Verpasste Beziehungen

Eigentlich sollte Pianist Andreas Boyde beim 4. Philharmonischen Konzert am 08. und 09. Dezember 2015 die Klavierkonzerte von Clara und Robert Schuhmann spielen. Doch leider wurde er krank. So musste Clara zurückstehen, denn Martina Filjak spielte nur das Klavierkonzert von Robert. So verpasste das Publikum zwar die musikalische Beziehung zwischen den beiden Ehepartnern, aber die lernten mit Filjak eine Pianistin kennen, deren zartes, aber farbenfrohes Klavierspiel die Besucher begeisterte.

Die Philharmoniker unter der Leitung des Gastdirigenten Sebastian Lang-Lessing begannen mit dem „Ersatzstück“ der „Tragischen Ouvertüre“ von Brahms. Das Werk stand schon vor knapp drei Jahren auf dem Programm eines Philharmonischen Konzertes. Brahms passt thematisch ideal zu denn Schumanns, denn seine Zuneigung zu Clara wird in mehreren Briefen deutlich. Ob es zu mehr gekommen ist, bleibt aber Spekulation. In dem kurzen Stück von Brahms wird der Klang durch Posaunen und Tuba geprägt und gibt ihm einen dunklen, schweren Charakter.

Das Klavierkonzert in a-moll von Robert Schumann ist sicher ein Meilenstein in der Klaviermusik. Und wenn man Martina Fijak spielen hört, weiß man auch warum. Das Konzert verbindet das solistische Klavier wunderbar mit dem Orchester. Filjak spielt sanft, fast zärtlich, hat aber auch die nötige Power, um die energischen Stellen des Konzertes zu bewältigen. Ein souveräne Leistung der Pianistin, die erst nach zwei Zugaben die Bühne verlassen durfte.

Die 3. Sinfonie von Brahms fällt in den „Richtungsstreit“ zwischen der „Neudeutschen Schule“, vertreten durch Bruckner und Wagner und den „Traditionalisten“, zu denen Brahms gehörte. Zu den Besonderheiten der Sinfonie gehört der vierte Satz, das „Allegro“. Am Ende scheint die Sinfonie langsam zu verklingen. Es ertönt zwar noch das Hauptthema des ersten Satzes, doch nur noch wie ein schwacher Widerhall. Ein sehr beeindruckendes Ende für ein insgesamt sehr ansprechendes Konzert. Schade, dass wir nicht Clara Schumanns Klavierkonzert hören konnten. Wir wurden zwar mit dem betörenden Klavierspiel Filjaks entschädigt, andererseits gibt es nicht häufig die Gelegenheit, Musik von Komponistinnen im Konzertsaal zu erleben.

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