Liederfoyer mit Jahrhunderte übergreifender musikalischer Vielfalt

Mit einem mutigen Crossover-Projekt überraschte am Samstag, den 27.01.208 um 16:00 Uhr das Liederfoyer in der Dortmunder Oper. Auf der kleinen Bühne im Foyer trafen sich die Opernsängerin Almerija Delic ( Mezzosopran) und der Komponist, Allround-Musiker und aktueller musikalischer Leiter des Dortmunder Schauspielhauses Tommy Finke (Gesang, Klavier, Gitarre, Elektronik) zu einem besonderen Stelldichein. Unterstützt wurden die Beiden am Klavier durch den Opernpianisten Bernhard Stengel vom Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.

Delic und Finke kennen sich schon seit ihrem Studium (Oper und Komposition) an der Folkwang Universität und hatten sichtlich Spaß an diesem gemeinsamen Projekt.

Die Foyerbühne war mit elektronischem Equipment gefüllt, und es wurde klar, dass dieser Nachmittag kein gewöhnlicher in dieser Reihe werden würde.

Auf dem umfangreichen Programm standen musikalische Werke, die von Hildegard von Bingen (1098-1179) bis in unsere Gegenwart reichte. Dabei wurden die Lieder nicht einfach chronologisch nach ihrer Entstehungszeit aneinandergereiht, sondern es wurde versucht, durch die Reihenfolge gegensätzlichen Stücken eine thematische Entwicklung hörbar zu machen. Es ging um die Entwicklung einer besonderen Dramaturgie, die zwischen den musikalischen Gegensätzen immer neue Beziehungen entstehen lässt.

Delic sang - unterstütztz von Tommy Finke und Bernhard Stengel, Lieder von Hildegard von Bingen bis zu Dolores O'Riordan (The Cranberries). (Foto: © Oper Dortmund)
Delic sang – unterstütztz von Tommy Finke und Bernhard Stengel, Lieder von Hildegard von Bingen bis zu Dolores O’Riordan (The Cranberries). (Foto: © Oper Dortmund)

Deutlich wurde das vor allem bei den ersten beiden musikalischen Werken, die ohne Übergang nacheinander gespielt wurden. Eindrucksvoll, wie wunderbar Hildegard von Bingens „O Virtus Sapientiae“ und das direkt angeschlossene „Take On Me“ von der Gruppe a-ha (1985) zusammen passten. In der Folge wurde ging weiter es über Musical-Anklänge von Leonard Bernstein oder Kurt Weil, Romantik von Gustav Mahler, und Zemlinsky, Barrockmusik von Purcell, Antiromantik von Hanns Eisler, Neue Musik von Aribert Reimann und Luciano Berio bis hin zu Popmusik von a-ha, den Cranberries, John Lennon , Rio Reiser oder Leonard Cohen.

Almerija Delic konnte nicht nur ihr vielfältiges Können auch in verschiedenen musikalischen Genres, sondern beeindruckte auch durch ihre starke Stimme.

Bei dem Song „Zombie“ von den Cranberries zeigte sie besonders, was für eine gewaltige Stimmkraft sie besitzt. Gut harmonierte das Zusammenspiel und Singen mit Tommy Finke.

Einige im Publikum, wohl eher in der Mehrzahl der klassischen Musik und der Oper zugeneigt, mögen wegen der ungewöhnlichen elektronische Klänge wohl etwas irritiert gewesen sein. Finke trug dem Publikum auch außerhalb des Programms das tragende Musikstück aus der „Borderline Prozession“ (Kay Voges) des Schauspiels vor.

Ein spannender und mutiger Liederfoyer-Nachmittag.

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