Leidenschaft für Fado

Noëmit Waysfeld bot mit ihrer Band Blik eine Mischung von Fado und jiddischer Musik. (Foto: © Hanna Sander)
Noëmit Waysfeld bot mit ihrer Band Blik eine Mischung von Fado und jiddischer Musik. (Foto: © Hanna Sander)

Es gibt Verbindungen, die nicht zueinander passen. Feuer und Wasser beispielsweise. Dann gibt es Verbindungen, die nur auf den ersten Blick komisch aussehen, beim genauen Betrachten aber Sinn machen. Musikalisch nennt man so etwas „Crossover“, also „Überquerung“. Da das Festival Klangvokal dieses Jahr mit dem Motto „Zwischen den Welten“ musikalische Brücken bauen möchte, passte das Konzert der Französin Noëmi Waysfeld und ihrer Band Blik am 05. Juni 2015 im domicil ideal zum Programm. Denn Waysfeld verbindet jiddische Musik mit dem portugiesischem Fado.

Fado ist der Blues Portugals. In ihm wird die unglückliche Liebe, die Sehnsucht oder generell der Weltschmerz, der saudade, besungen. Dann sind wir nicht weit weg vom jüdischen Leben in den Ghettos Osteuropas, immer mit der Angst verbunden, Opfer des nächsten Pogroms zu werden. Darüber hinaus bringt Waysfeld auch noch die weibliche Perspektive ein. Sie singt von Frauen, die Angst um ihre Männer draußen auf See haben. Über verliebte Frauen, über verzweifelte Frauen. Das Konzert von Waysfeld ist auch eine Hommage an die „Königin des Fados“ Amàlia Rogrigues, deren Lieder sie singt, aber auf Jiddisch.

Waysfeld singt überwiegend Lieder aus ihrem neuen Album „Alfama“, „Maria Lisboa“, die Liebeserklärung an die portugiesische Hauptstadt singt sie auf portugiesisch und eine Zugabe auf russisch, aber ansonsten singt sie in der Sprache ihrer Vorfahren: Jiddisch. Jiddisch klingt für deutsche Ohren seltsam vertraut. Titel wie „Fargebn zol Got“ oder „Hintern Shpigl“ kann man schnell übersetzen. Leider haben die Nazis die lebendige jiddische Kultur in Europa in ihrem menschenverachtenden Wahn zum größten Teil vernichtet.

Waysfeld hat nicht nur eine „Leidenschaft für Fado“ wie sie es in ihrem Lied „Fargebn zol Got“ besingt, sondern sie und ihre Band schlagen auch andere Rhythmen an. Walzer, Tango und natürlich jiddische Musik sind zu hören. Dabei wird Waysfeld von ihrer Band Blik, drei hochkarätigen Musikern, begleitet, denen sie vor allem in zwei Instrumentalstücken die Möglichkeit gibt, ihr Können zu zeigen. Florent Labodinère (Gitarre, Oud), Antoine Rozenbaum am Bass und vor allem Thierry Bretonnet am Akkordeon ernteten häufig Sonderapplaus von den Zuhörern.

Ein gelungenes, aber leider etwas kurzes Konzert, denn Waysfeld sang nur etwas mehr als eine Stunde. Aber ihre Stimme passt zum Fado. Sentimental und melancholisch, wütend, aber auch ausgelassen.

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