Memory Alpha – das trügerische menschliche Gedächtnis

Ein neues Studio-Stück im Dortmunder Schauspiel hat am Freitag, den 06.04.2018 um 20:00 Uhr seine Uraufführung. „Memory Alpha oder die Zeit der Augenzeugen“ von Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz ist in einer kollektiven Arbeit mit dem Regisseur Ed. Hauswirth und den beteiligten Schauspielern entstanden. Hauswirth ist Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter des zeitgenössischen Volkstheaters im Bahnhof (Graz). Am Schauspiel Dortmund wurde er noch im Megastore 2016 mit der hoch gelobten Stückentwicklung „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ bekannt.

„Ich bevorzuge die kollektive Arbeitsweise und sehe die Schauspieler als Mitgestalter eines Projekts,“ so der Regisseur. Die aktuelle Aufführung befasst sich mit dem menschliche Gedächtnis und unseren Erinnerungen. Diese sind keine feste Größe, sondern verändern sich mit der Zeit und sind beeinflussbar. Was bedeutet die Fehleranfälligkeit der menschlichen Erinnerung für unser Gefühl von Identität. Was ist, wenn diese mit den ungeahnten Möglichkeiten von elektronischen Gedächtnissen aufeinander treffen?

Kein Scherz, bereit 2020 will die chinesische Regierung ein landesweites Scoring-System, eine Art Super-SCHUFA, in Betrieb nehmen, das das Verhalten jedes Bürgers in allen Bereichen elektronisch erfasst. Diese Daten sollen analysiert und bewertet werden.

Jede Person in China soll soll dann mit einem Punktestand durchs Leben gehen, der seiner momentanen Reputation entspricht. Der Mensch kann je nach Verhalten Punkte gewinnen oder verlieren. Seine Lebenschancen hängen davon ab.

Auf Grundlage des Buches „Das trügerische Gedächtnis“ der deutsch-kanadischen Rechtspsychologin Julia Shaw ist das Stück entwickelt worden. Sie befasste sich experimentell insbesondere mit Erinnerungen und deren Manipulationen.

Memory Alpha - Wenn das Gedächtnis manipuliert werden kann. (V.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder, Caroline Hanke und Christian Freund. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Memory Alpha – Wenn das Gedächtnis manipuliert werden kann. (v.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher,Uwe Schmieder, Caroline Hanke und Christian Freund. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Zum Stück: Der Leiter des „Instituts für Digitalität und Gedächtnis“ Dr. Gerd Stein (Uwe Schmieder), wird auf einer Brüsseler Straße von einem Auto zerquetscht. Kurz zuvor hatte er im Europaparlament öffentlich vor der chinesischen Super-SCHUFA gewarnt. Stein begibt sich auf Spurensuche rückwärts nach dem Täter. Knapp zwei Monate vorher experimentierte seine Frau, die Gedächtnisforscherin Johanna Kleinert (Friederike Tiefenbacher), mit der natürlichen Fehleranfälligkeit des menschlichen Gehirns. Im Rahmen einer Studie hackt Kleinert das Gedächtnis des Probanden Sebastian Grünfeld (Christian Freund). Dieser erinnerte sich danach an ein Erlebnis, was es nie gegeben hatte. Dann ist da noch Steins Schwester Charlotte ( Caroline Hanke). Sie ist eine von nur 57 weltweit bekannten Menschen, die schwer vergessen können…

Das Publikum wird, so Anne-Kathrin Schulz, in ein Gedanken und Gedächtniskosmos mitgenommen. Das Studio wir von allen Seiten und von der Decke mit wechselnden assoziativen Erinnerungs-Fotografien versehen. Sie umfassen sowohl das persönliche als „kollektive“ Gedächtnis. Lucas Pleß sorgt für das passende Engineering (Geräusch-Hintergrund).

Die Premiere am 06.04.2018 ist schon ausverkauft.

Für die nächste Vorstellung am 13.04.2018 um 20:00 Uhr gibt es noch Restkarten.

Weitere Informationen und Termine unter www.theaterdo.de

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