas Gruhn, Direktor des KJT, verriet im Vorgespräch, dass die Idee zu einem Flüchtlingsprojekt schon vor zwei Jahren angedacht wurde. Also noch vor dem massiven Zustrom im seit dem letzten Jahr aufgrund der verheerenden Krisen und Kriegssituation in vielen Teilen der Welt. Seit August 2015 gab es dann erste Kontakte zu den verschiedenen Kooperationspartnern und Flüchtlingen. Die Menschen sind immer noch die selben Menschen. Die Situation in den Ländern hat sich nicht geändert. Wir wollen den einzelnen Menschen mit ihren Wünschen, Ängsten und Hoffnungen Raum für ihre Geschichten geben“, so Gruhn. Dabei geht es um Kommunikation ohne Anspruch auf einfache Lösungen.

Ümit Koşan (VMDO) wies darauf hin, dass dieses Projekt den Flüchtlingen die Möglichkeit einer sinnvollen Beschäftigung und Auseinandersetzung mit ihrer Situation bietet. Wichtig ist dabei die gemeinsame Arbeit an einem Projekt von Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit und Öffnung des KJT für Flüchtlinge ist geplant, fügte Gruhn hinzu.

Der Projektleiter und Regisseur Andreas Wrosch lobte die Unterstützung der Stadt. Mit dabei sind seit Anfang zwei Sprachlehrer, darunter Dr. Ulrike Eichenauer. „Die zur Zeit zehn jungen Menschen aus fünf verschiedenen Ländern sprechen inzwischen so verständlich Deutsch, dass wir sie authentisch möglichst ohne Übersetzung sprechen lassen wollen“, so Wrosch.

Mit leichtem Schmunzeln spricht er von der Schwierigkeit für die Flüchtlingen, notwendigerweise pünktlich zu den Proben zu erscheinen.

Ernster wird er, als es um den schwierigen Umgang mit zum Teil auch schwer traumatisierten Menschen geht. „Die jungen Leute bekommen ja über ihre Smartphones und Handys mit, wie schlecht es ihren Angehörigen in der Heimat geht“, weiß der Projektleiter. Von den anfänglich siebzehn Teilnehmen sind zur Zeit nur noch zehn beidem Projekt dabei. Leider keine mehr aus Eritrea und dem Irak.

Wichtig bei der Arbeit ist uns deshalb immer, zwischendurch zu lachen“, erklärte Theaterpädagogin Inga Waizenegger. Es geht bei dem Stück nicht darum , schockierende „Betroffenheitsbilder“ zu zeigen, sondern um Verständnis und Kontakt.

Wir planen auch eine Partnerschaft mit ähnlichen Projekten in Frankreich (Calais), Schweden und eventuell in Portugal. Im September 2016 geht es zunächst nach Calais“, verriet Gruhn zum Schluss. Dann könnte sich zeigen, ob Europa nur eine Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft ist, oder uns auch humanistische Ideale verbinden.

Road-Movie in die Walachei

Am 20.05.2016 war im Kinder-und Jugendtheater Premiere für „Tschick“ nach dem Jugendbuch von Wolfgang Herrndorf unter der Regie von Andreas Gruhn. Der Direktor des KJT inszenierte das Stück mit Einsatz von modernen Medien. So wurden Filmsets und Miniaturkulissen auf drei verschiebbare Leinwände projiziert. Die Protagonisten Maik und Tschick machen schließlich einen Video-Blog über ihre „Ferien-Tour“. Auf der Bühne stehen nur wenige Requisiten, wie etwa eine Zinn-Badewanne.

Maik Klingenberg, 14-jähriger Sohn eines Immobilienmaklers und einer alkoholkranken Mutter aus Berlin-Marzahn erzählt im Rückblick von seinem bisherigen Leben als „Langweiler“ oder wahlweise „Psycho“. Oberflächlich wird die Fassade durch den zu Gewaltausbrüchen neigenden Vater aufrecht erhalten. Die Mutter wird offiziell ab und zu auf Urlaub in eine „Beauty-Farm“ zum Entzug geschickt, während der Vater sich mit seiner „Assistentin“ vergnügt.

So auch wieder zu Ferienanfang. Maik bekommt Geld in die Hand gedrückt und wird alleine gelassen. Gerade jetzt, wo er verzweifelt ist, weil Klassenschönheit Tatjana ihn, wie auch den neuen Mitschüler Tschick, einen schon öfter als Kleinkriminellen aufgefallenen „Assi-Russen“ (sowie nur noch den „Nazi“) nicht zu ihrer Geburtstagsfete eingeladen hat.

Plötzlich steht Tschick, mit einem „geborgten“ Lada vor der Tür und überredet Maik zu einer Ferientour in die Walachei, wo sein Großvater wohnt. Es beginnt eine wild-romantische , interessante Reise durch die brandenburgische Landschaft. Sie treffen einige skurrile Menschen, und am Ende bekommen die beiden Jugendlichen ein anderes Verhältnis zur Natur und Maik lernt durch die „Streunerin“ Isa die Liebe kennen…

Es ist eine typische „Coming of Age“ Geschichte vom Erwachsen werden, sexueller Identitätsfindung, Wunsch nach Abenteuer sowie Freiheit und Selbstbestimmung. Lockere Sprüche verdecken Einsamkeit und Unsicherheit.

Die Wandlung von Maik vom unsicheren „Langweiler“ bringt Philip Pelzer humorvoll-ironisch auf die Bühne. Thorsten Schmidt überzeugt als vordergründigen „Macho-Typen“ mit coolen Sprüchen und „weichem Kern“, Talisa Lara als lebenskluges starkes junges Mädchen.

Lara hatte genau wie Bettina Zobel (Mutter) und Rainer Kleinespel (Vater) die große Herausforderung, mehre Rollen und verschiedene Charaktere zu spielen. Es war schon erstaunlich, wie schnell sie sich nicht nur umziehen konnten, sondern auch wie auf „Knopfdruck“ in die andere Personen verwandeln konnten. Die Gewaltneigung des Vaters und die Alkoholkrankheit der Mutter wurden eindringlich dargestellt.

Die Musik spielte eine untergeordnete Rolle. Neben rockigen Klängen, wie z.B. von den „White Stripes“ begleitete die Reisenden die romantischen Klänge auf einer im Auto gefundenen Kassette von Richard Claydermann.

Der Aufführung gelang eine gute Balance zwischen Humor, Ironie auf der einen Seite, und leise Sensibilität vor allem bei Entwicklung der Freundschaft der beiden Protagonisten und der zarten Liebesgeschichte zwischen Maik und Isa und dessen Beziehung zu seiner Mutter.

Die starke Leistung des Ensembles wurde am Ende mit Standing Ovations belohnt.

Nähere Informationen zu weiteren Terminen dieser Aufführung unter : www.theaterdo.de

Meisterliche Reflexion über Dilletantismus

Die Ausstellung „Dieter Roth: Schöne Scheiße. Dilettantische Meisterwerke“ zeigt eine große Auswahl von Werken des Künstlers Dieter Roth (1931-1998). Neben seiner bildenden Kunst ist im Museum Ostwall auf der sechsten Etage des Dortmunder U eine Auswahl seiner Gedichte und seiner Musik zu erleben. Der Anlass für diese Ausstellung ist die Übergabe von 200 Werken Dieter Roths aus der Sammlung Horst Spankus, sie gehen als Dauerleihgaben an das Museum.

Bis hinein in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts galt der Künstler als Schöpfer von künstlerischen „meisterhaften“ Werken. Dann kamen Ideen auf von Gruppenarbeiten, die künstlerische Idee stand mehr und mehr im Vordergrund. Materialien und Motive aus dem Alltagsleben wurden benutzt.

Für Dieter Roth war die „schöne Scheiße“ auch künstlerisches Programm. Die Synthese zwischen Meisterwerk und Dilletantismus, Schönheit und Abfall prägten sein Künstlerisches Werk. Dabei ist der Titel „schöne Scheiße“ durchaus auch eine Art von „fishing for compliments“. Indem man sein Werk „Scheiße“ nennt, nimmt man schon mit einem Augenzwinkern der Kritik den Wind aus den Segeln.

Doc hfür Roth war Scheiße bzw. die Verdauung auch ein Werkstoff. Erinnert sei an seine Skulptur eines Hasen aus Hasenkot und seine Arbeiten mit Lebensmitteln, die quasi vor den Augen des Betrachters vergammelten, sozusagen von Bakterien verdautes organisches Material.

Die Ausstellung basiert auf einer Auswahl von 240 Werken, die zu zwei Dritteln aus dem Bestand der Sammlung Spankus und zu einem Drittel aus dem Sammlungsbestand des MO stammen. Sehenswert ist auch die riesige Video-Installation, die auf unzähligen Bildschirmen Szenen aus Roths alltäglichen und künstlerischen Leben zeigt.

Es gibt zu dieser Ausstellung selbstverständlich ein Begleitprogramm für Kinder, Familien, Erwachsene, Schulen und Kitas. Am Donnerstag, dem 21. Juli 2016 findet ein „Dieter Roth-Gedächtnis-Frittieren“ unter Leitung des Künstlers Matthias Schampf statt. Zu sehen ist diese Ausstellung bis zum 28. August 2016.

Theatrale Rituale

Mit dem Stück „Die Messe“ führt artscenio, unter der Leitung von Rolf Dennemann, nach „Missing Link“ das Publikum weiter in Richtung archaisches Theater. In der Verbindung zwischen Tanz und Schauspiel finden sich die Zuschauer in einer surrealen Messe wieder, deren Rituale sich an religiösen Praktiken anlehnt, aber einer klaren Zuordnung verweigert. Die Premiere ist am 27. Mai 2016 um 20 Uhr im Theater im Depot.

Was erwartet den Besucher? Das Stück inszeniert eine Messe, in der vielleicht manches bekannt vorkommt, aber theatral aufbereitet und liturgisch verfremdet wird. „Es ist kein Gottesdienst“; stellt Dennemann aber sofort klar. „Das Publikum soll nicht aktiv machen.“ Dennoch werden eifrige Kirchengänger sicher das eine oder andere Deja-vu-Erlebnis haben, denn das lautmalerische Sprechen, das besondere Licht und die spezielle Musik sind auch Elemente, die in Gottesdiensten oder anderen rituellen Handlungen vorkommen.

Eine wesentliche Funktion haben die Schauspielerin Elisabeth Pleß, die schon in verschiedenen Produktionen von artscenico mit dabei war. Für die Tänzerin Lim Huynijn ist es die artscenico-Premiere. Dazu kommt Gesang aus dem Publikumsraum von Patricia Bailey mit Chor und selbst Kampfsportelemente dürfen nicht fehlen.

In Gottesdiensten herrscht meistens ein heiliger Ernst vor, den möchte Dennemann aber vertreiben. „Das Stück ist nicht frei von Humor, das geht bei mir auch gar nicht anders.“

Pop zwischen Jazz und Folk

Man braucht kein Prophet zu sein, um Jördis Tielsch eine große Karriere in der Musikwelt vorherzusagen. Ihr Konzert am 22. Mai 2016 im Rahmen des Festivals „klangvokal“ um 11 Uhr im domicil stellte ihre Musikalität in den Mittelpunkt.

Tielsch macht erfrischende Musik, die ihre Wurzeln im Pop hat, aber anderen Einflüssen nicht abgeneigt ist. Tielsch spielt Violine und von daher hat Folk oder Americana Platz in ihren Arragements. Doch auch Jazz-Einflüsse tauchen auf. Musikalisch hat die Senkrechtstarterin alles drauf und wird ihren Weg gehen.

Da das Konzert als Familienkonzert deklariert war, waren auch viele Kinder im Publikum. Tielsch und ihre Mitmusiker (Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug) fanden direkt einen Draht zu den kleinen Gästen.

Durch die geistliche Romantik

Der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund nahm am 22. Mai 2016 seine Zuhörer mit auf eine Reise durch die geistlichen Lieder der Romantik in der Propsteikirche. Am Ende stand fest: Ein feines Konzert mit exzellenten Stimmen im Rahmen des Festivals „klangvokal“.

Dirigent Felix Heitmann interpretierte den Begriff „Choreografie“ ein wenig anders. Er positionierte den Chor bei jedem Lied anders in der Kirche, mit dem Ziel dadurch neue Höreffekte beim Publikum zu erzielen. Das klappte im Allgemeinen auch ganz gut, führte aber auch dazu, dass durch die Positionswechsel ein wenig Unruhe entstand.

Die musikalische Spanne reichte von Frühromantikern wie Mendelssohn Bartholdy oder Spohr bis hin zu Spätromantikern wie Bunk oder Mauersberger. Mauersberger war es auch, der mit seinem tiefberührenden „Wie liegt die Stadt so wüst“, eine Erinnerung an das zerstörte Dresden, einen Höhepunkt des Konzertes schuf.

Es waren nicht die großen bekannten Stücke der Romantik, die aufgeführt wurden, sondern eher die kleinen Edelsteine, die durch den Jugendkonzertchor zum Funkeln gebracht wurden. Und so war es kaum verwunderlich, dass der Chor drei Zugaben geben musste.

Mutige Ronja Räubertochter

Viele Menschen sind mit Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ (1981), der Geschichte um zwei verfeindete Räuberbanden und der klugen und mutigen Tochter Ronja groß geworden. Die Premiere dieses Stoffes als Familienoper in Dortmund von Jörn Arnecke mit dem Libretto von

Holger Potocki, Regie Johannes Schmid fand am 22.05.2016 statt. Es handelt sich um eine Kooperation des Theaters Dortmund mit der Deutschen Oper am Rhein und dem Theater Bonn im Rahmen des Projekts „Junge Oper Rhein-Ruhr“.

Worum geht es? Zwischen den beiden rivalisierenden Räuberbanden von Mattis und Borka herrscht seit vielen Jahren Streit. Deren Kinder, Ronja und Birki, lernen sich im Mattiswald kennen und befreunden sich langsam. Ronja will nicht die Nachfolgerin ihres Vaters werden. Sie möchte keine Menschen berauben und hat genug Gewalt, Streit, gegenseitigem Bekämpfen und dem rüpelhaftem Leben. Die beiden Väter sind mit der Freundschaft ihrer Kinder nicht einverstanden, doch Ronja und Birk halten wie „Bruder und Schwester“ zusammen und wohnen gemeinsam wie naturverbunden, ähnlich wie Adam und Eva, im Mattiswald.

Die Probleme mit der Nahrungssuche beginnen mit dem nahenden Winter, und die Freunde streiten öfter miteinander. In einer bedrohlichen Situation kommt Mattis zu Hilfe, um seine Tochter zurück zu holen. Er bereut inzwischen, dass er seine Tochter aus Enttäuschung verstoßen hatte. Außerdem liegt der alte, treue Räuber Glatzen-Per im Sterben….

Das Schloss mit den verschiebbaren Wänden auf der Bühne ist dem Original aus der Geschichte von Lindgren nach empfunden. Die Aufführung beginnt in bedrohlicher Atmosphäre von Blitz und Donner mit der Geburt von Ronja. Die Räuberbande von Mattis haben bis auf Glatzen-Per rote Haare und natürlich alle ihre „Räuberkleidung“ an. Seit dem Blitz-Einschlag geht ein Riss durch die Mattis-Burg. In den Nord-Teil werden sich die Borka-Räuber Jahre später einnisten.

Zur Charakterisierung der Räuber-Gesellschaft werden schon zu Anfang Wolf-Metaphern benutzt. So wird das Baby mit einem Wolf-Wiegenlied in den Schlaf gesungen, die Gemeinschaft mit einem „Wolfsrudel“ verglichen und am Ende Stirbt der „alte Wolf“.

Ein schneller Zeitsprung, und Jahre später steht Ronja als pubertierendes Mädchen auf der Bühne. Sie ist Vaters ganzer stolz, beginnt sich aber schon gedanklich gegen die Vorstellungen von Mattis aufzulehnen. Die beiden verfeindeten Gruppen sind auch optisch gut zu unterscheiden. Die Räuberbande von Mathis haben rote, die Borka-Bande alle blonde Haare.

Ein großes Kompliment für das wunderbar fantasievolle Bühnenbild und grandiosen Projektionen und die speziellen Effekte. Der Moos bewachsene Hügel tauchte schon bei „Hänsel und Gretel“ auf. Besonders Eindrucksvoll, das unheimliche Erscheinen der „Unterirdischen“.

Die Kinder sind in Lindgrens Geschichte die Einzigen, die offen sind für neue Wege. Neben „Glatzen-Pit“ sehen sie ein, dass es besser ist. zusammen gegen die Landvogte zu halten, als zu rauben und sich gegenseitig zu bekämpfen. Sie emanzipieren sich von den Vorstellungen „der Erwachsenen“ und überwinden symbolische Gräben (Höllenschlucht). Es lohnt sich, mit kindlich-unverstellten offenen Blick neue Wege zu beschreite. So gibt es im Unterschied zu „Romeo und Julia“ ein Happy -End.

Die zeitgenössische Musik von Jörn Arnecke, stellte sowohl für alle Sängerinnen und Sänger, wie auch für die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Ingo Martin Stadtmüller vor eine große Herausforderung. Mit viel Einfühlungsvermögen gelang ihnen, diese zu meistern.

Es waren keine eingängigen Gassenhauer zu hören, sondern die Musik war ein Spiegel der verschiedensten Stimmungslagen.

Ileana Mateescu als Ronja und Tamara Weimerich als Birk waren ein gut eingespieltes Team. Schließlich haben sie ja schon bei „Hänsel und Gretel“ zusammen gesungen und gespielt.

Als Gast aus dem Dortmunder Schauspiel-Ensemble konnte Andreas Beck mit seiner starken Präsenz als „Glatzen-Pit“ überzeugen.

Obwohl oft oft düster und beängstigend für zarte Gemüter angelegt, sorgen das das glückliche Ende, das Können und Engagement des Ensembles für ein gelungenes Familien-Erlebnis mit zeitloser Aktualität.

Mehr Information über weitere Aufführungs-Termine unter: www.theaterdo.de

Jazz mit starken Stimmen

Die Jazzpianistin Julia Hülsmann zeigte beim Konzert am 20. Mai 2016 im domicil vor allem, dass sie eine Teamplayerin ist. Sie stellt ihr Können nicht ständig in den Vordergrund, sondern gibt ihren Mitmusikerinnen und vor allem dem Gesang einen breiten Raum zur Entfaltung. So wurde das Konzert im Rahmen von klangvokal zu einer gelungenen Melange zwischen Jazz und Pop.

Ursprünglich war geplant, dass der „Hülsmann Achter“ nur aus Frauen bestehen sollte. Doch Jelena Kuljic war erkrankt und so sprang der Jazzsänger Michael Schiefe ein, der das Oktett wunderbar ergänzte. Für den besonderen Klang sorgten Gerdur Gunnarsdottir an der Violine und Susanne Paul am Cello. Daneben spielten Eva Kruse am Bass und Eva Klesse am Schlagzeug. Neben Schiefe sangen Live Maria Roggen und Aline Frazão.

Gespielt wurden Lieblingsstücke von Hülsmann ssowie Eigenkompositionen der Sängerinnen. Jazz-Interpretationen von Radiohead („All I Need“), Alanis Morissette („Your Congratulations“) oder Archive („Hatchett“) gehörten zu den Höhepunkten des Konzertes.

Da jeder der Sänger aus einer anderen Kultur entstammte, brachte auch jeder eine eigene Klangfarbe in das Konzert. Frazão, die aus Angola stammt, sang einige Lieder auf Portugiesisch („Tranto, Lady Multimelancholica“), während die Norwegerin Roggen eher aus der Folktradition kam.

Das Konzert war Jazz auf sehr hohen Niveau mit sehr guten Musikerinnen und drei tollen Stimmen am Mikrophon.