Musikalischer „sphären_reigen“ im Konzerthaus

Mit einem abwechslungsreichen Programm unter dem Motto „sphären_reigen“ lockte die Dortmunder Philharmoniker unter der lockeren Leitung von Marc Piollet (Professor für Dirigieren an der Kunstuniversität in Graz) am 08./ 09.05.2018 ihr Publikum in das Dortmunder Konzerthaus.

Das Programm begann mit dem „Divertimento für Orchester“ (1980) von Leonard Bernstein (1918 – 1990). Diese acht kleinen „Musik-Überraschungen“ sind nicht nur ein autobiographischer Spaß des amerikanischen Komponisten, es ist auch eine Hommage an die Stadt Boston (anlässlich des hundertsten Geburtstags) und eine Reminiszenz an große Komponisten-Kollegen wie etwa Mozart, Johann Strauß, Tschaikowsky und andere.

Es war eine Art spritzigen Potpourri aus verschiedenen musikalischen Stilen und Epochen mit versteckten Anspielungen aus dem reichen Konzerterlebnissen von Bernstein.

Das Fanfarenmotiv vom „Sennets and Tuckets“ (Signale und Fanfaren) am Anfang wird in den folgenden Orchester-Miniaturen immer wieder neu verarbeitet. Zunächst in einem Walzer im ungewöhnlichen 7/8 Takt (erinnert an Tschaikowskys 6. Sinfonie) , eine Mazurka, Samba und dem Turkey Trot (eine Art Charleston). Als Kontrast stand dazu die eher geheimnisvoll angelegte „Sphinxes“. Hier macht sich der Komponist einen kleinen privaten Spaß mit der Zwölftonmusik.

Eine Hommage an die Boston-Clubs ist der anschließende „Blues“. Das Finale „The BSO Forever“ ist nachdenklich gehalten und erinnert an die verstorbenen Musiker des BSO. Den Abschluss bildet dann eine lustige Marsch-Persiflage (Radetzky, Johann Strauß oder Philip Sousa).

Tuba libre: Thomas Kerstner zeigte an der Tuba seine Virtuosität. (Foto: © Magdalena Spinn)
Tuba libre: Thomas Kerstner zeigte an der Tuba seine Virtuosität. (Foto: © Magdalena Spinn)

Beim folgenden „Tubakonzert f-Moll von Ralph Vaughan Williams (1872- 1958) zeigte Thomas Kerstner als Solist an der Tuba mit Orchester-Begleitung nicht nur sein Können, sondern auch die vielfältige Ausdruckskraft dieses Instruments. In den drei Sätzen entfaltete sich der „Gesang der Tuba“ ob leise, schwermütig oder laut und kraftvoll klagend. Als Meister der Tuba begeisterte Kerstner das Publikum anschließend noch mit einer selbst komponierten Zugabe.

Nach der Pause führte die Dortmunder Philharmoniker und ihr Dirigent die Zuhörerinnen und Zuhörer mit „Die Planeten“, Suite für großes Orchester op. 32, von Gustav Holst /1874 – 1934) musikalisch in die Weiten und Sphären der Astrologie mit einer Planeten-Reise. Über Mars (Kriegsbote), Venus (Friedensbotin), Mercury (geflügelter Bote) , Jupiter (Bote der Fröhlichkeit), Saturn (Bote des Alters) ging die Achterbahn der Gefühlswelten. Mystisch geheimnisvoll wurde es besonders gegen Ende mit Uranus (der Magier) und Neptun (der Mystiker).

Dieses Werk von Holst hat wohl einige Komponisten für Film und Computerspiele inspiriert. Gleich zu Beginn bei „Mars“ fühlt man sich als Besucher in einen der „Star Wars“-Filme versetzt, auch der „Jupiter“ erinnert zu Beginn an einen Soundtrack für einen Western, verwandelt sich aber in Richtung Fantasy-Film a la „Herr der Ringe“.  Kein Wunder, dass die Musik der Spätromantik ideal zu großen Filmen passt, denn hier wie dort geht es um große Gefühle.

Eindrucksvoll unterstützt wurde das Finale durch die Damen des Opernchors unter der Leitung von Manuel Pujol . Eine zunächst offene Tür auf der Empore links schloss sich wie von Geisterhand ganz langsam zum Ende hin.

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