Tier und Mensch in der zeitgenössischen Kunst

Pablo Picasso Le crapaud, 1949 Lithografie auf Büttenpapier 49,5 x 65,5 cm Museum Ostwall © VG Bild-Kunst, Bonn 2014,  Foto: Jürgen Spiler
Pablo Picasso, Le crapaud, 1949, Lithografie auf Büttenpapier, 49,5 x 65,5 cm,Museum Ostwall,© VG Bild-Kunst, Bonn 2014, Foto: Jürgen Spiler

Das Genre Tiermalerei ist nicht jung. Wenn wir die Höhlenmalereien dazu zählen, kommen wir auf eine Geschichte von 30.000 Jahren. Doch in der Ausstellung „Arche Noah – Über Tier und Mensch in der Kunst“ im Museum Ostwall im Dortmunder U geht es trotz des biblischen Titels um die Auseinandersetzung mit dem Tier von der Moderne wie Macke bis zur zeitgenössischen Kunst. Die Ausstellung ist bereits eröffnet und geht bis zum 12. April 2015.

„Die Ausstellung ist etwas für Kunst- und Tierfreunde“, erklärte Museumsdirektor Kurt Wettengl. Die Spannbreite der Themen reicht von idyllischen Betrachtungen bis hin zu ethischen Fragen wie: Was tun wir dem Tier an? Wie gehen wir mit Tieren um? Naturzerstörung, wissenschaftliche Forschung und das Ausstellen von Tieren wurde von Künstlerinnen und Künstlern thematisiert und in dieser Ausstellung gezeigt. Natürlich spielt auch die Rolle des Tieres als Nutztier oder konkret als Schlachttier eine Rolle in der Ausstellung. Besonders eindrucksvoll hat dies Jörg Knoefel in seiner Installation „Schlachthaus Berlin“ (1986/88) gemacht. In diesem Labyrinth gibt es nur einen Weg. An den Wänden hängen Fotos aus dem Berliner Schlachthaus, das zeigt, welches Schicksal den Tieren am Ende des Weges erwartet.

Das gleiche Thema bearbeitet Deborah Sengl in ihrer „Vita Dolorosa“ (2012). Der Leidensweg des Tieres wird mit dem Leidensweg Christi auf den Kreuzwegstationen gleichgesetzt. Statt Jesus Christus erscheint auf den Bildern ein Huhn. Der Abschluss bildet ein gekreuzigtes Huhn mit der Aufschrift KFC statt INRI.

Für die Ausstellung „Arche Noah“ wurden viele Kunstwerke von außerhalb ausgeliehen. „Rund ein Drittel stammt aus unserer Sammlung, der Rest kommt aus Museen in Deutschland“, so Wettengl. Ebenfalls entstanden für die Ausstellung ortsbezogene Projekten. Während Mark Dion die abenteuerliche Installation The Dark Museum mit Objekten des Museums für Naturkunde Dortmund schuf, beschäftigte sich die Dortmunder Künstlerin Anett Frontzek mit der Tierwelt am Dortmunder Phoenix-See. Die Künstlergruppe finger konzipierte das Frankfurter Bienenhaus und ermöglichte so die Einbeziehung lebender Tiere in das Ausstellungsprojekt. Im Zoo Dortmund sind neben den dort lebenden Tieren, Tierplastiken von Bernhard Hoetger aus der Sammlung des Museums Ostwall zu sehen.

Die bunte künstlerische Sicht auf das Verhältnis von Mensch und Tier findet sich auch in der vorliegenden Publikation und ihrer Anmutung zwischen Kunst- und Tiermagazin wieder. Der Katalog enthält Beiträge von Dr. Frank Brandstätter, Direktor des Zoos Dortmund; Dr. Dr. Elke Möllmann und dem Biowissenschaftler Dr. Oliver Adrian, beide Museum für Naturkunde Dortmund; der freien Journalistin und Buchautorin Hilal Sezgin und dem Biologen, Stadtökologen und Buchautor Bernhard Kegel. Während Bernhard Kegel über das Verhältnis von Mensch und Tier in Städten nachdenkt, wirft Hilal Sezgin tierethische Fragen auf. Beide Themen ziehen sich wie ein roter Faden auch durch die Ausstellung.

Die Beiträge der Kuratoren Katja Knicker und Kurt Wettengl stellen die Themen der Ausstellung und einzelne Werke vor.

Arche Noah Spezial und die Kleine Arche bieten Unterhaltung für Erwachsene (Kreuzworträtsel, Rezepte, Literaturtipps) und Kinder (Tiermaske zum Ausschneiden etc.).
Katalog: 144 Seiten, Farbe. Preis: 12 Euro an der Museumskasse.

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