Sperrige Ästhetik

Marlies Backhaus legt noch Hand an ihrer Installation "Verlust der Unbefangenheit".
Marlies Backhaus legt noch Hand an ihrer Installation „Verlust der Unbefangenheit“.

Vom 09. Februar bis zum 02. März 2014 zeigt das Torhaus Rombergpark die Ausstellung „von der Melancholie des Erreichten“ von Marlies Backhaus. 14 Werke in unterschiedlichen künstlerischen Genres wie Fotografie, Grafik, Malerei oder Objektkunst sind zu sehen. Ihre Arbeiten drehen sich um Themen wie Kindheit oder um Themen, die gerne verdrängt werden.

 

Was dem Betrachter beim Besuch der Ausstellung auffallen wird, ist die enorme Bandbreite der verschiedenen Kunstgenres. Fotomontagen neben Videos, Objekte neben Acrylmalerei. „ich gehe mit der Zeit und setze neue Medien ein“, erklärte die Künstlerin. Doch eine Leidenschaft bleibt: Backhaus arbeitet sehr gerne im Format 20×20 cm. Daher bestehen einige ihrer Werke aus einer Vielzahl dieser kleinen Quadrate wie beispielsweise der Wandinstallation „Mexikanisches Tagebuch“ aus dem Jahre 2009, das aus 48 kleinen Leinwänden besteht.

 

In ihren Werken arbeitet Marlies Backhaus das Widersprüchliche in unserer oder in einer fremden Gesellschaft heraus. Bei der Installation „Hermine“ zeigt sie den Kontrast zwischen einem handschriftlichen Namenszug auf einem Clip, was quasi einen persönlichen Bezug herstellt und dem zu erwarteten Ende der Kuh Hermine: Ein mit Rot/Blut gefüllter Eimer und 20 leere Wurstdärme.

Der Inhalt von Mülltonnen wird bei Backhaus bei „Stillleben.Müll“ zu einer Art „modernen“ Stillleben, komplett mit barocken Rahmen. Sie bieten dem Betrachter natürlich das komplette Gegenteil eines klassischen Stilllebens.

 

Ein wichtiges Thema für Backhaus sind Kinder. In der Ausstellung trifft der Besucher häufiger auf Werke, die sich mit Kindheit oder Kind sein beschäftigen. Bei „adieu les petits. Les petits adieu“ von 2007 geht es um den Abschied von der Kindheit und auch um den Verlust, den Eltern verspüren, wenn ihre Kinder aus dem Haus gehen. In „Verlust der Unbefangenheit“ thematisiert Backhaus den Verlust von Unschuld und unbeschwerter Kindheit. Draußen lauern Missbrauch und Gewalt. Am Ende sind Kreideumrisse von Kinderkörpern zu sehen, wie man sie aus Krimis kennt.

 

Doch bei all diesen Themen möchte die Künstlerin eines nicht: „Ich möchte nicht mit erhobenen Zeigefinger mahnen“. Das ist auch nicht schlimm, denn so muss sich der Betrachter schon selbst Gedanken machen. Die Ausstellung bietet zur Selbstreflexion viel Raum.

 

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