Zeitinsel Caldara – der zweite Tag

Das "La cetra Barockorchester" unter der Leitung von Andrea Mancon. (Foto: © Pascal Amos Rest)
Das „La cetra Barockorchester“ unter der Leitung von Andrea Marcon. (Foto: © Pascal Amos Rest)

Am Freitag, dem 17. Januar 2014 fand im Konzerthaus Dortmund der zweite Teil der „Zeitinsel Caldara“ statt. Auf dem Programm standen Werke von Vivaldi und natürlich Caldara selbst. Die beiden Komponisten haben einen ähnlichen Lebensweg hinter sich gebracht, Vivaldi hatte das Glück, dass seine Musik Anfang des 20.Jahrhunderts wiederentdeckt wurde, während Caladaras Musik überwiegend vergessen blieb. (Konzertbericht zum ersten Tag)

 

Während die fünf gespielten Werke von Caldara selbst für Klassik-Experten Neuland waren, spielte das La Cetra Barockorchester Basel unter der Leitung von Andrea Marcon „Die vier Jahreszeiten“ von Vivaldi. Warum eigentlich „Die vier Jahreszeiten“? In seiner Einführung erklärte Prof. Dr. Michael Stegemann dem Publikum, dass Vivaldi 1711 mit seiner Konzertsammlung L’estro armonico „Die harmonische Eingebung“) op.3 eine europäische Berühmtheit wurde und Musikgeschichte schrieb. Er erfand quasi das Solokonzert. Doch zu hören war das Opus 3 nicht, statt dessen gab es eben „Die vier Jahreszeiten“. Ein Stück, dass vermutlich auf keiner Klassiksammlung CD fehlen darf (zumindest eine Jahreszeit ist immer dabei). Dabei möchte ich nicht die Schönheit des Stückes schmälern. Denn wenn „Die vier Jahreszeiten“ von einem reinen Barockorchester wie dem La Cetra gespielt wird, unter anderem Lauten und Cembalo das basso continuo bilden, verfällt man sofort dieser barocken Schönheit. Wer dann auch noch einen Soloviolinisten wie Guiliano Carmignola aufbieten kann, versetzt die Besucher schnell in atemloses Staunen.

 

Carmignola, ein ausgezeichneter Spezialist in barocker italienischer Musik, lebt jede einzelne Note von Vivaldis Musik mit. Manchmal hat man das Gefühl, Carmignola fängt gleich an zu tanzen, so reißt es ihn mit. Diese Begeisterung, diese Leidenschaft für die Musik springt auch schnell auf das Publikum über. So wurde Carmignola erst nach zwei Zugaben entlassen.

 

Und wie schlägt sich Caldara? Ganz gut, die meisten seiner gespielten Werke stammen aus seiner Spätzeit (zwischen 1732-35) und enthalten schon leichte Elemente des aufkommenden „galanten Stils“ der Frühklassik. Haydn und Mozart warten schon am Horizont. Caldaras Musik ist solide, routiniert, eben wie ein erstklassiger Handwerker. Nicolas Altstaedt (Solo-Violincello), Jonathan Pešek (Violoncello, b.c.), Katharina Heutjer (Violine) und Éva Bohri (Violine) zeigen als Solisten die Qualität von Caldaras Kompositionen.

 

Ein gelungener, runder Abend mit perfekt gespielter Barockmusik von Orchester und Solisten. Vielleicht hätte man den Mut haben sollen, statt den „Vier Jahreszeiten“ lieber einige Konzerte aus „L’estro armonico“ zu spielen.

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